Inhalt/Contents
Inhalt 3
Part 1
Die universelle Enttabuisierung der
Grenzen und allgemeine Relativierung
der Werte
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1. Die kulturelle Babylonisierung 7
2. Kultureller Bürgerkrieg in Deutschland 18
3. Tsunami of the Mind 38
4. Winning the Soft War of the Mind 46
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Forschungsstandpunkt: Die
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A critical review of the global cultural paradigm:
1. The state of the intercultural art and science:
On human relativity in intercultural research .......................................................... 56 2. Enhancing the intercultural art and science:
Sources, models and the achievement of supreme cultural intelligence ............. 65 3. Der ethische Standpunkt: Die Revolution der Nächstenliebe als Management
der globalen Krise ........................................................................................................ 127 4. Global Culture Systems Analysis: Sustainability and Accountability ................. 135
Postscriptum ...................................................................................................................... 142
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Die technisch bedingte sogenannte Kollabierung von Raum und Zeit führt zu einer damit einhergehenden universellen Enttabuisierung der Grenzen und Relativierung der Werte. Der Turm zu Babel war ein vertikaler Versuch menschlicher Entgrenzung und Relativierung des Absoluten, die grenzenlose Globalisierung ist in vieler Hinsicht ein horizontaler Versuch der Entgrenzung und Relativierung des Absoluten. Die zweidimensionale Entgrenzung findet ihre Vollendung in der dreidimensionalen raumzeitlichen Entgrenzung und kosmischen Hybris. Damals folgte eine universelle Sprachenverwirrung, heute eine viel umfassendere Kulturenverwirrung. Die menschlichen Reaktionen auf diesen Sachverhalt bewegen sich in einer Bandbreite, die von der Ausblendung dieses Sachverhalts aus dem Bewusstsein bis hin zum proaktiven interkulturellen Brückenbau reicht.
Beide Prozesse haben dieselbe Ursache und dieselben Konsequenzen, das heißt, menschliche Anmaßung und dadurch bedingte Desintegrationsprozesse der Menschheit. Da sie dieselben Ursachen und Abläufe aufweisen, könnten sie auch durch dieselben Prozesse gesteuert werden, sofern sie reversibel sind. Teil 1 der Erörterung befasst sich vorwiegend mit der Anatomie und Physiologie der Atomisierung der Menschheit, während Teil 2 sich eher mit der Anatomie und Physiologie der Reintegration der Menschheit befasst.
Alle menschlichen Probleme sind durch eine Überschreitung bedingt, beginnend mit dem Garten Eden, als Adam und Eva die Grenzen zu dem verbotenen Baum mit den für den Menschen unzuträglichen Früchten physisch und geistig überschritten haben, weil sie den Maßgaben des Schöpfers gegenüber ungehorsam waren und die Lösung der Probleme beginnt daher mit der Rückkehr aus dem überschrittenen Bereich. Und dieser Archetyp widerholt sich seitdem in vielerlei Gestalt. Individuen
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und Gruppen beanspruchen die physischen und geistigen Rechte anderer Individuen und Gruppen und dringen in deren Territorium vor. Das Übertreten läuft letztendlich auf Gier und Habsucht und somit den versuchten Übergriff auf Fremdes hinaus. Diese Überschreitung wiederholt sich seitdem und nimmt proportional zu den Mitteln und Möglichkeiten der Überschreitung zu, bis sie gegen Ende des zweiten Jahrtausends die Möglichkeit der Überschreitung aller menschlichen Grenzen auf dem ganzen Erdball in der Gestalt der gegenseitigen, planetaren nuklearen Totalzerstörungsfähigkeit erreicht hat. Dieser globalen
Überschreitungsmöglichkeit aller Grenzen ging die Überschreitung der kontinentalen Grenzen zum Zwecke der Kolonialisierung fremder Kontinente und Völker voraus, die die großen Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts im Wettbewerb der Überschreitungen und zur Vergrößerung des Anteils an den planetaren Ressourcen ausgelöst hat. Kommunismus und andere Ideologien waren gewiss auch eine Reaktion, die der Logik der usurpatorischen Überschreitungen durch eine weltweite Revolution in der Gestalt der Vergemeinschaftlichung aller Ressourcen entgegnen wollte. Ebenso kann die Reformation unter anderem als eine Reaktion auf eine vermeintliche geistige Überschreitung der Grenzen vom römischen geistigen Zentrum der Zivilisation in die Peripherie der Welt, insbesondere Deutschlands, gedeutet werden.
Reformation, Kommunismus, Faschismus, Immigrationsproblematik und globale Wirtschaftsproblematik gehen also alle mit Überschreitungen von Grenzen, bzw. dem Versuch der Eindämmung desselben einher. Auch die europäische Integrationsgeschichte ist eine solche Reaktion zur Eindämmung von jahrhundertelangen Grenzüberschreitungen von Völkern und Staaten, insbesondere Deutschlands, deren Intensität mit dem Entstehen des Nationalstaates und der materiellen Entwicklung stets zunahm. Ist die ganze Geschichte der Menschheit eine Geschichte der Überschreitung von Grenzen und die Reaktion darauf? - könnte man durchaus fragen. Vieles spricht dafür und wirft die Frage auf, was deshalb das rechte menschliche Maß ist, das den vermeintlichen Archetyp integrieren und somit diese menschliche Konfliktursache vom Grund her beheben kann.
Die Bibel und einige andere ethische Systeme versuchen offenbar genau an dieser menschlichen archetypischen Tendenz anzusetzen und lehren das diesbezügliche rechte Maß, das die Integrität der Schöpfung und des Geschöpfes bewahrt. Natürlich ist die Frage zulässig, wo die Menschheit entwicklungsmäßig wäre, wenn nicht viele Pioniere Grenzen auf der Suche nach den Eldorados in den diversen Bereichen überschritten hätten. Doch diese Debatte kann und muss man auch mit dem rechten Augenmaß führen und die ethischen Kontexte, Motive und Zielsetzungen in die
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Analyse der Grenzüberschreitungen miteinbeziehen. Hinsichtlich dieser Grenzüberschreitungen besteht offenbar eine Ambivalenz, denn einerseits können sie vermeintlichen Segen, wie beispielsweise die weltweite Verbreitung der Lehre vom diesbezüglichen rechten Maß in der Gestalt des Christentum, bringen, andererseits können Grenzüberschreitungen aber auch der rücksichtslosen Expansion des Ichs zulasten der legitimen Rechte Dritter dienen. - Somit sind also der Zweck und die Motivation der Grenzüberschreitungen entscheidend. - Dies führt zu einer Reaktion mit dem Ziel der erforderlichen Wiederherstellung der Grenzen, des angemessenen geistig-materiellen Raums, den die Kontinuität des Lebens erfordert. Man kann also einen menschlichen Archetyp, sowie eine damit einhergehende Ambivalenz unter dem Gesichtspunkt der Finalität, bzw. der Ethik erkennen. Dies läuft auf die Frage der Ethik der Grenzüberschreitung als Formel und Maßstab menschlichen Handelns hinaus.
Nicht von ungefähr kommt der Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal daher zum Schluss, dass Friede herrschte, wenn ein jeder in seiner Bleibe bliebe. Dann finden keine Grenzüberschreitungen und somit keine Konflikte statt.
Doch die demographische und die Ressourcenlage der Menschheit, sowie die technischen Möglichkeiten fördern und erfordern scheinbar genau die entgegengesetzte Entwicklung, die mit der Planetarisierung der Welt überhaupt keine Grenzen mehr anerkennt. Die transnationale Managementlehre lehrt genau die weltweite Grenzüberschreitung mit allen Mittel, um im globalen Wettbewerb um den Anteil an den Weltressourcen den eigenen organisationalen Nutzen zu maximieren. Dies erfordert natürlich eine proportionale ethische
Bewusstseinsbildung, um den mit diesen Überschreitungen einhergehenden Schaden abzuwenden. Daher rührt die Wiederbewusstwerdung des ethischen Paradigmas, insbesondere seit den großen amerikanischen Organisationsdebakeln und den sukzessiven Wirtschafts- und Finanzkrisen, die gegenwärtig das grenzenlose planetare System zu unterminieren drohen.
All diesen Überchreitungen mit ihren Folgen vorgelagert ist natürlich die psychologische Grenzüberschreitung und dies ist eine ethische Frage, die sich heute im Kontext der totalen Werte- und damit ethischen Relativierung in Zusammenhang mit der Säkularisierung im globalen Maßstab stellt. Die menschliche Tendenz zur unethischen Grenzüberschreitung in den diversen gesellschaftlichen Bereichen lässt sich, mit kulturellen Variationen über Zeit und Raum hinweg beobachten und somit die damit einhergehende kulturell variable Konfliktlogik. Die zunehmende
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Entgrenzung des Menschen, innerlich wie äußerlich, akzentuiert deren Konsequenzen.
Es ist ein evidentes Konfliktpattern im Bereich der Wissenschaft, im sozialen, alltäglichen Bereich, im Gender-Bereich, im Bereich der Wirtschaft, der Ökologie, der Migration, sowie der Kultur etc.
Das wäre weiter nicht verheerend, wenn die Menschen, um eine Freud’sche Kategorie zu bemühen, ihr Superego ethisch verstärken, internalisieren und zu ihrem Maß und Maßstab machen würden, um das in früheren Entwicklungsphasen des Menschen eher in persönliche Macht und Autorität eingebettete Superego zu substituieren. Da diese Internalisierung der Kontrolle nicht zusammen mit der Entgrenzung fortschreitet, führt die Abwesenheit der Kontrolle durch das externalisierte Superego bei Menschen mit geringer ethischer Entwicklung zu anarchischen Verhaltensweisen ohne Werte, ethische Normen und Identität und somit zu antisozialen Einstellungen und Verhaltensmustern. Dasselbe Pattern trifft in einem Kontext totaler Relativierung und Entgrenzung des Menschen vom Individuum über die Organisation und Institution, die Region, die Nation, die supranationale Region bis hin zu weltweiten Tendenzen zu.
Es ist bekannt, dass nicht nur Armeen mit ihren Waffenarsenalen, sondern auch Konzerne durch ihre Grenzüberschreitungen die Integrität fremder Kulturen und Territorien unterminieren und so zerrütten können, dass eine mehr oder weniger gewaltsame Reaktion auf die die Lebensgrenzen überschreitenden Strategien und Politiken von Staaten und Konzernen Konfliktkreisläufe entfesselt.
Die militärische Grenzenverletzung hat die Menschheit in ihrer gesamten Geschichte ohne Unterlass erfahren. Allein im zwanzigsten Jahrhundert hat sie, laut Hofstede, um die achtzig Millionen Menschen das Leben gekostet und diesem Kulturgelehrten zufolge ist für das gegenwärtige Jahrhundert keine wesentliche Änderung zu erwarten - ceteris paribus, wäre man geneigt, hinzuzufügen -, denn wenn eine höhere Spiralwindung dessen, was man im interkulturellen Kontext Sensibilisierung, Bewusstwerdung, Wissen und Kompetenzen nennt, eingeleitet werden kann, dann kann eine Veränderung erfolgen, denn trotz der vermeintlich konträren Hegelschen Evidenz, derzufolge wir aus der Geschichte lernen, dass wir nichts aus ihr lernen, befinden wir uns in der globalen Wissens-, Informations-und
Kommunikationsgesellschaft unserer Tage in einer intensiven Transformationsphase des menschlichen Bewusstseins.
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Und schließlich ist der Mensch ein lernendes Wesen und es gibt zunehmend augenblickliches weltweites Feedback bei Grenzüberschreitungen gewisser fundamentaler Art, für die der Mensch nun durch seine Sozialisierung, insbesondere durch die jüngere Menschheits- und Weltgeschichte, bereits sensibilisiert ist und Bewusstheit und darüberhinaus zunehmend Vermeidungstendenzen - z. B. hinsichtlich kriegerischer Handlungen und Menschenrechtsverletzungen, zumindest in gewissen Fällen - entwickelt hat.
Basierend auf dem Anthropologen I. Tsuda, der aus einem japanischen Samuraigeschlecht stammend als Japaner in Korea geboren und in Europa gelebt hat - und somit selbst zahllose physische und geistige Grenzen auf der Suche nach der Einheit des Menschen überschritten hat - kann man den Prozess der progressiven wirtschaftlichen Entgrenzung in der Entwicklung vom archaischen zum modernen internationalen Wirtschaftssystem mit seinen Folgen folgendermaßen zusammenfassen:
Quelle: Transcultural Dictionary - Transkulturelles Wörterbuch; Autor. G. Deißler
In den biologischen Wissenschaften und der genetischen Forschung ist die Überschreitung von Grenzen mit unabsehbaren Folgen für die gesamte menschliche Natur und die Schöpfung insgesamt eines der brennendsten Themen unserer Zeit. Weltweit hat man, je nach Grad der ethischen Sensibilisierung, Formen der wissenschaftlichen, ethischen und politischen Kontrolle des Fundaments des Lebens institutionalisiert.
Die expandierende Grenzenüberschreitung in den Raum der Tiefsee mit ihren Ressourcen und in den kosmischen Raum, die technisch immer machbarer werden, sind seit langem Gegenstand der internationalen Rechtsentwicklung, damit sie nicht bereits bekannte Patterns der Grenzüberschreitung im größeren Maßstab reproduzieren
Im Bereich der Ökologie und des Klimas versucht man, von einer Klimakonferenz zur anderen Treibhausgas-Emissionsgrenzen gegen mächtige staatliche Lobbys durchzusetzen, weil diese Art der Grenzüberschreitung die Grenzen des menschlichen Habitats stündlich - beispielsweise in der Gestalt der Rückbildung der Gletscher um einige 10 Meter pro Tag - reduziert. Diese durch die globale wirtschaftliche Grenzüberschreitung bedingte ökologische Grenzüberschreitung, stellt ein Damoklesschwert für die ganze Menschheit dar, von dem nicht wenige Fachleute meinen, dass es den Ast, auf dem sich die Menschheit in der Biosphäre eingerichtet hat, ganz und gar abhacken könnte.
Die allgemeine Entgrenzung, flankiert von einer universellen ethischen und sittlichen Relativierung, ruft Fundamentalismen auf den Plan, die diese Gelegenheit des allgemeinen wertefreien und relativierten geistigen Vakuums des exzessiven
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Neoliberalismus für die Durchsetzung ihrer extremistischen und
fundamentalistischen ideologischen Doktrin nutzen möchten. Der werte- und ethisch relativierte und entgrenzte Mensch, bei dem nur das „Avere und Potere“ zählt, wird aufgrund seiner unvorhersehbaren Verhaltensweisen in Abwesenheit oder infolge der Schwächung seines inneren Kompasses in der Gestalt von rechtlichen, sittlichen und Verhaltensnormen, zu einem psychologischen Risiko für sich selbst und aufgrund seiner dadurch bedingten antisozialen Verhaltensmuster darüberhinaus für die gesamte Gesellschaft, geschweige denn für die guten gesellschaftlichen und insbesondere zwischenmenschlichen, sittlichen und stilvollen Verhaltensweisen.
Letzteres nimmt groteske Ausmaße an, wenn Gruppen auch kein gutes urbanes Sozialisierungsniveau mit entsprechendem Stil haben, der gewisse Relativismen und Entgrenzungen noch durch die implizite soziale Kontrolle in Schach halten und mit einem gewissen menschlichen Antlitz versehen kann. Eine urbane Tradition könnte das Prinzip „Raffe so viel du kannst“ zumindest noch ästhetisch übertünchen.
Der Geschlechterkampf ist eine besondere neuzeitliche, aber fundamentale Variante der geistig-biologischen Grenzüberschreitung, die zusätzlich zwischenmenschliche Grenz- und Identitätsverletzungen im nationalen und globalen Ausmaß, jedoch kulturell variabel, verursachen kann. Es handelt sich um ein Missverständnis der Emanzipation wenn die legitime Gleichstellung der Frau von einem geschlechtlichen, bisweilen omnipräsenten psychophysisch basierten Wettbewerb begleitet wird, der meistens auf Unwissenheit und mangelnde diesbezüglicher Erziehung und Defizite im Bereich des guten Stils zurückzuführen ist. Doch leider ist der interpersonale, alle Grenzen ignorierende Wettbewerb, ein universelles, Gender-unspezifisches Syndrom.
Die epochale religiöse Verwirrung mit der besonderen, im Herzen der germanischen Kultur generierten, kulturell bedingten Spaltung der germanischen von der romanischen Welt in der Gestalt der Reformation mag kausal mit einem Verlust der Gender Identität und Gender Verwirrung zu tun haben, weil die fundamentale biologische Komplementarität und Polarität durch die Elimination der Mariologie in der reformierten Kirche beseitigt und das geistig-biologische Fundament des Lebens dadurch derart unterminiert wurde, dass alle Prozesse, die dieser Anomalie entstammen, in ihrer geistig-biologischen Integrität und Normalität, sowohl individuell also auch kollektiv, verworren sind. Man kann es an Geschlechtergrenzen ignorierenden Verhaltensweisen erkennen.
Zur Behebung der geistig-körperlichen Verkettung im Bereich der religiös bedingten Verwirrung des Menschen, trachtet man danach, in eine weitere Verwirrung in der
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Gestalt einer Universalreligion oder eines Weltethos zu flüchten. Dazu kommt die Begegnung und gegenseitige Kenntnisnahme der Myriaden von Religionen und Weltanschauungen, an denen sich die Menschen, wie in einem globalen weltanschaulichen Supermarkt bedienen können und ihr eigenes weltanschauliches, synkretistisch relativiertes Menu zusammenstellen können.
Von Verworrenheit kommt nur Verwirrung. Adam und Eva wollten sich von der einen Ordnung lösen, ebenso die Reformation. Beide verursachten und verursachen der Menschheit Folgeprobleme, solange, bis die Relativierung der einen Ordnung in die eine Normalität des das normale Leben Kennzeichnenden zurückgesetzt wird. Gibt es eine Religion, die nicht die polarisierte, integrative menschliche Balance als Motiv hat? Da diese bipolare Entkopplung, deren Integration Kennzeichen der menschlichen Normalität ist, im Protestantismus erfolgt ist, kann man von einer unter anderem dadurch mitbedingten Rückkehr ins tiefste Heidentum sprechen. Denn die dadurch bedingten Verhaltensweisen haben genau jene kannibalistischen Patterns, die sich fraktal vom geistigen über die Genderfrage hinaus in anderen gesellschaftlichen Bereichen manifestieren.
Die Verbannung aus der Ureinheit im Garten Eden hat eine Dialektik eingeleitet, ebenso wie die Verbannung aus der Einheit des Geistes der einen Kirche, die beide eine Regression in die Verbannung der Trennung von der Einheit als Metapher und konkrete Eigenschaft des Lebens sind. Verbannung und Trennung bedeuten Leid, und zwar solange, bis sie aufgehoben werden. Multikulturalisierung und Kirchenspaltung sind Trennungs- und Leidprinzipien, solange sie nicht durch eine Einheitsdynamik erlöst werden, die sie wieder in die Einheit integriert.
Die Verbannung folgte auf das Paradies, auf den Verbannungszustand folgte schließlich eine weitere Regression ins prächristliche Heidentum. Wie wird es weitergehen? Ebenso befinden sich die Verwirrung der Sprachen in Babylon und das heutige kulturelle Babylon als progressive Entfernung vom fundamentalen und integralen Lebensprinzip der Einheit auf einer Achse. Wie wird es weitergehen? In beiden Fällen handelt es sich um eine Progression des Verlustes der Einheit als Kennzeichen wahren Lebens. Die Relativierung dieser Einheit unterminiert die Normalität des Lebens und tangiert all seine Manifestationen, die wir heute weltweit beklagen. Ihre Lösungen können daher nur am Fundament des Lebens mit dessen transzendenten-immanenten Ordnungsrehabilitierung erfolgen, während alle anderen Bemühungen reversibel bleiben. Selbst wenn man Paradies und Babel nur als ungeschichtliche Metaphern, eine Amalgamierung von Geschichte und Heilsgeschichte, betrachtet, ist das abgeleitete Prinzip der Abkehr von der Einheit
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des Lebens mit seinen Folgeerscheinungen transdisziplinär betrachtet durchaus folgerichtig.
Eine neue Variante der historischen Sprachenverwirrung des alten Babylon als Antwort auf einen Versuch der menschlichen Anmaßung der Grenzüberschreitung hin zum Herrn der Schöpfung ereignet sich heute wiederum in der Gestalt eines kulturellen Babylon, da es, so Kohelet, in der Tat nicht Neues unter der Sonne gibt und da alles, was ist, schon einmal da war. Wir beobachten, wie Kulturen und Kulturmitglieder kulturell entwurzelt und alle Menschen in einen Sog der Konflikte heraufbeschwörenden multikulturellen Hybridisierung mit den damit
einhergehenden ethnozentrischen Reaktionen gezogen werden, sowie den Versuch mächtiger kulturell-materieller Aggregate, ihre Kultur rücksichtslos und kompromisslos durchzusetzen.
Einige Migranten, die eigentlich besonderer Rücksichtnahme bedürfen, überschreiten aber nicht nur territoriale, kulturelle und staatliche, sondern auch persönliche Grenzen ohne Rücksichtnahme auf die Zielkultur, die sie als Individuen oder Kollektive zu kolonialisieren gedenken, statt sich mit ihr symbiotisch zu solidarisieren. Sie verletzen bisweilen alle Grenzen, was intrakulturelle Konflikte hervorruft. Doch das ist nicht die Regel, sondern nur ein mögliches Pattern, da der Migrant sich der Ausgangskulturnormen in einem fremdkulturellen Umfeld entzieht und jene der Zielkultur ignoriert oder verweigert. Er befindet sich in einem Niemandsland des Relativismus und handelt im elementaren Selbstinteresse und ohne Rücksicht, wenn er kein einigermaßen entwickeltes Superego und inneren Zensor hat. In einem geistig relativierten, säkularisierten Umfeld, unter demographisch und wirtschaftlich zunehmend belasteten und prekären Bedingungen, neigt er dann zu alle rechtlichen, kulturellen und sittliche Normen überschreitenden Eistellungen und Verhaltensweisen. Deshalb ist die Integration in das Werte- und Normengeflecht einer Zielkultur keine Wunschvorstellung, sondern ein Muss im gesamtgesellschaftlichen Interesse.
Hinter der intra- und interkulturellen Diversitätsproblematik schlechthin schlummert häufig das tiefere Motiv der Eifersucht und des Begehrens fremder Attribute oder deren Missbilligung und letztendlich der Ichsucht (Selbstbezogenheit, Machtsucht und Habgier) auf Kosten Dritter, kulturell Diverser. Ohne dieses menschliche psychologische Motiv könnte alle menschliche Diversität so friedlich wie die Blumen des Gartens und die Pflanzen des Feldes koexistieren. Die Sonne scheint über Ihnen wie den Menschen gleichermaßen, ja selbst den Gerechten, wie den Ungerechten. Letztendlich handelt es sich um Unwissenheit und ein Übertreten
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des Gebotes des Diversitätsrespektes, das in allen zivilisierten Rechts-, Ethik-, Erziehungs- und Bildungssystemen verankert ist. Letztendlich läuft die kulturelle Diversitätsfrage auf ein Bewusstseins- und Ethikfrage hinaus, also Kolonisierung versus Respektierung fremder Attribute und Eigenschaften.
Das multilinguale Babylon kann nicht nur verbale Verständnisprobleme verursachen, aber die Sprachenverweigerung und Unkenntnis sind in dem Sinne gravierend, dass die Menschen durch die kognitiven/emotionalen Strukturen, die mit der natürlichen Sprache einhergehen, in gewisser Weise interdependent sind und sich dadurch gegenseitig nicht nur missverstehen, sondern auch behindern oder fördern können.
Bei der sprachlich, ethnisch, kulturellen Diversität ist besondere Rücksicht hinsichtlich der interpersonalen Grenzen, sowohl im intrakulturellen als auch im interkulturellen Kontext geboten, damit keine diversitätsbasierten Konflikte entstehen. Dies gehört in den Bereich des Selbstmanagements, wie auch des politischen Managements und der politischen Kulturstrategie oder Migrationspolitik, damit die Kohäsion, Solidarität und somit die Viabilität einer Gemeinschaft erhalten oder wiedergewonnen wird. Der Respekt der ethischen, kulturellen und persönlichen Grenzen im sozialen Bereich ist eine andere Bezeichnung für den Begriff der Gemeinschaft, die nicht eingrenzt, vermasst, verwischt, vermengt und anarchisch ist. Die universelle Entgrenzung und Relativierung kann nur durch einen neuen menschheitlichen Gemeinschaftssinn positiv transformiert werden und der Schlüssel dazu ist ein ethisches Bewusstsein.
Die Kombination des sprachlichen und kulturellen Babylon-Effektes entstammt gleichermaßen der menschlichen Hybris und diversifizieren diesen bis zur Verwirrung, wenn er nicht in der Lage ist, eine diversitätskompensatorische Form der Integration und Einheit zurückzugewinnen, die für normales Leben kennzeichnend ist. Das sprachlich-kulturelle Babylon Syndrom belastet den Menschen dieser Epoche. Die Turmbauhybris hat die erste Welle der Verwirrung hervorgerufen und die damit einhergehende Kommunikationswirrnis gewiss zahllose Konflikte hervorgerufen und die Globalisierungshybris involviert nun eine fundamentalere globale kulturelle Wirrnis, wovon die sprachliche nur ein Teil ist. Und wenn man in Erwägung zieht, wieviel Wirrsal die sprachliche Verwirrung erzeugt hat, so kann man sich ausmalen, was eine viel fundamentalere kulturelle Verwirrung globaler Art an Wirrsal für die Menschheit insgesamt bedeuten kann. Die Vorläufer der kulturellen Verwirrung haben wir bereits in der Gestalt der Migrations- und Integrationsproblematik, des Fundamentalismus mit dem diesen
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potenzierenden Terrorismus, von links, von rechts, säkular und vermeintlich religiös und alle rechtlichen, staatlichen und kulturellen und ethischen Grenzen und Schranken ohne Einschränkung überschreitend, sowohl materiell, geistig, kulturell, wie auch virtuell.
Wird die kulturelle Verwirrung demographisch und ressourcenbasiert potenziert und in eine Frage des Seins oder Nichtseins umgeprägt, so entsteht aus den kalten Kriegen mit extremistisch, terroristischen“ Intermezzi“ ein heißerer Krieg ohne Grenzen und Schranken und somit eine Rückkehr in die Höhle, denn psychologisch entspricht dieser Status in der Tat, wie es bereits von Denkern formuliert wurde, dem Höhlenmenschen, obwohl er bereits die planetaren Schranken und Grenzen materiell, aber nicht gleichermaßen psychologisch, überwunden hat.
All dies erfordert eine Bewusstseinsbildung hinsichtlich des Verständnisses des Menschen inbezug auf seine eigene Natur und die Möglichkeit der ethischen Flankierung seiner Entgrenzungs- und Relativierungstendenzen durch eine Rehabilitation der Ethik, der Religion und der Erkenntnis oder kurz, der Bewusstseinsbildung. Letzteres beinhaltet und integriert all diese Komponenten, da das Bewusstsein der Integrationsfokus dieser geistigen Funktionen des Menschen ist.
In diesem Sinne möchte ich fortfahren, indem ich Szenarien für das Management der kulturellen Dimension der Grenzüberschreitung formuliere, zunächst ein scheinbar abschreckendes intrakulturelles, zumindest was den Titel anbelangt und andere, sowie eine Lösung durch eine kulturintegrative Universalformel, also gewissermaßen Zuckerbrot und Peitsche oder die Politik des „carrot and the baton“, wie man im Amerikanischen zu sagen pflegt.
Das gesellschaftspolitisch relevante Motiv dieses Exposés ist die Grenze, eine Ethik der Grenze, bzw. der Grenzüberschreitung. Es handelt sich um eine geistigmaterielle Territorialdynamik und die nachhaltige Austarierung zentripetaler und zentrifugaler Kräfte innerhalb der menschlichen Psyche. Ihre regulierende Funktion ist durch die Ethik und die Bewusstseinshygiene gegeben. Wie diese Regulierung in intra- und interkultureller Hinsicht erlangt werden kann ist Gegenstand der folgenden Kapitel und sie ist unumgänglich, da das kulturelle Spaltungspotential in der Menschheit im inneren des Menschen vergleichbar mit der nuklearen Spaltung im Bereich der Materie ist. Sie können gleichermaßen verheerend sein und bedürfen daher gleichermaßen der Kontrolle.
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Vor vielen Jahren, als ich Student in Paris war, stand ein Forschungsseminar mit dem Titel „La Guerre Civile“ (Der Bürgerkrieg) unter der Leitung des Direktors des Studien und Forschungsberichts Politische Wissenschaft mit dem Spezialgebiet internationale Politik, Professor Marcel Merle, auf meinem Programm. Dies möchte ich aus mehreren Gründen anführen, obwohl mein Exposé nicht mehr an die wissenschaftlichen Standards von damals anknüpfen kann, da ich mich durch die Immersion in meine deutsche Heimatkultur von den geistigen Standards und Methoden dieser tausendjährigen Universität entfernt habe. Die deutsche Kultur hat mich diesbezüglich wiedereingeholt und sie entspricht nicht jener Kultur, weder akademisch noch allgemeinkulturell. - Sie ist verschieden, doch das Gesetz der
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kulturellen Relativität besagt, dass es keinerlei objektive Maßstäbe zur Qualifizierung einer Kultur als einer anderen über- oder unterlegen gibt. Die Diversität ihrer Wertepräferenzen lässt keinen qualitativen Schluss zu. Der Savannenbewohner und der Gelehrte der Eliteuniversität werden
sozialanthropologisch gleichgestellt. Die persönliche Erfahrung und die Betrachtung lehren einem aber, dass es doch noch andere Kriterien der persönlichen Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit einer Kultur gibt -. Dinge die dort als Edelstein gelten werden hierzulande wie von unwissenden Kühen zertrampelt, die die Werte anderer Kulturen weder erkennen noch respektieren und noch viel weniger synergistisch integrieren können. Das nennt man Wertepräferenzen - und ihre Spielarten. Die historischen Polarisierungen führen zu kulturellen Verwerfungen, die des einen Hochkultur in des anderen Unterbewusstsein verdrängen und umgekehrt. Wer mehrere Kulturen im Bewusstsein aktiv hat, wird in ethnozentrischen, schwachen und sicherheitsbedürftigen Kulturen als störend betrachtet. Not invented here. Abgelehnt! Die wenigen Promille der globalen Nomaden sind bislang noch eine Speerspitze der Menschheit, die eher in den Ökosystemen der Weltmetropolen gedeihen kann.
Dennoch möchte ich zunächst auch veranschaulichen, was positiv gelebte Interkulturalität an Mehrwert und Synergiepotential entsprechend dem Algorithmus Diversität - Kreativität - Innovation - Wertschöpfung/Reichtum bedeuten kann, sofern die kulturelle Diversität optimal gemanagt wird. Schlecht gemanagte multikulturelle Teams beispielsweise führen dagegen, laut einer der weltführenden Kulturspezialistinnen , die selbst ein Dritt-Kultur-Mensch mit einer deutschen Mutter in Kanada ist, zu einer schlechteren Teamleistung als monokulturelle Teams, während gut gemanagte eben eine bessere Performance als monokulturelle Teams aufweisen. Daraus kann man folgern, dass die Wertigkeit der Multikulturalität von der Art und Weise abhängt wie sie gehandhabt wird und nicht per se durch Attribute wie gut oder schlecht zu qualifizieren oder abzuqualifizieren ist.
Wir haben ein Jahr lang als interdisziplinäres Forschungsteam (Juristen, Ökonomen, Politikwissenschaftler etc.) bestehend aus vielen nationalkulturellen Repräsentanten alle Bürgerkriege seit dem zweiten Weltkrieg analysiert. Mein Job war insbesondere die EDV technische Systematisierung der vom multikulturellen, interdisziplinären Team im Doktoratszyklus, dritten oder Forschungszyklus der politischen Wissenschaften/Internationale Politik gesammelten Erkenntnisse. Während ich an einer seit tausend Jahren interkulturell befruchtenden Universität Geopolitik
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vertiefte und eine planetar skaliertes Forschungsobjekt im multikulturellen Team interdisziplinär bearbeitete, lebte ich mit Studenten und Forschern von über hundert Nationalkulturen in der Internationalen Universitätsstadt von Paris, die nach dem ersten Weltkrieg entstanden ist, um kulturellen Konflikten wie Kriegen geistig entgegenzuwirken. Dort habe ich im tunesischen, im japanischen und in der Fondation Heinrich Heine, dem deutschen Haus, gelebt. Meine Sportkameraden waren vor allem im kanadischen Haus, so auch ein libanesischer Informatiker mit dem ich mich über die Möglichkeiten der computerseitigen Bearbeitung sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse austauschte. Auch hier führte die freundschaftlich-wohlwollende Kombination von Interkulturalität und
Interdisziplinarität zu einem damals selbst für den Professor und Fachbereichsdirektor Prof. Marcel Merle perfektionistischen Produkt. Er assoziierte mich als Deutschen daher stereotyp mit Perfektionismus und als ich eine Forschungsarbeit über die Entstehung des Terrorismus in Deutschland präsentierte, hat diesen großen Sozialwissenschaftler möglicherweise seine Habilitation über die Nürnberger Prozesse wiedereingeholt, denn die Terrorismusthematik und die besagten Prozesse haben mich in einen kulturellen Kontext gestellt, der für ihn nicht eben sehr positiv war und das hat seine Evaluation meiner ansonsten perfektionistischen Arbeit sehr nach unter nivelliert, da sie einen Multiplikationskoeffizienten von 4 hatte. Das kultursensitive Thema hat mich vom Spitzenranking verdrängt. So spielt Kultur bei Gelehrten und weniger Gelehrten und alle sind „Kinder“ ihrer Kultur, ob russischer Professor oder Aborigine, mit der dadurch bedingen mentalen Software (das Werteprofil) und den weiter dadurch bedingtem Attitüden und Verhaltensmustern. Das kulturelle
Selbstreferenzkriterium, durch dessen Linse wir das Fremdkulturelle wahrnehmen, rückt dieses schnell in ein unvorteilhaftes und stark emotionalisiertes Licht. Obwohl Intellektuelle darum wissen oder dies wissen sollten, können sie sich den Prozessen häufig nicht entziehen. Das hat mich meine spätere Erfahrung an der gleichermaßen beinahe 1000-jährigen Tradition der Universität Cambridge gelehrt, wo erleuchtete Geister wie Newton und Einstein ihre geistigen Spuren hinterlassen haben (sollten).
Doch nun zur Thematik im engeren Sinn: Obwohl die computergestützte Untersuchung der weltweiten Bürgerkriege in weiter Ferne liegt, scheint mir, dass es eine Parallele zwischen vielen wirtschaftlich-kulturell motivierten Bürgerkriegen mit ihren extern-internen Wechselwirkungen und den heutigen latenten wirtschaftlichkulturellen Konflikten mit ihren intern-externen Verflechtungen gibt. Zu jenem Zeitpunkt gab es aber noch keine sozialanthropologische empirische Kulturforschung à la Hofstede. Die Kulturvariable im Ranking der Kriegsmotive
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schien mir aber damals unabdingbar und ich habe sie eingeführt, da sie quasi omnipräsent war. Hofstede hat seine maßgebliche interkulturelle Forschung im Jahr 1980 publiziert. Mein Vertiefungsdiplom der Internationalen Politik wurde im Jahr 1979 ausgestellt und vieles wurde im Jahr zuvor erarbeitet.
Unsere interkulturelle Forschungsarbeit ist eine Spirale der interkulturellen Virtus gewesen, was wir dagegen analysiert haben, waren Beispiele von
kriegsmotivierenden Spiralen der interkulturellen Vitiositas, also kulturell lasterhafte im Gegensatz zu unserer kulturell tugendhafte Spiralen oder kulturelle Synergie versus negativer kultureller Synergie - die inhärente Ambivalenz von Kultur und Kulturmanagement. Auch diese Tugend-/Lasterspiralen Terminologie wurde erst in der folgenden Dekade von dem anglo-niederländischen Forschertandem Trompenaars/Hampden -Turner eingeführt, ebenso wie das interkulturelle Synergiekonzept.
Mit dem von uns erarbeitenden Forschungswerkzeug hätte man also jede Koordinate der Welt auf die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von Bürgerkriegen überprüfen können. Doch derlei Applikationen gehören in die Welt der Pentagonstrategen und in die zuständigen diplomatischen und internationalen Gremien. Das war nicht unser Begehren, obwohl man als Student damals in der amerikanischen diplomatischen Repräsentanz selbst Pentagonberichte zur Verfügung gestellt bekam. Die Zeit war noch friedlich. Und selbst der sowjetische Vertreter in der UNESCO hat einem als seriösem Sorbonne Studenten anstandslos eine persönliche „Audienz“ gewährt. Der kulturelle Kontext war trotz ideologischer Bipolarisierung der Welt unbeschwerter als heute. Und der Vizepräsident der Universität hat mir eine kulturelle Empfehlung für eine Chinamission ausgestellt. Derweil hatte ich einen japanischen Budo Meister und Freunde und Freundinnen aller Kulturen dieser Erde. Ich war ein kultureller Kosmopolit, privat und fachlich. Dies erwähne ich nur deshalb, weil wir heute in vieler Hinsicht am Gegenpol einer globalen kulturellen Mesentente angelangt sind, wie es damals unvorstellbar war. Die beiden sind wieder ins Lot zu bringen. Kultur wieder synergetisch zu gestalten. Das ist die Finalität des Exposés. Doch dieses deutsche Pflaster ist nicht das Paris der Intellektuellen. Die Akteure und der politische Kontext sind verschieden, auch in geschichtlicher Hinsicht. Madrid, London und Paris waren die Stationen meines Studiums. Sie alle haben Jahrhunderte Erfahrung mit den Weltkulturen. Hier hat man häufig Ausländer erst nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondre im Zuge der ökonomisch bedingten Immigration zu Gesicht bekommen und nicht die Elite,
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sondern einfache Menschen, die in der Regel lediglich ihr materielles Wohl mehren wollten. Die Türken, denen ich Deutsch lehrte, hatten beim Einstufungstest auf Befragung alle nur drei bis fünf Jahre die Schule besucht. Ihre Kinder sind nun nicht selten Universitätsstudenten. Ihre Hoffnungen beim Auszug in die neue Welt haben sich also erfüllt, sodass Einheimische sogar bisweilen von Neid erfüllt sind. Und meine 10-jährige internationale Odyssee lehrt mich, was selbst die Bibel bestätigt, dass man, wenn man sein Land verlässt, mit einem Vogel vergleichbar ist, der sein Nest verlässt und vielfältigen Risiken ausgesetzt ist, dass man aber andererseits Erfahrungen sammelt, die man nicht in Worte fassen kann. Diese eigenen biographischen Erfahrungen, an denen ich heute noch arbeite, wollte ich voranstellen um jeglicher Einordnung in irgendeine Schublade im Vorfeld entgegenzutreten, denn jeder interpretiert die Dinge entsprechend seiner kulturellen Prägung, denn selbst unsere Wahrnehmung ist kulturbedingt und somit die gesamten
intrapsychischen Informationsverarbeitungsprozesse, die somit immer kulturell zu kontextualisieren und zu relativieren sind. Da heißt, alles ist kulturbedingt, da alle geistigen Prozesse von der Wahrnehmung abhängig sind. Auch diese Analyse ist daher kulturell determiniert. Doch das Wissen darum impft einem gegen die Wahrnehmungsfallen, die mit falschen interkulturellen Filtern einhergehen können. Man fragt ständig nach der Korrektheit der Inputs in die Kreisläufe der intrapsychischen kulturellen Informationsverarbeitung und man ist ständig wie ein Seismograph um Objektivität und interkulturelle Gerechtigkeit jenseits von Stereotypisierungen bemüht. Jegliche diesbezügliche Unterstellung weise ich daher ausdrücklich zurück. Die Tragweite der Thematik für Krieg und Frieden… ist zu groß - wie aus meiner Forschung hervorgeht - als dass irgendjemand damit spaßen sollte, gleich welcher Kultur, Nation oder Religion er angehört.
„Schöne Worte sind nicht wahr, wahre Worte sind nicht schön“
So lautet ein beherzigungswürdiges Sprichwort. Und bedarf es nicht sowohl der Fürsorge des Säuglings als auch der Grenzensetzung des Adoleszenten, um aus ihm einen halbwegs vernünftigen Erwachsenen zu machen? In diesem Sinne möchte ich mit diesem Thema fortfahren. Was haben die maßgeblichen Intellektuellen zur Lösung der kulturellen Fragen beigetragen, die maßgeblichen Politiker, die Religionsführer, die Lehrer der nächsten Generation, die Eltern. Oder werden wir alle überrascht werden?
Ich möchte die Original-Titelseite formatmäßig unverändert in der Überschrift
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beibehalten, weil die dreimal 11 Buchstabenlogik ästhetisch und auch sinnvoll und schlüssig zu sein scheint. Ich möchte mit der Projektion eines derartigen Szenarios kein Menetekel an die Wand der neuen internen „kulturellen Mauer“ der deutschen Geschichte malen, sondern davor warnen, weil alle Dinge eine geschichtliche Genese haben. Und wenn man die Zeichen der Zeit in ihrem Gesamtzusammenhang richtig interpretiert, dann kann man die Zukunft im Vorfeld schemenhaft erkennen und nach vernünftiger Analyse noch etwas dagegen unternehmen.
Ein Bürgerkrieg ist ein interner intrakultureller oder internalisierter Konflikt, in dem sich Menschen innerhalb einer nationalen juristischen Struktur aus verschiedenen Gründen im Konflikt miteinander befinden können. Die Gründe für derlei Konflikte können, ökonomischer, ideologischer, territorialer oder kultureller Natur sein. Oft werden ökonomische interne Kämpfe durch kulturelle oder ideologische Motive verstärkt und durch externe Intervention in direkter oder indirekter Form weiter potenziert. Das war das Szenario vieler der mittlerweile Hunderte von Bürgerkriegen seit dem zweiten Weltkrieg, die meist auch als Stellvertreterkrieg der Großmachte ausgetragen wurden, da die großen Kriege aufgrund des ABC-Waffen bedingten totalen Zerstörungspotentials nicht mehr führbar waren oder sind. Deshalb werden die Kriege internalisiert, wo sie aber noch grausamer sind, da die Fronten oft intransparenter sind und durch Jahrhunderte lang lavierende Konflikte exzessiv eskalieren. Heute kommt die fundamentalistische Variable als Verschlimmerung hinzu, denn sie destabilisiert und zerstört intern wie auch global, denn ihre Front ist allgegenwärtig, planetar, glokal (global und lokal vernetzt) physisch geistig, virtuell. Sie ist ein Welt-Bürgerkrieg, eine Kombination aus Bürger und Weltkrieg, in dem die geistig-kulturellen Waffen entscheidend sind und die Kriegsszenarien bedingen. Der geistig-kulturellen Dimension sowohl im Hinblick auf Auslösung, Verwundbarkeit, Sieg und Niederlage spielt dabei eine Schlüsselrolle Die deutsche Kulturgeschichte mit ihren extremen materiellen Folgeerscheinungen diesbezüglich eine besondere Herausforderung im Vergleich mit den vergleichbaren Nachbarnationen zu bewältigen.
Das Phantom des Krieges, das terminologisch und semantisch tief in die deutsche Seele eingebrannt ist, scheint nicht aus deutschen Landen weichen zu wollen. Derartig große Konflikte wie wir sie gehabt haben im letzten Jahrhundert und darüber hinaus haben, haben wie die geologisch bedingten Erdbeben - und es sind geistige Erbeben, weil sie das menschliche Fundament insgesamt erschüttern und wie auf der Richterskala gemessene Erdbeben die Infrastruktur und Menschen eines
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Landes entsprechend dem Grad und dem Ausmaß der Erschütterung zerstören können - ihre Vorläufer und ihre Nachbeben. Die Beben können derzeit messtechnisch prognostiziert werden, aber mit zu geringer Präzision. Somit sind die Menschen nicht in der Lage sich in Sicherheit zu bringen. Daher werden die Menschen aus heiterem Himmel und häufig auch des Nachts im tiefsten Schlaf überrascht. Wie ein Dieb schlagen sie zu wenn es keiner vermutet und berauben die Menschen ihres Hab und Guts ja selbst ihres Lebens. Ebenso können uns die geistigen Erdbeben überraschen. Sie sind ebenso mit exakten
sozialwissenschaftlichen Methoden, genauer Beobachtung und Interpretation prognostizierbar.
Beide Arten von Beben haben also Gemeinsamkeiten bezüglich Genese, Prognostizierbarkeit, Impact. Auch der Längerfristige Verlauf, insbesondere die nachbeben weisen Parallelen auf die für uns geschichtlich von besonderer Bedeutung sind. Denn solange die geologischen, tektonischen etc. Ursachen-Sachlage sich nicht geklärt hat werden die Beben fortdauern, bis das Terrain der Erdorganismus sich normalisiert hat. Ebenso ist es im geistigen Bereich die Erschütterungen durch die großen Kriege werden Nacherschütterungen zur Folge haben bis die Ursachenlagen komplett abgeklärt ist. Die kulturellen Fragen im weitesten Sinne, die ein Mitauslöser jener Weltkriege waren, waren derart grundlegend, dass sie nicht gänzlich durch die Megaerschütterungen des nationalkulturellen Organismus abgeklärt werden kann. Die starke Reaktion kann als eine Reaktion auf eine Anomalie der Organismus betrachtet werden und stellt somit einen Versuch des Organismus dar, wieder das Terrain (Gesamtheit der psychosomatischen Bedingungen) zu heilen und zu normalisieren. Bei sozialen Organismen wie auch bei geologischen verläuft das unter Umständen in großen Zeiträumen. Solange das Terrain nicht komplett normalisiert ist, wird die ökologische wie die menschlichen Natur weiter versuchen die Integrität des Terrains wiederherzstellen. Die kulturellen Identitätsfragen die mit dem Ende der großen Kriegen mehr Fragen offen gelassen als geklärt haben, brechen gleich Krankheiten des Organismus bei entsprechenden Bedingungen wieder hervor. Dieses Nachbeben in kollektiven Organismus zur Klärung und Konsolidierung des geistigen Terrains war der Gegenkulturrevolution der Sechziger mit der Eskalierung in den Terrorismus. Auch dieses geistige Folgebeben kann als ein Selbstheilungsversuch des kollektiven Organismus angesehen werden, in dem es letztendlich - „überzeitlich“ - betrachtet um die Identitätsfrage, in der Form wer wollen und sollen wir eigentlich sein ging. Dieses Syndrom konnte auch in jener Selbstheilungsreaktion des kollektiven nationalkulturellen Organismus nicht vollends abgeklärt werden. Und dieselbe identitätsbasierte Symptomatik scheint auch gegenwärtig wieder durch die fremdkulturelle Integrationsproblematik
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ausgelöst zu werden. Diese Nachbeben oder Folgebeschwerden des nationalkulturellen Organismus müssen logischerweise solange fortdauern bis das nationalkulturelle Terrain normalisiert und konsolidiert ist, sodass externe Ursachen es nicht beeinträchtigen und seine geistig-kulturellen strukturellen Bedingtheit nicht ausnutzen und destabilisieren können. Mit anderen Worten, solange die Identitätsbedingte Labilität des geistigen Terrains nicht völlig normalisiert ist, kann es leicht aus dem Gleichgewicht geworfen werden, was ein weiteres kulturelles Nachbeben mit sich bringen kann. Ich denke die geologische und physiologische Metapher sind einleuchtend um die subtileren geistigen Prozesses zu illustrieren.
Die kulturelle Frage nach dem wer sind wir und wer sollen wir sein wurde im Faschismus rassisch beantwortet. In der Gegenkulturrevolution der Sechziger im globalen Kontext der ideologischen Bipolarisierung der Welt, hat man versucht sie, entsprechend dem vorherrschenden Zeitgeist, ideologisch zu beantworten. Die Identitätsfrage von wer sind wir und wer sollen, wollen und müssen wir eigentlich sein erfordert nun im Kontext der omnipräsenten Kulturfrage und im Zeitalter der Multikulturalität eines Einwanderungslandens eine kulturelle Antwort im engeren Sinn.
Die alte Wunde der defizitären Identität kommt nun möglicherweise als ein neues Erdbeben im sozialen Organismus zu Ausbruch. Aber es ist auch eine Chance das Grundübel im Terrain des geistigen, nationalkulturellen Organismus erneut und nachhaltiger als bisher abzuklären. Denn, solange das Terrain diesbezüglich kein nachhaltiges Gleichgewicht gefunden hat, wird es gleich einer chronischen Krankheit den Organismus auch in der Zukunft heimsuchen und Nachbeben und das Neuaufbrechen alter Wunden verursachen. Solange das geistig kulturelle System seine Homöostase, sein Gleichgewicht nicht wiederfindet, wird es durch geringfügige konträre externe Inputs in seinem Selbstverständnis und seiner Balance beeinträchtigt werden können. Ob systemanalytisch, organisch oder
naturwissenschaftlich betrachtet, das kulturelle Terrain scheint Gesetzmäßigkeiten zu gehorchen.
Das externe Immigrationsinput scheint das nationalkulturelle Terrain aufgrund der Nichtkonsolidierung seiner Identitätsbelange die Frage nach dem wer sind wir und wer wollen wir sein erneut in nachhaltiger Weise zustellen. Und solange die Frage sich nicht erübrigt und die Antwort unterbewusst selbstverständlich internalisiert ist, ist sie nicht gelöst.
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Dies erfordert seitens der Mitglieder der Nationalkultur zunächst eine innere Integration, eine solidarische nationalkulturelle Identität ist die beste Medizin gegen die interne und externe Unterminierung. Die Vorläuferbeben der großen Beben bestanden in der historischen stammesgeschichtlichen Integration der Deutschen mit zahlreichen Erschütterungen über die Jahrhunderte. Sie konnte weder intern noch extern geklärt werden, daher die innerdeutschen, die interdeutschen und die internationalen Konflikte und Erschütterungen. Ob man glaubt andre Deutsche, das Ausland oder die Immigranten stehen im Weg dieser Identität ist eine Variation derselben Symptomatik mit variablen, austauschbaren Akteuren, die dieselbe Thematik inszenieren, ein deutsches Drama das stets aufs neuen inszeniert wird und solange bis die Symptomatik an ihren Wurzeln abgeklärt ist. Dann kann sich der Vorhang dieses Geschichtsabschnitts schließen und die Deutschen können mit neuer Zuversicht die Bühne der globalen Welt betreten. Doch zuvor muss dieser Akt der Geschichte internalisiert und gemeistert werden.
Kann eine Allegorie, eine symbolische Dramatisierung einer Herausforderung ihre Intensität, ja selbst ihr Auftreten und ihr Gestaltannehmen unterbinden? Kann sie eine Katharsis, eine reinigende Läuterung bewirken? Die Akteure dieses Aktes der deutschen Geschichte, der das Grundthema weiterdramatisiert sind die diversen Inländer und die Ausländer im Kontext globaler Interdependenz eines nunmehr planetaren Enheitsfeldterrains.
Das Drehbuch des Dramas könnte etwa so lauten:
Es war einmal ein Volk, das seit Jahrhunderten seine Einheit und seine Identität suchte und dafür zahllose interne und externe Schlachten geliefert hat, sodass es ein gefürchteter Meister der Kriegskunst wurde und selbst der Tod mit dem Attribut eines Meisters aus Deutschland versehen wurde. Im Zuge dieser natürlichen Suche nach Einheit, Identität und Integration ließen seine Menschen sich durch die Faustische Anmaßung versuchen und überschritten alle Grenzen der Zivilisation zur Überkompensierung interner Defizite von Einheit und Identität. Ja sie machten selbst Gott Konkurrenz, indem Sie ihn zu entmachten trachteten und verbannten ihn zusammen mit den Mitgliedern jener Kultur aus der seine Inkarnation kam hinter Mauern von denen es keine Widerkehr gab. Ihre Überheblichkeit ließ sie die raffiniertesten technischen Artefakte ersinnen, um ihre Innere Schwäche durch materielle Kraft und Stärke zu kompensieren. Doch immer wieder entpuppten sich die inneren, geistigen Umständen als alle materiellen Kämpfe entscheidend.
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Die physischen Kriegsleistungen konnten zivil genutzt werden und das sich erholende Land vor Kraft strotzen lassen und es somit nunmehr das ideologische Schlachtfeld um das „wer sind wer und wer bekommt was?“ todbringend wiederbeleben. „Wer sind wir und wem steht was zu“ waren und sind nun in verstärktem Maße die zentralen Fragen des nationalen Geschicks, denn wer bestimmen kann, wer man ist, hat auch ein Bestimmungsrecht beim „was bekommt wer“. Wieder konnte die zentrale Fragestellung nicht hinreichend geklärt werden. Jeder hatte einen anderen Vorwand, um sich nicht mit der tieferen soziokulturellen Bewandtnis auseinandersetzen zu müssen. Man verbannte die vermeintlich irregeleiteten Protagonisten dieses geistigen Nachbebens auch hinter jenen Mauern von denen es keine Wiederkehr gibt und glaubte somit seine Schuldigkeit getan zu haben. Das heißt, man programmierte bereits des nationalkulturellen Themas nächsten Akt.
Die Mauer des Eisernen Vorhangs war inzwischen gefallen, doch die damit einhergehenden geistigen Mauern konnten nicht beseitigt werden, weil die nur Symbole eines tiefer schwelenden geistig-kulturellen Konfliktes sind. Und man beseitigt die Ursachen nicht, indem man die Symptome auslöscht. Sowohl ihre Errichtung als auch ihre tödliche, vermeintlich identitätsstiftende und erhaltende Funktion sind gleichermaßen Symptome des unnatürlichen Identitätsverständnisses, der Beantwortung der Frage „wer sind wir, wer wollen wir sein?“. Die geistige Topographie erfordert eine materielle Koordinatenbestimmung des „was gehört uns?“. Also was ist unser höchster Wert und wie schützen wir den, gleich mit welchen Mitteln? Und die Tötung von Menschen im Zeichen der Wertpräferenzen wurde ja über fünfzig Jahre lang optimiert.
Weder die geistige noch die physische Natur ertragen ein Vakuum und wenn es nicht durch Lösungen erfüllt werden kann, dann eben durch Konflikte. Das Buch des kollektiven Gedächtnisses bietet ja genügend Stoff. Die Geschichte hat einen langen Atem und das gesamte kollektive Bewusstsein ist in diesem Buch aufgezeichnet, das materiell nicht zerstört werden kann und alle Kriege überdauert.
Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Ein Aas ist auch eine Kultur, die materiell animiert, aber kulturell nicht dieselbe Stärke aufweist, denn in diese Bresche springen die globalen Marodeure und Legionäre, die nicht an der Kultur selbst, ihrer Optimierung und ihrem Fortbestand, sondern lediglich an ihrer Nutzung, solange dies möglich ist, interessiert sind. Daher rührt auch der mangelnde Integrationswille
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aller in der globalisierenden, multikulturellen Epoche in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert gegen den epochalen Millenniumwechsel hin Zugewanderten. Die ungelöste kulturelle Identitätsfrage schwächte den Fortpflanzungswillen des Volkes, denn man weiß ja nicht, was für Menschen man in welche Welt hineinsetzen soll und welche Zukunftschancen sie dann überhaupt in einem derart prekären kulturell verstärkten homo homini lupus-Dasein hätten, denn Arbeitslosigkeit, Migration, die ökologische Bilanz und der moralische Werteverfall tragen das Ihre zu einer geistig-biologischen Entmotivierung bei und schwächen das Geistig-Nationalkulturelle, das ohnehin schon auf wackligen Beinen steht.
Eine unvollkommen gereifte Identität kann nur unvollkommene kurzsichtige Lösungen finden. Die Wertlosigkeit, die ein Kind der Identitätslosigkeit ist, sieht ihr Heil einzig im Materialismus. Ebenso wie im Erdbeben des Nazismus, der von der Wirtschaft mitgetragen wurde hatte auch nun wieder dieser Sektor in Ermangelung anderer Werte die Oberhand und lud kulturell astigmatisch zahllose Söldner für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im industriellen Wirtschaftskrieg ein. Vielleicht versuchte man unbewusst an die Präzedenz der Sklavenarbeit des dritten Reiches anzuknüpfen und benannte sie deshalb euphemistisch als Gastarbeit(er). Doch Söldner sind keine Kriegsgefangene, sie fordern ihren Sold und wechseln die Fronten, um sogar ihren ehemaligen Herrn zu töten. Das Spiel der Allianzen ist hier weitgehend wertefrei und richtet sich nach dem alleinigen Wert des materiellen Nutzens.
In der postkolonialen, liberalen, demokratisch-aufgeklärten Zeit kann ein Land mit kulturellen Verbindlichkeiten und Altlasten wie Deutschland nun mit den Migranten, die sein Wirtschaftssektor mit der Politik als Handlanger weltweit importiert hat, nicht wie mit Kriegsgefangenen oder rein sachbezogen zu bewertenden Arbeitsfaktoren umgehen. Die innere kulturelle Haltlosigkeit und der globale historisch-geopolitische Kontext führen vor dem Hintergrund historisch fanatischer, ethnozentrischer Söldnermentalitäten aus kollektivistischen Kulturen mit hoher sozialer Distanz, die ethnische und ideologische Konflikte und einen leeren und im Übermaß zu füllenden Geldbeutel, aber eine volle Schatulle kultureller Werte mit sich bringen, die aber weitgehend unvereinbar mit den lokalkulturellen zu sein scheinen in Bezug auf zentralen Werte wie Autoritätsverständnis, Individualismus-Kollektivismus , das Verhältnis von Mann und Frau, Lebenseinstellung, Raum und Zeitverständnis… und Territorialitätssinn, zu potentiellen soziokulturellen Minenfeldern. Der manchmal Jahrzehnte und Jahrhunderte betragende kulturelle
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Rückstand, die einzig materielle Fokussierung, ihr bisweilen fundamentalistischer Parochialismus und Ethnozentrismus führen im Angesicht und Kontext deutscher Schwäche in Bezug auf Moral und Identität zur Verweigerung der Kultur des Gastgeberlandes, zu einer systematischen Opposition im Sinn des „wir wollen alles was ihr habt, aber euch selbst wollen wir nicht“. Denn sie wissen wer sie sind und sie wissen was sie wollen und nicht wollen, während die Deutschen offenbar nicht wissen wer sie sind und deshalb auch nicht wissen können, was sie wirklich wollen.
Diese Diversität der geistig-kulturellen Horizonte führt zu einem latenten Konflikt, wo immer Schnittstellen zwischen diesen kulturellen Profilen sind, und bei der derzeitigen demographischen Lage kann man sich Ihnen nicht mehr entziehen. Einige Inländer und durch diese oberflächliche Stärke beindruckbare Menschen, die einen kompensatorischen Halt und Identitätssinn vermitteln kann, eine Art fehlender geistig-kultureller Geborgenheit, haben bereits die intrakulturellen Fronten gewechselt, nicht zuletzt auch Frauen und interkulturelle Dissidenten die ihr Wettbewerbsposition im halt-, identitäts-, wertelosen Gefüge zu stärken suchen. Dieses Kräftegleichgewicht der kulturellen Profile in Aktion führt im Kontext historischer und psychologischer Verbindlichkeiten des Einwanderungslandes zu einem Kippen der Gast-Gastgeberbalance im dem Sinne, dass sich die Geladenen mehr und mehr als Gastgeber und Kolonisatoren gerieren, die die Gastgeberkultur nicht nur verweigern, sondern auch zu verdrängen suchen und sich durch ihre eigene Standards zu ersetzen trachten.
Die ablehnenden Motive sind je nach interkultureller Konfiguration verschieden. Es gibt reine Söldner, fundamentalistische Ablehner, von denen ein Teil die moralische Legitimation abspricht und solche, die dem Gastgeberland die spirituelle Dimension absprechen und somit jegliche kulturelle Werte. Am anderen Pol dieses Kulturkampf-Pols gibt es glücklicherweise auch interkulturelle Partnerschaften. Die Verweigerungsfront sollte aber im Sinne einer Normalverteilung betrachtet, aus der sich Verweigerer, Indifferente und Solidarische ergeben, um jeglicher Stereotypisierung zuvorzukommen. Legitime Hoffnungen können in der Bewährungsprobe im fremdkulturellen Umfeld verschiedene Verläufe des kulturellen Anpassungsprozesses mit sich bringen.
Aus verschiedenen Motivationslagen heraus entsteht eine Mauer des Schweigens aufgrund des Nichtverbalisierbaren der interkulturellen Tiefenpsychologie, denn es gibt außer den peripheren Verhaltensmustern keine angemessene Terminologie,
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D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deissler, 2011, Die globale Babylonisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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