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Gliederung
Seite :
1. Einleitung 3
2. Karl der Kahle und seine Beziehungen zu 4
den „Wikingern“
2.1. Die „Wikinger“ - eine homogene Gruppe? 4
2.2. Chronologie der „Wikingerangriffe“ 5
2.3. Biografische Einordnung und Darstellung 9
Karls des Kahlen
2.4. Die Normannenpolitik Karls des Kahlen 12
3. Fazit 19
4. Literatur- und Quellenverzeichnis 21
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1. Einleitung
Anfang des 9. Jahrhunderts suchten plündernde Piratengruppen aus dem skandinavischen Raum das Frankenreich heim. Besonders stark betroffen von den Überfällen der „Nordmänner“ war der westfränkische Raum. Hier verging ab 840 kaum ein Jahr ohne Angriffe der „Wikinger“. Karl der Kahle, der dieses Gebiet fast fünfunddreißig Jahre als König regierte, stellte sich ihnen zum Kampf und organisierte die Verteidigung und den Widerstand seines Reiches. Doch wusste er die Fremden auch zu seinem Vorteil zu nutzen, indem er sie als Söldner für sich kämpfen ließ.
Ziel dieser Hausarbeit ist eine möglichst exakte Darstellung der Beziehungen zwischen den „Wikingern“ und dem Westfrankenreich unter Karl dem Kahlen. Dabei sollen die von Seiten des Herrschers ergriffenen Abwehrmaßnahmen gegen die Einfälle und Plünderungen der „Nordmänner“ in seinem Reich im Mittelpunkt stehen. Um ein möglichst genaues Bild der damaligen Ereignisse erstellen zu können, soll neben den schriftlichen Quellen, die zentralsten unter ihnen sind sicherlich das Edikt und die Kapitularien von Pîtres sowie die Annalen von St-Bertin, auch die Hilfswissenschaften wie der Burgen-und Befestigungsbau, Numismatik und Nautik miteinbezogen werden.
Am Beginn der Darstellung steht zunächst die Klärung des Begriffes „Wikinger“, da dieser dem Leser eine einheitliche Ethnie vortäuscht, die jedoch so nicht existiert. Dies soll den weiteren Diskurs ebenso erleichtern, wie eine biografische Einordnung und Darstellung Karls des Kahlen.
Der Fokus auf das Westfrankenreich und speziell die Regentschaft Karls des Kahlen erklärt sich zum einen durch den Angriffsschwerpunkt der „Wikinger“ auf dieses Teilgebiet des Frankenreiches und zum anderen durch die relativ gute Quellenlage zu diesem Themenkomplex. Dieser Zusammenhang wird durch die Chronologie der Wikingerraubzüge besonders deutlich. Deshalb soll auch diese in groben Zügen nachgezeichnet werden. Zudem soll hier der Versuch einer Systematisierung der Übergriffe erfol- gen.
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2. Karl der Kahle und seine Beziehungen zu den „Wikingern“
2.1. Die „Wikinger“ - eine homogene Gruppe?
Der folgende Abschnitt bezieht sich auf die Ausführungen von Peter Sawyer 1 . Der Begriff „Wikinger“ 2 , zumeist noch mit dem dazugehörigen bestimmten Pluralartikel davor, erweckt beim Leser meist unweigerlich den Eindruck, dass es sich bei diesen um ein einheitliches Volk gehandelt haben muss. Diese Annahme ist jedoch nicht korrekt. Was in der Geschichtswissenschaft heute als „Wikinger“ subsumiert wird, umfasste drei Bevölkerungsgruppen aus ganz unterschiedlichen Regionen Skandinaviens, die in vielen Punkten voneinander differierten. Sowohl von ihrer regionalen Herrschaftsstruktur als auch in der Ausrichtung ihrer Handelsbeziehungen sind diese drei Gruppen klar voneinander zu trennen. Als ursprüngliche Siedlungsräume sind folgende Gebiete zu benennen: 1. das Gebiet um den Oslofjord im Süden Norwegens, 2. Dänemark inklusive der großen Inseln Jütland, Seeland und Fünen, 3. das Gebiet rund um den Mälarsee in Ostschweden. Diese regionalen Gruppen weisen wiederum eine große Zahl an Eigen-und Fremdbezeichnungen auf, die bisweilen ausgedehnt werden oder sogar verallgemeinernd benutzt wurden. Die aus Dänemark stammenden „Wikinger“ werden oft als Dänen (Dani) bezeichnet, auch zu der Zeit als noch kein dänisches Königtum existent war. Für die Gruppe der schwedischen „Wikinger“ ist der Ausdruck Svear geprägt worden. Die Svear betrieben regen Handel mit den Regionen des heutigen Russlands und über dortige Flüsse bis zum Schwarzen Meer und in den Vorderen Orient. Für die aus den Svear hervorgegangene Gruppe der „Ostwikinger“ sind die Begriffe der Rus und Waräger entstanden. Die Gruppe der norwegischen „Wikinger“ wird in den Quellen zum Teil als Nordmänner (Northmanni) bezeichnet, wobei dieser Terminus auch allgemein für „Wikinger“ verwendet wird.
Die Verschmelzung der einzelnen Begriffe und die Subsumierung der Gruppen sind wohl auf die einheitliche Wahrnehmung der „Wikinger“ durch andere Volksgruppen zurückzuführen. Schließlich machte es für einen fränkischen Mönch kaum einen Unterschied, ob die angreifenden Fremden aus Dänemark oder Norwegen stammten.
1 Sawyer, Peter; Das Zeitalter der Wikinger und die Vorgeschichte, in: Sawyer, Peter (Hg.); Die Wikinger
- Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes, Oxford 1997.
2 Zur Etymologie des Wortes existieren mehrere Varianten: So könnte sich der Begriffe aus dem Alt-
hochdeutschen Vik für „Einlauf des Meeres zwischen zwei Ufern“ oder aus dem Englischen als Her-
kunftsbezeichnung für Piraten aus der Gegend um Wiken am Oslofjord ableiten.
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Daraus resultiert jedoch, dass eine genaue Zuordnung zu einer der drei Teilgruppen kaum noch möglich ist. Die Quellen sprechen entweder von Northmanni, Dani oder schlicht von Piraten.
Da eine genaue ethnische Zuordnung der einzelnen in Erscheinung tretenden Gruppen erschwert ist, werde ich mich im Folgenden an Bezeichnungen wie Wikinger, Normannen oder Nordmänner halten, diese jedoch mit Anführungszeichen versehen, um dem Problem der Verallgemeinerung beziehungsweise Subsumierung gerecht zu werden.
2.2. Chronologie der „Wikingerangriffe“
Der Abschnitt beruht auf den Darstellungen von F. Donald Logan 3 und der Belegung der Daten durch die Annalen von St-Bertin.
Die „Wikinger“ sind in den ersten Jahren ihrer Wahrnehmung durch den westeuropäischen Raum im frühen 8. Jahrhundert keineswegs durch kriegerische Aktivitäten auf gefallen. Vielmehr machten sie sich als Händler einen Namen. So war der Handelsplatz Ribe (auf Jütland) schon früh ein Anlaufpunkt für fränkische Händler, die dort vor allem Pelze einkauften oder tauschten. Auch unternahmen nordische Händler mit ihren Waren Fahrten ins Frankenreich oder nach England, um sie dort zu verkaufen. Die erste belegte Raubfahrt der „Wikinger“ richtete sich gegen die englische Küste. 793 plünderten „Wikinger“ das Küstenkloster Lindisfarne. In den Folgejahren waren Klöster an der englischen Küste wiederholt Ziel von Raubzügen der „Nordmänner“. In Bezug auf das Frankenreich ist der Beginn der Angriffe nicht genau zu datieren. Allerdings regele Karl der Große bereits um 800 die Küstenverteidigung nördlich der Seine neu, so das zu vermuten ist, dass es zuvor auch hier zu Übergriffen kam. Karl ließ Brücken über die Flüsse schlagen und stellte Wehrmannschaften zusammen, die die Küste sichern sollten.
Nur warum kommt es nach einigen Jahrzehnten der friedlichen Koexistenz zwischen „Wikingern“ und den Völkern Westeuropas plötzlich zu Angriffen? Diese Frage ist unter den Historiker viel diskutiert, was zu einer großen Zahl an Hypothesen führte. Die älteste These ist die der Überbevölkerung in den ursprünglichen Siedlungsgebieten der „Wikinger“. Die hohe Bevölkerungsdichte habe zu einem inneren Druck geführt, der
3 Logan, F. Donald, The Vikings in History, Totowa 1983, speziell Kapitel 5.
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eine Auswanderungswelle in Bewegung gesetzt habe. Peter Sawyer schließt diese Überlegung als Grund für die Übergriffe jedoch aus. Ihm zufolge sei einzig der schmale norwegische Küstenstreifen möglicherweise von einer Überbevölkerung betroffen. 4 Ein wichtiger Grund könnte in der fortschreitenden Handelsexpansion des nordwesteuropäischen Raumes bestanden haben. So entstanden im frühen 8. Jahrhundert entlang der Küsten zahlreiche neue Handelszentren (Dorestad, Quentowik, Hamwik, York, London, Ibswich…), in denen sich ein wachsender Wohlstand einstellte. Durch den Kontakt über den Handel könnten die „Nordmänner“ auf diese Gebiete aufmerksam geworden sein.
Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Übernahme von Segeltechniken aus Westeuropa durch die „Wikinger“, was deren nautische Fertigkeiten entscheidend beeinflusst haben muss. Dieser Punkt soll an anderer Stelle nochmals vertieft werden. Eine weitere These besagt, dass die „Wikingerüberfälle“ nichts weiter darstellen, als eine Ausweitung der Piraterie dieser Volksgruppen vom Ostsee- auf den Nordseeraum; schließlich habe die Ostseepiraterie (speziell) im Öresund schon eine längere Tradition. Häufig zitiert ist die These, dass die räuberischen Gruppen aus Skandinavien die innere Schwäche des Frankenreiches ausnutzten, als die Söhne Ludwigs des Frommen das Reich unter sich aufteilten und es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen ihnen kam. Die zeitliche Überschneidung der „Wikingerangriffe“ und der Unruhen im Frankenreich sind nicht zu leugnen, jedoch hatten auch Karl der Große und Ludwig der Fromme punktuell mit dem Problem zu kämpfen.
Zwei weitere Mutmaßungen beziehen sich auf den dänischen Raum: so habe zum einen die Ausweitung der lokalen Macht auf ein Königtum in Dänemark zum Ende des 9. Jahrhunderts die unterlegenen Adligen nach neuen Betätigungsfeldern außerhalb Dänemarks suchen lassen und zum anderen hätten die Kämpfe der Dänen mit den Norwegern vom Oslofjord (aufgrund der dortigen Eisenvorkommen) dazu geführt, dass zunächst eine große Zahl Norweger ihr Land verließ.
Die letzte These gewinnt dadurch an Gewicht, dass die ersten Raubzüge der „Wikinger“ nach England und Irland in der Tat den norwegischen „Wikingern“ zugeschrieben werden. Der Nachweis über die Herkunft der einzelnen Gruppen ist, wie schon angespro- 4 Sawyer,Peter; Das Zeitalter der Wikinger und die Vorgeschichte, in: Sawyer, Peter (Hg.); Die Wikinger
- Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes, Oxford 1997, S. 13.
Arbeit zitieren:
Matthias Felsch, 2007, Die Normannen-Politik Karls des Kahlen, München, GRIN Verlag GmbH
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