Wissenschaft nicht ausschließt, denn schließlich wird bereits versucht, über subjektive Seinszustände wie Schmerzen erkenntnistheoretisch objektive Erkenntnisse zu erhalten, um den Schmerzen mit Medikamenten entgegentreten zu können.
Searle benennt die Einheit als dritten Aspekt des Bewusstseins. Alle Empfindungen werden als Teil eines vereinten Bewusstseinsfeldes gesehen, das Bewusstein ist eine Einheit, welches die drei genannten Aspekte allesamt miteinander vereint. Der eine Aspekt kann nicht ohne den anderen auftauchen. Searle führt das Split-Brain-Experiment als Beispiel an, um zu verdeutlichen, dass es zwei Bewusstseinsfelder gibt, die aber zu einem vereint sind. In diesem Experiment wird gesagt, dass den Menschen mit einer schweren Form von Epilepsie das Verbindungsgewebe der beiden Gehirnhälften, das Corpus callosum, durchtrennt wurde. Das Fehlen der Verbindung konnte experimentell gezeigt werden: Wenn den Patienten nach der Operation ein Objekt im linken Gesichtsfeld gezeigt wird, so können sie es nicht benennen, da der ausgelöste Reiz nur in die rechte Gehirnhälfte gelangt, doch das Sprachzentrum liegt auf der linken Hemisphäre. Normalerweise wären die beiden Gehirnhälften in der Lage, miteinander zu kommunizieren, doch aufgrund der Durchtrennung des Verbindungsglieds ist dies nicht mehr möglich. Die Patienten können aber mit der linken Hand nach dem Objekt greifen, da dieser von der rechten Gehirnhälfte gesteuert wird. So kommt Searle zum Schluss, dass es also zwei Bewusstseinsfelder gibt, die aber normalerweise zu einem vereint sind. Als vierte Eigenschaft des Bewusstseins wird die Intentionalität genannt. Hierzu sagt Searle, dass viele Bewusstseinszustände intentional sind, jedoch nicht alle, und auch nicht alles Intentionale ist bewusst. Doch betont er dabei eine wichtige Überlappung sowie eine logische Verbindung zwischen den beiden Begriffen. Er sagt, dass viele mentale Zustände zwar unbewusst sind, aber doch die Fähigkeit haben, bewusst werden zu können. Searles Beschreibung erinnert mich an diesem Punkt an Sigmund Freuds Behauptungen, dass es drei Bewusstseinszustände gibt: Das Bewusste, das Unbewusste und das Vorbewusste. Das Vorbewusste entspräche dann dem, was Searle beschrieb: Mentale Zustände, die unbewusst sind, aber jederzeit bewusstseinsfähig sind.
Als fünftes Strukturmerkmal des Bewusstseins wird die Stimmung gekennzeichnet. Jeder Bewusstseinszustand ist in bestimmten Stimmungen eingebettet, die keine bestimmte Bezeichnung haben müssen. Man bemerkt diese Stimmungen dann nur, wenn eine Veränderung auftritt, wenn also z.B. eine besonders gute oder schlechte Nachricht gehört wird, denn daraufhin verändert sich auch die Stimmung. Searle betont, dass Stimmungen nicht dasselbe sind wie Emotionen, denn Emotionen haben stets einen intentionalen Gehalt, doch Stimmungen müssen diesen nicht notwendig haben. Zudem können Stimmungen durch pharmakologische Möglichkeiten behandelt werden, so wie die Stimmung der Depression mit Medikamenten behandelt werden kann.
Die Unterscheidung zwischen Zentrum und Peripherie wird als sechster Punkt des Bewusstseins untersucht. Hierbei sagt Searle aus, dass viele Objekte im Zentrum
unserer Aufmerksamkeit stehen, und durch die willentliche Umlenkung unserer Aufmerksamkeit bemerken wir diejenigen Objekte, die sich nur in der Peripherie befinden. Zudem gibt es Eigenschaften oder Objekte, die wir gar nicht wahrnehmen können, so wie unseren blinden Fleck, und welche, die wir wahrnehmen, obwohl es nichts zum Wahrnehmen gibt.
Als siebtes Merkmal wird die Lust/Unlustreihe genannt. Diese sind immer in Bewusstseinszuständen vorhanden, doch sind sie nicht identisch mit Stimmungen.
Die achte Eigenschaft des Bewusstseins ist die Situiertheit. Man hat stets einen Sinn für die Hintergrundsituation, man kennt seine eigene Situation. Wenn beispielsweise ein Schwindelgefühl einen überfällt, dann erst wird der Sinn für die Situiertheit bemerkt, denn dann ist einem nicht immer sofort klar, in welcher Situation man sich befindet.
Das aktive und passive Bewusstsein wird als neuntes Merkmal charakterisiert. Hier wird also zwischen willentlicher, intentionaler Aktivität und passiver Wahrnehmung unterschieden, wobei keine scharfe Trennung vorhanden ist, denn es gibt auch beabsichtigte Elemente der Wahrnehmung und passive der willentlichen Handlung. Searle betont, dass bei der willentlichen Handlung der freie Wille erlebt wird, denn hier entscheidet man selbst, was getan wird. Bei der passiven Wahrnehmung hat das Individuum nicht den freien Willen, etwas tun zu können, hier wird einfach etwas wahrgenommen.
Beim zehnten Aspekt ist die Rede von der Gestalt-Struktur. Wir nehmen klare Strukturen von den verschiedensten Objekten wahr, und diese Strukturen haben zwei Aspekte:
1. Unser Gehirn ist in der Lage, Wahrnehmungen zu kohärenten Ganzen zu organisieren. Dies verdeutlicht Searle, indem er das Beispiel verwendet, bei dem bloße Striche für uns ein menschliches Gesicht formen. Gleichzeitig können unsere Wahrnehmungen schwanken, denn in einem Augenblick nehmen wir etwas wahr, wobei wir im nächsten Augenblick beim gleichbleibenden Reiz schon etwas anderes wahrnehmen. Als Beispiel hierfür dient der Hase-Ente-Kopf: Mal nimmt man ihn als Hasenkopf, mal als Entenkopf wahr.
2. Unser Gehirn kann Figuren von Hintergründen unterscheiden. So kann beispielsweise ein Stift vor dem Hintergrund des Buches oder dieses vor dem Hintergrund des Tisches unterschieden werden.
Als elftes Merkmal des Bewusstseins wird der Sinn für das Selbst behandelt. Man hat einen Sinn dafür, wer man eigentlich ist und was einen ausmacht, man hat einen Sinn für das Erlebnis seines Selbst.
Schließlich charakterisiert Searle als wichtigstes Strukturmerkmal des Bewusstseins die qualitative, Einheit-bildende Subjektivität.
Arbeit zitieren:
Roza Ramzanpour, 2010, zu: John Searle - Die Struktur des Bewusstseins und die Neurobiologie, München, GRIN Verlag GmbH
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