Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abk ürzungsverzeichnis 3
Vorwort 4
1 Definition Stress 5
2 Anforderungen an SR 6
2.1 Paradoxe Ausgangsbedingungen der SR-Rolle 8
2.2 Fehlerquellen des SR 10
3 Stressfaktoren des Schiedsrichters 12
3.1 Stressempfindung beim SR 14
3.2 Beispielszenen 15
4 Ergebnisse des Fragebogen 17
4.1 Hypothesen 17
4.2 Auswertung 18
5 Allgemeine Stressbewältigung sowie im und nach dem Spiel 21
6 Möglichkeiten des Kreises zur Reaktion auf die Anforderungen 24
7 Zusammenfassung und Ausblick 26
Anhang 27
Literaturverzeichnis 28
2
Abkürzungsverzeichnis
SR Schiedsrichter SRA Schiedsrichter-Assistent LK Leistungsklasse DFB Deutscher Fußball Bund
3
Vorwort
Durch den Suizid des Torwarts von Hannover 96 und der deutschen Nationalmannschaft Robert Enke am 10.11.2009 wurde in den sich anschließenden Tagen und Wochen in einer Vielzahl von Talkshows und Zeitungsartikeln über die psychischen Belastungen, die sich den Profifußballern stellen, diskutiert. ‚Ent-Tabuisierung‘ war das Stichwort, ebenso wie ‚mehr Menschlichkeit‘ 1 im Fußball. Unabhängig von der Nachhaltigkeit dieser Aussagen wurden die mentalen Belastungen für die Schiedsrichter des Fußballsports weder besprochen noch die Verhaltensweisen der beteiligten Akteure ihnen gegenüber hinterfragt. Das jüngste Beispiel der Beleidigungen des Bielefelder Trainerteams gegenüber Zweitliga-Schiedsrichter Georg Schalk (Bielefelds Co-Trainer bezeichnete ihn als „schwule Sau“ 2 und Trainer Gerstner forderte, dass das SR-Gespann „kein Spiel mehr auf deutschem Boden“ 3 leitet) bezeugen dies eindrucksvoll. Die Vorkommnisse in den professionellen Ligen des DFB können jedoch wohl nur als ‚Spitze des Eisbergs‘ betrachtet werden. Gerade in den unteren Ligen, der sogenannten ‚Basis‘, treten die Stressfaktoren häufiger und direkter auf. Problematisch dabei ist, dass den Kreisliga-SR keine intensive Betreuung durch die hierarchische Organisation des DFB zukommt bzw. logistisch wie organisatorisch auch nur bedingt zukommen könnte.
An dieser Stelle setzt der Vortrag an. Er versucht semi-professionell ein Bewusstsein für die psychischen Belastungen, die sich durch den Fußball für die Schiedsrichter stellen, zu schaffen und eine stärkere Diskussion im Kreis bzgl. Betreuungsmöglichkeiten auf unterster Ebene anzuregen. Der Umgang mit Stresssituationen ist wichtig und gerade Jung-SR müssen behutsam an die Aufgabe herangeführt werden, um sie nicht zu über-fordern. Der schriftliche Beitrag hierzu soll die Punkte des Vortrags ergänzen und näher erläutern. Dank gilt Wolfgang Mierswa für die Versorgung mit Bildmaterial und Lucas Meier für die Unterstützung bei der technischen und inhaltlichen Ausführung.
1 http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Ein-bewegender-Abschied
2 http://www.queer.de/detail.php?article_id=11495
3 Ebd.
4
1 Definition Stress
Zunächst muss der Begriff ‚Stress‘, den der Vortrag hauptsächlich und synonym zum Begriff ‚psychische Belastung‘ verwendet, definiert werden. Während die Literatur und die einschlägigen Seiten des Internets häufig zwischen den verschiedenen Analysedimensionen (biologisch, soziologisch oder psychologisch) unterscheiden, soll hier die folgende allgemeinere Begriffsbestimmung als Ausgangsbasis des Vortrags dienen. Nach Werner Stangl vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität Linz löst Stress „ bei einem Organismus eine zum Teil unterbewusste Reaktion auf Reizereignisse (Stressoren) aus, die sein Gleichgewicht stören und kann bei anhaltendem oder wiederholtem Auftreten zu gesundheitlichen Beschwerden psychologischer und sogar physiologischer Natur führen 4 “. Psychische Stressoren können durch eigene Einstellungen und Erwartungen selbst verursacht sein, sie treten also nicht nur ‚von außen‘, d.h. situationsbedingt oder durch das Verhalten/ Erwartungen von Mitmenschen hervorgerufen, auf.
In der Psychologie wird zusätzlich eine Unterscheidung zwischen ‚positivem‘ und ‚negativem Stress‘ vorgenommen. Positiver Stress lässt das Individuum eine schwierige Situation als Herausforderung erleben und führt durch verstärkte Konzentration bzw. Motivation bezüglich der Aufgabe dazu, dass das Individuum sie erst bewältigen kann. Demgegenüber entspricht negativer Stress der von mir gewählten Definition, auf den der Vortrag seinen primären Fokus richtet. Dies entspricht der Tatsache, dass negativer Stress langanhaltender den Menschen beschäftigt und viel eher Bewältigungsstrategien bedarf als positiver Stress.
4 http://psychologie.stangl.eu/definition/Stress.shtml
5
2 Anforderungen an SR
Abgesehen von den physischen Anforderungen an den SR lassen sich zwei weitere Aufgabenbereiche des SR im Sport identifizieren. Neben der Kontrolle der Regeln, die die Grundlage des sportlich ausgetragenen Wettkampfes darstellen, muss der Spielleiter auch und vorwiegend die soziale Kontrollfunktion über das Spiel ausüben. Die Regelkontrolle soll hierbei sinngerecht erfolgen, denn wortwörtliche Regelauslegung würde wohl nicht nur bei einem Großteil der Spieler auf Unverständnis stoßen. Hier gibt es viele Beispiele, u.a. eine Szene, auf der der SR, zwar regelgerecht, einen Strafstoß sieben Mal wiederholen lässt, weil die Spieler zu früh in den Strafraum hineinlaufen 5 oder wenn er die im Regelwerk geforderte Verwarnung für jedwede Kritik am SR ausspräche. Hier gelten stattdessen die Grundsätze das Spiel so gut wie es geht laufen zu lassen und sich als SR vor allem nicht unnötig in den Vordergrund zu stellen. Viel wichtiger jedoch als die schlichte Überwachung der Regeln ist die, wie Brand es nennt soziale Kontrolle über das Spiel zu behalten 6 . Die soziale Kontrollfunktion bezeichnet „jene Prozesse und Mechanismen, mit deren Hilfe eine Gesellschaft versucht, ihre Mitglieder zu Verhaltensweisen zu bringen, die im Rahmen dieser Gesellschaft positiv bewertet werden.“ 7 Auf den Fußball übertragen bedeutet es, dass der SR als Kontrollinstanz versucht sämtliche Spieler zu einem regelkonformen und fairen Verhalten zu bewegen. Als Sanktionsinstrumentarium stehen dem SR dabei nicht nur die im Regelwerk vorgesehen Möglichkeiten (Gelbe und Rote Karte) zur Verfügung, außerdem kann der SR durch die Körpersprache bzw. mündliche Kommunikation positiver und negativer Sanktion Ausdruck verleihen. Die Schärfe der Sanktionierung hängt in beiderlei Hinsicht vom Verhalten der Akteure ab. Je nachdem wie schwerwiegend das normabweichende Verhalten ist, desto stärker die negative Sanktion, der umgekehrte Fall gilt bei besonders positivem Verhalten.
5 http://www.youtube.com
6 Vgl. Brand (2002), S.29ff
7 Fuchs-Heinritz et al. (1994) S. 368
6
Ralf Brand unterscheidet in seiner Untersuchung „Schiedsrichter und Stress“ zwischen drei Entscheidungstypen, die der Schiedsrichter im Basketball, dies kann fast analog zum Fußball übernommen werden, zu treffen hat. Durch jene Differenzierung wird der Zusammenhang zwischen den Entscheidungen und ihrer Zuordnung zu einer Funktion genauer erläutert. Typ 1 bezeichnet die klaren Entscheidungen, die zu treffen sind. Dies betrifft zu unterscheiden, ob der Ball im Aus oder im Tor war. Diese Entscheidungen sind grundsätzlich eindeutig zu treffen, da es keine ‚Grauzone‘ der Regel gibt. Entweder ist der Ball im Tor oder nicht. Die gelegentliche Schwierigkeit dies festzustellen, muss hier nicht gesondert erwähnt werden. Dennoch erwarten Spieler und Trainer vom SR, dass diese Entscheidungen richtig gefällt werden. Der genannte Entscheidungstyp bezieht sich primär auf die Regelkontrollfunktion.
Die sogenannten Ermessensentscheidungen sind mit dem Typ 2 gemeint. Häufig wird dem Schiedsrichter durch die Regel ein Ermessensspielraum bei der Bewertung der Spielvorgänge eingeräumt, u.a. bei Foulspielen. Doch nicht nur die Feststellung, ob eine Regelübertretung vorlag, sondern auch die Sanktionierung dieser Regelübertretung steht dem SR häufig frei oder zumindest wird sie in der Praxis eher als Mittel der Spielleitung, denn als Sanktionierungsmittel eingesetzt (ausgenommen: Pflicht-Verwarnungen). Typ 3 impliziert die taktischen Entscheidungen, die ein Schiedsrichter zudem trifft, um die soziale Kontrolle über das Spiel zu behalten. Anknüpfend an die im vorhergehenden Typ beschriebenen Spielvorgänge können Verwarnungen sowie Foulentscheidungen dazu verwendet werden, um die ‚Linie‘ innerhalb des angesprochenen Ermessensspielraums so beizubehalten, dass sich keine Mannschaft ungerecht behandelt fühlt. Der Schiedsrichter erzeugt dann bei beiden Mannschaften ein Vertrauen ihm gegenüber, wenn der die Entscheidungen der Typen 2 und 3 gleichmäßig und erwartbar verteilt. Anzumerken ist hier, dass dies nicht willkürlich passieren kann und im Kontext der jeweiligen Partie (bezeichnet Ausgangsbedingungen sowie Charakter der Begegnung) geschehen muss. Wenn ich von Kontext spreche, meine ich damit die Ausgangssituation eines Spiels (Spielniveau, Tabellensituation, Derby u.a.) und den tatsächlichen Spielcharakter (z.B. eine faire, aggressive oder hektische Austragung des Wettkampfes). Die soziale Kontrolle wird also vornehmlich über die letztgenannten Entscheidungstypen hergestellt, in denen sich neben der fachlichen Kompetenz die Persönlichkeit des SR ebenso widerspiegelt.
7
Arbeit zitieren:
Daniel Tielker, 2010, Psychologische Anforderungen und Stress bei Schiedsrichtern, München, GRIN Verlag GmbH
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