Toleranz gegenüber Homosexualität war und ist ein häufig diskutiertes Thema in den Medien. Auch in dem Spielfilm ‚American Beauty„ spielt sie eine große Rolle. In der folgenden Arbeit wird der Film daher aus einem queer-theoretischen Blickwinkel betrachtet und analysiert. Dazu wird der Film zunächst in seinen gesellschaftlichen Kontext eingeordnet und in Form einer ausführlichen Analyse auf seine homosexuellen Aspekte untersucht. Die Arbeit kommt so zu dem Ergebnis, dass es sich um ein gesellschaftskritisches Werk handelt, das demaskiert und sich gegen die Verleugnung von Gefühlen einsetzt.
AMERICAN BEAUTY 3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. American Beauty und die Queer-Theorie 5
2.1. Queer 5
2.1.1. Homosexualität 5
2.1.1.1. US-amerikanische Geschichte der Homosexualität 6
2.1.1.2. Homosexualität und Militär 6
2.1.2. Die Queer-Theorie 6
2.3. American Beauty 8
2.3.1. Queeres„ im Film
10
2.3.1.1. Jim und Jim 10
2.3.1.2. Colonel Frank Fitts 11
3. Fazit 18
Bibliographie
Anhang
Alan Ball ist der Autor des Drehbuchs für das mit fünf Oscars ausgezeichnete USamerikanische Drama „American Beauty“, das 1999 Premiere hatte. Mit Sam Mendes als Regisseur und Conrad L. Hall an der Kamera schrieb er mit diesem Spielfilm Geschichte. Der Film handelt von einem Mann, der sein Leben neu ordnet. Kurz nach seiner erfolgreichen Wendung wird er erschossen - von einem Homosexuellen. Das Interessante daran: Alan Ball selbst ist homosexuell. Bei genauerem Betrachten finden sich im Film viele Facetten zu dieser Thematik. So geht es sowohl um tiefe gleichgeschlechtliche Beziehungen als auch um sexuelle Praktiken und vor allem die Verleugnung und Unterdrückung der eigenen Homosexualität eines Colonels.
Diese Hausarbeit widmet sich eben diesen Aspekten des Films. Nach einer kurzen Darstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse bezüglich der Homosexualität in den USA und des Umgangs mit dieser beim Militär, werde ich eine Einführung in die Queer-Theorie geben, die als Bestandteil der Gender-Studies gilt und mit dieser „als Analysekategorie[…] zur Erforschung gesellschaftlicher Herrschaft über Sexualitäts- und Geschlechterverhältnisse“ dient (Bendl & Walenta, 2007, S. 69). Im folgenden Teil dieser Arbeit wird der Fokus nach einer kleinen inhaltlichen Einführung in den Film auf die homosexuellen Aspekte gelegt. Eine Beschreibung des Paares Jim und Jim zeigt hier die Vorteile einer offen ausgelebten gleichgeschlechtlichen Beziehung auf, während die detaillierte Analyse des Colonel Frank Fitts das tragische Scheitern eines Homosexuellen beleuchtet, der seine Neigungen unterdrückt. In einem Fazit werde ich eine Bezugnahme auf den zeitgeschichtlichen Hintergrund leisten und die zuvor vorgestellten Blickwinkel der Queer-Theorie konkret auf die Ergebnisse meiner Filmanalyse beziehen.
2.1. Queer
2.1.1. Homosexualität
Homosexualität wird gewöhnlich als Bezeichnung für die sexuelle Anziehung zwischen Personen des
gleichen Geschlechts verstanden. Diese Definition scheint weder fragwürdig noch unsicher. Die
theoretische Entscheidung, was Homosexualität ausmacht - oder, pragmatischer gesagt, wer
homosexuell ist - ist dennoch alles andere als selbstverständlich. (Jagose, 1996, S. 19)
Jagose leitet 1996 mit dieser Aussage ihre Ausführung theoretischer Konzepte des gleichgeschlechtlichen Begehrens ein. Vor allem Essentialisten und Konstruktivisten hegen unterschiedliche Ansichten über Homosexualität. Während Essentialisten laut Edward Stein behaupten, „daß [sic] die sexuelle Orientierung einer Person eine Eigenschaft ist, die unabhängig von Kultur existiert, die objektiv und essentiell ist“ (ebd., 1992a, S. 325, zitiert nach Jagose, 1996, S. 21), argumentieren Konstruktivisten, „sie sei kulturabhängig, auf die Umwelt bezogen und vielleicht nicht objektiv“ (ebd., 1992a, S. 325, zitiert nach Jagose, 1996, S. 21).
Eine der bedeutendsten konstruktivistischen Positionen ist zurückzuführen auf den französischen Historiker Michel Foucault. Foucault prägte in seinem Band „Sexualität und Wahrheit“ den Begriff der modernen homosexuellen Identität. Er ist sich bewusst, dass Homosexualität in großem Maße historisch verankert ist und nennt daher einen eindeutigen Beginn des Phänomens:
Man darf nicht vergessen, daß [sic] die psychologische, psychiatrische und medizinische
Kategorie der Homosexualität sich an dem Tage konstituiert hat, wo man sie - und hier kann der
berühmte Artikel Westphals von 1870 über „die conträre Sexualempfindung“ die Geburtsstunde
bezeichnen - weniger nach einem Typ von sexuellen Beziehungen als nach einer bestimmen Qualität
sexuellen Empfindens, einer bestimmten Weise der innerlichen Verkehrung des Männlichen und
Weiblichen charakterisiert hat. (Foucault, 1983, S. 58, zitiert nach Jagose, 1996, S. 23)
AMERICAN BEAUTY 6
2.1.1.1. US-amerikanische Geschichte der Homosexualität
Mit der von Foucault genannten Datierung der Homosexualität geht keineswegs die politisch-rechtliche und gesellschaftliche Toleranz gegenüber homosexueller Neigungen einher. Sogenannte Sodomiegesetze legten alle Praktiken, die nicht der Heteronormativität entsprechen, als strafbar fest. Erst 1969, nach dem als Stonewall bekannt gewordenen Aufstand in New York, bei dem sich erstmalig eine große Gruppierung der Verhaftung widersetzte, begann ein langwieriger Kampf für Gleichberechtigung. Gleichgeschlechtliche Ehen sind in den USA erst seit 2004 möglich.
2.1.1.2. Homosexualität und Militär
Das Militär war in den USA der letzte große Arbeitgeber, der Homosexuelle bis in die 90er Jahre noch explizit diskriminierte. Bis 1993 war es Homosexuellen offiziell verboten, den Streitkräften beizutreten. Bill Clinton einigte sich 1993 mit der Militärführung nach langen Verhandlungen auf die ‚Don‟t-ask,-don‟t-tell-Richtlinie„. Homosexuelle durften somit zum Militär gehören, solange sie ihre homosexuellen Neigungen im Verborgenen hielten. Im Mai 2010 wurde diese Regel nach heftiger Kritik wieder aufgehoben. Erst seitdem können homosexuelle Soldaten offen im US-Militär dienen (vgl. Gabbert, 2007, S. 107-147).
2.1.2. Die Queer-Theorie
1990 wurde die Organisation „Queer Nation“ gegründet. Ihr Slogan lautete: „We‟re here. We‟re queer. Get used to it“.
Früher war der Begriff ‚queer„ im besten Fall ein umgangssprachlicher Ausdruck für ‚homosexuell„
und im schlimmsten ein homophobes Schimpfwort. Seit ein paar Jahren jedoch wird ‚queer„ anders
gebraucht - als Sammelbegriff für ein politisches Bündnis sexueller Randgruppen und zur Bezeichnung
Arbeit zitieren:
Frauke Schoon, 2010, “American Beauty” – Filmanalyse aus queer-theoretischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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