Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: II
Abbildungsverzeichnis : III
Tabellenverzeichnis: III
Symbolverzeichnis : IV
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Das Heckscher-Ohlin-Theorem und der Faktorpreisausgleich 3
2.2 Verzerrung auf den Faktormärkten 9
2.3 Interpretation von Leistungsbilanzsalden 12
3 Die Basarökonomie 14
3.1 Definition der Basarökonomie 14
3.2 Deutschland im Jahre 2003 15
3.3 Kapitalintensität internationaler und deutscher Unternehmen 16
3.4 Empirische Überprüfung des Basar-Effekts 18
3.4.1 Outsourcing und Offshoring 18
3.4.3 Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes 20
3.4.4 Herkunft der Vorleistungsbezüge. 23
3.4.5 Analyse des Statistischen Bundesamtes 29
3.4.6 Engagement deutscher Unternehmen im Ausland 31
3.4.7 Deutschland im internationalen Vergleich 33
4 Die Faktormärkte für Arbeit und Kapital 35
4.1 Der Arbeitsmarkt 35
4.2 Der Kapitalmarkt 36
5 Mögliche Ursachen für die Anpassungsschwierigkeiten 38
6 Agenda 2010 - Licht am Ende des Tunnels? 41
7 Fazit 43
Literaturverzeichnis : IV
II
Abbildungsverzeichnis:
Abb. 1: Kapitalintensität, Faktor- und Güterpreisverhältnis 5 Abb. 2: Transformationskurven mit und ohne Handel 7 Abb. 3: Transformationskurve und Tauschgleichgewicht 8 Abb. 4: Transformationskurve und Lohnstarrheit 10 Abb. 5: Wohlfahrt und Exportvolumen bei Lohnstarrheit 11 Abb. 6: Kapitaleinsatz pro Arbeitnehmer 17 Abb. 7: Outsourcing und Offshoring 18 Abb. 8: Fertigungstiefe des verarbeitenden Gewerbes nach 20 Branchen Abb. 9: Anteil verschiedener Branchen am BIP 21 Abb.10: Entwicklung des Outsourcing nach dem IIGO-Index 26 Abb.11: Reale Bruttowertschöpfung und realer Produktionswert 28 Abb.12: Beschäftigung international tätiger Unternehmen 32 Abb.13: Fertigungstiefe im internationalen Vergleich 34 Abb.14: Nettoinvestitionsquote im internationalen Vergleich 37 Abb.15: Entwicklung der Lohnspreizung 40
Tabellenverzeichnis:
Tab.1: Vorleistungsbezüge des verarbeitenden Gewerbes 25 Tab.2: Importabhängigkeit der deutschen Exporte 30
III
Symbolverzeichnis:
Produktionsfaktor Kapital
Produktionsfaktor Arbeit
Relative Lohnsatz
Lohn für den Produktionsfaktor Arbeit
Zins für den Produktionsfaktor Kapital
Preis eines Gutes
Preisverhältnis aus zwei Gütern; auch relative Preis
IV
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Keine Volkswirtschaft in Europa war im letzten Jahrhundert mit solch starken wirtschaftlichen sowie politischen Veränderungen konfrontiert wie Deutsch-land. Nach zwei verlorenen Weltkriegen, in zwei politische Einflusssphären geteilt und vor dem wirtschaftlichen Ruin stehend, stieg die Bundesrepublik in nur 30 Jahren zur stärksten Volkswirtschaft auf dem europäischen Kontinent auf. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg nahm auch der Wohlstand in allen Bevölkerungsschichten in beispielhaftem Maße zu. Das Land, welches in den 1950er Jahren noch zu den Niedriglohnländern zählte, erreichte Ende der 1980er Jahre eines der höchsten Lohnniveaus im internationalen Vergleich. Nach dem Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland und dem sich nicht einstellenden wirtschaftlichen Erfolg in den fünf neuen Bundesländern, änderte sich das Bild in der nun wiedervereinigten Republik. Trotz aller positiven Prognosen und der versprochenen „blühenden Landschaften“ 1 wurde das nun bevölkerungsreichste Land der Europäischen Union in den 1990ern und den ersten Jahren des neuen Jahrtausends zum Wachstumsschlusslicht mit hoher Arbeitslosenquote in Europa. 2 Wie andere industrialisierte Staaten sah sich Deutschland einer Globalisierungswelle gegenüber. Große Fortschritte in der Informationstechnologie und niedrige Transportkosten veränderten die Wirtschaft grundlegend. 3 Immer mehr Unternehmen verlagerten ihre Produktionsstätten in Billiglohnländer. Deutschland baute seine Position im Welthandel weiter aus und steigerte den Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt. 4 Als Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, am 15. November 2003 das erste Mal seine These von der Basarökonomie Deutsch-land vorstellte, löste er damit eine langanhaltende Diskussion um die tatsäch-
1 Vgl. Kohl (1990).
2 Vgl. Sinn (2005), S.18.
3 Vgl. Laaser et al. (2009), S.183.
4 Vgl. Statistisches Bundesamt (2006).
1
liche Lage der deutschen Wirtschaft aus. 5 Die eine Seite fordert, den Gedanken Prof. Sinns folgend, eine Reform des Arbeitsmarktes und eine Umgestaltung des Sozialsystems, um der fortschreitenden Ausdünnung der Industrie zugunsten des Auslandes entgegenzutreten. Die Gegner seiner These hingegen klammern sich an dem Titel Exportweltmeister und plädieren für Lohnsteigerungen und staatliche Konjunkturprogramme um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. 67 Ziel dieser Arbeit soll es sein, zu untersuchen, ob in Deutschland eine empirisch nachweisbare Verlagerung von Arbeitsplätzen in das Ausland stattgefunden hat und sich auf dem Weg in eine Basarökonomie befindet.
1.2 Aufbau der Arbeit
Das 2. Kapitel gibt Aufschluss über die theoretischen Grundlagen des internationalen Handels. Es wird beleuchtet, warum und wie Länder Handel betreiben, welche Auswirkungen der Handel auf die Arbeitsteilung, den Wohl-stand und die Entlohnung der Produktionsfaktoren hat. Gleichfalls wird die Wirkung des Eingriffs von Staaten in den Marktprozess z.B. durch Mindestlöhne untersucht. Kapitel 3 widmet sich der Erläuterung der Basar-These und deren empirischen Nachweis. Es werden verschiedene Möglichkeiten zur Messung von Arbeitsplatzverlagerung betrachtet und der Vergleich mit anderen Industriestaaten gezogen. Im darauffolgenden Kapitel wird Deutschlands Anpassungsfähigkeit an die Herausforderung der Globalisierung anhand der Faktormärkte untersucht. In Kapitel 5 werden die Ursachen für die Anpassungsprobleme der Faktormärkte gesucht. Im letzten Kapitel werden die politischen Antworten auf den Globalisierungsdruck, insbesondere der Agenda 2010 und deren Erfolg bzw. Misserfolg betrachtet.
5 Vgl. Sinn (2003), S.6.
6 Vgl. Grimm (2006).
7 Vgl. Hickel (2004).
2
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Das Heckscher-Ohlin-Theorem und der Faktorpreisausgleich
Die Ökonomen Heckscher und Ohlin erklären die Richtung sowie das Ausmaß des Außenhandels aufgrund der relativen Ausstattung an Produktions-faktoren. 8 Unterschieden werden z.B. die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Unter dem Produktionsfaktor Arbeit versteht man einfache ausführende Tätigkeiten. Das Kapital umfasst Sachkapital, Geldkapital und Humankapital. Das Sachkapital sind Anlagen, wie z.B. Maschinen und Gebäude. Das Humankapital bezeichnet hochqualifizierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte. Der Produktionsfaktor Boden bezieht sich auf beispielsweise landwirtschaftliche Anbauflächen und Bodenschätze. Eine Volkswirtschaft exportiert und spezialisiert sich laut Heckscher und Ohlin, bei Eintritt in den Außenhandel, auf das Gut, welches den reichlich vorhandenen Produktionsfaktor hauptsächlich nutzt und importiert das Gut, welches mit dem relativ knapperen Produktionsfaktor hergestellt wird. 9 In einem kapitalreichen Land hat Kapital einen relativ geringen Preis. Daraus ergibt sich, dass Güter, die zum größten Teil mit Kapital produziert werden, relativ billig sind. Güter, die in einem Land mit einem hohen Anteil an Arbeit hergestellt werden, sind folglich relativ teuer. Zur Veranschaulichung wird im weiteren Verlauf ein Zwei-Ländermodell mit zwei Gütern und zwei Produktionsfaktoren betrachtet. Ein Land ist relativ reich am Produktionsfaktor Kapital (K) und das andere relativ reich am Produktionsfaktor Arbeit (L). Wie die Formel (1) zeigt, ist das kapitalreiche Land das Inland und steht bildlich für eine Industrienation wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland. Das arbeitsreiche Land wird als das Aus-land (*) betrachtet und steht für ein Schwellen- oder Entwicklungsland wie z.B. die Volksrepublik China. 10
8 Vgl. Ohlin (1933), S.163 ff.
9 Vgl. ebenda.
10 Vgl. Bhagwati et al. (1998), S. 59.
3
Für das Modell werden folgende Annahmen getroffen: 11
x Konstante Skalenerträge
x Identische Kostenfunktionen und gleiches technologisches Wissen x Konstante und identische Nachfragepräferenzen x Keine Transportkosten und internationale Faktorimmobilität x Freie Faktor- und Gütermärkte Æ vollkommene Konkurrenz x Substitutionale Produktionsfaktoren Æ flexibles Faktoreinsatzverhältnis
Gut 1 wir mit einer relativ großen Arbeitsintensität und einer relativ kleinen Kapitalintensität hergestellt. Hierbei handelt es sich z.B. um Textilprodukte. Gut 2 wird hingegen mit relativ viel Kapital und relativ wenig Arbeit hergestellt. Für Gut 2 nehmen wir an, dass es sich um Maschinen handelt. Gut 1 ist das arbeitsintensive und Gut 2 das kapitalintensive Gut. Der obere Teil der Abbildung 1 zeigt den Zusammenhang zwischen dem Faktorpreisverhältnis ω = und der Kapitalintensität =
. Die Preise der Faktoren werden durch
den Lohn für Arbeit und den Zins für Kapital determiniert. Im Fall ohne Handel, dem sogenannten Autarkiefall, ist das Faktorpreisverhältnis des In-landes höher als das des Auslandes ∗ . Es ist zu entnehmen, dass zu je-
dem Preisverhältnis Maschinen also Gut 2, kapitalintensiver produziert werden als Textilien. Die Nutzung des Faktors Kapital steigt bei der Produktion jeden Gutes, wenn der Faktor Kapital relativ zum Faktor Arbeit billiger wird. Die optimale Faktorallokation der Unternehmen führt zu einer Erhöhung der Kapitalintensität, da es sich lohnt Kapital durch Arbeit zu ersetzen. 12 Der relativ hohe Arbeitsreichtum des Auslands und das daraus resultierende geringe Faktorpreisverhältnis führt zu einer niedrigeren relativen Nutzung des Pro-duktionsfaktors Kapital. Der untere Teil der Abbildung 1 zeigt den Zusammenhang zwischen dem Faktorpreisverhältnis ω und dem Güterpreisverhältnis ρ= // . Steigt z.B. die Entlohnung des Produktionsfaktors Arbeit, so
11 Vgl. ebenda, S. 53 ff.
12 Vgl. Sauernheimer (2006a), S.434.
4
steigt auch das Güterpreisverhältnis, da Arbeit relativ teurer wird und so auch das arbeitsintensive Gut (Textilien) relativ teurer wird.
Kommt es zu einer Aufnahme von Außenhandel, so besagt das Faktorpreis-ausgleichstheorem, dass sich die Faktorpreise zwischen den handeltreibenden Ländern angleichen. 13 Durch diesen Mechanismus nähern sich die Fak-torpreise gegenseitig an und es bildet sich ein internationales Faktorpreisverhältnis und Güterpreisverhältnis. Das Preisverhältnis im Ausland ∗ nimmt
zu und jenes im Inland ρ nimmt ab. In Abbildung 1 bildet sich so das interna- tionaleFaktorpreisverhältnis und das Güterpreisverhältnis .
Abbildung 1: Kapitalintensität, Faktor- und Güterpreisverhältnis
Quelle: Vgl. Sauernheimer (2006a), S. 437, eigene Darstellung.
13 Vgl. Baghwati (1999), S. 84 ff.
5
Wenn also das kapitalintensive Land (Deutschland) Handelsbeziehungen mit dem arbeitsintensiven Land (China) aufnimmt, so kommt es zu einer Anpassung der Faktorpreise. Unter den bekannten Annahmen hat dies zur Folge, dass in Deutschland das Faktorpreisverhältnis ω sinkt und in China ∗ steigt. 14 Die Abbildung 2 verdeutlicht graphisch die oben beschriebe Theo-
rie von Spezialisierung und Faktorpreisausgleich anhand der Transformationskurven des In- und Auslands. Die Transformationskurve zeigt die möglichen effizienten Produktionskombinationen an Gütern einer Volkswirtschaft und wird deshalb auch als Produktionsmöglichkeitenkurve bezeichnet. Eine Volkswirtschaft kann jede Güterkombination innerhalb und auf der Transformationskurve erreichen. 15 Produktionspunkte außerhalb der Kurve sind nur zu erreichen, wenn Volkswirtschaft durch Nettoinvestition, demographische Veränderungen oder Technologieänderungen wächst und sich somit die Kurve nach außen verschiebt. 16 Wird der effiziente Pfad verlassen und es wird eine Güterkombination innerhalb der Kurve gewählt, sind Produktionsfaktoren falsch oder nicht beschäftigt. 17 In Abbildung 2a ist der Schnittpunkt zwischen der Transformationskurve und der Preislinie im Autarkiefall. Die Steigung der Preislinie mit dem Anstiegswinkel γ wird durch das negative Güterpreisverhältnis aus Textilien und Maschinen determiniert. ist die gewinnmaximale Outputkombination. 18 In diesem Punkt ist die Steigung der Transformationskurve gleich der Steigung des negativen Güterpreisverhältnisses . Ohne Außenhandel konsumiert die Volkswirtschaft alle Güter, die sie produziert und der Konsumpunkt liegt auf dem Produktionspunkt . An den Produktionskurven aus Abbildung 2 ist zu erkennen, dass das arbeitsreiche Ausland relativ viel Textilien und das Inland relativ viele Maschinen herstellt. Im Inland war durch die relative Arbeitsknappheit, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, das Güterpreisverhältnis relativ hoch und deshalb verläuft die in-
14 Vgl.Ohlin (1933), S.165 f.
15 Vgl. Baghwati (1999), S. 9 f.
16 Vgl. Krugman et al. (2009), S. 142.
17 Vgl. Baghwati (1999), S. 10.
18 Vgl. Krugman et al. (2009), S. 93.
6
ländische Preislinie steiler als die ausländische. Kommt es zu einer Aufnahme von Handel zwischen den beiden Ländern, verändern sich wie in Abbildung 2 verdeutlicht wird, die Preisverhältnisse. Sie nähern sich an und bilden ein internationales Preisverhältnis, welches sich in den Abbildungen 1 und 2 widerspiegelt.
Abbildung 2: Transformationskurven mit und ohne Handel
Quelle: Vgl. Sauernheimer (2006a), S. 433, eigene Darstellung.
Die Abbildung 2 zeigt, dass die Preislinie des Inlandes nach Aufnahme des Handels flacher verläuft und der Produktionspunkt nach wandert. Der Anstiegswinkel der Preislinie wird flacher, weil der relative Textilpreis von ρ auf sinkt. Deutschland produziert weniger Textilien und mehr Maschinen.
Es hat durch die Aufnahme von Außenhandel eine Veränderung des Preisverhältnisses und der Produktionsstruktur gegeben. Im Inland sind die Pro-duktionsfaktoren in den kapitalintensiven und im Ausland in den arbeitsintensiven Sektor gewandert. Abbildung 3 zeigt nun den Außenhandel nach der Anpassung der Preisverhältnisse. Der Punkt , in dem sich die gesellschaftliche Indifferenzkurve und die Preislinie schneiden, stellt den neuen Konsumpunkt dar. Die Indifferenzkurve spiegelt alle Kombinationen von Textilien und Maschinen wider, die den gleichen gesellschaftlichen Nutzen stiften. Je
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Tom Kindervater, 2011, Deutschland auf dem Weg zur Basarökonomie, München, GRIN Verlag GmbH
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