Studienseminar
für das Lehramt GHRGe Grundschule
Siegburg
schriftliche Staatsexamensarbeit
erstellt im Fach Englisch zum Thema:
Möglichkeiten zur Gestaltung des
Übergangs von der Grundschule in
die weiterführende Schule
im Fach Englisch
vorgelegt
von:
Daniela
Mattes
Bonn im Mai 2007
Denn der Weg ist das Ziel
Konfuzius
Inhaltsverzeichnis
Vorwort und Begründung des Themas
1
1.
Theoretische
Grundlagen
3
1.1
Der
Übergang
3
1.2
Die
Übergangsproblematik
4
1.3
Schwierigkeiten in der Gestaltung des Übergangs
5
1.4
Möglichkeiten zur Gestaltung des Übergangs
8
2.
Die Entstehung eines Kooperationskonzept und seine
Durchführung
12
2.1
Fragebogen an die Sekundarstufe I-Fachkräfte
13
2.2
Auswertung
des
Fragebogens
1
2.3
Informationsveranstaltung Englisch in der Grundschule 15
2.4
Hospitationen der Fachkräfte der Sekundarstufe I
1
2.5
Steckbriefe
der
Lerngruppen
1
2.6
Gemeinsames
Unterrichtsthema
20
3.
Chronik
des
Gesamtkonzepts
2
4.
Reflexion und Evaluation des Gesamtkonzepts
2
5.
Lehrerfunktionen
2
6
6.
Ausblick
2
7
Literaturverzeichnis
3
0
Ein Übergangskonzept im Fach Englisch
1
Vorwort und Begründung des Themas
Bislang galt der Beginn des Fremdsprachenunterrichts als eine Domäne der Sekundarstufe I.
Seit Beginn des Schuljahrs 2003/2004 wird das Fach Englisch in der Grundschule erfolgreich
gelehrt. Folglich kommen seit dem Schuljahr 2005/2006 die ersten Grundschülerinnen und
Grundschüler mit Vorkenntnissen in dieser Sprache in die weiterführenden Schulen, die sich
jedoch dann mit der Situation konfrontiert sehen, ihren bisherigen Anfangsunterricht den
Kenntnissen und Fähigkeiten der Kinder anzupassen und zu verändern. Demzufolge stehen
wir, Fachkräfte der Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I, die von der
Weiterführung des Faches in den aufnehmenden Schulen betroffen sind, vor einem Übergang
und daraus resultierenden notwendigen Veränderungen und Adaptionen. Hierbei entstehende
Hindernisse und Schwierigkeiten gilt es zu überwinden.
Wie gestalten wir diese Situation? Wie bereiten wir die Schüler vor? Mit welchen
Kooperationsmöglichkeiten gestalten wir den Übergang? Wie sichern wir die Kontinuität?
Ziel meiner Arbeit ist die Entwicklung eines Konzepts der Kooperation und effektiven
Gestaltung des Übergangs im Fach Englisch am Beispiel der Gemeinschaftsgrundschule
Stieldorf und den regionalen weiterführenden Schulen. Es liegt in meinem besonderen
Interesse, ein bisher fehlendes Konzept im Fach Englisch zu entwickeln, da sich die
Grundschule zum einen bewusst ist über die Notwendigkeit einer solchen Institution und des
Weiteren ihre Schülerinnen und Schüler optimal auf den Wechsel in die weiterführende
Schule vorbereiten möchte. Zusätzlich ist ein enger Kontakt mit den einziehenden Schulen
auf diesem Themengebiet wünschenswert, um sich in der Vorgehensweise zu bestimmten
Themen (Leistungsbewertung, Übernahme) auszutauschen und gemeinsame Maßnahmen zu
treffen. Das Ziel des gewonnenen Konzepts ist daher, den Kompetenzförderbedarf aller
Schulformen im Bereich Kooperation zu decken und zu erweitern. Zusätzlich soll das
Konzept fortan einen Teil des Schulprogramms ausmachen.
Eine Kooperation mit den regionalen Kindergärten besteht bereits, mit den weiterführenden
Schulen war dies bis jetzt nicht möglich, ist jedoch dringend erforderlich, um nicht nur einen
Übergang in der Schulzeit erfolgreich zu gestalten.
Im Fokus des Konzepts stehen daher die Annäherung der Schulen und die Entwicklung einer
Kooperation. Gelingt es, diese zu verwirklichen, ist es möglich, den Kindern mit Vorwissen
in der englischen Sprache einen Bruch durch den Wechsel von der Grundschule zur
weiterführenden Schule zu ersparen sowie ihnen gleichzeitig eine Kontinuität im
Fremdsprachenlernen zu gewährleisten, die es ihnen möglich macht, den Spracherwerb ohne
Zäsur verfolgen und vertiefen zu können. Speziell im Hinblick auf die kommenden
Veränderungen im Englischunterricht der Grundschule, nämlich der Vorziehung des
Unterrichts in die 1. Klasse, ist es essentiell, dass Grundschulen und weiterführende Schulen
Ein Übergangskonzept im Fach Englisch
2
Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Informationsaustauschs finden und dabei
Konzepte der Übergangsgestaltung entwickeln und nutzen, um sich einander anzunähern.
Genau an diesem Punkt soll die Arbeit anknüpfen. Nach einem theoretischen Einblick, der die
aktuelle Situation des Übergangs und die daraus entstehende Problematik erläutert, werden
die oben bereits angesprochenen Hindernisse und Schwierigkeiten in der Gestaltung des
Übergangs im Detail aufgeführt und Möglichkeiten konkretisiert, die die Weiterführung des
Fachs Englisch von der Grundschule in die weiterführende Schule vereinfachen und
effektiver gestalten können.
Anknüpfend an diese theoretischen Grundlagen wird das erstellte, schulübergreifende
Konzept zur Übergangsgestaltung im Fach Englisch vorgestellt. Hierbei müssen im Vorfeld
die Voraussetzungen für ein solches Konzept und eine erfolgreiche Kooperation sowie die
Vorstellungen der Lehrkräfte der Sekundarstufe I eingeholt und evaluiert werden. Bei den
weiteren Bestandteilen des Konzepts handelt es sich um eine erste Kontaktaufnahme mit den
weiterführenden Schulen, einen Informationsnachmittag, die Etablierung von Hospitationen
an der Grundschule, die Entwicklung eines Steckbriefs zum Informationsaustausch über den
Englischunterricht der Grundschule sowie die Erarbeitung eines gemeinsamen
Unterrichtsthemas zur Sicherung eines gleitenden Übergangs. Eine Grafik soll anknüpfend
den chronologischen Ablauf eines Übergangskonzepts verdeutlichen. Abschließend bieten
eine Reflexion und Evaluation sowie ein Ausblick die Möglichkeit zu einer kritischen
Analyse zur Umsetzbarkeit und zu einer zusammenfassenden Bewertung des entwickelten
Konzepts.
Im Zuge der Entwicklung dieses Konzeptes sind Kompetenzen in den drei folgenden
Lehrerfunktionen im Besonderen involviert:
Beraten; Organisieren und Verwalten;
Evaluieren, Innovieren und Kooperieren.
Eine Ausführung dieser Lehrerfunktionen findet
sich am Ende der Arbeit.
Ein Übergangskonzept im Fach Englisch
3
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Der Übergang
Die Thematik des Übergangs bestimmt sowohl die momentane Diskussion im
Fremdsprachenlernen der Grundschule als auch der weiterführenden Schulen. Schlagwörter
wie The Gap, Bruch, Nahtstelle, Schnittstelle, Weiterführung oder Kontinuum, Scheuklappen,
Mauern und Gräben demonstrieren die unterschiedlichen Sichtweisen und Standpunkte der
Beteiligten.
1
Während des dritten und vierten Schuljahrs erleben in Nordrhein-Westfalen
Grundschülerinnen und Grundschüler bei zwei Englischstunden pro Woche durchschnittlich
120 Unterrichtseinheiten in der Fremdsprache, bevor sie auf die weiterführenden Schulen
wechseln. Diese Kinder bringen Vorerfahrungen und Wissen in den Englischunterricht der
Sekundarstufe mit, welches unter keinen Umständen vernachlässigt werden sollte.
,,Fremdsprachenunterricht in der Grundschule ist anders, aber ebenso hochwertig. Das müssen
die Lehrkräfte aller weiterführenden Schulen einsehen [...]."
2
Um den Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule dementsprechend
erfolgreich zu gestalten, bedarf es eines Übergangsprofils, welches zu Beginn einige
Grundlagen voraussetzen muss. Zum einen müssen der Grundschulfachkräfte über die
Methoden und Anforderungen der weiterführenden Schule informiert sein, zum anderen ist es
jedoch auch nötig, dass die weiterführenden Schulen über die Arbeitsweisen der
Grundschulen und den Wissensstand der aufzunehmenden Kinder in Kenntnis gesetzt sind.
3
An diese Vorerfahrungen, Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder muss dementsprechend in
der weiterführenden Schule angeknüpft werden.
4
Prinzipien, Inhalte, Arbeitsweisen und
Methoden des Unterrichts der Sekundarstufe I bedürfen einer Überholung und Flexibilität,
damit eine kontinuierliche Abstimmung der Unterrichtskonzeptionen zum Tragen kommen
kann und die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler
fortgeführt und vertieft werden können.
5
Die Grundschulen machen es sich zeitgleich zur
Aufgabe, die Kinder optimal auf den bevorstehenden Wechsel in die weiterführende Schule
vorzubereiten.
Schwerpunkte sind dabei:
,,[D]er progressive Ausbau der Erfahrungsfelder, Situationen, Themen und Inhalte; der
Ausbau der mündlichen und der Aufbau der schriftlichen Kompetenzen; die systematische
1
vgl. u.a. Christian Wunsch: Bridging the Gap Überlegungen zum Übergang von der Grundschule in die
Sekundarstufe I (Teil 1). In: Fremdsprachen Frühbeginn, Heft 6/2001, S. 6
2
Jochen Vatter: Fachgruppe Fremdsprachen im BLLV Fremdsprachenlernen in der Grundschule: Ein
Grundsatzartikel. In: Fremdsprachen Frühbeginn, Heft 2/2003, S. 9
3
vgl. Jörg-U. Keßler:
http://groups.uni-paderborn.de/grundschulenglisch/PDF%20Dateien/VortragPLAZ.pdf
4
vgl. Hans-Eberhard Piepho
Bridge the gaps instead of just gaping at them
in Engel:
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/egs/info/uebergang/index.html
5
vgl. Universität Bielefeld:
http://www.zfl.uni-bielefeld.de/studium/primarstufe/englisch/englisch_grundschule.html
Ein Übergangskonzept im Fach Englisch
4
Weiterentwicklung der Sozial- und Arbeitsformen, bzw. Arbeitsweisen; ein flexibler Umgang
mit dem Lehrwerk und die Arbeit mit dem Lehrwerk unabhängigen Materialien und
Methoden; die Förderung von Selbstvertrauen bezogen auf die eigene fremdsprachliche
Leistungsfähigkeit; Lernbedarfsanalysen mit dem Ziel der Diagnose und der Entwicklung
entsprechender Differenzierungsmaßnahmen; behutsamer Umgang mit Fehlern mit dem Ziel
der allmählichen Entwicklung von Geläufigkeit und sprachlicher Korrektheit."
6
Auch die verschiedenen Bundesländer sehen die Wichtigkeit in der Fortführung des
Fremdsprachenunterrichts in der Sekundarstufe I, wenn diese auch unterschiedlich
eingeschätzt wird, und unterstützen die Umsetzung mit Lehrplänen, Handreichungen und
Empfehlungen.
7
Wenn auch im Idealfall die Weiterführung bruchlos verläuft, ist dies jedoch nicht der
Regelfall. Im Folgenden werden die Problematik des Übergangs und die daraus resultierenden
Schwierigkeiten bei der Gestaltung genauer beschrieben.
1.2 Die Übergangsproblematik
,,Der Erfolg des Englischunterrichts ab Klasse 3 hängt also wesentlich davon ab, wie flexibel
die Lehrer/-innen in den Klassen 5 und 6 auf die veränderten Voraussetzungen eingehen
können."
8
Dabei wird die Grundschule oft als Zuliefererbetrieb für die weiterführenden
Schulen gesehen.
9
Vor dem Hintergrund der fehlenden Weiterführung des
Fremdsprachenlernens in den 70er Jahren und der aufkeimenden Forderung nach bruchloser
Kontinuität im Übergang in den 90er Jahren kann diese mangelnde Weiterführung besonders
auf die fehlende Kommunikation zwischen den verschiedenen Schulformen zurückgeführt
werden. Zudem entwickelten sich Probleme beim Übergang aus kommunikations- und
handlungsorientierten Unterrichtsformen der Grundschule in einen oftmals stärker
grammatisch bestimmten Unterricht der Sekundarstufe I.
10
Die Problematik wird auch durch
die folgenden Faktoren unterstützt:
ein fehlendes schulisches Fremdsprachenkontinuum mit aufeinander abgestimmten
Zielen und Inhalten
ein fehlendes fremdsprachendidaktisches Übergangskonzept inklusive diagnostischer
Verfahren
6
Landesinstitut für Schule NRW, S. 13:
http://www.learn-line.nrw.de/angebote/egs/info/uebergang/download/handreichung_eus1.pdf
7
vgl. Lortz, Wiltrud in Ulrich Bliesener; Peter Edelenbos: Früher Fremdsprachenunterricht Begründungen
und Praxis. S. 57
8
Prof. Dr. Peter Kahl; Dr. Ulrike Knebler in Dr. Gundi Grompf; Edeltraut Meyer: Kinder lernen europäische
Sprachen e.V. Jahrbuch 96: Fortschritte auf dem Weg zu einem frühen Fremdsprachenunterricht für alle. S. 108
9
vgl. Vatter:, S. 11
10
vgl. Gisela Schmid-Schönbein: Didaktik: Grundschulenglisch Anglistik Amerikanistik. S. 138-139
Ein Übergangskonzept im Fach Englisch
5
ein fehlendes System des Informationsaustausches über stufenspezifische Ziele,
Inhalte und Methoden des Fremdsprachenunterrichts.
11
Eng verknüpft wird dabei der Ruf nach einem stufenübergreifenden Gesamtkonzept für den
Fremdsprachenunterricht von der Grundschule bis zu den allgemeinen Abschlüssen, welches
es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen soll, ihre begonnene
Fremdsprachenentwicklung bruchlos fortzuführen.
Unterstützend würde hier die entwicklungs- und kognitionspsychologische Sicht der
kindlichen Entwicklung wirken, die besagt, dass Kinder sich zwischen acht und zwölf Jahren
(3. bis 6. Schuljahr) im Übergang von der konkret-operationalen zur formal-operationalen
Phase der geistigen Entwicklung befinden. Dieses komplexe Modell der kindlichen
Entwicklungsstufen, im Gegensatz zu Piagets starrem Entwicklungsmodell, verdeutlicht, dass
Kinder damit während dieses Zeitraums, je nach Thema und Leistungsgebiet, gleichzeitig in
verschiedenen Phasen ihrer kognitiven Entwicklung stehen können, was einem allmählichen
Übergang entsprechen würde. Eine Einteilung in Klasse 1 bis 4 und Klasse 5 bis 13 hebt
diesen Bruch zusätzlich hervor.
12
Im folgenden Kapitel werden die Gründe für die oftmals vorhandene Diskontinuität und die
dadurch entstehende Erschwerung der Übergangsgestaltung genauer erläutert und analysiert.
1.3 Schwierigkeiten in der Gestaltung des Übergangs
,,Now we`ll start again. And this time do it properly."
13
oder ,,Wo nichts gelernt wird, braucht
auch nichts fortgeführt werden."
14
Dies spiegelt die Anschauung vieler Kritiker des
Fremdsprachenunterrichts der Grundschule wider. Auch unter den Lehrkräften der
Sekundarstufe erscheint eine freudige Aufnahme der neuen Situation zu Teilen eher verhalten,
und Skepsis überwiegt. Die Ausgangslage ist lästig, wird als ineffektiv belächelt, das
,,Filetstück" liegt jetzt in der Grundschule, Ergebnisse scheinen unklar oder nicht ausreichend
und die Lehrkräfte sehen sich vor der überfordernden Aufgabe der Weiterführung. Dies mag
bei der geringen Lernzeit der Fremdsprache in der Grundschule einleuchten, bei umgerechnet
ca. 13 Minuten Fremdsprachenarbeit pro Tag, im Vergleich zu 36 Minuten in der
Sekundarstufe. Der Fremdsprachenunterricht stellt sich zudem als zu wenig strukturiert dar,
als dass er ausreichen würde, um an den Anfangsunterricht der Sekundarstufe I
11
vgl. Ursula Behr; Adelheid Kierepka: Der Übergang von Klasse 4 nach Klasse 5 - Abschlussprofile als
Anschlussprofile. In: Grundschulmagazin Englisch, Heft 2/2004, S. 6
12
Burwitz-Melzer; Legutke, S. 4
13
Jürgen Mertens: Der Fremdsprachenunterricht am Wendepunkt. In: Neusprachliche Mitteilungen, Heft
4/2001, S. 195
14
Silke Hano: Begegnung mit Sprache in der Grundschule Analyse, Diskussion und Evaluation des
nordrheinwestfälischen Erlasses vom 13.02.92 und Entwurf eines didaktischen ,,dialogis-Konzeptes" am
Beispiel Englisch. S. 106
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