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Inhalt
1. Einleitung 1
2. Forschungsstand 2
3. Roms Aufstieg zur Weltmacht und dessen Auswirkungen auf die
gesellschaftlichen Grundlagen der Republik und die Bundesgenossen 4
3.1 Die innere Entwicklung einer Weltmacht 4
3.1.1 Rückwirkungen auf Herrschafts- und Wirtschaftsstrukturen 4
3.1.2 Die Heereskrise und ihre Folgen für die Kleinbauern 6
3.2 Die römischen Bundesgenossen 8
3.3 Die Agrarkrise 10
4. Tiberius Gracchus und die Agrarreform 10
4.1 Das Ackergesetz 10
4.1.1 Ziele und Vorgehen 10
4.1.2 Der Widerstand und das Scheitern der Reformbewegung S.12
4.2 Die Rolle der Bundesgenossen in der Reform des Tiberius Gracchus S.15
5. Gaius Gracchus und die Weiterführung der Reformen S.18
5.1 Die Gesetzgebung des Volktribuns Gaius Gracchus S.18
5.1.1 Die politische Strategie S.18
5.1.2 Neue Wege bei der Landverteilung S.20
5.2 Die Rechtstellung der Bundesgenossen und das Ende von Gaius Gracchus S.22
6. Schlussbetrachtung S.24
7. Literaturverzeichnis S 27
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1. Einleitung
Der römische Stadtstaat war lange Zeit einer unter vielen Staaten in Italien und entwickelte sich erst nach einer Vielzahl von Kriegen und strategisch wichtigen Entscheidungen zur absoluten Vormacht auf der italienischen Halbinsel, um nur wenig später den gesamten Mittelmeerraum zu dominieren. Doch wäre dieser Weg nicht ohne die latinischen, italienischen und griechischen Volksgruppen, den Bundesgenossen Roms, möglich gewesen. Nachdem Etrusker, Latiner, Samniten und die übrigen Staaten Italiens bezwungen waren, wurden diese zu wertvollen Verbündeten, die zwar ihre innenpolitische Autonomie behielten, aber ihre außenpolitische Souveränität aufgeben mussten. 1 Dies bedeute nichts anderes als Rom außenpolitisch beizustehen, sich der römischen Außenpolitik zu fügen und dem römischen Staat Truppen für dessen Expansionspolitik bereit zu stellen. Damit entstand eine enorme Abhängigkeit und Verbundenheit zwischen dem Hegemonialstaat und dem übrigen Italien, wodurch es Rom erst möglich wurde zu einer Weltmacht aufzusteigen. Allerdings war dieses Gemeinwesen noch längst keine zusammengeschmolzene Einheit, was sich während des Zweiten Punischen Krieges am Beispiel Capuas zeigte.
Demnach war es nicht nur Rom selbst, sondern auch das außerrömische Italien, das eine nicht zu unterschätzende Größe in der Entwicklung der römischen Republik darstellte. Ohne die Unterstützung der Bundesgenossen, sowohl militärischer als auch wirtschaftlicher Art, wäre ein Aufstieg Roms zu einem Imperium nur schwer möglich gewesen. Diese Art Gemeinschaft, gewachsen über mehrere Jahrhunderte hinweg, war von einer Vielzahl von Wechselbeziehungen geprägt, die allmählich eine ganz Italien umfassende, römische Gesellschaft entstehen ließen.
Allerdings war diese Entwicklung keinem natürlichen Prozess zu verdanken. Viel mehr begründet sich der Wandel der Beziehungen zwischen Rom und seinen Bundesgenossen im ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr. in einer innenpolitischen Krise, die nicht nur die römische Republik, sondern ganz Italien erfasste und letztlich im Bundesgenossenkrieg zwischen 91 und 89 v. Chr. mündete.
Das Thema dieser Arbeit wird es sein, zu untersuchen welche Rolle den Gracchen und deren Reformversuchen in diesem Teil der römischen Geschichte zugeordnet werden kann. Welchen Einfluss hatte die Zeit der Gracchen auf die vorweg beschriebene Entwicklung der
1 Bis 272 v. Chr. war es Rom gelungen sowohl Mittelitalien als auch ganz Unteritalien unter seine Herrschaft zu
stellen, die in mehreren Kriegen (Latinerkrieg, Samnitenkriege, Kelten- und Etruskerkriege, Tarentinischer und
Pyrrhischer Krieg) zwischen 343 bis 272 v. Chr. erkämpft werden musste.
Vgl. Kinder, H./ Hilgemann, W.: dtv-Atlas Weltgeschichte: Von den Anfängen bis zur Französischen
Revolution, Band 1 38 , München 2005, S. 77-79.
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Beziehungen zwischen Rom und seinen Bundesgenossen? Wie kann man die Wirkung der gracchischen Reformen auf die Zukunft der römischen Republik einschätzen? Und inwieweit werden die römischen Bundesgenossen in den Zielen und Plänen des Tiberius und Gaius Gracchus berücksichtigt? Diesen Fragen soll in der folgenden Untersuchung auf den Grund gegangen werden.
2. Forschungsstand
Während es eine Fülle an Übersichtswerken oder Gesamtdarstellungen der römischen Republik namhafter Autoren, wie Klaus Bringmann 2 , Jochen Bleicken 3 oder Karl Christ 4 , gibt, hält sich die Zahl an detaillierten Einzeldarstellungen, die bestimmte Aspekte oder Abschnitte der römischen Geschichte näher betrachten, in Grenzen. So verhält es sich auch mit der Zeit der späten römischen Republik, insbesondere den Reformen der Gracchen. Zum aktuellen Forschungsstand tragen die Veröffentlichungen von Jürgen von Ungern-Sternberg, Bernhard Linke 5 und Herbert Heftner 6 aus den Jahren 2005 und 2006 bei, die einen umfassenden Überblick über die Zeit der gracchischen Reformen wiedergeben. Aber auch die Auseinandersetzung mit den Gracchen in den bereits angesprochenen Gesamtdarstellungen liefern einen, wenn auch kürzer ausfallenden, Einblick in die Thematik. Besonders sind hier Klaus Bringmann und Karl Christ hervorzuheben, die sich in ihren Werken über die römische Republik dem Thema stellen.
Auch die Veröffentlichungen älteren Zeitraums, wie die von Josef Göhler 7 und Theodor Mommsen 8 , bieten immer noch grundlegend wichtig Ansätze und gehören auch heute noch zum aktuellen Forschungsstand. Josef Göhler widmet sich in seinem Buch voll und ganz der römischen Bundesgenossenpolitik, wobei die Reformpläne der Gracchen und deren Auswirkungen besonders ausführlich behandelt werden.
Übersichtswerke die sich allgemein der römischen Geschichte im Ganzen zuwenden, bieten ähnlich, wie die Gesamtdarstellungen der römischen Republik, einen kurzen aber guten Einblick in die Zeit der Gracchen und der Problematik der römischen Bundesgenossen. Besonders hervorzuheben ist hierbei Alfred Heuss. 9
2 Vgl. Bringmann, K.: Geschichte der römischen Republik: Von den Anfängen bis Augustus, München 2002.
3 Vgl. Bleicken, J.: Geschichte der römischen Republik, München 2004 6 .
4 Vgl. Christ, K.: Krise und Untergang der römischen Republik, Darmstadt 2000 3 .
5 Vgl. Linke, B.: Die römische Republik von den Gracchen bis Sulla, Darmstadt 2005.
6 Vgl. Heftner, H.: Von den Gracchen bis Sulla: Die römische Republik am Scheideweg, Regensburg 2006.
7 Vgl. Göhler, J.: Rom und Italien: Die römische Bundesgenossenpolitik von den Anfängen bis zum
Bundesgenossenkrieg, Aalen 1974 2 .
8 Vgl. Mommsen, T.: Römische Geschichte: Die Revolution, Buch 4 5 , München 1993.
9 Vgl. Heuss, A.: Römische Geschichte, hrsg. v. Bleicken, J./ Dahlheim, W./ Gehrke, H.-J., Paderborn u. a.
2003 9 .
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3. Roms Aufstieg zur Weltmacht und dessen Auswirkungen auf die
gesellschaftlichen Grundlagen der Republik und die Bundesgenossen
3.1 Die innere Entwicklung einer Weltmacht
Nach dem Sieg über Karthago im Zweiten Punischen Krieg, der Unterwerfung der hellenistischen Großmächte und der Bezwingung des Seleukidenreiches im Osten fiel sowohl das westliche als auch das östliche Mittelmeer unter römische Kontrolle. 10 Rom war nun zu einer Weltmacht aufgestiegen. Doch hatte die Ausweitung der römischen Herrschaft über die gesamte Mittelmeerwelt und die damit einhergehenden Herausforderungen an die Republik im zweiten Jahrhundert v. Chr. letztlich eine innerstaatliche Krise zur Folge, die sich in allen Lebensbereiche der damaligen Gesellschaft bemerkbar machte. In Folge dessen kam es zu weit reichenden Veränderungen in den bis dato gefestigten politischen, militärischen, wirtschaftlichen aber auch kulturellen Strukturen der römischen Republik 11 , wie sich im folgenden zeigen wird.
3.1.1 Rückwirkungen auf Herrschafts- und Wirtschaftsstrukturen
Aufgrund der Expansionspolitik Roms und den damit verbundenen militärischen Auseinandersetzungen gelangte die römische Gesellschaft mehrfach in Kontakt mit anderen Kultur- und Religionskreisen, die große Auswirkungen auf die inneren Verhältnisse in der römischen Republik hatten. Vor allem der griechische Einfluss hat das Leben der Römer in dieser Zeit nachhaltig geprägt, obwohl dieser bereits schon zu Gründungszeiten Roms eine wichtige Rolle gespielt hatte. Die erneute Begegnung mit der griechischen Welt fand zunächst durch den Krieg mit Tarent in Süditalien, 282 bis 272 v. Chr., statt. Ein weitaus intensiverer Kontakt mit den hellenistischen Staaten kam durch die drei Makedonischen Kriege zwischen 215 und 168 v. Chr. zustande. Am gravierendsten wirkte sich der griechische Einfluss auf die Wirtschaft Roms aus. Durch die Übernahme von Münzgeld als Zahlungsmittel bzw. Wertgegenstand gelangten große Mengen an Edelmetallen in Umlauf. 12 Rom begann bereits während des Zweiten Punischen Krieges Münzen nach griechischem Vorbild zu prägen und
10 Zwischen 191 und 188 v. Chr. war es gelungen das Seleukidenreich endgültig zu bezwingen. In Folge des
Dritten Makedonischen Krieges zwischen 171 bis 168 v. Chr. wurde Makedonien in vier einzelne an Rom
gebundene Gebiete aufgeteilt, womit letztlich ganz Griechenland unter römische Oberherrschaft fiel.
Nach einem Aufstand in Makedonien wurden die vier Teilgebiete 148 v. Chr. zur römischen Provinz
Macedonia zusammengelegt. Karthago, das bereits nach dem Zweiten Punischen Krieg zwischen 218 und 201
v. Chr. die Kontrolle über das westliche Mittelmeer verloren hatte, wurde während des Dritten Punischen
Krieges zwischen 149 bis 146 v. Chr. vollständig zerstört. Vgl. Christ, K., S. 49-54.
11 Vgl. Bringmann, K., S. 155-158.
12 Vgl. ebd., S. 158-171.
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reformierte durch die Einführung des Denars das eigene Münzwesen. Nachdem sich das neue Währungssystem bewährt hatte, wurde das römische Münzgeld zur Leitwährung des Mittelmeerraumes und blieb als solches bis weit in die Kaiserzeit hinein erhalten. 13 Doch gelangte nicht nur durch die Geldwirtschaft sondern auch durch die Eroberungszüge und die stetige Expansion des Reiches immer mehr Vermögen in Form von Profiten, nämlich der Kriegsbeute, wie Luxusgüter, Edelmetalle oder sogar Sklaven, nach Rom. Der enorme Zufluss von Vermögenswerten bzw. das stetige Anwachsen der zur Verfügung stehenden Geldmenge hatte schwerwiegende Folgen für das römische Wirtschaftsleben, aber auch für die herrschaftlichen Strukturen der Republik.
Die erfolgreichen Feldherren der Expansionskriege kamen fast ausschließlich aus den Reihen der Nobilität, sodass deren Anhänger einen enormen Prestige- und Machtzuwachs verbuchen konnten. Darüber hinaus sicherten sie sich einen großen Teil der Kriegsbeute, womit eine beträchtliche Zunahme des Privatvermögens einherging. Um diesen Wohlstand abzusichern, wurde das neue Kapital in Landbesitz investiert. Hierbei erhielt die Oberschicht Felder von verkaufswilligen Bauern oder bediente sich am ager publicus 14 , dem öffentlichen Land, das vor allem in Süditalien in großen Flächen vorzufinden war. Da durch die lex Claudia 15 den Senatoren ohnehin nur der Besitz von Ländereien erlaubt war, wurde diese Investitionsmöglichkeit vielfach genutzt. 16 So wurden die Senatoren laut Jochen Bleicken zu Großgrundbesitzern die eine Vielzahl von Ländereien in Italien verwalteten. Dem widerspricht allerdings Bernhard Linke, der nach neuesten Forschungserkenntnissen in den Senatoren eher Grundbesitzer mit mittelgroßen Ländereien, so genannte villae, sieht. Ob nun Großgrundbesitzer oder nicht, in beiden Fällen zeigt sich, dass die römische Oberschicht im ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr. einen immensen Landbesitz anhäufte, den sie mit Hilfe von Sklaven aus den Feldzügen bewirtschaftete. Obwohl die Kleinbauern bis etwa 177 v. Chr. weitestgehend durch die Koloniegründungen, vor allem in Norditalien, angesiedelt wurden, bedeutete der Zukauf von Land durch die Nobilität ein großes Problem
13 Vgl. Linke, B., S. 11-12.
14 Nach dem Zweiten Punischen Krieg wurde eine Vielzahl von römischen Bürgern in neuen oder bereits
vorhandenen Kolonien angesiedelt. Sowohl im Süden als auch im Norden Italiens entstanden mehrere neue
Siedlungen, wobei die nördlichen Kolonien zur Absicherung der Grenze zu den gallischen Stämmen dienten.
Neben der einfachen Bevölkerung bekamen vor allem die Veteranen des vorweg gegangen Krieges gegen
Karthago Land zugeteilt. 177 v. Chr. wurde die vorerst letzte Kolonie, Luna, gegründet. Ob damit die
Kolonisation einfach nur eingestellt (Linke) oder ob die gesamte Bevölkerung bis dahin mit Land versorgt
wurde (Bringmann), kann nicht ganz nachvollzogen werden. Die verbliebenen Territorien blieben
öffentliches, dem ganzen Staat gehörendes Land, das jeder römische Bürger gegen die Zahlung einer
Pachtgebühr bewirtschaften konnte. Vgl. Linke, B., S. 10; Bringmann, K., S. 195-198.
15 Die lex Claudia de nave senatorum von 218 v. Chr. war ein Gesetz, das den Senatoren den Besitz von
Schiffsraum über ein mittleres Fassungsvermögen untersagte. Die Schiffskapazitäten sollten gerade groß
genug sein, um den Transport der eigenen Erträge sicher zu stellen. Damit wurden die Senatoren von allen
Handelsgeschäften ausgeschlossen, sodass sie eine Schicht der Agrarier blieben. Vgl. Heuss, A., S. 80-82.
16 Vgl. Bleicken, J., S. 57-60.
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für die zukünftige Versorgung von Bauern und Veteranen, da sowohl freie Siedlungsflächen als auch Arbeitsplätze auf den Feldern der größeren Grundbesitzer durch die Verwendung von Sklaven fehlten. 17 Doch dazu später mehr.
Neben den Senatoren existierte zudem eine weitere wohlhabende Schicht, der Ritterstand, dem es anders als den Anhängern der Nobilität weiterhin gestattet war Handels- und Geldgeschäfte, also die Geschäfte die die Senatoren nicht ausführen durften, zu betreiben. Aufgrund ihrer Tätigkeit als Bankiers, Großhändler und Kaufleute oder Reeder und Staatspächter gelangten die Ritter innerhalb kürzester Zeit zu großem Reichtum, der ihnen wiederum großen Einfluss innerhalb des Staates verschaffte. Zusammengeschlossen zu großen Gesellschaften, um genügend Kapitalkraft aufzubringen, übernahmen sie fortan Staatsaufträge und waren für die Steuereintreibung in den Provinzen zuständig. Im Gegensatz zu den Senatoren hatten die Ritter keinerlei Leistungen gegenüber der öffentlichen Ordnung zu erbringen. Sie konnten sich voll und ganz den eigenen Interessen widmen, die in der Regel nicht mit staatlichen Angelegenheiten verknüpft waren. 18 Auch der einfache Bürger bekam die Auswirkungen der römischen Expansion zu spüren. Obwohl der Großteil der römischen Bevölkerung aktiv am politischen Leben teilnehmen und sich in Wahlen, Abstimmungen und Volksversammlungen aktiv betätigen konnte, blieb dennoch die Masse der Römer aufgrund der unüberwindbaren Entfernungen innerhalb des expandierenden Staatsgebietes von politischen Entscheidungen ausgeschlossen. 19 Während noch die politische Benachteiligung vom einfachen Bürger hingenommen wurde, stieß die schlechter werdende Situation der Kleinbauern zusehends auf eine breite Unzufriedenheit. Ausschlaggebend hierfür war nicht nur der Investitionsdrang der Oberschicht, sondern auch die langen Kriege und die damit verbundenen Probleme der Heeresverfassung.
3.1.2 Die Heereskrise und ihre Folgen für die Kleinbauern
Das traditionelle römische Heereswesen beruhte auf einem Milizsystem, bei dem im Kriegsfall Soldaten aus der Grund besitzenden Bevölkerung für die Dauer eines Feldzuges rekrutiert wurden. Während die Männer ihren Kriegsdienst ableisteten, kümmerten sich die Frauen und die kriegsuntauglichen Männer, also die Jugendlichen und Alten, um die Bewirtschaftung der Höfe. Solange die Feldzüge Saison bedingt blieben und die Soldaten
17 Die Oberschicht ließ ihre Länder durch Kleinpächter bewirtschaften und setzte als Arbeitskräfte Tagelöhner
und Sklaven ein. Nach dem Zweiten Punischen Krieg gelangte eine große Zahl an Sklaven in die römische
Republik, in der ein florierender Sklavenhandel existierte. Vgl. Bleicken, J., S. 60-61.
18 Vgl. Bellen, H.: Grundzüge der römischen Geschichte, Darmstadt 1995 2 , S. 86-89.
19 Vgl. Bleicken, J., S. 60.
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innerhalb kurzer Zeit zurückkehrten, funktionierte das alt bewährte System und der Arbeitsaufwand für die Familien war weites gehend erträglich. Dies änderte sich jedoch durch die langwierigen Expansionskriege im zweiten Jahrhundert v. Chr. schlagartig. Mit zunehmender Kriegsdauer und schnell aufeinander folgenden Feldzügen verlängerte sich auch der Wehrdienst, der in immer weiter entfernten Kriegsgebieten geleistet werden musste. Daher war es den Soldaten nicht mehr möglich rechtzeitig zu den alljährlichen Ernten in die Heimat zurückzukehren, um die Familie bei der harten Arbeit zu unterstützen. In Folge dessen stießen immer größere Teile der römischen Bevölkerung an ihr Existenzminimum, da sie durch die verringerte Produktivität des eigenen Hofes kaum noch für den eigenen Unterhalt sorgen konnten. 20 Vor allem die Feldzüge auf der Iberischen Halbinsel zwischen 180 und 133 v. Chr. führten zu einem erhöhten Bedarf an römischen Truppen, die dauerhaft in Spanien präsent waren und nach und nach verstärkt werden mussten. 21 Die Zahl der verarmten Bauern, die ihre Höfe in Folge des langen Wehrdienstes aufgeben mussten, nahm stetig zu. Neben der langen Abwesenheit waren aber auch die hohen Verluste in den spanischen Feldzügen für die schlechte Situation der Kleinbauern und für einen massiven Bevölkerungsrückgang verantwortlich. Die Einstellung der römischen Siedlungspolitik tat dabei ihr übriges. So konnten die wieder kehrenden Soldaten nicht nur ihre eigenen Ländereien nicht mehr halten, sie konnten auch nicht auf die Gegenleistung für ihren Kriegsdienst, die Versorgung mit Land, bauen. 22
Durch die sich hieraus ergebene Verarmung einer breiten Bevölkerungsschicht und durch den angesprochenen Bevölkerungsschwund sah sich der römische Staat mit einem weiteren Problem konfrontiert. Für die Zukunft waren nicht mehr genügend Wehrfähige für die römische Expansionspolitik vorhanden. 23 Damit hatte die von Rom errungene Weltmachstellung und die damit verbundenen militärischen Verpflichtungen, wie die dauerhafte Stationierung und Aufstockung der Truppen, nicht nur die Kleinbauern besonders schwer getroffen, sondern auch Roms militärische Handlungsfähig massiv eingeschränkt. Die Republik hatte sich in ihren territorialen Ausmaßen überdehnt und war bereits jetzt an ihre Grenzen gestoßen.
20 Vgl. Heftner, H., S. 32-35.
21 In Spanien forderte die Aufstandsbewegung der Lusitaner seit 154 v. Chr. von den Römern ein hohes
Aufgebot an Truppen. Die Auseinandersetzung sollte fast 20 Jahre andauern und schließlich erst mit der
Einnahme der Hauptstadt der Widerstandsbewegung Numantia, 133 v. Chr., beendet werden. Doch nicht nur
die Lusitaner im Westen, sondern auch die Keltiberer im Norden Spaniens brachten den Römern hohe
Verluste ein. Die endgültige Befriedung Spaniens sollte den Römern erst unter Augustus gelingen.
Vgl. Bringmann, K., S. 196-199.
22 Vgl. Heftner, H., S. 34-35.
23 Vgl. Bellen, H., S. 87-90.
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