Krieger aus der Mittelbronzezeit in Süddeutschland. Zeichnung aus einer Publikation des Prähistorikers Georg Kraft (1894-1944) von 1926
Inhalt
Vorwort / 9
Die Mittelbronzezeit in Österreich
Abfolge und Verbreitung
der Kulturen und Gruppen / 13
Das große Gräberfeld von Pitten
Die Hügelgräber-Kultur
von etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr. / 17
Anmerkungen / 55
Literatur / 67
Bildquellen / 75
Die wissenschaftliche Graphikerin
Friederike Hilscher-Ehlert / 77
Der Autor Ernst Probst / 79
B ücher von Ernst Probst / 81
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Zwei Frauen mit langärmeligen Blusen, knöchellangen Röcken, Schulter- und Kopftüchern aus der Mittelbronzezeit in Mitteldeutschland - eineRekonstruktion des Weimarer Prähistorikers Rudolf Feustel von 1958
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Vorwort
R und 400 Jahre Urgeschichte von etwa 1600 bis
1300/1200 v. Chr. passieren in dem Taschenbuch »Die Hügelgräber-Kultur in Österreich« in Wort und Bild Revue. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel und ihre Religion. Verfasser dieses Taschenbuches ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst. Er hat sich vor allem durch seine Werke »Deutschland in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht. Das Taschenbuch »Die Hügelgräber-Kultur in Österreich« ist Dr. Elisabeth Ruttkay (1926-2009), Professor Hermann Maurer und Dr. Johannes-Wolfgang Neugebauer (1949-2002) gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei seinen Werken über die Steinzeit und Bronzezeit unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
9
Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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PAUL REINECKE, geboren am 25. September 1872 in Berlin-Charlottenburg, gestorben am 12. Mai 1958 in Herrsching. Er wirkte 1897 bis 1908 am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. 1908 bis 1937 war er Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München. 1917 wurde er kgl. Professor. Reinecke teilte 1902 die Bronzezeit in die Stufen A bis D ein. 1902 sprach er von der Straubinger Kultur sowie von der Grabhügelbronzezeit und später von der Hügelgräber-Bronzezeit.
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Die Mittelbronzezeit in Österreich
Abfolge und Verbreitung der Kulturen und Gruppen
D ie Mittelbronzezeit von etwa 1600 bis 1300/1200
v. Chr. wird in Österreich - weitgehend auf den Erkenntnissen des süddeutschen Prähistorikers Paul Reinecke (1872-1958) basierend - in die zwei Stufen Bronzezeit B und C eingeteilt. Statt von der Mittelbronzezeit ist in Österreich auch von der Hügelgräber-Bronzezeit oder -Kultur die Rede. Diese wird eingeteilt in die ältere Hügelgräber-Bronzezeit (Stufe B 1), mittlere Hügelgräber-Bronzezeit (Stufen B 2/C 1) und jüngere Hügelgräber-Bronzezeit (Stufe C 2).
Im östlichen Teil Österreichs existierte in der älteren Hügelgräber-Bronzezeit von etwa 1600 bis 1500 v. Chr. südlich der Donau der Typus Mistelbach-Regelsbrunn (s. S. 17). 1 Er expandierte stellenweise in das Gebiet der nördlich der Donau im Norden Niederösterreichs heimischen Veterov-Kultur.
Die Veterov-Kultur ist bereits in der jüngeren Stufe der Frühbronzezeit (A 2) entstanden. Sie wird deswegen in dem Buch »Österreich in der Frühbronzezeit« unter den frühbronzezeitlichen Kulturen aufgeführt. Sie und ihre südlich der Donau verbreitete Böheimkirchener Gruppe
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waren bis etwa 1500 v. Chr. im Süden Niederösterreichs beheimatet.
Die Spätstufe der Veterov-Kultur beziehungsweise deren Böheimkirchener Gruppe sowie der Typus Mistelbach-Regelsbrunn fielen in die ältere Hügelgräber-Bronzezeit . Darauf folgten von etwa 1500 bis 1300/ 1200 v. Chr. die mittlere und jüngere Hügelgräber-Bronzezeit beziehungsweise die entwickelte Hügelgräber-Bronzezeit (mittlere und jüngere Hügelgräber-Kultur). Die Hügelgräber-Kultur war im Land Salzburg, in Oberösterreich, in Niederösterreich, in der Steiermark und im Burgenland vertreten. Nordtirol und das südliche Vorarlberg gehörten vermutlich von etwa 1600 bis 1300/1200 v. Chr. zum Verbreitungsgebiet der mittelbronzezeitlichen Inneralpinen Bronzezeit-Kultur.
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RICHARD PITTIONI, geboren am 9. April 1906 in Wien, gestorben am 16. April 1985 in Wien. Er promovierte 1929 und habilitierte sich 1932. Von 1929 bis 1937 war er Assistent am Urgeschichtlichen Institut der Universität Wien, 1938 bis 1942 Museumsdirektor in Eisenstadt, 1946 außerordentlicher Professor und seit 1951 Professor an der Universität Wien. Pittioni sprach 1937 von der Kultur von Unterwölbling (heute Unterwölblinger Gruppe) und 1954 vom Typus Mistelbach-Regelsbrunn.
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Das große Gräberfeld von Pitten
Die Hügelgräber-Kultur
Die ältere Hügelgräber-Bronzezeit (Der Typus Mistelbach-Regelsbrunn)
I m östlichen Teil Österreichs südlich der Donau war
in der älteren Hügelgräber-Bronzezeit von etwa 1600 bis 1500 v. Chr. eine Kulturerscheinung verbreitet, die 1954 vom Direktor des Urgeschichtlichen Instituts der Universität Wien, Richard Pittioni (1906-1985), als »Typus Mistelbach-Regelsbrunn« bezeichnet wurde. Dieser Begriff erinnert an die beiden niederösterreichischen Fundorte Mistelbach und Regelsbrunn. Der Siedlungsschwerpunkt südlich der Donau in Niederösterreich, am Steinfeld und auf angrenzendem burgenländischen Gebiet westlich des Neusiedler Sees konnte erst in der jüngsten Vergangenheit erfasst werden. Dabei haben besonders östliche Bronzetypen wichtige Hinweise für die Verbreitung dieses Typus gegeben.
Das nördlich der Donau gelegene Mistelbach befindet sich interessanterweise im ehemaligen Siedlungsgebiet der Veterov-Kultur (etwa 1800 bis 1500 v. Chr.). Der berühmte »Rollerfund« von Mistelbach, von dem später noch die Rede sein wird, beinhaltet möglicherweise auch eine Form der späten Veterov-Keramik. Nach gängiger Ansicht der Prähistoriker steht der Typus Mistelbach-
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Regelsbrunn am Beginn der Entwicklung der Hügelgräber-Kultur an der mittleren Donau. Die Hügelgräber-Bronzezeit beziehungsweise -Kultur verdankt den typischen Hügelgräbern aus jenem Abschnitt ihren Namen. Den Begriff »Hügelgräber-Kultur« hat der damals in Mainz tätige deutsche Prähistoriker Paul Reinecke (1872-1958) eingeführt. Der Wiener Anthropologe Viktor Lebzelter (1889-1936) hat die Skelettreste von zwei in Wetzleinsdorf (Niederösterreich) bestatteten Menschen aus jener Zeit untersucht. Sie stammen von einem etwa fünfjährigen Jungen und von einer erwachsenen Frau. Lebzelter stellte an zwei Backenzähnen der Frau starke Karies fest. Am Schienbein der Frau fiel ihm eine Deformierung auf, »welche auf eine besondere Beanspruchung der unteren Extremitäten zurückzuführen ist und besonders bei Naturvölkern beobachtet werden kann.« Außerdem beobachtete Lebzelter am Skelett grüne Patinaspuren, die von bronzenen Schmuckstücken herrühren. Die Patina an den Speichen und Ellbogen stammt vermutlich von Armringen, die an einem Mittelfingerknochen von einem Fingerring, die am Schlüsselbein von Gewandnadeln und die an einem Jochbogenfortsatz von Haarnadeln. Am Schlüsselbein und am Hinterhauptsbein könnte auch ein Halsschmuck Patinaspuren hinterlassen haben. Demnach dürften bei der zufälligen Entdeckung durch einen Ziegeleiarbeiter manche Schmuckstücke verlorengegangen sein. Die Lage von zwei bronzenen Gewandnadeln im Frauengrab von Wetzleinsdorf verrät, dass diese an
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die Hügelgräber-Kultur in Österreich, München, GRIN Verlag GmbH
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