Inhaltsverzeichnis
I. Abbildungsverzeichnis 3
II. Abkürzungsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Abgrenzungen von Großstadtregionen und gesplittet betrachtete demographi-
sche und wirtschaftliche Tendenzen 6
3. Welche Faktoren gefährden den Zentralitätsstatus vieler deutscher Städte? 8
4. Die Rolle der Shoppingcenter 10
4.1 Eine Definition des Shoppingcenter-Begriffes 11
4.2 Ursprung, Entwicklungen und Lagen von Shoppingcentern 11
4.3 Eine empirische Wirkungsanalyse von großen innerstädtischen Shopping-
centern und wichtige Eckpfeiler für deren erfolgreiche Integration 13
5. Indizien für kommende Reurbanisierungstendenzen in Deutschland 14
Eine mögliche Entwicklungsleitlinie für Innenstädte, die „ESSHAH“-Regel 16
6.
7. Fazit 19
2
I. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 - Stadtregionale Pendlereinzugsbereiche
Abbildung 2 - Übersicht der Großstadtregionen 2008
Abbildung 3 - Großstadtregionen im Zeitvergleich 1997-2008
Abbildung 4 - Natürliche Bevölkerungsbewegungen in Deutschland
Abbildung 5 - Wanderungen in Deutschland 1991-2007
Abbildung 6 - Zentralitätsentwicklungen in Deutschland
Abbildung 7 - Verkaufsflächenentwicklung im Einzelhandel
Abbildung 8 - Entwicklung von Shopping Centern in Deutschland
Abbildung 9 - Die Lage von Shopping-Centern
Abbildung 10 - Die Phasen der Stadtentwicklung
3
II. Abkürzungsverzeichnis:
Abb. Abbildung
BBR Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
BBSR Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
BRD Bundesrepublik Deutschland
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
ca. circa
diesbzgl. diesbezüglich
Difu Deutsches Institut für Urbanistik
ebd. ebenda
EC Einkaufscenter
ECE-Gruppe Einkaufs-Center-Entwicklungs-Gruppe
IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
i.d.R. in der Regel
m.E. meines Erachtens
sog. so genannt
v.a. vor allem
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
4
1. Einleitung
In meiner Seminararbeit habe ich mich mit dem Kampf, den viele Städte zu bestreiten haben beschäftigt, dem Kampf gegen eine Dezentralisierung der Zentralität. Dabei versuche ich im Hauptteil den Ursachen möglicher Zentralitätsverluste von Innenstädten einen Namen zu geben. In diesem Zusammenhang wird auch ein weiterer wichtiger Aspekt, die Rolle von Einkaufscentern bzw. den sog. Shoppingmalls, diskutiert. Woher kommt dieses Phänomen, in welchen Lagen treten diese riesigen Einkaufscenter hauptsächlich auf, welche Wirkungen lassen sich in ersten empirischen Analysen beobachten und welche wichtigen Eckpunkte für eine erfolgreiche Integration von Einkaufscentern lassen sich zusammenfassen?
Integration ist in Deutschland seit Jahren in aller Munde, jedoch geht es dabei i.d.R. um die Integration ethnischer Minderheiten oder sozial Benachteiligter, aber in gleichem Maße ist es erforderlich, dass sich den Menschen ein Umfeld bietet, das eine Grundlage für Kommunikation und Zusammenleben in geeignetem Maße gewährleistet und fördert. Dazu gehört auch eine durchdachte Stadtentwicklung, Politiker sollten dabei zumindest in fundamentalen Bereichen Richtlinien einführen, und wenn nötig auch nicht davor zurückschrecken den marktwirtschaftlichen Spielraum meist rein profit-orientierter Unternehmen bzw. Investoren einschränken. Zu häufig werden Investoren von Verant-wortlichen Entscheidern zu viel Freiraum gelassen, in der Hoffnung auf meist offensichtlich kurzfristige Gewinne, welche auf Dauer zu Lasten einer erfolgreichen Stadtentwicklung gehen. Ein mögliches Motiv dafür ist oftmals auch, dass wie üblich in der Politik kurzfristige Gewinne während der Amtszeit von Politikern vorgezogen werden, auch wenn langfristig die Nachteile einer Entscheidung offensichtlich überwiegen. Nach der ausführlichen Betrachtung der Rolle von Einkaufscentern wird weiterhin thematisiert, inwiefern sich bestimmte Tendenzen in der Stadtentwicklung deutscher Städte abzeichnen. Welche Indizien sprechen etwa für eine mögliche Reurbansierungstendenz in Deutschland? Bevor daraufhin meine Arbeit mit einem Fazit bzgl. zuvor analysierter Teilgebiete der Stadtentwicklung abschließt, werde ich einen möglichen Lösungsansatz bzw. vielmehr eine Entwicklungsleitlinie vorstellen, die sog. „ESSHAH-Regel“. Mir erscheint die Betrachtung im Konnex zu einer Leitlinie sinnvoller, anstatt auf individuelle Probleme einzelner deutscher Innenstädte einzugehen. Darin bestärkt mich vor allem das Faktum, dass die Problemfelder vieler Städte meist viel zu individuell und heterogen sind, meiner Ansicht nach sind deshalb Einzelbeispiele in diesem Kontext wenig aussagekräftig und kaum hilfreich zur Problemveranschaulichung.
5
2. Abgrenzungen von Großstadtregionen und gesplittet betrachtete de-mographische und wirtschaftliche Tendenzen
Zunächst einmal gilt es den Großstadt- vom Umlandbereich bzw. von der oft so betitelten „grünen Wiese“ abzugrenzen. Hierbei sei angemerkt, dass diesbzgl. mehrere, verschiedene Abgrenzungskriterien existieren.
Ich habe mich für einen Abgrenzungstyp entschieden, der auch Pendlereinzugsbereiche mit einbezieht. Dabei werden fünf Bereiche differenziert (Abb. 1): die Kernstadt, das Ergänzungsgebiet zur Kernstadt, der engere sowie der weitere Pendlerverflechtungsraum und die Gemeinden außerhalb der Pendlereinzugsbereiche. Auf deutsche Städte bezogen wurde diese Raumabgrenzung vom BBR mit Hilfe der Pendlerverflechtungsmatrix der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des IAB ermittelt. 1 Die sog. Großstadtregionen bilden nach diesem Abgrenzungsschema die Kernstadt, deren Ergänzungsgebiet, sowie die engeren und weiteren Pendlerverflechtungsräume. Analysiert man, das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland (Abb. 2) wie zuvor strukturiert, dann ist zu konstatieren, dass diese Großstadtregionen knapp die Hälfte der Gesamtfläche einnehmen, dort etwa 75% der Bevölkerung wohnhaft sind und etwa genauso viele in diesen Regionen arbeiten. Die dichtesten Großstadt-Ballungsräume sind vor allem in den meist wirtschaftlich besser gestellten südwestlichen Gefilden der BRD vorzufinden, wie z.B. Düsseldorf, Wiesbaden, Stuttgart und München. Diese starke Korrelation zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Anziehungskraft einer Region lässt vermuten, dass eine starke Kausalität zwischen Arbeitsplatznachfrage und Wohnortwahl besteht. Dies würde der Hypothese von Prof. Dr. Fritsch und Dipl.-Volksw. Stützer widersprechen, die in einem Artikel über die „kreative Klasse“ 2 behaupten, es würde sich ein Wandel abzeichnen und aus dem »People follow Jobs« früherer Zeiten werde zunehmend ein »Jobs follow People«. 3 Oder bedeu- tetdies, dass im Osten Deutschlands kaum „Kreativität“ vorhanden ist? Zwar greifen die Autoren auch diesen Aspekt auf und können tatsächlich nachweisen, dass der Anteil der „kreativen Klasse“ im Osten um 1,0 Prozentpunkte geringer ist, jedoch kann dieser Unterschied kaum eine derartige geografische Polarisierung der Bevölkerungskonzentration bzgl. ihrer Wohn- und Arbeitsortspräferenzen erklären.
Die Bevölkerungsballung wird in seinem Ausmaß besonders deutlich, wenn man die vier Zonen der Großstadtregionen detaillierter betrachtet: In der City, bestehend aus Kernstadt und dem Ergän-
1 URL:http://www.bbr.bund.de/nn_103086/BBSR/DE/Raumbeobachtung/Werkzeuge/Raumabgrenzungen/StadtregionalePe
ndlerEB/stadtregionen.html [Abruf 01.02.2010]
2 Def. „kreative Klasse“ nach Florida, R.: Menschen die nicht dafür bezahlt werden vorbestimmte Tätigkeiten routinemäßig
auszuführen, sondern Menschen die innovativ tätig sind. Dazu zählen insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler,
Lehrer sowie Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaftler.
3 “Die Kreative Klasse in Deutschland” von Michael F. und Michael S., Magazin „thinktank“ (Okt. 2008), S. 7-9
6
zungsgebiet leben etwa 44 % und arbeiten etwa 53% der Bevölkerung dabei nehmen diese Zonen nur ca. 7,6% der Gesamtfläche der BRD ein. 4
Aber dies ist der jetzige Iststand bzw. der des Jahres 2008. Wie aber haben sich die Präferenzen für Wohn-und Arbeitsorte im Verlaufe der letzten Jahre entwickelt? Zeichnet sich möglicherweise eine Entwicklungstendenz in die eine oder andere Richtung ab? Auch darüber, zumindest über die erste Frage, gibt eine Analyse des BBR über die Entwicklung der Wohnortpräferenzen innerhalb Deutsch-lands für das letzte Jahrzehnt Aufschluss (Abb.3). In der Grafik wird die Entwicklung in allen fünf, o.g. Zonen von 1997 bis 2008 abgebildet. Sowohl Bevölkerungs-, Beschäftigtenentwicklung, Wanderungssalden als auch Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner, werden in Relation zum Basisjahr 2008 dargestellt. Auffällig ist, dass die stadtregionalen Gebiete in allen vier Kategorien ein höheres Niveau aufweisen, als Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen. Bezüglich der Bevölkerungsentwicklung haben die Kernstädte von 1997-2000 zunächst Einwohner, v.a. an Ergänzungsgebiete und engere Pendlerverflechtungsräume, verloren. Seit 2000 haben die Kernstädte wieder an Anziehungskraft gewonnen, dies geht zulasten aller anderen Zonen, wobei vor allem Gebiete außerhalb von Großstadtregionen die größten Verluste zu beklagen haben. Eine mögliche Ursache dafür, dass vor allem abgelegenere Regionen verlieren, könnte die seit 2000 sich zunehmende verschlechternde gesamtwirtschaftliche Lage sein. Am offensichtlichsten wird diese Tendenz, wenn man sich die Wanderungssalden vor Augen führt. Dort ist deutlich erkennbar, dass seit 2008 nur noch positive Salden in Kernstädten und Ergänzungsgebieten zu „verbuchen“ sind. Müsste es demnach bald eine Überbevölkerung in den Kernstädten und ihren Ergänzungsgebieten geben? Nein, Zuwächse bei den Wanderungen werden durch die demografische Entwicklung egalisiert, denn es gibt konstant niedrige Geburtenzahlen, mehr Sterbefälle 5 und dies bei zudem abnehmender Immigration. 6 Auch bei der Beschäftigtenentwicklung zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab, wie in Abb. 3 ersichtlich ist. In Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen befinden sich die Beschäftigtenzahlen auf dem niedrigsten Niveau. Seit 2005 ist jedoch in allen Zonen eine Aufwärtstendenz erkennbar. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den durchschnittlichen Gewerbesteuereinnahmen je Einwohner. Hier liegen die Einnahmen der Kernstädte mit durchschnittlich 650 € pro Einwohner weit vor den Ergänzungsgebieten mit 500 €, den Verflechtungsräumen und den Gemeinden außerhalb von Großstadtregionen mit etwa 300 € im Durchschnitt pro Einwohner. Dies lässt sich durch die meist innerstädtischen Betriebsstandorte erklären.
4 BBR Bonn; Daten für das Jahr 2008
5 Vgl. Statistisches Bundesamt (siehe Abb. 4)
6 URL:http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Wanderu
ngen/Tabellen/Content75/WanderungenInsgesamt,templateId=renderPrint.psml [Abruf 20.01.2010]
7
Arbeit zitieren:
Julian Fink, 2010, Verlieren deutsche Großstädte ihren Zentralitätsstatus?, München, GRIN Verlag GmbH
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