Danksagung
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Prof. Dr. Burgartz bedanken, der mir während der Durchführung meiner Masterarbeit mit hilfreichen Tipps zur Seite gestanden hat.
Weiterhin möchte ich auch allen Experten dafür danken, dass sie sich die Zeit genommen haben, meine Interviewfragen zu beantworten. Ferner danke ich den vielen Firmen, die anonym an meiner Befragung teilgenommen haben und ohne deren Zutun diese Arbeit nicht hätte verfasst werden können.
Zu guter Letzt danke ich meiner Familie und meinen Freunden, die nicht müde geworden sind, meine Arbeit Korrektur zu lesen.
Isabelle Niemann
III
Inhaltsverzeichnis
Danksagung III
Inhaltsverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VIII
Abk ürzungsverzeichnis IX
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Ablauf der Arbeit. 2
1.3 Zielsetzung der Arbeit 2
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Mittelstand 3
2.1.1 Begriffserläuterung 3
2.1.2 Wirtschaftliche Relevanz 6
2.1.3 Wesentliche Merkmale 7
2.2 Cloud Computing 9
2.2.1 Begriffsabgrenzung 9
2.2.2 Verfügbarkeitsmodelle 11
2.2.3 Anwendungsebenen 14
2.3 Potenziale und Risiken von SaaS-Lösungen für den Mittelstand 19
2.3.1 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen 19
2.3.2 Ergebnisse anderer Studien 20
2.3.3 Analyse der Chancen und Risiken SaaS im Mittelstand. 21
3 Experteninterviews 24
3.1 Aufbau der Datenerhebung 24
3.1.1 Zielsetzung 24
3.1.2 Vorgehensweise 25
3.1.3 Entwicklung des Leitfadeninterviews 26
3.1.4 Auswahl der Stichprobe 28
3.1.5 Gütekriterien 30
3.2 Auswertung der Befragung 30
IV
3.2.1 Darstellung der Interviews 30
3.2.2 Auswertung der Ergebnisse 41
3.3 Bericht 49
4 Mittelstandsbefragung 50
4.1 Aufbau der quantitativen Datenerhebung 51
4.1.1 Zielsetzung 51
4.1.2 Entwicklung des Fragebogens 51
4.1.2.1 Hypothesen 51
4.1.2.2 Fragestellungen 53
4.1.3 Erhebung der Stichprobe 59
4.1.4 Gütekriterien 59
4.1.5 Auswertung 60
4.2 Auswertung der Befragungen 61
4.2.1 Darstellung der Ergebnisse 61
4.2.2 Analyse der Ergebnisse 74
4.3 Fazit der Befragung 77
5 Vermarktungsempfehlungen 78
5.1 Ziele 78
5.2 Strategie 79
5.3 Maßnahmen 80
5.4 Zeitplan 83
5.5 Controlling 85
6 Fazit 86
Literaturverzeichnis 89
Monographien 89
Sammelb ände 89
Internet 90
Publikationen 91
Anhang 92
V
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Kriterien der Europäischen Kommission
Abb. 2: KMU-Anteile 2008 in Deutschland
Abb. 3: Cloud Computing
Abb. 4: Public Cloud
Abb. 5: Private Cloud
Abb. 6: Hybrid Cloud
Abb. 7: Community Cloud
Abb. 8: Ebenen des Cloud Computing Zielgruppen
Abb. 9.: Vor- und Nachteile von SaaS
Abb. 10.: Chancen und Risiken von SaaS im Mittelstand
Abb. 11.: Pragmatisches Auswertungsverfahren
Abb. 12.: Auswertung Marktpotenzial
Abb. 13.: Auswertung Chancen
Abb. 14.: Auswertung Risiken
Abb. 15.: Auswertung Nachfrage
Abb. 16.: Auswertung Nachfrage nach Unternehmensgröße
Abb. 17.: Auswertung Hemmnisse
Abb. 18.: Auswertung Information über Vorteile
Abb. 19.: Auswertung Prognose
Abb. 20.: Auswertung Risiken
Abb. 21.: Auswertung Voraussetzungen
Abb. 22.: Auswertung SaaS-Bekanntheit nach Mitarbeiteranzahl
Abb. 23.: Auswertung SaaS-Bekanntheit nach Umsatzgröße
Abb. 24.: Auswertung SaaS-Bekanntheit IT-fremde Unternehmen
Abb. 25.: Auswertung Informationsquellen
Abb. 26.: Auswertung SaaS-Nutzung
Abb. 27.: Auswertung SaaS-Nutzung nach Unternehmensgröße
Abb. 28.: Auswertung Wahrnehmung SaaS-Chancen
Abb. 29.: Auswertung Wahrnehmung SaaS-Risiken
Abb. 30.: Auswertung Einfluss Empfehlungen
Abb. 31.: Auswertung Beweggründe für SaaS-Einführung
VI
Abb. 32.: Auswertung Beweggründe gegen SaaS-Einführung
Abb. 33.: Auswertung Aufklärungsbedarfe
Abb. 34.: Auswertung Gründe Unzufriedenheit
Abb. 35.: Ziele der Vermarktungsempfehlung
Abb. 36.: Maßnahme: Aufklärungsarbeit
Abb. 37.: Maßnahme: Bedarfsgerechte Angebote
Abb. 38.: Maßnahme: Beratungsstelle
Abb. 39.: Zeitplan Vermarktungsempfehlung
Abb. 40.: Strategy Map der Balanced Scorecard
VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Schwellenwerte der Europäischen Kommission 4
Tabelle 2: Schwellenwerte des IfM Bonn 5
Tabelle 3: Zusammenfassung Kernaussagen E1 und E2 34
Tabelle 4: Zusammenfassung Kernaussagen E3 36
Tabelle 5: Zusammenfassung Kernaussagen E4 37
Tabelle 6: Zusammenfassung Kernaussagen E5 39
Tabelle 7: Zusammenfassung Kernaussagen E6 40
Tabelle 8: Verteilung nach Mitarbeiteranzahl 61
Tabelle 9: Verteilung nach Unternehmensgröße 61
Tabelle 10: Verteilung nach Branchen 62
Tabelle 11: Verteilung nach Position 62
Tabelle 12: Verteilung nach ERP und CRM 62
Tabelle 13: Auswertung Bekanntheit SaaS 62
Tabelle 14: Verteilung SaaS-Bekanntheit nach Branchen 64
Tabelle 15: Auswertung Informationsstand 65
Tabelle 16: Auswertung Informationsart 65
Tabelle 17: Auswertung Nutzung SaaS 67
Tabelle 18: Auswertung Funktionsmerkmale 68
Tabelle 19: Auswertung Gründe für SaaS-Einführung 68
Tabelle 20: Auswertung Gründe gegen SaaS-Einführung 69
Tabelle 21: Auswertung geplante SaaS-Einführungen 70
Tabelle 22: Auswertung Bekanntheit weiterer Unternehmen 70
Tabelle 23: Auswertung Einfluss Empfehlungen 71
Tabelle 24: Auswertung geplante SaaS-Einführungen nach Systemen 72
Tabelle 25: Auswertung Informationswunsch 73
Tabelle 26: Auswertung Angebotszufriedenheit 74
VIII
Abkürzungsverzeichnis
BITCOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. CRM Customer Relationship Management EDV Elektronische Datenverarbeitung ERP Enterprise Resource Planning IaaS Infrastrukture as a Service IfM Institut für Mittelstandsforschung ISST Fraunhoferinstitut für Software- und Systemtechnik IT Informationstechnologie KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KMU Kleine und mittlere Unternehmen NIST National Institute of Standards and Technology PaaS Plattform as a Service SaaS Software as a Service
IX
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
In den letzten Jahren hat das Angebot von Cloud Computing-Lösungen für Business Applications, wie unter anderem Hosting und Software as a Service (nachfolgend auch SaaS genannt), stark zugenommen. Experten sehen in dieser Technologie die Zukunft der modernen Datenlagerung. Durch das Auslagern der Firmendaten, respektive auch der eigenen Server, müssen firmenintern keine Ressourcen auf die Sicherung und Wartung der Daten abgestellt werden. Es entfallen ebenfalls die Aufwendungen für das Betreiben eigener Server und spezieller Stromnotfallgeneratoren.
Während Konzerne und große Firmen vermehrt ihre Daten in Rechenzentren lagern, bleibt diese Möglichkeit von vielen mittelständischen Unternehmen noch ungenutzt. Kleine und mittlere Unternehmen (nachfolgend auch KMU genannt) installieren ihre Softwarelösungen auf eigenen Servern, die innerhalb der Firmenräume gelagert werden. Die Wartung und Sicherung übernehmen firmenzugehörige Mitarbeiter.
Diese Arbeit soll Aufschluss darüber geben, warum bisher eine unterdurchschnittliche Anzahl mittelständischer Unternehmen Cloud Computing-Lösungen in Anspruch nehmen. Außerdem werden die Gründe für eine Entscheidung gegen Cloud Computing evaluiert. Denkbar ist, dass Vorbehalte bezüglich der Datensicherheit beziehungsweise des Datenbesitzes hierfür verantwortlich sind. Gegebenenfalls könnten die angebotenen Lösungen für mittelständische Unternehmen zu kostenintensiv oder die Technologietrend noch unzureichend bekannt sein. Für Cloud Computing-Anbieter stellt der Mittelstand, bedingt durch seine Größe, eine wichtige Zielgruppe dar. Dementsprechend gilt es zu erheben, welchen Herausforderungen die Anbieter in den kommenden Jahren begegnen werden beziehungsweise welchen Ängsten und Vorbehalten der mittelständischen Unternehmen sie entgegenwirken müssen. Vordergründig wird untersucht, von welchen Faktoren die Entscheidung mittelständischer Unternehmen zur Einführung von Cloud Computing beeinflusst wird. Die untersuchten Gegenstände dieser Arbeit beziehen sich ausschließlich auf Cloud Computing-Angebote für Business Applications, wie Enterprise Ressource Planning (ERP) Systeme und Customer Relationship Management (CRM) Systeme.
1
1.2 Ablauf der Arbeit
Zunächst werden die Begrifflichkeiten Mittelstand und Cloud Computing theoretisch dargelegt und darauf aufbauend Chancen beziehungsweise Risiken der genannten Technologie für mittelständische Unternehmen analysiert. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen werden mittels
Leitfadeninterviews Experten befragt. Dies dient unter anderem zur Evaluation des vorhandenen Marktpotenzials und einer fundierten Zukunftsprognose. Weiterhin wird die aktuelle Nachfrage an auf Cloud Computing basierenden Geschäftsanwendungen ermittelt, unter Einbeziehung angeführter Hemmnisse mittelständischer Unternehmen. Ferner wird, basierend auf den theoretischen Überlegungen und der Einschätzung der Experten, eine quantitative Befragung im Mittelstand durchgeführt. Dementsprechend wird die Einstellung mittelständischer Unternehmen bezüglich Cloud Computing evaluiert. Infolge einer Analyse der hervorgebrachten Ängste und Wünsche der Unternehmen kann eine zielführende Vermarktungsempfehlung erarbeitet werden. Die Ziele der Vermarktungsempfehlung werden mittels der evaluierten Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Befragung formuliert und eine geeignete Strategie aufgestellt. Weiterhin werden effektive Maßnahmen konzipiert, welche anhand eines Projektablaufes zur zeitlichen Umsetzung konkretisiert werden. Zur Messung und Steuerung der einzelnen Maßnahmen dient ein für die Vermarktungsempfehlung erarbeitetes Kennzahlensystem in Anlehnung an Kaplans Balanced Scorecard.
1.3 Zielsetzung der Arbeit
Das Ziel dieser Arbeit ist die Erarbeitung einer nachhaltig erfolgreichen Vermarktungsempfehlung für auf Cloud Computing basierende
Geschäftsanwendungen im Mittelstand. Auf Grundlage dieser Empfehlung soll die Nachfrage an Cloud Computing-Lösungen für Business Applications in der angeführten Zielgruppe mittelfristig gesteigert werden. Um dieses Ziel zu realisieren, werden gemäß der Kapitel dieser Arbeit Unterziele formuliert. Demzufolge ist das Ziel der theoretischen Grundlagen, das Potenzial von SaaS für mittelständische Unternehmen zu analysieren. Weiterhin dienen die Experteninterviews der Evaluation des SaaS-Marktes. Mittels der Befragung mittelständischer Unternehmen wird die Einstellung bezüglich der SaaS-Technologie und die Wahrnehmung der Potenziale erhoben. Auf Grundlage dieser Unterziele kann eine nachhaltig erfolgreiche Vermarktungsempfehlung konzipiert werden.
2 Theoretische Grundlagen
In den theoretischen Grundlagen wird der aktuelle Wissensstand der Fachliteratur zielführend aufgearbeitet. Chancen und Risiken von Cloud Computing-Anwendungen im Mittelstand werden infolge einer Analyse der theoretischen Erkenntnisse dargestellt.
Unter Zuhilfenahme dieser Analyse werden Experten bezüglich ihrer Einschätzung des Potenzials von SaaS für mittelständische Unternehmen befragt. Ebenfalls dienen die Ergebnisse der Potenzialanalyse zur Befragung mittelständischer Unternehmen hinsichtlich ihrer Einstellung und ihres Kenntnisstandes. Weiterhin bilden die herausgearbeiteten Potenziale das Fundament für Maßnahmen der Vermarktungsempfehlung.
2.1 Mittelstand
„Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind der Motor der europäischen Wirtschaft“ 1 . Dieses Kapitel legt die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands und somit auch die Relevanz als Zielgruppe für das Cloud Computing dar.
Hierfür wird zunächst der Begriff Mittelstand quantitativ und qualitativ erläutert. Nachfolgend wird die wirtschaftliche Relevanz der kleinen und mittleren Unternehmen aufgezeigt. Abschließend sollen wesentliche Merkmale der Führung und Organisation mittelständischer Unternehmen aufgezeigt werden. Diese Grundlage dient in Kapitel 2.3 dazu, spezielle Chancen und Risiken des Cloud Computing im Mittelstand zu analysieren.
2.1.1 Begriffserläuterung
Die gängigsten Mittelstandsdefinitionen wurden von der Europäischen Kommission und dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn (nachfolgend IfM Bonn genannt) verfasst und herausgegeben. Diese Definitionen unterscheiden sich marginal und werden nachfolgend vorgestellt. Beide Definitionen haben gemein, dass sie den Begriff Mittelstand nicht ausschließlich an quantitativen Zahlen festmachen, sondern auch qualitative Merkmale einbeziehen. Zunächst wird die quantitative Definition des Mittelstands nach Auffassung der europäischen Kommission und des IfM Bonn dargestellt.
1 Europäische Kommission (2006), S.3.
3
Die Europäische Kommission legt für ihre Begriffsbestimmung die Kriterien Mitarbeiteranzahl, Bilanzsumme und Jahresumsatz fest:
Die Anzahl der Mitarbeiter beinhaltet sowohl Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte als auch Saisonarbeiter. Einzig Auszubildende und Beschäftigte in der beruflichen Ausbildung sind nicht inbegriffen. Der Jahresumsatz ist unter Berücksichtigung aller Erlösschmälerungen exklusive Steuern anzugeben. Für jedes dieser Kriterien hat die Europäische Kommission feste Schwellenwerte definiert, die einzuhalten sind. Während die Mitarbeiteranzahl ein fixes Kriterium ist, ist zu beachten, dass weiterhin der Jahresumsatz oder die Jahresbilanzsumme zur Einordnung der Unternehmen einhergeht.
Demnach unterscheidet die Europäische Kommission in Kleinst-, Klein- und Mittlere Unternehmen. Insgesamt darf die Mitarbeiteranzahl von maximal 250 Beschäftigten nicht überschritten werden. Zusätzlich ist die Höchstgrenze des Jahresumsatzes von maximal 50 Millionen Euro oder der Jahresbilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro einzuhalten.
Das IfM Bonn hat eine eigene KMU-Definition herausgegeben. Die Unternehmen werden nach der Anzahl der Beschäftigten und dem Jahresumsatz eingeordnet.
Das IfM Bonn unterscheidet in seiner Definition zwischen kleinen und mittleren Unternehmen. Die Höchstgrenze des Jahresumsatzes unterscheidet sich nicht von der Definition der Europäischen Kommission. Das IfM Bonn fasst die Anzahl der Beschäftigten weiter als die Europäische Kommission. Nach dieser Definition gehören Unternehmen mit bis zu 499 Mitarbeitern dem Mittelstand an. Nachdem die quantitativen Rahmenbedingungen dargestellt wurden, wird nachfolgend auf die qualitativen Richtlinien der genannten Institutionen für mittelständische Unternehmen eingegangen.
Die Europäische Kommission berücksichtigt für seine Mittelstandsdefinition die Unternehmensform. Wonach alle eigenständigen Unternehmen, für die quantitative Kriterien gelten, KMU sind. Eigenständig wird von der Kommission wie folgt definiert: Unternehmen sind dann eigenständig, wenn sie keine Beteiligung von mehr als 25 % des Kapitals oder Stimmrechts an einem anderen Unternehmen halten respektive am eigenen Unternehmen gehalten bekommen 2 . Ausnahmen stellen Beteiligungen staatlicher Institutionen,
Risikokapitalgesellschaften und Business Angles dar. Auch Universitäten, Institutionelle Anleger und Autonome Gebietskörperschaften 3 können mehr als 25 % an einem KMU halten, ohne dass dieses den Status Mittelstand verliert. Voraussetzung ist, dass diese Beteiligungen keinen Einfluss auf die Unternehmensleitung nehmen.
Das IfM Bonn setzt als qualitatives Kriterium die Unabhängigkeit des Unternehmens voraus. Der Begriff der Unabhängigkeit wird nicht weiter erläutert. Für den weiteren Verlauf dieser Arbeit wird die Definition des IfM Bonn zugrunde gelegt.
2 Europäische Kommission (2006) S. 16.
3 Autonome Gebietskörperschaften mit Jahreshaushalt kleiner 10 Mio. € oder weniger als 5000 Einwohnern
2.1.2 Wirtschaftliche Relevanz
Nachdem der Begriff Mittelstand genauer erläutert worden ist, wird nachfolgend die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstandes in Deutschland näher betrachtet. Das IfM Bonn veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Angaben zum KMU-Anteil in der Bundesrepublik Deutschland. Ebenfalls werden die KMU-Anteile am Umsatz aller Unternehmen in Deutschland und beiden Beschäftigungszahlen angegeben.
Das Institut unterscheidet nach der KMU-Definition der Europäischen Kommission und der eigenen Definition.
Aus der Grafik ergeben sich die Anteile der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland im Jahre 2008. Die Abweichungen, begründet durch die unterschiedliche Mittelstandsdefinition der Europäischen Kommission und des IfM Bonn, sind marginal.
Insgesamt waren demnach im Jahr 2008 99,5 Prozent beziehungsweise 99,6 Prozent aller Unternehmen mittelständisch. Diese Unternehmen haben 54,4 Prozent respektive 59,9 Prozent 4 aller sozialversicherungspflichtigen Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 36,9 Prozent beziehungsweise 38,0 Prozent erzielt.
Die hohe wirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Unternehmen wird mit Betrachtung dieser Fakten deutlich. Über 90 Prozent der deutschen
4 2009: 60,2 %; inklusive Auszubildende 79,5%.
Unternehmen weisen mittelständische Strukturen auf. In Zahlen bedeutet das, dass in Deutschland 3,67 Millionen KMU gemeldet sind. In Hinblick auf die Vermarktung von Cloud Computing-Lösungen für Business Applications 5 ergibt sich eine große Zielgruppe. Es wird weiterhin angeführt, „dass 70 % der dem Mittelstand zugerechneten Unternehmen eine Betriebsgröße bis maximal fünf Mitarbeitern aufweisen“ 6 .
Krüger verweist in dem Praxishandbuch des Mittelstands zudem auf den Stellenwert, den KMU in der Gesellschaft eingenommen haben. Große politische Parteien haben den Faktor Mittelstand erkannt und beschäftigen sich hiermit. Auch die KfW Mittelstandsbank hat sich auf die Branche Mittelstand fokussiert, welche von Industrie- und Handelskammern repräsentiert wird. Zudem untersucht auch die Wissenschaft vermehrt mittelständische Unternehmen, neben dem IfM auch weitere Institute an der Universität Mannheim und Lüneburg.
Zusammenfassend wird festgehalten, dass der Mittelstand in Deutschland bereits jetzt eine enorme wirtschaftliche Bedeutung innehat und zunehmend noch an Bedeutung gewinnen wird. Des Weiteren hat der Mittelstand in der Politik und der Wissenschaft Interesse geweckt.
2.1.3 Wesentliche Merkmale
„Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind nicht das bloß verkleinerte Abbild der Großen“ 7 . Vielmehr zeichnet sich der Mittelstand durch eigene Merkmale aus. Krüger unterstellt, dass die Komplexität des wirtschaftlichen Geschehens aufgrund der begrenzten Mitarbeiteranzahl überschaubar ist 8 . Als wesentliche Merkmale kleiner und mittlerer Unternehmen nennt die Fachliteratur im Besonderen die personenbezogene Unternehmensführung, die flachen Hierarchien, die Flexibilität respektive die Anpassungsfähigkeit, die eingeschränkte Kapitalausstattung und den regionalen Bezug. Als personenbezogene Unternehmensführung 9 wird die enge Verzahnung zwischen dem Eigentum und der Leitung eines KMU 10 verstanden. Der Unternehmer ist im Mittelstand oftmals Inhaber beziehungsweise führender
5 Engl. Für Geschäftsanwendungen.
6 Krüger, W. (2006), S. 17.
7 Rissbacher, C./ Stahl, H. (2003), S. 119.
8 Vgl. Krüger, W. (2006), S. 17.
9 Vgl. Von Werder, A./ Nestler, A. (1998), S. 3.
10 Vgl. Rissbacher, C./ Stahl, H. (2003),S. 119.
Gesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens. Die Leistung obliegt nur ihm, also einer Person. Dabei wird eine „Einheit von Eigentum, Leitung und wirtschaftliche Leitung“ 11 dem Unternehmer beigemessen. Der Unternehmer übernimmt sowohl strategische Entscheidungen als auch operative Tätigkeiten. Das Unternehmen ist eng mit der Person des Unternehmers verbunden. Damit einhergehend ist auch der wirtschaftliche Erfolg, beziehungsweise der finanzielle Gewinn des KMU mit dem des Unternehmers eng verbunden. Die Führung wird als intuitiv 12 beschrieben, da strategische Pläne häufig nur in den Köpfen der Geschäftsführung existieren und nicht schriftlich festgehalten werden. Weiterhin führt Schweinsberg als weitere Besonderheit das überdurchschnittlich hohe Alter der mittelständischen Unternehmer an. Somit sei nur ein Viertel der Unternehmer jünger als 40 Jahre und fast ein Zehntel älter als 60 Jahre 13 . Die Fachliteratur greift die schnelle Anpassungsfähigkeit und Flexibilität 14 der KMU auf. Die geringe Komplexität der Unternehmung und flache Hierarchien 15 begünstigen informelle Arbeitswege und kurze Kommunikations- und Entscheidungswege. Diese Eigenschaften erlauben es mittelständischen Unternehmen, flexibel und rasch auf geänderte Rahmenbedingungen des Marktes zu reagieren.
Ein weiteres Charaktermerkmal des Mittelstands sind die regionalen und persönlichen Beziehungen 16 . Der mittelständische Unternehmer fühlt sich in der Regel mit seiner Region stark verbunden. Neben regionalen
Geschäftsbeziehungen und sozialem Engagement beschäftigt ein KMU häufig in der Region ansässige Personen. Es besteht ein persönliches Verhältnis innerhalb der Belegschaft, aber auch zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern.
Die Kapitalausstattung des Mittelstands unterscheidet sich frappierend von Großunternehmen. Die meist geringe Eigenkapitalquote von 20 Prozent 17 erschwert den KMU einen „Zugang zum organisierten Kapitalmarkt“ 18 . Investitionen müssen somit oftmals aus dem laufenden Umsatz getätigt werden, da sich die Aufnahme von Fremdkapital als schwierig erweist.
11 Waltermann, H. (2009), S.6.
12 Vgl. Waltermann,H. (2009), S. 7.
13 Vgl. Schweinsberg, K. (2006), S. 64.
14 Vgl. Waltermann,H. (2009), S. 6.
15 Vgl. Rissbacher, C./ Stahl, H. (2003), S. 118f.
16 Vgl.Waltermann,H. (2009), S. 8.
17 Vgl. Krüger, W. (2006), S. 13.
18 Rissbacher, C./ Stahl, H. (2003), S. 119.
Die Bedeutung und Verwendung der Informationstechnologie (nachfolgend IT genannt) unterscheidet sich im Mittelstand von Großunternehmen. Der IT wird von der Unternehmensführung zwar eine hohe Bedeutung für das Erreichen der Geschäftsziele zugeschrieben, allerdings unterliegt die IT gleichzeitig einem hohen strategischen Kostendruck 19 . Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Software- und Systemtechnik hat ergeben, dass „der Anteil der IT-Kosten zwischen einem und zehn Prozent des Umsatzes“ 20 liegt. Inbegriffen sind hierbei die Kosten für die bestehende IT und die IT-Investitionen. Die wichtigste Aufgabe der IT ist die technische Unterstützung der Geschäftsprozesse 21 . Allerdings gestaltet sich das Management der IT-Infrastruktur im Mittelstand zunehmend als schwierig. Die IT-Landschaft ist meist organisch gewachsen und besteht somit aus vielen heterogenen Systemen oder Insellösungen 22 . Die damit einhergehende Intransparenz führt schnell zu ineffizienten Abläufen. Als neue Herausforderung für das IT-Management wird das Outsourcing von IT-Lösungen und die Evaluation der Auswirkungen auf die IT gesehen 23 . Abschließend wird festgehalten, dass die Anforderungen an das IT-Management gestiegen sind. Die Weiterentwicklung wird allerdings durch einen hohen Kostendruck ausgebremst.
2.2 Cloud Computing
„Cloud-Computing ist der Trend schlechthin bei den IT-Riesen“ 24 . In diesem Kapitel wird Cloud Computing als Technologie mit seinen Verfügbarkeitsmodellen und Anwendungsebenen vorgestellt. Eine umfangreiche Definition der Vor- und Nachteile dieser Technologie dient im folgenden Verlauf einer Analyse der Potenziale und Risiken bezogen auf mittelständische Unternehmen.
2.2.1 Begriffsabgrenzung
Das Cloud Computing gilt als neuer Trend in der IT-Branche. In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um den Begriff Cloud Computing entstanden. Bisher gibt es allerdings noch keine einheitliche, standardisierte Definition des Begriffs.
19 Vgl. Rudolph, S. (2009), S. 74.
20 Holtkamp, B. (2010), S. 9.
21 Vgl. Rudolph, S. (2009), S. 74.
22 Ebd.
23 Ebd.
24 http://www.handelsblatt.com/technologie/it-tk/special-cloud-computing/die-riskante-
milliardenwette-der-it-konzerne/4256172.html.
Generell wird das Cloud Computing als „Auslagerung von Anwendungen, Daten und Rechenvorgängen in das Internet“ 25 beschrieben. Weiter wird das Cloud Computing als „eine IT-Strategie mit verteilten Hard- und Software-Ressourcen, die von einem oder mehreren Providern bereitgestellt und auf Anforderung genutzt werden [kann]“ 26 definiert. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (nachfolgend BITKOM genannt) sieht das Cloud Computing als „eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Nutzung von IT-Leistungen, [welche] in Echtzeit als Service über das Internet bereitgestellt und nach Nutzung abgerechnet“ 27 werden.
Es lässt sich festhalten, dass Cloud Computing die Auslagerung von Anwendungen und Daten über das Internet beinhaltet. Charakterisierend hierbei ist, dass die Anwender nur die tatsächlich genutzten Kapazitäten bezahlen 28 . Anwender teilen sich Ressourcen mittels virtueller Maschinen. Die Anbieter der Cloud Computing-Technologie nutzen einen physikalischen Server für mehrere Kunden 29 . Das Cloud Computing zeichnet sich durch eine hohe Skalierung und Elastizität aus 30 . Detailliert bedeutet das, dass unabhängig von der Belastung des Systems die richtige Bandbreite bereitgestellt wird. Zudem bietet das Cloud Computing nahezu unbegrenzte Kapazität hinsichtlich der Nutzeranzahl und dem Datenvolumen.
Als Vorteile des Cloud Computing aus Sicht der Anwender sind sicherlich die hohe Dynamik, die Verfügbarkeit und der uneingeschränkte Zugriff 31 zu nennen. Der Anwender kann seine Anforderungen passgenau abrufen. Aufgrund der Virtualisierung der Daten entstehen bei der Nutzung der Dienste und Anwendungen keine Engpässe. Zudem sind diese zeitlich unbegrenzt und global erreichbar. Die Virtualisierung der Server gewährleistet eine optimale Auslastung der Ressourcen und vergünstigt die Kosten der IT-Landschaft 32 . Für den Anwender entfallen durch die Nutzung des Cloud Computing Anschaffungs- und Administrationskosten für die Hardware.
25 Meir-Huber, M. (2010), S. 12.
26 http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Cloud-Computing.html
27 BITKOM (2009), S. 14.
28 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 13.
29 Vgl. Braun, C./ Kunze, M./ Nimis, J./ Tai, S. (2010), S. 7.
30 Vgl. Meir Huber, M. (2010), S. 15.
31 Vgl. Braun, C./ Kunze, M./ Nimis, J./ Tai, S. (2010), S. 9.
32 Vgl. Felsmann, D. (2010), S. 3.
Das Cloud Computing unterscheidet in On-Premises und Off-Premises Lösungen. On-Premise wird als klassischer Hosting-Ansatz verstanden. 33 Die Daten werden auf Servern im Unternehmen gehostet. Dennoch kann nicht strikt hiernach zwischen On-Premise und Cloud Computing unterschieden werden. Weitere Merkmale bilden die verwendete Software und das Abrechnungsmodell. Während beim Cloud Computing nach Bedarf (monatlich) abgerechnet wird, fallen bei On-Premise Lösungen einmal hohe Investitionskosten an.
(Quelle: http://www.esri.com/technology-topics/cloud-gis/public-vs-private.html) Die Grafik veranschaulicht die unterschiedlichen Cloud Computing-Modelle. Unterschieden wird in private und öffentliche Cloud-Modelle. Die Verbindung dieser Modelle wird als eine hybride Cloud bezeichnet. Weiterhin zeigt das Schaubild, dass die Cloud-Ebenen SaaS, PaaS und IaaS jedem Modell zugeordnet werden können. Die Verfügbarkeitsmodelle und Ebenen des Cloud Computing werden im Folgenden näher betrachtet.
2.2.2 Verfügbarkeitsmodelle
Für das Cloud Computing werden verschiedene Verfügbarkeitsmodelle definiert. Diese resultieren aus dem Offenheitsgrad der Plattformen 34 . Unterschieden wird zwischen public, private und community Clouds. Die hybriden Cloud-Modelle stellen eine Mischform zwischen den private und public Clouds dar. Im Folgenden werden die einzelnen Modelle kurz beschrieben. Die am weitesten verbreiteten Clouds sind von einer öffentlichen Natur, also public Clouds. Das National Institute of Standards and Technology (nachfolgend NIST genannt) definiert public Clouds wie folgt: „The Cloud infrastructure is made
33 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 39.
34 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 40.
available to the general public or a large industry group and is owned by an organization selling cloud services” 35 .
Merkmale für private Clouds sind der öffentliche Zugang und eine IT-Dienstleistungsgesellschaft als Eigentümer. Als weitere Eigenschaft kann abgeleitet werden, dass die Plattform mehreren Nutzern zur Verfügung steht und diese sich somit die Ressourcen teilen 36 . Konkret bedeutet dies, dass sich mehrere Kunden einen physikalischen Server teilen. Realisiert wird das durch die oben erwähnte Virtualisierung. Anbieter für public Cloud Dienste sind unter anderem Google 37 , Microsoft 38 und Amazon 39 . Private Clouds sind unternehmensinterne Clouds mit einem eng begrenzten Zugriffsrecht. Das NIST gibt für dieses Verfügbarkeitsmodell folgende Definition heraus: „The cloud infrastructure is operated solely for an organization. It may be managed by the organization or a third party […] “ 40 .
35 Mell, P./ Grance, T. (2011), S. 3.
36 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 40.
37 http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/
38 http://www.microsoft.com/germany/business/cloudservices/
39 http://aws.amazon.com/de/ec2/
40 Mell, P./ Grance, T. (2011), S. 3.
Das private Cloud Model ist somit nur innerhalb der Organisation respektive der Unternehmung verfügbar. Betrieben und organisiert wird die private Cloud entweder von dem Unternehmen oder von externen Dienstleistern. Weiterhin besteht die Möglichkeit, Schnittstellen zu unternehmensfremden Anwendungen zu schaffen 41 , Beispiele hierfür sind ausgewählte Personengruppen wie Lieferanten oder Großkunden. Vorteilhaft bei diesem Verfügbarkeitsmodell ist die Privatsphäre in der Cloud. Sicherheitsstandards können leichter als bei public Clouds eingehalten werden. Als Nachteil sind die höheren Kosten zu nennen. Das Unternehmen stellt die Hard- und Software für die private Cloud. Zuzüglich zu den Anschaffungskosten kommen gegebenenfalls noch hohe laufende Kosten für die Wartung und Aktualisierung hinzu.
Hybride Clouds stellen eine Mischform aus private und public Clouds dar. „The cloud infrastructure is a composition of two or more clouds that remain unique entities but are bound together by standardized or proprietary technology that enables data and application portability” 42 .
Die hybride Cloudform versucht, die Vorteile der public und private Clouds zu vereinen und die Nachteile der vorgenannten Modelle zu reduzieren. Kunden der hybride Clouds nutzen weiterhin ihre eigene interne IT-Infrastruktur beziehungsweise die private Cloud. Kommt es zu Engpässen, können über public Clouds die fehlenden Ressourcen abgerufen werden 43 . Als ein weiteres Verfügbarkeitsmodel definiert das NIST die Community Cloud. „The cloud infrastructure is shared by several organiszations and supports a specific community that has shared concerns […].” 44
41 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 41.
42 Mell, P./ Grance, T. (2011), S. 3.
43 Vgl. http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Hybrid-Cloud-hybrid-cloud.html
44 Mell, P./ Grance, T. (2011), S. 3.
Bei der Community Cloud teilen sich zwei oder mehr Unternehmen eine Cloud und bilden somit eine Gemeinschaft, die Community. Hinsichtlich der Cloud-Infrastruktur weisen die Unternehmen gleiche Anspruchskriterien auf. Diese können sich unter anderem auf die Sicherheitsaspekte an die Cloud oder die Geschäftsfelder der Unternehmen beziehen.
2.2.3 Anwendungsebenen
Die Fachliteratur differenziert zwischen drei aufeinander aufbauenden Ebenen des Cloud Computing 45 . Unterschieden werden: Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS).
(Quelle: http://www.saasblogs.com/images/uploads/2008/12/cloud_stack.gif) Die Grafik veranschaulicht die aufeinander aufbauenden Ebenen und ordnet diesen eine Zielgruppe zu. Während das Angebot von IaaS hauptsächlich auf IT-Betriebe und IT-Dienstleister ausgerichtet ist, wenden sich PaaS-Anbieter vermehrt an Anwendungsentwickler. SaaS ist für die Nutzung von Unternehmen und Privatkunden ausgelegt. Demzufolge ist SaaS für diese Arbeit als
45 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 42.
elementarer Ausgangspunkt für die Evaluation von Vermarktungsempfehlungen zu definieren. Begründet wird dies durch die Relevanz für die Auslagerungen von Geschäftsanwendungen.
Infrastructure as a Service stellt die Basis der Cloud Computing-Ebenen dar. Der Anbieter stellt ausschließlich die Infrastruktur sowie die Hardware zur Verfügung. Der IaaS-Anwender wählt frei die für ihn passende Software 46 . Es handelt sich hierbei um die „Bereitstellung von virtualisierter IT-Infrastruktur über das Internet“ 47 . Der Kunde nutzt somit die Server beziehungsweise die Infrastruktur des Rechenzentrums. IaaS stellt den Anwendern den größten Grad an Flexibilität zur Verfügung, andererseits erfordert diese Ebene den höchsten Administrationsaufwand 48 . Das Betriebssystem bzw. die Applikationen werden durch den Anwender installiert. Ein Anwendungsbeispiel ist das Auslagern von Mailservern oder Internetseiten. Die Zielgruppe der IaaS-Anbieter stellen IT-Dienstleister dar. Anbieter sind unter anderem Go Grid 49 , FlexiScale 50 und Rackspace 51 . Amazon bietet Unternehmen durch vorgefertigte Images die Möglichkeit, die komplette IT-Infrastruktur auszulagern. Bei Platform as a Service handelt es sich um eine Entwicklerplattform, die den mittleren Abstraktionsgrad der Cloud Computing-Ebenen darstellt 52 . Hierbei steht dem Konsumenten eine abstraktere Plattform als bei Infrastructure as a Service zur Verfügung. Es besteht kein Zugriff mehr auf das elementare Betriebssystem 53 . PaaS-Angebote beziehen sich hauptsächlich auf Software-Architekten und
Anwendungsentwickler. Es lassen sich auf diesen Entwicklungsplattformen geschäftliche Anwendungskomponenten entwickeln 54 . Hierbei vereint PaaS die Vorteile von IaaS und SaaS. Das einfache Management der SaaS-Plattform wird mit der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der IaaS-Lösungen kombiniert 55 . Anbieter für PaaS-Anwendungen sind unter anderem Google AppEngine 56 , Microsoft Azure 57 und Force.com 58 .
46 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S.42.
47 BITKOM (2009), S. 24.
48 Vgl. Meir-Huber, M. (2010) S. 43.
49 http://www.gogrid.com/
50 http://www.flexiant.com/products/flexiscale/
51 http://www.rackspace.com/information/aboutus.php
52 Vgl. Meir-Huber, M. (2010), S. 44.
53 Ebd.
54 Vgl. BITKOM (2009), S. 26.
55 Vgl. Meir-Huber, M. (2010) S. 44
56 http://code.google.com/intl/de-DE/appengine/
Software as a Service stellt die dritte und abstrakteste Ebene des Cloud Computing dar. Bei SaaS-Anwendungen wird Software für den Endanwender im Internet angeboten. Diese netzbasierte Anwendung findet häufig Verwendung bei Customer Relationship Lösungen und Enterprise Ressource Planning Applikationen.
Der Nutzer bezieht eine Anwendung respektive Applikation aus dem Internet 59 , indem er diese über einen auf dem Client installierten Web Browser aufruft. Hierbei liegt die besagte Applikation des Providers in einer auf Cloud Computing basierenden Plattform 60 .
Entstanden ist das SaaS-Konzept aus dem On-Demand Computing. Der Bedarf nach internetbasierenden Anwendungen für den privaten und geschäftlichen Gebrauch führte schließlich zu der Entwicklung des Cloud Computing und somit auch zu dem SaaS-Ansatz 61 .
SaaS-Provider stellen ihre Anwendungen über das Internet ihren Kunden zur Verfügung. Hierbei nutzen mehrere Kunden die gleiche Infrastruktur beziehungsweise auch dieselbe Anwendung 62 . Von Vorteil ist, dass individuelle Installationen beim Kunden entfallen. Es entsteht ein hoher Grad an Standardisierung, der die Instandhaltung und Pflege der SaaS-Anwendungen vereinfacht. Systemupdates müssen nur noch einmalig eingespielt werden und stehen dann allen Kunden zur Verfügung. Allerdings ist eine individuelle Lösung für einen Kunden nicht ohne weiteres mehr möglich. Die Anbieter stellen ihren Kundensegmenten einheitliche Lösungen zur Verfügung. Weitere Anpassungen können nur durch die Einbeziehung der PaaS Ebene durch Muchups und Plugins realisiert werden.
Der Kunde ist nicht für das Management oder die Kontrolle der SaaS-Anwendung verantwortlich 63 . Der Service einer SaaS-Nutzung umfasst die Bereitstellung der notwendigen Hard- und Softwarekomponenten sowie die Wartung und den Betreib der Anwendung 64 . Darüber hinaus bezieht und bezahlt der Kunde die
57 http://www.microsoft.com/windowsazure/
58 http://www.salesforce.com/platform/
59 Vgl. BITKOM (2009) S. 27.
60 Vgl. Mell, P./ Grance, T. (2011), S. 2.
61 http://www.itwissen.info/definition/lexikon/software-as-a-service-SaaS.html
62 BITKOM (2009), S. 27.
63 Vgl. Mell, P./ Grance, T. (2011), S.2.
64 Vgl. BITKOM (2009), S. 27.
SaaS-Lösung nach Bedarf 65 . Der Kunde kann je nach Vertragsform auch Überlassungsverträge abschließen. Hierdurch entsteht ihm die Option, die Software nicht nur zu „mieten“, sondern bei Bedarf auch zu kaufen. Der Nutzen, den die Verwendung von SaaS-Konzepten darstellt, ist vielfältig. Zunächst sollen hierdurch die Kosten für die betriebsinterne IT gesenkt werden 66 . Investitionskosten werden mitunter durch das Entfallen von Lizenz- und Hardwarekäufen reduziert. Des Weiteren entstehen keine Kosten durch eine zeitaufwendige Installation und Einführung der Anwendung im Unternehmen. Auch die laufenden Kosten für Pflege und Instandhaltung der Anwendung werden gesenkt, da diese Komponenten an den Anbieter übertragen werden. Ein weiterer Nutzen der SaaS-Konzeption ist die Skalierbarkeit und demzufolge die Flexibilität. Die SaaS-Provider können zum Beispiel durch die Nutzung der Virtualisierungstechnologie schnell auf sich ändernde Anforderungen der Kunden reagieren. Somit stehen den Kunden die benötigten Ressourcen zum reibungslosen Gebrauch der Anwendung zur Verfügung. Der Kunde kann weltweit auf seine Daten beziehungsweise seine Anwendung zugreifen, einzige Voraussetzung ist ein Internetzugang. Außendienstmitarbeiter können Daten ortsunabhängig abrufen und pflegen. Benötigte Informationen und Dokumente können schnell aufgefunden und genutzt werden. Für die Sicherheit der Daten ist der SaaS-Dienstleister zuständig. Dem Kunden entfallen somit nicht nur administrative, sondern auch sicherheitsrelevante Aufgaben. Anwendung findet Software as a Service hauptsächlich bei CRM-Lösungen oder ERP-Applikationen. Neben diesen traditionellen Geschäftsanwendungen ist SaaS aber auch als Communications as a Service und Collaboration as a Service 67 denkbar. Bei diesen neueren Ansätzen werden hauptsächlich Voice over IP-Telefonie, E-Mails, Instant Messaging, Firmenkalender, Blog und Wikis virtualisiert. Bei der Erarbeitung einer Vermarktungsstrategie für
Geschäftsanwendungen sind die genannten neueren Ansätze aber nicht weiter in Betracht zu ziehen.
Anbieter für SaaS sind unter anderem Salesforce 68 , SAP 69 und Avanade 70 . An dieser Stelle könnten noch diverse weitere Anbieter aufgeführt werden. Fazit ist sicherlich, dass es ein breites Angebot an SaaS-Lösungen gibt.
65 Vgl. BITKOM (2009), S. 27.
66 http://www.itwissen.info/definition/lexikon/software-as-a-service-SaaS.html
67 Vgl. BITKOM (2009), S. 29.
68 http://www.salesforce.com/de/
Die folgende Grafik stellt die Vor- und Nachteile des SaaS für den Kunden zusammen:
Der Kunde hat bei der Einführung einer auf SaaS basierenden Geschäftsanwendung ein geringes Investitionsrisiko. Es entfallen
Anschaffungskosten für die benötigte Hard- und Software. Die Kunden haben Zugriff auf hochwertige IT-Kapazitäten, sodass der Einsatz komplexer und leistungsstarker Ressourcen ohne hohen Kapitaleinsatz möglich ist. Der Anwender lagert mit Einführung der auf SaaS basierenden Anwendungen das Management und die Organisation der IT-Anforderungen der Applikation aus. Die Entlastung der eigenen IT-Abteilung ermöglicht die Konzentration auf das Kerngeschäft. Ebenso wird die Verantwortung für die Datensicherheit in der Regel an den SaaS-Anbieter weiter gegeben. Ein weltweiter Zugriff auf die Anwendung, und somit auch auf die Daten, steigert die Datenqualität und vereinfacht das operative Tagesgeschäft.
Ein Nachteil des SaaS-Konzeptes ist sicherlich das Vertrauen bezüglich der Datensicherheit. Der Kunde gibt diese Verantwortung an den SaaS-Anbieter ab und muss auf dessen Sorgfaltspflicht vertrauen. Bei der Übermittlung der Daten vom Client über den Web Browser an den jeweiligen SaaS-Provider entsteht ein zusätzlicher Angriffspunkt hinsichtlich der Datensicherheit. Der Kunde ist mit Abschluss des SaaS-Vertrags abhängig von seinem Anbieter. Kommt ein Wechsel des Systems bzw. des Anbieters in Betracht, kann es gegebenenfalls zu Problemen bei der Datenübertragung respektive der Schnittstelle zu der neuen
69 http://www.sap.com/germany/campaigns/businessbydesign/index.epx
70 http://www.avanade.com/de
Anwendung kommen. Sogenannte Überlassungsverträge sichern Kunden hinsichtlich der aufgeführten Problemstellung ab. Ein weiterer Kritikpunkt ist die hohe Standardisierung des Angebots. Eigenentwicklungen sind nur durch Einbindung von PaaS-Lösungen möglich. Der Kunde kann bei der eigenen Bedarfsanalyse schnell überfordert sein. Oftmals ist es für ihn unübersichtlich, welche Anforderungen an eine SaaS-Lösung er benötigt. Auch ein Preisvergleich der Anbieter ist nur schwer möglich, da sich diese in ihrem Dienstleistungsangebot stark unterscheiden.
2.3 Potenziale und Risiken von SaaS-Lösungen für den Mittelstand
Nachdem in den Kapiteln 2.1 und 2.2 die theoretischen Grundlagen des Mittelstands und des Cloud Computing aufgearbeitet wurden, werden anschließend die Potenziale und Risiken des Cloud Computing für den Mittelstand analysiert. Ausgehend von den in Kapitel 2.2.3 gewonnenen Erkenntnissen bezieht sich die Evaluation dieser Potenziale und Risiken im Folgenden nur auf den Bereich Software as a Service. Die Ebenen IaaS und PaaS können aufgrund des mangelnden Bezugs hinsichtlich der Auslagerung von Geschäftsanwendungen vernachlässigt werden.
2.3.1 Zusammenfassung der theoretischen Grundlagen
Für die Analyse des Marktpotenzials von auf SaaS beruhenden Business Applications im Mittelstand werden die Ergebnisse der „Wesentlichen Merkmale“ des Mittelstands und die abgeleiteten Vor- und Nachteile von „Software as a Service“ zugrunde gelegt.
Der Mittelstand zeichnet sich dadurch aus, dass er aufgrund seiner geringen Unternehmensgröße und flachen Hierarchien flexibel auf Markt- und Kundenanforderungen reagieren kann. Er ist mit regionalen Partnern und Einrichtungen stark verbunden und macht 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus. Meist verfügt der Mittelstand über ein geringes Investitionsvolumen, da er, bedingt durch seine Kapitalstruktur, einen begrenzten Zugang zum Kapitalmarkt hat. Folglich erschweren die knappen finanziellen Mittel die Anschaffung hochwertiger IT.
Die SaaS-Technologie ermöglicht es, Aufgaben und Anforderungen bei gleichzeitig sinkenden Kosten auszulagern. Bedarfsgerechte
Ressourcenverteilungen erlauben flexible Unternehmensentscheidungen. Zudem wird durch Wegfall der Investitionskosten das unternehmerische Risiko gesenkt. SaaS-Anwendungen bedürfen einen permanenten Zugang zum Internet. Die
Arbeit zitieren:
Isabelle Niemann, 2011, Vermarktungsempfehlungen für auf Cloud Computing basierende Geschäftsanwendungen im Mittelstand, München, GRIN Verlag GmbH
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