Ortsnamen, also Berg-, Flur-, Gewässer-, Hof- und Siedlungsnamen, sind ein Spiegelbild der Siedlungsgeschichte eines Landes. Gerade das obere Murtal bildet einen Landstrich, in dem sich die Geschichte seiner Besiedelung in interessanter Vielfalt zeigt:
Einerseits lässt sich eine bemerkenswerte Zähigkeit in der Erhaltung sehr alter Ortsnamen beweisen, andererseits offenbart sich in den urkundlichen Schreibweisen und Nennungen immer wieder, wie sehr die Erhaltung oder der Verlust einer örtlichen Bezeichnung von der Entwicklung der Besiedelung, vom sprachlichen Beharrungsvermögen einer bodenständigen Bevölkerung und von der Änderung der Machtverhältnisse in den Bereichen des weltlichen und kirchlichen Beisitzes bestimmt waren.
Nicht zuletzt bleibt auch beachtenswert, wie sich doch gerade in den urkundlichen Nennungen immer wieder zeigt, dass so manche schriftliche Aufzeichnung eines Namens vom guten Gehör und der Schreibkunst des Aufzeichnenden wie auch von der Deutlichkeit abhing, mit welcher von der Bevölkerung Gehöftnamen, Riedbezeichnungen und Gewässernamen ausgesprochen wurden. So konnte sich ein Gewässername wie „Kobenz“ aus keltischer Zeit trotz römischer, slawischer und bairischer Besiedelung bis heute erhalten, so vermochte sich eine Bezeichnung vom „Stutenpferch“ zum „Stuhlpfarrer“, vom „Kalbsvlies“ zum „Kalbfleisch“ und vom „prĕpuchъ“ zum „Präbichl“ verformen und entwickeln. So wurde „Praitenfurt“ nach dem Bau der Kirche „St. Georgen (ob Judenburg)“ genannt und „Dornach“, ebenfalls nach seinem Kirchenpatron, als „St. Peter (ob Judenburg)“ bezeichnet.
Kein Wunder, dass heute vielfach Ortsnamen bestehen, deren ursprüngliche Bedeutung kaum noch erkennbar und noch schwerer verständlich ist.
Es ist sicher das Verdienst eines Josef v. Zahn, sich als einer der Ersten mit der Herkunft steirischer Ortsnamen befasst zu haben. Auf sein Werk gründet sich in besonderer Weise die „Mutter“ der vorliegenden Arbeit, nämlich die Dissertation von Dr. Klaus Kessler, „Die Siedlungsgeschichte des westlichen Obermurgebietes im Lichte seiner Ortsnamen“, Wien 1957. Ausgehend von einem Exzerpt aus dieser Dissertation, das mein Vater, ORR i. R. Dr. Otto Schinko, Knittelfeld, im Mai 1971 verfasst hat, war ich bemüht, interessante Siedlungs-, Flur-, Gehöft- und Gewässernamen der Bezirke Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Murau in alphabetischer Reihenfolge übersichtlich zusammen zu stellen, allfällige Querverbindungen optisch herauszuheben und, soweit es mir möglich war, auch Personennamen zu erklären, die zur Namenbildung beigetragen haben. Dass dies nicht überall gelungen ist, liegt an dem in meinem Amateurstatus gelegenen Bedürfnis, den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, aber auch darin, dass mir insbesondere die Deutung althochdeutscher oder slawischer Personennamen mangels geeigneter Unterlagen schwer fiel. Soweit ich mir neuere Erkenntnisse über Ortsnamen aneignen konnte, habe ich sie einfließen lassen.
Gelegentlich habe ich mir auch erlaubt, eigene Ansichten darzustellen und örtliche Besonderheiten zu erwähnen. Trotz oder vielleicht wegen der nicht rein wissenschaftlichen Ausrichtung meiner Arbeit glaube ich, einen interessanten Blick über die Geschichte der Besiedelung und Entwicklung unserer Ortsnamen jenen zu ermöglichen, die mit mir wissen, dass „doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt“ (Martial).
Die von mir verwendete Literatur kann dem angeschlossenen Literaturverzeichnis entnommen werden, nur ein- oder zweimal zitierte Arbeiten sind in den Fußnoten angeführt. Die Namen von Ortsgemeinden habe ich gegenüber der erwähnten Dissertation aktualisiert, weil sich im Zuge der Gemeindezusammenlegungen in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts viele Bezeichnungen geändert haben; manche Örtlichkeiten habe ich geographisch etwas präziser umschrieben, als dies im Exzerpt und in der Dissertation geschehen war. Kursiv geschrieben werden alle Ortsnamen, die in dieser Arbeit besprochen werden. Alle Ausführungen ohne besonderen Hinweis wie Kranzmayer, Lochner v. Hüttenbach, Bahlow usw. sind von Kessler übernommen, wobei aus Platzgründen gelegentlich gekürzt wurde, ohne jedoch den Sinn zu verändern.
Eine Aufstellung der von mir verwendeten Abkürzungen findet sich im Anschluss an dieses Vorwort.
3
Frau Dr. Elfi Lukas danke ich herzlich für die mehrmalige Durchsicht und Korrektur dieser Arbeit, die ich meiner geduldigen Ehefrau Marion zueigne.
St. Margarethen bei Knittelfeld, im November 2011 Otto Michael Schinko
ADN
AEA ahd. althochdeutsch anord.
aslaw. aw.
AW (CD) b. K. b. L.
b. M. Bair., bair.
BDA BlfHK BÖN BS DFN d. h. Dt./dt.
DKW DNL EA:
ENL Etym./etym. Etymologie, etymologisch f, ff
fem./Fem. frühidg. gemeingerm. G(g)emeingermanisch gemeinidg. G(g)emeinindogermanisch germ.
GH got.
i. i. d. in der/dem idg.
Jh. H. HJ
kelt. KG
kroat. KVB
KLN L-H MA, ma. Mittelalter, mittelalterlich mask./Mask. (M)maskulinum, männlich(es) Geschlecht mhd. mittelhochdeutsch mdal. mundartlich m/M Meter über dem Meeresspiegel
5
n. Chr. nach Christus nhd.
obd. OG
ÖK ON ONB ONJ ONK pers. PN Ra. s. S. sog.
slaw. slow.
slm. StGN StON
StUB SWB TOK urslaw. urslawisch VB
Verf. vgl.
v. Chr. voridg.
wend. z. B.
ZHVfSt ZOB * + abgekommene Bezeichnung Kursiv geschriebene ON werden in dieser Arbeit behandelt.
Archäologische Funde lassen den Schluss zu, dass das Obermurtal seit der Jungsteinzeit mehr oder weniger kontinuierlich von Menschen besiedelt wurde 1 . Insbesondere die Auffindung und teilweise Ergrabung von Siedlungen in den Verwaltungsbezirken Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Murau zeichnet einen zeitlichen Bogen vom Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. bis ins 8. Jhd. n. Chr. 2 Welche Sprache zu diesen Zeiten gesprochen wurde, ist nicht bekannt.
Lange Zeit gingen Sprachwissenschaftler davon aus, dass Illyrer, Veneter und Kelten die sprachliche Landschaft auch in unseren Breiten geprägt hätten.
Diesbezüglich hat sich das Bild gewandelt. Aus den Nachrichten griechischer Schriftsteller des 6. und 5. Jhd. v. Chr. geht hervor, dass die Bezeichnung „Illyrer“ einen Sammelbegriff für mehrere Stämme darstellt, die zwischen Makedonien und der Adriaküste von Griechenland bis Montenegro, also im heutigen Albanien, anzutreffen sind. Die spätere Annahme, die Illyrer hätten auch in Böhmen und Pannonien sowie in Noricum gesiedelt, ist archäologisch widerlegt. Heute vergleicht man das Illyrische mit der Sprache der Messapier (im antiken Apulien) und mit jener der Albaner 3 . Das antike Volk der Veneter besiedelte den nordöstlichen Teil des heutigen Italiens. Nach Westen erstreckte sich ihr Gebiet bis zum Etsch, oder, nach einigen Annahmen, bis zur Adda, nördlich bis zu den Alpen und östlich bis zum Timavo im heutigen Friaul. Ihre durch kurze Inschriften dokumentierte Sprache, das Venetische, gehört zu den idg. Sprachen und ist am nächsten mit den italischen Sprachen verwandt, insbesondere mit dm Lateinischen 4 . Die Veneter scheinen bei uns keine sprachlichen Spuren hinterlassen zu haben. Insgesamt lässt sich sagen, dass nur wenige ON aus voridg. Sprachschichten, aus dem sogenannten „Substrat“ zu stammen scheinen. Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass uns mehr als 2500 Jahre von jenen tiefliegenden Sprachschichten trennen. Als häufiger namenbildend lässt sich lediglich das Keltische heranziehen, dies jedoch mit der gebotenen Vorsicht. Die Römer: Etwa ab 115 v. C. bestand ein Handelsvertrag Roms mit den Tauriskern (ein publicum hospitium), der den friedlichen Warenverkehr ohne militärische Bindungen regelte. Im Jahr 113 v. Chr. entsandte der Senat auf Bitten der norischen Fürsten unter dem Consul Papirius Carbo ein Heer gegen die Kimbern. Nach einem Vertragsbruch seitens der Römer mussten sich die Kimbern zum Kampf stellen; nur ein Gewitter mit Hagelschlag, wie es in den römischen Berichten heißt, bewahrte die römischen Truppen vor völliger Vernichtung. Die Schlacht bei Noreia - die Örtlichkeit ist nach wie vor nicht mit Sicherheit lokalisiert - begründete das Trauma der Römer, den furor Teutonicus vor allem, was aus dem Norden kam. Da das einheimische Volk niemals eine Massenvernichtung oder Zwangsumsiedelung erfuhr, wirkten urtümliche norische Elemente in Kult, Brauchtum und Tracht weiter. Dadurch blieb auch das verhältnismäßig reiche Namengut der frühgeschichtlichen Zeiten bewahrt.
1 Walter Modrijan (1962): Das Aichfeld. Vom Steinbeil bis zur römischen Poststation. Judenburger Museumsschriften III, Judenburg: Verlag des Museumsvereines Judenburg.
2 Georg Tiefengraber (2007): Archäologische Funde vom Fuße des Falkenberges bei Strettweg. Ein Beitrag zur Besiedlungsgeschichte des Aichfeldes. In: Berichte des Museumsvereines Judenburg, Heft 40. Judenburg: Verlag des Museumsvereines Judenburg, S. 3 - 39.
Georg und Susanne Tiefengraber (2009): Beiträge zur hallstattzeitlichen Architektur in Höhensiedlungen der Obersteiermark (Österreich) (2009). In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 55. Langenweissbach: Beier & Beran. Archäologische Fachliteratur.
3 Verfasser unbekannt. In: Geschichtsverein für Kärnten, Programm - Zweites Halbjahr 2006, S. 23.
4 http://de.wikipedia.org/wiki/Veneter_(Adria). Stand: 22.11.2011.
7
Die Awaren: Nach chinesischen Quellen sollen die „War“ zeitweilig Vasallen bzw. Angehörige der proto - mongolischen Rouran gewesen sein. Sie zogen nach dem Jahr 555 unter dem Druck der Göktürken nach Westen.
Die Awaren erschienen nach Kranzmayer als Beherrscher der Slawen in den Geschichtsquellen etwa um 568 - ein Jahr, nachdem ein Teil des Slawenvolkes nach Süden vorgestoßen war und sich in großer Zahl in Ungarn niedergelassen hatte. Ungefähr um 590 drangen die Awaren von Ungarn tief in die Ostalpenländer vor, wobei sie Slowenen mit sich trieben und zu neuen Wohnsitzen zwangen. Mehrfache Versuche der Slawen, sich von der Awarenherrschaft zu befreien, wurden niedergeschlagen. Erst Kaiser Karl d. Gr. brach Ende des 8. Jahrhunderts die Macht der Awaren. Versuche der Etymologen, die Sprache der Awaren zu identifizieren, müssen bisher als gescheitert betrachtet werden. Der Grund dafür liegt primär im äußerst dürftig überlieferten Sprachmaterial, das sich auf einige Eigennamen, Titel und Landschaftsbezeichnungen beschränkt. Es scheint nicht einmal sicher, dass die Awaren nur eine einzige Sprache gesprochen hätten. Die überlieferten Namen (z. B. Targitios, Apsich, Kandich) lassen sich skythisch, „hunnisch“, mongolisch oder tschuwaschischturkisch erklären. Der Titel Khagan ist turkisch oder mongolisch zu deuten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Awarische sich mit Sicherheit weder der turkischen noch der mongolischen Sprachenfamilie zuweisen lässt. Sämtliche Zuordnungsversuche sind rein hypothethischer Natur 5 .
Die Slawen sind nach Kranzmayer als Hörige der Awaren mit diesen ins Land gekommen. Sie zählen zu den aslaw. Stämmen und waren wahrscheinlich der mächtigste unter ihnen. Über ihre Einwanderung gibt es anscheinend keine zeitgenössischen Belege, da dieses Ereignis völlig überschattet wurde von dem zunächst viel auffallenderen Einbruch der Awaren. Als richtige slawische Siedlungsperiode kann in Kärnten nach Kranzmayer nur die Zeit zwischen 590 und 740 beansprucht werden. Da die Ausführungen des Kärntner Ortsnamenbuches (ONB) nach Kranzmayer auch weitgehend für die Obersteiermark gelten, kann dieser Zeitrahmen sicher auch für unsere Gegend mit der Maßgabe übernommen werden, dass in der Folge die Steiermark etwas früher von der bairischen Einwanderung betroffen war, als das südlicher liegende Kärntner Gebiet 6 . Die Einwanderung der germanischen Baiern begann etwa gegen die Mitte des 8. Jahrhunderts. Bis ins 11. Jhd. gingen die bairische und die slawische Siedlung gewöhnlich Hand in Hand, die Landnahme war nach Kranzmayer „meistens die Frucht gemeinsamer Arbeit“ 7 . Während im Zuge der Großkolonisation die Großräume Kärntens und sicher auch der Obersteiermark um 1100 alle schon bewohnt waren, brachte das 12. Jhd. als Anbruch des Hochmittelalters die Binnenkolonisation mit sich: Während man früher die Aufbaukräfte von außen herangeholt hatteman kann von einem ständigen Zustrom aus dem heutigen Bayern ausgehen - ließ jetzt der Landesherr Arbeitskräfte nur mehr widerstrebend aus seinem Gebiet heraus. Es wurde planmäßig gerodet, der Bergbau gewann zunehmend an Bedeutung. Knappensiedlungen kletterten, den Erzgruben folgend, seit 1200 in Höhenlagen empor, die man vorher gemieden hatte.
5 Nach http//wikipedia.org/wiki/Awaren, Stand: 31. 10. 2011.
6 EA: Heutzutage verwendet man für den angesprochenen Zeitraum (vor der bairischen Landnahme und während dieser) nicht die Bezeichnung „Slowenen“; vielmehr spricht man heute von Slawen, was auch richtig ist, weil die heutigen Slowenen und ihre Sprache wahrhaftig nicht mit jenen Stämmen und deren Sprachen gleichgesetzt werden können, die vom 6. bis zum 8. Jahrhundert in unserem Gebiet siedelten, so wie auch die späteren Baiern nicht mehr als „Germanen“ apostrophiert werden können. Selbst Kranzmayer zählt die Slawen zu den altslawischen Stämmen. In der Folge werden daher die Siedler jener Zeit als Slawen bezeichnet; nur in dem Fall, dass ein slawisches Wort jungen Datums ist, verwende ich den Ausdruck „slowenisch“. In diesem Sinne habe ich die etymologischen Anmerkungen korrigiert.
7 EA: Ich bezweifle dies unter dem Aspekt, dass sowohl in der Erinnerung wie auch in manchen ON Hinweise auf kriegerische Auseinandersetzungen erblickt werden können. Insbesondere sprechen die archäologischen Entdeckungen der letzten Jahre mit den damit verbundenen Hinweisen auf Slawenaufstände (Lavant/Kärnten, Vorgängerbau der Kirche Mariahof) ihre eigene Sprache.
8
Trotz der starken germanischen Präsenz lässt sich jedoch eine „germanische Namensschicht“ bei uns kaum feststellen. Die meisten Namen erweisen sich als deutsch bzw. bairisch. Im Zuge der fränkischen Machtergreifung im Alpenraum ging nach Pohl - Schwaner, BÖN, vermutlich aus der Verschmelzung von Germanen, romanisierten Kelten und Angehörigen anderer, hier ansässiger Völkergruppen der (germanische) Stamm der Baiern hervor, aus deren Sprache - zunächst ein althochdeutscher Dialekt - das heutige „Bairisch - Österreichische“ entstanden ist 8 . Althochdeutsch (Ahd.) wird seit etwa dem 6. Jhd. bis zur Mitte des 11. Jhd. gesprochen. Es stellt keine einheitliche Sprache dar, sondern dient als Bezeichnung für eine Gruppe westgermanischer Sprachen, die südlich der sogenannten „Benrather Linie“ (von Düsseldorf - Benrath ungefähr in westöstlicher Linie verlaufend) gesprochen wurden.
Diese Dialekte unterscheiden sich von den anderen westgermanischen Sprachen durch die in ihnen vollzogene „Zweite“ (Hochdeutsche) Lautverschiebung. Die nördlich davon gesprochenen Sprachen haben diese Lautverschiebung nicht mit mitgemacht.
Vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen (Mhd.) gab es keine Kontinuität. Im 10. und 11. Jahrhundert wurde fast ausschließlich Latein geschrieben, sodass die Verwendung des Deutschen als Urkundensprache mit dem Mhd. neu einsetzte. Daher finden sich besonders in den früheren mhd. Schriften des 12. Jhd. eine Vielzahl verschiedener Schreibungen. Das Mhd. scheint sich unter der Herrschaft der Staufer in der Zeit von etwa 1150 bis 1250 als überregionale Sprache, auf schwäbischen und ostfränkischen Dialekten beruhend, entwickelt zu haben 9 . Es ging ab etwa der 2. Hälfte des 14. Jhd. in das Frühneuhochdeutsche (Nhd.) über.
8 , 9 Ausgeführt nach BÖN.
-ach-Namen:
Das ältere -ach stammt von ahd. -aha „Bach“; gemeinindogermanisch *aha (Wasser) bedeutet hingegen noch „geregelter Wasserlauf, Gewässer auf dem Land“. Wo das kollektive -ach auftritt, von dort kann nach Kranzmayer gesagt werden, dass die bairische Landname vor oder um 1300 begonnen hat 10 . Zufällig passt dieses Suffix lautlich und zeitlich zusammen mit der zeitgleichen slaw. Leitform -jah auch für die Zeit vor 1300. Achneralpe: Almgebiet im VB Leoben.
Dt. Kompositum: „Die Alm, auf der viele Ahornbäume wachsen“. Ahd., mhd. ahorn - Ahornbaum. Zu Alpe siehe Alm. Adelsberg:
Weiler in der OG Mariahof, VB Murau: Arnoltesperch 1066, Arnolsberg ca. 1300, Arlsberg 1664. Vom ahd. PN Arnolt „Berg des Arnold" (Arnwalt, Arnholt). Der Name bedeutet „Adler“ und „herrschen“ 11 . Baravalle führt einen Hertlein de Arnoldsperg an, der in einer Urkunde von 1294 aufscheint und der in Adelsberg seinen Sitz gehabt haben könnte 12 . Zu -berg siehe dort. Adendorf:
Ortsteil der OG Mariahof, VB Murau: Arpindorf 1066, Arbendorf 1148, Erindorf 1397, Adendorf 1453.
Vom ahd. PN Ar(i)bo „Dorf des Aribo“. „Arbi“ bedeutet „Erbe 13 . Zu -dorf siehe dort. Admontbichl:
Schloss in der OG Obdach, KG Granitzen, VB Judenburg: Admontbüchel 1528. Ein der Mundart ungeläufiger Name. Er hängt wohl mit der Erbauung des Schlosses durch das Stift Admont zusammen, das hier schon seit dem 12. Jh. Besitzungen hatte. Gegen herrschaftliche Gründungsnamen besteht im Bauerntum schon seit altersher eine gewisse Abneigung; daher richtet sich auch die mdal. Aussprache streng nach dem schriftsprachlichen Vorbild. Um 1500 wurde aus dem alten Admont´schen Gutshof eine Propstei, welche zeitweilig, namentlich gegen das Ende des 17. Jh. die Blutsgerichtsbarkeit inne hatte.
Der ON Admont selbst ist altslaw. Ursprungs: in Ademundi valle 859, ad Adamunton locum 931, praedium Adamunta 1005, in valle Ademuntense 1016.
Das Wort ist nach Kessler von aslaw.*od(u)mo(n)t(u), frühslaw.*(v)adamunti - „Wassertrüber” abzuleiten. Damit ist der Lichtmessbach bei Admont gemeint, der noch heute das Wasser der Enns, insbesondere bei Regenwetter, verunreinigt. Die Entlehnung ins Deutsche erfolgte schon im 8. Jh., da das aslaw.-o- noch als ahd. -a- übernommen wurde. Dieser These widersprechend geht L-H von aslaw.*odmǫt - „tiefe Stelle in einem Fluss, Strudel“ aus. Auch er glaubt, dass der heutige Lichtmessbach diesen Namen trug 14 . Zu -bichl siehe dort.
Nach Baravalle lag an Stelle des Schlosses im 13. und 14. Jh. der Sitz der Puchler. Im Jahr 1367 schenkte Gerweig, die Witwe Heinrichs von Puch, den Mereinhof zu Puhel, der sich in schlechtem Bauzustand befand, an das Stift Admont, das sogleich an den Ausbau der Anlage schritt 15 .
10 ONK I, S. 141f.
11 KVB, S. 217f.
12 BS, S. 465.
13 DNL, S. 41.
14 StON, S. 44.
15 BS, S. 241.
10
+ ad pontem:
Name der 5. Poststation der Römerstraße Virunum - Ovilava (Zollfeld - Wels), vielleicht bei Scheiben, VB Judenburg, gelegen. Hier fand man Reste von Bauwerken aus römischer Zeit. Nach W. Brunner wird heute angenommen, dass die Poststation in Lind bei Scheifling lag 16 . G. Tiefengraber hat die in Fachkreisen vorhandene Skepsis bezüglich der Bodenfunde in Scheiben in seiner Arbeit „Archäologische Funde vom Fuße des Falkenberges bei Strettweg“ 17 dargestellt und hinsichtlich der Grabungsfunde Schmids auf der Schlagritzen von „Resten von Grabbauten“ gesprochen. Angesichts der Fundlage muss in diesem Bereich eine Siedlung bestanden haben (G. Tiefengraber, Graz, pers. Mitteilung). Im Frühjahr 2008 hat eine Nachgrabung unter Leitung des BDA bestätigt, dass in den Vierzigerjahren des 20. Jh. Reste von Grabbauten gefunden worden waren. Von der Siedlung selbst fehlt noch jede Spur. Vgl. + Monate. + Aich:
Baravalle nennt einen Edelhof zu Aich, der in einer Urkunde aus 1297 erwähnt wird. Die genaue Lage des Hofes zwischen Knittelfeld und Flatschach, vielleicht auch in Aichdorf, ist unbekannt 18 .
Etym.: Zu ahd. eich, mhd. eiche - „die Eiche“. + Aichberg:
Berg im Feeberggraben, südlich von Judenburg: ein gut an dem Aichperg 1360, am Aychperg 1405.
Etym. dt.: „Der Berg, wo Eichen wachsen“. Vgl. Sieding, Si(e)rning, Sirnich und insbesondere die Anmerkungen zu Ingering. Zu -berg siehe dort. Aichbergbach:
Bach westlich von St. Stefan ob Leoben. Siehe + Aichberg und -bach. Aichdorf:
Ortschaft südwestlich von Fohnsdorf, VB Judenburg: villa ad Eichdorf 1074 und 1087, Aychdorff 1518 19 .
Etym. Dt.: „das Dorf der Eichen“. Vgl. +Aich, + Aichberg, Aichfeld. Aichfeld:
Tal zwischen Judenburg und Knittelfeld: Beidseitig Undrimatale 935, Undrima uallis ca. 1055; linksufrig das Aychuele 1389 . Dt.: „Die eichenbestandene Niederung“.
EA: Beachtlich erscheinen die zahlreichen ON rund um das Aichfeld, die ebenfalls Komposita mit Eich- darstellen: Eichberg, Sirning, Sieding, Sirnich . . . Diese Namen kommen aus dem Slaw. und unterstreichen die Bedeutung, welche in diesem Gebiet die Eiche als Lieferant von Knittelholz, Trem(m)eln und Eicheln als Schweinemastfutter besessen hat. Zu -feld siehe dort. Aiden:
Häuser in Streusiedlung in der OG Kraubath, VB Leoben: an der Ayden 1373. Von mhd. eiten - „brennen, schmelzen“. Aigelsbrunnalm:
Alm in der OG Wald am Schoberpass, VB Leoben. Vom ahd. PN Egili „Brunnen des Egili“ Der Name stammt aus den Anfängen der Kolonisation. Agil- bedeutet „Schwertspitze“ 20 .
16 Brunner, St. Georgen ob Judenburg, S. 21ff.
17 Georg Tiefengraber, Archäologische Funde vom Fuße des Falkenberges bei Strettweg. In: Berichte des Museumsvereines Judenburg, 2007, Heft 40, S. 12.
18 BS, S. 288.
19 Brunner, Fohnsdorf, S. 467ff.
20 KVB, S. 205.
11
+ Ainhornhof:
Nach Baravalle nordwestlich von Knittelfeld gelegen, vermutlich Grundlage für den Weiler Einhörn. Der Wehrhof war im 12. und 13. Jh. im Besitz von Dienstmannen der Liechtensteiner 21 . + Allach:
Nach L-H ein linker Zubringer zur Paal bei St. Georgen ob Murau : der hof Allachhof 1422. Dieser ON kann einen mit ahd. uodal (z. B. Udalrich) zusammengesetzten PN enthalten 22 . Baravalle erwähnt hier 3 km westlich von Murau nach Herwig Ebner einen Edelsitz. So befindet sich im Engelmanngraben das Anwesen „Moar am Pichl“, ein mit seinen wehrhaften Mauern auffallender Gebäudekomplex. Oberhalb dieses Anwesens liegt ein vulgo „Burgstaller“, diesem gegenüber der vlg. Jans am oberen Lerchberg. Darüber springt ein Bergsporn vor, der im Volksmund „Schlossbichl“ genannt wird und bei dem ein Halsgraben noch gut erkennbar ist 23 . Nach Prof. Jürgen Udolph (ehemals Universität Leipzig) stammen Wörter, die ein -al- oder -ol- enthalten,aus sehr frühen Sprachschichten und deuten auf fließendes Gewässer hin. EA: Bei diesem ON dürfte es sich um die alte Bezeichnung für den heute üblichen Namen Olach(gut) handeln. Allersdorf:
KG Allersdorf, OG Maria Buch-Feistritz, VB Judenburg: Algersdorf 1220, Algasdorf 1300, Algarsdorf 1368.
Vom ahd. PN Adalger („Edel“ und „Speer“). Baravalle vermutet hier einen Edelhof, für den jedoch keinerlei Beweis zu erbringen sei 24 . Allgau:
Flur westlich von Murau, mdal. auch „Allgäu“: im Malnkein ca. 1300, in dem Malkein 1358, Alkay 1396, in dem Malkey 1406, in der Malkein 1420, Alka 2. H. 15. Jh. Etym.: Vom slaw. PN *Maluk(u)? „die Gegend des Maluk(u)“. Slow. mal(i) bedeutet „klein“. Alm, -alm -Namen, Alpe:
Ahd. Alba, mhd. albe, bezeichnet nicht immer hochgelegene Weideplätze. Das Appellativum Alm ist durch Assimilation des -b- aus mhd. alben (über albm) mit der mdal. Bedeutung „Bergweide“ entstanden. Das Wort ist sicher frühidg., wenn nicht sogar voridg. Ursprungs (nichtidg. Wurzel (?) *alb- Berg) und bedeutet sicher „Höhe, Gebirge“ und nicht „weiß“. In dieser allgemeineren, ursprünglichen Bedeutung besteht der Begriff nur mehr als Eigenname weiter in „Alpen - alpes“. Vgl. dazu das gälische alpa als Appellativ für „Berg“; das hochschottische Bergland heißt Albanach.Ähnlich wie diese ON klingen etruskische Bezeichnungen wie Alba Longa, Albanerberge. Einige Forscher meinen daher, das Appellativ stamme aus einer voridg. Sprache. Obermüller leitet das Wort vom latinisierten alpes, keltisch al - bin - „großer Berg oder Felsen - Berg“ ab und stellt es zu Apennin 25 . Zu Berg siehe -berg-Namen. +Alpsteig:
Weg in den Seetaler Alpen, VB Judenburg: der Albsteig 1487, Alpsteig 1823. Etym.: Dieser dt. name ist eine der zahlreichen, zumeist örtlich gebundenen Benennungen einzelner Saumpfade im Ostalpenraum 26 . Altendorf nahe Feistritz bei Knittelfeld:
Altendorf capella s. Johannis evang. 1147, 1358; s. Johann, Veustritz 1360. Dt.: „Das alte Dorf“- weist auf althergebrachte Siedlungstätigkeit hin (Römersteinfund im Jahr
21 BS, S. 209.
22 StGN, S. 54.
23 BS, S.464.
24 BS, S. 243.
25 DKW I, S. 60.
26 ONJ, S. 6.
12
1959). Möglicherweise liegt eine von den Slawen vorgenommene Neubenennung des damals schon „alten Dorfes“ vor.
EA: Nahe Altendorf befinden sich zwei Burgstellen: Der Zuckenhut auf dem Eichberg und die Anlage Sulzberg in Richtung Fentsch. Auf dieser Linie könnte noch der Pirschbichl eine alte Befestigungsanlage darstellen. Der oben erwähnte Römerstein wurde am Zusammenfluss von Feistritz- und Töringbach (damals im Zuge einer Zusammenlegung offenbar im Umbau) gefunden. Er ist Teil einer stark beschädigten Grabara und trägt die Inschrift: „Ti(tio) Vibiano filio annorum X“. Der Stein ist nach seiner Verbringung ins „Depot beim Amtshaus der Gemeinde Knittelfeld“ verschollen. Ein weiterer Römerstein (Titulus, der Bononia geweiht). fand sich jüngst (2008) als Altarstufe in der Kirche zu Feistritz bei Knittelfeld. Obermaier leitet mit alt verbundene ON vom gälischen alt, ailt (Haus) ab und nimmt den dt. Begriff alt (im Gegensatz zu neu) nur an, wo sich in der Nähe ein „Neudorf“ oder „Neuheim“ befindet. Alt seien fast alle Dörfer; zu der Zeit, in der sie entstanden seien und ihre Namen erhielten, seien sie alle neu gewesen 27 . Zu -dorf siehe dort. + Alterstein: Siehe Entrichestanne. Althaus:
Name einer Ruine 500 m westlich des Hörfeldes, VB Murau. EA: „Das alte Haus“. Ameringkogel:
Berg, 2187m/M, westlich von Obdach, VB Judenburg.
Der ON könnte mit der Bezeichnung für die Finkenart „Ammer“ zusammenhängen. Da diese auf ahd. amaro, vermutlich aus ahd.*amarofogal gekürzt, zurückgeht, bedeutet sie „Dinkelvogel“. Ahd. amar - „Dinkel“ (bei uns auch „Emmer“). Möglicherweise wurde in ahd. Zeit am Fuße des Berges Dinkel angebaut und der Name ist aufgewandert.
Im Landkreis Mühldorf am Inn (Bayern) besteht ein ON Amering, der in einer Urkunde aus dem Jahr 1251 als Avramingen aufscheint und auf den PN Abraham zurückgeführt wird 28 . Amesser:
Gehöft in der OG Maria Buch-Feistritz, VB Judenburg: od haist Amaisshub in der Feustricz ca. 1400. Mdal. „aumaßa“.
Kessler leitet diesen Namen vom reichlichen Vorkommen der roten Waldameise ab. L-H geht bei diesem ON von bair. mdal. maißen - „(ab)hauen, (ab)schneiden“ aus; mhd. meizen, bair. maiß bedeuten „Abholzung“, mhd. meiz „Holzschlag“ 29 . Nach Finsterwalder könnte der Name von kelt. *ambis/e - „Bach“ herkommen 30 . Ca. 100 m nördlich des Gehöfts entspringt der Tanauerbach in Richtung Nordosten. Apfelberg: Ortschaft und OG bei Knittelfeld: Nhdt. Kompositum: „Der Berg, auf dem viele Äpfel wachsen“.
L-H führt den ON auf ahd. apful, mhd. apfel zurück 31 . E. Lukas hat in einem Vortrag anlässlich „120 Jahre Gemeinde Apfelberg“ ausgeführt, dass am 25. 1. 1397 Christian Vischer zu Landschach und dessen Ehefrau Margret dem „erbarn chnecht Hansen dem Holzapfel“ und seinen Verwandten eine nach Reifenstein dienstbare Wiese unter Landschach verkauft hat. 1405 erwirbt dieser Hans einen Acker, gelegen „in dem Vorffeld pey Mariczen des Walter Stuckh und pey des obgenannten
27 DKW I, S. 64
28 Karl Puchner, Romanisch-germanische Mischnamen in Altbayern. In: Kärntner Museumsschriften Nr. 55, Aus dem Namensgut Mitteleuropas, Festgabe zum 75. Geburtstag von Eberhard Kranzmayer, Klagenfurt 1972, S. 62.
29 StON, S. 104.
30 TOK, S. 30.
31 StON, S. 151.
13
holczapfell akher“. Aufzeichnungen von Alois Hammer und Dr. Heinrich Purkarthofer (verstorben, ehemals Steiermärkisches Landesarchiv) weisen darauf hin, dass mit diesem Grunderwerb auch der spätere Name „Apfelberg“ für einen Teil des Gutes Landschach aufscheint. In den Taufbüchern der Pfarre Knittelfeld gibt es eine Aufzeichnung über eine Theresia von Apfelberg im gleichen Jahrhundert. Damit erscheint ein Zusammenhang von „Holzapfel“ und „Apfelberg“ nachgewiesen. Der Familienname Holzapfel bedeutet nach Bahlow „wilder Apfel“ 32 , nach Michael Schiestl „missmutiger Mensch“ 33 . Zu -berg siehe berg-Namen. + (im) Arbaisreut:
Ried in unbekannter Lage, 1437 erwähnt; vom mhd. er(a)we)iz - „die wildwachsende Erbse; das gerodete Feld, auf dem Erbsen wachsen; die Rodung im Erbsenstaudenbach“. Arbesbichl 1437, demnach Arbesser (Gehöft bei Rottenmann, VB Murau; Herrschaft auf Schloss Spielberg) - „Erbsenesser“. ImHof des Schlosses Spielberg gibt es einen Wappenstein mit Erbsen (persönliche Mitteilung von Dr. Elfi Lukas, Apfelberg). Zu -reut siehe Greith. Arzberg:
a) Im Pöllaugraben südwestlich von Neumarkt, VB Murau. b) Nordwestlich von Obdach, VB Judenburg: der Arezperg 1434.
In beiden Fällen weist der ON auf Erzfundstätten hin. Mhd. ärze, ahd. aruz(zi) bedeutet im weiteren und ursprünglichen Sinn jedes metallhältige Gestein 34 . Zu -berg siehe -berg-Namen. Assinger:
Gehöft nahe Obdach, VB Judenburg: Asang 1434.
Von ahd. asanc - „die durch Abbrennen der Baumstämme gerodete Landschaft“. Absengen der Wurzeln im Gegensatz zu schwenden - Ausreißen der jungen Pflanzen“, ahd. swenden. Nach L-H muss es sich nicht immer um die Stelle einer Brandrodung handeln, es kann auch ein Ort sein, an dem durch einen Brand eine Siedlung, ein Gut oder ein Wald zerstört worden sind. 35 . EA: Ein Gehöft vlg. Ossinger liegt in Strettweg. Au-, -au-Namen:
Ahd. ouwia, ouwa, urverwandt mit lat. aqua, bezeichnet den „bewachsenen Rand eines fließenden Gewässers“ (wie bei Wachau) oder eine „nasse Wiese“ 36 , manchmal auch den „Wasserlauf“ 37 Auerling:
Fluren südöstlich von St. Lambrecht, VB Murau: 1271 Owernich, an dem Awernig 1397, Awrnig 1450, Awrning 1461.
Vom aslaw. *(j)avor(i)nik(u) - „die Gegend, wo viele Ahornbäume stehen“. Die Eindeutschung erfolgte im 10. Jh. Nach L-H leitet sich das Wort vom urslaw.*avorъ - „Ahorn“-ab 38 . EA: Ein Ort dieses Namens liegt auch südlich von Judenburg. Authal:
Schloss südlich von Zeltweg, VB Judenburg: Nach Baravalle war das Geschlecht von Ouwe (Aue) ein Dienstmannengeschlecht der Landesfürsten; ihr Wehrbau im Auland der Mur war freies Eigen. 1188 scheint ein Rudolf auf. Der Wehrbau dürfte in der zweiten Hälfte des 14. Jh. verlassen worden und verfallen sein. Von ihm ist keine Spur mehr vorhanden. Das „neue“ Schloss stammt aus dem 18. Jhd. 39 . Zur Etym. siehe Au und Tal. EA: Ein Autal gibt es auch in der OG Bretstein.
32 DNL, S. 245.
33 Schiestl, Pierpreu, Pichler, Pitterpos …, S. 33.
34 Duden Herkunftswörterbuch, S. 163.
35 StON, S. 103.
36 BÖN S. 50.
37 StGN, S. 20.
38 StON, S. 38.
39 BS, S. 243.
14
Babenberg:
Verstreut liegende Häuser in der OG Dürnstein, VB Murau. Ahd.: „Dorf des Babo“ (PN, alter Lallname) 40 .
EA: Dieser Name wird nicht erklärt; in slaw. Sprachen bedeutet Baba „alte Frau“, nach Obermüller in orientalischen Sprachen „Vater“. Das Wort komme von kelt. abh - „Vater“, oder von kelt. ba als Abkürzung von baoth - „gut“, gleich „Mama“, das aus kelt. ma, math, maith entstand und ebenfalls „gut“ bedeutet, denn -b- und -m- ersetzten einander häufig. Obermüller leitet aber den heutigen ON Bamberg (früher Babenberg, Deutschland) von kelt. bi - „klein“oder kelt. bean - „Berg“ ab 41 . Zu -berg siehe dort. Bach-, -bach-Namen:
Die Herkunft des altgermanischen Wortes ist unklar. Vielleicht sind ahd. bah, mhd. bach, pach, niederländisch beek, schwedisch (anders gebildet) bäck, verwandt mit mittelirisch būal „fließendes Gewässer“ 42 .
Die -bach-Namen zählen nach Kranzmayer zu den jüngsten dt. Leitformen. Sie stimmen zu slaw. -ica - „Bach“. Die meisten Komposita mit -bach gehören anscheinend erst der mhd. Zeit an, sie verdrängen seit 1100 erfolgreich das ältere -aha (-ach). Den ersten Kärntner Vorläufer hat Kranzmayer mit Durrenbah (jetzt die Zauchen, zu slaw. *suh - „trocken“) östlich von Villach entdeckt 43 .
EA: Da die bair. Landnahme wohl weitgehend von Norden nach Süden erfolgt sein dürfte, kann die dargestellte Meinung auch für die Steiermark gelten. Baierdorf:
a) Nordöstlich von Schöder, VB Murau: Baierdorf iuxta Chatse ca. 1155, Beiersdorf castrum 1296, Paierdorf turn 1348.
Nach Baravalle wurde in Baierdorf bei Schöder um 1070 der erste Wehrbau errichtet und 1292 von Herzog Albrecht zerstört. Im Jahr 1296 dürfte der heutige Turm errichtet worden sein 44 . Dieser Turm wird heute als „Römerturm“ bezeichnet. Zum Amthof von Baierdorf siehe + Thurnegg. b) Bei Maria Buch, VB Judenburg: 1147 ad Baierdorf mansum unum cum vinea, um 1150 Pairdorf, 1287 Paierdorf.
Etym. dt.: „Dorf der/des Baiern“. Zeuge bairischer Kolonisation. Zu -dorf siehe dort. c) Bei Neumarkt, VB Murau: Nach Baravalle dürfte westlich von Neumarkt ein kleiner Edelsitz dieses Namens gestanden sein. 1181 ist in einer Urkunde ein „Peringer von Paierdorf“ erwähnt 45 . Weitere Komposita: Baierdorfer Feld, Baierdorfer Wald, + Baiersberg. + Baiersberg:
Örtlichkeit südlich von Baierdorf, VB Judenburg: Paerperg (berg) 1308. Dt.: „Der Berg des Baiern“. Zu -berg siehe dort. Baumkirchen:
Weiler in der OG Maria Buch-Feistritz,VB Judenburg: Poumininachiricha in Undrimatale 935, Bomkirchen 1103, Paumkirchen 1295.
Etym.: „Die aus Baumstämmen gebaute Kirche“. Ahd. poumina - soviel wie „aus Holz gemacht“. Baravalle vermutet nahe der Maximiliankapelle den Standort eines alten Wehrhofes; bei der Andreaskirche am Fuße des Hügels sei ein Edelhof gelegen. Ein weiterer Baumkirchnerhof hat sich bei bei St. Georgen ob Murau befunden 46 .
40 DNL, S.48.
41 DKW I, S. 203.
42 Duden Herkunftswörterbuch, S. 57.
43 ONK, S. 255.
44 BS, S. 465ff.
45 BS, S. 467.
46 BS, S. 244.
15
Bei der Hand:
Wegzeichen im Verlauf des Alpensteiges (Kohlweges) vom Kraubathgraben zur Sandeben und über das Rannachtörl durch den Rannachgraben nach Mautern, VB Leoben 47 . Benkenbach:
Auch Penkenbach, Benklbach: Bach westlich von Weißkirchen in der OG Maria Buch-Feistritz, VB Judenburg. Der Name beruht nach Kranzmayer auf dem Plural von *bank in der Bedeutung von „Schwemm-, Sandbank“, slaw.-slow.-mdal. *poníkva oder slow.-mdal. *poníkev - „Erdloch mit rauschendem Wasser“, also „bei den Bänken“ 48 . Kessler leitet den ON ebenfalls von *ponikva ab, mit der Bedeutung „die Stelle, an der sich das Wasser in der Erde verliert, Kesseltal, Becken“. Siehe auch Bach und Penken. Benker:
Gehöft im Sulzgraben südlich von Großlobming, VB Knittelfeld. Beim dort bestehenden Burgstall handelt es sich um die die Altburg der Lobminger. Nach E. Lukas könnte der Hof schon vor dem 6. Jh. bestanden haben. Dies spricht dafür, dass die erwähnte Altburg zwischen einem Altsiedelgebiet und neueren Rodungen lag. Eine geschlossene slaw. Siedlung könnte sich bis zum Burgberg erstreckt haben 49 . Eine jüngst aufgefundende Keramikscherbe wurde als spätantik bestimmt. Zur Etym. siehe Benkenbach und Großlobming. Berg-, -berg-Namen:
Berg wird manchmal auch Perg geschrieben und bedeutet „Erhebung im Gelände“ 50 . Ahd. berg, mhd. berc, beruhen auf idg. +bherĝos - „Berg“ 51 . Diese Namen gehören nach Kranzmayer wie die -bach-Namen zu den jüngsten deutschen Leitformen. Kranzmayer glaubt, dass an so benannten Orten die deutschsprachige Kolonisation erst um 1300 oder danach eingesetzt hat 52 . Trotzdem treten diese Komposita schon ab etwa dem 11. Jh. auf, wenn auch in wenigen Belegen. Nach L-H bedeutet „Berg“ oft so viel wie „Burg“, sodass man -berg häufig als Grundwort von Burgennamen findet 53 . Betzensee:
Auch Petzensee und Fischegelsee genannt, in denWölzer Tauern, VB Murau. Nach Kranzmayer vielleicht vom ahd. PN Petzo - „der kleine Bernhard“ 54 . Der Name bedeutet „Bär - kühn“. Petzen stellt aber auch die Koseform zu ahd. Bercht (Perhta), die Anführerin der Toten, dar 55 . Bichl-Namen: Siehe Pichl. Birk-Namen: Siehe Pirk-Namen. + Bischofberg:
Nach Baravalle Name eines Wehrbaues oberhalb von Neumarkt in der Steiermark, VB Murau 56 . Zur Etym. siehe Bischoffeld und -berg-Namen.
47 Lukas, Kraubath, S. 397
48 ONK, S. 26.
49 AW S. 26
50 BÖN S. 51.
51 Duden Herkunftswörterbuch, S. 74.
52 ONK I, S. 142.
53 StON, S.172.
54 ONK II, S. 29.
55 DNL, S. 62
56 BS, S. 467.
16
Bischoffeld:
Dorf im Gaalgraben, OG Gaal, VB Knittelfeld: Piscolffelde 2. H. 13. Jh. Pischofsveld 1285, Bischoffeld 1498.
Namen mit „Bischof“ sind echte Komposita, teils schon aus ahd. Zeit. Es handelt sich dabei um Orte im damaligen Diözesangebiet des Salzburger Erzbistums, wie z. B. auch Bischofshofen im Land Salzburg. Der Familienname Bischof bezeichnet nach Bahlow jemanden, der im Dienste eines Bischofs stand, einen bischöflichen Zinsbauern u. ä. 57 . Zu -feld siehe dort. Nach Baravalle dürfte der Hof zu Bischoffeld um das Jahr 900 ein Reichshof gewesen sein, den der Erzbischof von Salzburg 860 erhalten hatte. Der Siedlungsname scheint durch die Schenkung der Hofmark durch Markwart von Eppenstein an den Erzbischof von Salzburg im Jahr 930 entstanden zu sein 58 . Bichl-, -bichl-Namen: Siehe Pichl. Birk- , Pirk-Namen:
Nach Baravalle bedeuten diese Namensteile „Burg“ 59 . Blahbach:
Bach in der OG Oberzeiring, VB Judenburg. Nach L-H bedeutet ahd. blȃen - „Eisen schmelzen“ 60 .
EA: Örtlich wird der ON damit erklärt, dass sich in kalten Wintern der Bach „aufbläst“ (wegen der Bildung von Grundeis aufsteigt). An diesem Gewässer befanden sich im Mittelalter Schmelzstätten. Vgl. Zeiring und Rennstrazzen. Zu -bach siehe dort. Bleitratten:
Gasthaus in der OG St. Peter ob Judenburg: Die „Bleiken“ bezeichnet die Stelle eines Hanges, an der sich die Erde losgerissen hat, es kommt nacktes Gestein zum Vorschein. Der Name hat nichts mit Blei (Pb) zu tun, sondern hängt zusammmen mit „blecken“ - „Blankes, Weißes entblößen“. Nach Kranzmayer auch „vegetationsloser Hang“. M. Schiestl führt eine Ableitung dieses ON von „Blähtratten“ an, was an den 1575 errichteten Eisenhammer erinnern soll. Er hält aber auch eine Zugehörigkeit zu „Bleiche“ (der Leinenweber) für möglich 61 . Zu -tratten siehe dort. Vgl. Blahbach.
EA: Etwa 4 km grabeneinwärts des ehemaligen Gasthauses Bleitratten besteht an der Gemeindestraße (beim Hineinfahren links vom Weg, orografisch rechtsufrig des Baches) noch ein schliefbarer Zugang zu einem ehemaligen Stollen (eigene Wahrnehmung, Hinweis OAR Enko, St. Peter ob Judenburg). Blümeltal:
Graben am Nordrand des Aichfeldes zwischen Knittelfeld und Fohnsdorf. Von mhd. bluoma - „die Blume“, „das Tal, wo viele Blumen wachsen“, vom bair. Bluembesuech, Blumsuch - „Kuhwiese, -weide“. Zu -tal siehe dort.
EA: Im Blümeltal befinden sich noch einige Stolleneingänge. Der Bergbau scheint spätestens zu Beginn des 17. Jh. aufgenommen worden zu sein. Es wurde nach Gold, aber auch nach Kupfer gegraben. Bodendorf:
Bei St. Georgen ob Murau: Babindorf 1152, Pabendorf 1400, Badendorf. Vom ahd. PN Babo „Dorf des Babo“ (alter Lallname). Siehe Boden und Babenberg. Zu -dorf siehe dort.
57 DNL, S. 67.
58 BS, S. 288.
59 BS, S. 481.
60 StGN, S. 44.
61 ONJ, S. 8.
17
Nach Baravalle liegen zwischen Bodendorf und dem Zielberg Riede mit den Namen „Unter- und Ober Purgstall, Purgstallacker, Hansl und Simerl im Burgstall, Burgacker, Burgwiesel und Gratzacker“, alles ON, die auf das frühere Vorhandensein von Wehrbauten, insbesondere im Bereich der Cäcilienkirche, hinweisen 62 . Boden-, -boden -Namen:
Das Wort bezeichnet ein etwas höher gelegenes Plateau. Es beruht mit ahd. bodam, mhd. bodem auf idg. *bhudhm(e)n - „Boden“ 63 . Bodenhütte:
Almhütte südwestlich von St. Peter ob Judenburg: die Sternhueb in der fewstricz ob Judenburg 1412, Sternhube 1893, Bodenhütte 1912.
EA: Eine Untere und Obere Bodenhütte stehen im Feistritzgraben bei St. Marein bei Knittelfeld. Zu Stern siehe Starrenberg, zu Boden siehe dort. Bösenstein:
Berg bei Trieben bzw. Hohentauern, VB Judenburg; er spielte im Aberglauben der Bauern eine unheilbringende Rolle. Nach Kessler handelt es sich einem bei solchen Namen meist um einen Wetterberg.
EA: Eine Ableitung von „Pölsenstein“ erscheint richtiger, zumal es südlich des Bösensteins eine Flur „in der Pölsen“ gibt. Kessler widerspricht dieser Deutung sehr überzeugt, wohingegen L-H im Hinblick auf die mdal. Aussprache die Deutung „Pölsenstein“ vertritt 64 . Brandner:
Oft aufscheinender Rodungsname, der mit Brandrodung zusammenhängt. Brandnerhube:
Ein alter Hof am östlichen Rand des Geierleitengrabens in der OG Rachau, VB Knittelfeld, der heute als Ferienheim für Kinder verwendet wird. Etwas oberhalb dieser Hube befindet sich ein mittelalterlicher Turmhügel, das „Umadum“, von dem man annimmt, es habe zur Brandnerhube gehört. Da ein Turm einen Prestigebau darstellte, den man nicht ohne weiteres errichten durfte, muss es sich bei der Hube um einen wichtigen Hof gehandelt haben 65 . Zur Etym. siehe Brandner und Huber. Breitwiesen:
Streusiedlung in der OG Rachau, VB Knittelfeld: Prattenwiese 1271, Praitenwisen 1309. Das Wort bedeutet neben einer breiten Ackerfläche auch ein mehrere Joch (mehr als 15 Morgen) umfassendes, fruchtbares Feld. Nach Benno Roth ist die Bezeichnung „in Praitwiesen“ in den Seckauer Urbaren von 1270 und 1301 - 1304 z. B. durch Erwähnung eines „pheudum Rudilini in Breitwiesen“ sowie durch die Erwähnung einer Realität „in Praitwiesen“ belegt 66 . Im Jahr 1270 wird auch eine „curia“, ein größerer Hof, erwähnt. Die Breitwieser waren ein kleines Adelsgeschlecht, dessen Wappen in einem spitzen Schild einen auf einem Dreiberg aufgerichteten Hasen zeigt. Zwischen 1342 und 1359 scheint auf einem Rundsiegel ein Wilhalmus de Praitenwies auf 67 . Eine Urkunde aus 1359 erwähnt einen „Wilhelm von Praitwisen“, der zusammen mit Sohn und Bruder „zwei Akher gelegen zu Muhr . . .“ als Seelengerät stiftete 68 . Auch das älteste Admonter Urbar verzeichnet für das Jahr 1434 einen „Praytenwiser“ und einen „Oswald zu Praytenwisenn“ 69 .
62 BS, S. 468.
63 Duden Herkunftswörterbuch, S. 90.
64 StON, S. 142.
65 Ra. S. 319ff, 327.
66 B. Roth, Seckauer Geschichtsstudien, Heft 1, S. 17ff.
67 Paul Roth, Die Adelswappen der westlichen Obersteiermark, phil. Diss. Graz 1965, S. 23, 67.
68 B. Roth, Seckauer Geschichtsstudien, Heft 8, S. 99.
69 Admonter Urbar aus 1434, Reutzehent bei Lobming, S. 323.
18
Bretstein:
OG im VB Judenburg: das dorfel in Vinsterpels ca. 1310, im P(r)ettstain 1417. Von mhd. bret - „Brett, Schild“, also die „Felsen, die wie Bretter aufragen“. L-H nimmt dazu an, dass dieser Flurname nach einer Steinwand mit Grasbändern bezeichnet worden ist; im Ostalpenraum gibt es die Bezeichnung „Brett“ als Name von horizontalen Grasbändern 70 . Vgl. Präbichl und Prettach. Brodjäger:
Gasthaus in der OG Hohentauern, VB Judenburg. Zur Deutung siehe Frojach. EA: Der ON hat also nichts mit „Brot“ zu tun, sondern bedeutet etwa „Jäger an der Furt“. Brodrinner:
Gehöft in der OG Hohentauern, VB Judenburg. Zur Etym. siehe Brodjäger und Rinnofner.
EA: Danach lautet die Übersetzung dieses ON „der (Siedler) an der Quelle bei der Furt“. Die örtliche Legende, dass einem ungeschickten Menschen Brotlaibe ausgekommen und die Rinne hinabgekollert seien, stellt eine typisiche Volksetymologie dar, eine volkstümliche, aber unrichtige Worterklärung aus euner Zeit, zu der man den slaw. und mhd. Hintergrund dieses ON nicht mehr kannte. Bromach:
Bei Raiming, OG Oberwölz, VB Murau.
Vom mhd. Kollektiv bramach zu mhd. brâme - „Brombeere, niedriges Gestrüpp beerentragender Waldpflanzen“, also, „wo Brombeeren wachsen“. -buch: Siehe Maria Buch. Bühel, -bühel: Siehe Pichl. -burg- Namen:
Der Ausdruck Burg bezeichnete ursprünglich eine Fluchtburg, um die sich eine offene Siedlung entwickeln konnte. Seit karolingischer Zeit wurden damit auch Herren - und Gutshöfe bezeichnet, später auch Städte. Schließlich erhielt das Wort die Bedeutung „festes, aus Stein gebautes, größeres Gebäude“ 71 . Ahd. bur(u)g, mhd. burc gehört zu Berg und bedeutet demnach ursprünglich „(befestigte) Höhe“ 72 . + Burgleiten:
Gegend in der Gaal, VB Knittelfeld, zwischen dem Staubgraben und dem Großen Ringkogel: die Purglewten in der Gael 1348, die Purgleiten in der Gal 1399.
Der Name bezieht sich auf höfische Einrichtungen (Besitzungen oder Burgen). Komposita scheinen nicht vor dem Jahr 1000 auf. Siehe Burg und Leiten. Burgstall-Namen:
Mhd. burestal. Dieser ON bezeichnet eine Stätte, auf der einst eine Burg stand oder auf der man eine Burg bauen könnte. Manchmal bezeichnet dieser ON auch eine prähistorische Fundstätte. Z. B.:
a) Rotte in der KG Bodendorf, Bez. Murau.
b) + die oeden Purckstal 1494: Flur östlich von Murau in der Probst? c) + in Purchstal 1305, 1425 im Purgstal: bei Feistritz bei St. Peter am Kammersberg. d) + das Purckstall 1494: Riedname in der Karchau?
e) + das Purgstal bey dem grossen wald bey Obdach ca. 1400: Waldleite am Großen Prethal.
70 StON, S. 176.
71 BÖN S. 51.
72 Duden Herkunftswörterbuch, S. 106.
19
EA: Dabei könnte sich um die Anlage am Zusammenfluss von Lavant und Rossbach beim vlg. Taxwirt handeln.
f) Baravalle führt einen Burgstall am Nordabhang des Hab(e)ring, südlich von Oberzeiring, an 73 . Burgstaller:
Gehöft westlichvon St. Peter ob Judenburg: am Purkchstal 1425.
EA: Anlässlich einer Besichtigung des oberhalb des Gehöftes gelegenen Hügels mit OR Doz. Dr. Hebert, BDA, wurde festgestellt, dass sich nahe dem Bauernhof ein Burgstall befindet. Weitere Gehöfte dieses Namens stehen am westlichen Ende des Puchschachens, VB Knittelfeld, östlich des Feistritzgrabens zwischen Kohlplatz und Kleinfeistritz, VB Judenburg, sowie nördlich der Ortschaft Nußdorf, OG St. Georgen ob Judenburg. Zur Etym. siehe Burgstall. Vgl. +Münzach. Burgstallofen:
(Fels)kuppe westlich der B 114, südlich der Zufahrtsstraße nach Oberzeiring, VB Judenburg: der Purgkhstal in der Wasserleit in der Zeiring 1424.
Eine Zeugenschaft im Ratsprotokoll von Judenburg aus 1623 sagt, der „Marchstein vnder dem Purkhstalofen sey noch vorhanden“ und bilde das „Gschied beder Landgericht Frauenberg vnd Poels“. Baravalle hatte von diesem Ort offenbar keine Kenntnis. Zur Etym. siehe Burgstall und -ofen. Brunn-, -brunn - Namen:
Von ahd. brunno, mhd. brunne - „natürlich fließender Quellbrunnen“ 74 . Brunn
Ried westlich von St. Michael ob Leoben: Prunne 1187,1188 75 . + die Chartewsen:
Im Raum Obdachegg, VB Judenburg, vermutet und im Jahre 1437 urkundlich erwähnt. Es handelt sich dabei um eine ehemalige Einsiedlerklause („Karthause“), obwohl die Obdacher Ortschronik diesbezüglich nichts erwähnt. Allerdings wurde Kessler eine für den urkundlichen Beleg allzu junge Geschichte hinsichtlich der Örtlichkeit erzählt:
Die Obdacher Bürgerssöhne wären in dieses Gebiet ausgewichen, um der Stellungspflicht zu entgehen. Der Lauslingbach, an dessen jenseitigem Ufer jene Lokalität gelegen war, bildete nämlich die Gemeinde- und damit die Stellungspflichtgrenze. Die Flüchtlinge wurden in ihren Verstecken von ihren Familienangehörigen mit Lebensmitteln versorgt, bis die Militärs den Ort wieder verlassen hatten. Suchten Häscher nach ihnen, so begann sich - wie zur Warnung - auf einem Heuschober ein alter Hut zu drehen (zu „tanzen“, wie es in der Chronik heißt), angeblich ohne jedes Zutun von Menschen oder Wind. Das Haus des letzten „Flüchtlings“ war damals noch von dessen Nachkommen bewohnt (und ist es noch immer - Neuböck, Haupstr. 38).
EA: Der Lauslingbach bildet heute die Grenze zwischen den Gemeinden Obdach und Amering (früher OG Obdachegg). Die Karthause wird sich wohl am Wasser befunden haben, also entweder am Lauslingbach selbst oder an einem der vom Osthang des Obdacher Beckens herabfließenden Gerinne zwischen dem Tirolerwirt und dem Landwirt vlg. Sandner. + (die) Chlampfhueb in der Vinstern Pels: OG Bretstein, VB Judenburg: im Autal 1414.
Von mhd. klampfer - „Klammer“ - „die aus verklammerten Wänden gebaute Hube“. Es handelte sich dabei um einen Blockbau, dessen einzelne Pfosten durch Eisenklampfen zusammengehalten wurden.
73 BS, S. 245.
74 StGN, S. 13.
75 ADN, S. 168.
20
+ (die) Chnappengruobe:
Im Jahr 1294 erwähnt, bei oder in Oberzeiring, VB Judenburg.
Dt.: „Der Schacht der Bergknappen“. Einer der wenigen Namen, die sich aus der Zeit des Zeiringer Silberbergbaues erhalten haben.
EA: Der Name stammt aus der hohen Zeit des Blei/Silberbergbaues nach der Mitte des 13. Jh. Der Abbau erstreckte sich insgesamt aber von Winden in den Zugtalgraben, in die Klum, in den Zeiringgraben und in Richtung Lachtal. Chol-, K(hol)-, Kohl-, Koller- Namen:
Zumeist von slaw. (c)holm - „Berg“, später aber eine Bezeichnung für „Köhler, Kohlort, Kohlweg“ 76 . Dazu der folgende ON: + Cholmann:
Abgekommener Gehöftnamen in der OG Rachau, VB Knittelfeld. Siehe Chol-. + (an der) Chubseben:
Ca. 1400 erwähnt, östlich von Eppenstein, VB Judenburg.
Die Erklärung dieses ON ist mangels weiterer Belege unsicher. Vielleicht steht ein aslaw. PN, z. B. *Chupaz vom Verbum aslaw. *chupati dahinter, oder etwa das aslaw. Substantiv *chyba - „Mangel“; aslaw.-y- wird in unseren Gegenden zum langen -ü- bzw. -ü-hältig gesprochen. EA: Östlich von Eppenstein liegen Eberdorf und Mühldorf mit dem Luitpoldkogel. Dass dort karger Boden vorhanden wäre, ist nicht bekannt. Dem Luitpoldkogel nach Südosten vorgelagert besteht eine auffällige, schalenartige Verebnung, die in einen kleinen Hügel ausläuft. Im Slow. bedeutet kup „Haufe(n)“, aber auch „Kauf“ und „Preis“; kupa bedeutet „Becher“. Die letztere Bezeichnung scheint mir eher zuzutreffen, als eine Bezeichnung für eine karge Gegend. Nach Obermüller gibt es ein kelt. Wort keab- für „Berg“ 77 . + locus Cidelarn:
1103 erwähnt, westlich von Knittelfeld vermutet.
Etym.: Von ahd. zidalari, mhd. zidelaere, zidler (PN Zeidler) - „ein zur Bienenzucht im Walde Berechtigter, der Ort, wo Bienenzüchter wohnen“ (bei Graz Cidlarn 1126). EA: Der Name Seidelbast könnte mit diesem Wort zusammenhängen, da im Steirischen Zeidler ein Wort für „Imker“ ist 78 . (+ alpis) Cirke:
„… quoddam predium Perendorf dictum cum adiacente alpe Cirke“ 1114, auch Schirniz, Serawitz. Nach Brunner leitet sich der ON von vermutlich ahd. oder mhd. zirke - „Kreis, Kranz“ her und soll auf die örtliche Gegebenheit einer weiten, kreisförmigen Alm Bezug nehmen. Sie lag nahe dem heutigen Berndorf in der OG St. Georgen ob Judenburg; mit diesem Namen dürfte die heute Hierzeckalm genannte Almfläche gemeint sein, von der man noch gegen Ende des 15. Jh. gewusst hat, dass sie einst Zyrka hieß. Diese wiederum ließe sich eingrenzen auf die Kammhöhe bzw. Wasserscheide zwischen dem Pusterwaldergraben und dem Hochegg. Der Name „Hierzeck“ geht zurück auf ahd. hirus, mhd. hirz - „Hirsch“ 79 . EA: Vgl. aber Sieding, Si(e)rning, Zirbitzkogel und Zirnitz(bach). + Cirm:
Ca. 1300 erwähnter, abgekommener Name bei Irnfriedshof westlich von Murau. Etym.: Seltene Kollektivbildung zu mhd. zirben, zirm - „Zirbelkiefer, Zirbenbaum, im Zirbenwald“. Siehe Zirbitzkogel.
76 Ra. S. 327.
77 DKW II, S. 204
78 SWB, S. 255.
79 Walter Brunner (2007): Die Almen Setal und Cirke von 1103/1114. In: BlfHK, 81. Jahrgang, Heft 4, Graz, S. 97ff.
21
+ Dannerstorf:
1449 erwähnt, in der Gegend von Knittelfeld vermutet. Dt: „Das Dorf, woher der Donner kommt, wo die Gewitter aufsteigen“. Nach Kessler hat der Name vielleicht mit kultischen oder abergläubischen Vorgängen zu tun. EA: Der ON bezeichnet offenbar ein „Wetterloch“, eine Gegend, in der oder aus deren Richtung sich erfahrungsgemäß Gewitter einstellen. Im Aichfeld bieten sich zwei solche Richtungen an - entweder brauen sich die Gewitter im Gaalgraben (in dieser Richtung lägen Maßweg, Sachendorf, Einhörn) oder im Süden (Rachaugraben, Glein) zusammen. Von Knittelfeld aus in Richtung Gaal liegt die alte Kirche St. Johann im Felde. Da es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass eine Kirche allein auf weiter Flur (ohne religiöses „Hinterland“) errichtet wurde, könnte in ihrer Nähe (wenn auch nicht unmittelbar dabei, da die Kirche „im Felde“ lag) das abgekommene Dorf bestanden haben. Leider sind in den letzten 100 Jahren zwischen dem alten Stadtbereich von Knittelfeld und dem Ortsteil Sachendorf so umfangreiche und zumeist eilige Veränderungen vorgenommen worden (u. a. Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers im 1.Weltkrieg), dass archäologisch kaum noch etwas zu erwarten sein dürfte. Weiters sei auf das Burgenländische Siedlungsnamenbuch hingewiesen, worin der ON Donnerskirchen mit dem ahd. PN Tundolt in Verbindung gebracht wird 80 . Siehe auch Dinsendorf. Deixelberg:
Verstreut stehende Häuser in der OG Eppenstein, VB Judenburg: am Deychselberg 1443, Deigsberg 1449, perg 1592. Aussprache: „taikselpärg“.
Nach Kessler kommt dieser ON von mhd. dihsel - „Deichsel“, „Berg, auf dem Bäume in der Höhe von Wagendeichseln wachsen“.
EA: Ich glaube, dass Kessler hier irrt und der ON von D(T)eixel - „Teufel“ herzuleiten ist. Der Graben, der zum Deixelberg hinführt, heißt „Höllgraben“. Höhlen sind in dieser Gegend nicht bekannt. Möglicherweise hängt der Name mit Gerichtsbarkeit und/oder Hexenverfolgung zusammen (Hinrichtungsstätte). M. Schiestl erwähnt einen Petter Texlberger (1588) 81 .
Auffällig erscheint, dass das Hölltal bereits im Jahre 1348, dieser Berg aber erst 1443, also 100 Jahre später, erwähnt wird. Es könnte sein, dass der Berg erst aufgrund des vielleicht nicht mehr richtig verstandenen Grabennamens zum „Teufelsberg“ wurde. Dertschen:
Ried bei St. Margarethen am Silberberg (Noreia), VB Murau: die dertschen ob s. Margarethen in der Freyung 1425. Etym. nach Kessler unklar.
EA: Es gibt einen mdal. Ausdruck „(mous)dea(n)tsch´n“, der eine nasse Wiese, ein moosiges Grundstück bezeichnet. Dieser ON scheint nach der Schreibung nicht nasal gesprochen worden zu sein. Er bezeichnet genau eine solche Geländestelle. Diemersdorf:
Weiler in der OG Mariahof, KG Adendorf, VB Murau: Dyemmersdorf 1358, Dyemannstorf 1413, diemerstorf 1423. Aussprache „deamrstorf“.
Vom ahd. PN Diomar, wie Dietmar - „im Volke berühmt“. Dieser ON stellt ein Musterbeispiel für die Veränderlichkeit alter PN in Siedlungsbezeichnungen dar, die meist aus dem Ahd. stammen, denn es wechseln Diotheri, Diotrich und Diotmar in den alten und neuen Belegen. Alle diese ON weisen auf die frühesten Tage der bairischen Kolonisation hin, wie auch der folgende ON Dietersberg. Dietersberg:
Auch „Gietersberg“ nordwestlich von Murau ober Stadl an der Mur: Dietersperg 1398. Dt.: „Berg des Dieter, Dietmar“. Der PN bedeutet nach Bahlow „Volk“ und „berühmt“ 82 . Siehe Diemersdorf.
80 Kranzmayer/ Bürger, Burgenländisches Siedlungsnamenbuch, S. 47f.
81 Schiestl, Pierpreu, Pichler, Pitterpos …, S.25.
82 DNL, S. 99.
22
Dietersdorf:
Westlicher Ortsteil von Fohnsdorf, VB Judenburg: ad Dietrichesdorf zwischen 1074 und 1087 erwähnt 83 , in dem Dyetreichspach 1309 84 . Zur Etym. siehe Dietersberg. Dinsendorf:
Bei Fohnsdorf,VB Judenburg: Tuncendorf 2. H. 12. Jh.
Vom ahd. PN Tunzo „Dorf des Tunzo“. Nach Bahlow bedeutet tuntz, tunt „Kot“ 85 , was für einen PN wohl nicht anzuwenden sein wird.
EA: Vergl. + Dannersdorf (PN Tundolt). Es könnte sich um eine Kurzform dieses PN handeln. Dirnsdorf:
Bei Kammern, VB Leoben: Duringesdorf ca. 1145, Duringstorf 2. H. 12. Jh. Dvrnsdorf 1267, Duernstorf 1370.
Vom ahd. PN During (der „Thüringer“) „Dorf des Thüringers“.
Der Stammesname der Thüringer dürfte mit dem der germ. Hermunduren zusammenhängen, der zusammengesetzt sein könnte aus dem germ. *ermana, -ina, -una, das der Verstärkung dient, und einem germ. *-durōz, einem Wort, das altindisch turas - „rasch, kräftig“ bedeutet 86 . Doblhof:
Bei Kulm am Zirbitz, VB Murau; als Gegend: im Topel 1319, an dem Toppel 1398. Von mhd. tobel - „Waldtal, -schlucht“. Nach Baravalle liegt der Doblhof auf einem kleinen flachen Hügel südöstlich von Neumarkt. Er war einst ein Bauernhof, der 1556 von Niklas Wurmb erworben wurde 87 . Dobritschbach:
Auch Topritzbach, rechter Zubringer des Triebentalbaches, OG Hohentauern, VB Judenburg. Im Sinne von Kranzmayer entweder von slaw. *dober - „gut“, slaw. dêber, südslaw. dobr, oder von slaw. dob(r) - „Eiche“ 88 . L-H stellt den Bachnamen „Dobrein“, ein rechter Zubringer zur Mürz, zu urslawisch dъbrъ- „Waldtal, Schlucht“, was örtlich zutrifft 89 . Nach B. Maier lautet ein keltisches Wort für „Wasser“ *dubro 90 . Dolzen:
Flur und Siedlung in der OG St. Peter ob Judenburg: Dolczen 1542 , in der Dolczen 1465, in der Dulzen 1603, in der Dölzen 1616, Oberdulzen 1770, Dolzen 1906.
Kranzmayer leitet den ON Dolz von slow. dolec - „Tälchen“ ab 91 . Nach Kessler ist der Name, vom slaw. *dolica (Tal) kommend, bestimmt erst im Spätmittelalter eingedeutscht worden, denn vorher wäre ein Umlaut auf „Dölzen“ eingetreten. Hier haben nach dem Jahr 1300 noch Slawen gewohnt. Die Gegend liegt unmittelbar nördlich des Feistritzgrabens und des Ortsteils Rothenthurm, OG St. Peter ob Judenburg, im Bereich der sogenannten Paik(g). Kessler geht davon aus, dass der Name Dolczen abgekommen sei, jedoch wird eine Flur nördlich des Ortsteils Rothenthurm noch heute „Dolzen“ genannt.
83 W. Brunner, Fohnsdorf, S. 474.
84 StGN, S. 66.
85 DNL, S. 101.
86 Ernst Schwarz (2009): Germanische Stammeskunde, Wiesbaden (Nachdruck der 1. Auflage):VMA Verlag, S. 176ff.
87 BS, S. 469.
88 ONK II; S. 51.
89 StON, S. 51.
90 KLN, S. 120.
91 ONK II, S. 52.
23
Donawitz:
Ortsteil von Leoben: Tunuize 1149, Tunewize 1150, Tunwiz 1155, Donwiz 1220, Donewiz 1293, Ober Danebizc auf der Lewben 1400, Donawicz 1410.
Etym.: Vom aslaw. *t(u)nowica. - „der „dünne Bach“, d. h. der „Bach, der wenig Wasser führt“ (= Vordernbergerbach). Es war weder im Kelt. noch im Dt. oder im Slaw. üblich, Flüsse und Bäche nach Siedlungen zu benennen. Hier handelt es sich um eine sehr frühe Eindeutschung, wobei „Dünawitz“ zu erwarten wäre. Wahrscheinlich erfolgte die Eindeutschung zwischen 900 und 1000. Der Wandel von -u- zu -o- in der ersten Silbe ist auffallend. L-H leitet den ON von einem *Tońevica, von urslaw. *tonja, slow. tonja - „tiefe Stelle im Wasser“ ab 92 . Baravalle vermutet einen Wehrbau am Steilhang des Münzenberges. Die vollfreien Tunwitzer scheinen vor 1155 ausgestorben zu sein 93 . -dorf, -dörfel:
Ahd., mhd. dorf. Häufiger Siedlungsname im steir. Obermurgebiet. Bereits Tacitus (Germania 16) bezeugt, dass die Germanen außer Einzelhöfen auch Dörfer bewohnten. Die gemeingermanische Grundbedeutung *dhurpa umfasst stets die Zusammenschließung mehrerer Gehöfte zu einem festen Verband. Der ON tritt in der Steiermark ca. 30-mal auf; er zeugt vor allem von der Hochblüte der bair. Binnenkolonisation. Nach L-H sind in der Steiermark aus dem 12. Jh. 119 -dorf-Namen bekannt, von denen 81 mit einem Personennamen zusammengesetzt sind, elf sind slaw. Herkunft. Dt. Dorfnamen ohne Bezug zu einem PN sind z. B.: a) Oberdorf: Bei Mariahof, 1461, 1494. b) Eberdorf: OG Eppenstein 94 . Dornach:
Früherer Name von St. Peter ob Judenburg 95 . Nach L-H stellt dieser Ortsname einen Hinweis auf dornige Sträucher dar; mhd. dorn bedeutet „Dornbusch“, dornach daher „Dorngebüsch“ 96 . Zu -ach siehe -ach-Namen. Dristhaler:
Gehöft nordöstlich von Scheifling, VB Murau: 1397 am Driestal, Driestaler 1469. Die „Driesten“ ist im bair. Sprachgebrauch ein Heu- oder Strohschober um eine Stange, der aus der Ferne wie ein Kegel aussieht. Manchmal wird diese Bezeichnung auch auf Berge übertragen (z. B. die Hohe Driesten in Kärnten). Der ON bedeutet also „Talgrund an einer Driesten“, an einem kegelförmigen Berg.
EA: Der Name wird heute „Tristaller“ geschrieben. + Drumsel:
Gehöft südlich von St. Johann am Tauern, VB Judenburg: vber die Etz auf nach des Trumbs riedel 1411, das Drimisselveld auf den Tawrn 1432.
Der ON ist nach Kessler vielleicht aus einem slaw. PN *(Vo)dromysl entstanden. Die dazugehörige j- Ableitungergibt ein *dromiselj - „das Besitztum des (Vo)dromysl“. Der Umlaut würde auf eine Entlehnung dieses possessiven ON spätestens im 13. Jh. hinweisen. Slaw. *drag/droh bedeuten „kostbar, geliebt“, slaw. mysl - „Gedanke“ 97 .
EA: In diesem Bereich (ehemals Österr. Bundesforste) existiert heute noch ein „Trumsel - Teich“. Zu Etz siehe Eitz.
92 StON, S. 45.
93 BS, S. 370f.
94 StON, S. 114.
95 ONJ, S. 9.
96 StON, S. 155.
97 http://de.wikipedia.org/wiki/Slawische_Vornamen, S. 3; Stand: 30.1.2011.
24
+ Duringestorf:
Die genaue Lage des Ortes zwischen Leoben und Trofaiach ist unbekannt. Nach Baravalle scheint 1261 als Zeuge ein Gotfrido de Duringstorf auf. Zur Etym. siehe Dirnsdorf 98 . Dürnberg:
KG und OG Seckau, VB Knittelfeld: Durrenperc 2. H. 12. Jh. Verbrüderungsbuch des Stiftes Seckau; -perge 1290,-perch 1310, Duerrenperg 1399. Etym. dt.: „Berg in der dürren, wasserarmen Gegend“.
Nach E. Lukas finden sich Tyrnperger oder Dürnberger ab 1175 in Urkunden. Der spätere Seckauer Propst Johann Dürnberger wurde 1447 hier geboren 99 .
Nach Baravalle dürfte auf dem „Hausberg“ nördlich des Ortes ein Wehrbau mit einem Turm gestanden sein, wovon der Ort seinen Namen haben könnte. Der Hof Dürnberg kann aus dem Maierhof dieser Burg entstanden sein. Er war bereits im 12. Jh. ein kleiner Wehrbau und im Besitz des vollfreien Geschlechtes der Feistritzer 100 .
EA: Zweifellos besteht ein Zusammenhang des ON mit dem einst dort vorhanden gewesenen Gehöft mit Turm. Letzte Reste der Anlage, die in einem Stadel eingebaut gewesen waren, mussten vor einigen Jahren einem Garagenbau weichen. Dürnstein:
OG und restaurierte Ruine nördlich von Friesach, VB Murau: Dirnensteine 1128, castrum Dierenstain 1144, die purch Dyrenstayn 1336, gsloss Tierstein 1478.
Etym.: Höfischer Wunschname von ahd. diorna, mhd. dierne - „Jungfrau, Mädchen“ + stain - „Fels“, also der „Fels, auf dem die Jungfrau sicher wohnen möge“. Die Verwechslung von mhd. -ie mit -ue (nhd. ü) bedingt durch die mdal. gleiche Lautung -ia die heutige Schreibweise „Dürnstein“ statt „Diernstein“.
Nach Baravalle dürfte die Burg im 11. Jh. entstanden sein. Sie wurde 1610 verlassen und dem Verfall preisgegeben 101 . Zu -stein siehe dort. -eben, -ebner, Ebner:
Dt.: „Ebene, auch kleine, ebene Fläche am Berg und Berghang; flache Wiese zwischen Felsen im Hochgebirge“ 102 ; auch nach L-H von mhd. ëbene - „gleichmäßig verlaufende Bodenfläche, ebenes Gelände“, abzuleiten 103 . Dieses Wort kommt in zahlreichen Komposita und als Vulgoname Ebner vor. Eberdorf:
Teil der OG Eppenstein, VB Judenburg, oberhalb von Allersdorf gelegen: Oberndorf 1220, Oberendorf 1250, Oberndorf 1332.
Etym.: ze demo oberin dorffe - es handelt sich um eine Gründung vor 1100, welche Annahme angesichts des hohen Alters des entscheidenden ON Allersdorf gerechtfertigt erscheint. Der ON bringt die Lage dieser Siedlung als „oberes“ Dorf zum Ausdruck.
EA: Vgl. die Deutung Kranzmayers zu Obir von slm. obêr - „Riese, eigentlich Aware“ 104 . Baravalle nennt einen Hof zu Eber(s)dorf als Sitz eines mit den Al(g)ersdorfern (Allersdorfern) verwandten Geschlechts, der zum Ende des 12. Jh. errichtet worden sein dürfte 105 .
98 BS, S. 371.
99 AEA, S. 66f.
100 BS, S. 288.
101 BS, S. 469ff.
102 SWB, S.48.
103 StON, S. 158.
104 ONK II, S. 167
105 BS, S. 245.
25
-eck -egg - Namen:
Ahd. egga, mhd. ecke.
Das Wort bezeichnet einen Gebirgsgrat; einen schmalen abfallenden Berghang oder vorragenden Teil eines Bergrückens und kommt in zahlreichen Komposita vor 106 . E. Lukas nennt-egg-Namen „wehrbauverdächtig“ 107 Edling:
Dorf und vermutlich Edelsitz südlich von Trofaiach, VB Leoben. L-H führt den ON auf ahd.ediling - „freierBauer“ zurück 108 .
Der Hof der Vollfreien von Trofaiach dürfte Baravalle zufolge nach 1384 zum Bauerngut geworden sein 109 . Weitere Orte dieses Namens liegen bei St. Georgen ob Judenburg (Edelingin 1384) und nordöstlich von Neumarkt (Edling 1461). Siehe auch Edlinger. Edlinger:
Gehöft bei Fressenberg, OG St. Marein bei Knittelfeld.
Die Etym. aller Edlinger ist dt.; es ist von spätahd. edelingi in der Sonderbedeutung „bevorrechteter Bauer/Großbauer mit wehrhafter Gefolgschaft“ abzuleiten.
Zum Begriff der Edlinger führt Kranzmayer aus: „Es mag sein, dass etliche unserer Kärntner Edling- Ortegar nicht allzu alt sind und über die Karolingerzeit nicht zurückgehen - die ältesten Belege dieses Namens finden wir leider erst im 12. Jahrhundert. Dass aber die Edlinger selbst eine uralte Einrichtung sind, darüber sind sich alle Forscher . . . einig. . . Unsere Edlinge mit ihren Edeltümern gab es namentlich im Isonzogebiet, strichweise in ganz Slowenien, in Kärnten und, was man bisher vielleicht zu wenig beachtet hat, in der ganzen Steiermark. Das Wort Edling scheint urkundlich in unserer Sonderbedeutung „bevorrechteter Bauer“ nur auf einstmals ostgermanisch besiedeltem Boden vorzukommen . . .“
Kranzmayer meint, dass nur das Theoderich´sche Gotenreich noch knapp das Mürz- und das steirische Ennstal und mit ihnen die nördlichsten Edling-Orte erreicht haben dürfte 110 : Siehe auch Edling. Egartner/E(h)garten:
Das -e- in der ersten Silbe steht hier in der Bedeutung von „ehemals“. Es handelt sich um einen Grund, der, wenn er gegenwärtig nicht als Acker benützt wird, wohl als solcher von rechtswegen wieder bebaut werden kann, weil er ehemals eine gepflügte Feldfläche gewesen war, die später zu einer Wiese, einem Gehölz oder sonstigem Ödland liegen blieb.
In der Rachau erscheint dieser Name zweimal - am Fuße des Grafenberges und nordwestlich davon an den dem Grafenberg gegenüberliegenden Hängen. Der Name könnte nach E. Lukas auch eine Allmende bezeichnen oder mit der „Egartwirtschaft“ (Dreifelderwirtschaft), einer Bewirtschaftungsform, bei der sich Bebauung, Grasland und Brache abwechselten, zu tun haben 111 . Ein abgekommener Egarten lag in der Paig nordwestlich von Judenburg (Egarten in der Pewg 1452). In diesem Fall definiert M. Schiestl den Namen als „Erdfläche, die alle drei Jahre umgeackert und drei Jahre lang als Wiese genutzt wird“ 112 . Eichberg:
EA: Höhenrücken westlich von Fentsch, VB Knittelfeld. Darauf befindet sich eine Erdaufschüttung, der „Zucken(r)hut“, bei dem es sich um einen mittelalterlichen Turmhügel handelt. Zur Etym. siehe Aichberg, Sieding.
106 SWB, S. 48.
107 Ra. S. 328.
108 StON, S. 111.
109 BS, S. 371.
110 ONK I, S. 66ff.
111 Ra. S. 327, 568.
112 ONJ, S. 10.
26
Eichhübler:
Gehöft am Fuße des Kalvarienberges in St. Margarethen bei Knittelfeld. Mdal.“aixhiabla“. Etym. dt.: „der am Eichenhügel“. Der Vulgoname steht im Zusammenhang mit dem alten Namen des Höhenrückens „Sirning“. Vgl. Gleinberg. Einach:
Dorf bei Predlitz, VB Murau: Junach 1190, Evnach 1300, Aevnach 1305, Ewnach pei der Mur 1310, Eynach 1445, Einach ca. 1450.
Aufgrund der ältesten Schreibung ist nach Kessler ein slaw. Lokativ pluralis *junjah(u), d. i.„bei den Leuten aus Jun“, aslaw. *jun(u) - „jung“ anzunehmen. Dies gäbe formell eine gute Etym., scheitert aber an semantischen Bedenken. Es muss also an einen vorslawischen Stamm gedacht werden. L-H führt den ON über *Juńachъ zu urslaw. *juńъ - „jung, jugendlich, junges Tier“, slow.junecjunger Stier, junges Rind“, Lokativ Plural zu *Juńane 113 .
EA: Das kärntnerische Jauntal wird in ahd. Zeit Juna genannt, im Latinokeltischen der Spätantike Juenna 114 . Dann bedeutet die aslaw. Form *juniah(u) „bei den Jauntalern“. Damit liegt eine slaw. Namensbildung mit vorslaw. Stamm vor. Zur Etym. von Jaun führt Kranzmayer aus, dass sich auf dem Hemmaberg, dem alten „Jaunberg“, ein röm.-kelt. Heiligtum des Augustus Jovenat befand; im Jauntal lag auch der Kelten- und Römerort Juenna, Jovenna. Alle diese Orte sind nach der gleichen keltischen Gottheit, nach Ioven, benannt. Eine sprachliche Nähe zum lat. Jupiter, Genetiv Iov-is, erscheint unübersehbar. Einasbachgraben: Siehe Schüttgraben. Einhörn:
Bei Knittelfeld: Anhoern 1393, Anhorn 1432, Ainhorn 1449.
Der ON weist nmach Kessler in seiner Lautgestaltung einwandfrei auf dt. Ursprung hin. Vielleicht handelt es sich um einen Spottnamen.
EA: Es gibt einen ahd. PN Eginant, Einant, ahd. Egino - „Schwertspitze“, ein typischer Schmiedename 115 . Nach der mdal. Aussprache „a:hean“ ist hier aber doch am ehesten auf „eichern“ oder „Ahorn“ zu schließen. Siehe auch + Ainhornhof. (Wildbad) Einöd:
Flur und Anwesen im VB Murau nahe der Grenze zu Kärnten.
Als Flur: solitudo uersus Friesach 1066, Ainode 1130, die Ainoded 1356, die Ayned 1357. Als Bad bzw. Gut: gutl und tafern Ainod ob Tiernstein gelegen an der strassen. Nach Kranzmayer ist der ON abzuleiten von mhd. einôte - „Einöde“ 116 . EA: In der OG St. Georgen ob Judenburg gibt es eine Obere und Untere Einöd. Die beiden Fluren werden 1492 und 1356 urkundlich erwähnt. Einödhof:
Ruine eines Wehrhofes 3 km südlich von Knittelfeld, OG Apfelberg: Es sind nur mehr die Reste des ehemals 4 - geschossigen Turmes zu sehen. Bis 1122 im Besitz der Eppensteiner, kam diese Sperre zwischen Hangfuß und Mur an die Traungauer; 1150 Stift Admont´scher Zehenthof 117 . Siehe Einöd.
113 StON, S. 51.
114 ONK II, S. 23.
115 ONK II, S. 61.
116 ONK II, S. 61.
117 BS, S. 289.
27
Einötzenalpe:
Bei Einach, VB Murau.
Das bair. Appellativ einitzen, ainiz adjektivisch und adverbiell gebraucht; mhd. einaz - „einzeln, vereinzelt“. Das Wort bezeichnet eine einzelne, einsam liegende Örtlichkeit, auch einen verkehrsarmen Hof. Zu-alpe siehe -alm. Eitz:
Ried nordöstlich von St. Peter ob Judenburg: Chygck 1465, die Eytz pey der Murpruggen zu Thalhaym 1475, die Eitz bey der Murprugken 1476. Mhd. atzen - „abweiden“; etz - „umzäunte Weide, Weideplatz“. Zur Nennung von 1465: Kranzmayer erwähnt slow.-mdal. kȗk - „Aussichtspunkt“ 118 . Vgl. Guggamoar. + Eisengarten:
Flur südwestlich von Judenburg: pey dem Eysengarten . . . zw der mezz hincz sand Merten ze Judenburg 1385, Eisengarten 1388, an dem Eysengarten bey der Prukchen 1427. Das Ried lag ursprünglich bei der Brücke über den Purbach unweit der ma. Mautstätte, danach wurde die Örtlichkeit in die Nähe der Mündung des Oberwegbaches verlegt. Wortbedeutung: Es handelt sich um einen eingezäunten Sammelplatz für Roheisen. In Judenburg bestand bis 1406 eine Niederlage für Roheisen 119 .
Ein weiterer Ort dieses Namens lag in Kathal zwischen Katharinenkirche und dem Arzberg (persönliche Mitteilung von Frau Dr. Elfi Lukas). Eiwegger, Oberer, Unterer:
Gehöfte in den OG Pusterwald und Obdach (hier Eybek 1434), VB Judenburg. Von mhd. iwe - „Eibe“. Das Holz der Eibe wurde für die Herstellung von Armbrüsten und Wagenbestandteilen verwendet und spielte auch als dämonenabwehrender Friedhofsbaum eine Rolle. Ehrnau:
Schloss westlich von Mautern, VB Leoben. Reste weisen auf einen alten Wehrbau hin, der nach Baravalle zu Anfang des 13. Jh. errichtet worden sein dürfte 120 . Etym. dt.: „Ehre“ und „Au“. Zu -au siehe dort. + Elm:
Früherer Name des Bereichs an der Ostseite des Kalvarienberges in Oberzeiring, VB Judenburg: am Elm 1493, der Elm 1498. Mhd. ëlm(e) - „Ulme“ kann wie bei den anderen Baumnamen auch ein altes Kollektiv elm - „Ulmenwald“ bilden. L-H nennt dazu auch ein mhd. ëlm - „gelbe Tonerde“ 121 . + Entrichestanne: Die Lage dieser Örtlichkeit ist unklar.
989, Entrihstanne 1043, Antrihstanne 2. H. 12. Jh. von Alterstein … in die Herbakhen 1525, Altarstain 1615.
Kessler leitet diesen ON vom ahd. PN Antarich ab; er würde demnach „Tannenwald des Antarich“ bedeuten. Kessler hält ihn für einen Punkt an der Südseite der Grebenzen.
Franz Pichler interpretiert den ON als „Alter Stein“ oder „Altarstein“ und führt sehr überzeugend aus, dass es sich dabei um einen Grenzpunkt aus der Arnulfsurkunde vom 4. 9. 898 handelt, der sich auf der Streitwiesenalm im äußersten Südwesten des Bezirkes Judenburg befindet. Der Stein könnte im Zuge einer Grenzstreitigkeit im 18. Jh. vernichtet worden sein. Angeblich ist von ihm nichts mehr vorhanden; eine Realprobe wurde meines Wissens nicht durchgeführt. Franz Pichler verließ sich hier
118 ONK, S. 94.
119 ONJ, S. 25.
120 BS, S. 372.
121 StON, S. 142.
28
auf die Aussage des verstorbenen Vermessungsingenieurs Dipl. Ing. Kurt Noe, der damals in Judenburg tätig war 122 .
Baravalle und Hans Pirchegger vermuten Ort und Wehrbau östlich von Dürnstein in der sogenannten Albl oder Eibl 123 . Enzenbach:
Flur zwischen Fohnsdorf und Sillweg, VB Judenburg: Aentzenpach 1354, Encznpach 1493. Etym. dt.: „Bach des Enzo (Anzi)“. In einer Urkunde aus dem Jahr 955, ausgestellt in Maria Saal, kommt unter 33 Zeugen ein Mann dieses Namens vor. Siehe Enzersdorf. Enzersdorf:
Dorf in der OG Pöls, VB Judenburg: Enzinesdorf 1170, Enzensdorf 1329. Vom ahd. PN Anzi „das Dorf des Anzi, nach Bahlow eine Kurzform zu Arnold („Adler“ und „hold“ von „walten“) 124 .
W. Brunner zufolge ist der Ort mit seinen 10 Urhöfen nach 955 entstanden 125 . Zu diesem PN führt E. Lukas aus, dass ein Edler Enzi im Jahr 1005 vom Erzbischof Hartwich von Salzburg im Tausch für 19 Joch (entspricht heute 11 ha) in Lausach bei Neumarkt ebensoviel Joch Grundes auf dem Mons Clina (Gleinberg) erhielt Der steirische Historiker Hans Pirchegger vermute, dass das Geschlecht der Edelfreien aus der Glein von einem „Edlen Enzi“ abstamme. Die ersten Ritter von der Glein würden erst um die Mitte des 12. Jh. erwähnt. Wenn, wie Kessler meint, der Zusatz „ - dorf“zwei bis drei Jahrhunderte jünger sei als die Verwendung des PN, lasse dies den Schluss zu, dass ein namengebender Enzi/Anzi noch vor dem Jahr 1000 dort gelebt habe 126 . EA: Ich halte den PN für eine Kurzform von Engelbrecht oder Engelschalk, wie Kranzmayer zu dem Kärntner ON „Enzelsdorf“ ausführt 127 . Diese PN setzen sich aus dem Erstelement Engel- und einem zweiten Namensteil wie -hart zusammen. Das Erstelement gehört ursprünglich wohl zum Stammesnamen der Angeln, die im Raum Schleswig-Holstein siedelten und später zusammen mit den Sachsen England eroberten. Namensteile wie Ag(h)il werden meist zu ahd. ekka-„Schwert, Schneide einer Waffe“ gestellt 128 . Dass der Siedlungsgründer mit dem Edlen Enzi aus der Glein identisch ist, bezweifle ich. Letzterer war wohl eher im Bereich Glein begütert, hatte aber auch Besitzungen bei Wildbad Einöd (die Lausach) inne, die er mit dem Erzbischof von Salzburg gegen (weiteren) Besitz in der Glein tauschte. Während der Salzburger am Erwerb eines leicht sperrbaren Bereiches nördlich von Friesach (Neudeck!) interessiert gewesen sein dürfte, wird dem Edlen Enzi eine Arrondierung seins Besitzes in der Glein am Herzen gelegen sein. Dies legt wiederum den Schluss nahe, dass Enzi in diesem Bereich gesessen sein dürfte. Eppenstein:
Weiler, Burg und OG südlich von Judenburg: Eppenstein ca. 1135, Eppenstain 1140, Epingsteine 1141.
Etym.: Vom ahd. PN Eppo (Eberhard) „Fels des Eppo“. Der Name bedeutet „kühn, stark wie ein Eber“. Zu -stein siehe dort.
EA: Es erscheint notwendig, darauf hinzuweisen, dass die Burg ursprünglich durchaus (und wahrscheinlich) anders geheißen haben kann. Im Herbst 2007 hat sich anlässlich einer Begehung, an der Dr. Diether Kramer vom Landesmuseum Joanneum, Dr. Elfi Lukas, Apfelberg, Fam. Diethard vlg. Fallmoar, Eppenstein, und ich teilgenommen haben, herausgestellt, dass sich oberhalb der Burg eine weitere Befestigungsanlage befindet.
122 ZHVSt 59/1968, S. 118ff.
123 BS, S. 472.
124 DNL, S. 40.
125 Brunner, Pöls, S. 51f.
126 Ra. S. 37, 186f; vgl. auch Kessler Nr. 352.
127 ONK II, S. 62.
128 KVB, S. 260, 205.
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Eselsberg:
Bei Winklern, OG Oberwölz, VB Murau: das wasser, das da zwischen Hinderekk rynnt vnd am Eslperg ca. 1480.
Die Etym. dieses ON leitet sich von der Gestalt der jeweiligen Bodenerhebungen her: „Der Berg, der aussieht wie ein Eselsrücken“. Ein weiterer Eselsberg befindet sich bei Irdning. L-H führt den ON auf die Beliebtheit von Esel (ahd. esil, mhd. esel) und Maultier, die man nicht immer unterschieden hat, zurück. Es scheint sich um einen jungen Namen zu handeln, da von 15 Notierungen in Zahns Ortsnamenbuch elf aus dem 15. Jh. und zwei aus dem 14. Jh. stammen 129 . Zu Winklern vgl. + Winckhl. Etrachbach, -see:
Bei Krakauhintermühlen, VB Murau: am Oettreich 1415, am Moetreich 1145, am Ottrach 1450, das Ottreich 1464, Jetrich im 18. Jh.
Es liegt eine Kollektivbildung auf -ach zum mhd. eter - „geflochtener Zaun um Hof oder Ortschaft (Ortsmark)“ vor. L-H führt den ON auf einen PN Audericus, Autharich zurück 130 . EA: Hier könnte eine sprachliche Verwandschaft zum Wort „Estrich“ bestehen, der ursprünglich auch geflochten war. Dieses Wort wird abgeleitet vom mhd. esterich, ahd. ersterih, zurückgehend auf mittellatein. astracum - „Pflaster“ 131 . + Etschtal: Siehe + Ötztal. Falbenalm: In Bretstein, VB Judenburg.
Dt.: „Die Alm, wo die Falbenochsen weiden“. Der „Falb“ ist entweder ein Pferd oder ein Ochse von graugelber Farbe. Mhd. val, valwer - „fahl, hellgelblich“, jedoch sind Falmbach und Falmteich, nördlich des Schönberges nahe Niederwölz nach einem PN bezeichnet 132 .
Es gibt in Pusterwald die Höfe vlg. „Zistlfalb“ - ursprünglich „zwischen den Wässern“ und den vlg. „Kirchenfalb“ 133 . Vermutlich wurden auf diesen Höfen falbe Tiere eingestellt oder gezüchtet. Falkenberg:
Gebirgsstock zwischen Judenburg und Pöls: Stredwiger perg 1351, Valchenperg 1612, Strettweger Berg 1614, Falckhenperg 1663, Stretweger perg und Falckenberg 1774, Falkenberg 1885. Etym.: Zu mhd. valke - „Falke“ als Jagdvogel 134 .
Die Herkunft des Vogelnamens selbst ist nicht sicher geklärt, aber wahrscheinlich germ. Ursprungs.Er wäre mit einem k-Suffix zum Stamm des Farbadjektivs fahl gebildet. Der Falke wäre daher nach seinem graubraunen Gefieder benannt. Dafür scheint auch das Vorkommen des PN Falco bei den Westgoten, Langobarden und Franken zu sprechen 135 . Vgl. Falkendorf. Falkendorf:
Bei Stadl an der Mur, VB Murau: Valchendorf 1233, Falchendorf 1441.“
Nach Kessler von mhd. valke - „Falke“ das „Dorf, wo Falken sind“. Der ON enthält nach L-H eher den PN Valcho als die Bezeichnung des Vogels 136 . Baravalle vermutet hier einen gleichnamigen Wehrbau. Zwischen 1350 und 1354 wird Konrad, der Sohn Rudolfs von Valchendorf, mehrfach genannt 137 . Vgl. Falkenberg.
129 StON, S. 160.
130 StON, S. 125; StGN, S. 55.
131 Duden Herkunftswörterbuch, S. 165.
132 StGN, S. 27.
133 Pusterwald, S. 323.
134 ONJ, S. 11.
135 Duden Herkunftswörterbuch, S. 173.
136 StON, S. 115, 166.
137 BS, S. 472.
30
Fallmoar:
Gehöft im Schatten der Burgruine Eppenstein, VB Judenburg. E. Lukas hat folgende Möglichkeiten einer Ableitung dieses Vulgarnamens aufgezeigt: „Veitmoar“ vom deutschen Vornamen scheide aus sprachlichen Gepflogenheiten aus. Mhd. vei(e)l bedeutet „Veilchen“. Diese Variante, wonach der Hof inmitten von Veilchen stand, sei wenig überzeugend. Wahrscheinlicher sei eine Ableitung von mhd. feile, das auf feili „käuflich“ zurückgehe. Der Name könne besagen, dass der Hof schon früh zum Kauf stand. 1496 sei ein „Feyelmaer“ zehentpflichtig. Aber auch das mhd. vallen, ahd. fallen sei einer Überlegung wert, da dieses Wort „Einsturz“ bedeute und implizieren könne, dass das oder die Hofgebäude ganz oder teilweise eingestürzt waren und neu errichtet oder ergänzt worden seien. Eine weitere Deutung nach Kluge/Götze ergebe sich aus dem vorgermanischen pello, woraus vele „verkaufen, dienen“ entstanden sei. Das russische Wort polón „Beute“ hänge mit dieser Wortwurzel zusammen, woraus sich prine mit der Bedeutung „Verkauf, feilschen“ entwickelt habe. Damit schließe sich ein Kreis mit der Überlegung zu germ. feile. Der Wortstamm pello und vele sei aber auch für „Wette“ und heran zu ziehen 138 . Vgl. Feitelofner. Farrach:
a) Ortschaft bei Kobenz, VB Knittelfeld: Vorhah (superius) 1239, Voerhacum 1288, Vorhach 1309, Vorchach 1321.
Vom mhd. Kollektiv vorhach - „im Föhrenwald“. Nach L-H bedeutet ahd.forha, mhd. vorhe „Föhre“ 139 .
b) Schloss und Dorf bei Zeltweg, VB Judenburg: Forhah 2. H. 12. Jh. Vorhach 1197, Foerch enhalbder Pels 1410, Varh 1462, Vorch 1462.
Nach Baravalle ist das Schloss nicht vor dem 14. Jh. entstanden 140 . Feeberg:
Heute Flur und KG in der OG Reifling, VB Judenburg.
Als Berg: der Vedigust 1134, Fedegust 1345, Vehberg 1455, Vekperg 1457, am fegberg neben der stat Judennburg 1531, eysenperkhwerch am fehberg 1559.
Etym.: Vom aslaw. PN *B(u)degost etwa *B(u)degosci - „die Siedlung des Budegost“. Der slaw. PN wurde im Laufe der Zeit nicht mehr verstanden und so lange verballhornt, bis er eine neue sprachliche Bedeutung gewann (Volksetymologie).
M. Schiestl erwähnt, dass an eine zweite Gegend dieses Namens in der Nähe der Schmelz gedacht werde 141 .
EA: Slow. buden - „wach(sam)“, budeti - „wachen“, gost - „Gast“. Feistritz:
Häufig vorkommender Bach-, Hof- und Ortsname. Von aslaw. *bystrica. - „Wildbach, -wasser, weißschäumend“. Vgl. idg. *bhel - „hell, weiß“ wie *albh in Lavant.
Möglicherweise ist dieses aslaw. Wort in den Ostalpenländern ins Deutsche entlehnt worden und zwar als Sachbezeichnung und nicht als bloß örtlich gebundener Eigenname. Das häufige Auftreten dieses ON - in der Steiermark ca. 40mal, in Kärnten etwa 15mal - weist in diese Richtung. Die Entlehnung ist bestimmt schon im 9. oder 10. Jh. erfolgt. Man vergleiche die Substitution (Ersetzung) von slaw. -b- als v - und die Wiedergabe des aslaw. -y- ahd. -ü-.
a) Feistritz bei Knittelfeld: Als Flur Fiustrize 1075, Vustrice 1120, Viustriza 1130 uallis Feustrice 1147, Vewstriz 1310, die Feystriz ob Prankh 1402; als Dorf: in loco Feustrice 1147, Feustritz 1158, Feistritz bey Chnutelveld 1430.
Baravalle führt in Feistritz bei Knittelfeld einen Wehrhof an, dessen Standort unbekannt ist. Er war im Besitz der vollfreien Aribonen und dürfte schon um 860 entstanden sein. Der Stifter des Klosters von St. Marein, Adalram (von Waldeck) stammte aus diesem Geschlecht 142 .
138 Lukas, Familienchronik Diethardt, S. 30f.
139 StON, S. 112.
140 BS, S. 249.
141 ONJ, S. 11.
31
b) Bach südwestlich von Judenburg: Pach in der Feustritz ob Judenburg 1443.
Ein Hof zu
Feistritz ob Judenburg
war nach Baravalle bis 1505 mit
dem „Thurn“ verbunden, jedoch
glaubt Baravalle nicht, dass das Schloss
Rothenthurm
der Nachfolger des alten Wehrhofes ist
143
. c) Hof
Feistritz
im
Katschtal,
VB
Murau:
Nach Baravalle wurde der Wehrhof auf salzburgischem
Besitz errichtet; im Jahr 1074 zahlte dieser Besitz Zehent an das Stift
Admont.
Ein
Burgstall
könnte sich auf dem Wachenberg befunden haben
144
.
Feistritzwald:
Südlich von Rothenthurm, VB Judenburg: der Walde . . . ze Feistricz 1277, fewstricz vorst 1433, welden, genant in der Feystricz 1436, der wald . . . in Veistritz 1476, im feisteizwald 1619, feystrizwaldt 1718 145 . Zur Etym. siehe Feistritz. Feitelofner: Gehöft in der OG Mariahof, VB Murau.
Nach Kessler von mhd. veiel (viol, viole) - „Veilchen, der Hügel, wo viele Veilchen wachsen“. EA: Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in mhd. Zeit Gehöfte so romantisch benannt hat. Der Vulgoname könnte eher vom PN Veit - „Vitus, Vitalis“ stammen, also „Ofen des Veit“. Zu -ofen siehe dort; vgl. Fallmoar. Felber:
Gehöft südöstlich von Obdach in Kleinprethal, VB Judenburg. Siehe Feldbaumer. Feldbaumer:
Gehöft bei St. Oswald, VB Judenburg: Velpavm ca. 1450.
Von mhd. velber, velwer - „die Bachweide“. Velpavm wurde in moderner Zeit zu „Feldbaumer“ umgedeutet. -feld, Feld:
Nach L-H von mhd. vëlt. Häufige Bezeichnung im steirischen Obermurgebiet. Selten bezeichnet es den Einzelacker, meist wird es in der Bedeutung einer weit gedehnten Niederung verwendet. Urkundlich lautet die Erwähnung „im/am Feld“. Mehrmals ist der ON auch in Komposita und kompositorischen Lagebezeichnungen vorhanden 146 .
Z. B.: Mitterfeld bei St. Marein bei Knittelfeld: Mitterfelde 1288, Mitterveld 1365, Miterueld 1428, Mitterfeld 1493. Feldern:
Bei St. Georgen ob Murau: Feldarn ca. 1450. Mhd. feldaren - „bei den Leuten im Feld“. Siehe -feld. Felfer: Siehe Felber. Fentsch:
Ortschaft im (St.) Mareiner Boden, VB Knittelfeld: Venc, Venx 1171, Uentsce 2. H. 12. Jh. , Vencz 1288, Ventsch 1428.
142 BS, S. 291.
143 BS, S. 291.
144 BS, S. 472.
145 ONJ, S. 11.
146 StON, S. 158.
32
Nach Kessler vom aslow. *benisce als ON, Bildung vom slaw. PN Bena „Dorf des Bena“. Die Entlehnung erfolgte vor dem Jahr 1100. Das ADN leitet den ON vom slaw. PN *Beneč, Benec aus „Benedikt“ ab mit poss. -j- Suffix ab 147 . Feßnach:
Bach und Flur bei Scheifling, VB Murau: de Veztnach 1154, de Uenzach um 1170, Venzach ca. 1180, Veznach 2. H. 12. Jh. Vesnach 1365, Vessnach 1424.
Nach Kessler vom aslw. *be(i)njah(u) - „bei den dämonischen Leuten“. Vgl. aslw. *bes(i)n(u) - „besessen“, *bes(u) - „Dämon“. Kesslergeht von einem „sagengebundenen“ Namen aus, also davon, dass dieser ON mit einer örtlichen Sage zusammenhängt. Die Entlehnung erfolgte im 11. Jhd. L-H leitet den ON vom urslawischen *bĕsъ- „Teufel“ über *bĕsъnъ - „Teufels-, slow. bes „Wut, Raserei“ zum slow. Adjektiv besen - „wütend, rasend, toll“ ab und meint, dass dies die Grundbedeutung des dem Bachnamen zu Grunde liegenden Wortes ist; die Feßnach sei ein sehr reißender Bach, der oft große Schäden angerichtet habe 148 . Fiegler:
Bei Krakaudorf; 4 Höfe auf halber Höhe des Preber, VB Murau: Figlaer 1414, am Foegler in Grakow 1451, Fidler 1473.
Vom PN Figl, einer mdal. Form von Virgilius, dem PN des Salzburger Bischofs. Unter dem Iren Virgil (Feirgil-„über, hoch“ und „Geisel“) begann die Missionierung der Slawen 149 . Die Krakau gehörte lange Zeit zum Bistum Salzburg. Um 1473 wurde die Hofbezeichnung auf „Fiedler - Geiger“ umgedeutet, wohl, weil man die usprüngliche Bezeichnung mit ihrer Herleitung von einem alten PN nicht mehr verstand. Fisching:
Dorf bei Zeltweg, VB Judenburg: Uissarn 2. H. 12. Jh. , auch Viscaern, Uischarn 1172, Vischarn ca. 1300.
Vom mhd. viscaren - „bei den Fischern“. Nach L-H ein unechter -ing-Name 150 . + ym Flatoch:
Ried bei Landschach, VB Knittelfeld: 1398 erwähnt. Von aslaw. *blacah(u) - „bei den Leuten im Moos“. Slow. blato - „Moor“. Hier liegt die ältere Lehnform vor - aslaw. ĉ (slaw. -tj-) wird zu ahd. -t-. Der folgende ON Flatschach ist jünger (slaw. -t- wird zu -tsch-): Flatschach:
Ortschaft und OG bei Knittelfeld: Flatscach 1172, Flachsacha 1179, Flasach 1209. Slow. blato - „Moor“. L-H führt den ON auf urslaw. bolto - „Sumpf, Morast, sumpfiger Wald“ zurück.
Hier, westlich von Knittelfeld, lag nach Baravalle der Landschreiberhof, den die Landschreiber im 13. Jh. innehatten. 1424 scheint er bereits zum Bauernhof geworden zu sein 151 . + Fleischhackeralm:
Almgegend in den Seetaler Alpen, VB Judenburg: die Judenburger alben, swo die fleischhakcher von Judenburg ir vich Halten 1433, die Fleischakheralbm 1478. Heute ist die Flur als Fleischhackerboden bekannt 152 . Zu -alm siehe dort.
147 ADN, S. 351.
148 StON, S. 53.
149 Julius Pokorny (2002): Indogermanisches etymologisches Wörterbuch, I. Band. Tübingen: Francke verlag, S. 426.
150 StON, S. 113.
151 BS, S. 249, 291.
152 ONJ, S. 12.
33
+ Fleischhackerberg:
Heute Kalvarienberg in Judenburg, weiterer Name Teuppelstein. Fleischakherperg 1571. Der Berg gehörte den Judenburger Fleischhackern. Zu -berg siehe dort. Fohnsdorf:
Ortschaft und OG im VB Judenburg: Fanesdorf 1141, Vanstorf 1147, Vanestorf 1150, Vonstorf 1174. Nach Kessler von aslow. *banja ves - „Dorf des (awar. ) Ban“. Der Name weise also auf die Awaren hin.
EA: Eine zeitlang wurde ein „Vonzins“ von den Fohnsdorfern an die Kirche St. Johann im Felde, Knittelfeld, entrichtet, weshalb man glaubte, dass sein Name mit Fohnsdorf selbst oder mit den Slawonen zusammen hinge. Allerdings muss man dazu anmerken, dass wan, won „leer“ bedeutet, sodass der Vonzins einen pauschalierten Zehent darstellt, der niedriger war als der normale Zehent, also keinen Ertrag als Berechnungsgrundlage hatte. E. Lukas definiert diese Abgabe als einen „Leerzehent, eine Abgabe ohne Relation zum Ertragsaufkommen, einen pauschalierten Anteil des Zehents“ 153 . Auch Pfannsdorf in Kärnten wird von Kranzmayer vom Ban - awarisch „Fürst“ abgeleitet 154 . Ob der Name der Fanes(Fanis-)alpe in Südtirol (sehr alter Steinwall, vorgeschichtliche Funde) mit diesem Wort verwandt ist, bleibt offen. Das ADN stellt den ON Pfons (Südtirol) zu idg. *pen - „Sumpf“ 155 .
Nach Kranzmayer wird der bairische Ursprung aller ves-Namen dadurch erklärbar, dass im ehemaligen Jugoslawien die Komposita mit ves nur dort auftreten, wo alter bairisch - österreichischer Einfluss zu spüren ist; sie überschreiten kaum den äußersten Bereich der deutschsprachigen Burgennamen und gehen über Slowenien und Nordkroatien nach Süden und Osten nicht hinaus. In Dalmatien, Bosnien, Serbien und im Banat gibt es keine ves-Namen; an deren Stelle treten die Zusammensetzungen mit selo 156 .
In jüngster Zeit hat allerdings Brunner den ON von einem ahd. PN Fano abgeleitet. Dieser Name soll auf got. fana zurückgehen, ahd. fano - „Tuch“. Eine Erklärung für den PN Fano selbst bleibt der Autor leider schuldig. Nach Brunner wird im Verzeichnis des Klosters St. Peter in Salzburg in einer Handschrift zwischen 1104 und 1116 ein Zehenthof „Phanisdorf“ erwähnt. Eine weitere Erwähnung erfolgt in einer in St. Lambrecht ausgestellten Urkunde, worin ein „Totilus de Fanestorf“ als Zeuge angeführt sei. 1147 wird der ON als Vanstorf und Vanestorf genannt, zwölf Jahre später bringt eine Urkunde den ON Vanesdorf. Mit dem Nachweis des ahd. PN Fano (von Fagan) reiht sich der ON zwanglos in die Deutung der übrigen Siedlungsnamen auf -dorf in der unmittelbaren Umgebung ein. Hieraus ergibt sich, dass Fohnsdorf zwischen 900 und 1000 gegründet worden sein muss. Im Jahre 860 hat der Ort offensichtlich noch nicht bestanden 157 . Baravalle vermutet, dass die Burgstelle schon im 9. Jh. an den Salzburger Erzbischof kam 158 . Foirach:
Bei Niklasdorf, VB Leoben: Voiriach 1271, Foriaech 1353, Feuriach 1318.
Von aslaw. *b(i)brjah(u) - „bei den Leuten im Bibergebiet“. Vgl. aslaw.* b(i)br(u) - „der Biber“. Die Entlehnung fand in ahd. Zeit statt und ergab zunächst die Lautung ahd. vib(u)riach; durch die Zusammenziehung wurde -ib(u)- zu -iu- verändert.
Nach Baravalle befand sich am Steilabfall eines von der Mugl nach Norden ziehenden Rückens, etwas oberhalb des Ortes, ein Wehrbau, dessen Lage noch heute durch den Riednamen „Burgleitenfeld“ bezeichnet ist 159 . Zu Burg- und -leiten siehe dort.
153 Lukas, Familienchronik Diethardt, S. 33.
154 ONK II, S. 30.
155 ADN, S. 93.
156 ONK I, S. 64.
157 Brunner, Fohnsdorf, S. 36ff.
158 BS, S. 219ff.
159 BS, S. 372f.
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