Vorwort
Diese Diplomarbeit anzufertigen hat mich oft sehr viel Kraft und Mühe gekostet. Da ist es notwendig, schön und hilfreich Menschen um sich zu haben die einem immer wieder Kraft, Mut und Hoffnung machen.
Allen vor an bedanke ich mich bei meiner Familie, insbesondere bei meinem Vater und meiner Mutter. Diese beiden haben mir stets beiseite gestanden und mich unterstützt, auch wenn es nur darum ging mir den nötigen Freiraum zu verschaffen. Meiner Mutter danke ich für ihre Lektorentätigkeit, genauso wie Heike und Dominik. Oft erkennt man, aufgrund der vielen zahllosen Stunden die man sich mit dieser Arbeit beschäftigt, die einfachsten Fehler die man begeht nicht mehr.
Bedanken möchte ich mich auch bei all den Personen die mir mit ihrer Freundschaft eine Unterstützung waren. Diese Menschen haben mir immer wieder den Silberstreifen am Horizont gezeigt und mich mit neuem Elan versorgt.
Herrn Professor Dr. Josef K. Fischer danke ich für seine Betreuung und dafür dass er mir in manchen Bereichen mit seinem Wissen auf die Sprünge geholfen hat. Seinem wissenschaftlichem Assistenten Markus Weiß danke ich ebenfalls für die Betreuung, und für so manchen guten Tipp gerade was die Recherchearbeit betrifft. An alle diese Personen sage ich: „DANKE“
2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 3
Abbildungsverzeichnis. 6
Tabellenverzeichnis. 7
Abk ürzungsverzeichnis. 8
Symbolverzeichnis 11
I. Einleitung 12
II. Einführung in die Problematik 13
1. Definition von Innovationsmanagement und FuE 13
2. Innovationsarten 15
2.1 Basis-, Verbesserungs- und Scheininnovationen. 15
2.2 Produkt- und Prozessinnovationen. 16
2.3 Orginäre und passive Innovationen 17
3. Festlegung der betroffenen Unternehmen. 18
4. Definition Mittelstand 21
5. Die Bedeutung für die Wirtschaft 23
5.1 Innovationsfähigkeit Deutschlands 23
5.2 Defizite bei der Finanzierung 25
III. Finanzierungsinstrumente und Beurteilung 28
1. Finanzierungsquellen 28
2. Finanzierungsinstrumente in den Unternehmensphasen 29
3. Merkmale und Beurteilungskriterien 32
3.1 Merkmale der Innovationsfinanzierung 32
3.1.1 Neuartigkeit und hohes Risiko 32
3.1.1.1 Prognose- und Informationsproblem 32
3.1.1.2 Stopp-or-Go-Entscheidung. 33
3.1.1.3 Langer Planungshorizont 34
3.1.2 Person des Innovators 34
3.1.2.1 Souveränität des Innovators aufgrund technischen Know-hows
34
3
3.1.2.2 Managementdefizite 35
3.1.3 Eventualität des opportunistischen Handelns 36
3.1.3.1 Informationsvorsprung und Charakter des Innovators. 36
3.1.3.2 Moral Hazard. 36
3.1.4 Kapitalkosten 37
3.2 Beurteilungskriterien der Innovationsfinanzierung 38
3.2.1 Verfügbarkeit der Finanzierungsquellen 38
3.2.2 Liquiditätssicherung 38
3.2.3 Rentabilitätsziel. 39
3.2.4 Folgewirkung der Finanzierung. 39
3.2.5 Verringerung der Informationsasymmetrie 40
4. Eigenmittel 42
4.1 Finanzierung durch Kapitalfreisetzung aus dem Umsatzprozess 42
4.1.1 Offene Selbstfinanzierung. 42
4.1.2 Stille Selbstfinanzierung. 44
4.2 Finanzierung durch Kapitalfreisetzung außerhalb des Umsatzprozesses
45
4.3 Beurteilung 45
4.3.1 Kriterium 1: Verfügbarkeit 45
4.3.2 Kriterium 2: Liquiditätssicherung 46
4.3.3 Kriterium 3: Rentabilitätsziel. 47
4.3.4 Kriterium 4: Folgewirkung der Finanzierung 47
4.3.5 Kriterium 5: Verringerung der Informationsasymmetrie. 48
5. Bankkredit 49
5.1 Herkunft des Kapitals 49
5.2 Die starke Bedeutung des Bankkredites. 49
5.3 Arten von Krediten 51
5.4 Eigenkapital 53
5.5 Rating 55
5.6 Kreditrationierung und Kreditklemme 57
5.7 Beurteilung 58
5.7.1 Kriterium 1: Verfügbarkeit 58
4
5.7.2 Kriterium 2: Liquiditätssicherung 59
5.7.3 Kriterium 3: Rentabilitätsziel. 59
5.7.4 Kriterium 4: Folgewirkung der Finanzierung. 60
5.7.5 Kriterium 5: Verringerung der Informationsasymmetrie. 61
6. Öffentliche Fördermittel 62
6.1 Fördermittelgeber 62
6.2 Parameter der Bewilligung von Fördermaßnahmen 64
6.3 Arten der Innovationsförderung 65
6.4 Bedeutung der Fördermittel 66
6.5 Beurteilung 69
6.5.1 Kriterium 1: Verfügbarkeit 69
6.5.2 Kriterium 2: Liquiditätssicherung 69
6.5.3 Kriterium 3: Rentabilitätsziel. 70
6.5.4 Kriterium 4: Folgewirkung der Finanzierung. 70
6.5.5 Kriterium 5: Verringerung der Informationsasymmetrie. 71
7. Wagniskapital / Beteiligungskapital 71
7.1 Bedeutung des Wagnis- und Beteiligungskapitals. 71
7.2 Beteiligungskapital auf Bundesebene. 74
7.3 Beteiligungskapital auf Länderebene. 75
7.4 Beurteilung 77
7.4.1 Kriterium 1: Verfügbarkeit 77
7.4.2 Kriterium 2: Liquiditätssicherung 78
7.4.3 Kriterium 3: Rentabilitätsziel. 78
7.4.4 Kriterium 4: Folgewirkung der Finanzierung. 79
7.4.5 Kriterium 5: Verringerung der Informationsasymmetrie. 80
IV. Fazit / Ausblick Ursachen für Unternehmenskrisen 81
Anhang 84
Literaturverzeichnis. 87
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Interne FuE - Aufwendungen, Gesamtbetrachtung
Abbildung 2: Interne FuE - Aufwendungen nach Unternehmensgröße
Abbildung 3: Patentanmeldungen inländischer Herkunft,
Gesamtbetrachtungen
Abbildung 4: KMU - Definition des IfM Bonn
Abbildung 5: KMU - Definition der Europäischen Kommission
Abbildung 6: Innovationsfähigkeit der 17 führenden Industrieländer 2008
Abbildung 7: Innovationsprofil von Deutschland
Abbildung 8: Kredithürde im verarbeitenden Gewerbe nach
Abbildung 9: Anteil der verschiedenen Finanzierungsquellen
Abbildung 10: Innovationsfinanzierungsmöglichkeiten in den
Unternehmensphasen
Abbildung 11: Merkmale und Kriterien zur Beurteilung von
Finanzierungsalternativen
Abbildung 12: Eigenkapital
Abbildung 13: Entwicklung der Eigenkapitalquote von KMU in Prozent
Abbildung 14: Verteilung der geförderten Unternehmen nach KMU-Gruppen.
Abbildung 15: Notwendige Veränderungen der Rahmenbedingungen.
Abbildung 16: Anteil von Wagniskapital zur Finanzierung von Innovationen.
Abbildung 17: Innovationsprozess
Abbildung 18: Basisinnovationen und ihre wichtigsten Bedarfsfelder.
Abbildung 19: Finanzierungsbedingungen für innovative Unternehmen
6
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: FuE Aufwand der Unternehmen nach Herkunft 86
Tabelle 2: Besteuerung der Gewinnthesaurierung. 86
7
Abkürzungsverzeichnis
Abb. = Abbildung
Abs. = Absatz AG = Aktiengesellschaft AktG. = Aktiengesetz
BAND = Business Angels Netzwerk Deutschland e. V. BayBG = Bayerische Beteiligungsgesellschaft (mit beschränkter Haftung) BDI = Bundesverband der Deutschen Industrie BMBF = Bundesministerium für Bildung und Forschung BMWA = Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit BMWi = Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BRD = Bundesrepublik Deutschland
BVK = Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften BWL = Betriebswirtschaftslehre bzgl. = bezüglich bzw. = beziehungsweise
CIP = Competitiveness and Innovation Framework Programme d. h. = das heißt
EFRE = Europäischer Fond für regionale Entwicklung EIP = Entrepreneurship and Innovation Programme etc. = et cetera et. al. = et. alii
DIW = Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DPMA = Deutsches Patent- und Markenamt ERP = European Recovery Programme Est = Einkommenssteuer EstG = Einkommensteuergesetz EU = Europäische Union e. V. = eingetragener Verein evtl. = eventuell FuE = Forschung und Entwicklung
8
GewEst = Gewerbeertragssteuer GmbH = Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbHG = Gesetz betreffend die Gesellschaft mit beschränkter Haftung HGB = Handelsgesetzbuch Hrsg. = Herausgeber i. a. R. = in aller Regel i. d. R. = in der Regel IEE = Intelligente Energie für Europa i. e. S. = im engeren Sinne IfM = Institut für Mittelstandsforschung Ifo = Institut für Wirtschaftsforschung IFRS = International Financial Reporting Standards IHK = Industrie- und Handelskammer IKT = Informations- und Kommunikations-Technologien KfW = Kreditanstalt für Wiederaufbau KG = Kommanditgesellschaft KGaA = Kommanditgesellschaft auf Aktien KMU = kleine und mittelständische Unternehmen Kst = Körperschaftssteuer Lifo = Last in First out lt. = laut max. = maximal Mio. = Millionen Mrd. = Milliarden OHG = Offene Handelsgesellschaft o. J. = ohne Jahresangabe o. O. = ohne Ortsangabe o. V. = ohne Verfasserangabe SolZ = Solidaritätszuschlag u. A. = und Andere u. a. = unter anderem usw. = und so weiter
9
VC = Venture Capital vgl. = vergleiche v. H. v. = vom Hundert von z. B. = zum Beispiel
ZEW = Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung ZIM = Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand
10
Symbolverzeichnis
€ = Euro
% = Prozent
E = Gewerbeertrag vor Abzug der Gewerbesteuer G E = Gewerbeertragsteuer h = Hebesatz der Gemeinde m = Steuermeßzahl
11
I. Einleitung
Im ersten Teil (Punkt II.) der vorliegenden Arbeit soll erläutert werden, was Innovationsmanagement ist und wie bedeutsam Innovationen, Forschung und Entwicklung für die deutsche Wirtschaft sind. In den Ausführungen wird der Fokus auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen gelegt und erörtert, weshalb diese das Rückrat für die deutsche Wirtschaft bilden. Es werden die verschiedenen Innovationsarten herausgearbeitet und dargelegt, wo Potenziale zur Verbesserung bestehen. Es wird sich herausstellen, dass einer der wichtigsten Kriterienpunkte, die einer Bearbeitung bedürfen, die Finanzierung von Innovationen darstellt, da hier ein erhebliches Verbesserungspotenzial im internationalen Vergleich vorherrscht.
Auf der Grundlage des schlechten Rankings im internationalen Vergleich bei der Finanzierung von Innovationen, werden im zweiten Teil (Punkt III.) die Instrumente, die den kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Verfügung stehen um eine Innovation zu finanzieren, dargelegt. Die am meisten präferierten Instrumente der KMU werden vorgestellt und anhand vorher erläuterter Beurteilungskriterien geprüft. Hierbei wird eine Unterscheidung der Betriebe in bereits existierende und neu gegründete, bzw. Existenzgründer, vorgenommen. Anhand der Beurteilungskriterien wird der Einfluss der untersuchten Instrumente auf das jeweilige Unternehmen erörtert. Abschließend werden die gewonnenen Ergebnisse zusammengefasst.
12
II. Einführung in die Problematik
1. Definition von Innovationsmanagement und FuE
„Die größte Gefahr für unser Geschäft ist, dass ein Tüftler irgendetwas erfindet, was die Regeln in unserer Branche vollkommen verändert, genauso, wie Michael und ich es getan haben.“ 1
Mit diesem Zitat wird deutlich, dass Innovationen für jedes Unternehmen lebenswichtig sind, da sie dazu beitragen, dass ein Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Denn Unternehmen, die nichts für ihren Innovationsprozess tun, stagnieren und werden von den Kunden mit Kaufverweigerung bestraft. 2 Somit gelten Innovationen als Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Nur wenn ein Unternehmen eine fortlaufende Optimierung des Innovationsprozesses, ein systematisches Management des Innovationsportfolios und die Schaffung von
innovationsfördernder Kultur und Systemen schafft, wird es erfolgreich sein und über Jahre hinweg einen konstanten Fluss innovativer Produkte und Serviceleistungen generieren. Etwa die Hälfte der 3000 untersuchten Großunternehmen einer weltweiten McKinsey Studie, verlassen sich aber in trügerischer Weise auf die ungebrochene Zugkraft ihrer Produkte, sowie Dienstleistungen und vernachlässigen und unterschätzen den rechtzeitigen Aufbau neuer Geschäftsfelder oder Leistungen. 3 Dies könnte daran liegen, dass Großunternehmen naturgemäß ihre Schwerpunkte in die
Grundlagenforschung und Entwicklung von Basisinnovationen setzen, während KMU den Kern ihrer Innovationstätigkeit in Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Produkt - bzw. Prozessinnovationen haben. 4 Der eigentliche Begriff Innovationsmanagement ist damit aber noch nicht vollständig abgegrenzt. Die Funktion des Managements ist es, Strategien und Ziele zu definieren, Entscheidungen zu treffen, Informationsflüsse zu bestimmen und zu steuern,
1 Bill Gates, Gründer der Microsoft Corporation
2 Vgl. Disselkamp (2005), S. 15.
3 Vgl. Elgau (2000), S. 105 - 107.
4 Vgl. Niederöcker (2002), S. 106.
13
soziale Beziehungen herzustellen und diese auch zu gestalten, sowie auf die Partner dieser sozialen Beziehung einzuwirken und getroffene Entscheidungen zu realisieren. Infolgedessen ist Innovationsmanagement die dispositive Innovationsprozessen. 5 Gestaltung von Ein Diagramm wie ein
Innovationsprozess aussehen kann ist in Abbildung 17 dargestellt. Der Anstoß einer jeden Innovation ist ein Problem und für jedes Problem ist eine spezifische Zielsetzung zu entwickeln, bei der allerdings Sorge getragen werden muss, dass das Innovationsziel mit der Zielsetzung der Unternehmung kompatibel ist. Deshalb sollte auch Zielklarheit bei solchen Projekten oberste Priorität haben. Diese wird auch mit einem Akronym umschrieben: Specific, Measurable, Achievable, Realistic/Relevant, Tangible/Time-bound (SMART). 6 Hiermit soll gewährleistet werden, dass das vorgegebene Ziel genau spezifiziert wurde, der Erfolg messbar ist und dass dieses Ziel erreichbar, realistisch und in einer bestimmten zeitlichen Vorgabe erreicht werden kann. Um ein vorgegebenes Ziel auch über einen längeren Zeitablauf konstant verfolgen zu können, ist eine Strategie unabdingbar. Deshalb wird diese sehr früh im Innovationsprozess festgelegt (vgl. Abb. 17, Punkt 0/2). Als erstes wird eine Ausformulierung einer Forschungs- und Entwicklungsstrategie vorgenommen, die noch das ganze Unternehmen einschließt. Darauf folgt eine operative Strategie und Umsetzung in den jeweiligen Geschäftseinheiten oder Profitcentern. 7 Wie man in Abb. 17 unter Punkt 3 erkennt, sind Forschungs- und Entwicklungsprozesse teil des Innovationsprozesses. Umgekehrt gilt dieser Satz aber nicht. Die Gründe für die Unterschiede hierfür sind: 8
Forschung und Entwicklung beziehen sich auf naturwissenschaftliche Prozesse. Sie beinhalten somit keine administrativen Prozesse, welche von den Innovationen mit eingeschlossen werden.
Forschungs- und Entwicklungsprozesse sind in den meisten Firmen
5 Vgl. Hauschildt / Salomo (2007), S. 32.
6 Vgl. Hauschildt / Salomo (2007), S. 366 - 369.
7 Vgl. Brockhoff (1997), S. 128.
8 Vgl. Hauschildt / Salomo (2007), S. 33.
14
systematisch gegliedert und folgen bestimmten Konzepten, gerade im Hinblick auf die räumliche und zeitliche Komponente. Es sind planbare und vielfach wiederholbare Vorgänge bzw. Abläufe. Dieser „starre“ Rahmen gilt nicht zwangsläufig für das Innovationsmanagement. Bei diesem müssen auch Prozesse beherrschbar gemacht werden, die keine schematische Gliederung aufweisen.
Vor allem im Hinblick auf die oben genannte vielfache Wiederholbarkeit der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit lässt sich bei diesen Prozessen eine Institutionalisierung und Organisierung zur besseren Spezialisierung und Koordination dieser Vorgänge vornehmen. Beim Innovationsmanagement gibt es aber auch Prozesse, die einmalig und unwiederholbar sind und bei denen eine Spezialisierung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist und somit keine formale Institutionalisierung wirtschaftlich wäre.
Infolgedessen ist die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit eine Teilmenge der Innovationsaktivität eines Unternehmens. 9 Da die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit eine Disziplin des Innovationsprozesses ist, wird sie in der vorliegenden Arbeit mit aufgenommen. Der strengen Unterscheidung, dass sich Forschung und Entwicklung nur auf die naturwissenschaftliche Ordnung beruft, wird hier nicht gefolgt. Wie weiter oben bereits angedeutet, werden nun die verschiedenen Innovationsarten näher kategorisiert.
2. Innovationsarten
2.1 Basis-, Verbesserungs- und Scheininnovation
Der Begriff Innovation bedeutet die Erzeugung und Umsetzung von Neuerungen (vom lateinischen novare - „erneuern“, „verändern“). In der Regel spricht man von einer Innovation, wenn sich eine Erfindung oder Invention (vom lateinischen invenire - „entdecken“, „erfinden“) am Markt durchgesetzt und damit wirtschaftlichen Erfolg hat. Es gibt verschiedene Innovationsarten, die einer genaueren Erläuterung bedürfen.
9 Vgl. Hübner (2002), S. 142 - 145.
15
Der Wirtschaftswissenschaftler Schumpeter sorgte dafür, dass der Begriff Innovation in die Geisteswissenschaften, und damit auch in die BWL, Einzug hielt. Er stellte zwei Charakteristika auf, die eine Innovation erfüllen muss: 10 Herstellung eines neuen Gutes oder einer neuen Qualität eines Gutes Einführung einer neuen Produktionsmethode Zunächst muss man zwischen der Basis-, Verbesserungs- und Scheininnovation unterscheiden.
Bestimmte Zeitepochen werden von einer Technik dominiert und tragen oft deren Namen. Als Beispiele wären hier das Zeitalter der Windmühlen, der Dampfmaschinen oder der Mikroelektronik zu nennen. Diese Zeitalter werden in der Geschichte immer durch einen Innovationsschub ausgelöst. Diese Innovationsschübe werden als Basisinnovationen bezeichnet und wurden in Zyklen in einem graphischen Zeitablauf von Kondratjew dargestellt (vgl. Abb. 18). Die aus einer Basisinnovation weiterentwickelten Neuheiten werden als Verbesserungsinnovation charakterisiert. Innovationen, die lediglich rein kosmetischer Natur sind, werden als Scheininnovationen bezeichnet, da sie keinen wesentlichen Neuheitsgrad mehr aufweisen.
Basisinnovationen entstehen gegen Ende einer wirtschaftlichen Depression und leiten über zu einer Phase der Erholung und Prosperität, in der Verbesserungsinnovationen dominieren. Diese sind das erste Anzeichen einer Rezession. In der Phase der Rezession sind lediglich nur noch Scheininnovationen von „bedeutendem“ Ausmaß. Sie leiten die Wirtschaft über in eine Depression, an die sich dann wieder Basisinnovationen anschließen und der Kreislauf von vorne beginnt.
2.2 Produkt- und Prozessinnovation
Wird eine Investition für die Fertigungsvorbereitung, die Markterschließung, die Produktion und für das Marketing getätigt, und kann damit die Einführung eines neuen Produktes auf dem Markt bzw. ein neues Verfahren eingesetzt werden, spricht man von Produktinnovation oder einer Prozessinnovation. 11 Somit
10 Vgl. Schumpeter (1964), S. 100 f.
11 Vgl. Brockhoff (1997), S. 28.
16
müssen Innovationen gewährleisten, dass sie entweder den Kundennutzen
erhöhen oder einen gegebenen Nutzen zu niedrigeren Kosten bereitstellen. 12 Bei den Prozessinnovationen ist die Steigerung der Effizienz das Ziel. Dies kann durch neuartige Faktorkombinationen geschehen, die es ermöglichen ein Gut kostengünstiger, qualitativ hochwertiger, sicherer oder schneller zu produzieren. Das Ziel der Produktinnovation ist das Bewirken von Effektivität. 13 Somit handelt es sich hierbei um neue oder merklich verbesserte Produkte bzw. Dienstleistungen, die vom jeweiligen Betrieb am Markt angeboten werden. Produktinnovationen können für den Benutzer auch noch mit einem Effizienzgewinn einhergehen.
Im Normalfall ist davon auszugehen, dass Produktinnovationen für den Markt gemacht sind und an diesem auch platziert werden, während Prozessinnovationen ein unternehmensspezifisches Instrument sind, um die betrieblichen Abläufe zu optimieren.
2.3 Originäre und passive Innovationen
Originäre Innovationen sind neue, merklich verbesserte Produkte und Prozesse, die in den Handel eingeführt werden. Auch Produktionsprozesse, die als Marktneuheiten gelten, werden als originäre Innovationen bezeichnet. 14 Folglich können alle Innovationen, die neu für den Markt bzw. die Welt sind, zu den originären Innovationen gezählt werden.
Als passive Innovationen bezeichnet die KfW - Studie Innovationen, die neu für das Unternehmen sind, jedoch bereits von anderen Unternehmen im Markt angeboten werden, wie z. B. der Erwerb neuer, innovativer Maschinen oder die Imitation von Produktinnovationen anderer Betriebe. In der vorliegenden Arbeit wird immer von einer Verbesserungsinnovation bei einem Produkt ausgegangen, die originär ist. Der Grund hierfür ist, dass KMU traditionell Verbesserungsinnovationen tätigen (vgl. Punkt 2.) und mit Produktinnovationen erfolgreicher sind als mit Prozessinnovationen. 15 Die
12 Vgl. Simon (2007) S. 190.
13 Vgl. Hauschildt / Salomo (2007), S. 9.
14 Vgl. KfW - Mittelstandspanel (2007), S. 42.
15 Vgl. Aschhoff / et al. (2008), S. 12.
17
passive Innovation wird nicht behandelt, da sie für den betreffenden Betrieb zwar eine Neuerung darstellt, jedoch der Aspekt beachtet werden muss, dass ein anderes Unternehmen eine gleiche bzw. ähnliche Produkt- bzw. Prozessinnovation bereits am Markt anbietet, weshalb es sich hierbei nicht um einen wirklichen Fortschritt handelt.
3. Festlegung der betroffenen Unternehmen
Kleine und mittlere Unternehmen spielen für die deutsche Wirtschaft eine wichtige Rolle und gelten als stützende Säulen. 2007 gab es in Deutschland 3.140.509 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen von denen 3.130.242 KMU waren, was einem Anteil an der deutschen Wirtschaft von 99,7 % entspricht. Der Umsatz der umsatzsteuerpflichtigen Betriebe lag 2007 bei 5.148 Mrd. € wobei auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Umsatz von 1.932 Mrd. € entfiel, was 37,5 % gleichkommt. Nicht nur bei den vorhandenen Betrieben sind die KMU Spitzenreiter in der deutschen Wirtschaft, sondern auch als Arbeitgeber nahmen sie die Führungsrolle ein. Von allen Beschäftigten 2007 16 entfielen auf die Gesamtwirtschaft 29,60 Mio. Arbeitnehmer, wovon 20,90 Mio. bei KMU angestellt waren, und damit 70,6 % entspricht. 17 Obwohl die Daten aus dem Jahr 2007 stammen, wird davon ausgegangen, dass sich an der aktuellen Verteilung nicht viel geändert hat, da das Verhältnis zwischen KMU und Großunternehmen im Zeitverlauf relativ konstant ist. 18 Die absoluten Zahlen haben sich mit Sicherheit, aufgrund der Finanz- und Weltwirtschaftskrise geändert, liegen aber noch nicht vor. Sie tragen wesentlich zur Entstehung von Arbeitsplätzen bei und stärken mit ihrer Innovationstätigkeit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Um diese Innovationstätigkeit messen zu können, werden zwei Faktoren festgelegt. Zum einen sollen die F & E Ausgaben den Inputfaktor messen, zum anderen soll die Anzahl der Patente den Outputfaktor ermitteln.
16 inklusive Auszubildende und tätige Inhaber
17 Vgl. IfM (o. J. a), S. 1.
18 Vgl. IfM (o. J. b), S. 1.
18
Diese Indikatoren werden auch in der Literatur als Bezugsgrößen für die
Ermittlung der Innovationskraft einer Unternehmung herangezogen. 19 In Deutschland wurden 2006 5.798 Mio. € für interne FuE bei den KMU ausgegeben, während bei Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten die internen Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei 41.148 Mio. € lagen. Im Zeitverlauf von 2003 bis 2006 sind die gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung bei den Unternehmen gestiegen (vgl. Abb. 1). Vor allem die hohe Steigerungsrate der FuE Ausgaben zwischen 2005 und 2006 ist bemerkenswert. Sie ist auf die konjunkturelle Erholung in diesen beiden Jahren zurückzuführen. 20
Abb. 1: Interne FuE - Aufwendungen, Gesamtbetrachtung
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (2009), S. 13.
Die Ausgaben der KMU im Zeitverlauf von 2003 bis 2006 haben sich zwar leicht erhöht, liegen aber noch weit hinter den Ausgaben der Großunternehmen (vgl. Abb. 2).
19 Vgl. Simon (2007), S. 190.
20 Vgl. Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (2009), S. 13 - 15.
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Philipp Hasch, 2009, Möglichkeiten der Innovationsfinanzierung bei mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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