Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Die politische Situation bis zum deutschen Angriff 1940 3
2.1 Die Vorgeschichte der ,,Weserübung 7
3. Unternehmen ,,Weserübung’’ 11
4. Die Zeit während der deutschen Besatzung
4.1 Dänemark 14
4.2 Das ,,Reichskommissariat’’ Norwegen 17
5. Kollaboration mit der Besatzungsmacht
5.1 Faschistische Bewegungen vor 1940 21
5.2 Kollaboration auf staatlicher Ebene 30
5.3 Dänische und norwegische Freiwillige in der Waffen-SS 40
6. Widerstand gegen das deutsche Okkupationsregime
6.1 Der Widerstand in Dänemark 51
6.2 Der Widerstand in Norwegen
6.2.1 Ziviler Widerstand 59
6.2.2 Widerstand in Verwaltung und Produktion 62
6.2.3 Militärischer Widerstand 63
6.2.4 Widerstand aus dem Exil 66
7. Fazit 69
8. Literaturverzeichnis 77
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1. Einleitung
Diese wissenschaftliche Arbeit innerhalb des Ersten Staatsexamens für das Lehramt Gymnasium soll die Thematik der Kollaboration und des Widerstandes in Dänemark und Norwegen während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg komplex darstellen und dem Leser veranschaulichen, welche unterschiedlichen Formen der erzwungenen Zusammenarbeit existierten, wie sich der Widerstand formierte und letztendlich welches Verhältnis diese beiden gegensätzlichen Pole zueinander entwickelten. Dass der Untersuchungsgegenstand dieser Examensarbeit auf das einleitend genannte Thema fiel, hatte verschiedene Motive: Zum einen stieß ich in einer Tageszeitung auf einen Artikel über die von der Simon-Wiesenthal-Stiftung meistgesuchten Kriegsverbrecher, unter denen sich auch ein dänischer Angehöriger der Waffen-SS Division ,,Wiking’’ befand, der frühere SS-Obersturmführer Soeren Kam. Dies weckte mein Interesse daran, wie hoch denn eigentlich die Kollaborationsbereitschaft in den traditionell neutralen skandinavischen Ländern während der deutschen Besatzungszeit war, stand doch auch der Norweger Vidkun Quisling in der Nachkriegszeit stellvertretend für den Begriff des Kollaborateurs. Weiterhin wollte ich mehr über die deutsche Besatzungszeit in Dänemark und Norwegen an sich erfahren, nicht zuletzt weil der frühere deutsche Bundeskanzler Willy Brandt diese Länder während seiner Flucht ins Exil aufsuchte. Schließlich konnte ich mir während einer Studienexkursion nach Nordjütland einen Eindruck davon machen, wie den Widerstandskämpfern gegen die deutschen Besatzer noch heute höchste Ehrbekundungen entgegengebracht und ihr Wirken in Erinnerung gehalten wird. Es warf sich bei mir Frage auf, wer diese Männer waren, die auch den Verlust des eigenen Lebens riskierten, damit ihr Vaterland von dem nationalsozialistischen Joch befreit wird.
In der Geschichtswissenschaft haben sich international bereits zahlreiche Historiker mit der deutschen Besatzungszeit in Dänemark und Norwegen und deren Folgen beschäftigt. Für den Themenkomplex ,,Reichskommissariat Norwegen’’ gingen die wichtigsten Impulse für die Forschung von den skandinavischen Historikern Ole Kristian Grimnes und Magne Skodvin, sowie dem deutschen Geschichtswissenschaftler und Dozenten der Christan-Albrechts-Universität zu Kiel, Dr. Robert Bohn, aus. Im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer sind die Publikationen der Historiker Terje Halvorsen, Aage Trommer und Joergen Haestrup zu nennen.
In der folgenden Arbeit wird der Versuch unternommen, zwei Facetten der Besatzungszeit zweier unterschiedlicher Länder zusammenzuführen, zu vergleichen und sich daraus ergebene Fragen zu klären. Um einen geeigneten Rahmen für die Betrachtung des zentralen Themas zu
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schaffen, beginnt diese Arbeit mit der Kriegssituation bis zum Jahr 1940 und der Vorgeschichte der ,,Weserübung’’. Im Anschluss wird dem Leser ein Abriss über die deutsche Militäroperation selbst und die Besatzungszeit in Dänemark und in Norwegen gegeben.
Der Kern dieser Arbeit stellen die zwei darauf folgenden Kapitel dar, in welchen sich detailliert mit der Kollaboration und dem Widerstand auseinandergesetzt wird. Im Fazit werden dann abschließend verschiedene Aspekte hinterfragt und aus der Sicht des Verfassers beantwortet.
Als Literatur dienten neben anderen Veröffentlichungen die Publikationen ,,Neutralität und totalitäre Aggression’’, herausgegeben von Robert Bohn, und ,,Ruhestörung’’ von Fritz Petrick. Besondere Sorgfalt musste bei der Auswahl der Lektüre über die skandinavischen Freiwilligen der Waffen-SS erfolgen, finden sich auf dem Büchermarkt doch zahlreiche tendenziöse Werke ehemaliger Soldaten. Die in diesem einführenden Kapitel nicht erwähnten, jedoch verwendeten Beiträge und Werke sind den Fußnoten und dem Literaturverzeichnis zu entnehmen.
2. Die politische Situation bis zum deutschen Angriff 1940
Nach dem erzwungenem ,,Anschluss’’ Österreichs 1938 und der Annexion des Sudeten- und Memellandes an das Deutsche Reich, bedurfte es keiner großen Spekulationen darum, welches Land wohl das nächste sein würde, das im Fokus der nationalsozialistischen Expansionspolitik lag.
Polen war das letzte Land, bei dem der Vorwand der Rückführung ehemaliger deutscher Gebiete anwendbar war, da bis zur Unterzeichnung des Versailler Vertrages weitgehende Teile Westpolens zum Deutschen Reich gehörten und nach 1919 teilweise gegen den Willen der dort lebenden Bevölkerung abgetreten wurden. 1 Hitler war sich unterdessen bewusst, dass nachdem am 31.März 1939 England und Frankreich Polen im Falle eines deutschen Angriffes ihre Hilfe zugesichert hatten, ein erfolgreiche Vollendung seiner politischen Interessen nur über die Unterstützung der Sowjetunion, also einer anderen Weltmacht, die gleichermaßen ein Nachbarstaat Polens war, realisiert werden könne.
Für die Sowjetunion unter der Führung Stalins gab es zwei relevante Motive, weshalb sie ebenfalls einem Militärschlag gegenüber dem kleinen Nachbarstaat nicht abgeneigt war: Zum einen die Angst vor der Isolation durch die Westmächte und eine Veränderung von Hitlers Interessen nach Osten, die er als Erweiterung des Lebensraumes in seinem während der
1 Bracher 1960, S.427.
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Festungshaft in Landsberg entstandenem Buch ,,Mein Kampf’’ ausmalte. 2 Das zweite Motiv war die tradierte Feindschaft zwischen Russland und Polen, die ihren Ursprung unter anderem in dem von Polen siegreich beendeten Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 hatte. Polen war ein Verfechter des Antibolschewismus, so dass Russland, welches bis 1918 noch den größten Teil Polens besaß, die bestehenden Grenzen nicht anerkennen wollte. 3 Am 23. August 1939 unterzeichneten das Deutsche Reich und die Sowjetunion, die im Sinne ihrer Staatsideologien eigentlich Todfeinde waren, in Moskau einen deutschsowjetischen Nichtangriffspakt. Der durch die beiden Außenminister Ribbentrop und Molotow ratifizierte Vertrag beinhaltete die gegenseitige Verpflichtung zwischen Hitler und Stalin keinen anderen Staat zu unterstützen, der mit einem der beiden Vertragspartner im Krieg steht. 4 In einem geheimen Zusatzprotokoll regelte man überdies die ,,Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären in Osteuropa’’. So einigte man sich, dass ,,für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung’’ Lettland, Estland, Finnland, sowie Bessarabien und die Hälfte Polens östlich der Flüsse Narew, Weichsel und San an die SU fallen sollten. Das Deutsche Reich sah Litauen und das polnische Territorium westlich der markierten Grenze als für sich relevant an. 5 Die Dauer des Vertrages war zunächst auf zehn Jahre angelegt und sollte sich selbständig um weitere fünf Jahre verlängern, wenn nicht einer der beiden Mächte den Vertrag ein Jahr vor Ablauf der Geltungsfrist aufkündigt. Dieses Abgekommen, welches trotz diplomatischer Intervention Frankreichs und Englands zustande gekommen war, erregte in der unmittelbaren Folgezeit internationales Aufsehen.
Sechs Tage nach der Unterzeichnung eines Bündnisses zwischen England und Polen und der Neutralitätserklärung des faschistischen Italiens erließ Adolf Hitler am 31.August 1939 seine ,,Weisung Nummer 1 für die Kriegsführung’’, in der folgende Punkte enthalten waren: 1. Nachdem nunmehr alle politischen Möglichkeiten zur Regelung der Lage an der
2. Der Angriff auf Polen muss gemäß den für ,,Fall Weiß’’ getroffenen
2 Bracher 1960, S.428.
3 Churchill 1985, S.185.
4 Hildebrand 2003, S.66.
5 Ebd., S.48.
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Datum des Angriffs 1. September 1939, Zeit des Angriffs 0445 3. Im Westen ist es von Bedeutung, dass die Verantwortlichkeit für die Eröffnung
In den Morgenstunden des 1.Septembers 1939 begann mit dem Beschuss der polnischen Garnison auf der Westerplatte durch das deutschen Linienschiff ,,Schleswig-Holstein’’ der deutsche Angriff auf Polen. Das Oberkommando des Heeres hatte seine Planungen für den Polenfeldzug unter dem Decknamen ,,Fall Weiss’’ am 15.Juni abgeschlossen und griff mit zwei Heeresgruppen 7 , die von der deutschen Luftwaffe Unterstützung erhielten, an. Ziel war es, Polen in einer Zangenbewegung durch einen Angriff von drei Seiten schnellstmöglich in die Knie zu zwingen. Die deutsche Regierung ignorierte die in den Folgetagen erhaltenen Ultimaten Englands und Frankreichs, so dass beide Staaten am 3.September 1939 dem Deutschen Reich offiziell den Krieg erklärten.
Gemäß der getroffenen Vereinbarung marschierte die Rote Armee am 17.September über die fast ungesicherte Ostgrenze Polens ein. Am folgenden Tag trafen die Streitkräfte der Bündnispartner aufeinander, womit der Widerstand des weit unterlegenen polnischen Gegners endgültig gebrochen und der Feldzug in nur 18 Tagen beendet war. 8 Entgegen der polnischen Erwartungen blieb eine wirkungsvolle Unterstützung der Briten aus, nachdem in London in den vorangegangenen Wochen der Sinn einer umfangreichen militärischen Intervention mitunter vehement in Frage gestellt wurde. 9 Noch am Tag der Besetzung teilte man dem polnischen Botschafter in Moskau mit, dass der polnische Staat nicht mehr existiere. In äußerst kurz bemessenen Nachverhandlungen wurde am 28.September in Moskau eine Modifizierung des geheimen Zusatzprotokolls zum deutschsowjetischen Vertrag unterzeichnet, welche nochmals die Abgrenzung der beiderseitigen Eroberungen und Interessensphären regelte: Die SU sicherte sich nun auch die Verfügungsgewalt über Litauen und die polnischen Woiwodschaften 10 , hingegen Warschau und Lublin dem Deutschen Reich überlassen wurden. 11 Mit diesem Schritt war das Kalkül Hitlers und Stalins aufgegangen und die vierte Teilung in der Geschichte des polnischen
6 Churchill 1985, S.189.
7 der Heeresgruppe Nord und Heeresgruppe Süd
8 Churchill 1985, S.200.
9 Bracher 1960, S.432.
10 polnische Verwaltungsbezirke
11 Hildebrand 2003, S.67.
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Staates endgültig vollzogen. Dies brachte der ,,Führer’’ des Deutschen Reiches auch in seiner Siegesansprache am 19.September in Danzig zum Ausdruck: ,,Polen wird niemals wieder auferstehen. Dafür garantiert ja letzten Endes nicht nur Deutschland, sondern dafür garantiert ja auch Russland.’’. Kurze Zeit später feierte er die externe Regierung der beiden Siegermächte vor dem Reichstag mit den Worten: ,,Deutschland und Russland werden - jeder in seinem Raume - zur Wohlfahrt der dort lebenden Menschen und damit zum europäischen Frieden beitragen’’. 12
Obgleich Hitler in dieser Reichstagsrede, welche sich offenkundig an die Westmächte wandte, versicherte, dass Deutschland fortan keine Territorialansprüche mehr stellen und nun eine Politik der Völkerverständigung und des Friedens betreiben werde, wiesen Chamberlain und Daladier, die Außenminister Englands und Frankreichs, die Angebote des deutschen Reichskanzlers eindringlich zurück. Auch die Einigungsversuche durch die Vermittlung der außenpolitischen Ämter Belgiens und der Niederlande blieben erfolglos. England und Frankreich, die sich auch nach dem Ende des Polenfeldzuges weiterhin im Kriegszustand mit Deutschland befanden, stürzte dieses Szenario in eine tiefe Krise. International wurde die Glaubwürdigkeit der englisch-französischen Widerstandspolitik und der
Garantieverpflichtungen für andere Staaten vermehrt angezweifelt. Das Kriegsziel der beiden europäischen Mächte, die Rekonstruktion und der Schutz Polens, war durch die Intervention der Roten Armee vorerst nicht mehr zu realisieren. Ohne Aussicht auf Erfolg schien auch der Weg, den man mit der Kriegserklärung an Hitler eingeschlagen hatte, demonstrierte dieser durch den gewonnenen Blitzkrieg die militärische Vormachtsstellung Deutschlands in Europa. Die Situation an der Westfront blieb weiterhin angespannt. Die Streitkräfte beider Parteien standen sich hochgerüstet gegenüber, Kampfhandlungen blieben jedoch aus, weshalb diese Phase später als ,,the phoney war’’ bezeichnet wurde.
Auch der Sowjetunion blieb die bedrohliche Wirkung des Hitler-Stalin-Paktes auf andere Staaten nicht unbemerkt. Bereits im Oktober zwang Moskau Estland, Lettland und Litauen zur Unterzeichnung von sogenannten ,,Beistandspakten’’ und der Abtretung von Militärstützpunkten an die Rote Armee. Lediglich Finnland sperrte sich gegen ähnlich gelagerte Forderungen, woraufhin die UdSSR ab Mitte November mit der Vorbereitung eines Militärschlages gegen das angrenzende nordische Land reagierte. Nach den ,,Schüssen von Mainila’’ greift die SU am 30. September 1939 Finnland an und der sowjetisch-finnische Winterkrieg nimmt seinen Anfang. Als internationale Reaktion auf den Angriff kommt es infolgedessen auch zum letztmaligen Auftreten des zu jener Zeit bereits stark geschwächten
12 Bracher 1960, S.433.
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Völkerbundes, aus welchem die SU, nach Antrag Finnlands, am 14.Dezember ausgeschlossen wird. Ungarn, Italien, Frankreich und Großbritannien unterstützen Finnland durch Waffenlieferungen, eine militärische Intervention scheiterte jedoch am Veto der skandinavischen Länder, die weiterhin ihre Neutralität wahren wollten und das bestehende Durchmarschverbot durch ihre Staaten nicht aufhoben. Gleichermaßen bestand die Möglichkeit, dass die Sowjetunion das Vorgehen der Westmächte höchstwahrscheinlich als Kriegserklärung gegen sie interpretiert hätte, was man um jeden Preis vermeiden wollte. Nach unerwartet harten Kämpfen, bei denen die UdSSR verhältnismäßig hohe Verluste verzeichnete, wird Finnland am 12. März 1940 ein Friedensvertrag oktroyiert. In diesem wurden der SU unter anderem finnisches Territorium und Marinebasen zugesichert. 13
2.1 Die Vorgeschichte der ,,Weserübung’’
Etwa zehn Wochen nach der deutschen Besetzung des Memellandes schlossen das Deutsche Reich und Dänemark am 31.Mai 1939 einen Nichtangriffspakt, dessen Gültigkeit auf zehn Jahre befristet war. Die skandinavischen Staaten Norwegen und Schweden lehnten ähnliche Nichtangriffsverträge ab, da sie zu jenem Zeitpunkt keine akute Bedrohung durch andere Staaten empfanden. Am Tag des deutschen Einmarschs in Polen, dem 1.September 1939, gab die norwegische Regierung eine Neutralitätserklärung ab. Auch Schweden und Finnland hielten wie im Ersten Weltkrieg an einer Politik der strikten Neutralität fest. 14 Die Neutralität Norwegens besaß für das Deutsche Reich höchste Priorität, da mit einem zu erwartenden Kriegseintritt der Seemacht Großbritannien der deutsche Überseehandel zu Erliegen drohte. Die deutsche Führung war sich überdies darüber im klaren, dass dem Deutschen Reich in diesem Fall nur noch zwei Seewege zur Verfügung standen, um das für die Kriegswirtschaft dringend benötigte Eisenerz aus der Region Gällivare-Kiruna nach Deutschland zu transportieren, nämlich die Ostsee und die Seelinie entlang der norwegischen Neutralitätsgewässer bis Narvik.
Noch bevor England und Frankreich ihre Kriegserklärung an Deutschland bekanntgaben, überreichte der deutsche Gesandte in Oslo dem norwegischen Außenminister Professor Dr. Koht am 2.September 1939 eine Note, in der die deutsche Reichsregierung Norwegen versicherte, dessen Neutralitätspolitik zu unterstützen und auf jede Art von Neutralitätsmissachtung durch eine dritte Seite mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. 15 Die Nachricht des Kriegseintrittes Englands und Frankreichs am 3. September 1939 wurde in der
13 Bracher 1960, S.433.
14 Ottmer 1994, S.18.
15 Hubatsch 1960, S.14.
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Reichskanzlei mit großem Unbehagen vernommen. Hitler hoffte bis zuletzt, dass es trotz seiner aggressiv geführten Außenpolitik zu keiner militärischen Intervention durch die Westmächte kommen würde. Weiterhin war für diese doch kalkulierbare Schicksalswendung kein konkreter Kriegsplan ausgearbeitet. Auch die deutsche Seekriegsleitung stufte die Lage als äußerst kritisch ein, da die Kriegsmarine für einen Kampfeinsatz gegen die Flotte der Royal Navy nicht ausreichend gerüstet war. Die Unterlegenheit der Überwasserstreitkräfte war sogar so prekär, dass Großadmiral Erich Raeder über das zu erwartende Schicksal der Schiffsbesatzungen schrieb, ,,dass sie mit Anstand zu sterben verstehen und damit die Grundlage für einen späteren Wiederaufbau zu schaffen bereit sind’’. 16 Aufgrund der äußerst schlechten Ausgangssituation der Kriegsmarine bei Kriegseintritt der Westmächte sah sich der Vorsitzende der Seekriegsleitung gezwungen, den Ausbau seiner Waffengattung weiter voranzubringen. So gelang es Raeder bei einer Konferenz am 23. September 1939, Hitler von einem zügigen Ausbau der U-Bootwaffe, sogar bei gleichzeitiger Zurückstellung der Luftwaffe, zu überzeugen. Zugleich kam man überein, die sowjetische Offerte über einen Marinestützpunkt östlich von Murmansk zu prüfen und unter Umständen auch Basen in Norwegen zu errichten.
Am 3.Oktober 1939 hielt die deutsche Seekriegsleitung eine interne Lagebesprechung unter Vorsitz Raeders ab, bei der man den U-Bootkrieg gegen England plante. Bereits einen Monat zuvor hatte man eine Konferenz über dieses Thema abgehalten, bei der man jedoch unter dem Vorbehalt nicht das Völkerrecht verletzten zu wollen, vom uneingeschränkten U-Bootkrieg absah. Nun vermutete der Führer der U-Bootflotte, Kapitän zur See und Kommodore Dönitz, Erfolgsaussichten in einem ausgeweiteten Unterwasserkrieg gegen Geleitzüge, bei der jedoch die Küstenregionen rund um Großbritannien zu meiden waren. Im Bezug auf die Frage, welche Stützpunkte für dieses Vorhaben nützlich sein könnten, führte Raeder seine Erwägungen zur ,,Ausweitung der Operationsbasis nach Norden’’ aus. 17 Die gesamten Kalkulationen der Seekriegsleitung zur Errichtung von Stützpunkten in Norwegen hatten die Zielvorstellung, die geostrategische Ausgangssituation für einen Seekrieg gegen England zu verbessern.
Für die deutsche Abwehr ergaben sich zeitnah nach der Kriegserklärung der Westalliierten konkrete Hinweise auf ein britisch-französisches Vorhaben, in dem die norwegische Neutralität ignoriert werden sollte, um letztlich eigene Marine- und Luftlandestützpunkte an der norwegischen Küste zu errichten. Der später im Widerstand agierende Admiral Canaris, zu jener Zeit Chef des Amtes Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht, und
16 Ottmer 1994, S.16.
17 Ebd., S.20
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Admiral Carls warnten Raeder in aller Deutlichkeit vor der großen Gefahr eines britischen Eingreifens in Norwegen. 18 Dass England die schwedischen Erzexporte nach Deutschland um jeden Preis, also auch unter Verletzung der Neutralität, unterbinden wollte, entsprach tastsächlich der alliierten Kriegsplanung. Nach eigenen Aussagen Raeders habe er Hitler persönlich bei einer Konferenz am 10.Oktober 1939 seine Bedenken bezüglich Norwegens mitgeteilt, doch wollte dieser zu jenem Zeitpunkt keine Entscheidungen fällen. Aus dem Gesprächsprotokoll jener Sitzung lassen sich Raeders Bedenken nicht belegen, gleichwohl sind aber seine Überlegungen zur Einrichtung eines Stützpunktes in Trondheim darin enthalten.
Letztlich fasste der britische Kriegsminister Winston Churchill den Entschluss, die Neutralität der skandinavischen Länder zu ignorieren um auf diesem Weg das Deutsche Reich zu einer frühzeitigen Kapitulation zu zwingen. Am 6.Januar 1940 überreichten die britischen Gesandten in Stockholm und Oslo eine Regierungserklärung Großbritanniens, in der das Königreich mitteilte, deutschen Handelsschiffen künftig das Passieren der norwegischen Hoheitsgewässer zu untersagen. In anderen Worten bedeutete dies, dass England fortan seine Seekriegsführung auf die norwegischen Gewässer ausdehnen werde und eine Blockade gegen Deutschland errichte. 19 In Schweden und Norwegen reagierte man mit Ablehnung und großer Empörung auf das britische Vorgehen. Der norwegische König Haakon ließ seine Bedenken unverzüglich Georg VI. von England zukommen und auch der norwegische Außenminister Dr. Koht konstatierte, dass noch niemals eine so starke Bedrohung der norwegischen Neutralität ausgesprochen worden sei und die Absichten Großbritanniens das alleinige Ziel hatten, einen deutschen Gegenschlag zu provozieren und damit den Krieg auf norwegisches Territorium auszuweiten. 20
Durch einen großen Fauxpas des Ersten Generalstabsoffiziers der 7.Luftdivision kam der Aufmarschplan für den gesamten Westfeldzug am 19.Januar 1940 in die Hände der Alliierten. Dieser enthielt die konkreten Pläne für die Okkupation der Niederlande, Belgiens und schließlich Frankreichs. Obwohl von Seite der deutschen Kriegsgegner die Authentizität der Pläne mitunter bezweifelt wurde und man auch eine bewusste Täuschung nicht ausschließen wollte, drängte der französische Generalstab und auf eine Errichtung einer zweiten Front in Skandinavien, um auf diese Weise die deutschen Streitkräfte an der Westfront zu schwächen.
18 Ottmer 1994, S.21
19 Hubatsch 1960, S.17.
20 Ottmer 1994, S.23ff.
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Der Allied Supreme War Council entschied sich am 5. Februar in Paris dafür, drei oder vier Divisionen nach Narvik zu entsenden, von der schwedischen Regierung ein Durchmarschrecht zu erzwingen und die finnischen Truppen im Winterkrieg gegen die SU zu unterstützen. Nebenher sollte die Sicherung der Rohstoffe aus den Erzgruben von Gällivare und die Einnahme der norwegischen Hafenstädte Trondheim, Bergen und Stavanger durchgeführt werden. 21 Schweden beharrte allerdings weiterhin auf seiner Neutralität und wies die britischen Forderungen erneut zurück, weshalb der alliierte Kriegsrat erneut tagte. Diesmal kam man überein, 30 000 bis 40 000 Soldaten bei Narvik landen zu lassen, die von dort aus die Erzzufuhr nach Deutschland abschneiden und wenige Zeit später nach Finnland übersetzen sollten. Das man derweil auch bereit war die Neutralität der skandinavischen Länder zu ignorieren geht aus dem Umstand hervor, dass man nicht einmal darüber debattierte, würden sich Schweden und Norwegen dem alliierten Unternehmen nochmals widersetzen.
Ein weiteres äußerst relevantes Ereignis in der Vorgeschichte der ,,Weserübung’’ ist der Besuch des früheren norwegischen Kriegsministers Vidkun Quisling, auf dessen Person später noch einmal explizit eingegangen wird. Quisling war Führer der bis dahin wenig bedeutenden faschistischen ,,Nasjonal Samling’’ und pflegte bereits lange vor Kriegsbeginn einen guten Kontakt zum Reichsleiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP, Alfred Rosenberg. Auf Vermittlung Rosenbergs kam es zunächst zu einem Treffen zwischen Großadmiral Raeder und Quisling am 11.Dezember 1939, bei welchem der norwegische Politiker von der eher zu England tendierenden Grundhaltung seiner Regierung und konkreten Hinweisen einer bevorstehenden britischen Landung in Norwegen berichtete. 22 Raeder erkannte umgehend, dass Quisling das geeignete Hilfsmittel sein sollte, um Hitler von seinem eigenen Vorhaben zu überzeugen. Infolgedessen arrangierte er eine Unterredung zwischen dem norwegischen Nationalisten und dem ,,Führer’’ des Deutschen Reiches, welches am 14.Dezember stattfand. Die Intuition des Großadmirals über die Wirkung Quislings bei Hitler bewahrheitete sich, so dass Hitler noch am gleichen Tag der Konsultation die ,,Studie Nord’’ in Auftrag gab. Dieser im Dezember fertiggestellte vorläufige Plan einer deutschen Invasion wurde zwar schnell wieder verworfen, da man nicht an die Realisierung des von Quisling angebotenen Staatsstreiches glaubte, dennoch wurde am 27.Januar 1940 auf Weisung Hitlers ein Sonderstab innerhalb des Oberkommandos der Wehrmacht eingerichtet. Dieser Stab stand unter der Leitung von Kapitän zur See Krancke und erarbeitete fortan einen detaillierten Operationsplan unter dem Decknamen ,,Weserübung’’.
21 Ottmer 1994, S.26.
22 Ebd., S.25.
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Weltweite Aufmerksamkeit erhielt der sogenannte ,,Altmarkfall’’, bei welchem es in der Mitte des Februars 1940 zu einer deutlichen Neutralitätsverletzung durch britische Streitkräfte kam. Bei der ,,Altmark’’ handelte es sich um ein deutsches Marine-Troßschiff unter dem Kommando des Kapitäns Dau, welches die Versorgung des deutschen Panzerschiffes ,,Admiral Graf Spee’’ im Handelskrieg im Nord- und Südatlantik gewährleisten sollte. Bevor die ,,Graf Spee’’ auf Befehl ihres Kommandeurs Langsdorff am 17.Dezember 1939 im Hafen von Montevideo gesprengt wurde, nahm die ,,Altmark’’ die insgesamt 303 britischen Kriegsgefangenen des deutschen Panzerschiffes an Bord. Wohlbemerkt führte das Troßschiff als Hilfskreuzer die Reichsdienstflagge und war von der deutschen Seite nicht als Kriegsschiff eingestuft. Churchill vertrat allerdings eine andere Meinung zu diesem Standpunkt und gab die Weisung, das deutsche Schiff um jeden Preis zu stellen, da es mit dem Transport von Kriegsgefangenen seinen Neutralitätsstatus missbrauchen würde. Darüber hinaus bezeichnete der britische Minister das Schiff als ,,Trophäe von unschätzbaren Wert’’. So ereignete es sich, dass am 16. Februar 1940 der britische Zerstörer ,,Cossack’’ wider norwegischer Proteste in den Jössing Fjord einlief, die ,,Altmark’’ enterte und die gefangenen britischen Seeleute befreite, wobei es zum Tod von acht deutschen Seemännern kam. Die deutsche Propaganda griff das Ereignis umgehend auf und instrumentalisierte es als Exempel dafür, wie sich Norwegen unter Zwang der Westalliierten verhalten werde, bzw. das es im Falle eines alliierten Invasionsunternehmens nicht zur Aufrechterhaltung seiner Neutralität fähig sei. Die vor dem Unterhaus gehaltene Rede des britischen Premierministers Chamberlain, in welcher er die britische Vorgehensweise rechtfertigte, verlieh der deutschen Darstellung weiter Nachdruck. Schließlich rief Hitler am 20.Februar 1940 Nikolaus von Falkenhorst in die Reichskanzlei, wo der General der Infanterie am folgenden Tag in den geplanten Angriff gegen Norwegen eingewiesen und mit der Vorbereitung und Durchführung des Unternehmens beauftragt wurde. 23
3. Unternehmen ,,Weserübung’’
Noch vor der praktischen Umsetzung des Militärschlags kam man zu der Erkenntnis, dass ein Erfolg des Unternehmens wohl nur über die Besetzung Dänemarks, insbesondere Jütlands, möglich sei. Hierfür waren mehrere Gründe ausschlaggebend: Die Luftwaffe benötigte für einen schnellen Zugriff auf Norwegen Flugplätze in Nordjütland, der Nachschub konnte über Eisenbahnverbindung von Deutschland nach Aalborg gewährleistet werden und letztlich wollte die Kriegsmarine die Passierwege durch die dänischen Hoheitsgewässer langfristig
23 Der eingerichtete ,,Sonderstab Gruppe XXI’’ unter der Leitung von General von Falkenhorst übernahm ab
dem 26.Februar die Arbeit des zuvor eingerichteten Sonderstabes von Kapitän z.S. Krancke
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sichern. Außerdem sollte ein möglicher Zugriff Großbritanniens auf Dänemark präventiv unterbunden werden. 24
Am 9.April 1940 begann um 5.15 Uhr, der sogenannten ,,Weserzeit’’, der deutsche Angriff auf Dänemark. Während die 170.Infanteriedivision und die 11.Schützenbrigade die dänische Grenze vom Festland aus überschritten, wurde eine Kampfgruppe der 198.Infantriedivision im Hafen von Kopenhagen abgesetzt. Diese setzte sich umgehend zur strategisch wichtigen Einnahme der Zitadelle Kopenhagens ab, in welcher sich der dänische Generalstab aufhielt. Nachdem die Flugplätze in Aalborg durch einen Fallschirmjägerzug eingenommen war und es vereinzelt zu Kampfhandlungen kam, gab der dänische König Christian X. um 7.20 Uhr den Befehl zur Einstellung der dänischen Gegenwehr. Bereits seit dem Beginn des Angriffes wurde die dänische Regierung durch den deutschen Generalmajor Himer dazu gedrängt, die Forderungen nach einer ,,friedlichen’’ Besetzung zu akzeptieren. Um weiteres Leid von seiner Bevölkerung abzuhalten, ließ Christian X. durch den dänischen Außenminister Munch mitteilen, dass man die deutschen Bedingungen akzeptiere, allerdings gegen die Verletzung der dänischen Neutralität ernsten Einspruch erhebe. 25 Hätte sich der dänische König den Konditionen der Aggressoren nicht gebeugt, so wäre, nach Androhung Himers, die Bombardierung Kopenhagen erfolgt. Um 7.45 bekamen alle im Einsatz befindlichen Wehrmachtsteile per Funk mitgeteilt, dass die dänische Regierung die deutschen Forderungen akzeptiere und alle festgesetzten dänischen Einheiten freizulassen und wiederzubewaffnen sind. 26
Während die erfolgreiche Durchführung der ,,Weserübung Süd’’ 27 für die deutsche Seite ohne nennenswerte Verluste verlief, entging sie bei der Einnahme Norwegens knapp einem Fiasko. Für die erfolgreiche Durchführung der ,,Weserübung Nord’’ war bereits seit dem 7.April ein deutscher Flottenverband in Richtung Norwegen unterwegs. 28 Etwa zur gleichen Zeit begannen britische Seestreitkräfte mit der Verminung des Westfjordausgangs. Obwohl das deutsche Unternehmen planmäßig anlief und man bereits am Abend des 9.April dem Führerhauptquartier meldete, die Besetzung Dänemarks und Norwegens sei auftragsgemäß durchgeführt, entsprach die Nachricht zu jenem Zeitpunkt weder den militärischen, noch diplomatischen Realitäten. Der norwegische Außenminister Dr. Koht signalisierte dem deutschen Gesandten Dr. Bräuer, dass die Staatsführung das deutsche Ultimatum nicht
24 Werther 2004, S.28.
25 Hubatsch 1960, S.129.
26 Ottmer 1994, S.74ff.
27 der Besetzung Dänemarks
28 Dieser Verband bestand aus den Kriegsschiffgruppen 1 und 2 und wurde zusätzlich von der Schlachtschiffen
,,Gneisenau’’ und ,,Scharnhorst’’ gesichert. Insgesamt hatte die Seekriegsleitung fünf solcher
Kriegsschiffgruppen für die Inavsion Norwegens zusammengestellt.
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akzeptiere und ließ im Einvernehmen mit seinen Kabinettskollegen ein Telegramm nach Berlin absetzen, welches das Scheitern der diplomatischen Bestrebungen der deutschen Regierung mitteilte. Die norwegische Regierung wollte das Land nicht freiwillig durch die Deutschen unterjochen lassen, was nicht minder daran lag, dass Hitler ausschließlich Quisling als künftigen Regierungschef akzeptieren wollte. Quisling galt beim norwegischen König Haakon als Repräsentant einer radikal gesinnten Minderheit, der auf keinen Fall Regierungsgeschäfte übertragen werden durften. Auch die von deutscher Seite geplante schnelle Festsetzung des norwegischen Königs war gescheitert. So konnte Haakon samt seiner Familie und nahezu alle Abgeordneten des Storting 29 die Stadt Oslo sicher verlassen. Die sichere Flucht des Königs und der wichtigsten politischen Würdenträger plante man bereits im Vorfeld des deutschen Angriffs und glückte mit Hilfe eines für diesen Zweck bereitgestellten Sonderzuges.
Die militärische Situation war nicht weniger heikel, da die Wehrmacht sowohl mit dem Widerstand der norwegischen Armee, als auch der entsandten britischen Streitkräfte konfrontiert war. Die deutschen Schlachtschiffe ,,Gneisenau’’ und ,,Scharnhorst’’ waren durch Kampfhandlungen mit der Royal Navy schwer beschädigt und der Schwere Kreuzer ,,Blücher’’ bereits im Oslofjord versenkt worden, was gleichzeitig gravierende Fehler in der Operationsplanung offenlegte 30 . Bei der für den Erfolg des gesamten Unternehmens äußerst wichtigen Einnahme Narviks stießen die deutschen Verbände auf heftige Gegenwehr, zu Wasser durch die Royal Navy, zu Land durch das britische Expeditionskorps. Die Kriegsmarine verlor während der maritimen Gefechte vor Narvik alle eingesetzten Zerstörer, samt dem befehlshabenden Offizier Kommodore Bonte. Zu Land leisteten die deutschen Gebirgsjäger unter dem Befehl General Dietls zähen Widerstand gegen die zahlenmäßig weit überlegenen alliierten Landungstruppen 31 , wobei die deutsche Seite am 15.April zum Rückzug aus Narvik gezwungen wurde. Der Kampf um die norwegische Hafenstand und das Schicksal des gesamten Landes entschied sich schließlich dadurch, dass das Deutsche Reich am 10.Mai 1940 den ,,Fall Gelb’’ 32 und ,,Fall Rot’’ 33 einleitete, woraufhin Frankreich seine in Norwegen befindlichen Truppenteile abzog, um diese zur Verteidigung des eigenen Landes einzusetzen. Den übriggebliebenen britischen und norwegischen Streitkräften gelang es fortan nicht mehr, der Wehrmacht größere Verluste zuzufügen, so dass sich die britische Führung
29 Das Storting, wörtlich übersetzt etwa ,,große Versammlung’’, ist das nationale Parlament Norwegens.
30 An Bord des versenkten dt. Flaggschiffs befanden sich alle militärisch relevanten Stäbe für die Einnahme
Oslos.
31 Bei Narvik landeten etwa 24.500 gut ausgebildete Marineinfanteristen und Gebirgsjäger, die auf ca. 2100
deutsche Soldaten trafen.
32 Deckname für den Angriff auf Luxemburg, die Niederlande und Belgien
33 Deckname für den Angriff auf Frankreich
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zur Evakuierung des Expeditionskorps entschied und Narvik wieder in deutsche Hand fiel. Am 10. Juni 1940 unterzeichnete das Norwegische Oberkommando in Drontheim die Kapitulation, womit die deutschen Interessen vorerst befriedigt wurden. 34 Bis heute ungeklärt bleibt die Frage, ob die ,,Weserübung’’ auch erfolgreich verlaufen wäre, hätten die Regierungen in Oslo und Kopenhagen am 4.April 1940 den konkreten Hinweisen des deutschen Widerstandskämpfers und damaligen Abteilungsleiter des Amtes Ausland/Abwehr, Oberst Oster, Bedeutung beigemessen und ihre Streitkräfte vor der deutschen Invasion mobilisiert.
4. Die Zeit während der deutschen Besatzung
4.1 Dänemark
Nachdem die dänische Regierung die Forderungen der neuen Besatzungsmacht akzeptierte, ließ sie mitteilen, dass sie ,,der Überfall auf ihr Land nicht als kriegerischen Akt und die Besetzung nicht als ,,occupatio bellica’’ 35 , sondern als völkerrechtlich nicht definierte ,,occupatio pacifica’’ 36 betrachte. 37 Unter dem Schein einer ,,friedlichen’’ Besetzung wollte man das Ziel realisieren, dass das politische System und seine rechtmäßig gewählten Organe fortbestehen konnten und Verwaltung und Justiz weiter unter dänischer Obhut bleiben. Dieses Entgegenkommen wurde von deutscher Seite begrüßt, wollte man in Betracht der nahenden kriegerischen Auseinandersetzung mit Frankreich die Administration über Dänemark mit möglichst minimalen Aufwand durchführen. 38 Der neu eingesetzte ,,Gesandte und Bevollmächtigte des Deutschen Reiches bei der dänischen Regierung’’, der Botschafter Cecil von Renthe-Fink, teilte dem Auswärtigen Amt am 15.April 1940 mit, dass man ,,nach außen hin die dänische Souveränität schonen’’ wolle, damit ,,die dänische Regierung auch gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung manche unangenehmen Maßnahmen leichter rechtfertigen und durchsetzen kann’’. 39 General Kaupisch, der Befehlshaber der Besatzungstruppen, äußerte sich in einem Schreiben an das Führerhauptquartier vom 20.April in sehr ähnlicher Weise, allerdings unter der Diktion, dass man nur durch dieses Vorgehen möglichst viel für die deutsche Kriegsrüstung und Industrie herausholen könne.
34 Hubatsch 1960, S.549.
35 kriegerische Besetzung
36 friedliche Besetzung
37 Werther 2004, S.30.
38 Bundesarchiv 1992, S.19.
39 Ebd.
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Innerhalb der ersten beiden Jahre der Besatzungszeit konnten die gesetzten Ziele weitgehend erfüllt werden, was der Botschafter von Renthe-Fink am 11.Mai 1942 durch ein Memorandum auch Berlin wissen ließ. Die von Renthe-Fink genannten ,,erfüllten Wünsche’’ beinhalteten neben wirtschaftlichen Leistungen auch den Austritt aus dem Völkerbund (Juni 1940), den Beitritt zum Antikominternpakt 40 (November 1941), die Abtretung von Anlagen, Waffen und Geräten, Maßnahmen gegen den Kommunismus und Internierung von Mitgliedern kommunistischer Parteien, Maßnahmen gegen Emigranten, die Zusammenarbeit von dänischen Behörden und der Polizei mit den Besatzern und letztlich auch die Erlaubnis zur Werbung von Freiwilligen für die Waffen-SS. 41
Gleichfalls muss in diesem Zusammenhang bemerkt werden, dass eine Vielzahl der dänischen Zugeständnisse vom Deutschen Reich unter teilweise erheblichen Widerstand erzwungen worden sind. Unterdessen gelang es der dänischen Regierung, die seit dem 10.4.1940 als ,,Sammlungsregierung’’ auch Vertreter der Konservativen Volkspartei und Venstre 42 einschloss, sich erfolgreich gegen die gestellten Forderungen nach antisemitischen Gesetzen, Deportationen, der Einführung der Todesstrafe und einer Wirtschaftsunion mit Deutschland zu widersetzen.
Eine Veränderung in der Politik mit den Besatzern erfolgte mit der Ernennung des parteilosen und als pragmatisch geltenden Erik Scavenius zum Außenminister im Juni 1940. Er war fortan auch der Hauptansprechpartner des deutschen Gesandten und ging mit seiner Politik des ,,guten Willens’’ weiter als die parteigebundenen Mitglieder des Kabinetts, welche auf die in der dänischen Bevölkerung vorherrschende Antipathie gegen die fremde Besatzungsmacht weiterhin Rücksicht nahmen. Nachdem die ersten Erfolgsmeldungen des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion eintrafen, entwickelte sich Scanvenius politisches Handeln immer weiter zu einem reinen Opportunismus. Infolgedessen veröffentlichte man eine Erklärung, die Hitlers Kriegspläne unterstützte, einflussreiche dänische Kommunisten wurden festgenommen und nach dem Beitritt zum Antikominternpakt strebte man mit der Stiftung des ,,Ostraumausschusses’’ auch eine Mitwirkung an der ökonomischen Ausbeutung der bis zu diesem Zeitpunkt eingenommenen Ostgebiete an. Gleichermaßen wuchs die Unmut innerhalb der dänischen Bevölkerung gegenüber ihrer Regierung, welche zunehmend als Werkzeug der
40 Der Antikominternpakt 1936 war ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem
Japanischen Kaiserreich zur Bekämpfung der Kommunistischen Internationalen (Komintern). 1937 trat Italien
dem Pakt bei, weitere Länder folgten.
41 Werther 2004, S.31.
42 Venstre ist eine rechtsliberale Partei in Dänemark
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Arbeit zitieren:
Sebastian Jakubzik, 2011, Kollaboration und Widerstand in Dänemark und Norwegen während der deutschen Besetzung im 2. Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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