Inhaltsverzeichnis
A) Der Bestseller im Literaturbetrieb Ende des 20. Jahrhunderts 3
1.) Heutige Definition: Der Bestseller 3
2.) Früheres Verständnis und Entstehung der ersten Bestsellerlisten 4
3.) Verschiedene Verfahren zur Ermittlung der Bestsellerlisten 4
4.) Der geplante Bestseller 5
5.) Die Orientierungsfunktion der Bestsellerlisten 6
B) Isabel Allende, „Fortunas Tochter“ 7
1.) Biographische Daten der Autorin 7
2.) Der Roman „Fortunas Tochter“ 9
2.1.) Gliederung und Zeitstruktur 9
2.2.) Inhaltliche Zusammenfassung 10
2.3.) Die Gegenüberstellung der verschiedenen Charaktere 11
2.3.1.) Agustín del Valle 11
2.3.2.) John Sommers 11
2.3.3.) Paulina del Valle 12
2.3.4.) Rose Sommers 12
2. 4) Politische Aspekte in „Fortunas Tochter“ 13
2. 5) Persönliche Stellungnahme zu „Fortunas Tochter“ 14
)C Untersuchung der Faktoren, die zum Erfolg eines Roman beitragen 15
können, am Beispiel von Isabel Allendes „Fortunas Tochter“
1) Popularität und Bekanntheitsgrad der Autorin 15
2
2.) Ausrichtung auf eine klar umrissene Ziellesegruppe 16
3.) Umfangreiche Werbekampagnen 16
4.) Das Erzähltalent der Autorin 16
5.) Der magische Realismus 17
6.) Das Interesse des Lesers an der Kulturgeschichte Lateinamerikas 17
7.) Magie und Geisterglaube 18
8.) Verfilmungen 19
9.) Das Buchcover 19
D) Exkurs: „Fortunas Tochter“: Konformliteratur für die Frau? 20
E) Quellenverzeichnis 23
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A) Der Bestseller im Literaturbetrieb Ende des 20. Jahrhunderts
1.) Heutige Definition: Der Bestseller
„Bestseller“ nennt man Werke der Belletristik oder unterhaltende Sachbücher, von denen sich auf Anhieb mindestens 30 000 Exemplare verkaufen lassen und die Gegenstand des öffentlichen Gesprächs sind. „Best-Bestseller“ dürfen sich solche Bücher nennen, die Auflagen von über 100 000 erreichen, „Steady- oder Dauerseller“ schließlich solche, die ihre hohen Auflagen über Jahre hinweg halten können.
Der Unterschied zwischen einem Roman mit durchschnittlichem und einem solchen mit Bestsellererfolg lässt sich mit Hilfe eines Diagramms nach Hassenforder wiedergeben, denn der Bestseller ist nicht nur durch die Zahl der verkauften Bücher, sondern auch durch ein bestimmtes Verkaufsmuster definiert.
Nach einem ungewöhnlich hohen Absatz bei der Veröffentlichung eines Buches, verhält sich die Verkaufskurve eines Bestsellers anders als die Kurve eines Romanen, der nur einen durchschnittlichen Verkaufserfolg - gekennzeichnet durch eine steil ansteigende Kurve, die dann jedoch flach abfällt und sich nach etwa einem Jahr der Nullgrenze nähert- aufweisen kann. Die Kurve eines Bestsellers unterscheidet sich von dieser zu erwartenden Kurve insofern, als dass sie sich nicht dem Nullpunkt nähert, sondern in „unregelmäßigen Intervallen“ 1) wieder ansteigt und sich der Erfolg eines Bestsellers so im Verlauf der Jahre „multipli-ziert“1 ) . Grafisch lässt sich diese Entwicklung als „Wellenbewegung“ 2) darstellen. Eigentlich dürfte ein Buch also erst nach jahrelangen Beobachtungen der Verkaufszahlen als Bestseller bezeichnet werden.
Es genügt jedoch nicht, darauf zu warten, dass Qualität sich durchsetzt, denn nicht nur sie allein entscheidet über den Erfolg eines Buches. Eine Statistik, nicht die eigentliche Qualität eines Romans soll Auskunft darüber geben, ob ein Buch zu Recht als Bestseller bezeichnet werden darf oder nicht. So wird die Quantität des Erfolges nur allzu oft als Qualität angese- hen.
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2.) Früheres Verständnis und Entstehung der ersten Bestsellerlisten
1895 erscheint der Begriff „Bestseller“ erstmals in den USA. Harry Thurston Peek, Herausgeber der amerikanischen Zeitschrift „The Bookman- A Journal of Literature and Life“, stellt eine Liste der meistverkauften Bücher zusammen und beginnt
mit der monatlichen Veröffentlichung der „Books In Demand“. Das kulturelle Phänomen „Bestseller“ reicht also bis in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts zurück. Voraussetzung für diese Entwicklung stellt die Entstehung und schließlich die Ausweitung des Lesepublikums dar. Als der Buchhandel zu einer „aktiveren Steuerung des literarischen Marktes“ 2) übergeht, wird schließlich auch die „Tendenz zum Kulturkonsum, d.h. zum kontinuierlichen und raschen Verbrauch von Literatur“ 1) deutlich. Technologische Fortschritte auf dem Gebiet der Buchherstellung ermöglichen Massenproduktionen, die den historischen Vorläufer des heutigen Bestsellerromans, den „Feuilletonroman“, hervorbringen. Die Bezeichnung „Bestsel- ler“ kannsich dank Harry Thurston Peek rasch durchsetzen, Fiktion und Sachbuch werden zu dieser Zeit jedoch noch gemeinsam aufgeführt und die Angaben der Verkaufszahlen nur durch 20 bis 30 führende Buchhandlungen gestützt.
1912 erscheint erstmals eine Bestsellerliste, die Fiktion und Sachbuch unabhängig voneinander und gesondert bewertet, und die Zeitschrift „The Publishers Weekly“ erhöht die Anzahl der befragten Buchhandlungen auf 70 bis 100.
1917 wird zusätzlich eine Bestsellerliste der „Kriegsbücher“ aufgestellt, die ebenfalls ein beträchtliches Publikumsinteresse auf sich ziehen, das jedoch eher kurzlebig ist. Romane, die „die Tabuisierung sozialer, politischer und gesellschaftlicher Probleme“ 1) aufgreifen, werden auch weiterhin bevorzugt, denn die Leser entstammen überwiegend dem kleinbürgerlichen Publikum und der Lesestoff wird hauptsächlich für die sozialen Unterschichten produziert. Insbesondere Angestellte der Mittelschicht, die sich durch das Lesen eine Verbesserung ihres Ansehens erhoffen und versuchen, sich „per Bestsellerzrezeption in die bildungsbürgerliche Lesekultur emporzulesen“ 1) , sollen angesprochen werden. Zu dieser Zeit wird die massenhafte Verbreitung von Büchern jedoch nur von wenigen Spezialisten der Buchwissenschaft untersucht. Die Existenz von Bestsellern ist zwar durchaus allgemein bekannt, doch massenhafte Verbreitung von Literatur und Qualität scheinen sich auszuschließen und von Bestsellern ist in Kreisen der Oberschicht nur herablassend die Rede. Was dem Geschmack der breiten Massen entspricht, wird nicht als „wertvolle Literatur“ 2) angesehen, man versucht eine gewisse Distanz zur kleinbürgerlichen Gesellschaft zu wahren. Folglich verliert jedes Werk, das einen außergewöhnlichen Verkaufserfolg vorweisen kann, schon aus diesem Grund an Qualität und scheint der kritischen Analyse nicht mehr würdig. 3.) Verschiedene Verfahren zur heutigen Ermittlung der Bestsellerlisten In der heutigen Zeit sucht das häufigste Verfahren nach einem möglichst repräsentativen Ausschnitt aller Buchhandlungen, die direkt nach den Verkaufszahlen befragt werden. Diese Verkaufszahlen werden schließlich in Bezug auf die Gesamtheit aller Buchhandlungen bewertet. Wenn sich ein Institut nun - aus Versehen oder mit Absicht- an überproportional viele akademische Buchhandlungen wendet, während ein anderes überwiegend oder sogar ausschließlich Bahnhofsbuchhandlungen befragt, lassen sich auch die unterschiedlichen Ergebnisse deuten. Ob ein Institut wirklich unabhängig handelt oder schon auf eine bestimmte Zielgruppe hinarbeitet, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
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Zweifel an der Objektivität dessen, was als objektive Information gilt, sind jedoch nicht auszuschließen. Nur wenn alle Buchhändler, die nach den Verkaufszahlen einzelner Titel befragt werden, mit ihren Kassen an den Computer des Verlag, der sich um die Erstellung einer Bestsellerliste bemüht, angeschlossen wären, könnte das Ergebnis hundertprozentig, also objektiv sein. Viele Buchhändler verfügen aber nicht einmal über einen Computer. Können sie einen „Seller aus dem Keller“ zaubern, also einen „Ladenhüter“ als „Verkaufsschlager“ hinstellen, in der Hoffnung, ihn dank der Bestseller Listen erst zum Verkaufsschlager zu machen? Kaum. Dann müßten schließlich sehr viele der befragten Buchhändler mit ein und demselben Titel danebengegriffen oder sich untereinander abgesprochen haben, was bei rund 70 000 Neuerscheinungen im Jahr auszuschließen ist.
Schließlich stellt sich auch die Frage, welche Bücher überhaupt in die Listen aufgenommen werden dürfen. Bestimmte Schullektüren wie der Dauerbrenner „Faust“ würden so schließlich ständig die ersten Plätze der Bestsellerlisten belegen. Den Begriff „Belletristik“ klar zu definieren, birgt also gewisse Schwierigkeiten. So werden auch die erfolgreichsten Dauerseller, die trivialen Heftchenromane, nur selten zum Gegenstand öffentlicher Diskussionen. „Wildwest- und Kriegshefte, Liebes-, Arzt und Frauenromane“ 5) werden für ein Massenpublikum produziert und landen bei einer wöchentlichen Auflage von durchschnittlich etwa 300 000 Exemplaren pro Heft in den Händen von mehreren Millionen Kunden pro Wochenauflage. Beschränkt man sich jedoch auf die Beobachtung „wertvoller Literatur“ 2) , so lassen sich zwei Arten von Bestsellern unterscheiden: auf der einen Seite diejenigen, die auf Grund ihres „literarischen Ranges“ 2) eine große Lesergemeinde ansprechen und zu begeistern wissen, auf der anderen Seite diejenigen, welche infolge ihrer Anpassung an den Geschmack und die Erwartungen des Kunden das Interesse der Masse wecken. Werken der „Belletristik“ steht die ständig
wachsende Sparte des „Sachbuches“ gegenüber. Naturwissenschaftliche Bereiche werden „bestsellerfähig“ 1) gemacht, der Bestand der Sachbuchbestseller erweitert und insbesondere die Geschichtswissenschaften hervorgehoben. Der Roman stellt innerhalb der Belletristik zwar noch immer das am stärksten vertretene Bestsellergenre dar, aber auch „Biographien“, „Prominenten-Memoiren“ 1) und „fiktionale Autobiographien“ 1) wirken mittlerweile eine nicht zu verachtende Anziehungskraft auf das Lesepublikum aus.- 4.)Der geplante Bestseller
Solch enorme Auflagehöhen lassen sich nur durch ein sehr durchdachtes „strategisches Konzept“ 5) erzielen und auf dem Buchmarkt durchsetzen. Die Planung von Bestsellern ist in den letzten Jahren in ein neues Stadium getreten und die Tendenz geht zum „programmierten Bestseller“ 2) . Das Buch muss als Gesprächsstoff angeboten werden, um eine Veröffentlichung zu rechtfertigen und dem Verlag die Abdruckrechte zu sichern.
Heute ist dafür in erster Linie der Verlag zuständig, aber auch der Vertrieb hat ein Mitspracherecht, insbesondere dann, wenn ein Verlag auf einen Verkaufserfolg angewiesen ist. Großverlage können in der heutigen Zeit auf Bestseller gar nicht mehr verzichten. Durch den
Arbeit zitieren:
Kathrin Morawietz, 2003, Der Bestseller im Literaturbetrieb am Beispiel Isabel Allende, München, GRIN Verlag GmbH
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