Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Das Konzept der Bewährung- Hentigs Manifest 3
3. Die Besonderheiten des Jugendalters 5
3.1 Die Adoleszenz 6
3.1.1 Die Frühadoleszenz 7
3.1.2 Die mittlere bzw. eigentliche Adoleszenz 7
3.2 Was es bedeutet, in der heutigen Zeit Jugendlicher zu sein 8
4. Die Umsetzung des „Bewährungskonzeptes“ 10
am Beispiel der Montessori- Oberschule in Potsdam 10
4.1 Die Montessori- Oberschule Potsdam 10
4.2 Das Projekt „Schlänitzsee“ 12
4.2.1 Vorstellung des Projektes 13
4.2.2 Pädagogisches Konzept zum Projekt 14
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis 21
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1. Einleitung
Jugendliche, diese kleinen pubertierenden Monster, sind faul, hängen meist in Gruppen herum und tun einfach nichts, außer vielleicht an Bushaltestellen, die sie völlig vermüllt hinterlassen und an denen sie durch ihre ständige „Graffitisprayerei“ Vandalismus betreiben, vorbeigehende Passanten anzupöbeln. Sie sind generell unfreundlich zu Erwachsenen, beleidigen ständig ihre Eltern, sprechen in ihrer eigenen Gossensprache, die sowieso kein anderer außer ihnen selbst versteht, verbringen die Zeit, in der sie mal nicht Passanten anpöbeln dann entweder in ihren Zimmern, spielen Ballerspiele und surfen im Internet oder aber sie besaufen sich sinnlos auf „Flatrate-Partys“. In der Schule, wenn sie denn mal hingehen, machen sie den Lehrern die Hölle heiß, mobben die Kleinen und verschmutzen den Schulhof. Sie haben einfach zu nichts Bock und tragen dies auch gerne mit ihrer Null-Bock-Mine zur Schau. Schaut man sich ihre Kleidung an, so sind die weiblichen Jugendlichen dermaßen aufgetakelt, dass man gerade nicht weiß, ob sie auf dem Weg zu einer Modenschau oder doch mal auf dem Weg zur Schule sind. Die männlichen Jugendlichen hingegen sehen so aus, als seien sie gerade erst von der Couch aufgestanden mit ihren weiten Jogginghosen, bei denen der Schritt schon in den Kniekehlen hängt und ihre Unterwäsche daher deutlich zu sehen ist. Das ist das Bild der Jugend im 21. Jahrhundert. Jedenfalls wenn man die großen und auch kleinen Schlagzeilen der Medien liest und denen unkritisch Glauben schenkt. Jugendliche jedoch sind zu Höchstleistungen fähig, man muss ihnen nur einen für sie geeigneten Rahmen schaffen, in dem sie diese Leistungen vollbringen können. Das ist die These von Hartmut von Hentig, die er in seinem Buch „Bewährung. Von der nützlichen Erfahrung, nützlich zu sein“ (2005), aufstellt und praxisorientiert ausarbeitet, so dass ein Konzept entsteht: das Bewährungskonzept. Dieses Konzept wird in seiner Grundidee in dieser Arbeit vorgestellt werden. Da Hartmut von Hentig sein Konzept für Jugendliche, die sich in der Adoleszenz befinden, entwickelte, sollen sie in einem zweiten Schritt besonders in den Blick genommen werden. Das Bewährungskonzept hat durch die Montessori- Oberschule in Potsdam in Form eines Landbauprojektes bereits praktische Umsetzung erfahren - diese wird hier im dritten Teil dieser Arbeit zur Geltung kommen. In einem abschließenden Fazit werden diese drei Elemente - die Theorie des Bewährungskonzeptes, dessen erste praktische Umsetzung als auch die Jugendlichen, um die sich das Konzept dreht - miteinander verbunden, sodass eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema möglich werden kann. Die Frage, die hinter dieser kritischen Auseinandersetzung steht, lautet: Ist das Bewährungskonzept wirklich für Jugendliche, die sich mitten in der Adoleszenz befinden, geeignet?
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2. Das Konzept der Bewährung- Hentigs Manifest
Die Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie in einer Gemeinschaft leben, in der jedes Individuum einen Teil dazu beitragen muss; „die vollzogene individuelle Emanzipation verdrängt das Bewusstsein von der fortbestehenden Abhängigkeit aller von den Ordnungen und Leistungen des Gemeinwesens.“ (Hentig, 2005, 15) Doch kommt dies nicht von ungefähr, denn ein Bewusstsein schaffen für diese Problematik, gibt es in der Allgemeinheit nicht. Bereits Jugendliche machen die Erfahrungen, dass sie nicht nur Individuum sondern Teil eines größeren Ganzen sind, vornehmlich in der Familie, dem Bekanntenkreis oder in der Schule. Hentig wünscht sich daher, „dass junge Menschen erfahren, was eine Gemeinschaft ist - eine größere als die Familie, in die sie hineingewachsen sind, und eine weniger künstliche und zufällige als die Schulklasse, in die man sie hineinverwaltet hat; dieses Erlebnis sollte so sein, dass sie vieles von dem, was sie lernen, für die Aufrechterhaltung dieser Gemeinschaft einzusetzen bereit sind, ja dass sie es zu einem großen Teil um ihretwillen - um ihre Fortsetzung und Vervollkommnung - lernen.“ (Ebd., 17) Hierzu hat er in seinem Bewährungskonzept neben der Forderung nach einem einjährigen allgemeinen Dienstjahr, einen konkret ausformulierten Vorschlag zur „entschulten Bewährung“ entwickelt, durch den die Jugendlichen die Möglichkeit bekommen sollen, ihre gewünschten Erfahrungen machen zu können.
Die „entschulte“ Schule besteht in seinen Kernelementen darin, dass die Jahrgangsstufen 7 und 8, wahlweise auch die Jahrgänge 8 und 9 aller Schularten (Haupt- und Realschule ebenso wie das Gymnasium und die Gesamtschule) für zwei Jahre aus dem üblichen Schul- und Unterrichtskonzept entlassen werden und stattdessen soziale Projekte erarbeiten/ besuchen/ gestalten/ entwickeln. Dies soll zunächst in einer mittelgroßen Stadt wie Essen oder Rostock und einem Landkreis geschehen - diese können sich bei dem dafür eigens gegründeten Verein um die Zuteilung des Projekts bewerben. Innerhalb der Bewerbung müssen bestimmte Informationen ersichtlich sein; hierzu gehören „Zahl, Art und Größe der beteiligten Schulen“, „die beteiligten Jahrgänge [...]“, „die Zustimmung der Eltern und Schüler“, „die Zusage der beteiligten Betriebe und Einrichtungen“, ein Kostenplan sowie ein Zeitplan, aus dem ersichtlich wird, in welchen Schritten das Projekt umgesetzt werden soll, so dass sich am Ende des Projektes eine dauerhafte „Entschulung“ für die betreffenden Jahrgänge ergibt (ebd., S. 22ff.). 1
1 Hentig schrieb dieses Konzept in dem Bewusstsein darüber, dass das Projekt nicht von heute auf morgen zu 100% umgesetzt werden kann. Daher unterscheidet er es in Variante A und E. Bei Variante A handelt es sich um die Ausgangsvariante und Variante E beschreibt die Umsetzung des Projektes im Endstadium, also die
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Während der Dauer des Projektes, also in der 7. und 8. Jahrgangsstufe, sollen die Schüler und Schülerinnen (im Folgenden „SuS“) unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Hentig hat an dieser Stelle dreiundzwanzig willkürlich ausgewählte mögliche Erfahrungen angegeben, die jedoch keine Verpflichtung darstellen sollen. So könnten die SuS bspw. Denkmal- und Landschaftspflege betreiben, verschiedene Sportarten ausprobieren und ausüben, sich in humanitären Einrichtungen engagieren, Fahrradtouren machen, im Theater aktiv sein, etc. (vgl. ebd.). Die Kosten für das gesamte Projekt übernimmt zu 50% das Bundesland der betreffenden Stadt und des Landkreises, 25% entfallen auf den Schulträger, die restlichen 25% übernehmen beteiligte Firmen und Unternehmen; generell sollen die Kosten die üblichen nicht um mehr als 20% übersteigen.
Diesen Rahmenbedingungen erfolgt eine ausführliche Begründung für dieses angestrebte Projekt, in der von Hentig vor allem seine Schulkritik zu Worte kommen lässt und das entwickelte Projekt darin einbettet. Schule sei ein Ort, der den Jugendlichen mehr oder minder die Freude am Lernen nimmt, denn vieles, was sie in der institutionalisierten und verwalteten Schule erleben, widerspricht dem, was sie in der Realität erleben. In der Schule werden alltägliche Phänomene wie das „Laufen und Raufen“ plötzlich in den zwei- dreistündigen Sportunterricht verlegt, „aus sich natürlich bildenden gemischten Gemeinschaften sind kollektiv gleichaltrig, nach Schulleistung vorsortierter Mitschüler in genormten Klassenräumen und also auch in genormter Zahl geworden“, „der Natur begegnet man als geordnetem Wissen über die Natur“, anstatt sie selbst zu erforschen. Insgesamt gesehen ist es so, dass „Abenteuer dem Schulhof, dem Heimweg auf dem Moped, dem Mogeln während der Klassenarbeit, einer Schulwanderung im Sommer und einer im Winter vorbehalten“ werden (Hentig, 2005, 33ff.). Kinder, die voller Lernbegeisterung in die Schule kommen, wird hierdurch der Spaß am Lernen genommen. Dieser Entzug jedoch stellt sich nicht von jetzt auf gleich ein, er dauert eine Weile, denn die SuS sind zunächst damit beschäftigt, sich in diese neue Welt „Schule“ einzuarbeiten. Wenn sie dies jedoch geschafft haben, kommt bald die Langeweile auf und die Freude am Lernen wird im Keim erstickt, so dass es in der Pubertät schließlich dazu kommt, dass sie oftmals gänzlich abschalten, denn der sich aufgebaute „Überdruss an der zu keinem Ende führenden Belehrung [vermischt sich nun] mit dem Drang der physischen Emanzipation“, so dass sie „die fürsorgliche Behandlung ab[lehnen] und [..] die Selbsterfahrung [suchen]- eine Bewährung in eigenen Gemeinschaften, nach eigenem Maßstab, mit eigenem Risiko.“ (ebd., 35)
100%ige Umsetzung. Der Zeitplan beinhaltet also die Übersicht, wie der betreffende Bewerber von Variante A ausgehend Variante E erreichen will. (Hentig, 2005, 24ff.)
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Die Schule allerdings nimmt weder die Suche nach Bewährung noch die Pubertät an sich wahr; sie übernimmt die Belehrung am Vormittag und klammert hierbei die Probleme der Jugendlichen in diesem Alter gänzlich aus; dies überlässt sie den Familien. Jedes Verhalten, dass durch die Pubertät hervorgerufen wird, wird in der Schule als Störung gewertet und ggf. sogar durch Extraaufgaben und schlechtere Noten sanktioniert.
3. Die Besonderheiten des Jugendalters
Zu Beginn dieses Abschnittes möchte ich die oftmals synonym verwendeten Begriffe Jugend, Pubertät und Adoleszenz voneinander abgrenzen, denn auch in der Literatur werden sie jeweils anders und nicht synonym gebraucht.
Der Begriff der Pubertät bezieht sich vornehmlich auf „den biologischen Reifungsvorgang“ eines jungen Menschen weg von der Kindheit hin zum Erwachsen sein, der„in erster Linie durch die Entwicklung der Fortpflanzungsfähigkeit und ihrer Begleiterscheinung (bspw. das Wachsen der weiblichen Brust, der erste männliche Samenerguss, das Wachsen der Brust-und Schambehaarung [Anm. d. Verf.]), aber auch durch einen Wachstumsschub gekennzeichnet ist.“ (Maas, 2003, 24) Dieser Vorgang ist in der Regel im Alter zwischen 17 und 18 Jahren abgeschlossen, was jedoch nicht auf die „sozialen und emotionalen Folgen“ (ebd.) der Pubertät zutrifft. Diese Folgen und deren Bewältigung werden als Adoleszenz bezeichnet, worunter weitläufig die „psychosozialen Reifungsprozesse“ (ebd.) fallen. Diese beiden Begriffe kann man als Spezialisierung des Begriffs Jugend beschreiben, denn dieser umfasst ganz allgemein „die zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter liegende Altersphase und kann als biologisches, entwicklungspsychologisches, soziologisches, kulturelles oder historisches Phänomen verstanden werden.“ (ebd.)
Die Phase der Adoleszenz werde ich im Folgenden detaillierter in Blick nehmen, da es sich hierbei vornehmlich um die Phase innerhalb des Jugendalters handelt, die bei von Hentig in den Blick geraten ist - bei der von Hentig für das Jugendalter postulierten Suche nach Bewährung handelt es sich sowohl um einen sozialen als auch einem emotionalen Vorgang und ist somit eindeutig der Phase der Adoleszenz zuzurechnen. 2
2 Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass Hentig in seinem Manifest die drei Begriffe ebenfalls synonym gebraucht hat.
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Arbeit zitieren:
Tanja Hühne, 2010, Das Konzept der Bewährung auf dem Prüfstand, München, GRIN Verlag GmbH
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