Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Die didaktische Methode: Rollenspiel
2.1 Definition des Begriffs „Rolle“ 2
2.2 Definition des Begriffs „Rollenspiel“ 2
3. Das Rollenspiel im Politikunterricht
3.1 Das Verständnis der Methode in der fachdidaktischen Literatur 4
3.2 Gefahren und Chancen des Rollenspiels im Politikunterricht 6
4. Reflexion der Lernmöglichkeiten anhand eines konkreten Beispiels 11
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 15
1. Einleitung
„Die Handlungsorientierung im Politikunterricht ist ein Fortschritt in der Varianz der Unterrichtsmethoden.“ 1 Eine dieser Methoden ist das Rollenspiel, wobei es keineswegs als spezifische Methode für den Politikunterricht verstanden werden soll. Das Rollenspiel ist in unterschiedlichen Fächern und in unterschiedlichen Klassenstufen und Schulformen einsetzbar. In dieser Ausarbeitung soll der Fokus allerdings auf die kritische Betrachtung des Rollenspiels im Politikunterricht gelegt werden.
Die Handlungsorientierung im Politikunterricht und somit auch das Rollenspiel, als eine Methode dessen, stehen in der Diskussion. Kritiker befürchten beispielsweise, dass der Wissenserwerb gegenüber den Methoden und zeitaufwändigen Unterrichtsschritten vernachlässigt wird. 2 Befürworter beschreiben die Prinzipien des sozialen Lernens und das Prinzip der Handlungsorientierung „[…] als variantenreiche und fruchtbare Konzepte der Gestaltung des Politikunterrichts […], die den konkreten Unterricht beleben, die Subjektrolle der Schülerin und des Schülers stärken, Verantwortungsbewusstsein für das eigene Tun wecken und Engagement vorbereiten können.“ 3
Auf Grund dieser widersprüchlichen Meinungen, soll sich diese Arbeit mit dem Nutzen eines handlungsorientierten Politikunterrichts beschäftigen. Konkret wird die kritische Betrachtung an der Methode des Rollenspiels vorgenommen, da dieses die vermutlich bekannteste Methode ist, mit der „Lehrerinnen und Lehrer wahrscheinlich die meisten Erfahrungen haben […]“. 4
Durch die Definition der Methode des Rollenspiels und der Begriffe „Rolle“ und „Rollenspiel“ wird diese Hausarbeit eingeleitet. Anschließend werden die Chancen, Risiken und Grenzen des Rollenspiels im Politikunterricht betrachtet und analysiert. Im Folgenden werden die gewonnenen Erkenntnisse anhand eines konkreten Fallbeispiels konkretisiert und reflektiert. Abschließend wird im Rahmen einer Schlussbetrachtung ein Fazit gezogen.
1 Jöckel, Peter (2005): Für ein pragmatisches Verständnis von Handlungsorientierung im Politikunterricht. In: sowi-online e.V., Bielefeld, URL: http://www.sowi-online.de/methoden/dokumente/handlungsorientierung_joeckel.html (18.07.2011).
2 Vgl. Jöckel, Peter (2005).
3 Jöckel, Peter (2005).
4 Massing, Peter (1995): Das Rollenspiel im Politikunterricht. Teil 1. In: Methodik zu WOCHENSCHAU-Themenheft, 1995, Nr. 2, URL: http://www.wochenschau-verlag.de/downloads/Rollenspiel_1.pdf, S. 1, (18.07.2011).
1
2. Die didaktische Methode: Rollenspiel
2.1 Definition des Begriffs „Rolle“
„Ursprünglich wurde eine Rolle im Theater von Schauspielern vorgetragen. Der Schauspieler verkörpert die Rolle, die er vorträgt, dabei vertauscht er die eigene Realität mit der Realität der gespielten Rolle.“ 5 Doch nicht nur im Theater wird mit Rollen gearbeitet. „Jeder Mensch erwirbt während seiner Sozialisation ein bestimmtes Repertoire von Verhaltensmustern […]“ 6 , wodurch der sozial Handelnde in der Lage ist, verschiedene Rollen aufzugreifen, auszufüllen und gegebenenfalls zu wechseln. 7 Der Mensch übernimmt demzufolge kontextabhängige Rollen, man könnte sagen, dass er während seines gesamten Lebens Theater spielt. 8 Dabei muss die Wahl der Rolle keineswegs bewusst geschehen, im Gegenteil, die meisten sozialen Rollen „spielt“ der Mensch unbewusst, ohne diese zu reflektieren. Häufig existieren mehrere Rollen parallel zueinander. So ist ein einziger Mensch beispielsweise zugleich Vater, Bruder, Ehemann, Angestellter und Freund. An jede einzelne dieser Rollen ist in Bezug auf das Verhaltensmuster des Handelnden eine bestimmte Erwartung geknüpft. 9 „Der Begriff soziale Rolle bezeichnet nun genau diese Erwartungen an das Verhalten und Handeln von Individuen, die bestimmte soziale Positionen innehaben.“ 10 Auf Grund der sozialen Rollen ist es klar, wie ein Jeder sich in seiner Rolle zu verhalten hat, wobei ein gewisser Ermessensspielraum der Position immer gegeben ist. 11 Auf diese Weise entstehen sogenannte Rollenmuster, die es den Menschen erleichtern, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. Rollenspiele ermöglichen es den Schülern, sich dieser Rollen bewusst zu werden und sie spielerisch zu erfahren. Auf diese Weise können die Schüler sich in die verschiedensten Situationen hineinversetzen, unterschiedliche Rollen, Verhaltensweisen und Meinungen erproben. Der folgende Abschnitt dieser Ausarbeitung wird dementsprechend definieren, was die Methode des Rollenspiels ausmacht und wie sie funktioniert.
2.2 Definition des Begriffs „Rollenspiel“
Der Begriff „Rollenspiel“ setzt sich aus den Wörtern „Rolle“ und „Spiel“ zusammen, die zusammengefasste Bedeutung dieser beiden Einzelbegriffe beschreibt daher bis zu einem gewissen Grad den Sinngehalt des Rollenspiels. Die in dem vorigen Kapitel erarbeitete
5 Broich, Josef (1994): Rollenspiele mit Erwachsenen, 5. Auflage. Köln: Maternus Verlag, S.113.
6 Broich, Josef (1994), S. 113.
7 Vgl. Broich, Josef (1994), S. 113.
8 Vgl. Petrik, Andreas (2007): Rollenspiel. In: Reinhardt, Sibylle/ Richter, Dagmar (Hg): Politikmethodik. Handbuch für die Sekundarstufe 1 und 2, S. 116.
9 Vgl. Broich, Josef (1994), S. 113.
10 Massing, Peter (1995), S. 1.
11 Vgl. Massing, Peter (1995), S. 1. 2
Aussage oder Bedeutung einer sozialen Rolle kann zusammengefasst werden, als „[…] die Stellung eines Individuums im Gesellschaftsgefüge […]“ 12 .
Das Spiel wird allgemeingebräuchlich häufig als eine Tätigkeit definiert, die ausschließlich zum eigenen Vergnügen ausgeübt wird und keinem äußeren Zweck dient. 13 Aus soziologischer Sicht betrachtet, hat das Spiel allerdings sehr wohl eine wichtige Aufgabe. So beschreibt George Herbert Mead es als eine „[…] der Voraussetzungen unter denen sich ein Selbst entwickelt. […] Spiel und Regelspiel sind Voraussetzungen für die Integration des Kindes in die Gesellschaft.“ 14 Laut Mead bildet das Kind durch den Spiel-Prozess seine eigene Persönlichkeit aus, erlernt, dass es in der Gesellschaft „Spielregeln“ gibt, an die es sich halten muss, und akzeptiert bestenfalls die umfassende Moral der Gesellschaft. Es lernt, die im vorigen Kapitel beschriebenen parallel vorhandenen Rollen, die das Individuum gleichzeitig ausübt, simultan zu übernehmen und zu koordinieren. 15 „Das Spiel des Kindes ist somit Voraussetzung für die Fähigkeit zur Rollenübernahme und zur Entwicklung des Selbst-Bewusstseins.“ 16
Mit diesem Hintergrundwissen lässt sich die „[…] motivationale Wirkung der Methode […]“ 17 des Rollenspiels erklären. „Das Rollenspiel ist ein im erheblichen Maße handlungsorientiertes Spielverfahren […]“ 18 , das an den natürlichen Spieltrieb von Kindern anschließt. „Im Rollenspiel wird ein Stück Wirklichkeit simuliert, indem sich der einzelne Spieler in seinem Handeln an einer mehr oder weniger präzis definierten sozialen Rolle orientiert.“ 19 Auf diese Art kann das Verhalten in verschiedenen sozialen Situationen geprobt und reflektiert werden. 20 „Es handelt sich dabei um eine Art Vorbereitung auf die Wirklichkeit in einem „So-tun-als-ob“ oder um den Versuch, sich in die Rolle anderer hineinzuversetzen.“ 21 Das spielerische Erleben der Als-ob-Situation ist demzufolge als Grundvoraussetzung aller unterschiedlichen Rollenspielverfahren anzusehen, wobei die Spielerfahrung die Voraussetzung einer Rollendistanz für den Rollenhandelnden schafft. Mit
12 Meyers Lexikonredaktion (2001): Meyers großes Taschenlexikon: Preu-Riy, Band 18.Mannheim, Wien, Zürich: B. I. Taschenbuchverlag, S. 282.
13 Vgl. Anonymer Autor: Definition der Spiele. URL: http://www.definition-of.net/definition-der-spiele, (19.08.20111).
14 Runkel, Gunter (2005): Allgemeine Soziologie. Gesellschaftstheorie, Sozialstruktur und Semantik, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, S. 62.
15 Vgl. Runkel, Gunter (2005), S. 62.
16 Runkel, Gunter (2005), S. 63.
17 Petrik, Andreas (2007), S. 116.
18 Broich, Josef (1994), S. 11.
19 Massing, Peter (1995), S. 1.
20 Vgl. Hoffmann, Bärbel/ Langefeld, Ulrich (1998): Methoden-Mix. Unterrichtliche Methoden zur Vermittlung beruflicher Handlungskompetenz in kaufmännischen Fächern, 3. Auflage. Darmstadt: Winklers Verlag. Gebrüder Grimm, S. 117.
21 Hoffmann, Bärbel/ Langefeld, Ulrich (1998), S. 117. 3
Arbeit zitieren:
Sarah Bastemeyer, 2011, Rollenspiel im Politikunterricht – eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag GmbH
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