INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Vorgangsweise 1
2. Allgemeiner Teil 2
2.1 Volkswirtschaftliche Bedeutung 2
2.2 Die Situation der österreichischen Weinwirtschaft 3
2.2.1 Struktur 3
2.2.2 Probleme 5
2.2.2.1 Absatz 6
2.2.2.2 Struktur 7
2.2.2.3 Marketing 8
2.2.2.4 Inflexibilität 9
2.3 Distributionspolitik 9
2.4 Vermarktungsformen 10
2.4.1 Traubenverkauf 11
2.4.2 Fassweinverkauf 11
2.4.3 Flaschenwein 12
2.4.4 Buschenschank 12
2.5 Vertriebswege für österreichischen Wein 13
2.5.1 Winzergenossenschaften 15
2.5.1.1 Marktposition 16
2.5.1.2 Qualitätsprobleme 17
2.5.1.3 Produktionsorientierung 17
2.5.2 Weinhändler 18
2.5.3 Lebensmitteleinzelhandel 19
2.5.3.1 Wein aus unternehmenseigenen Kellereien 19
2.5.3.2 Andere Weine. 20
2.5.4 Fachhandel 20
2.5.5 Export 21
2.5.6 Gastronomie 22
2.5.7 Direktvermarktung 22
2.5.7.1 Buschenschank 23
II
2.5.7.2 Ab-Hof-Verkauf 23
2.5.7.3 Zustellung/Versand 25
2.6 Marketingaktivitäten 26
2.6.1 Österreichische Weinmarketing Service GmbH. 27
2.6.2 Districtus Austria Controllatus 29
2.6.3 Gruppenmarketing. 31
2.6.4 Veranstaltungen. 33
2.6.5 Einzelbetriebliche Maßnahmen 33
2.6.5.1 Messen und Ausstellungen 34
2.6.5.2 Betriebsprospekte 34
2.6.5.3 Briefe an Kunden 35
2.6.5.4 Mundpropaganda. 35
2.6.5.5 Bewertungen 35
2.6.5.6 Internet 35
2.6.5.7 Public Relations 36
2.6.5.8 Klassische Werbung 36
3. Spezieller Teil 37
3.1 Voraussetzungen für und Vor- und Nachteile von Vertriebswegen 38
3.1.1 Genossenschaften 38
3.1.2 Handel 39
3.1.2.1 Trauben und Fasswein. 39
3.1.2.2 Flaschenwein 39
3.1.3 Export 40
3.1.4 Gastronomie 41
3.1.5 Direktvermarktung 41
3.1.5.1 Ab-Hof-Verkauf 43
3.1.5.2 Zustellung/Versand 44
3.1.5.3 Buschenschank 45
3.2 Entscheidungskriterien 45
3.2.1 Standort 46
3.2.2 Betriebsgröße 47
3.2.3 Ertrag 48
3.2.4 Erwerbsart 49
3.2.5 Persönliche Voraussetzungen 49
III
3.2.5.1 Qualifikation 50
3.2.5.2 Alter. 50
3.2.5.3 Persönliche Eigenschaften 50
3.2.6 Positionierung 51
3.2.7 Sortiment 53
3.2.8 Bekanntheitsgrad 53
3.2.8.1 Bekanntheit des Ortes 53
3.2.8.2 Bekanntheit des Weinbaubetriebes 53
3.2.9 Preis 54
3.3 Erfolgsfaktoren 56
3.3.1 Differenzierung 56
3.3.2 Standort 57
3.3.3 Produktaufmachung 57
3.3.4 Flexibilität 58
3.3.5 Sortiment 58
3.3.6 Verkaufsförderung 59
3.3.7 Kooperationen 60
3.3.8 Vorteile für den Kunden. 60
4. Lebensmittelhandel 62
4.1 Allgemeines. 62
4.1.1 Kontakte 63
4.1.2 Handelsfunktionen 64
4.2 Voraussetzungen 65
4.2.1 Qualität 65
4.2.2 Menge 66
4.2.3 Produktaufmachung 67
4.3 Konditionen 67
4.3.1 Handelsspanne. 68
4.3.2 Listungs- und Werbekostenzuschüsse. 68
4.3.3 Anlieferung 70
4.4 Verkaufsförderung 71
4.4.1 Sonderplatzierungen 71
4.4.2 Aktionen und Postwurfsendungen 72
4.5 Preissegmente 73
IV
4.6 Wechselwirkungen. 73
5. Zusammenfassung. 75
Literaturverzeichnis. 77
Abbildungsverzeichnis 81
1. EINLEITUNG
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Distribution von österreichischem Wein. Sie soll die vorhandenen Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen und analysieren, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, und welche Kriterien beachtet werden sollen, wenn bestimmte Vertriebswege gewählt werden. So soll den Entscheidungsträgern in den Betrieben eine Hilfestellung bei strategischen Weichenstellungen zur Erstellung oder Veränderung des Vertriebssystems gegeben werden, um eine optimale Versorgung der Endkonsumenten mit den gewünschten Produkten sicherzustellen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg.
1.1 PROBLEMSTELLUNG
Die großen Unterschiede in der Rentabilität von Weinbaubetrieben scheinen teilweise mit den in diesen Betrieben vorherrschenden Vermarktungsformen zusammenzuhängen. In dieser Arbeit sollen Kriterien herausgearbeitet werden, die bei strategischen Entscheidungen über die Vertriebswege zu berücksichtigen sind. Die Vor- und Nachteile der wichtigsten Vertriebswege sollen gefunden werden, um die Entscheidungen zu erleichtern. Es soll geklärt werden, welche Distributionskanäle für bestimmte Weinbaubetriebe in Frage kommen, um erfolgreich und zukunftsfähig wirtschaften zu können.
1.2 VORGANGSWEISE
Zu Beginn der Arbeit wird die volkswirtschaftliche Bedeutung und Situation der österreichischen Weinwirtschaft mit den diversen Problemfeldern dargestellt. Die möglichen Vermarktungsformen und Distributionswege mit ihren Bedeutungen und Besonderheiten wurden aufgezeigt. Über das Thema „Vertrieb von österreichischem Wein“ ist umfangreiche Literatur vorhanden. Diese wurde im Hinblick auf Vor- und Nachteile, Entscheidungskriterien und Erfolgsfaktoren im Bereich der Distribution ausgewertet. Zusätzliche Informationen aus der Praxis einzelner Vertriebswege konnten in Gesprächen mit den Weinbauern Peter Dolle, Paul Hahn, Alois Höllerer und Willi Bründlmayer, sowie vom Spar Service Team eingeholt werden.
2. ALLGEMEINER TEIL
2.1 VOLKSWIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG
Im Jahr 2001 erwirtschaftete die österreichische Weinwirtschaft einen Rohertrag von 293 Mio. Euro. Das entspricht sechs Prozent der Endproduktion der Land- und Forstwirtschaft. 1 Im langjährigen Durchschnitt beträgt die jährliche Weinerntemenge 2,4 Mio. Hektoliter. 2001 wurde eine ertragsfähige Rebfläche von 46.184 Hektar bewirtschaftet. 2
Der Weinbau in Österreich ist, wenn man von einzelnen Betrieben in anderen Gebieten absieht, klimatisch bedingt auf die Bundesländer Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien beschränkt, wobei Niederösterreich mengenmäßig die größte Bedeutung hat.
Abb. 1: Weinernte 2001
Quelle: vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 60
Die österreichische Handelsbilanz mit Wein ist negativ. Es wird mehr Wein importiert als exportiert. 3 Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung von 1997 bis 2001.
1 Vgl. KOVACS, Iris, REINBERGER, Marion und THURNER, Michael: Dokumentation Österreichischer Wein, Wien: ÖWM 2002, S. 56
2 Vgl. ebd., S. 59
3 Vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 139ff.
Abb. 2: Ein- und Ausfuhr Weine ge- samt
Quelle: vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 140f.
2.2 DIE SITUATION DER ÖSTERREICHISCHEN WEINWIRT-
SCHAFT
In der Weinbranche treten zwischen den einzelnen Unternehmen außergewöhnlich große Rentabilitätsunterschiede auf. 1 Während eine Gruppe sogenannter Spitzenweingüter sehr gute Gewinne erwirtschaftet, gibt es auch viele Winzer, die teilweise im Nebenerwerb Weinbau betreiben und sich weit in der Verlustzone befinden. „Es bildet sich immer stärker die Polarisierung zwischen Spitzenweinen und billiger Massenware heraus.“ 2
2.2.1 Struktur
In der folgenden Tabelle sind nur Betriebe erfasst, die eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von mindestens einem Hektar oder eine Erwerbsweinbaufläche von mindestens 25 Ar bewirtschaften.
Abb. 3: Weinbaubetriebe in Österreich
1 Vgl. HAMM, Josef W.: Erfolgsfaktoren und betriebswirtschaftliche Probleme österreichischer Weinbaubetriebe. Univ. Diss. Wien 2001, S. 165
2 WÖBER, Gertraud: Servus. Konzept für eine Weinmarke internationalen Formats, in: SCHIEBEL, Walter (Hg.): Agrarmarketing Fallstudien, Wien: Service Fachverlag 1995, S. 325
Quelle: vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 43
Die folgende Grafik zeigt, dass die meisten Weinbaubetriebe (60 Prozent) eine Rebfläche zwischen 0,25 und zwei Hektar bewirtschaften. 1
Abb. 4: Anteil der Betriebsgrößen
Quelle: vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 43
1 Vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 43
Der österreichische Weinbau ist von einer sehr kleinbetrieblichen Struktur geprägt. Das ist nicht ungewöhnlich, da in vielen Gebieten der EU die Traubenproduktion kleinstrukturiert ist. 1 Etwas außergewöhnlich ist allerdings der große Anteil an kleinen Betrieben, die selbst Wein erzeugen. Dieser Anteil geht jedoch zurück 2 .
Die österreichische Weinwirtschaft macht derzeit eine intensive Strukturbereinigung durch. Die vorliegende Tabelle stammt aus der Agrarstrukturerhebung 1999 und weist noch eine Gesamtanzahl an Weinbaubetrieben von 24.660 aus. Inzwischen ist diese Anzahl auf 18.550 Betriebe gesunken, von denen 6.790 im Haupterwerb tätig sind 3 .
2.2.2 Probleme
„... der Bereich Marketing und Verkauf (stellt sich) als klares Problemfeld Nummer eins der Weinbaubetriebe dar.“ 4 Weitere Probleme der Weinbaubetriebe sind nach eigenen Angaben die Arbeitskräftebeschaffung, die Finanzierung der Investitionstätigkeit, die Betriebsnachfolge bzw. -beendigung, fehlende Expansionsmöglichkeiten bei den Weingärten, hohe Produktionskosten, Komplexitätszunahme durch Unternehmenswachstum und fehlende Kosteninformationen. 5 Die Problemfelder können in einem Dreieck zusammengefasst werden (s. Abb. 5).
1 Vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 67
2 Vgl. HOFFMANN, Werner H. et. al.: Bacchus 2000, Wien: Contrast 1994, S. 114
3 Vgl. PLEIL, Josef: Zukunftsperspektiven im Weinbau u. Exportchancen für österr. Qualitätsweine, Podiumsdiskussion im Jugend- und Pfarrzentrum Großriedenthal im Rahmen des 14. Int. Großriedenthaler Weinbautages am 03.03.2003
4 HAMM 2001, S. 78
5 Vgl. HAMM 2001, S. 78
Quelle: HOFFMANN et. al. 1994, S. 247
2.2.2.1 Absatz
Wenn man von einigen Jahren mit geringer Erntemenge und von einzelnen erfolgreichen Weinbaugebieten und -betrieben absieht, hat die österreichische Weinwirtschaft seit 1985 mit gravierenden Absatzschwierigkeiten zu kämpfen. Es sind hohe strukturelle Überschüsse vorhanden. 1
Das konnte auch durch vielfache politische Maßnahmen, wie Flächenkontingentierung, Einführung von Mengenbeschränkungen, Aufkauf- und Sperrlageraktionen, nicht verbessert werden. 2 Auch die Förderungsaktionen für Traubensaft und Traubendicksaft sind nicht zielführend, da kein wirklicher Markt geschaffen wird. Sobald es keine Förderung gibt, werden von der Fruchtsaftindustrie wieder andere Säfte verwendet. 3
Das Absatzproblem hängt zum Teil auch mit dem stagnierenden Weinkonsum zusammen.
1 Vgl. UNGER, Martin: Wein, in: GATTERMAYER, Fritz et. al. (Hg.): Agrarvermarktung in Österreich, Wien: Service Fachverlag 1994, S. 411
2 Vgl. SIMON, Leonhard und ORTNER, Karl M.: Quantifizierung der Auswirkungen von Maßnahmen auf dem österreichischen Weinmarkt (Schriftenreihe Nr. 70), Wien: Bundesanstalt für Agrarwirtschaft 1992, S. 9
3 Vgl. HOFFMANN et. al. 1994, S. 158f.
Abb. 6: Pro-Kopf Weinkonsum pro Jahr
Quelle: vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 82
Außerdem wurde seit dem EU-Beitritt 1995 durch Import von Frizzante aus Italien jährlich zehn Millionen Liter Sektgrundwein der Markt entzogen. Österreichischer Sekt ist demgegenüber unter anderem auch durch die Sektsteuer benachteiligt. 1
Andererseits ergibt sich eine Chance durch den Trend zu Genussbetonung und Kulinarik sowie der Prestigewirkung von Weinkennerschaft. 2
2.2.2.2 Struktur
„Die Probleme der Weinproduktion in Winzerbetrieben liegen vor allem darin, daß zu viele kleine Winzer die Weinproduktion selbst vornehmen.“ 3 Daraus ergeben sich folgende Probleme: 4
x Überangebot an freien Fassweinen
x Technologieprobleme x Qualitäts- und Kostenprobleme x Know-how-Probleme
x Probleme in der Finanzierung und Kapitalausstattung
1 Vgl. PLEIL 2003
2 Vgl. WÖBER, in: SCHIEBEL (Hg.) 1995, S. 325
3 HOFFMANN et. al. 1994, S. 236
4 Vgl. ebd., S. 237
x Zu geringe Lagerkapazitäten
Die Kleinstrukturiertheit der österreichischen Weinwirtschaft macht es schwierig, großvolumige Absatzkanäle zu nutzen. Es fehlen Kellereien, die dieses Segment mit großen Weinmengen gleichbleibender Qualität beliefern können. 1
Ein Problem für die Kommunikationspolitik ist die extreme Produktvielfalt. Dies zeigt eindrucksvoll die Anzahl von 30.393 unterschiedlichen Weinen, denen die staatliche Prüfnummer erteilt wurde 2 , was die Voraussetzung dafür ist, dass diese Weine als Qualitätsweine in Verkehr gebracht werden dürfen. „Erstens ist es sehr schwer, größere Mengen gleicher Sorte und Qualität zu erzeugen und zweitens ist es nahezu unmöglich, eine Marketingstrategie für alle Spezialitäten ins Leben zu ru- fen.“ 3 DurchEinschränkung der Vielfalt könnte das Durchsetzungsvermögen der Marken erhöht werden. 4 Es wird auch versucht, dieses Problem durch die Bildung von Markengemeinschaften zu lösen (siehe dazu Punkt 2.6.3).
2.2.2.3 Marketing
In der österreichischen Weinwirtschaft lassen sich folgende Marketingprobleme feststellen: 5
x Zu wenig Kunden- und Marktorientierung
x Keine klare Produktpositionierung x Keine international profilierten Marken x Mangelnde Professionalität im Marketing x Marketingkonzepte fehlen oder sind unausgegoren x Unprofessionelle Messeauftritte
Dadurch ergibt sich mangelnde Wettbewerbsstärke, Bekanntheit und Attraktivität für leistungsfähige Vertriebswege und Exportmärkte sind gering. 6
1 Vgl. SIPÖTZ, Elisabeth: Branchenspezifische Erfolgsfaktoren in der österreichischen Weinwirtschaft. Dipl.-Arb. WU-Wien 1996, S. 41
2 Vgl. KOVACS, REINBERGER, THURNER 2002, S. 61
3 LEOPOLD, Josef T.: Weinexport in Österreich unter besonderer Berücksichtigung der rechtlichen Bestimmungen, der Abwicklung und des überbetrieblichen Marketings. Dipl.-Arb. WU-Wien 1987, S. 81
4 Vgl. SIPÖTZ 1996, S.77
5 Vgl. HOFFMANN et. al. 1994, S. 248f.
6 Vgl. ebd., S. 249
2.2.2.4 Inflexibilität
„Die Produktionsbedingungen sind nicht so flexibel, um sich ständig an die Forderungen des Absatzmarktes anzupassen.“ 1 Selbst wenn es die Naturbedingungen zulassen, einen bestimmten gewünschten Weintyp zu erzeugen, dauert es außerordentlich lange, etwas am Produktionsprogramm zu ändern. Selbst wenn man von der Planungsphase und der Beschaffungszeit für das Pflanzmaterial absieht, braucht ein Weingarten mindestens drei Jahre, bis er einen nennenswerten Ertrag bringt. Änderungen am Weintyp lassen sich nur sehr beschränkt durch kellerwirtschaftliche Maßnahmen erreichen.
Dadurch ergibt sich zwangsläufig eine Produktionsorientierung und die damit ver-bundene Erzeugung von relativ großen Weinmengen, deren Verwendungszweck nicht klar ist. Diese Weine werden oft von Nebenerwerbswinzern produziert, die den Weinbau bewusst oder unbewusst als Freizeitbeschäftigung ansehen, deren Ziel nicht unbedingt die Erwirtschaftung von Gewinn sein muss. Kombiniert mit den jährlich stark schwankenden Erntemengen ergeben sich dadurch Ungleichgewichte im Markt.
Die Kunden- und Marktorientierung ist dementsprechend gering ausgeprägt. Es wird zu wenig darauf geachtet, was die Konsumenten wünschen. Eine klare Produktpositionierung fehlt, und es gibt auch noch kaum international bekannte österreichische Weinmarken. 2
2.3 DISTRIBUTIONSPOLITIK
Die Distributionspolitik ist ein Teil des im Marketing zur Verfügung stehenden In- strumentariumsund „beschäftigt sich mit allen Entscheidungen, die im Zusammenhang mit dem Weg eines Produktes ... vom Produzenten zum Endverbraucher ... ge- fälltwerden müssen.“ 3 Sie sollte darauf ausgerichtet sein, dauerhafte Distributionskanäle zu etablieren.
1 KLAUS, Wolfgang: Weinmarketing in Österreich. Dipl.-Arb. WU-Wien 1986, S. 29
2 Vgl. PLACER, Dieter: Auswirkungen des EU-Beitritts auf die Weinbaugebiete Kremstal und Kamptal und die Eignung landwirtschaftlicher Kooperationsformen zur Integration in den EU-Binnenmarkt. Dipl.-Arb. WU-Wien 1997, S. 110f.
3 WEIS, Hans C.: Marketing, 11. Aufl., Ludwigshafen: Kiehl 1999, S. 327
Ein Distributionskanal ist die „Gesamt- heit der Organisationen, die ein Produkt zwischen der Abgabe aus dem Produktionsprozeß bis hin zu Verwendung oder Verbrauch durchläuft.“ 1 Durch das Zusammenwirken voneinander unabhängiger Organisationen soll das Produkt einer Vielzahl von Verbrauchern verfügbar gemacht werden. 2 Ziel ist es, die angebotenen Produkte zur richtigen Zeit, im richtigen Zu-stand und in der erforderlichen Menge den Abnehmern bereitzustellen 3 .
Folgende Transferleistungen müssen von den an der Distribution beteiligten Organisationen durchgeführt werden: 4
x Transfer des Produkts
x Übertragung des Eigentums x Transfer von Zahlungsmitteln x Informationstransfer x Verkaufsförderungsaktivitäten
2.4 VERMARKTUNGSFORMEN
Im Folgenden werden unterschiedliche Vermarktungsformen, die dem Weinbauern zur Verfügung stehen, in der Reihenfolge ansteigender Intensität, „Konsumreife“ und damit auch Wertschöpfung behandelt. 5
Wesentliche Einflussfaktoren, die zur Wahl einer bestimmten Vermarktungsform führen, sind die Nähe zu Ballungszentren oder zu wichtigen Verkehrswegen, die regionale Konzentration von Winzergenossenschaften und Weinhandelsbetrieben, die Größe des Betriebes und Alter und Bildung des Winzers. 6
1 KOTLER, Philip et. al.: Grundlagen des Marketing, 2. Aufl., München: Prentice Hall 1999, S. 807
2 Vgl. ebd., S. 807
3 Vgl. WEIS 1999, S. 327
4 Vgl. KOTLER et. al. 1999, S. 814
5 Vgl. MAYR, Christian: Vermarktungsformen und -unternehmen in der österreichischen Weinwirtschaft. Dipl.-Arb. WU-Wien 1995, S. 40
6 Vgl. DISTEL, Iris: Vermarktungssysteme in der Österreichischen Weinwirtschaft. Dipl.-Arb. WU- Wien 1996, S. 1
2.4.1 Traubenverkauf
Traubenproduzenten können ihre Weintrauben an Weinproduzenten, Handelsbetriebe oder Winzergenossenschaften verkaufen. Dabei geht der Trend zur Spezialisierung auf einen einzigen Distributionskanal. Immer weniger Produzenten verkaufen über unterschiedliche Kanäle. 1
Die Trauben können als Tafeltrauben verkauft oder zu Traubensaft, Sturm oder Wein weiterverarbeitet werden.
Diese Vermarktungsform hat gegenüber der Fassweinvermarktung einen eindeutigen Qualitätsvorteil, da die Traubenverarbeitung bereits nach den - meist höheren - Qua-litätsstandards des Vermarkters durchgeführt wird. Aus diesem Grund sinkt der Anteil der Weinbaubetriebe, die die Trauben selbst zu Wein verarbeiten.
2.4.2 Fassweinverkauf
25 Prozent einer durchschnittlichen Ernte werden als Fasswein verkauft. 2 Fasswein kann an andere Weinbaubetriebe, Weinhändler oder Sektproduzenten verkauft werden. Das Problem ist hier, dass die Fassweinproduzenten kaum in die Vermarktungskette eingebunden sind. So wird durch die Produktionsorientierung am Markt vorbei produziert. Einerseits sind viele Fassweine praktisch unverkäuflich, andererseits beklagen sich Vermarkter, dass sie zu wenig von den Weinen bekommen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. 3
Durch die unterschiedlichen jahrgangsabhängigen Erntemengen ist dieses Segment starken Preisschwankungen ausgesetzt. 4 Derzeit ist der erzielbare Preis so unbefriedigend, dass mittelfristig damit gerechnet wird, dass der ohne vertragliche Bindung erzeugte Fasswein in Zukunft wegfallen wird. 5 Fasswein wird nur noch zur Überschussverwertung verkauft werden.
1 Vgl. MAYR 1995, S. 39
2 Vgl. HOFFMANN et. al. 1994, S. 237
3 Vgl. ebd., S. 270
4 Vgl. ebd., S. 270
5 Vgl. ebd., S. 114
2.4.3 Flaschenwein
„Jeder Qualitäts- und Prädikatswein, der in Flaschen abgefüllt ... wird, muss staatlich überprüft werden.“ 1 Dabei wird der Wein sowohl analytisch als auch sensorisch durch Verkostung untersucht. So wird festgestellt, ob er den festgelegten Qualitätskriterien und seiner Bezeichnung entspricht.
Nach der Flaschenverordnung sind nur bestimmte Flascheninhalte zugelassen. 2 Die wichtigsten Flaschengrößen sind ein Liter, zwei Liter und für Qualitätswein hauptsächlich die sogenannte Bouteille mit einem Inhalt von 0,75 Liter. Weniger gebräuchlich sind kleinere Flaschen mit 0,25, 0,375 oder 0,5 Liter Inhalt. Für Besonderheiten sind auch Flascheninhalte von einem Vielfachen der Bouteille möglich.
Abb. 7: Mengenanteile nach Gebinden im Jahr 2000 - Verteilung in Prozent
Quelle: vgl. KNEISSL, Gerald: „Wein im Lebensmittelhandel“, in: WINZER 11/2001, S. 20
2.4.4 Buschenschank
Der Buschenschank ist durch die Buschenschankgesetze der Bundesländer Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark geregelt. Dazu ist grundsätzlich keine Gastgewerbekonzession erforderlich 3 . Das Angebot ist jedoch auf Weine aus eigener
1 KIRSCHBICHLER, Hans et. al.: Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte in Österreich, Wien: Service Fachverlag 1992, S. 22
2 Vgl. ebd., S. 27
3 Vgl. KIRSCHBICHLER et. al. 1992, S. 28
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Herbert Katzler, 2003, Analyse von Entscheidungskriterien für die Auswahl unterschiedlicher Distributionswege österreichischer Weinbaubetriebe, München, GRIN Verlag GmbH
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