Gliederung
1. Einleitung 1
2. Amitai Etzioni- Die kommunitäre Familie
2.1 Kinder und Gemeinschaft 2
2.2 Elterndefizite 4
2.4 Scheidung und Ehe 6
3. Pairfam- Das Familien- und Beziehungspanel
3.1 Stichprobe und Grundgesamtheit 8
3.2 Verwendete Variablen 9
4. Auswertung der Daten 11
5. Weitere Verwendung der pairfam-Daten 16
6. Fazit 17
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1. Einleitung
Elternschaft und Paarbeziehungen sind im Laufe der Zeit stetigen Veränderungen unterworfen, dies kann sich besonders auf die Kindererziehung auswirken.
Der amerikanische Soziologe Amitai Etzioni ist neben Charles Taylor ein weiterer Vertreter des praktischen Kommunitarismus 1 . Er gilt insbesondere als Gegner der Rational Choice Theorie, die das Individuum isoliert von allen gemeinschaftlichen Werten als rationalen kosten- und nutzenabwägenden Egoisten beschreibt. Die Familie und die familiäre Bindung nimmt in den Ansichten Etzionis eine zentrale Bedeutung ein. Er vertritt den Gedanken des aufgeklärten Individuums das im Rahmen eines Kollektivs gemeinschaftliche Verantwortung übernimmt. 2 Auch Autoren wie Talcott Parsons, der die Idee der „isolierten Kernfamilie“ (Parsons 1943) prägte oder Emil Durkheim mit seinem Konzept „La famille conjugal“ (Durkheim 1892) trugen bedeutende Konzepte zur modernen Familienforschung bei. Etzioni ist unter anderem der Auffassung, dass Kindererziehung eine gemeinschaftliche Aufgabe ist und die Gemeinschaft unter egoistischen Eltern und schlechter Erziehung leidet, wie in seinem Buch „Die Entdeckung des Gemeinwesens“ zu lesen ist. (vgl. Etzioni 1995) In der vorliegenden Hausarbeit steht das Kapitel „Die kommunitaristische Familie“ aus „Die Entdeckung des Gemeinwesens“ im Fokus. Etzioni stellt in diesem Kapitel seine Ansichten zu Ehe, Scheidung und der Problematik der Kindererziehung in der Moderne dar, in der Mütter ebenfalls arbeiten, Kinder bei Tagesmüttern aufwachsen und Ehen geschieden werden. Damit reiht er sich in eine weit verbreitete Diskussion vieler Autoren ein, die einschneidende Veränderungen der Institution Familie sehen. Unter anderem haben sich Beck und Beck-Gernsheim mit dem Wandel der Geschlechterrollen in modernen Familien beschäftigt. In „Das ganz
1 Die Strömung des Kommunitarismus bezeichnet ein Gegenstück zum Individualismus und tritt für
die Einhaltung gemeinschaftlicher Werte ein. Anstatt des kurzfristigen individuellen Interesses,
steht die Gemeinschaft im Vordergrund. (Schaal, 2006)
2 Für weitere Informationen zu Amitai Etzioni siehe: Reese-Schäfer, Walter: Amitai Etzioni. Eine
Einführung, Junius 2001, Hamburg
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normale Chaos oder Liebe“ schreiben sie: "Wesentliche Einschnitte haben in den vergangenen Jahrzehnten...die Frauen ein Stück weit aus ihren traditionalen Weiblichkeitszuweisungen freigesetzt."(Beck und Beck-Gernsheim 1990,44). In dieser Hausarbeit werden Etzionis Ansichten mithilfe der Daten des Familienpanels pairfam, besonders in Bezug auf die Berufsabwesenheit der Mutter und die damit verbundenen Einstellungen zu Familie und Erziehung abgebildet. Es wird gezeigt, wie die heutigen Familien in Deutschland zu dieser Thematik stehen.
Da die Daten des Panels äußerst komplex sind, kann aus Platzgründen keine umfassende Untersuchung zur Validierung Etzionis Hypothesen erfolgen. Jedoch wird durch diese Arbeit eine grundlegende Betrachtung möglich. Eine vertiefende Behandlung könnte Thematik der Masterarbeit sein. Einige Vorschläge zur weiteren Verarbeitung der äußerst aktuellen Daten von pairfam werden zum Ende der Arbeit vorgestellt. Nachdem Etzionis Theorie aufgezeigt wurde, erfolgt die Beschreibung der Daten des Familienpanels sowie die Verwendung der Variablen. Im vierten Teil der Arbeit wird mittels der pairfam-Daten ein Überblick gegeben, wie die Familien in Deutschland heute zur Berufstätigkeit der Mütter, beruflicher Abwesenheit der Väter und Auswirkung der Berufsabwesenheit der Mütter auf Kinder unter 6 Jahren stehen. Außerdem wird dargestellt ob und wie viele Mütter tatsächlich arbeiten möchten selbst wenn keine finanzielle Notwendigkeit besteht. Es folgen ein bereits erwähnter Ausblick auf die mögliche weitere Verwendung der pairfam Daten sowie das Fazit.
2. Amitai Etzioni- Die kommunitäre Familie
2.1 Kinder und Gemeinschaft
Wie bereits erwähnt, reiht sich Amitai Etzioni in die pessimistisch geprägte Sichtweise vieler Autoren ein, die Familie und die damit verbundenen Werte und Moralvorstellungen sei in Gefahr. Hans-Joachim Hoffmann-Nowotny bemerkt 1988 bspw. „die traditionelle Familie, die sich in unseren Gesellschaften zu einem universellen und quasi natürlichen Phänomen entwickelt hat, befindet sich nicht einfach in
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einem Prozess des Wandels, sondern ist dabei sich aufzulösen.“ (Hoffmann-Nowotny, 1988).
In seinem Buch „Die Entdeckung des Gemeinwesens“ beschreibt Amitai Etzioni sein Bild der kommunitaristischen Familie. Insbesondere geht er dabei auf die elterlichen Pflichten gegenüber dem Kind, aber auch gegenüber der Gemeinschaft ein.
Für das Verständnis der nachfolgenden Ansichten Etzionis wird zunächst die Aufmerksamkeit auf das Weltbild einer gesellschaftlichen Ordnung aus kommunitaristischer Sicht Etzionis gerichtet. Nach seinen Vorstellungen steht die Gemeinschaft in allen Hinsichten einer gesellschaftlichen Ordnung im Vordergrund. Das Individuum ist verpflichtet, sich im Sinne einer kollektiven Identität an Gemeinschaftsnormen zu halten. Sanktionen sieht er nicht im staatlich-durchgreifenden Sinne sondern innerhalb geltender Moral, die abhängig von der Gemeinschaft ist. (vgl.ebd.) Bei der folgenden Betrachtung von Etzionis Sicht auf Erziehung und Familie wird deutlich, dass die Moral hier ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Ähnlich wie Etzioni fordert auch David Popenoe in Bezug auf Familien, eine Rückkehr von der individualistisch geprägten Entwicklung zum gemeinschaftlichen familialen Werteverständnis. In seinem Buch „Disturbing the nest“ postuliert er: „“we“ attitudes were threatened by „I“ attitudes.“ (Popenoe 1988, 22).
Zu den oben beschriebenen Pflichten der Eltern gehört es in erster Linie, das Kind im Sinne der Gemeinschaft richtig zu erziehen. Werden diese Pflichten vernachlässigt, kommt es laut Etzioni zu folgender Situation: „Wir alle leiden unter den Folgen falscher Erziehung, seien sie schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen oder egoistischen Eltern zuzuschreiben. Die Jugendlichen Straftäter oder Junkies brechen nicht nur Ihren Eltern das Herz. Sie überfallen alte Leute…als Erwachsene sind die berufsuntauglich…liegen dem Steuerzahler auf der Tasche (Etzioni 1995) .Etzioni stellt heraus, dass Kindererziehung über die rein physiologische und hygienische Pflege hinaus gehen muss. Er bezeichnet Kinder als moralische Repräsentanten der Gesellschaft, die durch fehlende häusliche Erziehung vom Fernsehen und dem Leben auf der Straße „erzogen“
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werden. Nach Etzioni stehen die fehlende Moral und der Werteverfall bei Kindern und Jugendlichen mit dem Fehlen ebendieser häuslichen Erziehung in unmittelbarem Zusammenhang. Die Ursache hierfür sieht er u.a. in elterlichen Defiziten, die im folgenden Kapitel behandelt werden. (vgl.ebd.)
2.2 Elterndefizite
Nachdem dargestellt wurde, dass Eltern ihrer kollektiven Pflicht zur (moralischen) Kindererziehung nachkommen müssen, werden
nachfolgend Gründe aufgezeigt, die laut Etzioni dazu führen, dass diese Erziehung oftmals nicht erfolgt.
Als Hauptargument für die fehlende häusliche, angemessene Erziehung kann demnach grob der Zerfall der traditionellen familialen Rollenaufteilung gesehen werden. Hier sei zu erwähnen, dass Etzioni darauf hinweist, dass er sowohl Mütter als auch Väter gleichermaßen in der Pflicht sieht, sich stärker zu engagieren. Diese Aussage verliert im Folgenden scheinbar zunehmend an Bedeutung, da schließlich die explizite Fokussierung Etzionis auf den Bereich der Erwerbstätigkeit der Mütter erfolgt.
Wird das kommunitaristische Weltbild Etzionis berücksichtigt, so ist es keine Überraschung, dass die zunehmende Individualisierung, hier in Form von Frauenerwerbstätigkeit (besser: Müttererwerbstätigkeit), für ihn eine Determinante des Zerfalls der angemessenen Erziehung im gemeinschaftlichen Sinne ist. In seinem Vergleich der Kindererziehung mit einem Industriebetrieb, der bisher zu seiner Zufriedenheit zu funktionieren schien, weist er darauf hin, dass die verschiedenen Abteilungen (hier: Vater und Mutter) ihre Arbeit stark verändern mussten. Der Vater konnte im Laufe der Industrialisierung nicht mehr als Jäger und Sammler tätig sein, sondern musste sich in die Welt aufmachen um eine andere Erwerbsmöglichkeit zu suchen. Folgerichtig muss dies der erste Schritt zur Verminderung der Wettbewerbsfähigkeit sein. Mit der beginnenden Erwerbstätigkeit der Mutter begann die vollständige
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Arbeit zitieren:
B.A. Heike Lemmermann, 2011, Familie aus der kommunitären Sicht Amitai Etzionis , München, GRIN Verlag GmbH
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