So genannte »reiche Frau« der Urnenfelder-Kultur auf einer von dem Münchener Historienmaler und Altertumsforscher Julius Naue (1832-1907) geschaffenen historischen Trachtenrekonstruktion
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Inhalt
Vorwort / Seite 11
Die Spätbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung
der Kulturen und Gruppen / Seite 13
Das Leben in den Seeufersiedlungen
Die Urnenfelder-Kultur
von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. / Seite 15
Anmerkungen / Seite 79
Literatur / Seite 91
Bildquellen / Seite 101
Die wissenschaftliche Graphikerin
Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 103
Der Autor Ernst Probst / Seite 105
B ücher von Ernst Probst / Seite 107
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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Vorwort
R und 500 Jahre Urgeschichte passieren in dem
Taschenbuch »Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.
Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst. Er hat sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht. Das Taschenbuch »Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz« ist Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Dr. Albert Hafner und Dr. Jürg Rageth gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei seinen Recherchen über Kulturen der Bronzezeit in der Schweiz unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Die Spätbronzezeit in der Schweiz
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen
D ie Spätbronzezeit begann in der Schweiz etwa um
1300/1200 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. Sie umfasst die Stufen Bronzezeit D (etwa 1300 bis 1200 v. Chr.) sowie Hallstatt A und B (etwa 1200 bis 800 v. Chr.). Die Funde aus den Seeufersiedlungen stammen aus den Stufen Hallstatt A 2, B 1 und B 2. In den meisten Kantonen der Schweiz war von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. die Urnenfelder-Kultur (s. S. 15) verbreitet. 1 Das beweisen Funde aus Seeufersiedlungen (»Pfahlbauten«), Gräberfeldern und Depots.
In Teilen von Graubünden und Sankt Gallen wanderten zwischen etwa 1300 bis 1100 v. Chr. Angehörige dreier verschiedener Kulturen in das Gebiet der Inneralpinen Bronzezeit-Kultur ein. In Nord- und Mittelbünden lebten Menschen der Urnenfelder-Kultur und der Laugen-Melaun-Gruppe. Im Unterengadin behauptete sich nur die Laugen-Melaun-Gruppe. In Südwestbünden (Misox) gab es eine Kultur südalpiner Herkunft.
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ERNST WAGNER, geboren am 5. April 1832 in Karlsruhe, gestorben am 7. März 1920 in Karlsruhe. Der Sohn des Stadtpfarrers von Schwäbisch Gmünd war 1861 bis 1863 Erzieher in London und 1864 bis 1875 Erzieher des Erbgroßherzogs in Karlsruhe. 1867 wurde er Leiter der Friedrichschule. Von 1875 bis 1919 leitete er die Großherzogliche Altertümersammlung (das spätere Badische Landesmuseum in Karlsruhe) und war Oberschulrat. Auf Wagner geht der Begriff Urnenfelder-Kultur zurück.
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Das Leben
in den Seeufersiedlungen
Die Urnenfelder-Kultur
D ie Zeit von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. wird in
der Schweiz als Spätbronzezeit oder Urnenfelder-Zeit bezeichnet. Letzterer Begriff ist allerdings bei etlichen Prähistorikern nicht sehr beliebt, weil bisher in der Schweiz verhältnismäßig wenig Urnengräber und Urnenfelder entdeckt wurden. Andererseits belegen zahlreiche Einzelfunde im schweizerischen Mittelland und im Alpenraum die Anwesenheit von Menschen der Urnenfelder-Kultur, die dem süddeutschen Prähi-storiker Ernst Wagner (1832-1920) ihren Namen verdankt.
Im schweizerischen Mittelland wuchsen - nach Erkenntnissen des Prähistorikers Walter Ulrich Guyan aus Schaffhausen - vor allem Laubwälder, deren dominanter Baum gebietsweise die Buche war. In einigen Landstrichen gab es aber auch viele Weißtannen (Abies alba). Holzkohlereste aus Andelfingen-Auf Bollen im Kanton Zürich stammen von Pappeln (Populus), Eichen (Quercus) und Buchen (Fagus). In der Alpenregion konnten oft Lärchen (Larix) nachgewiesen werden. Nach Knochenresten am Felsen Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) zu schließen, lebten dort un-
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Verbreitung der Kulturen während der Spätbronzezeit (etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.) in der Schweiz
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ter anderem Braunbären (Ursus arctos), Füchse (Vulpes vulpes), Rothirsche (Cervus elaphus), Rehe (Capreolus capreolus), Wildschweine (Sus scrofa) und Auerochsen (Bos primigenius). Der Rothirsch ist auch in Andelfingen-Auf Bollen nachgewiesen, ein weiblicher Auerochse aus Kloster Glattburg (Kanton Sankt Gallen). Zu den wenigen aussagekräftigen Skelettresten von damaligen Menschen gehören das Schädeldach eines Kindes sowie das Schädeldach und Skeletteile einer erwachsenen Frau aus der Seeufersiedlung Zürich-Alpenquai. Die Frau hatte eine Narbe am linken Stirnhöcker, die von einer Verletzung herrührt. Der Unterkiefer wies vier kariöse, bis zu Stummeln reduzierte Zähne auf. Einige Partien der Zahnfächer waren entzündet. Diese Skelettreste sind schon 1924 von dem Zürcher Anthropologen Otto Schlaginhaufen (1879-1973) untersucht worden.
Tönerne Spinnwirtel und Webgewichte dokumentieren, dass Flachs und Schafwolle gesponnen und daraus Kleidungsstücke gewebt wurden. Mit Spinnwirteln konnte man Fäden anfertigen. Die Webgewichte waren Bestandteile von senkrechten Webstühlen, deren genaue Konstruktion nicht bekannt ist. Spinnwirtel liegen aus den Seeufersiedlungen Mörigen (Kanton Bern), Halbinsel Horn bei Uerschhausen (Kanton Thurgau), Zug-Im Sumpf (Kanton Zug) sowie von der Höhensiedlung auf dem Roc de Courroux bei Delsberg (Kanton Bern) vor. Allein in Mörigen am Bieler See wurden 250 Spinnwirtel und 104 Webgewichte gefunden. Dort hatte man etwa die Hälfte der Spinn-
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wirtel vor allem mit Fingereindrücken und Kerben, seltener mit Kanneluren- oder Rillenbändern verziert. Zum Zusammennähen und Ausbessern der Garderobe bestimmt waren bronzene oder knöcherne Nähnadeln, wie sie in Mörigen zum Vorschein kamen. Insgesamt kennt man von dort 15 Nähnadeln mit runder oder spitzovaler Öse. Aufgrund ihrer Größe eigneten sie sich nur für gröbere Stoffe oder Leder. Vereinzelt hat man im Mittelland und im Jura in Männergräbern jeweils eine bronzene Nadel gefunden, mit der vermutlich ein mantelartiges Kleidungsstück zusammengehalten wurde. Dagegen benötigten Frauen zwei Nadeln, um ihre Kleidung zu schließen. Diese Nadeln sind vier bis 30 Zentimeter lang. Nach Ansicht der früher in Freiburg/Breisgau arbeitenden Prähistorikerin Monika Bernatzky-Goetze deuten die verschiedenen Nadelgrößen und -formen auf unterschiedliche Funktionen hin. So dürften Nadeln, deren Kopfdurchmesser kaum über demjenigen des Schaftes liegt, nur für relativ feine Stoffe geeignet gewesen sein. Nadeln mit wellenartiger Verbiegung des Schaftes stach man wohl mehrfach durch den Stoff. Als Kleiderschließen gelten auch die bronzenen Fibeln (Gewandspangen), die aus einer Nadel und einem Bügel bestehen. Letzterer ist auf einer Seite mit einer federnden Spirale oder einer Scharnierkonstruktion mit der Nadel verbunden. In Mörigen kamen nur vier Fibeln des Typs Mörigen, jedoch etwa 300 Nadeln zum Vorschein. Demnach galt dort das Tragen von Fibeln als eine ungewöhnliche Sitte.
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Bei den bronzenen Gürtelhaken, die einst an Leder-oder Stoffgürteln befestigt waren, unterscheiden die Prähistoriker verschiedene Typen. Dazu gehören der Typ Mörigen (nach dem erwähnten Fundort im Kanton Bern), der Typ Wangen (nach dem Fundort im Kanton Bern) und der Typ Untereberfing (nach dem Fundort in Bayern).
Gürtelhaken des Typs Mörigen besitzen eine längliche und ovale Platte, die auf der Längsachse und entlang der Außenkanten mit Rippen verziert ist. An einem Ende befand sich einst ein halbrundes, mit fünf Klammern versehenes Lederende, am anderen der Befestigungshaken zum Einhängen in den Gürtel. Solche Gürtelhaken sind in Werkstätten der Westschweiz und von Savoyen (Frankreich) hergestellt worden. Am namengebenden Fundort Mörigen hat man vier Gürtelhaken geborgen. Einer davon wurde später zum Rasiermesser umgearbeitet. Gürtelhaken des Typs Wangen sind außer von Wangen an der Aare auch von Vuadens (Kanton Freiburg) und Zürich-Hirslanden bekannt. Der Fund in Wangen stammt aus einem Brandgrab. Dabei handelte es sich um einen gegossenen Gürtelhaken von 6,9 Zentimeter erhaltener Länge.
Gürtelhaken des Typs Untereberfing wurden in Mels-Heiligkreuz (Kanton Sankt Gallen), Wiedlsbach (Kanton Bern), Rovio (Kanton Tessin) und in Estavayer-le-Lac (Kanton Freiburg) gefunden. In den ersten drei Fällen barg man die Gürtelhaken in Gräbern, in letzterem Fall aus einer Seeufersiedlung am Neuenburger See.
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Gar nicht selten sind Funde von bronzenen Beschlagscheiben und rechteckigen Blechbeschlägen auf Leder-oder Stoffgürteln. Allein aus Mörigen liegen 13 solcher Objekte vor, in Estavayer-le-Lac sind es ein halbes Dutzend und im Weiler Corcelettes bei Grandson (Kanton Waadt) zwei. Einzelstücke kamen in Auvernier und Cortaillod (beide im Kanton Neuenburg), Lens (Kanton Wallis) und Forel (Kanton Freiburg) zum Vorschein.
Seltener waren Gürtelketten aus bronzenen Ringen. Eine Gürtelkette aus Belp (Kanton Bern) besteht aus 18 Ringen. Anders konstruiert ist eine Gürtelkette aus Sutz-Lattrigen (Kanton Bern). Ihre neun Ringe werden durch gerillte bandförmige Schließen zusammengehalten. Von manchen Prähistorikern wird auch ein verziertes Goldblech aus dem Brandgrab einer Frau in Binningen (Kanton Basel-Land) als Bestandteil eines Gürtels betrachtet. Andere Experten halten es jedoch für ein »Diadem«. Die Besitzerin dürfte wohl eine bedeutende und vermögende Persönlichkeit gewesen sein. Dass man damals auf eine ordentliche Frisur achtete, zeigt der Fund eines bronzenen Miniaturkammes auf der Sankt-Peters-Insel bei Twann (Kanton Bern) im Bieler See. Dieses Toilettegerät ist mit zwei Entenköpfen verziert, die nach außen in verschiedene Richtungen schauen. Der Kamm dürfte zum Besitz einer Frau gehört haben.
Als Spiegel oder Ritualgeräte werden so genannte Paletten mit gedrehtem Griff und Ringabschluss vom Montlinger Berg in Sankt Gallen gedeutet.
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Bronzene Rasiermesser zum Bartstutzen und Haareschneiden wurden teilweise mit einem Schaft aus Geweih und vielleicht auch aus Holz versehen. Rasiermesser mit Ringgriff ließen sich aufhängen. Manchmal hat man diese Geräte mit Ritz- und Rippen-ornamentik verschönert.
Mitunter sind Rasiermesser nicht in einer Gussform hergestellt, sondern aus Gürtelhaken oder Schmuckstücken entsprechend umgearbeitet worden. Ein Rasiermesser von Mörigen besteht - wie erwähnt - aus dem Fragment eines Gürtelhakens. Ehemalige Armringe dienten als Werkstoff für die Anfertigung mancher Rasiermesser aus Auvernier, Estavayer-le-Lac und Mörigen. Ein Exemplar von Grandson-Corcelettes wurde aus einem Blecharmring geschnitten und geschärft. Mit einem Griff aus der Endsprosse eines Hirschgeweihes war ein Rasiermesser aus Auvernier versehen.
Zuweilen sind beschädigte Rasiermesser repariert worden. Ein solcher Fall ist aus der Seeufersiedlung Onnens (Kanton Waadt) am Neuenburger See bekannt. Bei einem Rasiermesser von dort hat man eine Bruchstelle im Griff durch einen Gussverband geflickt. Die Siedlungen wurden an Seen, auf Seeinseln, an Mooren, an Flüssen, im Flachland und auf Höhen errichtet. Seeufer sind in der Schweiz schon in der Jungsteinzeit ab etwa 4500 v. Chr. von Ackerbauern und Viehzüchtern der Egolzwiler Kultur besiedelt worden, die nach einem Fundort im Kanton Luzern benannt ist. Auch in der Spätbronzezeit wusste man die Vorteile
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Zeichnung auf Seite 23:
Rekonstruktion einer Seeufersiedlung in Süddeutschland aus der Zeit der Urnenfelder-Kultur: So genannte »Wasserburg« bei Bad Buchau am Federsee in Baden-Württemberg aus der jüngeren Bauphase. Die Rekonstruktion stammt aus einer Publikation von 1936 des damals in Berlin arbeitenden Prähistorikers Hans Reinerth (1900-1990).
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die Urnenfelder-Kultur in der Schweiz, München, GRIN Verlag GmbH
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