Der Einfluss epistemischer Gemeinschaften und das Verbot von
Streumunition
-Eine neue Erfolgsgeschichte einer epistemischen Gemeinschaft?-
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
A. Einleitung 1
B. Epistemische Gemeinschaften 2
I. Grundzüge des Ansatzes epistemischer Gemeinschaften 2
1. Definition 2
2. Prämissen des Ansatzes 2
3. Entstehung internationaler Kooperation aus Sicht des Ansatzes 3
4. Formen des Einflusses epistemischer Gemeinschaften 3
II. Anwendungsbeispiele des Ansatzes 4
1. Nukleare Abrüstung 4
2. Umweltschutz 4
III. Kritik am Ansatz epistemischer Gemeinschaften 5
C. Die Cluster Munition Coalition - eine epistemische
Gemeinschaft ? 6
I. Entstehung der Konvention zum Verbot von Streumunition 6
II. Charakteristika der Cluster Munition Coalition 8
III. Einfluss epistemischer Gemeinschaften 9
D. Fazit und kritische Würdigung: Bedeutung des Konzept
epistemischer Gemeinschaften zur Erklärung internationaler
Kooperation 10
Literaturverzeichnis i
A. Einleitung
Seit jeher ist es ein Anliegen der verschiedenen Theorieschulen der Internationalen Beziehungen, die sich fortwährend entwickelten, durch zunehmende Dichte gekennzeichnete zwischenstaatliche Kooperation zu erklären. Haas kritisierte jedoch, dass die Versuche der Erklärung der Entstehung und Entwicklung internationaler Regime, d. h. internationalisierter, internationaler, politikfeldspezifischer Zusammenarbeit, 1 bisher ihren Erklärungsansprüchen nicht genügten. 2
Erkenntnis leitendes Interesse des Ansatzes epistemischer Gemeinschaften ist daher die Erklärung der Ursachen von internationaler Kooperation, wobei Haas sich zur Entstehung und dem Wandel von Politiken der Betrachtung einer neuen Variable der Präskription internationaler Kooperation bedient: Der Kategorie des Wissens. Hierbei ist es keineswegs erklärter Anspruch des Ansatzes, eine allumfassende Theorie zu entwickeln, sondern vielmehr „to specify a set of constrained conditions under which order is possible, based on the creation of collective meaning.” 3 Im Fokus ist daher vielmehr die Entstehung von „Wissen“ zu einem spezifischen Sachverhalt in einem immer komplexer werdenden Umfeld, in dem Entscheidungsträger zunehmend von Unsicherheiten geplagt werden. 4
Der Ansatz steht außerhalb der klassischen Theorieschulen, wenngleich diese aus der Motivation der Erhöhung des Erklärungsgehalts einbezogen werden. Synergien in den Theorien und die Betrachtung von politischen Lern- und Entscheidungsprozessen unter Berücksichtigung staatlicher Interessen sollen hierbei eine Grundlage für ein Forschungsprogramm legen, welches neue Erkenntnisse über die Entstehung internationaler Kooperation liefern soll. 5
Die Convention on Cluster Munitions 6 statuiert ein Exempel im Bereich internationaler Kooperation: Eine zunächst nur zahlenmäßig kleine Initiative führte zur Kodifikation eines weit reichenden Verbots von Streumunition. Der Vergleich zur nuklearen Abrüstungsbewegung liegt sehr nahe: In beiden Fällen kam die Initiativen zu Rüstungskontrolle und Abrüstung nicht primär aus Staaten, sondern vielmehr aus einer kleinen
1 Vgl. Meyers, in: Woyke 2007; 488.
2 Haas 1992; 1.
3 Adler/Haas 1992; 368.
4 Vgl. etwa Aho/Levinsen 1988; 8.
5 Adler/Haas 1992; 368.
6 Convention on Cluster Munitions v. 3./4. Dezember 2008, im Folgenden Cluster-Konvention“ oder „die Konvention“.
Gruppe, die ihren Einfluss ausweitete und ihr Thema auf die Ebene internationaler Verhandlungen brachte. Im Falle des Verbots von Streumunition kann man im Gegensatz zur nuklearen Abrüstung sogar von noch bahnbrechenderen Erfolgen sprechen: Ein neues, noch erfolgreiches Beispiel des Einflusses von Wissen auf internationale Kooperation?
Zur Klärung dieser Frage soll zunächst der Ansatz epistemischer Gemeinschaften und ihr potentieller Einfluss im Prozess zur Verabschiedung der Konvention in Grundzügen dargestellt werden, um daraufhin zu untersuchen, inwieweit der Ansatz epistemischer Gemeinschaften einen Beitrag zur analytischen Erfassung des Prozesses liefern kann.
B. Epistemische Gemeinschaften
I. Grundzüge des Ansatzes epistemischer Gemeinschaften
1. Definition
Haas definiert epistemische Gemeinschaften als Netzwerke von Fachleuten mit anerkanntem Expertenwissen und Kompetenz in einem bestimmten Problemfeld. 7 Dabei spezifiziert er im Gegensatz zu früheren Definitionsversuchen 8 eine epistemische Gemeinschaft als „thought collective“ und soziologische Gruppe mit einem „common style of thinking“. Im Verständnis von Haas fungieren epistemische Gemeinschaften als Träger von Wissen, die durch seine Bereitstellung die Interessenkonstellation politischer Akteure zu verändern vermögen. 9
2. Prämissen des Ansatzes
Der Ansatz epistemischer Gemeinschaften beruht auf der Prämisse, Realität würde sozial konstruiert. Ein Wissenskonsens einer Gruppe mit einer anerkannten Expertise ermöglicht eine Annäherung an diese Realität.
Im Verständnis des Ansatzes sind grundlegende Charakteristika einer epistemischen Gemeinschaft (1) gemeinsame normative Ansichten, (2) gemeinsame kausale Ansichten, (3) gemeinsame Ansichten der Überprüfbarkeit von Wissen sowie (4) ein gemein-
7 Haas 1992; 3.
8 Holzner/Marx 1979; 108.
9 Haas 1992; 3.
2
Arbeit zitieren:
Christina Schröder, 2009, Der Einfluss epistemischer Gemeinschaften und das Verbot von Streumunition, München, GRIN Verlag GmbH
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