Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Wie alles begann 2
Die Entwicklung des Berlinischen Dialekts
Wie entwickelte sich dit Berlinische? 2
13. Jahrhundert: Berlin, die Stadt an der Spree 3
14./ 15. Jahrhundert: Berlin und die Hanse 4
16./ 17. Jahrhundert: Berlinisch und das Hochdeutsche 4
18. Jahrhundert: Berlinisch, eine Sprache der Unterschicht 5
19./ 20. Jahrhundert: Die Forderung zur Vereinheitlichung 6
Das Berlinische
Wat is ne richtije „Berliner Schnauze“? 7
Die Phonologie des Berlinischen
Welche Merkmale weist dit Berlinische uff? 8
Vokale 8
Konsonanten 10
Die Grammatik des Berlinischen
Welche Besonderheit n ha m die Berlinisch n Wortart n? 12
Adjektiv 12
Adverb 12
Konjunktion 12
Nomen (Substantiv) 12
Pr äposition 13
Pronomen 13
Verb 13
Der Berlinische Wortschatz
Wat heßt dit uff „Deutsch“? 14
Nutzen des Dialekts
Wozu n Berlinisch n Dialekt noch sprech n? 15
Literaturverzeichnis 17
1
Einleitung
Wie alles begann
Heute gibt es zum Thema des Berlinischen Dialekts nur wenige wissenschaftliche Arbeiten. Die Quellen sind rar. Sie stammen größtenteils aus dem Spätmittelalter und dem 16. Jahrhundert. Die Seltenheit berlinischer Quellen bzw. wissenschaftlicher Arbeiten erklärt sich anhand des damaligen Desinteresses, welches weit bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts reichte. Die Dialektologen waren der Meinung, dass es sich beim Dialekt der Stadtsprache Berlins um einen Mischdialekt handle, der zum Verschwinden der traditionellen Mundarten beitrug. 1966 veröffentlichte der Sprachhistoriker William Labov seine Untersuchungen zur Sprache New Yorks, welche in Deutschland Ende der 60er Jahre Aufsehen erregten. Durch Labov änderte sich die Meinung der Dialektologen. Labov stellte fest, dass eine Stadtsprache keine willkürliche Mischung sei, sondern vielmehr eine sozial bestimmte und geordnete Varietät darstellte. Den Sprachwissenschaftlern eröffneten sich damit neue Perspektiven, die zum Überdenken der Sprachstellung der verschiedenen Dialekte führten.
Eine Stadtsprache beinhaltet jedoch nicht nur die verschiedenen Varietäten. Zu ihr gehören auch all die Sprachen, welche sie früher in schriftlicher und mündlicher Form beeinflussten und erst im Laufe der Zeit verschwanden. Wichtige Entwicklungsfaktoren einer Sprache sind z.B. die Verstädterung, Industrialisierung, die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, sowie ihre außerstädtischen Kontakte. Nicht alle Städte unterliegen demzufolge einem gleichbleibenden Entwicklungsprozess. Dieser Prozess ist abhängig von der Konstellation dieser verschiedenen Faktoren. Nun stellt sich also die Frage, wie sich die berlinische Stadtsprache anhand dieser Faktoren entwickelte? 1 Was kennzeichnet den Berliner Dialekt aus? Welche Besonderheiten sind im Sprachgebrauch ersichtlich? Wozu sollte man eigentlich den Berlinischen Dialekt sprechen?
Die Entwicklung des Berlinischen Dialekts
Wie entwickelte sich dit Berlinische?
Spricht jemand Berlinisch, so könnte einem in den Sinn kommen, dass es sich bei diesem Dialekt, um einen aus bereits früherer Zeit handelt. Es liegt nahe zu behaupten, das Berlinische wäre immer schon so gewesen wie wir es in seiner heutigen Form vorfinden. Quellen aus dem 13. bis 18. Jahrhundert wiederlegen aber diese Vermutung. Vielmehr wird hiermit deutlich, dass das heutige Berlinisch den Einflüssen verschiedener Sprachen unterlag. Von seiner ursprünglichen Form entwickelte es sich also weiter. Eine Barriere in der Sprachgeschichte des Berlinischen bildet die Sprachentwicklung an sich. In Berlin gab es keinen einheitlichen, beständigen Sprachgebrauch. Die
1 Vgl. Dittmar/ Schlobinski: Wandlung einer Stadtsprache, S. 1- 3.
2
Sprachvarietät unterschied sich in den Regionen und in den sozialen Schichten, was auch die Entwicklung dieser Stadtsprache sehr beeinflusste.
Im 13. Jahrhundert gehörte das Berlinische der niederdeutschen Sprache an. Seit dem 14. Jahrhundert strebten die Berliner nach einer Zweisprachigkeit (Berlinisch und Hochdeutsch), um sich mit dem hochdeutsch sprechenden Adel auseinanderzusetzen, und so ihre eigenen Interessen vertreten zu können. Insbesondere politische Fernkontakte und die Zuwanderung von Ausländern nahmen Einfluss auf das Berlinische. Das berlinische Bildungswesen basierte auf der hochdeutschen Sprache und behauptete sich seit dem 16. Jahrhundert an Universitäten, in Schulen, der Literatur, in der Kirche und Militär, bei der Zeitung und im Theater. Es zählte zum hochdeutschen Sprachgebrauch.
In früherer Zeit besiedelten germanische Stämme das berliner Gebiet. Aufgrund der Völkerwanderungen im 3. und 4. Jahrhundert vollzog sich ein Wechsel der Siedler. Seit dem 7. Jahrhundert besiedelten nun slawische Stämme diese Gegend, auf die auch die sprachlichen Einflüsse der Ortschaften zurückzuführen sind, wie Stresow, Spandau (zuvor Spandow) und Treptow. 2 Die Gründung der Städte ist mit der Kolonisation durch die Askanier unter Albrecht dem Bären verbunden. Die ersten Zuwanderer stammten also aus dem elbostfälischen, mitteldeutschen, rheinfränkischen und ostmitteldeutschen Gebieten ab.
13. Jahrhundert: Berlin, die Stadt an der Spree
Die Lage an der Spree verhalf Berlin zu seiner politisch und ökonomisch wichtigen Bedeutung. Rege Handelskontakte bestanden zu Hamburg und Flandern. Holz und Weizen gehörten den Exportwaren an. Aus Flandern wurde Tuch importiert. 1307 erlangte Berlin einen wirtschaftlichen Höhepunkt. Aufgrund seiner geographisch günstigen Lage, wurde in Berlin reger Handel und Austausch an Waren betrieben, was auch die verschiedenen Einflüsse auf den Berlinischen Dialekt erklären lassen. Der Kontakt zur slawischen Bevölkerung, die vor den Toren der Stadt wohnten, ist jedoch in kaum einer historischen Quelle überliefert. Der Quellenmangel erklärt sich aufgrund der zahlreichern Rathausbrände, welche in der Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts ausbrachen. An Markttagen, an denen die Slawen ihre Fische zum Kauf anboten, entstanden vermutlich Kontakte mit dieser Bevölkerung. 3 In der gesamten Sprachgeschichte Berlins sollte dabei nicht vergessen werden, dass auch der Einfluss und Zusammenhang der Schwesterstadt Cölln die Entwicklung des Berlinischen mitprägte. 4 Cölln wird das erste Mal 1237 und Berlin 1244 urkundlich erwähnt. 5 Die Basis des Berlinischen bildete hier das Niederdeutsche. 6
2 Vgl. Rosenberg: Der Berliner Dialekt, S. 79.
3 Vgl. Dittmar/ Schlobinski: Wandlung einer Stadtsprache, S. 4 - 7.
4 Vgl. Schildt/ Schmidt: Berlinisch, S. 111- 114.
5 Vgl. Schlobinski: Stadtsprache Berlins, S. 5.
6 Vgl. Rosenberg: Der Berliner Dialekt, S. 78.
3
14./ 15. Jahrhundert: Berlin und die Hanse
Im Gegensatz zum 13. Jahrhundert, in dem noch vereinzelt in berlinischen Urkunden Einschübe des Lateinischen zu finden sind, entstand im 14. Jahrhundert eine durchgehend niederdeutsche und hochdeutsche Tradition. Das Lateinische wurde nur noch ausschließlich für kirchliche Angelegenheiten verwendet wie z.B. die Interessen der Bischöfe oder Fragen des Kirchenbesitzes. In den Vordergrund rückte der niederdeutsche Sprachgebrauch, welcher sich sowohl im Alltag als auch im Schriftverkehr durchsetzte. Im Laufe der Zeit stabilisierte Berlin seine ökonomische Position insofern, dass es in die Hanse aufgenommen wurde. Die Aufnahme Berlins führte zu einer starken Beeinflussung der Sprache seitens der Hanse. 7 Berlin wurde nicht nur auf sprachlicher Ebene von der Hanse beeinflusst, sondern auch seine Einstellung zur Wirtschaft, Politik oder Kultur wurden dadurch geprägt. Die Hanse verkörperte ein Städtebündnis, das gegen die adlige Gewalt ankämpfte. Dieser Zusammenschluss führte zu einer Veränderung des Bürgertums. Die Unterschiede der sozialen Schichten wurden jetzt noch stärker abgegrenzt. Der starke Einfluss des Niederdeutschen im Berliner Dialekt erklärt sich durch die Ausrichtung Berlins in Richtung Norden. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts beeinflusste die niederdeutsche Sprache das Berlinische. Wichtige Aspekte, wie Berlins wachsende Machtstellung, die Stärkung der Bevölkerung und die Beeinflussung durch die Hanse, unterstützten die weitere Verwendung der niederdeutschen Mundart im berliner Raum. 8 Der rege Kontakt mit markgräflichen und kurfürstlichen Beamten seit 1323 trug zur hochdeutschen Sprachentwicklung bei. 9 Die hochdeutsche Sprache nahm Mitte des 14. Jahrhunderts Einfluss auf das Berlinische und schloss die sprachliche Entwicklung Ende des 14. Jahrhunderts ab. Trotz dessen behielten die Stadtkanzleien Berlins die niederdeutsche Sprache in schriftlicher Form bis ins 16. Jahrhundert bei. „Dabei (blieb) der Konsonantenstand rein niederdeutsch, die gesprochenen Umlaute und Diphthonge (…) (wurden) im allgemeinen nicht verwendet, um eine Verständigung im Schriftverkehr zu garantieren.“ 10
16./ 17. Jahrhundert: Berlinisch und das Hochdeutsche
Bereits zu Beginn des 16. Jahrhundert gehörte das Hochdeutsche der Verwaltungssprache an. Im 16. Jahrhundert besaß Berlin jedoch noch keine sprachliche Einheit. Die Varietäten unterschieden sich nach sozialen Schichten. Die Veränderungen Ende des 15. Jahrhunderts, die durch den Niedergang der Hanse entstanden, verlangten von Berlin, sich städtisch neu zu orientieren. Ziel waren die ostmitteldeutschen Gebiete wie Meißen, Dresden und Leipzig, die den Berliner Dialekt mit prägten. Die deutsche Germanistin Agathe Lasch sprach von der „sprachliche Tyrannei, die Obersachsen, Leipzig, zeitweilig (auf Berlin) ausübten“. Sie formulierte es folgendermaßen: „Früher und schneller als irgendwo sonst im niederdeutschen Gebiet (drang) in Berlin Hochdeutsch als Verwaltungssprach vor.“ 11
7 Vgl. Schildt/ Schmidt: Berlinisch, S. 120- 121.
8 Vgl. Rosenberg: Der Berliner Dialekt, S. 83.
9 Vgl. Schildt/ Schmidt: Berlinisch, S. 120- 121.
10 Schlobinski: Stadtsprache Berlins, S. 6.
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Ida Smierzchalski, 2011, Die Entwicklung einer Stadtsprache - Berlinerisch, München, GRIN Verlag GmbH
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