INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 4
2 DAS KRANKHEITSBILD ADHS 5
3 ÄTIOLOGIE 8
3.1Neuroanatomie 10
3.2Neurophysiologie und Neurochemie 12
3.3Neuropsychologie 14
3.4Genetik 18
3.5Toxine und Allergene 19
3.6Psychosoziale Faktoren 20
4 FAZIT 22
5 LITERATUR 24
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Zusammenfassung
Die Hausarbeit thematisiert die Ursachen der Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und gibt einen kurzen Einblick in das Krankheitsbild der ADHS. Die Ätiologie wird anhand der Forschungsergebnisse der Neuroanatomie, Neurophysiologie, Neuropsychologie, Genetik, Toxine und Allergene sowie psychosozialer Faktoren beschrieben.
Während die Neuroanatomie das zentrale Defizit im fronto-parieto-strialen Netzwerk bei der ADHS sieht, betont die Neurophysiologie als eine Ursache die vermehrte Theta-Frequenz bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen. Die Neuropsychologie nutzt kognitive und motivationale Modelle, um das Problem der Selbststeuerung und der Unaufmerksamkeit bei der AHS zu erläutern. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Betroffenen von einer Störung der exekutiven Funktionen betroffen ist, während ein anderer Teil der Betroffenen ein Motivationsproblem hat. Auch eine Kombination von beiden Modellen ist möglich. Genetische Forschungsergebnisse zeigen anhand von Familienstudien eindeutige Hinweise für die Erblichkeit von ADHS. Die Psychosoziale Theorie weist auf die „soziale“ Verer- bunghin und die Tatsache, dass Traumatisierungen und die niedrige Schichtzugehörigkeit das Risiko an ADHS zu erkranken erhöhen.
Toxine und Allergene können im Einzelfall ADHS-ähnliche Symptome auslösen. Als eindeutige Ursache kommen sie nicht in Frage.
Die ADHS ist als multifaktorielle Störung zu sehen, welche durch verschiedene Fak-toren ausgelöst werden kann.
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1 Einleitung
„Hyperaktiv durch Wackelpudding“, so lautet ein Beispiel für gängige Schlagzeilen in den Medien. Die Diagnose ADHS ist heute in aller Munde. Eltern, Erzieher, Lehrer und Familienangehörige sind gleichermaßen gefordert, wenn ein Kind unter der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung leidet. Insbesondere Lehrer und Erzieher sind in der schwierigen Situation den Kindern und Eltern Hilfestellung geben zu müssen. Nach der American Psychiatric Association (2000, zit. nach Lauth & Nauman, 2009) sind etwa 5 bis 7 Prozent der Kinder von ADHS betroffen, folglich in etwa ein bis zwei Kinder pro Schulklasse. In einer Untersuchung von Lauth & Knoop (1998) konnte gezeigt werden, dass die befragten Lehrerinnen in 94 Prozent annahmen ADHS sei ein Erziehungsfehler, während 96 Prozent der Lehrerinnen eine Reizüberflutung für die Ursache hielten. Zudem ergab die Untersuchung, dass es den Lehrerinnen an geeigneten Handlungsanweisungen in Bezug auf das Verhalten der ADHS Kindern fehlte. Somit besteht erhöhter Aufklärungsbedarf über die Ursachen der ADHS, welche in Kapitel 3 erläutert werden.
Die biologische und psychologische Forschung entwickelt seit Anfang des letzten Jahrhunderts Konzepte, welche die Diagnose ADHS eindeutig definieren sollen. Rothenberger und Neumärker (2010) geben folgende Zusammenfassung (Steinhausen, Rothenberger & Döpfner, 2010, S. 12ff). Erste ADHS-ähnliche Symptome sind bei George Still (1902) zu finden. Er begründete das abweichende Verhalten rein biologisch, entweder es sei angeboren, oder auf prä-oder postnatalem Wege erworben. Unklare Hirnschädigungen wurden für die hyperaktiven Symptome verantwortlich gemacht. Rothenberger & Neumärker beschreiben, dass die Symptome dieser Kinder den Verhaltensweisen von Primaten glichen, welche einer Frontalhirnläsion unterzogen wurden. Das führte zu der Annahme, dass die hyperkinetische Störung auf eine krankhafte Veränderung des Frontalhirns zurückzuführen sei. 1962 setzte sich die Bezeichnung der Minimalen Zerebralen Hirnschädigung und-dysfunktion (MBD/MCD) als dominanter Begriff der Kinder-und Jugendpsychiatrie durch. Die 70er Jahre zeichneten sich dadurch aus, dass sich Virgina Douglas (1972) mehr und mehr mit dem Aufmerksamkeitsfaktor beschäftigte. Schließlich entstand durch Feingold (1975) eine Bewegung, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Auslöser für Hyperaktivitätsstörungen sah. Zwischen 1980 und 1994 wurden Konzepte der Störung entwickelt, welche unter den Diagnosesystemen DSM-IV und ICD-10 bekannt sind.
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Diese Klassifizierungen sind in aktualisierter Form heute noch diagnoserelevant und werden im folgenden Kapitel definiert.
Die Hausarbeit thematisiert die Fragestellung, welche Ursachen die ADHS hat. Dazu werden Forschungsergebnisse sowie Erklärungsmodelle herangezogen. Eingangs wird das Krankheitsbild der ADHS dargestellt, um dem Leser einen Einblick in dieses zu geben. Abschließend wird das Fazit Therapieprinzipien aufstellen, im Hinblick auf den Umgang mit ADHS in Schule und Elternhaus.
2 Das Krankheitsbild ADHS
Es werden nach Lauth und Naumann (2009) zwei international anerkannte Klassifikationssysteme unterschieden. Das ICD-10 (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation (2004) führt die Diagnose unter dem Oberbegriff „Hyperkinetische Störungen“ auf. Das DSM-IV-TR (Diagnostic and Statistical Manual of Mental disorders) der American Psychiatric Association (2003) führt die Diagnose unter dem Oberbegriff „Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung“ auf (2009, S. 9).
Die DSM-lV unterscheidet bei der Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) vier Subtypen. Der a) vorwiegend hyperaktiv-impulsive Typ, der b) vorwiegend unaufmerksame Typ (ADS) und der c) Mischtypus (Lauth & Naumann, 2009). Nach der ICD-10 teilen sich Hyperkinetische Störungen in folgende Typen auf. In a) Störungen von Aktivität und Aufmerksamkeit, in b) Hyperkinetische Störungen des Sozialverhaltens, in c) andere hyperkinetische Störungen und in d) nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung (Steinhausen, 2010).
Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität als charakteristische Symptome müssen bei der Klassifizierung nach der ICD-10 gleichermaßen vorhanden sein. Hierbei wird der vorwiegend unaufmerksame Typ (ADS) der DSM-IV Klassifizierung nicht erfasst, da ihm das Symptom der Hyperaktivität fehlt. Somit wird das überwiegend unaufmerksame Kind, welches motorisch unauffällig ist, nicht erfasst. Lauth und Naumann (2009) umschreiben folgende internationale Krankheitsdefinitionen. Die ICD-10 lässt Hyperkinetische Störungen durch folgende Kriterien eingrenzen. Zum einen zeichnet sich die Symptomatik durch einen Beginn vor dem sechsten Lebensjahr aus, die DSM-IV setzt die Grenze vor dem siebten Lebensjahr. Die Über-
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aktivität ist kombiniert mit Unaufmerksamkeit und einem deutlichen Mangel an Ausdauer bei konkreten Aufgabenstellungen. Beide Merkmale sind seit mindestens sechs Monaten zu beobachten und zeigen ein unangemessenes Verhalten in unterschiedlichen Situationen. Dabei kann sich um das Herausplatzen mit einer Antwort handeln, obwohl die Frage noch nicht beendet wurde oder ständiges Unterbrechen anderer im Gespräch sowie exzessives Reden, welches nicht angemessen nach Auf- forderungbeendet wird. Die Hauptmerkmale sollten „(…) an mehr als einem Ort, an dem die Kinder beobachtet werden können (z. B. zu Hause, bei der klinischen Unter- suchung)(…) „ erfasst werden (Lauth & Naumann, 2009, S. 11). Die Symptome der Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität sorgen für Beeinträchtigungen im täglichen Funktionieren. Die Folge ist deutliches Leiden der Kinder und Familien. Begleitmerkmale wie Distanzlosigkeit in sozialen Beziehungen, Unbekümmertheit in gefährlichen Situationen und impulsive Missachtung sozialer Regeln sind für die Di- agnosenicht notwendig. Sie können aber laut Steinhausen „(…) zu deren Stützung beitragen. “ (Steinhausen et al., 2010, S. 18f).
Hinsichtlich der Geschlechterverteilung nach DSM-IV-TR sind Jungen 4-9mal häufiger von einer Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung betroffen. Welche Gründe dafür in Frage kommen ist nicht eindeutig geklärt. Diskutiert werden: a) das expansive Verhalten von Jungen aufgrund einer biologischen-genetischen Disposition, b) die erhöhte Toleranz der Gesellschaft gegenüber expansivem Verhalten bei Jungen c) das höhere Forschungsinteresse an Jungen (Lauth & Naumann, 2009, S. 14).
Der Verlauf der ADHS kann laut Steinhausen & Sobanski (2010) unterschiedlich beobachtet werden. Während es in der Säuglingszeit zu Regulationsstörungen wie Schlaf-und Essstörungen kommt, steht im Kindergartenalter die plan-und rastlose Aktivität im Vordergrund. Zudem zeigt sich häufig ein früher Spracherwerb. Das Kind als auch die Eltern, erfahren Isolation und Zurückweisung. Die Schulzeit ist gekennzeichnet durch mangelnde Regelakzeptanz, Schulprobleme und Außenseitertum. In der Adoleszenz werden häufiger Leistungsverweigerung, Substanzmissbrauch und Sozialisationsdefizite beobachtet. Das Erwachsenenalter zeigt weiterhin Aufmerksamkeitsdefizite, Störungen der Impulskontrolle sowie affektive Dysregulationen. Es ist laut Barkley (2006, zit. nach Steinhausen et al., 2010, S. 168) zu beobachten, dass ADHS im Verlauf der Lebensspanne mit zahlreichen Entwicklungsstörungen und psychosozialen Anpassungsproblemen einhergeht. Das schwierige Tempera-
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ment in der Säuglingszeit, der problematische Verlauf der Schulzeit, die häufigen antisozialen Persönlichkeits-und Beziehungsstörungen führen dazu, dass ADHS betroffene Kinder als Erwachsene häufiger schlechtere Bildungsabschlüsse und Probleme in der sozialen Anpassung zeigen.
Zur Diagnose der ADHS stehen den Medizinern und Psychologen mehrere Untersuchungsmethoden zur Verfügung, welche von Steinhausen, Rothenberger & Döpfner (2010) zusammen getragen wurden. Interviews, welche eine Anamnese beinhalten, thematisieren den Verlauf der Schwangerschaft, Geburt, die psychosoziale Entwicklung und Krankheiten im Lebenslauf. Des Weiteren werden mögliche psychopathologische Störungen wie Depressionen, Lernstörungen, Angst oder Tic-Störungen erfragt. Im Vordergrund steht zudem das psychosoziale Interagieren in der Schule, im Elternhaus und in der Freizeit. Außerdem kann das Familienleben allgemein sowie die Eltern-Kind-Beziehung Hinweise auf die soziale Situation und den Zustand des Kindes geben. Fortgeführt wird das Interview, indem explizit Fragen gestellt werden, die darauf abzielen das Ausmaß der Unaufmerksamkeit, der Impulsivität und der Hyperaktivität zu erfassen. Als weiteres Verfahren steht dem Diagnostiker die Verhaltensbeobachtung in einer Spielesituation zur Verfügung. Diese können sowohl unter Praxisbedingungen als auch im natürlichen Umfeld stattfinden (Döpfner, 2010).
Die Therapie der ADHS hat laut Steinhausen, Rothenberger und Döpfner (2010) zum Ziel die unmittelbaren Auswirkungen der Störung zu reduzieren. Als Mittel der Wahl steht die Pharmaka-und Verhaltenstherapie zur Verfügung. Diese zeigt laut einer Studie von Swanson et al. (2001, zit. nach Steinhausen et al., 2010, S. 278) eine Normalisierungsrate von 68 Prozent. Die Studie fand in einem Zeitraum von 14 Monaten, unter Einbeziehung des Lehrer-und Elternurteils, statt. Die Pharmakotherapie war bei 56 Prozent erfolgreich, die Verhaltenstherapie bei 34 Prozent und die alltagsübliche Behandlung in Kombination mit Stimulanzien, zeigte sich bei 25 Prozent der Kinder erfolgreich. Wie Banaschewski und Rothenberger (2010) beschreiben, stellte Barkley bereits 1937 fest, „dass sich das hypermotorische Verhalten hyperak- tiverKinder unter D/L-Amphetamin drastisch reduzierte und die schulische Leistungsfähigkeit und das Sozialverhalten zugleich stark verbesserten“. (Steinhausen et al., 2010, S. 289). Das Stimulanz Methylphenidat ist ein Amphetaminersatzstoff, der in den meisten europäischen Ländern das Mittel der Wahl ist und sich laut Bana-
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Arbeit zitieren:
Isabel Dietrich, 2011, ADHS - Ursachen und Krankheitsbild, München, GRIN Verlag GmbH
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