Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Anhangsverzeichnis VI
1 Einleitung 1
2 Forschungsstand 4
2.1 Pädagogische Trainingsprinzipien für Kinder und Jugendliche 4
2.2 Training und Wettkampf 6
2.3 Schule 8
2.4 Eltern, Freunde und Familie 10
2.5 Probleme und Folgen 12
2.6 Lösungsansätze zur Minderung der Doppelbelastung zwischen Schule und Verein
und den daraus entstehenden Problemen 14
3 Struktur und Ausbildungsziele der Eliteschulen des Fußballs 17
4 Die Ausbildungsphilosophie des 1. FSV Mainz 05 21
5 Forschungsfragen und -thesen 25
6 Methodik 27
6.1 Erstellung der Fragebögen 28
6.2 Eltern 28
7 Auswertung der Fragebögen 30
7.1 Auswertung der Elternfragebögen 30
7.1.1 Eltern und Familie 30
7.1.2 Zeitmanagement 33
7.1.3 Schule 35
7.1.4 Freizeit und Freunde 38
7.1.5 Körperliche Belastung und Persönlichkeit 44
7.1.6 Fazit des Elternfragebogens 46
7.2 Auswertung der Spielerfragebögen 47
7.2.1 Allgemeines 47
7.2.2 Training und Spiel 49
7.2.3 Schule 57
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7.2.4 Körperliche Belastung 67
7.2.5 Freizeit und Freunde 71
7.2.6 Eltern und Familie 76
7.2.7 Persönlichkeit 81
7.3 Fazit und Zusammenfassung des Eltern- und Spielerfragebogens 83
8 Die Internatsproblematik 86
9 Resümee und Ausblick. 88
Literaturverzeichnis 94
ANHANG 96
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Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. Erwartungen an das Kind seitens der Eltern 31
Abb. 2. Bedeutung des Sporttreibens innerhalb der Familie 32
Abb. 3. Veränderung der Position des Kindes innerhalb der Familie 32
Abb. 4. Durchschnittlicher Zeitaufwand pro Woche 34
Abb. 5. Entwicklung der schulischen Leistung im letzten Jahr 35
Abb. 6. Einfluss des verstärkten Zeitaufwands auf die schulischen Leistungen 36
Abb. 7. Abwesenheit von Trainingseinheiten bei einmaligen Schulaktionen 37
Abb. 8. Verzicht auf wesentliche Freizeitbeschäftigungen aufgrund des Trainings bei
Mainz 39
Abb. 9. Teilnahme an regelmäßigen Freizeitaktivitäten 39
Abb.10. Langeweile an trainingsfreien Tagen 40
Abb.11. Veränderungen des Kontakts zu Gleichaltrigen außerhalb des Trainings- und
Spielbetriebs bei Mainz 41
Abb.12. Zusammensetzung des Freundeskreises 42
Abb.13. Bevorzugung anderer Freizeitaktivitäten vor Spiel oder Training 43
Abb.14. Einfluss des sportlichen Treibens auf die Gesundheit des Kindes 44
Abb.15. Verteilung der Zustimmung zu getätigten Aussagen 45
Abb.16. Beginn des aktiven Fußballspielens 48
Abb.17. Beginn des Engagements bei Mainz 05 48
Abb.18. Wahl des Verkehrsmittels zu den Trainingseinheiten 50
Abb.19. Mitglied in einer Fahrgemeinschaft 51
Abb.20. Zeitaufwand pro Trainingseinheit vom Verlassen der Haustür bis zum
Trainingsgel ände 51
Abb.21. Entfernung zwischen Wohn- und Trainingsort 52
Abb.22. Trainingseinheiten pro Woche 53
Abb. 23. Dauer einer durchschnittlichen Trainingseinheit im Verein 54
Abb.24. Mitglied einer Auswahlmannschaft 54
Abb. 25. Tage der Abwesenheit pro Jahr durch das fußballerische Engagement 55
Abb.26. Verständnis der Lehrer für das sportliche Engagement 56
Abb.27. Bedeutung der Schule 58
Abb.28. Wahl des Verkehrsmittels zur Schule 58
Abb.29. Entfernung zwischen Wohn- und Schulort 59
Abb.30. Wahl der Schulform 60
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Abb.31. Bundesland des Schulortes 61
Abb.32. Abitur nach acht (G8) oder neun (G9) Jahren 62
Abb. 33. Schulstunden pro Woche 62
Abb.34. Besuch einer Eliteschule des Fußballs, bzw. des Sports 63
Abb.35. Verständnis der Trainer für schulische Verpflichtungen 64
Abb.36. Vernachlässigung der Schule durch den Sport 65
Abb.37. Zeitmangel für die Schule wegen des Sports 65
Abb.38. Trainingsbesuch trotz Lernaufwand für die Schule 66
Abb.39. Empfinden der zeitlichen Belastung einer Trainingseinheit 67
Abb.40. Empfinden der zeitlichen Belastung der Schule. 68
Abb.41. Zeitliche Belastung von Schule und Sport 69
Abb.42. Körperliche Belastung von Schule und Sport 70
Abb.43. Bedeutung von Freizeit 71
Abb.44. Trainingseinheit und Zeit für weitere Hobbies 72
Abb.45. Wunsch nach Freizeit 73
Abb.46. Aufopfern von Freizeit 74
Abb.47. Bedeutung von Freunden 74
Abb.48. Wunsch nach mehr Zeit für Freunde 75
Abb.49. Bedeutung der Familie 76
Abb.50. Wunsch nach Zeit für Familie 77
Abb.51. Unterstützung der Eltern 77
Abb.52. Begleitung der Eltern zu den Trainingseinheiten 78
Abb.53. Begleitung der Eltern zu den Spielen und Turnieren 78
Abb.54. Einschätzung zur Enttäuschung der Eltern bei Aufgabe des sportlichen
Engagements 80
Abb.55. Aufnahme der Anstrengungen trotz ungewisser sportlicher Zukunft 82
ss
Anhangsverzeichnis
M1 Spielerfragebogen………………………………………………………………………...97
M2 Elternfragebogen……………………………………………………............................103
M3 Übersicht über die Trainingshäufigkeit und -dauer bei Mainz 05…………………..106
M4 Stundentafel Gymnasium Hessen…………………………………………………….107
M5 Stundentafel Gymnasium Rheinland-Pfalz……………………………………………108
M6 Geplante Auswahlmaßnahmen Jahrgang 1996 2010……………………………….109
M7 Geplante Auswahlmaßnahmen Jahrgang 1996 2011……………………………….110
M8 Geplante Auswahlmaßnahmen Jahrgang 1997 2010……………………………….111
M9 Geplante Auswahlmaßnahmen Jahrgang 1997 2011……………………………….112
M10 Geplante Auswahlmaßnahmen Jahrgang 1998 2011……………………………....113
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1 Einleitung
Betrachtet man die Mitgliederzahlen des größten deutschen Sportverbandes, dem Deutschen Fußball Bund (DFB), lässt sich erahnen, welche Bedeutung der Fußball für die deutsche Bevölkerung hat. Den aktuellsten Zahlen vom 17.03.2010 zufolge konnte der DFB 6.749.788 Mitglieder aufweisen. 1 Unter diesen Mitgliedern sind 1.925.918 Kinder und Jugendliche, die sich für den Fußballsport begeistern. 2 Der Enthusiasmus für das Spiel mit dem runden Leder hat sicherlich auch mit dem Traum des Fußballprofis zu tun, der für viele Fußballspieler im Kindes- und Jugendalter ein anzustrebendes Ziel darstellt. Dabei spielen neben dem Vergleich mit den besten Fußballern der Welt vor allem der Ruhm und die damit verbundene Anerkennung in der Gesellschaft eine wichtige Rolle. Hierfür lohnt es sich zu arbeiten und täglich auf dem Fußballfeld oder auf den Bolzplätzen der Nation zu trainieren. Einer dieser Profis ist Marc Hornschuh, 21jähriger Spieler im Kader des aktuellen deutschen Meisters BV Borussia Dortmund 1909. Er hat sich seinen Traum erfüllt und steht im Aufgebot einer der derzeit besten deutschen Mannschaften. Bis er es jedoch so weit schaffen konnte, musste auch er ein weiteres großes Hindernis aus dem Weg räumen, nämlich die Schule.
2009 unterschrieb Hornschuh im Alter von 18 Jahren einen bis 2013 dotierten Profivertrag bei Borussia Dortmund. Das Problem daran lag allerdings in der Tatsache, dass Hornschuh zu diesem Zeitpunkt noch für ein Jahr Schüler des Schwerter Friedrich-Bährens-Gymnasiums war. 3 Dadurch ergab sich für ihn eine „strapaziöse Doppelbelastung von Schule und Profitum“ 4 , die es zunächst zu bewältigen galt. Im Anschluss an dieses Jahr will sich der Jungprofi ganz seiner Profikarriere widmen: „Dann werde ich voll angreifen.“ 5 Aus dieser Aussage ergibt sich bereits, dass die Schule für den Nachwuchsspieler eine Belastungskomponente darstellt, die nicht zu unterschätzen ist. Es hat den Anschein, dass es nur sehr schwer ist, die Doppelbelastung zwischen Schule und Verein so zu ko-ordinieren, dass es möglich ist beide Bereiche mit dem optimalen Erfolg, sprich Profivertrag und Hochschulreife, zu absolvieren.
Marc Hornschuhs Geschichte ist nur ein Beispiel für viele jugendliche Fußballer, denen der Spagat zwischen Profisport und Schule Probleme bereitet. Jedoch soll dieser Fall
1 Vgl. Deutscher Fußballbund (Hrsg.) Mitgliederstatistik. http://www.dfb.de/index.php?id=11015 (Stand 05.08.).
2 Vgl. Ebd.
3 Vgl. Hennecke, Thomas: Nach dem Abi greife ich an. In: Kicker Sportmagazin (2009), Heft 40, S. 78.
4 Ebd.
5 Ebd.
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exemplarisch für viele junge Sportler in Deutschland sein, die vor ähnlichen Schwierigkeiten stehen. So begegnen auch die jungen Nachwuchsspieler des 1. FSV Mainz 05 vergleichbare Probleme, jedoch mit dem Unterschied, dass sie noch keinen Profivertrag in der Tasche haben. Dies ist allerdings das Ziel eines jeden Spielers, der bei Mainz 05 in den Spielbetrieb eingebunden ist. Wie Marc Hornschuh, müssen die jungen Fußballer auf ihrem Weg zum Profivertrag zunächst das notwendige Übel, sprich die Schule, absolvieren. Unter Berücksichtigung der Geschichte von Marc Hornschuh ergab sich für die vorliegende Arbeit die Frage nach der Vereinbarkeit von Schule und Verein für Nachwuchsfußballspieler. Als Probanden für diese Untersuchung wurden die Nachwuchskicker des 1.FSV Mainz 05 herangezogen.
Einer der Lösungsansätze zur Linderung der Doppelbelastung zwischen Schule und Verein hängt vor allem mit dem Problem der fehlenden Koordinierung der schulischen und sportlichen Belastung zusammen. Hierzu gab es vom DFB einen Lösungsvorschlag, der in der Errichtung sogenannter Eliteschulen des Fußballs mündete. Wodurch diese Eliteschulen die Vereinbarkeit von Schule und Sport begünstigen und wie das Konzept inhaltlich aufgebaut ist, soll Gegenstand des vierten Kapitels sein.
Da die Untersuchung sich auf junge Fußballspieler des 1. FSV Mainz 05 beschränkt, soll im anschließenden Kapitel fünf auch die Ausbildungsphilosophie des Vereins näher betrachtet werden. Hier wird vor allem darauf eingegangen, welche Bedeutung die Doppelbelastung der Spieler für den Verein hat und ob es eventuell schon von Seiten des Vereins Lösungsansätze für eine bessere Koordinierung der beiden Spannungsfelder gibt.
Anschließend wird im Thesenkapitel auf den Forschungsstand sowie auf die Ziele der Eliteschulen des Fußballs und die Ausbildungsphilosophie des 1. FSV Mainz 05 noch mal näher eingegangen werden. Aus dieser fokussierten Betrachtung sollen dann entsprechende Thesen und Forschungsfragen aufgestellt werden, die für die Auswertung der Arbeit von besonderer Bedeutung sein werden, da sie die Kernfragen der Arbeit widerspiegeln.
Bevor im siebten Kapitel dieser Arbeit der empirische Teil im Mittelpunkt steht, soll im Kapitel zuvor die Methodik dieser empirischen Forschungsarbeit im Vordergrund stehen. So wird zunächst erläutert, welche Überlegungen bei der Erstellung der Fragebögen im Raum standen und wie die Befragung der Probanden durchgeführt wurde.
Im daran anschließenden siebten Kapitel steht dann der empirische Teil der Arbeit im Mittelpunkt, der gleichzeitig auch den inhaltlichen Großteil der Arbeit darstellt. Anhand von Diagrammen und Auswertungen der Fragebögen wurden die in den Bereichen Training
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und Spiel, Freizeit und Freunde, Schule, sowie Körperliche Belastung und Persönlichkeit ermittelten Daten verarbeitet und verschriftlicht. Begonnen wird hierbei mit dem Elternfragebogen, dem der Spielerfragebogen direkt anschließt.
Bevor im letzten Kapitel ein Resümee bezüglich der Doppelbelastung zwischen Schule und Verein für die Nachwuchsspieler des 1.FSV Mainz 05 gezogen wird, soll im vorhergehenden Kapitel die Internatsthematik explizit angesprochen werden, da es eine wichtige, jedoch auch sehr kontrovers diskutierte Lösungsmöglichkeit darstellt, um das Belastungsempfinden der Kinder und Jugendlichen zu reduzieren.
Ausgangspunkt dieser Arbeit soll allerdings eine Forschungsstandanalyse sein, um herauszuarbeiten, welche Problemfelder sich im Spannungsfeld zwischen Schule und Verein auftun. Inhaltlich wird dieses Kapitel der Frage nachgehen, inwiefern sich die Sportwissenschaft bisher mit diesem Thema beschäftigt hat und zu welchen Ergebnissen die jeweiligen Untersuchungen kamen. So stehen vor allem die Bereiche Training, Spiel und Schule im Vordergrund, wobei die Themenfelder Freizeit, Freunde und Familie den For-schungsstand komplettieren, ehe dann im Rahmen der Forschungsstandanalyse auf Probleme und bereits veröffentlichte Lösungsansätze näher eingegangen wird.
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2 Forschungsstand
Anhand des in Kapitel 1 dargestellten Falls lässt sich also erkennen, dass es den jugendlichen Fußballspielern große Probleme bereitet, die richtige Balance zwischen schulischem und sportlichem Erfolg zu finden. In dem nun folgenden Abschnitt soll erläutert werden, wie der derzeitige Forschungsstand bezüglich dieser Thematik ist und welche Lösungsansätze bereits gefunden wurden, damit die jungen Sportler die Doppelbelastung zwischen Schule und Verein leichter bewältigen können. Ausgangspunkt für die Ermittlung des Forschungsstandes ist die Begründung für das unterschiedliche Training von Heranwachsenden und Erwachsenen und die Resultate, die sich aus diesem Vergleich ergeben.
2.1 Pädagogische Trainingsprinzipien für Kinder und Jugendliche
Im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendtraining kristallisierte sich mit zunehmendem wissenschaftlichem Interesse eine immer deutlichere Abgrenzung der Kinder- und Jugendwelt von der Welt der Erwachsenen heraus. So wurde den „Heranwachsenden allmählich immer mehr von dem, was Erwachsenenleben ausmacht, [vorenthalten] und ihnen eigene Inhalte ‚kindgemäßen‘ Lebens [zugewiesen]“ 6 . Diese Tendenz hin zu einer Abkehr von einer uniformen Behandlung von Kindern und Erwachsenen entsprang der Epoche der Aufklärung. Zu dieser Zeit fragten die Pädagogen erstmals „nach dem eigenen Ziel der Erziehung, nach dem Eigenrecht des Kindes auf erfüllte Gegenwart und nach der Befähigung zu Mündigkeit und Selbstständigkeit“ 7 . Somit erhalten die Heranwachsenden immer mehr Schonraum, was dazu führte, dass sie nicht „zu früh in die Bereiche des Erwachsenenlebens einbezogen und in ihnen gefordert werden“ 8 . Demzufolge sollen sich die Kinder und Jugendlichen der Lebenswelt der Heranwachsenden nur sukzessive zuwenden.
Aus diesen Überlegungen lassen sich auch die pädagogischen Prinzipien für das Kinder-und Jugendtraining ableiten. Viele Übungsleiter, die nicht die entsprechende Ausbildung, jedoch ausreichend Zeit für den Trainerposten besitzen, sind sich oftmals nicht dessen
6 Kurz, Dietrich: Pädagogische Grundlagen des Trainings. Schorndorf 1988, S. 86.
7 Schmidt, Werner: Kindheiten, Kinder und Entwicklung: Modernisierungstrends, Chancen und Risiken. In: Schmidt, Werner (Hrsg.): Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht. Schorndorf 2003, S.19 - 42, hier: S. 20.
8 Weischenberg, Katharina: Kindheit im modernen Kinderhochleistungssport: Untersuchungen zur alltäglichen Lebensumwelt von C- und D-Kader-Athletinnen im Kunstturnen auf der Grundlage eines konkreten Kindheitsverständnisses. Frankfurt am Main u.a. 1996, S. 86.
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bewusst, dass „das Kinder- und Jugendtraining weder inhaltlich, methodisch noch hinsichtlich seiner Systematik ein reduziertes Erwachsenentraining sein [kann]“ 9 . Viel eher folgt das Training in diesem Altersbereich eigenen Voraussetzungen und Prinzipien. Auf-grund der Verschiedenheit zwischen Erwachsenentraining und dem Training von Heranwachsenden ergibt sich noch ein weiterer wichtiger Aspekt. Während man beim Training im Seniorenbereich, anders als beim Training mit Junioren, kein gravierendes Alters- und damit Entwicklungsgefälle zwischen Trainer und Spielern verzeichnen kann, ergibt sich auch ein deutlich geringerer erzieherischer Anspruch. Im Trainingsbetrieb mit Kindern und Jugendlichen hingegen tragen die erwachsenen Übungsleiter und Trainer eine große Verantwortung für das Training und damit auch für Erziehungsprozesse. Daher „bilden im Kinder- und Jugendbereich Erziehung und Training eine bewusst gestaltete Einheit“ 10 .
Aufgrund dieser Tatsachen ergibt sich, dass das Training mit Heranwachsenden auch unter speziellen Gesichtspunkten erfolgen muss, was dazu führte, dass Dietrich Martin neun pädagogische Trainingsprinzipien für das Training mit Athleten diesen Altersbereichs definiert 11 :
1. Prinzip des ethischen Trainingsverständnisses. Das Training erfolgt auf der Grundlage ethischer Erkenntnisse, so dass die Persönlichkeit geachtet und toleriert wird. Außerdem muss die Gesundheit und Individualität der Athleten in Training und Wettkampf geschützt werden.
2. Prinzip der pädagogischen Verantwortung und Fürsorgepflicht. Die Übungsleiter besitzen gegenüber den Sportlern und deren Eltern eine gesetzliche und moralische Verantwortung und Fürsorgepflicht.
3. Prinzip der pädagogischen Führungsrolle. Hierdurch erwächst den Trainern eine Rolle als Vorbildfunktion, die sie positiv auf die persönliche und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auszuführen haben.
4. Prinzip der Förderung umfassender Persönlichkeitsentwicklung. Die Entwicklung der Leistung soll bei den Trainingseinheiten im Einklang mit der persönlichen Entwicklung einhergehen.
5. Prinzip der Gesundheitserhaltung und -sicherung. Die Aufgaben und Übungen des Trainings sollen der Gesundheitserhaltung und -sicherung der Athleten dienen.
6. Prinzip des entwicklungsgemäßen Trainings. Die Struktur der Trainingseinheiten orientiert sich am individuellen Leistungsstand, den jeweiligen Leistungs-
9 Martin, Dietrich: Handbuch Kinder- und Jugendtraining. Schorndorf 1999, S. 181.
10 Ebd.
11 Vgl. Ebd. S. 182.
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voraussetzungen, der Belastbarkeit und den besonders günstigen Entwicklungsabschnitten (sensiblen Phasen) der Sportler.
7. Prinzip der Freudbetontheit des Trainings. Um eine positive Assoziation hinsichtlich des Trainings bei den Kindern und Jugendlichen auszulösen, sollen Spaß und Freude immer wesentlicher Bestandteil der Einheiten sein. 8. Prinzip der Anerkennung von Doppelbelastung. Die Übungsleiter müssen den Athleten genügend Raum und Zeit einräumen, um die Belastungen von Ausbildung und Training trotz des zeitlich begrenzten Rahmens zu bewerkstelligen. 9. Prinzip der zunehmenden Selbstverantwortlichkeit. Die Trainingseinheiten sollen mit zunehmendem Alter die Selbstverantwortlichkeit fördern, was jedoch eine hohe beidseitige Dialogbereitschaft erfordert.
Aufgrund der neun Trainingsprinzipien für den Kinder- und Jugendbereich sollen noch mal die Unterschiede zu einem Erwachsenentraining deutlich gemacht werden. Im nachfolgenden Kapitel soll jedoch zunächst untersucht werden, welche Erkenntnisse die Wissenschaft bereits aus dem Bereich Training und Wettkampf im Juniorenalter gezogen hat.
2.2 Training und Wettkampf
Generell liegt es in der Natur der Sache, dass die jugendlichen Sportler regelmäßige Trainingseinheiten haben, um dann bei Spielen und Turnieren die angeeigneten Fähigkeiten und Fertigkeiten unter Wettkampfbedingungen abzurufen. Um die Qualität des deutschen Fußballs zu erhöhen, haben der DFB, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und die Landesverbände im Jahr 2007 unter der Aufsicht von Sportdirektor Matthias Sammer „eine einheitliche Ausbildungskonzeption für die Ausbildung im Einflussbereich des DFB auf den Weg gebracht“ 12 . Damit sollte „eine Intensivierung und Professionalisierung des spitzens-portorientierten Nachwuchsleistungsfußballs in Deutschland“ 13 eingeleitet werden. Daraus ergeben sich bezüglich der Inhalte und der Umfänge genormte Trainingspläne, an denen sich die Nachwuchsleistungszentren 14 in Deutschland orientieren müssen. Ziel dieser uni-formen Vorgaben ist die „Anpassung an steigende konditionelle Belastungen und die
12 Hyballa, Peter. und Hans-Dietrich te Poel. Wenn das Fußballtalent im Mathematikunterricht an den Doppelpass denkt! Wechselwirkungen zwischen Schule und Fußball im Leben eines zukünftigen Nationalspielers, in Roland Naul und Uwe Wick (Hrsg.): 20 Jahre dvs-Kommission Fußball - Herausforderung für den Fuß-ballsport in Schule und Sportverein, Hamburg 2009, S. 99-111, hier: S. 105.
13 Hyballa/te Poel: Wechselwirkungen, S. 105.
14 Nachwuchsleistungszentren sind Einrichtungen, die Fußballschulen ähneln. Durch diese Einrichtungen sollte die fußballerische Ausbildung in deutschen Bundesligavereinen verbessert werden.
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mentalen Beanspruchungen aufgrund der anstehenden direkten Konkurrenz zu etablierten Profis in den Vereinen“ 15 .
Wie Richartz und Brettschneider 1996 bereits feststellten, sind schon sehr viel früher nicht nur „die Trainingsumfänge gewachsen, [sondern] auch das Einstiegsalter in die Leis-tungssportkarriere […] weit vorgelagert worden“ 16 . Ihrer Ansicht nach sind die Trainingsumfänge im Kinder- und Jugendleistungssport sogar so weit gestiegen, „dass von ‚der schönsten Nebensache‘ der Welt nicht mehr die Rede sein kann“ 17 . Dass mit zunehmendem Alter die Trainingszeiten entsprechend ausgebaut werden, verstärkt logischerweise dieses Gefühl. Jedoch sind, wie sich im weiteren Verlauf noch zeigen wird, die Trainingsumfänge allein nicht ausschlaggebend für den Tagesablauf und damit für das Belastungsempfinden der Athleten.
Ein weiteres Problem bezüglich der Trainings- und Wettkampfproblematik beschreibt Kreutzer. In seinem Buch Jugendliche Fußballspieler im Spannungsfeld zwischen Familie, Schule und Hochleistungssport aus dem Jahr 2006, und damit ein Jahr vor der Ausbil-dungsreform des DFB, bemängelt er, „dass die Ausbildung der Spieler auf kurzfristige Höchstleistung und kurzfristigen Erfolg ausgerichtet ist“ 18 . Im Zusammenhang mit der Trainings- und Wettkampfpraxis sieht er zudem auch die Rolle des Trainers als bedeutsam. So ist seines Erachtens nach der Trainer in der „Entwicklung der Mannschaft […] sehr stark gefordert und trägt [dadurch] weitgehend Verantwortung für die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung der Spieler“ 19 . In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig zu wissen, dass den Spielern während des Trainings nicht nur rein körperliche Beanspruchungen entgegenschlagen. „Besonders in den Phasen des Neulernens erfordern taktische Abläufe oder Bewegungstechniken die ständige Aufmerksamkeit der Sportler“ 20 , wodurch natürlich auch eine psychische Belastung spürbar ist.
Einer Studie von Kaminsky, Mayer und Ruoff 21 zufolge erwachsen den Jugendlichen neben den physischen und psychischen Belastungen vor allem aber auch zeitliche Probleme. Sie vertreten die Auffassung, „dass ein Jugendlicher, der Spitzenleistungen erbringen will, [im Vergleich zu einem Hobbysportler] etwa einen vierfachen Trainingsaufwand in
15 Ebd.
16 Richartz, Alfred und Wolf-Dietrich Brettschneider: Weltmeister werden und die Schule schaffen: zur Doppelbelastung zwischen Schule und Leistungstraining, Schorndorf 1996, S. 13.
17 Ebd.
18 Kreutzer, Axel: Jugendliche Fußballspieler im Spannungsfeld zwischen Familie, Schule und Hochleistungs-sport. Münster 2006, S. 48.
19 Ebd. S. 62.
20 Schneider, Daniel: Leistungssport im Kindesalter - Pädagogische Erwartungen und Umsetzung in der Praxis am Beispiel des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04. Norderstedt 2005, S.40.
21 Kaminski, Gerhard, Mayer, Reinhardt und Bernd A. Ruoff: Kinder und Jugendliche im Hochleistungssport: eine Längsschnittuntersuchung zur Frage eventueller Auswirkungen. Schorndorf 1984.
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Kauf nehmen muss“ 22 , wodurch natürlich auch erhebliche zeitliche Belastungen entstehen. So muss nicht nur die reine Trainingszeit, sondern auch die Fahrt- und Duschzeiten pro Trainingseinheit berücksichtigt werden. Diesbezüglich fanden Brettschneider, Heim und Klimek 23 heraus, dass Athleten ihr Trainingspensum besonders „im Verlauf der frühen Adoleszenz von durchschnittlich elf auf 14 Stunden pro Woche [ausdehnen], wobei der Anstieg zwischen dem 13./14. und dem 14./15. Lebensjahr besonders auffällig ist“ 24 . Auf-grund dieser Tatsache entstehen logischerweise Konfliktsituationen, vor allem in Bezug auf die Bewältigung der schulischen Ansprüche. Welche Probleme die Forschung hinsichtlich des Lebensfeldes Schule aufdeckte, soll im nächsten Kapitel dargestellt werden.
2.3 Schule
Wie bereits im vorhergehenden Kapitel beschrieben, entstehen den Jugendlichen auf-grund ihres großen sportlichen Engagements erhebliche Belastungen, die vor allem von zeitlicher Natur sind. Daher ist es unumgänglich darzustellen, inwiefern sich die Forschung bisher mit dem Thema Schule im Zusammenhang mit dem Kinder- und Jugend-leistungssport befasst hat. So stellten Kaminsky et al. 1984 fest, dass „die hochleistungsbezogenen Belastungen nicht bei allen Jugendlichen zwangsläufig zu Unterrichtsversäumnissen“ 25 führen, jedoch „die Zahl der Versäumnisse auch mit dem Leistungsniveau zu steigen [scheint]“ 26 . Bemerkenswerterweise empfanden die damaligen Probanden „das Vereinbaren von Hochleistungssport […] mit der Schule [als] eher weniger schwierig“ 27 . Dass dies nicht damit zu tun hat, dass man die Schule generell als weniger wichtig emp-fand, belegt die Tatsache, dass die damaligen Testpersonen „im Durchschnitt eher nicht bereit sind, schulische Nachteile in Kauf zu nehmen“ 28 . Sie begründeten ihre Haltung damit, „dass Schule für das spätere Leben wichtiger sei als der Hochleistungssport“ 29 .
Erstaunliche Ergebnisse ergaben sich auch bei der Untersuchung von Brettschneider, Heim und Klimek. Anhand einer Längsschnittuntersuchung erforschten sie die Notenentwicklung jugendlicher Hochleistungssportler. 30 Sie fanden heraus, dass im Allgemeinen „die Jugendlichen zum Abschluss der Grundschule noch relativ gute schulische Leistun-
22 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 69.
23 Brettschneider, Wolf-Dietrich, Heim, Rüdiger und Guido Klimek: Zwischen Schulbank und Sportplatz - Heranwachsende im Spannungsfeld zwischen Schule und Leistungssport, in: Sportwissenschaft (1998) 28.
24 Ebd. S. 27.
25 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 128.
26 Ebd. S. 129.
27 Ebd. S. 134.
28 Ebd. S. 135.
29 Ebd. S. 137.
30 Vgl. Brettschneider/Heim/Klimek: Heranwachsende im Spannungsfeld.
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gen [zeigten, während] die Noten von der siebten bis zur zehnten Klasse mehr oder weniger kontinuierlich ab[sanken]“ 31 . Die im Hochleistungssport aktiven Jugendlichen zeigten jedoch wesentlich „geringere Schwankungen [und] weisen im Mittel bessere schulische Leistungen auf als sportlich eher Unauffällige“ 32 .
Demzufolge scheint die von Kurz getätigte Forderung, wonach „das Engagement im Leis-tungssport nicht dazu führen darf, dass ein niedriger Schulabschluss und damit schlechtere Berufschancen erreicht werden, als das ohne Leistungssport der Fall gewesen wäre“ 33 , von den Sportlern verinnerlicht worden zu sein. Auch die Untersuchung von Kreutzer ergab analoge Ergebnisse. Zwar entstand für ihn zunächst der Eindruck, dass der Schulabschluss für viele Sportler nur dann Priorität erlangt, wenn „durch die Eltern besonderer Druck ausgeübt“ 34 wird. In seiner Analyse musste er dann jedoch anerkennen, dass die „jungen Fußballer in dieser Hinsicht einen erstaunlich erfolgreichen Weg genommen haben [und dass] schulische Misserfolge oder Scheitern auf dem weiteren Qualifikationsweg […] sehr selten“ 35 waren.
Dass die Athleten trotz der hohen Belastung durch ihren Sport kaum über schulische Probleme klagen, erscheint schon bemerkenswert. Noch erstaunlicher gestaltet sich diese Erkenntnis unter dem Hintergrund, dass selbst „Schulen mit sportlichem Schwerpunkt […] keine relevanten Ausnahmeregelungen hinsichtlich Stundenvolumen, Lehrinhalten, Leistungsüber-prüfungen, Schulzeitlänge oder Schüler-Lehrer-Relation [genießen]“ 36 . Hinzu kommt die, ähnlich wie bei den Trainingszeiten, pro Jahrgangsstufe stetig ansteigende Wochenstundenzahl. Dadurch wird „in der Oberstufe […] das Problem der Doppelbelastung drängender: Die impliziten Leistungserwartungen im schulischen Bereich werden wichtiger“ 37 .
In der jüngeren Vergangenheit trat für jugendliche Hochleistungssportler ein weiteres Problem bezüglich der Schule auf. So wurde in einigen Bundesländern das G8-Model umgesetzt, was bedeutet, dass die Schüler nun ein Jahr weniger Zeit haben, um ihre allgemeine Hochschulreife zu absolvieren. Ausgangspunkt für die Schulzeitverkürzung war eine Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der die deutschen Hochschulabsolventen mit den Absolventen anderer europäischer Länder verglich. Dabei gab er zu bedenken, dass diese wesentlich länger in Schule und Universität lernten, was in
31 Brettschneider/Heim/Klimek: Heranwachsende im Spannungsfeld, S. 33.
32 Ebd. S.33ff.
33 Kurz, Dietrich: Die Gegenwart leben, die Zukunft nicht opfern“ - Prinzipien für einen pädagogisch verantwortungsvollen Leistungssport, in: Leistungssport (1994) 4, S. 33 - 35, hier: S. 35.
34 Kreutzer: Jugendliche Fußballspieler, S. 45.
35 Ebd. S. 180.
36 Richartz/Brettschneider: Weltmeister werden, S. 53.
37 Ebd. S. 121.
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seinen Augen „die Jahre, die unseren jungen Leuten bisher verlorengehen, gestohlene Lebenszeit” 38 seien.
Demnach „ist die Verkürzung der Schulzeit letztlich von Vorteil, denn [die Schülerinnen und Schüler] gewinnen Zeit für ihre weitere Ausbildung und eine bessere Position in einem zunehmend von Wettbewerb geprägten Bildungs- und Arbeitsmarkt“ 39 . Dadurch wurde eine Reform der Lehrpläne in den betroffenen Bundesländern durchgeführt, was zur Folge hatte, dass weniger Zeit für nahezu gleichbleibende Inhalte bereitstand. Deshalb musste verstärkt auf Nachmittagsunterricht zurückgegriffen werden, was natürlich erhebliche Einschnitte für das Freizeitverhalten der Jugendlichen bedeutete. Zunächst soll jedoch untersucht werden, inwiefern sich die Doppelbelastung auf die Beziehung zu Eltern und Freunden sowie auf das Freizeitverhalten der Jugendlichen auswirkt.
2.4 Eltern, Freunde und Familie
Dass die Bereiche Schule und Fußball die für die Heranwachsenden bedeutsamsten Lebensfelder darstellen, lässt sich allein schon anhand der zeitlichen Inanspruchnahme der beiden Gebiete verdeutlichen. Daraus ergibt sich logischerweise eine Doppelbelastung, die aber letztlich von jeder Person individuell empfunden wird. Es kann allerdings deutlich gemacht werden, dass durch die Belastungen der Schule und dem Hochleistungssport „Probleme vor allem in Hinsicht auf Freizeit und Tagesorganisation gesehen werden“ 40 . Einer Untersuchung zufolge bewirken die Ansprüche des Hochleistungssports, „dass die Jugendlichen weniger Hobbies haben als […] unbelastete Jugendliche“ 41 , wodurch sich bei ihnen eine geringere Interessensvielfalt verwirkliche. Darüber hinaus haben sie „hinsichtlich ihrer Freundschaftsbeziehungen Defizite“ 42 , wobei man jedoch verdeutlichte, „dass die Belastungen im Hochleistungssport sich […] nicht beeinträchtigend auf die Anzahl der engen und intensiven Freundschaften auszuwirken scheinen“ 43 . Somit kann man wohl davon ausgehen, dass das sportliche Engagement für soziale Kontakte weder fördernd noch hemmend einzustufen ist.
38 Bundespräsidialamt (Hrsg.): Berliner Rede 1997 von Bundespräsident Roman Herzog - „Aufbruch ins 21. Jahrhundert“. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Roman-Herzog/Reden/1997/04/19970426_Rede.html (Stand 28.07.2011).
39 Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): „Warum die Schulzeit verkürzen?“. http://www.kultusministerium.hessen.de/irj/HKM_Internet?cid=2d0b033fd6d87d8c98ccef1e5873f958 (Stand
14.08.2011).
40 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 201.
41 Ebd. S. 139.
42 Ebd.
43 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung ,S. 151.
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Kreutzer hat diesbezüglich eine radikalere Befürchtung. Seines Erachtens erleben die Spieler „große Defizite im Bereich des Auslebens in der Peer-Group“ 44 . Dadurch ergeben sich seiner Meinung nach auch „Defizite in der sozialen Kompetenz der Jugendlichen“ 45 . Darüber hinaus ergibt sich auch die Tatsache, dass sich „allein die Mannschaft zum Erfahrungsaustausch anbietet, da alle Spieler sich in einem zeitlich gemeinsamen Erfahrungsbereich bewegen“ 46 . Dadurch wird das Team „für die meisten Spieler die Ersatz-Peer Group, wo alle wichtigen Fragen und Probleme besprochen werden“ 47 . Hierin sieht Kreutzer jedoch vor allem eine Gefahrenquelle, da sich die Jugendlichen seines Erachtens „in diesem arg begrenzten Mikrokosmos zu einem eindimensionalen Spieler (und Menschen) entwickeln“ 48 . Letzten Endes ergab seine Untersuchung jedoch, „dass die Entwicklungsaufgaben hinsichtlich der Gleichaltrigen-Bindung in individueller und erfolgreicher Weise von den Leistungssportlern gelöst worden sind“ 49 .
Hinsichtlich der Rolle der Eltern ergaben sämtliche Untersuchungen, dass diese eine ganz entscheidende Rolle einnehmen. So stellte sich heraus, „dass die Gegebenheiten des Elternhauses auf die hochleistungssportliche Tätigkeit der Jugendlichen unmittelbaren Einfluss nehmen“ 50 . Dies erscheint nicht sonderlich verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die Jugendlichen zumeist noch zu Hause wohnen und dadurch einen engen Kontakt zu ihren Eltern pflegen. Darüber hinaus müssen die Erziehungsberechtigten für ihre Kinder Transportmöglichkeiten bereitstellen sowie die Trainingskleidung waschen. Daraus ergibt sich auch, „dass die Eltern teilweise einen erheblichen finanziellen und [vor
allem] zeitlichen Aufwand für den Hochleistungssport aufbringen müssen“ 51 .
Die Sportkarriere an sich kann aber auch „eine spezifische Bedeutung in der Beziehung zwischen Eltern und Kind erhalten“ 52 . Dies drückt sich vor allem aus, wenn sich durch die sportlichen Erfolge und Erfahrungen „Anerkennung und Zuwendung, aber auch implizite Loyalitäts- und Leistungserwartungen organisieren und zum Ausdruck“ 53 bringen lassen. Dadurch erscheint die Beziehung zu den Eltern als eine Quelle „emotionaler, instrumenteller und orientierender Unterstützung“ 54 , was für die Bewältigung sowohl der schulischen als auch der sportlichen Belastungen von enormer Bedeutung ist. Zu diesem Fazit kommt auch Kreutzer, obwohl er die Eltern zuvor heftig kritisiert, indem er ihnen Ruhmsucht nach
44 Kreutzer: Jugendliche Fußballspieler, S. 46.
45 Ebd.
46 Ebd. S. 47.
47 Ebd.
48 Ebd.
49 Ebd. S. 183.
50 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 78.
51 Ebd.
52 Richartz/Brettschneider: Weltmeister werden, S. 128.
53 Ebd.
54 Ebd.
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der Devise „Verkaufen um jeden Preis“ 55 unterstellt. Tatsächlich kommt er also zu dem Entschluss, „dass die Unterstützungsqualität der Elternbeziehung für den überwiegenden Teil […] auf einem erstaunlich stabilen Niveau bleibt. Somit muss der Stellenwert der Eltern für die adoleszente Entwicklung deutlich hervorgehoben werden.
Da nun anhand verschiedenster Quellen der Forschungsstand analysiert wurde soll im nun folgenden Abschnitt erläutert werden, welche Probleme und Folgen sich aus dem Lebenswandel der jugendlichen Sportler ergeben.
2.5 Probleme und Folgen
Aus den drei vorhergehenden Kapiteln lässt sich erschließen, dass die Jugendlichen, die sich dem Leistungssport angeschlossen haben, in verschiedenen Bereichen auf Schwierigkeiten stoßen, die in diesem Kapitel noch mal verdeutlicht werden sollen. So ergeben sich vor allem aus der zeitlichen Beanspruchung von Schule und Verein erhebliche Probleme. Bedenkt man, dass die Sportler einer Studie zufolge durchschnittlich zwölf Kilometer Entfernung zwischen Wohn- und Trainingsort sowie 15 Kilometer zwischen Wohn- und Schulort zu bewältigen haben und darüber hinaus durchschnittlich 16 Stunden pro Woche im Trainingsbetrieb gebunden sind 56 , kann man erahnen, dass sie vor allem dann Probleme bekommen, wenn sich Schule und Verein nicht aufeinander abstimmen. Die fehlende Abstimmung dieser beiden Bereiche wird immer wieder als deutlichster Ursprung der Belastung für die Jugendlichen ausgemacht.
So ist auch die Tatsache, dass die „Fachlehrer meist weder willens noch in der Lage [sind], den Umfang der Hausaufgaben mit den Kollegen abzustimmen, die in der Klasse die anderen Fächer unterrichten“ 57 als eine der Hauptursachen für die mangelnde Vereinbarkeit von Schule und Verein zu benennen. Vor allem mit zunehmendem Alter geraten „die trainingssportlichen Aufgaben als Quelle der Überforderung ins Bewusstsein der jungen Athletinnen und Athleten“ 58 , was natürlich parallel durch die bereits angesprochenen anhaltenden „Mängel in der Koordination zwischen Schule und Verein“ 59 verstärkt wird.
Wie zuvor schon angedeutet, liegt der Ursprung allen Übels mit Sicherheit nicht nur in der mangelhaften Absprache zwischen Schule und Verein, sondern vor allem auch darin, dass die Laufbahnen des Sports und der Schule meist parallel verlaufen und damit mitei-
55 Vgl. Kreutzer: Jugendliche Fußballspieler, S. 11.
56 Vgl. Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 66ff.
57 Richartz/Brettschneider: Weltmeister werden, S. 55.
58 Brettschneider/Heim/Klimek: Heranwachsende im Spannungsfeld, S. 38.
59 Ebd.
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nander konkurrieren können 60 . Hat das Talent also keine funktionierenden Stützsysteme in Form von Eltern, Familie und Freunden oder besitzt es kein ausreichend hohes schulisches Potential, kann dies zur Folge haben, dass das Fußballtalent bereit ist, „sich auf das Wagnis einzulassen, die eigene sportliche Karriere zu verfolgen und zeitgleich den höchsten Schulabschluss anzustreben“ 61 . Welche Folgen dies unter zusätzlicher Berücksichtigung der Problemfelder Familie, Freunde und Freizeit haben kann, soll im nächsten Abschnitt deutlich gemacht werden.
Prinzipiell kann man davon ausgehen, dass neben der Schule „vor allem der Bereich der Freundschaftsbeziehungen sowie erholsame Freizeittätigkeiten […] als durch den Hoch-leistungssport […] beeinträchtigt gesehen werden können“ 62 . Durch das Fokussieren auf den Sport steht der Spieler also vor einem Scheideweg. „Sollen sie [die Spieler] ihre Schulausbildung beziehungsweise ihre Berufsausbildung zum Abschluss bringen, oder aber sich auf ihr Vollprofitum beschränken?“ 63 Dadurch würde der Jungprofi jedoch den ersten Schritt in eine biographische Falle hinein begehen, was bedeutet, dass sich für ihn „eine eindeutige Prioritätenverschiebung zugunsten des Fußballs und zu Lasten von Freizeitaktivitäten, Beruf (Schule), Familie, Bekannten und Freunden“ 64 vollzieht. Dadurch wird „in vielen Fällen sogar auf das, für die Persönlichkeitsentwicklung so wichtige, Ausleben der Kindheit verzichtet“ 65 . Der jugendliche Fußballspieler pendelt somit ständig zwischen Erfolg oder Scheitern. Neben den Problemen, die in den Bereichen Schule, Familie, Freunde, Freizeit und Persönlichkeitsentwicklung auftreten, kommen jedoch auch noch körperliche Schwierigkeiten hinzu, da vor allem die Pubertät „ein tiefgreifender Einschnitt in die psychophysische Entwicklung der Schüler“ 66 darstellt. Somit kann es durchaus vorkommen, „dass es bei Nachwuchsleistungsfußballern auf der emotionalen Ebene zu chronischen Stressreaktionen kommen kann“ 67 .
„Entsprechend konnte gezeigt werden, dass chronischer Stress oder chronisch erhöhte Glukokortikoidkonzentrationen zu hippokampalen Schäden und entsprechenden Leistungsminderungen hippokampal vermittelter Funktionen führen. Es scheint daher so zu sein, dass chronischer Stress die Neuronen des Hippokampus beständig „an den Rand“ bringen und damit langfristig zum Zelluntergang führen kann. Stress ist damit ungünstig
68 für das Lernen und Behalten.“
60 Vgl. Bona, Imke: Sehnsucht nach Anerkennung? Zur sozialen Entwicklung jugendlicher Leistungssportlerinnen und -sportler, Köln 2001, S. 67.
61 Hyballa/te Poel: Wechselwirkungen, S. 109.
62 Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 149.
63 Kreutzer: Jugendliche Fußballspieler, S. 10.
64 Ebd. S. 12.
65 Ebd.
66 Hyballa/te Poel: Wechselwirkungen, S. 103.
67 Ebd. S. 104.
68 Spitzer, Manfred: Lernen - Gehirnforschung und die Schule des Lernens. Heidelberg 2002, S. 171.
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Dementsprechend fühlen sich die Kinder am Ende des Tages einfach nur „fertig“ und haben logischerweise absolute keine Lust mehr, Schulaufgaben zu erledigen, geschweige denn etwas mehr zu machen, um eventuell entstandene Lücken zu schließen, da „im psycho-physischen Belastungsempfinden […] körperliche Erschöpfung und konzentrativgeistige Ermüdung zusammen[fallen]“ 69 .
Letztlich kann also die Doppelbelastung dazu führen, „dass Grenzen der Belastbarkeit und Beanspruchung in diesem Entwicklungszeitraum erreicht werden“ 70 . Die Folgen der Doppelbelastung lassen sich schließlich zu sieben Punkten zusammenfassen 71 :
1. Unverantwortbare zeitliche und psychosoziale Belastungen,
2. Vereinseitigung,
3. zu frühe Spezialisierung,
4. Gefahr der Fremdmotivierung,
5. Erfolgsstreben im Vordergrund,
6. Beeinträchtigung der Freizeitgestaltung und
7. Beeinträchtigung der schulischen Bildung
Wie sich herausstellt, erscheint der Hochleistungssport im Kinder- und Jugendalter gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Schule und Training zu erheblichen Schwierigkeiten zu führen, die weitreichende Folgen haben. In diesem Zusammenhang ist es daher besonders interessant zu wissen, welche Lösungsansätze bereits unternommen beziehungsweise erdacht wurden, damit die Problematik eingedämmt werden konnte. Diese Vorschläge zur Verbesserung sollen im nächsten Kapitel erläutert werden.
2.6 Lösungsansätze zur Minderung der Doppelbelastung zwischen
Schule und Verein und den daraus entstehenden Problemen
Auch im Bereich der Lösungsansätze erstellten Kaminsky, Mayer und Ruoff eine Liste mit Vorschlägen, die zur Verbesserung der Situation im Jugendhochleistungssport beitragen soll 72 :
1. Soziale Beratungsdienste für Eltern,
2. gesellschaftliche Absicherung für Sportler,
69 Richartz, Alfred: Lebenswege von Leistungssportlern: Anforderungen und Bewältigungsprozesse der Adoleszenz; eine qualitative Längsschnittstudie. Aachen 2000, S. 174.
70 Hyballa/te Poel: Wechselwirkungen, S. 109.
71 Vgl. Kaminsky/Mayer/Ruoff: Längsschnittuntersuchung, S. 19ff.
72 Vgl. Ebd. S. 21ff.
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3. Senkung der finanziellen Kosten für die Familien,
4. bessere sportmedizinische Betreuung, 5. besser und spezifischer ausgebildete Trainer, 6. bessere Zusammenarbeit zwischen Trainern und Eltern, 7. kritische Überprüfung der Trainingsprogramme, 8. Ausgleich schulischer Versäumnisse und 9. Freizeitbeschäftigungen außerhalb des Sports.
Hinsichtlich des schulischen Bereichs ergeben sich nach Ansicht vieler Autoren große Möglichkeiten, die eine Verbesserung der Situation für die belasteten Jugendlichen her-vorrufen würde. So gilt es vor allem zu prüfen, wie die deutlich beklagten Mängel in der Koordination zwischen Schule und Sport beseitigt und wie die Anforderungen besser strukturiert und rhythmisiert werden können. Durch die bessere Verzahnung von Schule und Leistungssport könnten zum Beispiel Möglichkeiten geschaffen werden, dass die Athleten während der Schulzeit trainieren und dadurch Freiräume an den Nachmittagen entstehen, die entweder für die Schule oder zur freien Gestaltung genutzt werden können. Ginge es nach Hyballa und te Poel, so würde „das Fußballtalent vor- und nachmittags in Ruhe trainieren […], dazwischen die Schule absolvieren und sich abends privat zurückziehen und etwas mit seinen Freunden, seiner Familie etc. unternehmen [können]“ 73 .
Jedoch wird auch betont, dass nicht nur die Schule dabei helfen muss, die Doppelbelastung herunterzufahren. Viel eher muss auch der Verein daran „ein Interesse haben, dass der Junge […] sein schulisches Talent ausbilden kann und den von ihm angestrebten Schulabschluss erfolgreich absolviert“ 74 . Hierfür ist es womöglich unabdingbar vor allem in der Trainerausbildung bereits ein Bewusstsein für die angespannte Situation der Jugendlichen zu schaffen. Die Anforderungen an einen heutigen Jugendtrainer sind in den letzten Jahren gerade aufgrund der veränderten Lebensumstände junger Erwachsener weitaus umfangreicher geworden. So beschränkt sich die Trainertätigkeit nicht mehr explizit auf das Training und die Spiele, sondern verlangt deutlich mehr „Ehrlichkeit, Einfühlungsvermögen, Anerkennung und Akzeptanz der unterschiedlichen Persönlichkeiten der Jugendspieler sowie Offenheit für alle Probleme“ 75 .
Somit ist der Trainer von heute zunehmend „als Pädagoge gefordert, um die Spieler zu selbstverantwortlichen, kreativen und mündigen Spielern zu erziehen“ 76 . Im Zusammenspiel mit der Schule muss der Vereinstrainer, um „mehr Zeit für persönliche und sachori-
73 Hyballa/te Poel: Wechselwirkungen, S. 108.
74 Ebd.
75 Kreutzer: Jugendliche Fußballspieler, S. 63.
76 Ebd. S. 65.
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entierte individuelle Kommunikation [zu haben], verstärkt relevante Entscheider/ Kommunikationspartner im Bereich der Schule [suchen]“ 77 .
Abschließend kann man die möglichen Lösungsansätze, die im Verantwortungsbereich des Fußballs liegen, auf zwei entscheidende Bereiche reduzieren. Zum einen muss ein Dialog zwischen Schule und Leistungsfußball entstehen, so dass Lösungen entstehen, die in der täglichen Schul- und Trainingspraxis umgesetzt werden können. Zum anderen muss der Trainer im Nachwuchsbereich aufgrund seiner Ausnahmestellung als sportlicher und persönlicher Entwickler, Coach der Mannschaft, Bindeglied zwischen Verein, Schule, Verbänden, Beratern, Presse und Elternhaus vermehrt in Förderpläne, Selbstkonzepte der Spieler und Lebenslaufkonzepte einbezogen werden. Nur so kann der Sport seinen Teil dazu beitragen, um die Doppelbelastung zwischen Schule und Verein für die jungen Athleten so gering wie möglich zu gestalten.
Aufgrund der Erkenntnisse aus der Forschungsstandanalyse wurde ein entsprechender Fragebogen erarbeitet, mit Hilfe dessen untersucht werden sollte, inwiefern die Spieler von Mainz 05, aber auch deren Eltern 78 mit der Doppelbelastung zwischen Schule und Verein und den daraus resultierenden Problemen und Folgen umgehen. Um allerdings die Befragung besser verstehen und verfolgen zu können, ist es vorher wichtig zu erfahren, wie sich das Ausbildungskonzept des 1. FSV Mainz 05 für die Nachwuchsmannschaften darstellt. Zunächst soll jedoch auf die Struktur und die Ausbildungsziele der Eliteschulen des Fußballs näher eingegangen werden, da auch diese in der Befragung von großer Bedeutung sind.
77 Hyballa, P/te Poel: Wechselwirkungen, S. 109.
78 Siehe M1 und M2
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3 Struktur und Ausbildungsziele der Eliteschulen des Fußballs
Nicht zuletzt aufgrund der schwachen Ergebnisse der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2000 in Belgien und Holland, überdachte und reformierte man das deutsche Talentsichtungsprogramm in seinen Grundzügen. So wurden die bereits oben genannten Nachwuchsleistungszentren geschaffen und die DFB-Stützpunkte überarbeitet. Im Zuge dieser Reformen entstand auch das Model der Eliteschulen des Fußballs, das ein Kooperationsmodel für Schulen, Verbände und Vereine darstellt. So soll das „Nebeneinander von schulischen und sportlichen Anforderungen“ 79 besser koordiniert werden. Diese Kooperation soll im Wesentlichen ein optimales sportliches und schulisches Umfeld für die Talente schaffen, schulische und sportliche Anforderungen koordinieren und zusätzliche Trainingseinheiten am Vormittag ermöglichen. 80 Um sich jedoch das Zertifikat als Eliteschule des Fußballs zu verdienen, müssen zunächst folgende 18 Qualitätskriterien erfüllt werden 81 :
1. Schulkonferenzbeschluss zur leistungsorientierten Schulsportförderung, 2. Anschluss an ein Leistungszentrum,
3. Bildung eines Regionalteams als Leitungsgremium mit Vertretern aller Instanzen, 4. Sicherstellung finanzieller/organisatorischer Hilfen durch alle beteiligten Instanzen, 5. zusätzliches Training im Zeitplan des Schulunterrichts, 6. Abstimmung der Organisation, Inhalte und Belastungen des Trainings, 7. Orientierung an der Ausbildungsphilosophie des DFBs als sportlicher Leitfaden der Talentförderung,
8. flexible Regelungen hinsichtlich schulischer Abläufe bei sportbedingten Ausfallzeiten,
9. Eignungsfeststellung (sportwissenschaftliche Begleitung), 10. qualifizierte und lizenzierte Trainer und Trainerinnen im Fußballunterricht, 11. Abstellung von Trainern aus Lizenzvereinen für den Fußballunterricht, 12. Sportprofile, Sportkurse, Sportzüge,
13. räumliche Bündelung von Fußball, Schule und Betreuungs-/Wohnbereich, 14. außerschulische Betreuung,
15. angemessene Sportstätten (Halle und Außensportanlagen),
79 Deutscher Fußballbund (Hrsg.) Eliteschulen des Fußballs. http://talente.dfb.de/index.php?id=519143 (Stand 05.08.2011)
80 Vgl. Ebd.
81 Vgl. Ebd.
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16. Kooperation mit DFB-Stützpunkten in der Region,
17. regelmäßiger Austausch zwischen den Kooperationspartnern und
18. Mitwirkung bei der Fortbildung von Lehrern auf regionaler Ebene.
Die erste Schule, die diese Auflagen erfüllen konnte, war 2006 die Lausitzer Sportschule in Cottbus. 82 Ihr folgten bis zum heutigen Zeitpunkt 29 Schulen beziehungsweise Schulverbände.
Besonders wichtig ist es in diesem Zusammenhang, dass diese Eliteschulen eine ganzheitliche Ausbildung anstreben, da gerade sie „für viele positive Impulse in der Persönlichkeitsentwicklung sorgen“ 83 . Damit soll verhindert werden, dass sich die jungen Sportler zu sehr auf eine Karriere als Lizenzspieler fixieren, da sich dies „nicht nur negativ auf die Lebensperspektive junger Spielerinnen und Spieler im Falle eines Karriereknicks, sondern unmittelbar auf die aktuelle sportliche Leistung aus[wirkt]“ 84 . Somit soll unterbunden werden, dass der Spieler sein Selbstbild und -bewusstsein lediglich aus der aktuellen sportlichen Leistung ableitet, da dies ein Druckszenario aufbaue, „das Spielfreude und Lockerheit zerstören kann“ 85 .
Darüber hinaus bleiben dadurch „individuelle Stärken, Kompetenzen und Ressourcen der Talente in dieser ‚Eindimensionalität des Fußballs‘ versteckt“ 86 . Daher ist das Fokussieren auf das Lernen und die dadurch erzielten Erfolge wichtig für die Vermittlung von Motiven, Selbstvertrauen und Identifikation, die über das konzentrierte Spektrum des Fußballs hinausgeht. Des Weiteren sollen die jungen Spieler im Zuge der Persönlichkeitsförderung intensiv und aktiv in alle Vorgänge bezüglich der Trainingsarbeit und der Förderung der sportlichen Leistung eingebunden werden. Um dies zu erreichen, hat der DFB fünf Prinzipien einer ganzheitlichen Ausbildung erarbeitet, wobei idealerweise am Ende der Ausbildung die angedachte Spielerpersönlichkeit steht 87 :
1. Fordern und fördern! Jugendliche „stark machen“ und für viele Zukunftsaufgaben qualifizieren!
2. Leistungssportlich optimal fördern, parallel die schulisch-berufliche Perspektive ausbauen!
82 Vgl. Lausitzer Sportschule Cottbus (Hrsg.) Lausitzer Sportschule Cottbus - Eliteschule des Sports http://www.sportschule-cottbus.de/sportschule/chronik/ (Stand: 29.07.2011)
83 Deutscher Fußballbund (Hrsg.) Eliteschulen des Fußballs http://talente.dfb.de/index.php?id=519143 (Stand 05.08.2011)
84 Ebd.
85 Ebd.
86 Ebd.
87 Vgl. Ebd.
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Thorsten Lustenberger, 2011, Zur Doppelbelastung von Schule und Verein am Beispiel Fußball, München, GRIN Verlag GmbH
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