Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1 Einleitung 1
2 Das Basismodell der komparativen Kostenvorteile 3
2.1 Modellannahmen 3
2.2 Das Einfaktormodell der Volkswirtschaft 4
2.3 Das Einfaktormodell des Welthandels 6
3 Erweiterungen zur Theorie von Ricardo 10
3.1 Überlegungen zum Tauschverhältnis 10
3.2 Auswirkungen des Handels auf die Preise der Produktionsfaktoren 11
3.3 Die Einführung von Transportkosten und nicht-handelbaren Gütern 12
4 Identifikation von komparativen Kostenvorteilen mittels RCA-Analyse 13
5 Kritik am Modell der komparativen Kostenvorteile 16
6 Empirische Relevanz der Theorie 18
7 Fazit 20
Literatur 22
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Transformationskurve Portugals 4
Abbildung 2: Situation nach internationalem Handel 9
Abbildung 3: Produktivität und Exporte 18
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Stückkosten in Arbeitseinheiten 6
Tabelle 2: Opportunitätskosten in beiden Ländern 7
Tabelle 3: Produktion bei Handelsspezialisierung 8
Tabelle 4: Güterverteilung in den Nationen nach Außenhandel 8
Tabelle 5: Ex- und Importe verschiedener Industriewaren sowie Industriewaren insgesamt
in ausgewählten Industrienationen 1994 in Mio. US-Dollar 14
II
Abbildungsverzeichnis
AE Arbeitseinheiten
FuE Forschung und Entwicklung GB Großbritannien L Arbeitsmenge
Importmenge des Landes i in der Warengruppe j PE Produktionseinheiten PF Produktionsfaktor Q T produzierte Menge an Tuch Q W produzierte Menge an Wein RCA Revealed-Comparative-Advantage ToT Terms of Trade USA Vereinigte Staaten von Amerika WTO Welthandelsorganisation
1 Einleitung
In fast allen europäischen Staaten hatte sich im 17. Jahrhundert die Wirtschaftsordnung des Merkantilismus durchgesetzt, dessen Grundgedanke ein absoluter Machtanspruch des Staates über die Bevölkerung und die Ökonomie ist (Treu, 2007). Um diese Macht langfristig zu garantieren, stand die Vergrößerung des staatlichen Reichtums (in Form des Gold- und Silberbe-standes) an erster Stelle der merkantilistischen Wirtschaftspolitik. Dabei sollten diese Ziele vor allem durch eine aktive Handelsbilanz erreicht werden, da nur diese den Wohlstand der Nation sichert (Blaug, 1997). Dafür wurde im merkantilistischen System eine Vielzahl von handelsbezogenen Maßnahmen ergriffen, welche von der Erhebung von Schutzzöllen auf im-portierte Fertigwaren bis hin zu Verboten von Rohstoffexporten gingen. Darüber hinaus wurde der Import von ausländischen Rohstoffen nur mit sehr geringen Einfuhrzöllen belegt (Blaug, 1997; Heineberg, 2006; Smith, 1778). Innerstaatlich hingegen wurden zur merkantilen Zeit eine Vielzahl von Handelshemmnissen wie Binnenzölle oder unterschiedliche Maß-, Münz- und Gewichtssysteme, abgeschafft (Heineberg, 2006). Des Weiteren zielte der Merkantilismus auf eine schnelle Erhöhung der Zahl der Arbeitskräfte ab. Dies sollte zum einen über das natürliche Bevölkerungswachstum erreicht werden, zum anderen aber auch durch Auswanderungsverbote, staatlich geplante Ansiedlungen, die Verlängerung der Arbeitszeiten sowie den Einsatz von Kindern und Frauen im Arbeitsprozess (Blaug, 1997; Treu, 2007). Die Zeit des Merkantilismus ist darüber hinaus von Maßnahmen zur Stärkung der Produktion von gewerblichen Gütern geprägt. Hierzu zählten vor allem die Vergabe von Subventionen und Steuervorteilen für den Aufbau großgewerblicher Betriebe (Manufakturen, Fabriken) oder die Gründung und Gewährung von staatlichen Monopolen (Heineberg, 2006; Treu, 2007). Zur Verbesserung des Bezuges von Rohstoffen und zur Sicherung von neuen Märkten gründeten die merkantilistischen Staaten außerdem Handelskompanien, erschlossen Kolonien und führten Handelskriege (Heineberg, 2006).
Jedoch erwies sich die „merkantilistische Politik der Privilegierung und Monopole […] lang- fristigals Hindernis für die wirtschaftliche Entfaltung. Sie schwächte u. a. den Innovations- geistund die Risikobereitschaft der Unternehmen“ (Heineberg, 2006, S. 104). Hierdurch geriet die wirtschaftspolitische Ordnung des Merkantilismus zunehmend in die Kritik. Diese wurde u. a. vom britischen Nationalökonomen Adam Smith im Rahmen seines 1776 veröf- fentlichtenWerkes „Über den Wohlstand der Nationen: Eine Untersuchung über seine Natur und seine Ursachen“ vorgetragen (Hollander, 1911; Treu, 2007).
Dabei kritisierte Smith vor allem die Existenz von Handelszöllen, welche monopolbildende Wirkung besitzen, sowie die staatliche Förderung von Monopolen (Smith, 1778). Dies hätte die Umverteilung der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit von produktiveren in monopolisierte Sektoren und damit ein Verhindern der Wohlfahrtsmaximierung zur Folge (Treu, 2007). Smith (1778) forderte somit folglich eine Abschaffung sämtlicher Handelshemmnisse und die Einführung des internationalen Freihandels. Dies begründete er mit der von ihm entwickelten Theorie der absoluten Kostenvorteile. Demnach sollten sich die Nationen auf die
Produktion des Gutes spezialisieren, bei denen sie einen absoluten Kostenvorteil 1 besitzen. Über den internationalen Handel werden die Güter dann gegen solche getauscht, bei denen das Land einen absoluten Kostennachteil besitzt. Dadurch würden alle am Handel beteiligten Länder gegenüber dem Autarkiefall profitieren (ebd., 1778).
Allerdings konnte Adam Smith in seiner Arbeit nicht nachweisen, ob der Handel für die beteiligten Nationen auch für den Fall profitabel ist, dass eine Nation bei der Produktion von allen Gütern einen absoluten Kostenvorteil aufweist (MacDonald, 1912). Diese Frage ist der zentra-
le Aufhänger der Theorie der komparativen Kostenvorteile, welche David Ricardo 2 im Rahmen seines Buches „The Principles of Political Economy and Taxation“ entwickelte (Bathelt & Glückler, 2003; Krugman & Obstfeld, 2006; Kulke, 2009; Schätzl, 2003). Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Theorie der komparativen Kostenvorteile nach Ricardo vorzustellen. Dafür werden in den folgenden Abschnitten die der Theorie zugrunde liegenden Annahmen dargelegt, die Modellabläufe beschrieben, einige Modellerweiterungen erörtert, ihre konzeptionellen Schwächen aufgezeigt sowie die empirische Bedeutung diskutiert. Darüber hinaus wird mit der RCA-Analyse (Revealed comparative advantage) nach Balassa eine Möglichkeit dargestellt, die messbaren komparativen Kostenvorteile zu identifizieren.
1 Absolute Kostenvorteile in einem Gut bedeuten, dass ein Land bei der Fertigung des Produktes eine durchge-
hend höhere Arbeitsproduktivität aufweist als jedes andere Land. Am deutlichsten wird der Effekt in der Theorie
nach Adam Smith bei der Betrachtung der Arbeit als einzigen Produktionsfaktor (Ströbele & Wacker, 2000).
2 In der wissenschaftlichen Diskussion existiert noch immer Uneinigkeit darüber, ob die Enddeckung des Prin-
zips der komparativen Kostenvorteile tatsächlich Ricardo zuzuschreiben sei. Einige Wissenschaftler sehen Ro-
bertTorrens mit seinem Artikel „Essay on the Corn Trade“ (1815) als Begründer der Theorie, andere vertreten
den Standpunkt, dass James Mill die Theorie für Ricardo verfasst hätte (Aldrich, 2009; Kemp & Okawa, 2006;
Ruffin, 2002; Seligman & Hollander, 1911). In der vorliegenden Arbeit wird sich zur Illustration der Kernge-
danken des Theorieansatzes auf eine Betrachtung der Arbeit Ricardos beschränkt.
2 Das Basismodell der komparativen Kostenvorteile
Die Grundhypothese der Theorie der komparativen Kostenvorteile lautet, dass sich „ein inter- nationalerGüteraustausch auch dann für zwei Länder lohnt, wenn eines der beiden Länder alle Produkte billiger produzieren kann als das andere Land“ (Baßeler, Heinrich, & Utecht, 2002).
2.1 Modellannahmen
Diese Hypothese und die dahinter stehende Theorie begründen sich dabei auf verschiedene Modellannahmen. Zur Vereinfachung bzw. zur verbesserten Anschaulichkeit beschränkt sich die folgende Betrachtung auf zwei Nationen, im Weiteren als England und Portugal bezeichnet. Darüber hinaus werden in beiden Ländern nur zwei Produkte hergestellt. Im folgenden Kapitel werden diese aus Gründen der Anschaulichkeit Wein und Tuch sein (Kemp & Okawa, 2006; Ricardo, 1837; Schätzl, 2003). Diese Produkte benötigen in ihrem Herstellungsprozess mit der Arbeitsleistung nur einen Produktionsfaktor. Dabei ist die Menge des Inputs an Arbeitsleistung, welche zur Produktion einer Outputeinheit benötigt wird gleichbleibend, d. h. in der Theoriewelt Ricardos wird von konstanten Skalenerträgen ausgegangenen (Deardorff, 2005). Aufgrund der Annahme, dass im Ricardianischen Modell auf allen Märkten vollkommende Konkurrenz herrscht, existiert eine Vollbeschäftigung des Produktionsfaktors Arbeit (Schätzl, 2003). Des Weiteren werden die Arbeiter als einziger Produktionsfaktor als inter-sektoral mobil betrachtet, d. h. sie können je nach Bedarf im Herstellungsprozess der beiden Güter wechseln. Eine interregionale Mobilität der Arbeit ist in der Theorie der komparativen Kostenvorteile hingegen ausgeschlossen (Ruffin, 2002). Darüber hinaus unterstellt Ricardo, dass innerhalb eines Landes alle Haushalte bezüglich ihrer Altersverteilung, Arbeitsqualität und der Fähigkeit beide Güter herzustellen identisch sind (Kemp & Okawa, 2006; Pilz, 2009). Eine weitere Grundannahme der Theorie der komparativen Kostenvorteile betrifft die interregionalen Kosten zur Raumüberwindung. Den wirtschaftsordnungstechnischen Grundsätzen dieser Zeitepoche folgend stellt das Modell darauf ab, das keine Handelshemmnisse in Form von Handelszöllen oder Transportkosten anfallen. Der Handel zwischen den beiden Nationen wird in diesem Theoriekonstrukt nach der Produktion der Güter als Naturaltausch abgewickelt (Schätzl, 2003).
2.2 Das Einfaktormodell der Volkswirtschaft
Zur besseren Anschaulichkeit wird mit Portugal zunächst nur eine der beiden Nationen betrachtet. Gemäß den Annahmen (siehe Kap. 2.1) produziert das Land mit Hilfe des Produkti-onsfaktors Arbeit insgesamt zwei Güter (Wein und Tuch). „Der technologische Stand der Volkswirtschaft […] wird in beiden Branchen anhand des Arbeitskoeffizienten gemessen“ (Krugman & Obstfeld, 2006). Dieser bezeichnet die Menge an Arbeit welche benötigt wird, um eine Einheit des jeweiligen Gutes herzustellen (Blaug, 1997; Maneschi, 2004). In den folgenden Ausführungen werden dabei die Arbeitskoeffizienten zur Herstellung einer Mengen- 3 bezeichnet. einheit Wein als und für die Produktion einer Einheit Tuch als
Da den Annahmen folgend nur ein Produktionsfaktor existiert, entsprechen die Gesamtressourcen der Volkswirtschaft dem gesamten Arbeitsangebot (Krugman & Obstfeld, 2006). Diese Überlegungen spiegeln sich in Abbildung 1 wider. Die im Diagramm dargestellte Gerade kennzeichnet die Transformationskurve, welche alle maximalen Produktionsmöglichkeiten Portugals der beiden Güter Wein und Tuch unter der Annahme einer bestimmten Menge an symbolisiert hierbei die Menge an proverfügbarer Arbeit darstellt (Baßeler u. a., 2002). duziertem Wein und an hergestelltem Tuch.
3 Dabei steht a für den Arbeitskoeffizienten, L für Arbeit (vom englischen Labour), W für Wein und T für Tuch.
Arbeit zitieren:
Sebastian Hammer, 2011, Die Theorie der komparativen Kostenvorteile nach David Ricardo, München, GRIN Verlag GmbH
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