Streetwork
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 1
2. Definition 2
3. Streetwork 3
3.1 Geschichte 3
3.2 Tätigkeitsbereiche 4
3.3 Konzeptionelle Orientierungen 5
3.4 Rahmenbedingungen 6
4. Professionelles Handeln 7
4.1 Begriffsdefinition 7
4.2 Kontaktaufnahme 7
4.2.1 Grundsätze 7
4.2.2 Formen 8
4.3 Recht auf der Straße 9
5. Probleme und Herausforderungen 10
6. Streetwork in der Prostitutionsszene 11
6.1 Prostitution und Soziale Arbeit 11
6.2. Aufgaben 12
6.3 Aufsuchende Arbeit für Frauen in der Prostitution 13
6.3.1 Notwendigkeit 13
6.3.2 Der Nachtbus am Straßenstrich 14
7. Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
Fach : Methoden der Sozialen Arbeit
1. Einleitung
Alle Menschen haben besonders eine Sache gemeinsam- sie sind in ihrer Umwelt positiven aber auch negativen Einflüssen ausgesetzt. Der Unterschied zwischen ihnen ist, dass sie je nach individueller Lebenssituation, Charaktereigenschaft und Hintergrund ganz unterschiedlich damit umgehen. Vor allem junge Menschen müssen sich in der Pubertät vielen Herausforderungen stellen und geraten dadurch manchmal in Probleme, aus denen es nicht so einfach ist, wieder herauszukommen. Wenn ich in meiner Heimatstadt Stuttgart unterwegs bin, sehe ich immer wieder Punks, sich exzessiv betrinkende Jugendliche oder Obdachlose auf der Straße. Zusätzlich hör ich oft von Kriminalität, Gewalt und rechtsextremen Übergriffen im Fernsehen. Viele Menschen empfinden bei solchen Nachrichten immer Wut, Hass oder Unverständnis, doch diese Taten passieren nicht einfach so. Denn hinter jedem abweichenden Verhalten stecken große Probleme, Sorgen oder emotionale Schwierigkeiten. Deswegen ist es wichtig, dass man einen Weg findet, auch diese Menschen zu erreichen. Jedoch ist das nicht immer einfach. Denn bereits während meines Freiwilligen Sozialen Jahres im Jugendhaus ist mir aufgefallen, dass wir selbst mit unseren vielfältigen Angeboten nicht alle Jugendlichen erreichen konnten, weil sie sich von diesen nicht angesprochen fühlten oder einfach weil sie nicht zur Zielgruppe der Einrichtung gehörten. Deswegen ist meiner Meinung nach das Berufsfeld Streetwork auch sehr wichtig, da es Möglichkeiten hat, die Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld zu gewinnen und ihnen zu helfen.
Ich bin auf das Thema Streetwork aufmerksam geworden, als ich die Doku- Soap „die Ausreißer- der Weg zurück" im Fernsehen mitverfolgt habe. Die Serie widmete sich Familien, deren Kinder von Zuhause weggelaufen sind und nun auf der Straße leben. Im Mittelpunkt stand der Sozialpädagoge Thomas Sonnenburg, der versucht hat die Probleme der Kinder sowie ihrer Eltern auf unterschiedliche Art und Weise zu lösen. Das fand ich persönlich sehr interessant. Außerdem hab ich während meines Freiwilligen Sozialen Jahres einige Sozialarbeiter aus dem Bereich Streetwork kennengelernt und zusätzlich Einblicke in das Arbeitsfeld bekommen. Da ich aber bisher über die methodische Arbeitsweise relativ wenig wusste, habe ich mich dazu entschieden, dies in meiner Studienarbeit zu thematisieren. In meiner Arbeit möchte ich vor allem auf Fragen eingehen, die die Methode an sich betreffen um am Ende zu wissen, welchen Herausforderungen sich Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in diesem Arbeitsfeld stellen müssen und wie man es schafft, mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch zu kommen ohne sie zu vertreiben oder sich zu sehr aufzudrängen. Im Anschluss darauf, werde ich auf den Praxisbereich „Prostitution" eingehen. Ich habe mich gerade für dieses Unterthema entschieden, da ich denke dass es ein heikles Thema ist und in der Gesellschaft lieber unter den
Teppich gekehrt, als thematisiert wird- und das obwohl es immer wieder Schlagzeilen rund um das Thema Prostitution gibt. Sind es die Drogenabhängigen, die immer öfters daran denken, sich zu prostituieren, junge Studentinnen die sich damit ihr Leben finanzieren oder die zahlreichen Berichte über Zwangs- und Kinderprostitution. Ich werde in diesem Teil meiner Arbeit vor allem auf die Frage eingehen, warum Sozialarbeit in diesem Bereich so wichtig ist, worin die Aufgaben eines Streetworkers bestehen, sowie explizit auf die Frauen in der Prostitution eingehen und erläutern, warum gerade in diesem Bereich die Soziale Arbeit so wichtig sind.
2. Definition
Streetwork heißt übersetzt Straßensozialarbeit und versteht sich selbst als ein ein eigenes Arbeitsfeld sowie Methode der sozialen Arbeit (vgl. Gillich, 2003, S.7). Es werden Schwerpunktsetzungen und Konzepte lebensweltorientierter Sozialarbeit verfolgt (vgl. Gillich, 2003, S.7), unter denen verstanden wird, dass sich die Soziale Arbeit für die Stützung primärer Hilfebeziehungen einsetzt sowie selbst eine Perspektive einnimmt, die an den Sichtweisen, Bedürfnissen und Möglichkeiten der Hilfesuchenden anknüpft (vgl. Frank, 2002, S. 609). Zudem arbeitet Streetwork mit der Kontaktform der aufsuchenden Arbeit (vgl. Gref, 1995, S.13). Ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin ist nicht nur in einer Institution tätig, sondern besucht ihre Klienten und Klientinnen auch in ihrem unmittelbaren Umfeld, also überall, wo sich die Zielgruppen regelmäßig aufhalten (vgl. Gref, 1995, S.13). Ob das nun Straßenecken, Szenetreffs, Parks, öffentliche Plätze, Ladenpassagen, Fußgängerzonen, Spiel- und Bolzplätze, Schulhöfe, Kneipen, Discos, Spielcenter, Privaträume oder Wohnungen betrifft, das Arbeitsumfeld eines Streetworkers ist sehr groß (vgl. Gref, 1995, S.13). Streetwork richtet sich an alle Menschen, die von Ausgrenzung und Stigmatisierung 1 bedroht sind, ein auffälliges soziales Verhalten zeigen sowie sich die meiste Zeit an öffentlichen Orten aufhalten. Zielgruppen können Drogenkonsumenten, jugendliche Cliquen und Gangs, Fußballfans, Wohnungslose, Homosexuelle, Stricher und Prostituierte sein (vgl. Gref, 1995, S.14). Die Methode wurde ins Leben gerufen, da ein großer Teil des Klientels der Sozialen Arbeit „ aus den Bereichen Jugend(sozial)arbeit, Wohnungslosenhilfe, Drogenhilfe, Aidshilfe, Fußballfanarbeit etc. von herkömmlichen sozialen Diensten (nicht) mehr wirklich erreicht werden [konnten], gleichzeitig jedoch Hilfen notwendig [waren], die adressenorientiert und flexibel ausgerichtet [waren] (Gillich, 2003, S.7)."
1 Unter Stigmatisierung versteht man eine Bewertung des normalen gesellschaftlichen Umgangs von Verhaltens und sonstigen Auffälligkeiten (vgl. Scheerer, 2002, S. 943)
3. Streetwork
3.1 Geschichte
Der Ursprung der Methode Streetwork liegt in Amerika (vgl. Steffan, 2002, S.950). Die ersten Anfänge waren dort bereits vor den 20er- Jahren erkennbar, als die Chicagoer Schule der Soziologie 2 sich mit der Milieu- und Kriminalprävention beschäftigte (vgl. Steffan, 2002, S. 950) Darunter wurde verstanden, dass es damals wie auch heute auch noch, gewaltbereite soziale Millieus gab (vgl. Wegel, 2011). Der Fokus lag damals vorwiegend auf den männlichen Jugendlichen, die besonders problematische Biografien vorzuweisen hatten (vgl. Wegel, 2011). Die Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen versuchten deshalb die Aggressivität- und Kriminalität zu bekämpfen, in dem sie positive und soziale Rahmenbedingungen herstellten, um das abweichende Verhalten zu verhindern (vgl. Wegel, 2011). Aber auch in Deutschland gab es die ersten Versuche im Bereich Streetwork. Zum einen war es im 19. Jahrhundert das Wirken der pilgernden Brüder und zum anderen die christlich- karikative Millieuarbeit der Ordensleute. Wenn heute jedoch jemand auf die Geschichte des Streetworks Bezug nimmt, spricht er oder sie selten von diesen eben erwähnten Geschehnissen, sondern verweist eher auf die 60er Jahre, in denen auf die Lebenswelt der einzelnen Zielgruppen eingegangen wurde, um auch Menschen zu erreichen, die die herkömmlichen Einrichtungen der sozialen Arbeit mieden oder ausgegrenzt wurden. Leider war die Methode zu dieser Zeit noch lange nicht erforscht und somit die Qualität dementsprechend mangelhaft. Gründe dafür waren, dass der konzeptionellen und- methodischen Reflektion, die heute ein wichtiger Bestandteil ist, kaum Beachtung geschenkt wurde. Deshalb wurde die Methode in der sozialen Arbeit auch lange Zeit nicht anerkannt. Mit der Zeit bildeten sich aber immer mehr Zielgruppen und Milieus heraus und so schaffte es Streetwork sich zwischen dem Jahr 1970 und 1980 endgültig zu etablieren. Kurze Zeit später kam es zu einer starken Entwicklung der aufsuchenden Prävention und Betreuung in den verschiedenen Milieus. Das lag größtenteils an den:
• gesellschaftlichen Herausforderungen wie dem Aufbau der Jugend- und Sozialarbeit in den östlichen Bundesländern
• verschärften Problemlagen wie der Ausbreitung des Hi- Virus
• gesteigerten Gewaltpotenzial der Jugendlichen
• zunehmenden Zahl an Drogentoten und obdachlosen Jugendliche Aufgrund dieser Gesellschaftsveränderungen gab es zudem eine Modellförderung für bestimmte Programme und Projekte aus der Aids- Arbeit, dem Drogen- und Prostitutionsmilieu sowie der Straßenkinder- Szene. (Vgl. Steffan, 2002, S.950f.)
2 Die Soziologie ist eine Sozialwissenschaft, die theoretisch und empirisch arbeitet (vgl. Blaschke; Dietrich,
2002, S.918).
3.2 Tätigkeitsbereiche
Die Angebote des Streetworks werden in drei Tätigkeitsbereiche eingeteilt. Es gibt welche, die sich auf die Adressatinnen und Adressaten beziehen, infrastrukturell 3 geregelt sind oder Querschnittsfunktionen beinhalten. In der Praxis überschneiden sie sich hin und wieder und die Streetworker sind demnach für mehrere gleichzeitig zuständig. Zu den Angeboten gehören:
• Beziehungspflege und Kontaktpflege: Dazu gehört der Aufbau und die Pflege von langfristigen, verbindlichen und reflektierten Beziehungen sowie die Schaffung eines vertrauensvollen Kontaktnetzes zu den Klienten und Klientinnen.
• Beratung: Damit meint man Angebote im Hinblick auf den individuellen und gruppenbezogenen Bedarf.
• Gruppen- und Projektarbeit: Das Hauptziel dieser beiden Angebote ist Soziales Lernen, um positive Lebensentwürfe entwickeln zu können.
• Freizeitgestaltung und Erlebnispädagogik: Bei diesen beiden Angeboten möchten Streetworker ihrem Klientel die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Stärken und Grenzen zu erfahren.
• Begleitung: Die Streetworker unterstützen ihr Klientel auf solidarische Art und Weise.
• Vernetzung: Diese dient der Interessenvertretung und der Entwicklung von örtlichen Hilfestrukuren.
• Öffentlichkeitsarbeit: Es soll eine Darstellung und Vermittlung der Lebenswelt der Klienten in der Öffentlichkeit erreicht werden.
Aus diesen zahlreichen Angeboten kann man schließen, dass Streetwork auf vielen verschiedenen Ebenen tätig ist und besonders auf die Interessen des Klientels, vor allem geschlechtlicher- und ethischer Art, Rücksicht nimmt. (Vgl. Gillich, 2003, S. 211ff.) Außerdem wird klar, dass es im Streetwork nicht nur darum geht, den Kontakt zum Klientel aufrecht zu erhalten, um eine anschließende Beratung möglich zu machen, sondern vor allem Wert auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung gelegt wird, in der die Menschen ihre persönlichen Stärken und Grenzen kennenlernen können. Zudem wird ihnen geholfen, positive Lebensentwürfe zu entwickeln, damit sie irgendwann den Wunsch verspüren, sich persönlich weiterzuentwickeln, ihr Leben zu verändern und es geregelte Bahnen zu bringen.
3 Infrastrukturelle Einrichtungen sind Arbeitsbereiche, die der sozialen Versorgung der Bevölkerung dienen (vgl. Heil, 2002, S.483).
Arbeit zitieren:
Anna Henning, 2011, Streetwork am Beispiel der Prostitutionsszene, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: Streetwork am Beispiel der Prostitutionsszene ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: neuer Titel erschienen: Streetwork am Beispiel der Prostitutionsszene
Anna Henning hat einen neuen Text hochgeladen
Soziale Dienstleistungen am Arbeitsmarkt in professioneller Reflexion ...
Heinz Burghardt, Ruth Enggruber
Basiswissen Soziale Arbeit. Lebensalter und Soziale Arbeit. 6 Bände
Bd.1:Eine Einführung. 2:Kindhe...
Hans Günther Homfeld, Jörgen Schulze-Krüdener, Thomas Swiderek, Michael Galuske, Sven Stiehler, Ute Karl
Soziale Arbeit im Dialog gestalten
Theoretische Grundlagen und me...
Hans Ullrich Krause, Regina Rätz-Heinisch
Soziale Arbeit nach dem Sozialpädagogischen Jahrhundert
Positionsbestimmungen Sozialer...
Birgit Bütow, Karl August Chassé, Rainer Hirt
Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit
Positionsbestimmungen einer kr...
Roland Anhorn, Frank Bettinger, Johannes Stehr
Communityorientierung in der Sozialen Arbeit
Die Aktivierung von sozialem K...
Sandra Landhäußer
0 Kommentare