Inhalt
Sukkot
1. Welche geistigen Konzepte repräsentieren die Symbole des Sukkot-Festes?
Seite 1
Schavuot
2. In welchem Sinne könnte Schavuot als „Fest des Geistes“ bezeichnet werden?
Seite 3
Rosch ha-Schana
3. Worum geht es in den besonderen Gebeten der Gottesdienste an Rosch ha-Schana?
Seite 5
Jom Kippur
4. Welche Bedeutung hat der Widdui im größeren Zusammenhang von Jom Kippur?
Seite 9
5. Literatur
Seite 11
Jüdische Feste und Gebräuche (Becker) Essay von Steffen Schütze
1. Welche geistigen Konzepte repräsentieren die Symbole des Sukkot-Festes?
Das wichtigste und auch namensgebende Symbol des Sukkot-Festes ist die Sukka, die Laubhütte. An diesem Fest der Freude und Danksagung leben die Juden (nach Möglichkeit) sieben Tage lang in ihr. Sie erinnert in ihrer Bauart aus Ästen, Stroh und Laub an die notdürftig gebauten Behausungen, die die Israeliten bei ihre vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste bewohnten, nachdem Mose sie aus Ägypten herausgeführt hatte. Diesem Abschnitt der jüdischen Geschichte wird an diesem Tag gedacht. 1
Die Sukka symbolisiert den Schutz und die Geborgenheit, die Gott den jüdischen Gläubigen zuteil werden lässt, wenn sie sich aufrichtig und ehrlich auf ihn verlassen. Das Dach ist der wichtigste Teil der Hütte und soll mit Material gebaut werden, das aus der Erde erwachsen ist. Es wird nicht völlig abgedichtet, damit man durch es hindurch die Sterne noch sehen kann. Auf diese Weise werden einerseits die Nähe und Präsenz der himmlischen Sphären wieder ins Gedächtnis gerufen, andererseits die Abhängigkeit des Menschen von Gott und seinem Schutz verdeutlicht. Er ist seinen Geschöpfen niemals fern und sorgt immer in irgendeiner Weise für sie. Zentral ist das (nötige) Vertrauen in ihn. 2 Die Erlebnisse in der Wüste, beispielsweise die Manna-Gabe in Ex. 16 oder die eigenartige Wasserquelle in Ex. 17, unterstreichen diese Motivik. So wie die Israeliten sich seiner Hilfe auch in großer Hungersnot sicher sein sollten (und konnten), mögen die Juden sich seiner Zuwendung in jeder Situation gewiss sein. Fester und aufrechter Glaube ist natürlich eine Voraussetzung dafür. So erinnert Sukkot voller Freude an die Gnade und Fürsorge Gottes, aber auch an die Notwendigkeit ihm dafür Dankbarkeit und Demut entgegenzubringen. 3
Darüber hinaus repräsentiert die Laubhütte ein Symbol der Armut. Da Sukkot ein Erntefest ist, insbesondere das letzte Erntefest vor den Wintermonaten, soll an diesem Tag auch derer gedacht werden, die nicht mit einer ergiebigen Ernte gesegnet wurden. So wird die Armut der Menschen inmitten allen Wohlstandes ins Bewusstsein gerufen. 4 Diese Armut könnte man auch so verstehen, dass sie ein Zeichen der Unvollkommenheit und Niedrigkeit des Menschen gegenüber ihrem Schöpfer darstellt.
Weitere Symbole, die mit Sukkot verbunden sind und hinter denen geistige Konzepte stehen, sind die sogenannten Vier Arten. Dies sind vier verschiedene Sorten von Pflanzenprodukten, die
1 Vgl. Hannover, 1993, 53f.
2 Vgl. Hannover, 1993, 54/56.
3 Vgl. Donin, 1987, 259.
4 Vgl. Hannover, 1993, 54.
Uni Göttingen SS 2011 Theologische Fakultät Seite 1 / 11
Jüdische Feste und Gebräuche (Becker) Essay von Steffen Schütze
alle (bis auf den Etrog) zu einem Strauß, dem sogenannten Lulaw, zusammengebunden werden: eine Zitrusfrucht (Etrog), Palmblätter, Myrtenzweige und Weidenäste. Sie versinnbildlichen (in dieser Reihenfolge) das Herz, das menschliche Rückgrat, das Auge, sowie den Mund. 5 Jedem dieser Körperteile kommt eine besondere Bedeutung zu: „Das Wort wird durch den Mund hervorgebracht, Aufrichtigkeit und Mitgefühl sind Sache des Herzens, die Augen schauen in unsere Umwelt und das Rückgrat ermöglicht es uns, aufrecht zu stehen oder uns zu verneigen.“ 6 Sie alle werden also benötigt, um Gottes Wille vollständig anzuerkennen und ihm zu folgen.
Auch das Wasser, das diese Pflanzen zum überleben brauchen, spielt eine besondere Rolle. Es ist ein Symbol der Torafreude und der Lehre. Wasser und Tora stehen insofern in Verbindung, als dass sie beide Quellen des Lebens darstellen, bei denen Gott als Quellschöpfer fungiert. An allen sieben Sukkot-Tagen (außer Schabbat) wird der Strauß aus Zweigen und der Etrog in der Hand gehalten, wenn der Segen gesprochen wird. Danach wird er in alle vier Himmelsrichtungen, sowie nach oben und nach unten, geschüttelt, um die allumfassende Gegenwart Gottes zu symbolisieren. 7 Zu den Zeiten als das Fest noch mehr landwirtschaftlichen Charakter besaß, drückte sich in diesem Wedeln ein Flehen der jüdischen Bauern an Gott aus. 8 Da er in seiner Allmacht nicht nur über die Welt, sondern auch über Winde und Stürme gebietet, hofften die Menschen darauf, dass er sie mit Regen segnen würde.
6 Hannover, 1993, 61.
7 Vgl. Hannover, 1993, 60.
8 Vgl. www.zwst-hadracha.de/documents/413_Sukkot.doc, abg. 25.10.11.
Uni Göttingen SS 2011 Theologische Fakultät Seite 2 / 11
Arbeit zitieren:
Steffen Schütze, 2011, Jüdische Feste und Gebräuche, München, GRIN Verlag GmbH
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