Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS I
1 EINLEITUNG 1
2 UNTERSCHIEDLICHE FORMEN DER BERICHTERSTATTUNG 3
2.1 Reisebericht eines Pauschalreisenden 3
2.2 Verurteilter Sextourist 4
2.3 Sicht einer Frauenrechtlerin 5
2.4 Kevin Bales Sicht 6
3 ANALYSE DER BERICHTE 8
4 ZWANGSPROSTITUTION ALS FORM VON SKLAVEREI 11
4.1 Begriffsbestimmungen 11
4.2 Rechtliche Grundlagen 12
4.3 Verwendung des Begriffs der Sklaverei 13
5 RESÜMEE 14
6 LITERATURVERZEICHNIS 15
I
1 Einleitung
Das Wort Sklaverei löst bei den meisten Menschen in erster Linie Assoziationen mit der Sklaverei im antiken Rom oder Griechenland sowie mit der Plantagenwirtschaft in Amerika aus. Doch neben diesen lange zurückliegenden Beispielen finden wir auch heute immer wieder Formen der modernen Sklaverei, wie Menschenhandel, Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit (vgl. Bales 2008: 45ff.). In der vorliegenden Arbeit soll es nun um Zwangsarbeit am Beispiel der Zwangsprostitution in Thailand gehen. Es soll geklärt werden inwieweit Zwangsprostitution Elemente von Sklaverei enthält. Welche Argumente sprechen für eine Verwendung des Begriffs der modernen Sklaverei und welche dagegen und wie bewerten Personen aus den verschiedensten Lebensbereichen die Situation in Thailand. Hierfür werden verschiedene Berichte über die Prostitution in Thailand vorgestellt und anschließend mitei-nander verglichen. Am Ende wird Bezug auf die Definitionen und rechtlichen Grundlagen genommen.
Ziel dieser Untersuchung soll es sein, zu prüfen ob eine Verwendung des Begriffs der Sklaverei im Zusammenhang mit der Zwangsprostitution in Thailand zulässig ist. Hierfür sollen die unterschiedlichen Sichtweisen von verschiedenen Akteuren empirisch geprüft werden und mit dem rechtlichen Grundlagen und den Definitionen zur Sklaverei in Bezug gebracht werden, um am Ende ein eindeutiges Votum für oder gegen den Begriff der modernen Sklaverei zu treffen.
Für eine solche Untersuchung muss als erstes geklärt werden, wie Thailand zu einer der größten Sextourismusländer aufsteigen konnte. Schon in der Ayuthaya- Zeit (1450 - 1767) galten Frauen von Gesetz wegen in allen gesellschaftlichen Schichten als Besitz der Männer. (vgl. Reschler 1991: 106f.) Es ist bekannt, dass es zu dieser Zeit nur eine geringe Anzahl von Prostituierten gab und diese sich zum Großteil wahrscheinlich in der Hauptstadt aufhielten. (vgl. Skrobanek 1983: 28f.)
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekamen Frauen in Thailand mehr Rechte zugesprochen. So wurden eine Reihe von Gesetzen erlassen, die die Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern minderte und ihre soziale Stellung stärkte. Als offizielles Ende der Sklaverei in Thailand gilt das Gesetz aus dem Jahr 1868, welches den Verkauf von Frauen und Kindern verbot. (vgl. Reschler 1991: 108f.)
1
Bis in das Jahr 1954 stieg die Zahl der Prostituierten auf circa 20.000 an. Diese Zahl verzwanzigfachte sich in den kommenden sieben Jahren auf 400.000. Diese Zunahme kann nur Mithilfe des Tourismus, vor allem aus China, und dem Vietnamkrieg erklärt werden. (vgl. Reschler 1991: 111)
Auf der einen Seite brachten die chinesischen Einwanderer ihre Erfahrung und ihre Entwicklungen nach Thailand, aber auf der anderen Seite eben auch ihre Freizeitbeschäftigungen, wie zum Beispiel die Prostitution. Die chinesischen Fremdarbeiter wurden nach Thailand geholt, um die neuen Industrien in Thailand zu unterstützen. Mit diesem Arbeiteraustausch begann auch der Frauenhandel aus China nach Thailand. Die Zahl der verschleppten Frauen betrug jährlich zwischen 200 und 300. Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Mehrheit der Bordelle in chinesischer Hand. (vgl. Renschler 1991: 109f.)
In der Zeit des Vietnamkrieges wurden amerikanische Soldaten wegen der engen Zusammenarbeit in Thailand stationiert. In dieser Zeit wurden eigens für die Soldaten „Rest- and- Recreation“- Programme geschaffen, um sich von den Strapazen des Krieges zu erholen. Zu diesem Zwecke besuchten viele Amerikaner Thailand für einen Kurzurlaub. Durch diese Kurzurlauber wurde viel Geld in das verarmte Thailand gebracht. Doch es war so, dass die meisten Soldaten eine sehr geringe moralische Schwelle hatten, da sie nicht wussten wie lang sie überhaupt noch leben würden. So erfuhr der Sextourismus durch die amerikanischen Programme einen großen Aufschwung. Mit den Militärtouristen stieg auch die Zahl der übrigen Thailandtouristen massiv an. Wurden im Jahre 1966 200.000 Touristen in Thailand gezählt, waren es 1989 schon 4,8 Millionen Touristen. (vgl. Renschler 1991: 112f.) Dabei muss man natürlich beachten das die Sexindustrie nicht der einigste, aber einer der wichtigsten Gründe für Thailandreisen ist. Dies stellte auch die thailändische Regierung fest, die sich 1980 sogar zur Förderung des Sextourismus aussprach und der gewünschte Erfolg nicht lange auf sich warten ließ, wie die oben abgebildeten Zahlen beweisen. (vgl. Renschler 1991: 112ff.)
1991 lagen die Zahlen der Frauen und Mädchen die in der thailändischen Sexindustrie arbeiten bei schätzungsweise ein bis zwei Millionen. 1986 belief sich die Zahl der unter 14 Jährigen auf ca. 5%. Heute liegt der Wert wohl deutlich über der 5% Marke. (vgl. Renschler 1991: 115) Die Kinder und ganz jungen Mädchen werden meist in Bordelle verschleppt oder von ihren eigenen Eltern verkauft, weil diese aus ihrer Armut heraus keine andere Möglichkeit sehen und auch das Verlangen nach immer jüngeren Mädchen stetig größer wird. (vgl. Renschler 1991: 115) Man kann also sagen, dass sich Thailand nach dem Vietnamkrieg zu der Sextourismus- Region entwickelt hat, die es heute ist.
2
2 Unterschiedliche Formen der Berichterstattung
Das Spektrum der unterschiedlichen Interpretationsweisen zum Thema Zwangsprostitution scheint weit gefasst zu sein. Durch die folgenden Berichte sollen verschiedene Blickwinkel auf die Situation in Thailand geworfen werden, um zu sehen inwieweit und in welchem Maße verschiedene Autoren in diesem Zusammenhang von Sklaverei sprechen.
2.1 Reisebericht eines Pauschalreisenden
Der erste Bericht ist von einem jungen Mann geschrieben, der die Welt erkunden will. Auf seiner Weltreise macht er auch Station in Thailand. Was er dort erlebte, berichtete er auf der Internetseite „umdiewelt“. Über den Mann ist nichts weiter bekannt, außer dass sein Name Tilo Spitze ist. (vgl. Spitze 2006)
In seinem Bericht schildert er, dass man überall mit dem Sexgeschäft konfrontiert wird. So fuhr er gerade mit dem Taxi von Flughafen ins Hotel, als ihm der Taxifahrer ein Prospekt mit leicht bekleideten Damen unter die Nase hielt und mit ihm dorthin fahren wollte. Herr Spitze lehnte dieses Angebot jedoch angewidert ab. Überall werden einem männlichen Touristen solche Angebote gemacht. Es wird versucht die vermeintlich gut verdienenden Europäer in die Bars zu locken. Jedoch sieht man den dort arbeitenden Frauen nach Aussage des Verfassers schon an ihren Blicken an, dass sie dieser Arbeit nicht freiwillig nachgehen. (vgl. Spitze 2006)
Es sind jedoch nicht nur die gekennzeichneten Etablissements wo man mit Prostituierten in Kontakt kommt. Auch in den Clubs, in denen sich viele westliche Touristen aufhalten, sieht man sie in größeren Gruppen. Würden sie dort allerdings nicht immer wieder potentielle Kunden finden, wäre ihre Präsens deutlich geringer. Gleichzeitig kritisiert er, dass durch den Ruf Thailands in der Welt, auch viele Männer meinen jede Frau in Thailand verkauft sich für Geld. So werden auch Frauen belästigt, die nicht als Prostituierte, Bardame oder ähnliches arbeiten. (vgl. Spitze 2006)
Traurig sei auch, dass man auch nicht das Gefühl bekommt, dass die Regierung die Rechte der Frau stärken und gegen das weiter anwachsende Sexgeschäft vorgehen möchte. Das Gegenteil ist der Fall, sie fördern bestimmt wirtschaftliche Zweige, anstatt sie einzudämmen. „So sieht man Mitten an der Hauptstraße riesige Ganzkörpermassagesalons, mit Parkplätzen so groß wie bei Kaufland oder Marktkauf.“ ( Spitze 2006) Dies scheint im wirtschaftlichen Sinne auch verständlich, immerhin nehmen sie auch viel Geld mit Hilfe der (Sex-)Touristen ein.
3
Arbeit zitieren:
Stephanie Trompelt, 2011, Zwangsprostitution in Thailand als Form der modernen Sklaverei, München, GRIN Verlag GmbH
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