Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: verwendete Literatur, Quellen, Thematik S.1
2. Der Brief des Claudius an die Alexandriner
2.1 Inhaltliche Gliederung S.2
2.2 Die im Brief bezeugten Maßnahmen S.3
3. Die Vorgeschichte des Briefes S.5
4. Der Brief des Claudius und die Judenedikte S.7
5. Eine Chronologie der Ereignisse S.8
6. Die Verwirrung - die „besonderen Gesandtschaften“ der Juden S.10
7. Ein Beitrag zur Entwirrung -
Mendels und Edreis These von „zweierlei Diaspora“ S.12
8. Schluss: Fazit, weiterführende Fragen S.14
9. Literaturverzeichnis S.15
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1. Einleitung
Der Brief des Claudius stellt den Versuch des Kaisers dar, die gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen Teilen der jüdischen und griechischen Bevölkerung, die seit dem Jahr 38 n. Chr. in Alexandria stattfanden, zu beenden und die verfeindeten Lager zu befrieden. Der erste Teil dieser Arbeit bietet eine Gliederung des Briefes und beschäftigt sich mit den darin angesprochenen Maßnahmen. Darauf folgend wird zweitens eine Zusammenfassung der Ereignisse gegeben, die dazu führten, dass Claudius diesen Brief an die Alexandriner richtete. Die Kapitel drei bis sieben beinhalten Themen, die in der Literatur kontrovers dargestellt werden. Hier wird versucht, zu einer eigenen Position zu finden. Unter anderem geht es darum, in welchem Verhältnis der Brief des Claudius mit dessen Judenedikten steht. Außerdem wird eine Chronologie der verschiedenen Gesandtschaften von Alexandria nach Rom angeboten. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Frage, woher die Empörung über das Verhalten der Juden, die Claudius im Brief zum Ausdruck bringt, rührt. Interessant ist hierfür eine These zur Verfasstheit der antiken jüdischen Diaspora. Diese wird zur Erklärung des Gesinnungswandels des Claudius herangezogen.
Gearbeitet wurde mit der Übersetzung des Briefs an die Alexandriner, wie sie bei Barrett in dessen Quellensammlung zur Umwelt des Neuen Testaments zu finden ist. Als Grundlage für diese Arbeit diente unter anderem Helga Botermanns aufschlussreiche Schrift zum Judenedikt des Kaisers Claudius. Darüberhinaus beziehe ich mich für die Ausschreitungen in Alexandria auf die entsprechenden Kapitel bei Smallwood, Ferril, Bernett und Bringmann. Mittels des Aufsatzes zum Brief des Kaisers Claudius von Richard Laqueur von 1926 konnte Einblick in die Diskussion direkt nach Veröffentlichung des Pap. Lond. 1912 genommen werden. Zudem lieferten Mendels und Edrei in „Zweierlei Diaspora“ von 2010 eine These, die meines Wissens noch nicht mit den Spannungen zwischen Juden und Griechen in Zusammenhang gebracht wurde.
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2. Der Brief des Claudius an die Alexandriner
2.1 Inhaltliche Gliederung
Inhaltlich besteht der Brief des Kaisers Claudius aus fünf Teilen.
1. In der vorliegenden Version des Briefes ist diesem ein Edikt von L. Aemilius Rectus
vorangestellt (Z.1-8) In diesem wird erläutert, warum es notwendig war, den Brief nicht
nur öffentlich zu verlesen, sondern auch zu publizieren. Hier findet sich auch eine Da-
tierung : „2. (Jahr) unter Tiberius Claudius Cäsar Augustus Germanicus Imperator, am
14. Neos Sebastos.“ Nach Botermann ist das Datum dieses Edikts der 10. November
41. 1
2. Mit dem Präskript beginnt der eigentliche Brief (Z. 9-24) An dieser Stelle werden die
griechischen Gesandten namentlich erwähnt. Als Empfänger des Briefes ist die Stadt
Alexandria genannt.
3. Im dritten Teil kommt Claudius auf die, von der griechischen Gesandtschaft vorge-
schlagenen Ehrungen ihm gegenüber zu sprechen (Z. 25-51)
4. Darauf folgt seine Stellungnahme zu den „Bitten“ 2 der Griechen (Z.52-75) Diese
betreffen den Erwerb des Bürgerrechts, staatliche Ämter und die der Neokoroi, sowie
die (Wieder)einsetzung eines Rates.
5. Der letzte Teil (Z.75-110) ist für die folgende Arbeit von größtem Interesse. Denn in
diesem bezieht der Kaiser Stellung zur Frage, wer für den Konflikt zwischen Juden und
Griechen in Alexandria verantwortlich ist. Außerdem dringt er eindringlich auf dessen
Beilegung , indem er die Griechen dazu anhält, den Juden ihre Sonderrechte vor allem
im Hinblick auf die Ausübung ihrer Religion, wie sie seit Augustus bestehen, wieder zu
gew ähren. Die Juden sollen ihrerseits „nicht auf mehr Privilegien als sie früher besa-
ßen“ 3 hinarbeiten, keine besonderen Gesandtschaften aussenden, die Spiele und Wett-
k ämpfe in den Gymnasien nicht behindern und aufhören, weitere Juden dazu zu veran-
lassen , Alexandria aufzusuchen.
1 Botermann, Helga: Das Judenedikt des Kaisers Claudius. Römischer Staat und Christiani im 1.
Jahrhundert , Stuttgart 1996, S.111.
2 Ein Brief des Kaisers Claudius an die Einwohner von Alexandria: hrsg. und übersetzt von Bar-
rett , Charles K. In: Die Umwelt des Neuen Testaments. Ausgewählte Quellen Wissenschaftliche
Untersuchungen zum neuen Testament, Band 4, Tübingen 1959, Z.52.
3 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.93f.
4
2.2 Die im Brief bezeugten Maßnahmen
Im Folgenden wird dargestellt, welche Bestimmungen des Kaisers in dessen Brief an die Alexandriner Erwähnung finden. Für die, den Kaiserkult betreffenden Erlasse ist zunächst ein grundlegendes Verständnis der gottähnlichen Verehrung der Kaiser seit Augustus wichtig. Bernett zu Folge hatte der Kaiserkult die zentrale Funktion, die Integration des hellenistischen Ostens in das römische Imperium zu gewährleisten. 4 Die rituelle Verehrung des Kaisers stellt eine Kommunikationsform dar, vermittels der die Untertanen ihre Loyalität bezeugen konnten und sich im Gegenzug einer wohlwollenden Haltung ihnen gegenüber versichern konnten. Diese kam darin zum Ausdruck, dass der jeweilige Kaiser, die vorgeschlagenen Ehrungen annahm.
Die Griechen der Stadt Alexandria hatten schon den Bruder des Claudius, Germanicus, bei dessen Besuch im Jahr 18 mit großen Ehren empfangen 5 . Deshalb bezeichnet Claudius die Alexandriner als „von Natur aus fromm gegen die Augusti“ 6 . Mehrmals spricht er auch von seinem Wohlwollen, das er ihnen für die Haltung im Gegenzug bezeigen wolle. Aus diesem Grund nimmt er den überwiegenden Teil der angedachten Ehrungen an. 7 Die Meinung Laqueurs, Claudius gehe mit seiner Antwort sogar über den Vorschlag der Alexandriner hinaus, kann nicht ohne Weiteres von der Hand gewiesen werden. 8 Lediglich die Ernennung eines Oberpriesters und den Bau von Tempeln weist Claudius zurück. Darin sehe ich Claudius Rückkehr zu der Auslegung des Kaiserkultes, wie er vor Caligula bestand, bezeugt. Außer diesem betrieb nach Price kein Kaiser schon zu Lebzeiten seine eigene Vergöttlichung. 9 Doch als eine solche Anmaßung wäre wohl der Bau von Tempeln und die Ernennung eines Oberpriesters von den „Zeitgenossen“ 10 verstanden worden.
Nachdem Claudius auf die Ehrungen eingegangen ist, folgt seine Entscheidung zu den Fragen, die die rechtliche Stellung der Einwohner Alexandrias betreffen. Noch einmal spricht Claudius dieses Problem an, indem er den Juden befiehlt, sich mit dem status
4 Vgl. Bernett, Monika: Der Kaiserkult in Judäa unter den Herodiern und Römern. Untersuchun-
gen zur politischen und religiösen Geschichte Judäas von 30 v. bis 66 n. Chr., Tübingen 1984,
S.286.
5 Vgl. Barrett, Anthony: Caligula. The Corruption of Power, London 1993, S.184.
6 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.20
7 Vgl. Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.25-47
8 Vgl. Laqueur, Richard: Der Brief des Kaisers Claudius an die Alexandriner. In: Klio, 20 (1926),
S.89f.
9 Vgl. Price, S.R.F.: Rituals and Power. The Roman imperial cult in Asia Minor, Cambridge 1984,
S.184.
10 Ein Brief des Kaisers Claudius, Z.49
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Arbeit zitieren:
Simon Köhler, 2011, Der Brief des Claudius an die Alexandriner und die Verfasstheit der dortigen jüdischen Diaspora, München, GRIN Verlag GmbH
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