Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Kontext 3
1.1 Der ideengeschichtliche Kontext 3
1.2 Der Autor Max Scheler 3
2 Die Sonderstellung des Menschen (S. 49 - 57) 4
2.1 Argumentative Grundlagen 4
2.2 Geist als unterscheidendes Merkmal zwischen Mensch und Tier 4
3 Besondere Eigenschaften des Menschen (S. 57 - 62) 5
3.1 Vier Wesensstufen des Seienden 5
3.2 Menschliche Besonderheiten 6
4 Die Trennung von Dasein und Ideierung (S. 62 - 69) 7
4.1 Der Akt der Ideierung 7
4.2 Transzendierung von und Rückkehr zur Wirklichkeit 7
5 Diskussion und Kritik 8
5.1 Der ontologische Status des Geistes 8
5.2 Kritik an der Notwendigkeit der postulierten Entitäten 9
5.3 Der historische Zweck von Schelers Anthropologie 9
2
1 Einleitung und Kontext
Beim vorliegenden Text handelt es sich um eine zusammenfassende Ausarbeitung zu einem Referat welches im Rahmen eines anthropologischen Seminars zu dem Aufsatz Die Stellung des Menschen im Kosmos von Max Scheler gehalten wurde. Entsprechend sollen hier folgende Dinge geleistet werden: Zunächst wird der Aufsatz in den ideengeschichtlichen (Absatz 1.1) und den konkreten Kontext des Autors Schelers eingeordnet (1.2). Anschlieÿend wird Schelers Argumentation zur Sonderstellung des Menschen anhand der Chronologie des Textes nachvollzogen (Absatz 2 - 4). Abschlieÿend werde ich zunächst der Fragestellung nachgehen, ob Scheler durch die Postulierung eines übersingulären Geistes auf einen ontologischen Dualismus im Sinne Platons festgelegt ist (Absatz 5.1). Anschlieÿend werde ich infrage stellen, dass Schelers Ausführungen argumentativ zwingend sind (Absatz 5.2) und abschlieÿend einen Bezug zu dem ideengeschichtlichen Kontext vorschlagen (Absatz 5.3). Um eine Ausgewogenheit zwischen Textbezug und Textuss der folgenden Ausführungen zu erreichen, werden kleinere Anmerkungen und Kritiken während der Darstellung von Schelers Argumentation in Absatz 2 bis 4 in Fuÿnoten vorgenommen. Um das Lesen dieser Ausarbeitung zu erleichtern, werde ich zudem in den besagten Abschnitten auf die Verwendung des Konjunktivs bei der Wiedergabe von Schelers Ausführungen verzichten.
1.1 Der ideengeschichtliche Kontext
Die Zeit, in der Scheler sein vorletztes Werk Die Stellung des Menschen im Kosmos schrieb (1927), war geprägt durch Umbrüche im technischen wie auch im ideologischen Bereich. Das Ausmaÿ der technischen Umbrüche, etwa die Entwicklung des Verbrennungsmotors, des Flugzeugs und moderner Industrieanlagen wurde im ersten Weltkrieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts (George F. Kennan) in aller Form deutlich - insbesondere, weil sich das politische und gesellschaftliche Denken noch nicht auf das Ausmaÿ der fatalen Folgen eines Krieges mit diesen Mitteln eingestellt hatte. Es darf wohl angenommen werden, dass die verheerenden Kriegsfolgen in Kombination mit den Lehren Freuds und Darwins (und deren Überspitzung im Sozialdarwinismus), welche Freud selber als zweite und dritte Kränkung der Menschheit (nach der ersten Kränkung durch das kopernikanische Weltbild) bezeichnete, zu einer Krise des menschlichen Selbstbildes führten. Inwiefern dies eine mögliche Motivation für Schelers Anthroplogie darstellten, wird in Abschnitt 5.3 diskutiert.
1.2 Der Autor Max Scheler
Nachdem die historischen Rahmenbedingungen im Groben deutlich geworden sein sollten, lohnt es sich, auf die spezische Situation Max Schelers einzugehen und ihn in seinem ideengeschichtlichen Kontext genauer zu verorten. Es scheint erwähnenswert, dass er sich in vielen seiner Werke sowohl mit dem Krieg (Der Genius des Kriegs und der Deutsche Krieg, 1915) als auch den oben angedeuteten Konsequenzen für die menschliche Werteordnung (z.B. Vom Umsturz der Werte, 1919 und Neuer Versuch der Grundlegung eines ethischen Personalismus, 1921) auseinandersetzte. Durch den Versuch, in seinem Spätwerk Die Stellung des Menschen im Kosmos ein einheitliches Bild des Menschen zu zeichnen, gilt Scheler als Begründer der philosophischen Anthropologie. (Scheler, 1976, Einleitung). Scheler soll zudem der phänomenologischen Bewegung um Edmund Husserl nahe gestanden haben (ebd.) und war ein Zeitgenosse Martin Heideggers. Letzterer mag durch seine Lehre zumindest einen begriichen Einuss auf Scheler gehabt haben, da in der hier vorliegenden Textgrundlage Begrie wie Dasein, Sosein und Dinge an sich verwendet werden, die stark an das charakteristische Heideggern in dessen phänomenologischen Grundlagenwerk Sein und Zeit erinnern.
3
2 Die Sonderstellung des Menschen (S. 49 - 57)
Dieser Abschnitt setzt sich zunächst mit der argumentativen Grundlage Schelers, also seiner begrilichen Ausgangssituation, auseinander. Anschlieÿend wird das Prinzip des Menschens als geistiges
1 im Verhältnis zu ihrer
Wesen erläutert und daraus die Unterschiedlichkeit von Menschen und Tieren Umwelt abgeleitet.
2.1 Argumentative Grundlagen
Am Anfang seiner Ausführungen trit Scheler einige wesentliche begriiche Unterscheidungen zum Menschen. Die erste Unterscheidung bezieht sich auf drei historische Ideenkreise, die eine jeweils eigenständige anthropologische Aussage über die Natur des Menschen und sein Verhältnis zum Tierreich haben. Der erste Kreis ist der christlich-jüdische Kreis mit der Schöpfungslehre und dem Sündenfall im Paradies (Adam, Eva und der Baum der Erkenntnis). Beim zweiten Ideenkreis handelt es sich um den der griechisch-antiken Tradition, welche das Selbstbewusstsein und den logos, die Vernunft und Fähigkeit zur Rede als entscheidende, Mensch und Tier trennende, Eigenschaft hervorhebt. Der dritte Gedankenkreis widerspricht dieser kategorialen Trennung und postuliert ein Kontinuum an Komplexität, welches Lebewesen voneinander unterscheidet. Dies entspricht der darwinistischnaturwissenschaftlichen Tradition. Scheler zufolge kann keine dieser gedanklichen Traditionen ein kohärentes Bild des menschlichen Wesens vermitteln, weshalb er diesen Versuch auf breitester Grundlage (Scheler, 1976) unternimmt - und sich mit dem vorgestellten Ansatz abseits dieser historischen Ansätze bendet. Die zweite Unterscheidung betrit die Verwendung des Begris Mensch. Zu unterscheiden ist hier zwischen Mensch als Unterordnung der Wirbeltiere und damit als Teil des Tierreichs als Ganzes (FN: Linne). Dieses Konzept kann als Teil des oben genannten, dritten Ideenkreises in der Tradition Darwins betrachtet werden. Die zweite Konzeption des Begris Mensch ist allerdings die eines Gegenbegris zum Tier. Sie geht von einer Sonderstellung des Menschen aus (und entspricht somit wohl eher den ersten beiden Ideenkreisen). Indem im Folgenden die Rechtfertigung dieser Auassung untersucht wird, dient dieses zweite Verständnis des Begris Mensch als Arbeitsgrundlage. Die dritte und letzte begriiche Unterscheidung schärft die vorliegende Fragestellung weiter, indem Scheler zwischen einer graduellen Unterscheidung und, wie er es nennt, einem Wesensunterschied zwischen Mensch und Tier dierenziert. Während einige Positionen Intelligenz und/oder Wahlfreiheit als (überquantitatives, also kategoriales) Unterscheidungsmerkmal ausmachen, sprechen Darwinisten auch Tieren Intelligenz zu - und gestehen somit höchstens eine graduelle Unterscheidung zwischen Mensch und Tier zu. Scheler weist beide Positionen zurück, indem er ein Prinzip ausmacht, das auÿerhalb alles dessen [steht], was wir Leben im weitesten Sinne nennen können (Scheler, 1976, S.53). Dieses Prinzip geht über die reine Vernunft des griechischen Ideenkreises hinaus, indem es auch eine bestimmte Art der Anschauung und eine bestimmte Klasse volitiver und emotionaler Akte wie Güte, Liebe, Reue, Ehrfurcht, geistige Verwunderung, Seligkeit und Verzweiung, die freie Entscheidung mitumfasst- (Scheler, 1976, S. 53f.). Scheler nennt dieses Prinzip Geist. Ein Organismus, der über Geist verfügt, ist eine Person.
2.2 Geist als unterscheidendes Merkmal zwischen Mensch und Tier
Scheler expliziert den Geistesbegri zunächst, indem er ihm ein besondere Wissensfunktion zuschreibt, die nicht in irgendeiner Form physiologisch gebunden ist - und damit im Kontrast zur klassischen Intelligenz steht. Daraus ergibt sich die Weltoenheit eines geistigen Wesens, welche ihm die Erhebung der Widerstands- und Reaktionszentren seiner Umwelt (Scheler, 1976, S. 54), also der sinnlich
1 Die Begrie der Mensch oder das Tier scheinen angesichts des derzeitigen Standes der philosophischen Anthropologie nicht mehr zeitgemäÿ zu sein. Da die Argumentation des Textes auf diesen Konzepten - und vor allem auf der ihrer kategorischen Abgrenzung voneinander - beruht, werden sie hier beibehalten.
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Arbeit zitieren:
Jan Dirk Capelle, 2011, Die Stellung des Menschen im Kosmos - Ausarbeitung zu Max Schelers Anthropologie, München, GRIN Verlag GmbH
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