Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Die Krone der Könige und Kaiser 3
2. Die Geschichte der Reichskrone
Welche weltliche Bedeutung hat die Reichskrone im geschichtlichen Kontext? 4
3. Die Symbolik der Reichskrone
Welche Besonderheiten weist die Reichskrone auf 4
3.1. Das Oktogon 5
3.2. Die Bildplatten 5
3.2.1. Platte II. (Salomon) 7
3.2.2. Platte IV. (David) 8
3.2.3. Platte VI. (Christus) 8
3.2.4. Platte VIII. (Ezechias) 9
3.3. Die Edelsteinplatten 10
3.3.1. Platte I. (Stirnplatte) und Platte V. (Nackenplatte) 10
3.3.2. Platte III. (linke Seitenplatte) und Platte VII. (rechte Seitenplatte) 12
3.3.3. Reichskronenbügel 12
3.3.4. Stirnkreuz 13
3.4. Der „Waise“ 15
4. Fazit
Die Relevanz der Reichskrone in der heutigen Zeit 17
5. Literaturverzeichnis 18
6. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1.: Karl der Große mit Reichskrone. 20
Abbildung 2.: Die Reichskrone 20
Abbildung 3.: Salomonplatte 21
Abbildung 4.: Die Reichkrone mit der Salomon- und Davidplatte 21
Abbildung 5.: Davidplatte 22
Abbildung 6.: Majestas- Domini-Platte 22
Abbildung 7.: Die Reichkrone mit der Majestas- Domini-Platte 23
Abbildung 8.: Die Reichkrone mit der Hiskiaplatte 23
Abbildung 9.: Hiskiaplatte 24
Abbildung 10.: Stirnplatte 24
1
Abbildung 11.: Nackenplatte
Abbildung 12.: Stirnplatte
Abbildung 13.: Seitenplatte
Abbildung 14.: Reichskronenbügel
Abbildung 15.: Stirnkreuz
Abbildung 16.: Halterung des Stirnkreuzes
Abbildung 17.: Rückseite des Stirnkreuzes mit Reichskronenbügel
Abbildung 18.: Seitenansicht der Reichskrone
2
1. Einleitung
Die Krone der Könige und Kaiser
Die Reichskrone steht in enger Verbindung zur abendländischen und byzantinischen Geschichte. Unter der Krone Karls des Großen (siehe Abb. 1.), wie sie genannt wurde, verbeugten sich seit achthundert Jahren die Frankenkönige des Imperium Christianum. An ihrer christlichen Intention begannen Wissenschaftler erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu forschen an. Aufgrund der Arbeiten von Hans Decker-Hauffs und Albert Bühlers im Jahre 1952, sie suchten nach einer alttestamentarischen Bedeutung der Reichskrone, fing man an, sich mit der Theologie der Reichskrone intensiv auseinander zu setzen. Die Studien von Hans Decker-Hauffs, sowie von Hermann Fillitz bilden eine wichtige Grundlage der heutigen Forschungen, mit dem Ergebnis, die Reichskrone sei „Ausdruck christlicher Frömmigkeit, wie sie ein politisches Bekenntnis zur Einheit von Priester- und Königtum im politischen Herrscher“ ist. 1
Die Geschichte dieser Reichinsignie ist nur im Zusammenhang mit ihrer theologischen Bedeutung zu erfassen. Die Kirche und das Christentum beeinflussten das damalige gesellschaftliche Leben enorm. Die Könige mussten sich der Kirche und dem christlichen Glauben beugen und ihr politisches Handeln und Tun danach richten. Die Reichskrone „ist ein Stück Kirchengeschichte, weil sich in ihr die Mentalität einer Epoche spiegelt, für die sich politisches Handeln nicht gegen die Kirche, auch nicht mit der Kirche, sondern nur in der Kirche entfalten konnte.“ 2 Bereits anhand ihres Gewichts von dreieinhalb Kilogramm und ihres, für einen Menschenkopf, zu großen Durchmessers (22cm) wirkt sie übermächtig (siehe Abb. 2.). Nur ein Fragment der Reichskrone befindet sich heute noch in der Wiener Hofburg. Ihr ursprüngliches Aussehen änderte sich im Laufe der Jahrzehnte, welches „Transporte durch Europa, Raubüberfälle und Thronwirren“ miterlebte und sich den Geschehnissen anpassen musste. 3 Zu Beginn stellt sich die Frage, ob die damalige Gesellschaft die theologische Intention der Reichkrone kannte. Die Frage ist wichtig, da sie für das Verständnis dieser Zeit von Bedeutung ist. Der Bruder Ottos I., des Großen, der Erzbischof Brun von Köln, der als Auftraggeber der Reichskrone, durch den Historiker Reinhart Staats, genannt wird, wollte die Krone sicherlich nicht einem breiten Publikum vorführen. Die Krone sollte Gottes Herrschaft verherrlichen. Durchaus können schon im Frühmittelalter sowohl in der Literatur als auch in der Kunst, vor allem bei den Benediktinern, denen Bruns von Köln angehörte, belehrende Bezüge zur Bibel erkannt werden. Aber es war nicht, wie in der heutigen Zeit, wichtig, dass das Werk bei der breiten Masse Ansehen erhielt. Viel wichtiger war im Mittelalter das Lob Gottes für dieses Werk. Es hieß zur damaliger Zeit: „Dort soll der eigentliche Preis der Lobpreis Gottes und des Reiches Gottes sein, das seit der Menschwerdung Christi offenbar ist (…) und dann auch in voller Eigentlichkeit erst in Zukunft erscheint.“ 4 Nur einem kleinen Kreis war also der theologische Sinn der Reichskrone bekannt. 5
1 Staats: Theologie der Reichskrone, S. 1-3.
2 Ebd., S. 2.
3 Vgl. Staats: Die Reichskrone, S. 53.
4 Staats: Die Reichskrone, S. 70.
5 Vgl. Ebd., S. 69-70.
3
2. Die Geschichte der Reichskrone
Welche weltliche Bedeutung hat die Reichskrone im geschichtlichen Kontext?
Seit dem 10. Jh. versinnbildlicht die Reichskrone das bedeutendste Herrschafts- und Legitimationssymbol des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. In seinem Werk „Die Reichskrone“ beschreibt der Historiker Georg Johannes Kugler in prägnanter Weise die Bedeutung des Römischen Reiches: „Indem wir uns um das Verstehen unserer historischen Vergangenheit bemühen, also um kritisches Ordnen (…) stoßen wir - als Europäer - auf das Phänomen der Kaiser- und Reichsidee, auf die Geschichte des Römischen Reiches.“ 6 In der Zeit zwischen 962 bis 1039 trugen nicht nur deutsche Kaiser, wie Otto I. bis Konrad II., die Reichskrone auf ihrem Haupt, auch schmückte sie den Burgunderkönig Rudolf III. 7 Die Reichkrone verkörperte mit den restlichen Reichsinsignien, dem Reichsapfel, dem Reichsschwert, der heiligen Lanze und dem Zepter, die rechtmäßige königliche bzw. kaiserliche Souveränität eines jeden Herrschers, der sie trug. 8 Trotz ihrer Bedeutung sind Alter und Herkunft noch immer ungeklärt. Obwohl diese Fragestellungen für die Geschichtsschreibung von großer Bedeutung sind, ergaben selbst langjährige Forschungsarbeiten kein konkretes Ergebnis. Nur Vermutungen und Ansichten blieben vorhanden, die Ungewissheit blieb bestehen. Quellen, schriftliche als auch bildliche, die ihre Herkunft oder ihr Entstehungsjahr benennen könnten, sind nicht vorhanden. 9 Vermutet wird, dass sie wahrscheinlich zur römischen Kaiserkrönung 962 für Otto den Großen angefertigt wurde. Obwohl es Hinweise diesbezüglich gibt, fehlt dennoch ein sicherer Beleg für die These. Andererseits tritt das Entstehungsjahr um 980 in den Vordergrund.
978 überfiel der karolingische König, Lothar, Aachen, um sich an Otto II. wegen Lothringen zu rächen. Otto II. konnte flüchten, seine ottonischen Insignien blieben zurück und somit seine kaiserliche Legalität. Möglich, dass Otto II., um seine kaiserliche Herrschaft zu sichern und gegenüber den Karolinger abzugrenzen, die Anfertigung einer ottonischen Krone, auf der Grundlage des ottonischen Herrschaftsglaubens, in Auftrag gab. Die Datierung der Reichskrone würde demzufolge in das Jahr um 980 fallen. 10 Eine tatsächliche Datierung der Reichskrone muss aufgrund fehlender Belege weiterhin offen bleiben. Als nachgewiesen zeigt sich aber das ottonische Konzept, auf dem die mystische Allegorie der Reichskrone gründet.
3. Die Symbolik der Reichskrone
Welche Besonderheiten weist die Reichskrone auf?
Betrachten wir die Reichskrone, so erkennen wir nicht nur eine Reliquie des Heiligen Römischen Reiches, ebenso ist eine Anhäufung von Edelsteinen, Perlen und Bildplatten zu erkennen, die ihr und ihrem Aussehen eine geheimnisvolle Intention geben. 120 Edelsteine und 240 Perlen bilden die
6 Kugler: Die Reichskrone, S. 10.
7 Vgl. Schulze- Dörrlamm: Die Kaiserkrone Konrads II. (1024-1039), S. 27.
8 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S. 9.
9 Vgl. Ebd., S. 8.
10 Vgl. Ebd., S. 50-51.
4
Allegorie der Reichkrone aus. 11 Diese Allegorie weist auf die Symbolik eines höheren Ranges hin, die mit der frühmittelalterlichen Theologie verbunden ist. Im Sinne von „wie oben, so auch unten“ zeigt die Reichskrone die Verbindung der königlichen Herrschaft auf Erden und der göttlichen Herrschaft im Himmel auf. In ihr dominiert der altkirchliche und frühmittelalterliche Leitspruch „Rex et Sacerdos“, Christus ist und bleibt der König der Könige. Vor allem in den Bildplatten dominiert diese Aussage. Die Edelsteinplatten hingegen stellen Christus als Hohenpriester dar. Christus ist der ewige Herrscher und Priester unter all den Königen und Priestern. Sein Stellvertreter auf Erden ist jedoch der König, und zwar der König, der die Reichskrone trägt. Er hat die Aufgabe sein Volk an Christus zukünftiges Gottesreich zu erinnern und in seiner Herrschaftszeit dementsprechend zu handeln. 12 In Anlehnung an das Alte Testament stand der König anhand seiner priesterlichen Kleidung im Frühmittelalter durchaus in Zusammenhang mit Christus. Otto I. trug beispielsweise einen Sternenmantel und einen mit Glöckchen besetzten Rock. Beides gehörte zur Bekleidung des Hohenpriesters. 13
Die Reichskrone wird im Innern durch eine rote Samthaube des 18. Jahrhunderts geschmückt. Im Mittelalter war es noch Brauch eine Mitra an deren Stelle zu tragen. Sie stellte ein Krönungsprivileg des Papstes an den Kaiser dar. 14 Die Reichskrone trägt somit die Allegorie der christlichen Priestertracht in sich und weist damit eine in sich geschlossene Symbolik auf. Mit ihren Bild- und Edelsteinplatten verkörpert sie die Worte der Heiligen Schrift und das zweifache Amt Christi, in seiner königlichen und priesterlichen Rolle. 15 Die Reichskrone ist eine wichtige Quelle für das theologische wie auch politische Selbstbewusstsein der damaligen ottonischen Gesellschaft. 16
3.1. Das Oktogon
Acht goldene Platten formen den Reif der Reichskrone. 17 Die Zahl Acht in der Krone ist mit Absicht gewählt. Es ist eine „kaiserliche“ und theologische Zahl. 18 Die Form der Reichskrone ist sehr ungewöhnlich für eine Herrscherkrone. Sie ist weltweit die einzige Krone, die ein Achteck statt eines Kreises aufweist. So ungewöhnlich die Form für eine Krone ist, so gewöhnlich ist sie in der altchristliche Tradition und Kunstgeschichte. Die christliche Hochachtung vor der Zahl Acht findet sich in der Zeit kurz nach Christus im Judenchristentum Alexandriens wieder. Sie symbolisiert die Wiederauferstehung Christi und den Beginn von Gottes Reich. Die Form des Oktogons ist eng mit dem achten Tag, dem Welttag, verbunden, an dem Christus auferstand und der vor allem in der altkirchlichen Literatur verbreitet ist. Er symbolisiert das Weltgericht und die Seligkeit des himmlischen Jerusalem, das die Gläubigen erfahren werden. 19 Im Bereich der geschichtlichen Architektur ist die Acht auch bekannt. Sie zeigt sich in der Aachener Pfalzkapelle und in Ravenna in der San Vitale. Sie symbolisiert die Vollkommenheit, Vollendung und geht so über das Irdische hinaus. 20 Im Barnabasbrief wird die Wichtigkeit des achten Tages anhand der Worte Gottes verdeutlicht: „Nicht die jetzt begangenen
11 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S.43.
12 Vgl. Staats: Die Reichskrone, S.69.
13 Vgl. Fillitz: Die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches, S. 18.
14 Vgl. Ebd., S. 50.
15 Vgl. Staats: Die Reichskrone, S. 69.
16 Vgl. Ebd., S.55.
17 Vgl. Schulze-Dörrlamm: Die Kaiserkrone Konrads II., S. 29.
18 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S. 43.
19 Vgl. Staats: Theologie der Reichskrone, S. 24-32.
20 Vgl. Fillitz: Die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches, S. 19-20.
5
Sabbate sind mir willkommen, sondern der, den ich gemacht habe, an dem ich, wenn ich das All zur Ruhe gebracht habe, den Anfang eines achten Tages machen will, das ist: den Anfang einer anderen Welt. Deshalb feiern wir ja auch den achten Tag uns zur Freude, weil an ihm Jesus auferstand von den Toten und nach einer Erscheinung zum Himmel aufstieg.“ 21 Die Zahl Acht versinnbildlicht den christlichen Glauben in seinem Kern und wiederholt sich sowohl in der antiken und frühmittelalterlichen Literatur, Architektur sowie in der Kunst. Aus diesem Grund kann die Bedeutung des Oktogons nur anhand der theologischen Tradition verstanden werden. 22 Die Verbindung der Reichskrone mit dem heiligen Jerusalem musste den Gläubigen bereits aus früheren Zeiten bekannt gewesen sein. In der Jesaja- Verheißung heißt es nämlich: „Du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des Herrn und ein königliches Diadem (Corona gloriae et diadema regni).“ 23 Die wissenschaftliche Erforschung, des heute bekannten Zahlensystems der Reichskrone, ist auf den deutschen Historiker Hansmartin Decker-Hauff zurückzuführen. 24 Die Reichskrone verstärkt infolgedessen den „Eindruck einer wirklich wohldurchdachten Komposition“. 25
3.2. Die Bildplatten
Die vier emaillierten Bildplatten der Reichskrone, auf denen je ein König abgebildet ist, greifen ein beliebtes Symbol der frühmittelalterlichen Kunst auf. Vierzehn Perlen und zehn Edelsteine umrahmen jede der vier Bildplatten „wie ein Tor oder ein Triumphbogen.“ So unverständlich die Anzahl der Edelsteine ist, so eindeutig ist die Gesamtheit aller Perlen zu verstehen. Die Summe aller Perlen, ausgenommen dem Reichkronenkreuz, ergibt die Zahl 144. Sie könnte auf den Faktor 12 mal 12 und daher auf die Verbindung zum himmlischen Jerusalem verweisen. In der Apk. 21,21 wird erklärt, dass das himmlische Jerusalem von 12 Toren, eingesäumt von 12 Perlen, umfasst wird. Diese theologische Allegorie finden wir folglich in der Reichkrone wieder. 26 Zusammen mit ihrer oktogonalen Form ermuntert sie „zur Hoffnung auf die jenseitige gute Zukunft“. 27 Einzelne biblische Spruchbänder verzieren die abgebildeten Könige. Sie zeigen Eigenschaften eines guten Monarchen und seiner königlichen Rolle als Stellvertreter Jesu Christi auf. Eine Chronologie der Bildplatten und Sprüche wird mit dem Beginn bei David und dem Ende bei Ezechias (Hiskia) erkenntlich. Decker-Hauff und Schramm wiesen auf eine im Mittelalter bekannte, im Uhrzeigersinn deutende, Leseform hin. Begonnen wird bei der Davidplatte, die Stirnplatte wäre die Vierte und gefolgt von der Nackenplatte als letzte, als Achte. Aus diesem Verständnis heraus, ergeben sich in der Reichskrone eine königliche und eine prophetische Hälfte. Bei König David, dem „rex et propheta“, finden wir die Annahme bestätigt. 28 Die von den Königen getragenen Spruchbänder, welche in M-Form das Herz des Tragenden bedecken, erinnern an die Vorstellung des Neuen Testaments. Das Wort Gottes befindet sich im Herzen des Gläubigen. Seine geschwungene M-Form steht für das Wort „Mille“, das an die christliche Tradition des tausendjährigen Reiches erinnert. Seine dreidimensionale Struktur lässt auf eine Art Tuch schließen. 29 „Das velum oder
21 Staats: Theologie der Reichskrone, S. 25.
22 Vgl. Ebd., S.25- 26.
23 Ebd., S. 24-32.
24 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S. 43.
25 Staats: Theologie der Reichskrone, S. 36.
26 Vgl. Staats: Theologie der Reichskrone, S. 32-33.
27 Ebd., S. 33.
28 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S. 42-43.
29 Vgl. Staats: Theologie der Reichskrone, S. 34.
6
velamen im Neuen Testament bezeichnet jene über dem Alten Testament liegende Decke, die zugleich das Herz der noch nicht zu Christus Bekehrenden bedeckt.“ 30 Bei der Christusplatte fehlt solch ein Spruchband. Für dieses Verständnis könnte der Hebräerbrief angeführt werden. Christus eröffnet den Eingang hinter das Tuch bzw. den Vorhang, hinter das Allerheiligste und zeigt so einen neuen Weg auf. 31 Die übrigen Königssprüche haben jeweils den König zum Objekt ihrer Verkündigung. David erinnert in seinen Psalmen daran: „‚Der ehrenhafte König liebt den Rechtsspruch‚ (…), bei Salomon ein Wort seiner Sprüche: ‚Fürchte Gott und meide Unrecht‚ (…), bei Hiskia (…) das ihm als dem todkranken König zugesagte Jesajawort: ‚Wohlan, ich will zu deinen Lebensjahren noch 15 Jahre hinzufügen‚(…).“ 32 Die drei alttestamentarischen Königsplatten von David, Salomon und Hiskia verhüllen Christus, gleichzeitig deuten sie auf die Christusplatte und weisen auf ihn und seine Offenbarung hin. Das velamen, der Vorhang, tritt dabei in den Hintergrund. 33
3.2.1. Platte II. (Salomon)
So wie die anderen Bildplatten, besteht ebenso die Salomonplatte aus vierzehn Perlen und zehn Edelsteine, die sich um das Bild des Königs Salomon legen (siehe Abb. 3.). David und sein Sohn Salomon sind auf zwei benachbarten Bildplatten dargestellt. Ihre Abbildungen sind sehr ähnlich, unterscheiden sich jedoch durch ihre Spruchbänder. König Salomon trägt das Spruchband: „Fürchte Gott und meide Unrecht.“ Wohingegen David das folgende Spruchband über seinem Herzen trät: „TIME DOMINVM ET RECEDE A MALO“ („Der ehrenhafte König liebt den Rechtsspruch“). Offensichtlich verweisen die zwei Spruchbänder, wie später ersichtlich wird, auf die ottonische kaiserliche Krönung des 10. Jahrhunderts. 34 Salomon wendet sich nicht der Stirnplatte zu, was man vermuten würde, sondern seinem Vater, David (siehe Abb. 4.). 35 Die Anordnung der zwei Bildplatten ist bedeutend. Ihre Stellung auf der linken Seite der Reichskrone erklärt sich anhand der ikonographischen Gesetze. Politisches spiegelte sich auf der linken Kronenseite wider. Die rechte Seite bildet in der Ikonographie indessen das Erhabene, Heilige und Religiöse ab. 36 Unverständlich erscheinen die beiden zugewandten Könige erst dann, wenn der geschichtliche Hintergrund fehlt. Beide Könige, Vater und Sohn, blicken zueinander. Vermutlich wird hierbei Bezug auf Otto und seinen Sohn Otto II. genommen. Ungewöhnlich zur damaligen Zeit war, dass Otto I. seinen Sohn Otto II. zum Mitkaiser bestimmte. Dieser Akt deutete auf die Sicherung des Reiches und der Thronfolge hin. Als wichtiger Teil der riskanten Romreise zur Kaiserkrönung, sicherte er „die allerhöchste Garantie für die erstrebte Renovatio des Karlsreiches.“ 37 Dieses gemeinsame Kaisertum setzte sich in den Jahren 961 bis 968 durch. Beide Ottonen wurden durch die deutsche Dichterin, Hrosvitha von Gandersheim, mit David und Salomon verglichen. Sie schrieb über Otto II.: „Aber weil ich gedenke, wie sehr Du wunderbar ähnlich Salomo, dem Sohne Davids, des gepriesenen Königs, der in Gegenwart und auf Geheiß seines heiligen Erzeugers in ersehntem Frieden des Vaters Reich übernomme.“ 38 Die benachbarten Bildplatten Salomons und
30 Ebd., S. 35.
31 Vgl. Ebd.
32 Ebd., S. 34.
33 Vgl. Ebd., S. 36.
34 Vgl. Staats: Theologie der Reichskrone, S. 42.
35 Vgl. Kugler: Die Reichskrone, S. 42.
36 Vgl. Staats: Theologie der Reichskrone, S. 42.
37 Ebd., S. 41-42.
38 Staats: Die Reichskrone, S. 57
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