Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Orientierung am Kind - Eine Einführung 2
1.1 Der Erziehungsbegriff als Desiderat 3
1.2 Die Erziehungslehre im Wandel der Zeit. 5
1.2 5
2. Niklas Luhmann- der Begründer einer fundamentalen Theorie. 6
2.1 Die Erziehungsproblematik nach Luhmann 7
2.2 Systeme als operativ- geschlossene Einheiten 8
2.3 Kommunikation und Bewusstsein- ein coevolutionärer Prozess 9
2.4 Die Sprache als struktureller Kopplungsmechanismus 10
3. Das Kind als Medium der Erziehung 12
3.1 ,,Das Kind“- Eine menschliche Erfindung 12
3.2 Das Kind als autopoietisches System? 12
3.2 12
4. Fazit: Dauerirritation als Ausweg aus der Misere 13
4. 13
Literaturverzeichnis. 14
Literaturverzeichnis. 14
1
1. Orientierung am Kind- Eine Einführung
Von erwachsenen Menschen wird in der Regel erwartet, dass sie in der Lage sind, ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben zu führen. Die Fähigkeit, aus eigener Einsicht verantwortungsbewusst zu handeln, könnte man als eine Minimaldefinition von Mündigkeit zusammenfassen. Dass diese Definition auf Kritiker stoßen wird, daran zweifelt der Verfasser dieser Arbeit nicht, betrachtet man doch die epochengeschichtlich divergierenden Ideen und Auffassungen über den Begriff der Mündigkeit. So ist es nur unmittelbare Folge, dass der Diskurs um den Begriff bzw. um das Verständnis von Mündigkeit eine sehr lange Geschichte hat, die bis an die Anfänge der abendländischen Erziehungstheorie zurückreicht. 1 Im klassischen Athen (ca. 500 v. Chr.- 338 v. Chr.) galt im rechtlichen Sinne als mündig, wer mit 18 Jahren seine Schulausbildung beendet und sich dann unmittelbar der zweijährigen Militärausbildung (Ephebie) gewidmet hat. Diese Ausbildung zum wehrfähigen jungen Mann im 4. Jahrhundert vor Christus war dabei als eine staatsbürgerliche Lehrzeit für die jungen Männer gedacht. Im Anschluss daran legten die nun 20-jährigen einen Eid auf die athenisch-demokratische Verfassung ab, wodurch es ihnen durch diesen repräsentativen Akt rechtlich gestattet war, ,,die volle Ausübung der Rechte und Pflichten des Bürgers“ 2 anzuwenden.
,,Erziehung zur Mündigkeit“ 3 , so lautet hingegen der Titel des berühmten Soziologen und Philosophen Theodor W. Adorno, der zu jener Generation kritischer Intellektueller (Kritische Theorie der Frankfurter Schule in den 1970-er Jahren) gehörte, die die erziehungswissenschaftlichen Diskussionen in der Nachkriegszeit umfassend beeinflusst haben, weil sie die Verantwortung für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft nicht nur einer faschistischen Machtpolitik Hitlers, sondern auch einer pädagogischen Praxis zugeschrieben haben. Kindern und Jugendlichen beider Geschlechter werde -so Adorno- bereits im Erziehungsprozess die zutiefst eingeforderte Ergebenheit unter Autoritäten eingehaucht, wodurch sich alle an Führerpersönlichkeiten und an eine Gemeinschaft binden, die sie der
1 Vgl. Hoyer, Timo: Ethik und Moralerziehung. Zur Grundlegung des moralpädagogischen Diskurses
in der griechisch-römischen Antike, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 8, Wiesbaden 2005, S.
75-95.
2 Marrou, Henri-Irénée: Geschichte der Erziehung im klassischen Altertum, Freiburg/ München 1957,
S. 154-156.
3 Adorno, Theodor W.: Erziehung zur Mündigkeit, in: Kadelbach, Gerd (Hg.): Erziehung zur
Mündigkeit, Frankfurt am Main 1970, S.140-155.
2
Möglichkeit zum mündigen Handeln berauben und sich damit einer herrschaftlichen Fremdbestimmung ausliefern. Mit diesem Titel (Erziehung zur Mündigkeit) wird für den Leser unmittelbar klar, dass Adorno hiermit die Eigenschaft der ,,Mündigkeit“ zu einer Zielsetzung des Erziehungsprozesses macht, um, betrachtet man den historischen Kontext zu Lebzeiten Adornos, hier die Grundlage für die Bildung eines autonomen und mündigen Menschen zu schaffen.
Eine Parallele zwischen den Athenern und Adorno lässt sich ziehen, denn beide Parteien sehen die menschliche Eigenschaft des ,,Mündigseins“ nicht als ein von Natur aus gegebenes Vermögen, sondern als einen dynamischen Prozess des ,,Mündigwerdens“. Und beide sehen den Erziehungsvorgang als Mittel zum Zweck. Adorno lässt auch begrifflich ein Subjekt in den Mittelpunkt rücken, denn es anscheinend aus diesem Teufelskreis herauszuholen gilt: das Kind.
Betrachtet man allein die Überschrift dieser wissenschaftlichen Arbeit, so formt sich wahrscheinlich im Bewusstsein einiger Leser sofort ein Gedanke, der einen pädagogischen Grundprozess impliziert: den Akt der Erziehung. Das Kind wird nämlich als ein selbstverständlich zu erziehendes Wesen angesehen. Bevor man historische Wandlungsprozesse im Hinblick auf Grundphänomene wie den der Erziehung beschreibt, ist es in einem ersten Schritt von Vorteil, sein Grundwerkzeug definitorisch einzugrenzen.
1.1 Der Erziehungsbegriff als Desiderat
Erziehung lässt sich als ein -sehen wir einmal von den gesellschaftlichen Normen, Sitten und Verhaltenskodexen ab- pädagogisch- individueller Handlungstyp umschreiben, der auf soziale Beeinflussung fixiert ist. Bezeichnet man die Erziehung ,,als Initiation in wertvolle Tätigkeiten oder Formen des Denkens und Verhaltens“ 4 , so ist damit zugleich gesagt, dass der Erziehungsvorgang idealtypisch ein zielgerichtetes Handeln darstellt und ,,auf [jene] Ziele ausgerichtet [ist], deren Erreichung nicht dem Zufall überlassen wird“ 5 . Damit geben die Erziehungsziele dem pädagogischen Handeln vor allem Orientierung. Und die Mündigkeit wird nicht nur von Adorno als das Erziehungsziel schlechthin angesehen. Herr Derbolav
4 Peters, Richard S.: Ethik und Erziehung, Düsseldorf 1972, S. 63.
5 Fend, Helmut: Theorie der Schule, München [u.a.] 1980, S. 97.
3
behauptet sogar, in der modernen Erziehungswissenschaft werde der Mündigkeitsprozess einstimmig als ,,Letztziel der Erziehung“ 6 anerkannt. Adorno geht mit seinen Aussagen nicht so weit wie Herr Derbolav, jedoch wird dieses Ideal der Erziehung auch von ihm im Sinne der Idee der Aufklärung erläutert. Es ist die Idee eines mündigen und autonomen Subjekts, die Kant in der Forderung zum Ausdruck gebracht hatte, ,,die Menschheit habe sich von ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien“ und ,,selbstverschuldet sei diese Unmündigkeit, wenn die Ursachen derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegen, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ 7 Diese kantische Forderung ist für Adorno deswegen von größter Bedeutung und damit ,,noch außerordentlich aktuell“ 8 , weil sie für Adornos Forderung nach einer Erziehung zum Widerspruch und Widerstand essentiell ist. Dieser Erziehungsprozess zur Mündigkeit ist zusammenfassend für demokratisch verfasste Staaten (so wie es im ursprünglichen demokratisch Athen der Fall gewesen ist) und damit für die Etablierung und Verwirklichung von Demokratie unverzichtbar.
Bereits in den oben beschriebenen Zeilen deutet sich unmissverständlich an, dass der Erziehungsbegriff umstritten und folglich ständig zur Debatte steht. 9 Während der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka die Erziehung als eine Handlung beschreibt, ,durch die Menschen versuchen, die Persönlichkeit in irgendeiner Weise zu fördern´ 10 , worin Winkler nur eine Bestätigung der von Ernst Krieck geprägten Termini der funktionalen Erziehung (von der Gesellschaft bewirkte Formen) und der intentionalen Erziehung (von Erziehern absichtsvoll ausgeführte Handlungen am Zögling) wiedererkennt, 11 ist Krieck der Auffassung, dass ,,Alle [...] alle zu jeder Zeit [erziehen]“ 12 . Festhalten lässt sich, dass auf dem Fundament einer jahrhundertalten Kontroverse sich unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten in der
6 Derbolav, Josef: Pädagogik und Politik. Eine systematisch-kritische Analyse ihrer Beziehungen,
Stuttgart [ u.a.] 1975, S. 14.
7 Kant, Immanuel zit. nach Adorno, Thedor W.: Erziehung zur Mündigkeit, S. 133.
8 Adorno, Theodor W.: Erziehung zur Mündigkeit, S. 133.
9 Vgl. Winkler, Michael: Erziehung, in: Krüger, Heinz-Hermann/ Helsper, Werner: Einführung in
Grundbegriffe und Grundfragen der Erziehungswissenschaft, Wiesbaden 8 2004, S. 57- 68, hier: S. 57f.
10 Brezinka, Wolfgang: Erziehung und Pädagogik im Kulturwandel. München 2003, S. 63.
11 Vgl. Winkler, 2004, S. 61.
12 Krieck zit. nach Gudjons, Herbert: Pädagogisches Grundwissen. Überblick- Kompendium-
Studienbuch, Regensburg 10 2008, S. 195.
4
Arbeit zitieren:
Studierender Arian Sahitolli, 2011, Orientierung am Kind - Luhmann und die Erziehungsproblematik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sport - Sportpädagogik, Didaktik: Orientierung am Kind - Luhmann und die Erziehungsproblematik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sport - Sportpädagogik, Didaktik: neuer Titel erschienen: Orientierung am Kind - Luhmann und die Erziehungsproblematik
Arian Sahitolli hat einen neuen Text hochgeladen
Autopoietic Organization Theory: Drawing on Niklas Luhmann's Social Sy...
Tore Bakken, Tor Hernes
Backsteingiebel und Systemtheorie. Niklas Luhmann - Wissenschaftler au...
NEXUS, Lüneburg
Lilli Nitsche, Johanna Lutteroth, Andreas J. Meyer
Observing International Relations: Niklas Luhmann and World Politics
Mathias Albert, Lena Hilkermeier
0 Kommentare