Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung 3
B) Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation 3
1. Zum Begriff des Sprechakts 3
2. Austins Vorschlag zur Sprechaktklassifikation 5
3. Searles Kritik an Austin und sein Klassifikationsvorschlag 6
4. Ballmers Kritik an Searle 8
4.1 Willkürliche Vorentscheidungen bei der Formulierung der
illokutionären Zwecke 8
4.2 Mangelnde Differenzierung des Kriteriums der Anpassungsrichtung 9
4.3 Abhängigkeit der Sprechakttypzuordnung vom jeweiligen
propositionalen Gehalt 10
4.4 Klassifikation von Sprechaktaspekten, nicht von Sprechakten 10
)C Zusammenfassung 11
D) Verzeichnis der verwendeten Literatur 12
A) EINLEITUNG
„Statt dauernd nur zu reden, sollten wir lieber endlich mal handeln !“ Ein oft gehörter Satz, dessen Aussage auf den ersten Blick der Sprechakttheorie der linguistischen Pragmatik völlig widerspricht. Denn diese besagt, dass man schon handelt, indem man nur etwas sagt. Durch sogenannte Sprechakte vollziehen wir Handlungen. Das ist etwa am Beispiel einer Kriegserklärung leicht nachzuvollziehen, nach deren Äußerung die Welt erheblich verändert ist. Der Sprechakt oder auch illokutionäre Akt ist der zentrale Begriff in der linguistischen Pragmatik. Für sie ist er ungefähr das, was für die Morphologie das Morphem, oder für die Phonologie das Phonem ist: die Grundeinheit dieses Bereichs der Linguistik. Es sind einige Versuche unternommen worden, für die vielen verschiedenen Sprechakte ein Schema zu finden, mit dem sie in einzelne Klassen eingeteilt werden könnten. Um diese Klassifikationsvorschläge und die Kritik daran wird es in vorliegender Arbeit gehen.
Zunächst soll noch einmal kurz der Sprechaktbegriff erläutert werden, seine Glückensbedingungen, sowie John R. Searles Definition des Sprechakts über drei Teilakte. Danach beginnt mit John L. Austins Klassifikationsvorschlag das eigentliche Thema. Es folgt Searles Kritik daran, und dessen eigener Verbesserungsvorschlag. Als Beispiel für eine der vielen Kritiken an Searle soll anschließend auf Thomas T. Ballmers vier Einwände gegen dessen Taxonomie genauer eingegangen werden.
B) VORSCHLÄGE UND KRITIKEN ZUR SPRECHAKTKLASSIFIKATION
1. Zum Begriff des Sprechakts
Eine Zeitlang gingen Philosophen (z.B. Gottlob Frege) davon aus, dass Sprache einzig und allein dazu diene, über die Welt zu reden. Äußerungen wurden als ausschließlich deskriptiv betrachtet, waren sie das nicht, konnte man sie gewissermaßen als bedeutungslos ansehen. Man untersuchte die ‚Wahrheitsbedingungen‘ von Sätzen, um herauszufinden, unter welchen Umständen ein Satz wahr oder falsch ist.
3
John L. Austin machte als einer der ersten in seinen Vorlesungen 1 darauf aufmerksam, dass es Äußerungen gibt, die - obwohl in der Form von Aussagesätzen - überhaupt nicht in der Absicht gemacht werden, Tatsachen zu beschreiben. Er gibt u.a. folgende Beispiele:
- ‚Ich taufe dieses Schiff auf den Namen Queen Elizabeth.‘ - geäußert während man eine Flasche gegen den Bug schlägt
- ‚Ich vermache meine Uhr meinem Bruder.‘ - in einem Testament
- ‚Ich wette einen Sixpence, dass es morgen regnet.‘
Diese Sätze dienen vielmehr dazu, Tatsachen zu schaffen; man verändert die Welt bzw. vollbringt eine Handlung, indem man sie ausspricht. Deshalb fasst Austin sie zunächst unter dem Namen „Performative“ zusammen, um sie von den feststellenden, beschreibenden „konstativen“ Äußerungen abzugrenzen. Performative Sätze können nicht wirklich als wahr oder falsch bezeichnet werden 2 , sondern sie können entweder misslingen oder glücken, je nach den Umständen, unter denen sie ausgesprochen werden.
Dazu formuliert Austin Glückensbedingungen (felicity conditions), die erfüllt sein müssen, damit eine Äußerung gelungen ist 3 . Sein Schüler Searle entwickelt diese zu folgenden Bedingungen weiter:
Bed. des propositionalen Gehalts: inhaltliche Anforderungen an den Sprechakt
2. Einleitungsbedingung: Aufrichtigkeitsbedingung: Anforderung an Haltung / Einstellung des Sprechers Anforderung an Zusammenhang v. Äußern und Handeln 4 essentielle Bedingung:
Für den Sprechakt des Warnens würden die Glückensbedingungen beispielsweise so aussehen:
propositionaler Gehalt: künftiges Ereignis (E)
2. Einleitung: S glaubt, für H sei nicht offensichtlich, dass E geschehen wird
1
Nach seinem Tode veröffentlicht. Austin, John L.:
How to do things with words,
Oxford University Press 1962.
2 Z.B. klingt die Sequenz „Ich wette einen Sixpence, dass es morgen regnet“ - „Das ist unwahr“ äußerst ungewöhnlich.
3 Austin, John L. a.a.O., S. 14f.
4
Quote paper:
Judith Huber, 2003, Vorschläge und Kritiken zur Sprechaktklassifikation, Munich, GRIN Publishing GmbH
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