Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 1
2. Die Demokratisierung der Pornografie. 2
3. Die Frauenbewegung der Pornografie 3
3.1 Die Anti-Porno Kampagne in den USA. 3
3.2 Die PorNO Kampagne in Deutschland 5
4. Das Frauenbild im Mainstream-Porno 6
4.1 Die soziokulturelle Sexualität 7
4.2 Exzess, Rollenbilder und Gewalt 8
4.3 Das Darstellungsproblem der weiblichen Lust 9
4.4 Frauenpornografie als Ausweg aus der Misere 12
5. Fazit 14
6. Literaturverzeichnis. 17
6.1 Bücher 17
6.2 Internetquellen 18
1. Einleitung
Pornografie ist keine Konstante, sondern befindet sich in einem ständigen Wandel. Sie existiert in Abhängigkeit von gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen und verändert ihre Inhalte,
Erscheinungsformen und Funktionen. (vgl. Faulstich 1994, 7 ff.)
„Ich lad’s mir runter - Das Paradoxon Pornografie“, unter diesem Titel zeigt das ZDF am 09.05.2010 in seiner wöchentlichen kulturellen Gesprächsrunde, dem ZDF-Nachtstudio, eine Diskussion zum Thema Online-Pornografie. Der Medienphilosoph Norbert Bolz, Buchautor Johannes Gernert, die niederländische Feministin und Pornokritikerin Myrthe Hilkens und Jakob Pastötter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung, sprechen hier über die Entwicklungen und Auswirkungen der heutigen Pornografie auf die Gesellschaft und insbesondere auf die Jugend. Der Pornografiekonsum unter Männern habe noch nie so weite Verbreitung gefunden, wie es aktuell der Fall sei. Speziell für die Gruppe der Minderjährigen habe das Internet einen viel leichteren Zugang zu pornografischen Medieninhalten geschaffen. Außerdem, so einigen sich die Experten, würden sich die inszenierten Darstellungen von Sexualität im Porno und das dargestellte Rollenbild von Männern und Frauen, sowie die gezeigten Stereotypen, negativ auf die reale Sexualität zwischen Menschen auswirken.
Myrthe Hilkens erklärt einleuchtend, dass die Mainstream-Pornografie (als Mainstream-Pornografie wird die heterosexuelle, massentaugliche Pornografie
bezeichnet, die den Großteil der Umsätze in der Pornoindustrie generiert) weder Identifikationspotenzial für Frauen biete, noch die Darstellung von durchtrainieren Männerkörpern und durchweg sehr großen und allzeit erigierten Penissen positiv für das Selbstbewusstsein der meisten Männer sei. Dabei nimmt sie klar Abstand von radikalfeministischen Thesen der 70er Jahre und fordert als moderne Feministin die Etablierung einer neuen Bildkultur und einer Pornografie, die sich positiv auf die Sexualität beider Geschlechter auswirke (ZDF-Nachtstudio 09.05.2010).
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Doch wie ist es möglich diese neue Bildkultur zu etablieren, einen weiblichen Blick in die Pornografie zu integrieren? Ist die sexuell positive Frauenpornografie eine Alternative? In meiner Arbeit möchte ich versuchen einen Überblick über die Darstellung der Frau im Mainstream-Porno zu geben und die Frauenpornografie als möglichen Ausweg aus der Misere zu untersuchen.
2. Die Demokratisierung der Pornografie
Die für unsere Ausgangsfrage am wichtigsten erscheinende Phase der Pornografie beginnt mit dem Aufkommen des Internets. Ist die Pornografie von 1910 bis 1970 vom Drang nach Wissen geprägt, welches Männern der Oberschicht durch pornografische Stummfilme, sogenannten Stag Films, in Herrenclubs vermittelt werden soll, wandelte sich das Bild ab 1970 zu einer öffentlichen Pornografie, die durch die Aufhebung des Pornografieverbotes in Europa (Deutschland 1975) begünstigt ist. Eine neue Pornoindustrie etabliert sich und produziert hochwertige Filme mit differenzierter Handlung in Spielfilmlänge, die einem breiten Publikum in Kinos präsentiert werden. Den Durchbruch bringt der 1972 in den USA veröffentlichte Film „Deep Throat“, welcher die Nation zunächst spaltet (vgl. Pastötter 2003, 123 f.). Die dritte Phase, in deren Mittelpunkt die Erregung steht, beginnt mit der Einführung des Video Home Systems (VHS) in den 1990er Jahren und später der DVD und Blue Ray Disc. War es vorher nötig Humor oder eine sinnvolle Handlung in die Pornofilme zu integrieren, um so einen Vorwand zu liefern sich den Film öffentlich anzuschauen, bedarf der private Konsum keinerlei Rechtfertigung mehr (vgl. Pastötter 2003, 124). Erstmals konzentrieren sich die Produzenten auch auf Frauen und Paare als Zielgruppe, die in der Abgeschlossenheit ihrer Schlafzimmer einen neuen, wertfreien Zugang zur Pornografie finden können (Pastötter 2003, 47/ 126).
Das Internetzeitalter, dessen Beginn sich nur grob Ende des 20. Anfang des 21. Jahrhunderts einordnen lässt, schafft eine Aufhebung der vorher vorhandenen Linearität des Genres und einen Boom der Nischen, wie er wohl durch die klassischen Medien nie entstanden wäre. In seinem Buch „The long tail: how endless choice is creating unlimited demand“ (2006) beschreibt Chris Anderson, Chefradakteur des amerikanischen Magazins Wired, wie die Demokratisierung der Produktionsmittel und des Vertriebes, sowie die Verbindung von Angebot und
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Nachfrage dazu führt, dass Produzenten auch mit Nischenprodukten wirtschaftlich erfolgreich sein können (vgl. Anderson 2006). Speziell die fortschreitende Digitalisierung und die immer erschwinglicher werdenden Produktionsmittel schaffen eine schier endlose Auswahl an Nischenprodukten (vgl. Coopersmith 2006, 10). Es ist nun früheren Konsumenten möglich Inhalte zu produzieren und diese über sogenannte „Aggregatoren“ (Internetseiten, die Usern die Möglichkeit geben, Inhalte über ihre Homepage zu veröffentlichen), wie z. B. der Plattform xTube.com, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen (vgl. Attwood 2010, 72). Diese Aufhebung der Trennung von Produzent und Konsument, schafft ein neues Zeitalter des Pornofilms.
3. Die Frauenbewegung der Pornografie
3.1 Die Anti-Porno Kampagne in den USA
Im Zuge der Sexuellen Revolution und der Frauenbewegung in den USA (siehe Lüdtke-Pilger 2010, 34 - 40), kommt es in Amerika und immer mehr westeuropäischen Staaten (Dänemark, Schweden, Niederlande, Deutschland) zu einer Gesetzesreform im Pornografiestrafrecht (vgl. Bremme 1990, 93). Der US-Kongress beruft 1967 unter dem demokratischen Präsidenten eine Untersuchungskommission ein, die der Frage nachgehen soll, ob es einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und sozialschädlichem Verhalten gibt (vgl. Rückert 2000, 26 f.). Die Kommission kommt nach eingehender Untersuchung im sogenannten Pornographie-Report zu dem Ergebnis, dass keinerlei Zusammenhang besteht und empfiehlt sogar „die Aufhebung der kommunalen und staatlichen Gesetze über das Verbot des Verkaufs, der Zurschaustellung und der Abgabe von Erotika an damit einverstandene Erwachsene“ (Der Pornographie-Report. 1962, 169 f.; zit. nach Lüdtke-Pilger 2010, 40). Mittlerweile ist allerdings der republikanische Präsident Nixon an der Macht, der die Empfehlung der Kommission ablehnt. Unter dem Druck der Öffentlichkeit, die die Gefahr einer Zensur sieht, lässt die gefestigte Haltung der Republikaner in den 1970er Jahren allmählich nach. Es formiert sich allerdings auch ein Lager der Pornogegner, zu denen meist religiös-konservative Gruppierungen, aber auch die feministische Frauenbewegung zählt. So geht es den Feministinnen um die Gleichstellung der Frau, die zu einer Auflösung des
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Patriarchats führen soll, welche die religiös-konservativen Gruppen dagegen erhalten wollen. Um 1975 bilden sich erstmals Gruppen von Frauen in den USA, welche gegen die Gewaltverherrlichung gegenüber Frauen in der Pornografie und den Medien mobil machen wollen. Hat die Gruppe Women against Violence in Pornography and Media noch das Primärziel die Gewaltverherrlichung im Allgemeinen zu stoppen, richtet sich die Gruppierung Women against Pornography in New York vier Jahre später ganz konkret gegen Pornografie als solches. Kopf der Gruppe sind die Juristin Catherine A. MacKinnon und die Soziologin Andrea Dworkin, welche bekennende Feministinnen sind. Sie sehen in pornografischen Inhalten ein patriarchales Instrument zur Unterdrückung von Frauen und eine Anregung und Anleitung für Gewalthandlungen gegen Frauen (vgl. Rückert 2000, 15).
1976 erscheint in New York der argentinische Horrorfilm „EL ÀNGEL DE LA MUERTE“ unter dem amerikanischen Titel „SNUFF“. In diesem Film wird eine Frau zu Tode gequält und alles von der Kamera dokumentiert, was zu einer enormen Protestwelle der Feministinnen führt, die sogar ein Gerichtsverfahren nach sich zieht und als ein erster Höhepunkt in der Anti-Porno Kampagne gilt. Obwohl in Folge der Gerichtsverhandlungen die vom Staatsanwalt präsentierte Hauptdarstellerin des Films die Aussage macht, sie habe sämtliche Handlungen des Films freiwillig über sich ergehen lassen, regt sich weiter Widerstand unter den Gegnerinnen. Interessanter Weise tritt gerade hier der erste Porno-Star Linda Lovelace alias Linda Marchiano (bzw. Boreman), die mit dem Film „Deep Throat“ (1972), als eine Art lebender Beweis für die Ausbeutung der Frauen in der Pornoindustrie, ins Rampenlicht. Sie beschreibt in ihrer Autobiografie „Ordeal“ (1980), dass sie von ihrem Ehemann und Manager zu den Dreharbeiten gezwungen worden sei, brutale Terrormethoden und Massenvergewaltigungen über sich ergehen lassen musste und wird so das neue Aushängeschild der feministischen Anti-Porno Bewegung, die öffentlich eine strafrechtliche Verfolgung von Pornoproduzenten wegen Körperverletzung und Missbrauch von Minderjährigen fordert. In Folge dessen wird die rechtliche Diskussion über Pornografie erneut aufgenommen und Dworkin und MacKinnen 1983 vom Stadtrat von Minneapolis aufgefordert einen Gesetzesentwurf zum Umgang mit Pornografie zu unterbreiten. Der erarbeitete Entwurf sieht nun die Möglichkeit vor, Pornografie nicht länger nur über das Strafrecht zu regeln, sondern über das
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Arbeit zitieren:
Benjamin Müller, 2011, Männerlust und Frauenfrust, München, GRIN Verlag GmbH
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