Der Chatroom als Raum der Möglichkeiten?
INHALT
1. EINFÜHRUNG 3
2. BEDEUTUNG DES SELBSTKONZEPTES 8
2.1 DEFINITIONEN DES SELBSTKONZEPTES 9
2.2 ZUM BEGRIFF DER IDENTITÄT 11
3. SELBSTDARSTELLUNG IM REALEN LEBEN 13
3.1 ZUM BEGRIFF DER SELBSTDARSTELLUNG 13
3.2 IMPRESSION MANAGEMENT 15
3.3 AUSGEWÄHLTE THEORIEN DER SELBSTKONZEPTFORSCHUNG 17
3.3.1 THEORIE DER SYMBOLISCHEN SELBSTERGÄNZUNG 17
3.3.2 SELBST-DISKREPANZ-THEORIE 19
4. SELBSTDARSTELLUNG IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN 20
4.1 CHARAKTERISTIK AUSGEWÄHLTER UMGEBUNGEN 21
4.1.1 WEB-CHAT 21
4.1.2 3D-WELT „SECOND LIFE“ 22
4.2 MÖGLICHKEITEN DER SELBSTDARSTELLUNG IN VIRTUELLEN
UMGEBUNGEN 24
4.2.1 NICKNAME UND AVATAR ALS IDENTIFIZIERUNGSREQUISITE 24
4.2.2 SIMULATION UND IMAGINATION IM WEB-CHAT 27
4.2.3 IMPRESSION MANAGEMENT IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN 30
4.2.4 SYMBOLISCHE SELBSTERGÄNZUNG UND SELBSTDISKREPANZEN
IN VIRTUELLEN UMGEBUNGEN 34
4.2.5 IDEALISIERTE SELBSTDARSTELLUNG 38
5. AUSBLICK 41
6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 46
7. LITERATURVERZEICHNIS 47
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1. EINFÜHRUNG
Was ist das Besondere an der Selbstdarstellung einer Person und welche Einflüsse können verschiedene Umgebungen auf diese Selbstdarstellung haben? Was ist die Selbstdarstellung überhaupt? Das Praxisprojekt „Selbstkonzept & Studienrelevante soft Skills - Entwicklungeiner interaktiven Assessment Center Umgebung“ gab den Anstoß zur vorliegenden Arbeit. Das Ziel des Praxisprojektes war es, einen Prototypen für ein virtuelles Assessment Center zu entwickeln, in dem es möglich sein soll, bestimmte Sozialkompetenzen der Besucher zu untersuchen und diese gegebenenfalls zu bewerten. Als virtuelle Umgebung diente die dreidimensionale online Welt „Second Life“.
Während der Entwicklung des Prototypen stellten sich unterschiedliche Fragen, hinsichtlich der Bewertung der dargestellten
Sozialkompetenzen. Denn wie authentisch lassen sich die Sozialkompetenzen in einer solchen Umgebung wirklich messen? Was beobachtet man eigentlich? Schließlich können für eine solche Beobachtung wichtige Indikatoren, wie Körpersprache, Gestik und Mimik
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nicht beobachtet werden. Lediglich die textuelle beziehungsweise verbale Kommunikation mittels des Voice-Chats lassen sich hier beobachten und bewerten.
Diese Tatsache stellte die Studenten vor die Frage, wie realitätsnah ihre Beobachtungen in der virtuellen Umgebung überhaupt werden können beziehungsweise, ob sich die Beobachtungen, die sie machen, überhaupt auf den Menschen vor dem Computer, der am virtuellen Assessment Center teilnimmt, übertragen lassen. Dieser Fragestellung möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit widmen, indem ich mich mit der Selbstdarstellung einer Person im realen Leben und der in virtuellen Umgebungen beschäftige und zu erklären versuche, ob und inwiefern und vor allem warum sich diese voneinander unterscheiden können.
2. BEDEUTUNG DES SELBSTKONZEPTES
Um klären zu können, was genau die Selbstdarstellung eines Menschen ist und wie sie sich entwickelt, ganz gleich in welcher Umgebung, ist zunächst die Begrifflichkeit des Selbstkonzeptes eines Menschen zu erläutern. Denn eine Auffassung von sich selbst zu haben und sich dem eigenen individuellen Selbst bewusst zu sein, ist eine logische Voraussetzung für die Darstellung des eigenen Selbst gegenüber anderen Menschen.
Das Selbstkonzept stellt ein eigenes Forschungsgebiet in der Psychologie dar, die Selbstkonzeptforschung (z.B. Mummendey, 1995; Higgins, 1987; Wicklund, 1985). Im Folgenden Kapitel sollen
verschiedene Erklärungsansätze erläutert werden, was unter dem Selbstkonzept eines Menschen zu verstehen ist. An dieser Stelle muss herausgestellt werden, dass verschiedene Ansätze und
Bedeutungszusammenhänge für die Erläuterung des Selbstkonzeptes eines Menschen vorliegen. Eine einheitliche, übergreifende Darstellung des Selbstkonzeptes ist bislang nicht beschrieben worden, so dass ich
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zwei verschiedene Ansätze erläutern und mich im Anschluss auf einen Ansatz als Grundlage für diese Arbeit konzentrieren möchte.
2.1 DEFINITIONEN DES SELBSTKONZEPTES
Hans Dieter Mummendey (1995) beschreibt in seinem Buch Psychologie der Selbstdarstellung das Selbstkonzept als die Gesamtheit der auf die eigene Person bezogenen Beurteilungen, mit mehr oder weniger überdauernden Eigenschaften, die man der eigenen Person zuschreibe. Er beschreibt das Selbstkonzept also als eine subjektive Sicht eines Individuums, in der sich eine Person selbst Eigenschaften und Merkmale zuschreibe und sich somit als bestimmte Person auffasse. Hier wird das Selbstkonzept nicht als homogene Struktur (Mummendey, 1995) aufgefasst, sondern vor allem als eine Struktur, die aus Teilkonzepten bestehe und welche je nach bestimmter Situation aktiviert würden, um spezifische Selbstbilder der eigenen Person zu produzieren (Mummendey, 1995). Staudinger (2000) schließt sich dieser Auffassung an und schreibt hierzu, dass verschiedene Situationen oder auch die innere Verfasstheit einer Person jeweils verschiedene Teile dieser dynamischen Struktur des Selbstkonzeptes aktivierten und sie in den Vordergrund rückten.
Werner Greve (2000) beschreibt das Selbstkonzept als eine geordnete Wissensstruktur, die eine Person von sich selbst habe. Die einzelnen Wissensbausteine dieser Wissensstruktur ließen sich nach Greve (2000) nach drei Dimensionen ordnen. Die erste Dimension sei hier die zeitliche Perspektive, das hieße dass zum Selbstkonzept eines Menschen mehr gehöre, als das aktuelle Selbst. Greve (2000) schließt in diese zeitliche Perspektive das Selbst ein, das eine Person in der Vergangenheit verkörpert hat, das, was sie aktuell verkörpert und das, was sie in der Zukunft noch verkörpern wird. Die zweite Dimension sei bei Greve die Unterscheidung zwischen realem und möglichem Selbst. Es gebe für jede Facette des Selbst denkbare Alternativen (Greve, 2000). Der potentielle Umfang des
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möglichen Selbst sei demnach wesentlich größer als der des realen Selbst.
Ausgehend von der zweiten Dimension leitet Greve die dritte Dimension ab, in der der beschreibenden Ebene immer eine evaluierende gegenüberstehe, die die gesammelten Inhalte einer Person bewerte. Dies bedeute im Einzelnen, dass man zum einen die biografischen Aspekte seines Selbstbildes und zum anderen die wahrgenommene Unterscheidung zwischen dem realen und dem möglichen Selbst evaluiere. Somit bedauere man einige Facetten des eigenen Selbst wohingegen man mit anderen wiederum zufrieden sei. Diese drei Dimensionen beschreiben nach Greve (2000) das Selbstkonzept einer Person mit der Entstehung eines Selbstbildes und auch dessen eventuelle Veränderung, je nach Bewertung durch die evaluierende Ebene. Das Ergebnis der Evaluierung sei folglich ein Konzept, das ein Mensch von sich selbst habe, wie er sich auch im Hinblick auf vergangene oder zukünftige Entwicklungen sehe. Diese Auffassung stellt das Selbstkonzept als ein ausdifferenziertes System dar. Die Taxonomie erweitert also die Vorstellung, das Selbstkonzept bestünde aus selbst zugeschriebenen Eigenschaften und Merkmalen, um die beschriebenen drei Dimensionen. Die Erweiterung besteht vor allem in der zeitlich überdauernden Evaluation der
Eigenschaften und Merkmale, die eine Person hatte, hat oder haben kann.
Mit der zweiten Dimension, der Unterscheidung zwischen realem und möglichem Selbst, spricht Greve einen ganz zentralen Aspekt in der Selbstkonzeptforschung an. Nämlich, dass im Selbstkonzept einer Person auch Wünsche integriert werden können und dass eine Person folglich Selbstentwürfe entwickelt, wie sie sein könnte (Bayer/ Gollwitzer, 2000).
Diese Integration von Wünschen und Möglichem deutet auf ein bekanntes Modell der Selbstkonzeptforschung hin. Nämlich auf die Differenzierung zwischen dem, was man ist, dem, was man gerne sein möchte, und dem, was man glaubt, dass es andere von einem erwarten.
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Arbeit zitieren:
Christina Meyer, 2008, Der Chatroom als Raum der Möglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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