Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
INHALTSVERZEICHNIS II
DANKSAGUNG V
ABK ÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
A BBILDUNGSVERZEICHNIS VIII
TABELLENVERZEICHNIS X
EINLEITUNG I 1 - 2
Das Thema 1
2 Die Zielsetzung 2
II THEORETISCHE GUNDLAGEN UND FORSCHUNGSSTAND 2 - 40
1 ZIELGRÖßE: Der WEITSPRUNG 2 - 11
1.1 Leistungsbestimmende Faktoren 7
1.1.1 Spezielle koordinative Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung 8
1.1.1.1 Spezielle technische Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung 9
1.1.2 Spezielle konditionelle Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung 10
2 EINFLUSSGRÖßEN: DIE KONDITIONELLEN FÄHIGKEITEN SCHNELLIGKEIT UND KRAFT 11 - 30
2.1 Begriffsbestimmung und Allgemeines zum Training der konditionellen
F ähigkeiten 11
2.2 Motorische Schnelligkeit 16
Definition der motorischen Schnelligkeit 2.2.1 16
2.2.2 Erscheinungsformen der motorischen Schnelligkeit 17
2.2.2.1 Reaktionsschnelligkeit 21
2.2.2.2 Azyklische und zyklische Schnelligkeit 22
2.3 Motorische Kraft 23
2.3.1 Definition der motorischer Kraft 23
2.3.2 Komponenten der motorischen Kraft 26
2.3.2.1 Maximalkraft 28
Schnellkraft 2.3.2.2 29
2.3.2.3 Kraftausdauer 30
3 FORSCHUNGSSTAND 30 - 39
3.1 Wissenschaftliche Untersuchungen zu Sprint- und Sprungparametern
im Weitsprung 31
3.2 Vorstellung verwandter Interventionsstudien zum Thema 33
II
Inhaltsverzeichnis
III HYPOTHESEN 40 - 42
1 Theorie zur Hypothesenbildung 40
Hypothesen der Untersuchung 2 40
IV EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG 43 - 74
1 PERSONENSTICHPROBE 43 - 50
1.1 Auswahl der Testpersonen 43
1.2 Charakteristik der Probandengruppen 45
1.3 Einteilung in die Trainingsgruppen 47
2 DESIGN UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG 50 - 52
2.1 Untersuchungsdesign 50
Durchf ührung der Untersuchung 2.2 50
2.3 Statistische Auswertungsverfahren 51
3 ENTWICKELTE TESTBATTERIE 52 - 66
Auswahl der Testbatterie 3.1 52
3.2 Beschreibung der Testbatterie 56
3.3 Zeitliche und räumliche Voraussetzungen sowie Gerätebedarf 60
3.4 Darstellung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse zur Test-
qualit ät der entwickelten Testbatterie 61
3.4.1 Validität der Testbatterie 61
3.4.2 Reliabilität der Testbatterie 64
3.4.3 Objektivität der Testbatterie 65
4 ENTWICKLUNG EINES TESTGESTÜTZTEN TRAININGSPROGRAMMS 66 - 74
4.1 Zielsetzung des Trainingsprogramms 66
4.2 Auswahl der Inhalte der Trainingsprogramme 67
4.2.1 Zielsetzung, spezifischer Inhalt sowie methodische Grundsätze des
Sprinttrainings 67
4.2.2 Zielsetzung, spezifischer Inhalt sowie methodische Grundsätze des
Sprungkrafttrainings 70
Organisation bzw. Aufbau einer Trainingseinheit 4.2.3 73
V BESCHREIBUNG DER TESTERGEBNISSE SOWIE VERGLEICH DER
MESSWERTE 75 - 96
1 AUSWIRKUNGEN DES TESTGESTÜTZTEN TRAININGSPROGRAMMS AUF DIE
LEISTUNGSENTWICKLUNG DES WEITSPRUNGS SOWIE DIE SPRINT- UND DIE
SPRUNGKRAFTF ÄHIGKEIT 75 - 87
1.1 Darstellung und statistische Auswertung der Testergebnisse aller
Probanden 76
III
Inhaltsverzeichnis
1.2 Darstellung und statistische Auswertung der Testergebnisse der
Gesamtgruppen Sprint und Sprung 79
1.3 Geschlechtsspezifische Darstellung und statistische Auswertung der
Testergebnisse der Gruppen Sprint und Sprung 82
2 VERGLEICH DER TESTERGEBNISSE 87 - 96
2.1 Die Entwicklung der Gesamtstichprobe 87
2.2 Die Entwicklung und der Vergleich der Gruppen 88
2.2.1 Entwicklung der Sprintgruppe 88
2.2.2 Entwicklung der Sprunggruppe 89
2.2.3 Vergleich der Gruppenergebnisse 89
2.2.4 Geschlechtsspezifischer Vergleich der Gruppenergebnisse 90
2.3 Hypothesentests 92
VI DISKUSSION UND SCHLUSSFOLGERUNG 97 - 102
1 Diskussion 97 - 102
1.1 Thema und Methode 97
1.2 Training und Organisation 97
1.3 Testbatterie 98
1.4 Interpretation der Ergebnisse 99
2 Schlussfolgerung 102
VII ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 103 - 104
1 Zusammenfassung 103
2 Ausblick 104
LITERATURVERZEICHNIS 105 -113
ANHANG 114 - 148
IV
Danksagung
DANKSAGUNG
In erster Linie gilt mein Dank Dr. Stefan Letztelter, der mir diese Untersuchung ermöglicht und mich in der Bearbeitung unterstützt hat. Er war zu jeder Zeit ein wichtiger Ratgeber - auch abseits seiner Sprechstunden -, und ich konnte in hohem Maße von seiner fachlichen Kompetenz profitieren. Dr. Axel Schaper danke ich für seine Bereitschaft zur Begutachtung dieser Diplomarbeit.
Des Weiteren danke ich allen freiwilligen Sportstudentinnen und -studenten, die so zahlreich und mit großem Engagement an meinem Training teilgenommen haben und mir so die Trainingsstunden auch zu einem großen Spaß werden ließen.
Ein großer Dank gebührt meinen zahlreichen Freunden und Helfern, die mich sehr bei der Durchführung der Tests unterstützt haben. Im einzelnen gilt mein Dank Daniel Lambor, Dominik Risse, Steffen Hertel, Daniel Krahnke und besonders Fabian Mittnacht, der zusätzlich bei zahlreichen Trainingseinheiten anwesend und unterstützend tätig war. In diesem Zusammenhang ist auch Jürgen Bernhart vom USC Mainz zu nennen, der mir den Zugang zu den elektrischen Messinstrumenten ermöglicht hat und Norbert Henning, der meine Arbeit auf fachmännischer Art und Weise lektoriert hat.
Mein besonderer Dank gilt meiner Anna, die mich in all der Zeit begleitet sowie in jeglicher Form unterstützt hat und immer für mich da war, wenn ich sie gebraucht habe.
Nicht zuletzt möchte ich mich bei meinen Eltern, Elke und Jürgen Engler, sowie Hans Stieber und den Eltern meiner Freundin, Ulrike und Dr. Hubertus Danner, bedanken, die mich immer unterstützt und mir den Rücken freigehalten haben.
Abkürzungsverzeichnis
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
°C Grad Celsius Abb. Abbildung Acc max maximale Beschleunigung AHS Allgemeiner Hochschulsport ANOVA Analysis of variance bzgl. bezüglich bzw. Beziehungsweise cm Zentimeter CMJ Countermovement Jump DFB Deutscher Fußballbund DJ Drop Jump DLV Deutscher Leichtathletik-Verband DSHS Deutsche Sporthochschule (Köln) EMS Elektromyostimulation et al. und andere ff. folgende maximale Kraft F max FT-Faser Fast-Twtich-Faser (schnell kontrahierende, helle Muskelfaser) H 0 Nullhypothese H 1 Alternativhypothese HDJ Hockfallsprung (Drop Jump) IAAF International Association of Athletics Federations KSP Körperschwerpunkt L1 letzter Schritt des Weitsprunganlaufs L2 vorletzter Schritt des Weitsprunganlaufs L3 drittletzter Schritt des Weitsprunganlaufs li links m Meter min Minuten mJB männliche Jugend B m/s Meter pro Sekunde n Anzahl N Probandenanzahl (in den SPSS-Auswertungen)
VI
Abkürzungsverzeichnis
n Ges Gesamtanzahl Nr. Nummer PB persönliche Bestleistung Plyo Plyometrisches Training
r 2 Bestimmtheitsmaß re rechts r obj Objektivitätskoeffizient r rel Reliabilitätskoeffizient S. Seite sec Sekunden SJ Squat Jump SPSS Statistic Package for Social Sciences SuS Studentinnen und Studenten t10-0 Sprintzeit der letzten 10 m bis 0 m (Absprung) beim Weitsprung gemessen t100 100 m-Zeit Tab. Tabelle TE Trainingseinheit USC Universitätssportclub maximale Geschwindigkeit V max V 10-0 Geschwindigkeit der letzten 10 m des Weitsprunganlaufs V 0xz Abfluggeschwindigkeit horizontale Abfluggeschwindigkeit V 0x V 0z vertikale Abfluggeschwindigkeit vgl. vergleiche W Sprungweite W1 Absprungpositionsweite W2 Flugbahnweite W3 Landepositionsweite wJB weibliche Jugend B WM Weltmeisterschaft w/m (W/M) weiblich/männlich ZNS zentrales Nervensystem
VII
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Korrelation von Weitsprung/100 m Zeit (HEGNER, 2003, S. 36) 5 Abb. 4
Abb. 5 Sprungweite und Vertikalgeschwindigkeit (Mendoza et al., 2006, S. 28) 7
Tabellenverzeichnis
TABELLENVERZEICHNIS
Tab. 4 Deskriptive Statistik der Probandengruppen Sprint und Sprung 45
Tab. 10 Kurzbeschreibung der einzelnen Items der Testbatterie 57
62 Tab. 12 Korrelationsmatrix Überprüfung der Konstruktvalidität
Tabellenverzeichnis
Tab. 16 Zeitverteilung und Stundenaufbau einer Trainingseinheit (45 min) 74
Tabellenverzeichnis
96 Tab. 36 Zusammenfassung der Hypothesentests
118 Tab. 38 Anti-Image-Matrizen der Maße der Stichprobeneignung
Tabellenverzeichnis
128 Tab. 54 Sprinttrainingsplan der ersten Woche
Tab. 55 Sprinttrainingsplan der zweiten Woche 129
Tab. 56 Sprinttrainingsplan der dritten Woche 130
Tab. 57 Sprinttrainingsplan der vierten Woche 131
Tab. 58 Sprinttrainingsplan der fünften Woche 132
Tab. 59 Sprinttrainingsplan der sechsten Woche 133
Tab. 60 Sprinttrainingsplan der siebten Woche 134
Tab. 61 Sprungtrainingsplan der ersten Woche 135
136 Tab. 62 Sprungtrainingsplan der zweiten Woche
137 Tab. 63 Sprungtrainingsplan der dritten Woche
Tab. 64 Sprungtrainingsplan der vierten Woche 138
Tab. 65 Sprungtrainingsplan der fünften Woche 139
Tab. 66 Sprungtrainingsplan der sechsten Woche 140
Tab. 67 Sprungtrainingsplan der siebten Woche 141
I Einleitung
I EINLEITUNG
1 DAS THEMA
Nach DICKWACH (1991, S. 72) ist der Weitsprung „in höherem Maße vom effektiven Zusammenwirken der disziplinspezifischen Leistungsvoraussetzungen, besonders vom Sprintvermögen in Verbindung mit dem speziellen Sprungvermögen, getragen“. Gemäß dieser Aussage wurden und werden in der Sportwissenschaft zahlreiche Untersuchungen zur Beziehung von Schnelligkeit und/oder Sprungkraft und dem Weitsprung durchgeführt. Neben speziellen Studien zu physiologischen und physikalischen Parametern des Weitsprungs sind Interventionsstudien im Bereich der Leistungsdiagnostik ein gängiger Forschungsgegenstand in der Leichtathletik und der Sportwissenschaft. Mit Hilfe dieser Studien sollen einerseits neue Erkenntnisse für eine gezielte Steuerung des Weitsprungtrainings gewonnen und andererseits Anregungen zu Variationen im Trainingsprozess gegeben werden.
Hauptgegenstand dieser leistungsdiagnostischen Untersuchungen sind meist Probanden im Kindes- oder präpubertären Alter. Die Auswahl der Zielpersonen dieses Alters ist sowohl auf der guten Trainierbarkeit aufgrund der noch unvollständigen motorischen Entwicklungsphase (vgl. MEINEL UND SCHNABEL, 2007, S. 299) begründet als auch auf dem günstigen Eintrittsalters zum Erlernen und Trainieren einer neuen Sportart bzw. neuer Bewegungsmuster. In der sportwissenschaftlichen Literatur unterrepräsentiert sind Untersuchungen zu Effekten auf Probanden höheren Alters bzw. mit vollständiger körperlicher und motorischer Entwicklung. Einen kleinen Teil dieser „Lücke“ soll die vorliegende Arbeit aufgrund der Probandenauswahl mit Personen im Alter von 20 bis 24 Jahren füllen.
Die Grundidee dieser Diplomarbeit entstand aus dem Interesse an der Sportart bzw. des Themas Weitsprung sowie der Leistungsdiagnostik und der Trainingsgestaltung beim Weitsprung. Die Wahl des Themas orientierte sich an den verwandten Interventionsstudien. Zugleich sollen neue Erkenntnisse zum Thema Weitsprungtraining gewonnen werden. Da nach DICKWACH (1991) der Weitsprung durch Schnelligkeit und Sprungvermögen definiert ist, werden in den seltensten Fällen Studien zu Leistungseffekten mit einer Trennung dieser Trainingsschwerpunkte durchgeführt. Diese Diplomarbeit nimmt diesen Gedanken auf und trennt das Weitsprungtraining in eine Gruppe mit sprintorientiertem Training und eine Gruppe mit
1
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
sprungkraftorientiertem Training auf. So lassen sich Einflüsse und Effekte dieser beiden Trainingsprogramme auf die Weitsprungleistung sowie ausgewählten Zubringerleistungen des Weitsprung differenzieren und dokumentieren.
2 DIE ZIELSETZUNG
Die Zielsetzung dieser Arbeit ist einerseits die Darstellung der Leistungseffekte zweier unterschiedlicher Trainingsschwerpunkte (Sprint und Sprung) auf die Weitsprungleistung und die Zubringerleistungen der ausgewählten Probanden. Andererseits sollen diese ermittelten Effekte sowohl gruppen- als auch geschlechtsspezifisch verglichen und interpretiert werden. Es soll herausgestellt werden, ob schnelligkeitsorientiertes oder sprungkraftorientiertes Training effizienter für eine positive Leistungsentwicklung im Weitsprung ist. Um möglichst viele Einfluss- bzw. Störgrößen auf die Entwicklung ausschließen und gezielte trainingsschwerpunktsbedingte Effekte aufzeigen zu können, wurde auf ein Weitsprungtechniktraining gänzlich verzichtet. Die Ergebnisse sollen des Weiteren als Anregung und Optimierung der Trainingsplanung bzw. der Trainingssteuerung des Weitsprungs im Anfänger- und Neueinsteigerbereich dienen, da im Sinne von LETZELTER UND LETZELTER (1983, S. 29) die Leistungsdiagnostik trainingspraktisch „nur dann interessant ist, wenn daraus trainingsdidaktische Konsequenzen gezogen werden“.
II THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND FORSCHUNGSSTAND
1 ZIELGRÖßE: DER WEITSPRUNG
Der Weitsprung ist in der modernen Geschichte der Leichtathletik eine der Kerndisziplinen. Aus der Sprungdisziplin des Pentathlons 1 bei den Olympischen Spielen der Antike stammend, nahm der Weitsprung in die leichtathletischen Wettkämpfe zum Ende des 19. Jahrhunderts seinen Einzug. Seit den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit 1896 in Athen ist der Weitsprung Bestandteil der leichtathletischen Disziplinen 2 .
1 Der Weitsprung als zweite Disziplin des Antiken Fünfkampfs wurde als Fünffachsprung mit schwungunterstützenden Gewichten in den Händen, den sogenannten Halteren, gesprungen (vgl. NIKOPOULOS, 2003, S. 209).
2 bei den Männern seit den Olympischen Sommerspielen 1896 und bei den Frauen seit den Olympischen Sommerspielen 1948 im Programm.
2
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Schematisiert betrachtet ist der Weitsprung eine Kombination aus den konditionellen Fähigkeiten 3 Schnelligkeit (Sprintschnelligkeit 4 ) und Kraft (Sprungkraft 5 ) sowie der Technik bzw. den koordinativen Fähigkeiten 6 (vgl. WEINECK, 2004, S. 565). Ordnet man diesen konditionellen Fähigkeiten - allgemein betrachtet - leichtathletische Disziplinen entsprechend ihrer leistungsbestimmenden Faktoren zu, steht der Kurzsprint für die Sprintschnelligkeit (vgl. GROSSER, 1991, S. 19 und S. 20) und der Hochsprung für die Sprungkraft 7 (vgl. KILLING, 2004, S. 182 ff.). Vergleicht man die Leistungsentwicklung in diesen Disziplinen sowie im Weitsprung, lassen sich Zusammenhänge zwischen Sprintschnelligkeit und Sprungweite sowie Sprungkraft und Sprungweite erkennen.
In den Abbildungen 1-3 sind die Weltrekordentwicklungen in den Disziplinen Weitsprung, 100m-Sprint und Hochsprung dargestellt 8 . Die jeweils eingezeichneten Trendlinien bzw. deren Steigung machen ersichtlich, dass die Steigerung der Schnelligkeit 9 und die Steigerung der Sprungkraft 10 sich ähnlich der Steigerung der Weitsprungleistung verhält. Somit lässt sich die allgemeine Aussage treffen, dass die Sportler seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Bezug auf die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten stetig leistungsfähiger wurden. 11 Aus den deutlichen Leistungszuwächsen in den Bereichen Schnelligkeit und Sprungkraft lassen sich Rückschlüsse auf die Leistungsverbesserungen im Weitsprung ziehen bzw. Zusammenhänge
3 Beweglichkeit und Ausdauer werden hier aufgrund des vergleichsweise geringen Einflusses auf die Weitsprungleistung außer Acht gelassen.
4 Unterteilung der Schnelligkeit nach LETZELTER (2004, S. 14) in Reaktionsschnelligkeit, Sprintkraft, Sprintschnelligkeit und Sprintausdauer
5 EHLENZ, GROSSER UND ZIMMERMANN (2003) unterteilen die Kraftfähigkeiten in Maximalkraft, Schnellkraft und Kraftausdauer (vgl. BLUM UND FRIEDMANN, 1997, S. 63 ff.). Hierbei ist nach BLUM UND FRIEDMANN (1997, S. 65) die Sprungkraft eine Ausprägungsform der Schnellkraft.
6 Unter Außerachtlassung der weiteren in Abb. 6 nach GROSSER (1991, S. 11) definierten Komponenten sportlicher Leistung, da diese nicht Gegenstand der vorliegenden Studie sind.
7 Nach KILLING (2004, S. 224 f.) „lässt sich die Sprungkraft im Hochsprung auf explosive, reaktive und Stiffness-Eigenschaften der beteiligten Muskulatur zurückführen“. Sie ist daher differenziert zu betrachten, da die Sprungkraft im Hochsprung nicht nur durch eine Kraftdimension beschrieben werden kann. Sie „beruht auf verschiedenen, z.T. unabhängig von einander wirkenden Sprungkraftfähigkeiten“.
8 Exemplarisch werden hier die Leistungsentwicklungen in den Disziplinen der Männer dargelegt, die Entwicklungen der Frauen bzw. die Steigungen ihrer Trendlinien ist vergleichbar mit denen der Männer.
9 Hier in Form der Verbesserung der Sprintzeiten dargestellt, da die Sprintschnelligkeit die leistungsbestimmende Fähigkeit des 100-m-Sprints ist (vgl. GROSSER, 1991, S.19).
10 Hier in Form der Verbesserung der Sprunghöhen dargestellt, da die vertikale Sprungkraft die leistungsbestimmende Fähigkeit des Hochsprungs ist (vgl. KILLING, 2004, S. 182 ff.).
11 Leistungsverbesserungen aufgrund der Entwicklungen neuer Ausführungstechniken (z.B. Tiefstart beim Sprint) sowie der Materialien (z.B. Spikes, Bodenbelege) werden bei dieser Aussage vernachlässigt, sich Effekte bzgl. dieser Faktoren schwer untersuchen lassen.
3
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
erkennen. Speziell die Weitsprungweite ist vereinfacht 12 ausgedrückt, ein Resultat aus Anlaufgeschwindigkeit und Absprungkraft (siehe Abb. 8 und Kapitel II 1.1.2 Konditionelle Fähigkeiten).
Abb. 1. Weltrekordentwicklung im Weitsprung der Männer von 1901 bis 1991 (eigene Darstellung)
Abb. 2. Weltrekordentwicklung des 100-m-Sprints der Männer von 1912 bis 2009 (eigene Darstellung)
Abb. 3. Weltrekordentwicklung im Hochsprung der Männer von 1912 bis 1993 (eigene Darstellung)
Vergleicht man Untersuchungen zu der Beziehung zwischen Weitsprung und 100-m-Sprint lassen sich die zuvor beschriebenen Annahmen zu möglichen Korrelationen bestätigen. Sowohl GUNDLACH (1966) und NIGG et al. (1973) als auch HAY et al. (1986), HAY (1993) und DICKWACH
12 Bei dieser Aussage werden die koordinativen Fähigkeiten bzw. technische Voraussetzungen eines Springers außer Acht gelassen.
4
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
(1996) ermittelten lineare Zusammenhänge zwischen Weitsprung und Anlaufgeschwindigkeit. Bei einem Weitenintervall der gemessenen Sprungweiten von etwa 5 bis 7,50 m wächst die Sprungweite linear um 1,21 m bei einer Erhöhung der Anlaufgeschwindigkeit um 1 m/s an (vgl. GUNDLACH, 1966). Vergleicht man hiermit die von NIGG et al. (1973) ermittelte Weitenzunahme von 0,53 m bei einer Geschwindigkeitserhöhung von 1 m/s, zeigt sich einerseits ebenfalls eine lineare Korrelation, aber andererseits auch eine deutliche Diskrepanz der ermittelten Werte bzgl. der Weitenzunahme. KOLLATH (1980) fasste die Werte beider Untersuchungen in einem Diagramm zusammen und errechnete eine Korrelationskoeffizienten von 0,84 bei 108 Wertepaaren (vgl. HEGNER, 2003, S. 36), was einen hohen Zusammenhangsrad von Weitsprung und Anlaufgeschwindigkeit bestätigte.
Abb. 4. Korrelation von Weitsprung/100 m-Zeit (HEGNER, 2003, S. 36)
Im Vergleich dazu analysierte HEGNER (2003) die Weitsprung- und Sprintleistung von 262 Sportlerinnen und Sportlern 13 und errechnete einen Korrelationskoeffizienten von 0,94, d.h. einen sehr großen Zusammenhang der Werte (siehe Abb. 4). HEGNER (2003, S. 36 ff.) bestätigt somit die allgemeinen Ergebnisse von NIGG et al. und GUNDLACH. Im Bezug auf die Linearität widersprechen HEGNERS Untersuchungsergebnisse allerdings diesen, nach HEGNER (2003, S. 36) „ist vielmehr der Grad der Zunahme des Weitsprungs auch von der effektiven Anlaufgeschwindigkeit abhängig“. Diese Ergebnisse von HEGNER sind vergleichbar mit den Ergebnissen von BRIDGETT et al. (2002), die ebenfalls eine hohe Korrelation von
13 Sportlerinnen und Sportler aus den Altersklassen B-Jugend (w/m) bis Frauen/Männer - Freizeit- bis Spitzensportler - mit einem Leistungsspektrum von ca. 3,8 bis 8,9 m (Sprungweite) und ca. 15 bis 10 sec (100-m-Zeit)
5
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Anlaufgeschwindigkeit und Sprungweite belegen. In dieser Untersuchung mit einem australischen Spitzenweitspringer (PB 8,25 m) wurde bei einer Geschwindigkeitszunahme von 0,1 m/s eine Weitenzunahme von 8 cm ermittelt.
Dem Thema Sprungkraft und Weitsprung bzw. Leistungsentwicklung im Weitsprung durch Sprungkrafttraining wird in der sportwissenschaftlichen Fachliteratur ungleich weniger Beachtung beigemessen. In den meisten leistungsdiagnostischen Untersuchungen bzgl. des Weitsprungs beinhalten die gemessenen Leistungswerte zu unterschiedlichen Zeitpunkten Effekte durch ein umfassendes konditionelles Training, folglich beeinflussen sowohl die sprungkrafttrainings- als auch die schnelligkeitstrainingsbedingten Auswirkungen die Messwerte. Vereinzelte Untersuchungen versuchen dementsprechend einerseits das Training auf eine konditionelle Fähigkeit (hier auf die Sprungkraft) zu beschränken und andererseits die Testitems gezielt auf diese Fähigkeit hin auszurichten. Um die Schnelligkeitskomponente der Sprungleistung zu minimieren, wird die horizontale Sprungkraft in Form eines Standweitsprungs gemessen. Die Ergebnisse solcher Studien in Bezug auf die Leistungsentwicklung durch Sprungkrafttraining zeigen deutlich, dass mit zunehmender vertikaler Sprungkraft eines Probanden eine Vergrößerung seiner Sprungweite einhergeht (vgl. HAGL, 2003, S. 26). Testgestützte Studien mit einem allgemeinen leichtathletischen Training, d.h. Sprungkrafttraining nur als Teil des Trainings, zeigen ebenfalls Steigerungen der Standweitsprungleistung (vgl. STORCK, 1986, S. 67; WEINECK, 2004a, S. 340 ff.; KIPCHEN, 2008, S. 54 ff.).
Bei Untersuchungen der Vertikalgeschwindigkeit (V 0z ) bei Weitsprung stellten MENDOZA et al. (2006, S. 28) fest, dass der Zusammenhang der im Absprung erzeugten Vertikalgeschwindigkeit mit der Sprungweite Korrelationskoeffizienten zwischen 0,50 und 0,65 relative hohe Werte 14 aufweisen. So kann der Einfluss der Vertikalgeschwindigkeit auf die Weite als hoch betrachtet werden (vgl. MENDOZA et al., 2006). Diese in Abbildung 5 dargestellte Korrelation zeigt somit: Je größer die Sprungkraft bzw. die Vertikalgeschwindigkeit im Absprung, desto größer die Sprungweite.
14 im Vergleich zu den Korrelationskoeffizienten von größer 0,80 für den Zusammenhang zwischen der maximalen Anlaufgeschwindigkeit und der Sprungweite, sowohl bei Frauen als auch bei Männern (vgl. MENDOZA et al., 2006, S. 28)
6
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Abb. 5. Sprungweite und Vertikalgeschwindigkeit (MENDOZA et al., 2006, S. 28)
1.1 Leistungsbestimmende Faktoren
Der Weitsprung ist eine komplexe und anspruchsvolle Disziplin. Neben einer ausgefeilten Technik benötigt die Weitspringerin und der Weitspringer allgemeine und spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese wurden von GROSSER (1991, S. 11), wie aus Abbildung 6 ersichtlich, ausgelistet und definieren die allgemeine sportliche Leistung. Diese Eigenschaften bzw. ihre Ausprägung geben die mögliche Leistungsfähigkeit bzw. das Sprungvermögen einer Springerin und eines Springers wieder.
Abb. 6. Die sportliche Leistung und ihre möglichen Komponenten aus sportpraktischer Sicht (GROSSER, 1991, S. 11)
7
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Neben den koordinativen Fähigkeiten (hier Technik/Koordination) sehen MENDOZA et al. (2006) ebenfalls Ausprägungsformen der Schnelligkeit (maximale Sprintfähigkeit) und der Kraft (reaktive Kraftfähigkeit) als leistungsbestimmende Faktoren bzw. als Basis für die Sprungweite (siehe Abb. 7). Im Folgenden werden die für den Weitsprung u.a. maßgeblichen koordinativen und konditionellen Fähigkeiten aufgeführt und erläutert, wobei das Hauptaugenmerk auf den für diese Studie ausschlaggebenden konditionellen Fähigkeiten liegt.
Abb. 7. Einflussmerkmale beim Weit- und Dreisprung (MENDOZA, NIXDORF UND ISELE, 2006, S. 29)
1.1.1 Spezielle koordinative Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung
In jeder Sportart gibt es unterschiedliche und verschieden gewichtete koordinative Fähigkeiten. Nach MEINEL UND SCHNABEL (2007) bestimmen einzelne koordinative Fähigkeiten isoliert betrachtet die sportliche Leistung nicht bzw. sie kommen nicht isoliert vor. Des Weiteren stehen sie stets in einem Beziehungsgefüge zueinander. Für den Weitsprung sind folgende von MEINEL UND SCHNABEL (2007, S. 220 ff.) definierte koordinative Fähigkeiten leistungsbestimmend:
- Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit zur Erreichung einer möglichst hohen Feinabstimmung einzelner Bewegungsphasen und Teilkörperbewegungen, d.h. Bewegungsgenauigkeit z.B. bei den letzten drei Schritten und im Absprung.
- Kopplungsfähigkeit für die räumliche, zeitliche und dynamische Abstimmung von Teilkörperbewegungen eines bestimmten Handlungszieles, z.B. das Zusammenspiel von Arm- und Beinbewegung in der Flugphase.
8
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
- Gleichgewichtsfähigkeit für die Beibehaltung oder Wiederherstellung des Körpergleichgewichts bei, während oder nach Körperverlagerungen, z.B. bei der Vermeidung von Fehlrotationen während der Flugphase.
- Orientierungsfähigkeit zur Bestimmung und zielangepassten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers im Raum, z.B. für die Anlaufgenauigkeit.
- Rhythmisierungsfähigkeit zur Anpassung der eigenen Bewegung an einen vorgegebenen Rhythmus, z.B. bei dem Anlauf und dem Übergang in die Absprungvorbereitungsphase bzw. die letzten drei Schritte.
1.1.1.1 Spezielle technische Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung
Aufgrund der - in dieser Studie vorgenommenen - näheren Untersuchung der Schrittlänge bzw. des Verhältnisses der letzten drei Schritte des Weitsprunganlaufs wird hier explizit auf die in der sportwissenschaftlichen Literatur beschriebene Technik dieser Schritte bzw. der Absprungvorbereitung eingegangen. Da die Schrittlänge von vielen individuellen Faktoren wie Körpergröße, Geschlecht und Anlaufgeschwindigkeit abhängt, beschränkt sich die technische Beschreibung im Sinne der Vergleichbarkeit auf die Längenverhältnisse der letzten drei Schritte.
Die richtige Gestaltung dieser drei Schritte hat laut Literatur einen großen Einfluss auf die Sprungweite (vgl. DICKWACH, 1991; WICK, 2005). Nach WICK (2005, S. 158) erfolgt in dieser Phase der Absprungvorbereitung eine „strukturelle Veränderung in den Schrittlängen, eine Senkbewegung des Körperschwerpunktes sowie eine Veränderung der Flugzeiten besonders in der Gestaltung des letzten Stützes vor dem Absprung“. Aufgrund eines verlängerten vorletzten Schrittes wird der Absprung vorbereitet, wodurch der KSP vor dem Absprung abgesenkt werden und so in eine günstige Lage gebracht werden kann. Dadurch entsteht ein optimaler Beschleunigungsweg in vertikaler Richtung beim Absprung. Untersuchungen von Spitzenweitspringerinnen und -springern zeigen diese Verlängerung des vorletzten Schrittes, wobei diese Werte individuell sind und z. T. erheblich variieren 15 (DICKWACH, 1991, S. 76). Eine vom Autor durchgeführte Studie ergab ein Schrittlängenverhältnis von 0,928 : 1 : 0,896. Für diese
15 DICKWACH (1991, S. 76) stellt in seinen für das Jahr 1988 erhobenen Daten dar, dass die Frauen im Schnitt Schrittlängen von 2,09 m (drittletzter Schritt L3), 2,19 m (vorletzter Schritt L2) und 1,94 m (letzter Schritt L1) und die Männer Längen von 2,34 m (L3), 2,40 m (L2) und 2,22 m (L1) hatten. Es gab und gibt durchaus vereinzelt Springerinnen und Springer die andere Längenverhältnisse bevorzugen, wie z.B. Bob Beamon dessen vorletzter Schritt kürzer als der letzte Schritt war (2,40 m zu 2,60 m). Der prozentuale Großteil aller untersuchten Weitspringerinnen und -springern weißt ein Schrittlängenverhältnis von (vereinfacht) „kurzlang-kurz“ auf.
9
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Darstellung des Verhältnisses wurden neben den von DICKWACH ermittelten Schrittlängen auch die Schrittlängen der Platzierungen 1 bis 8 der Frauen und Männer der Leichtathletik WM 2009 (Berlin) sowie der IAAF Athletics Finals 2007 und 2008 (Stuttgart) herangezogen. 16 Zudem ergaben sich diese Schrittlängenverhältnisse von 0,937 : 1 : 0,918 der Frauen und 0,918 : 1 : 0,877 für die Männer (siehe Anhang Tab. 69, S. 148).
1.1.2 Spezielle konditionelle Fähigkeiten in Bezug auf den Weitsprung
Nach BLUM UND FRIEDMANN (1997, S. 19ff) sind die konditionellen Fähigkeiten „Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit die entscheidende Basis für eine sportliche Leistung“. Diese Fähigkeiten kommen in den seltensten Fällen in Reinform, sondern als Mischform - d.h. als eine Zusammenwirkung mehrerer konditionellen Fähigkeiten - vor (vgl. WEINECK, 2004b, S. 137).
Abb. 8. Kinematische Größen des Weitsprungs zur Bestimmung der Sprungweite (WASTL, 2005, S. 7)
Besondere Betrachtung im Rahmen des Weitsprungs verdient die Schnelligkeits- und die Kraftkomponente 17 . Da nach DICKWACH (1991, S. 19) die Abfluggeschwindigkeit bzw. ihre
16 mit Hilfe von veröffentlichten Daten, welche in biomechanischen Untersuchungen von MENDOZA et al. für den Olympiastützpunkt Hessen erhoben wurden (einzusehen unter http://www.landessportbundhessen.de/osp/ergebnisseite_laweitdrei.htm)
17 Die konditionellen Fähigkeiten Ausdauer und Beweglichkeit werden in der vorliegenden Arbeit aufgrund des geringeren Grades der Leistungsbeeinflussung im Weitsprung (im Vergleich zur Schnelligkeits- und Kraftfähigkeit) außer Acht gelassen.
10
II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
horizontale Komponente den größten Einfluss auf das Erreichen großer Sprungweiten ausübt. Physikalisch betrachtet (siehe Abb. 8) ergibt sich die Sprungweite aus der Größe des Abflugwinkelwinkels (α 0 ), der Abfluggeschwindigkeit (V 0xz ) sowie der horizontalen Abfluggeschwindigkeit bzw. der Sprungkraftkomponente (V 0x ) und der vertikalen Abfluggeschwindigkeit bzw. der Sprintkomponente (V 0z ). Nach dem Prinzip des schrägen Wurfs lässt sich somit schlussfolgern, dass die Weitsprungweite (W 1 -W 3 ) größer wird, je höher die vertikale und die horizontale Geschwindigkeit sind.
2 EINFLUSSGRÖßEN: DIE KONDITIONELLEN FÄHIGKEITEN SCHNELLIGKEIT UND KRAFT
2.1 Begriffsbestimmung und Allgemeines zum Training von konditionellen Fähigkeiten
Das allgemeine Konditionstraining gilt als wichtiger Bestandteil der körperlichen Fähigkeitsausbildung im Sport, sowohl für das Training in den Übergangsperioden im Wettkampftraining als auch im Sportunterricht und in der allgemeinen Grundausbildung (vgl. CARL, 2003, S. 300). Neben einer Verbesserung der allgemeinen Leistungsfähigkeit und Körperproportionen (vgl. SCHMIDT, 2001, S. 24) sollen nach MAREI (2009, S. 86) „vor allem die Muskelmasse und die Belastbarkeit des Bewegungs-Apparates in einem gesundheitsfördernden Rahmen erhalten und trainiert werden“.
Bei jeder Tätigkeit des Menschen 18 wird eine entsprechende Kondition benötigt. Der lateinischen Bedeutung des Wortes „conditio“ (= Bedingung für etwas) nach ist die Kondition eine Voraussetzung für die Verwirklichung bestimmter Leistungen (vgl. GROSSER UND STARISCHKA, 1998, S. 7). GROSSER UND ZINTL (1994, S. 9) verstehen unter Kondition im Sport „die gewichtete Summe der konditionellen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Flexibilität und ihre Realisierung durch Bewegungsfertigkeiten/-techniken und Persönlichkeits-eigenschaften“. Doch aufgrund der Komplexität des Begriffs Kondition ist dieser in der Fachliteratur - je nach Betrachtungsweise - nicht einheitlich definiert bzw. verstanden (vgl. LETZELTER, 1978, S. 121; ROTH, 1983, S. 60; GROSSER, 1991, S. 12; GROSSER UND STARISCHKA, 1998, S. 7; MARTIN et al., 2001, S. 87 ff.; WEINECK, 2004b, S. 137).
GROSSER (1991, S. 12) versteht unter „Kondition“ im Eigentlichen keinen wissenschaftlichen Begriff, sondern einen sportpraktischen. Da die der Kondition zugeordneten konditionellen
18 im Alltags- und Berufsleben, im künstlerischen Schaffen und besonders im Sport (vgl. MAREI, 2009, S. 86)
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Fähigkeiten (siehe Kapitel II 1.1.2, S. 10) hinsichtlich ihrer neuronalen energetischen Ursachen und ihrer Handlungsregulationsprozesse zu komplex sind, um sie einer einzigen Kategorie - der Kondition - zuordnen zu können. Für GROSSER (1991) und ROTH (1983, S. 60; 1999, S. 242) beschreiben die konditionellen Fähigkeiten die internen Prozesse der Energiebereitstellung (Energieversorgung) bzw. individuelle Differenzen im Niveau der Systeme der Energiebereitstellung und Energieübertragung. Somit bilden diese konditionellen Eigenschaften die allgemeine materielle Basis der koordinativen Fähigkeiten (vgl. WEINECK, 2000, S. 246) und sind dementsprechend notwendige Voraussetzung einer erfolgreichen koordinativen Arbeit für ein sportart- oder disziplinspezifisches Leistungstraining (vgl. NEUMAIER, 1983, S. 58).
In der Literatur wird Kondition einerseits in einem weiten als auch in einem engen Sinn verstanden bzw. verwendet. Die weite Begriffsfassung beschreibt die Kondition nach WEINECK (2004b, S. 137) als Sammelbegriff für alle psychischen, physischen, technisch-taktischen, kognitiven und sozialen Leistungsfaktoren. Diese umfassende Definition bzw. diese Komplexität warf die Idee eines reduzierten (eng gefassten) Konditionsverständnisses auf (vgl. SCHMIDTBLEICHER et al., 1989; WEINECK, 2004b).
Abb. 9. Modell zur Ausdifferenzierung der Kraft-, Schnelligkeit- sowie Ausdauerfähigkeiten und der Beweglichkeit (MARTIN et al., 2001, S. 89)
Im engeren Sinn versteht man - allgemein 19 betrachtet - unter Kondition im Sport systematisiert dargestellt (siehe Abb. 9) eine Kombination aus den Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Flexibilität bzw. Beweglichkeit (vgl. LETZELTER, 1978, S. 119 ff.; GROSSER, 1991, S.
19 D.h. traditionsgemäß im weiteren Sinn definiert - vgl. u.a. LETZELTER (1978, S. 121) unterteilt die Kondition in Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und die Koordinative Gruppe (Beweglichkeit und Gewandtheit) oder GROSSER (1991, S. 12) in Ausdauer, Kraftausdauer Schnelligkeit, Flexibilität/Gelenkigkeit, Maximal- und Schnellkraft.
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11 ff.; GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 9; BLUM UND FRIEDMANN, 1997, S. 19 ff.; GROSSER UND STARISCHKA, 1998, S. 7 u.a.). Wobei die Beweglichkeit häufig eine Zwischenstellung einnimmt, d.h. dass sie als eine Kombination aus konditionellen und koordinativen Fähigkeiten gesehen wird (vgl. GROSSER UND STARISCHKA, 1998, S. 9). Dieser Komplex der Kondition ist als Resultat des gesamten Konditionsniveaus und somit als Summe der Ausprägungen der einzelnen Fähigkeiten beschrieben (vgl. MAREI, 2009, S. 87).
Abb. 10. Wechselbeziehung der konditionellen physischen Leistungsfaktoren (WEINECK, 2004b, S. 139)
Diese enge Begriffsbestimmung der Kondition beschränkt sich, wie zuvor erwähnt, auf die überwiegend „physischen“ Faktoren Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Diese Form des Begriffs Kondition findet meist in der Sportpraxis und im Training Verwendung (vgl. WEINECK, 2004b, S. 137). Hier treten diese konditionellen Eigenschaften im Allgemeinen als Mischform auf (siehe Abb. 10), welche auf graduell unterschiedlichen anatomisch-physiologischen Voraussetzungen basieren. Für die vorliegende Untersuchung ist speziell die Wechselbeziehung zwischen Kraft und Schnelligkeit von Bedeutung.
Abb. 11. Darstellung der Beziehung zwischen Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft. Mit zunehmender Belastungsdauer nimmt der dafür erforderliche Anteil von Schnelligkeit sowie von Kraft ab (NEUMANN, 1991, S. 51)
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Wechselbeziehungen gibt es nicht nur zwischen diesen konditionellen Fähigkeiten sondern insbesondere zwischen Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit, welche nach NEUMANN (1991) in hohem Maße voneinander abhängig sind. In Abbildung 11 ist zu erkennen, dass ohne Kraft keine Ausdauerleistung vollbracht werden kann, jedoch mit zunehmender Belastungsdauer der Anteil der Kraft am Leistungsvollzug abnimmt. Vergleichbar mit der Beziehung der Schnelligkeit zur Ausdauer, da für die höchste Schnelligkeit die geringste Ausdauer benötigt wird (vgl. NEUMANN, 1991, S. 51).
Somit erweist sich eine einheitliche Definition bzw. eine allgemeingültige Begriffsbestimmung wie beschrieben als durchaus problematisch. Einigkeit herrscht in Bezug auf die Ausdauer und die Kraft, welche die zwei Hauptkomponenten der Kondition bilden. In Hinblick auf die Schnelligkeit und die Beweglichkeit gibt es unterschiedliche Ansichten bzgl. der Zuordnung zum Begriff Kondition, wobei jedoch diese mehrheitlich von Sportwissenschaftlern ebenfalls der Kondition zugeordnet werden (vgl. MARTIN, 1988; JOCH UND ÜCKERT, 1998).
Für diese Arbeit werden die Konditionskomponenten Schnelligkeit und Kraft (Sprungkraft) als Bestimmungskriterium angesehen. Dementsprechend bilden sie die Grundlage einerseits für die Planung, die Entwicklung und den Aufbau der Testdiagnostik und andererseits für die Planung und Steuerung des Trainingsprozesses.
Das allgemeine Training der konditionellen Fähigkeiten ist nach GROSSER et al. (1981, S. 14) „den Gesetzmäßigkeiten der biologischen Anpassungserscheinungen 20 unterworfen“. All diesen Anpassungserscheinungen liegen die selben Gesetzmäßigkeiten zugrunde (vgl. BLUM UND FRIEDMANN, 1997, S. 5 ff.):
- Qualitätsgesetz (Physiologisches Gesetz) - Spezifische Reize bewirken spezifische Anpassungserscheinungen.
- Homöostase, Superkompensation - Zwischen Belastung und Anpassungsreaktionen des Körpers besteht ein dynamisches Gleichgewicht (Homöostase). Die durch erhöhte Belastung ausgelösten Wiederherstellungsvorgänge verbessern das Leistungsniveau
20 Nach GROSSER et al. (1981, S. 14) besagt dieses Prinzip der biologischen Anpassung: „Unter dem Einfluss äußerer Belastungen (in unserem Fall Trainingsreize) vollzieht sich eine Umstellung innerer Systeme (Herz-Kreislauf, vegetatives Nervensystem, Muskulatur, psychische Verhaltensweisen) auf ein höheres Leistungsniveau.“ BLUM UND FRIEDMANN (1997, S. 5) betiteln dieses Prinzip der allgemeinen Gesetzmäßigkeiten des Trainings als Training als Anpassungsvorgang bzw. als Adaption.
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
über den Ausgangswert hinaus (Superkompensation) (vgl. LETZELTER, 1978, S. 42 ff.; GROSSER et al., 1981, S. 12; GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 23 f.; WEINECK, 2004b, S. 32 ff. u.a.).
- Reizschwellengesetz - Eine Superkompensation wird nur dann erreicht, wenn eine kritische Reizschwelle überschritten wird.
- Verlauf der Leistungsentwicklung - Mit zunehmender Leistungsfähigkeit wird trotz eines größeren Trainingsaufwandes der Leistungszuwachs immer geringer.
- Anpassungsfestigkeit - Ein langfristig aufgebautes Leistungsniveau ist wesentlich stabiler als ein kurzfristig aufgebautes Leistungsniveau.
- Trainierbarkeit - Die Trainierbarkeit ist abhängig von Alter und Geschlecht.
Diese von BLUM UND FRIEDMANN (1997) formulierten Gesetzmäßigkeiten bilden die Grundlage der vielfach in der Fachliteratur zum sportlichen Training vorgefundenen Trainingsprinzipien 21 . LETZELTER (1978, S. 41 ff.) nennt zehn Prinzipien, welche von anderen Autoren (vgl. GROSSER et al., 1981, S. 8 ff.; GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 20 ff.; BLUM UND FRIEDMANN, 1997, S. 11 ff.; WEINECK, 2004b, S. 27 ff.; SCHNABEL et al., 2009, S. 256 ff.) in ähnlicher Form publiziert wurden.
Trainingsprinzipien nach LETZELTER (1978, S. 41):
1. Das Prinzip der optimalen Relation von Belastung und Erholung und das Prinzip der Superkompensation
2. Das Prinzip der progressiven Belastung
3. Das Prinzip des langfristigen Trainingsaufbaus
4. Das Prinzip des periodischen Trainingsaufbaus
5. Das Prinzip der optimalen Relation von konditioneller, sporttechnischer, sportpraktischer und intellektueller Ausbildung, einschließlich der Schulung der Willenseigenschaften
6. Das Prinzip der optimalen Relation von allgemeiner und spezieller Ausbildung und der zunehmenden Spezialisierung
7. Das Prinzip der Variation der Trainingsbelastungen hinsichtlich der Trainingsinhalte, -methoden sowie der Belastungsnormative
8. Das Prinzip der Individualität
21 SCHNABEL et al (2009, S. 257) definieren (Trainingsprinzipien): „Allgemeiner Grundsatz im sportlichen Training, der den Zusammenhang zwischen Bedingungen, Trainingshandeln und Trainingswirkung als verallgemeinerte Aussage enthält, als Erkenntnisgrundlage abbildet (kognitive Komponente) und eine fundamentale Handlungsweise als Regulativ (Leitlinie) für das Trainingshandeln darstellt (regulative Komponente).“
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
9. Das Prinzip der Entwicklungsgemäßheit
10. Das Prinzip der Dauerhaftigkeit
Gemäß diesen Trainingsprinzipien werden im Sport Trainingsinhalte formuliert, Trainingspläne geschrieben bzw. entwickelt und somit die gesamten Trainingsprozesse gesteuert.
Die folgenden Kapitel befassen sich mit den theoretischen Grundlagen der konditionellen Fähigkeiten, welche den Hauptgegenstand dieser Studie bilden - die Schnelligkeit und die Sprungkraft als Subkategorie der Fähigkeit Kraft. Da die konditionelle Fähigkeit Ausdauer weder Gegenstand des empirisch-analytischen Teils dieser Untersuchung noch Teilaspekt des Trainingsprogramms war, wird auf diese Fähigkeit nicht weiter eingegangen. Ähnlich verhält es sich bei der Fähigkeit Beweglichkeit, da diese - als Teil der konditionellen Fähigkeiten (siehe Abb. 9, S. 12) - weder gezielt trainiert noch getestet bzw. auf Leistungsentwicklung untersucht wurde.
2.2 MOTORISCHE SCHNELLIGKEIT
2.2.1 Definition der motorischen Schnelligkeit
Im Sport hat die Schnelligkeit einen unbestritten großen Stellenwert. In jeder Sportart ist sie eine Voraussetzung für das Erbringen von hohen Leistungen, sowohl in zyklischen 22 und azyklischen 23 Sportarten bzw. Disziplinen als auch für azyklische Zweikampfsportarten, die technisch-kompositorischen sowie Spielsportarten (vgl. LETZELTER, 1978, S. 187). Des Weiteren gewinnt die Schnelligkeit auch in Ausdauerdisziplinen zunehmend an Bedeutung (vgl. BAUERSFELD UND VOß, 1992, S. 7). Nach MAREI (2009, S. 148) kann sie daher als eine motorische Hauptbeanspruchungsform angesehen werden, die wie die Beweglichkeit sowohl eine Zuteilung zu den konditionellen Fähigkeiten (Kraft und Ausdauer) als auch zu den koordinativen Fähigkeiten zulässt (vgl. GROSSER, 1991, S. 13 f.; MARTIN et al., 2001, S. 147; WEINECK, 2003, S. 395).
In der Sportliteratur gibt es eine Vielzahl von Definitionen. GUNDLACH (1968) charakterisiert den Begriff Schnelligkeit als die Fähigkeit, „sich mit höchstmöglicher Geschwindigkeit fortzubewegen“. Nach LETZELTER (1978, S. 188) kann die Schnelligkeit, vereinfacht gesagt, als „die
22 z.B. Schwimmen, Laufen oder die Sprintdisziplinen in der Leichtathletik
23 z.B. die Sprung- und Wurfdisziplinen in der Leichtathletik
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
Fähigkeit, auf einen Reiz hin schnell zu reagieren und Bewegungen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen“, bestimmt werden. GROSSER (1991, S. 13) versteht „unter Schnelligkeit im Sport die Fähigkeit, aufgrund kognitiver Prozesse, maximaler Willenskraft und der Funktionalität des Nerv-Muskel-Systems höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten unter bestimmten gegebenen Bedingungen zu erzielen“. MARTIN et al. (2001, S. 147) definieren die Schnelligkeit bei sportlichen Bewegungen als „die Fähigkeit, auf einen Reiz bzw. ein Signal hin schnellstmöglich zu reagieren und/oder Bewegungen bei geringen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen“ (vgl. GROSSER et al., 1981, S. 80).
Vor einer näheren Betrachtung der Schnelligkeit sollte betont werden, dass Schnelligkeit in „Reinform“ wohl in Gestalt elementarer Bewegungsprogramme nachweisbar ist (vgl. BAUERSFELD UND VOß, 1992), im Sport jedoch nie isoliert auftritt, sondern stets nur Grundlage einer schnellen Bewegung ist (vgl. GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 89). So versteht man undifferenziert unter dem in der Sportpraxis gewachsenen Begriff Schnelligkeit nach GROSSER UND ZINTL (1994, S. 89) die Fähigkeit, höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeit zu erzielen - bezogen auf
1. einen Bewegungsbeginn nach Signalgebung (= Reaktionszeit, Reaktionsschnelligkeit); 2. Einzelbewegungen (= Schnelligkeit bei azyklischen Bewegungen); 3. fortlaufende gleichförmige Bewegungen (= Schnelligkeit bei zyklischen Bewegungen); 4. Bewegungskombinationen bzw. Bewegungshandlungen (= azyklische und zyklische Bewegungen hintereinander).
2.2.2 Erscheinungsformen der motorischen Schnelligkeit
Zu Beginn der sportwissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Schnelligkeit wurde zunächst der zentrale Anteil des Nervensystems (ZNS) als wichtigste körperliche Voraussetzung der Schnelligkeit gesehen. Neuere Studien verstärken die Auffassung, dass die peripheren neuro- und tendomuskulären Strukturen und Funktionen die Schnelligkeitsfähigkeiten mindestens in gleichem Maße mitbestimmen (vgl. MAREI, 2009, S. 151). Da dies keine eindeutige konditionell-energetische Determination zulässt, ergeben sich vier Optionen zur Einordnung der Schnelligkeit in die allgemeine sportmotorische Leistungsfähigkeit (vgl. HOHMANN, 2003, S. 463; HOHMANN et al., 2007, S. 91):
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
1. Die Schnelligkeit lässt sich als eine spezifische Fähigkeit innerhalb des Schnellkraftkonzepts auffassen, die bei fehlenden bis geringen Bewegungswiderständen auftritt (Standkraft). Sie besitzt somit nicht den Charakter einer eigenständigen sportmotorischen Grundeigenschaft, jedoch wird ihr ein primär konditionell determinierter Fähigkeitscharakter unterstellt.
2. Die Schnelligkeit lässt sich als eine spezifische Fähigkeit innerhalb des Koordinationskonzepts auffassen, die sich in offenen und geschlossenen Bewegungssituationen gliedert (Koordination unter Zeitdruck). Hier verliert sie den Charakter einer sportmotorischen Grundeigenschaft und wird der sportmotorischen Leistungsvoraussetzung Koordination/Technik zugeordnet.
3. Die Schnelligkeit lässt sich in einem spezifischen, anatomisch-physiologisch annähernd eindimensional begründbaren Fähigkeitskomplex im Sinne einer elementaren Schnelligkeit und einen allgemeinen, mehrdimensionalen Anteil im Sinne einer komplexen Schnelligkeit einteilen. Im Schema der Kondition verbleibt lediglich die elementare (oder „reine“) Schnelligkeit als sportmotorische Grundeigenschaft. 4. Die Schnelligkeit lässt sich aufgrund der in Training und Wettkampf eindeutig abgrenzbaren Belastungs- bzw. Leistungscharakteristika (in den drei Erscheinungsweisen Reaktionsschnelligkeit sowie azyklische und zyklische Bewegungsschnelligkeit) als eigenständige und komplexe Fähigkeitsdimension auffassen.
Von Schnelligkeitsleistungen spricht man in der Trainingslehre nur dann, wenn die äußeren Widerstände bei dieser Leistung gering sind. Nach MARTIN et al. (2001, S. 148) ist diese Abgrenzung aufgrund ihres Kraftverständnisses und der Möglichkeit der Differenzierung von Schnelligkeits- und Kraftleistung erforderlich. Wie bereits erwähnt, zeigt sich die Schnelligkeit im Sport in verschiedensten bzw. unterschiedlichen Formen. GROSSER (1991 S. 16), BAUERSFELD UND VOß (1992), SCHIFFER (1993, S. 6), GROSSER UND ZINTL (1994, S. 90), RÖTHIG UND PROHL (2003), WEINECK (2004b, S. 408 ff.) und SCHNABEL et al. (2009, S. 169) unterscheiden die motorische Schnelligkeit die „reine“ bzw. „elementare“ und die „komplexe“ Schnelligkeits-formen (siehe Abb. 12).
Wie in Abbildung 12 dargestellt, zählen als „reine“ bzw. „elementare“ Schnelligkeitsformen (vlg. LETZELTER, 1978, S. 193 ff.; GROSSER, 1991, S. 16 ff.):
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- Reaktionsschnelligkeit 24 : Fähigkeit, auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren.
- Aktionsschnelligkeit: Fähigkeit, azyklische, d.h. einmalige Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände auszuführen 25 .
- Frequenzschnelligkeit: Fähigkeit, zyklische, d.h. sich wiederholende gleiche Bewegungen mit höchster Geschwindigkeit gegen geringe Widerstände auszuführen 26 .
Abb. 12. Die motorische Schnelligkeit und ihre Unterteilung in Erscheinungsformen und Subkategorien (GROSSER, 1991, S.17)
Unter den „elementaren“ Erscheinungsformen sind diese Schnelligkeitsformen zu verstehen, die hauptsächlich - nach BAUERSFELD UND VOSS (1992, S. 16) - von den elementaren Zeitprogrammen (azyklischer und zyklischer Art) bestimmt werden und sich somit großenteils
24 Die Reaktionsschnelligkeit stellt nach LETZELTER (1978, S. 190) und GROSSER et al. (2004, S. 88 f.) eine Sonderstellung der „reinen“ bzw. „elementaren“ Schnelligkeitsfähigkeiten dar.
25 azyklische (Sequenz-) Schnelligkeit: vorherrschend bei einer einfachen Bewegungssequenz (Bewegung ohne oder mit nur einem Umkehrpunkt zwischen dem Anfangs- und Endpunkt) ohne gro0en Krafteinsatz (vgl. HOHMANN, 2003, S. 463)
26 zyklische Frequenzschnelligkeit: vorherrschend bei einer einfachen Bewegungsfolge, ohne großen Krafteinsatz (vgl. HOHMANN, 2003, S. 463)
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II Theoretische Grundlagen und Forschungsstand
von der Qualität neuromuskulärer Steuer- und Regelprozesse 27 abhängig sind (vgl. GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 90 f.). Bei sehr geringen äußeren Widerständen, zudem entweder nur als einfache Bewegungen oder bei bewegungstechnischer Perfektion und mit entsprechenden psychischen Fähigkeiten, sind sie in ihrer höchsten Ausprägung nur kurzzeitig realisierbar (vgl. GROSSER, 1991; S. 16).
Die „komplexen“ Schnelligkeitsfähigkeiten (siehe Abb. 12) können unterschieden werden in (vgl. GROSSER, 1991, S. 16 ff.):
- Kraftschnelligkeit: Schnelligkeitsleistung gegenüber höherem Widerstand in azyklischen Bewegungen;
- Schnellkraftausdauer: Widerstandsfähigkeit gegen ermüdungsbedingten Geschwindigkeitsabfall bei maximalen Kontraktionsgeschwindigkeiten bei azyklischen Schnellkraftbewegungen mit erhöhten Widerständen;
- Maximale Schnelligkeitsausdauer: Widerstandsfähigkeit gegen ermüdungsbedingten Geschwindigkeitsabfall bei maximalen Kontraktionsgeschwindigkeiten bei zyklischen Bewegungen.
Nach GROSSER UND ZINTL (1994, S. 91) handelt es sich bei den „komplexen“ Schnelligkeitsfähigkeiten um schnelle Bewegungsleistungen, die neben den elementaren Schnelligkeitsfähigkeiten (Steuer- und Regelprozessen) auch von Kraft- und Ausdauerfähigkeiten sowie von bestimmten Bedingungen 28 beeinflusst werden (vgl. GROSSER, 1991, S. 146). Sie zeigen sich sowohl bei Bewegungen gegen höhere Widerstände als auch bei Bewegungen mit ermüdungsbedingtem Leistungsabfall.
Aus trainingsmethodischer Sicht zeigt sich somit die Schnelligkeit als eigenständige und komplexe Fähigkeit. Aufgrund ihrer Leistungscharakteristika lassen sich der motorischen Schnelligkeit in der Sportpraxis eindeutig die drei Erscheinungsformen Reaktionsschnelligkeit sowie azyklische und zyklische Bewegungsschnelligkeit zuweisen (vgl. HOHMANN, 2003, S. 463). Diese praxisorientierte Gliederung findet sich auch bei LETZELTER (1978, S. 189). JOCH UND ÜCKERT
27 nach GROSSER (1991, S. 16) ausschließlich abhängig vom zentralen Nervensystem (vor allem der hohen Ausprägung der neuronalen Verbindungen des retikular-spinalen Systems und einer hohen Frequenzierung) und von genetischen Faktoren (wie z.B. einem hohen Anteil an schnellzuckenden, „weißen“ Muskelfasern)
28 bezieht sich unter anderem auf die Art der disziplinspezifischen Bewegungen (gleichsam auf die Bewegungsaufgabe), die Bewegungstechnik, die Größe und die Dauer des zu überwindenden Widerstandes, den individuellen Voraussetzungen sowie den äußeren Bedingungen (vgl. GROSSER UND ZINTL, 1994, S. 91)
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Philipp Stieber, 2011, Untersuchung und Vergleich zweier Trainingsansätze im Weitsprung, München, GRIN Verlag GmbH
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