Inhalt
1. Einleitung 2
2. Konstruktion der Männlichkeit - Bourdieu und Connell 4
2.1.Pierre Bourdieu: Männliche Herrschaft 4
2.1.1 Konstruktion von Körper und Inkorporation von Herrschaft und Männlichkeit 5
2.1.2 Männlicher Habitus, die männliche Herrschaft, Gewalt und weibliche
Komplizenschaft 7
2.2 Robert W. Connell: Hegemoniale Männlichkeit 9
2.2.1 Soziale Konstruktion der Geschlechter und der Männlichkeit 10
2.2.1.1 Das soziale Geschlecht und die Geschlechterverhältnisse 11
2.2.1.2 Hegemoniale Männlichkeit und die Beziehung zwischen Männlichkeiten 13
3. Vergleich und Resümee 16
4. Kritik, Bezug und Diskussion 18
Konklusion 21
Literaturverzeichnis 22
Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“, sagte die Feministin Simone de Beauvoir. Diese Aussage ist vice versa auf den Mann zutreffend, denn auch der Mann wird zu dem „gemacht“ was tradiert Mann bzw. Männlichkeit bedeutet. Was der Mann ist oder zu sein scheint, ist gesellschaftlich konstruiert und folgt einer (konstruierten) sozialen Ordnung. Als Mensch wird er in die Welt geboren, sozialisiert, auf bestimmte soziale Praktiken konditioniert die zur Einverleibung führen und dem Anschein nach naturgemäß sind. Demnach ist„[…] die Praxis der Ort der Dialektik von opus operatum und modus operandi, von objektiven und einverleibten Ergebnissen der historischen Praxis, von Struktur und Habitusformen [...].“ 1 (Bourdieu, 1993, S.98). Der Lebenslauf ist gekennzeichnet durch verschiedene Sozialisationsphasen die allesamt institutionelle Hintergründe haben und die dem Menschen die Praktiken vorleben und einverleiben: Familie, Schule, Ehe, Arbeitswelt etc..
Wir befinden uns in einer männerdominierenden Gesellschaft in der der Mann durch die gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Strukturen, die er konstruiert hat, bevorteilt ist. Das zeigt sich explizit, wenn wir den Blick in ökonomische, politische und sexuelle Spielfelder richten. Vorteile für den Mann bedeuten Nachteile für die Frau: Ungleichheiten die seit Jahrhunderten existieren, denn „es sind Männer, die den Staat, die Großunternehmen und die Mittel der Gewaltausübung kontrollieren.“ (Connell, 1999, S.13).
Viele WissenschaftlerInnen haben sich überwiegend mit „Frauenthemen“ auseinander gesetzt. Betrachten wir die „Frauenthemen“ sehen wir ebenfalls „Männerthemen“. Das Geschlecht, explizit das männliche als soziale und gesellschaftliche Konstruktion, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit, weil konstatiert wird, dass das Geschlecht eine zentrale Dimension von sozialen Disparitäten ist (vgl. Meuser, 1998, S.105). Die Disparität der Gestalt des dichotomen Geschlechts besitzt einen Ursprung und gilt als erklärungsbedürftig, weil die Ungleichbehandlung dessen ungeklärt ist. Diese Arbeit bezieht sich insbesondere auf die Konzepte der männlichen Herrschaft von Pierre Bourdieu und der hegemonialen Männlichkeit von Robert W. Connell. Der Hintergrund des hier dargelegten Vergleichs richtet sich an die Annahme einer Verbindung der theoretischen Sichtweisen.
1 Opus operatum und modus operandi sind bei Bourdieu die Dimensionen des Habitus. Opus operatum ist das Ergebnis inkorporiertem individuellem und kollektivem, dem Vergessen anheim gegebener Geschichte, vergeschlechtlichtem Habitus (Dölling, 2009, S.173) und modus operandi der vergeschlechtlichend wirkende Habitus.
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Diese Annahme der Verbindung besteht deshalb, weil die beiden Denkansätze in Ihren Grundaussagen kompatibel scheinen: Beide Ansätze schließen die biologische Entität der Geschlechter aus und behaupten, dass das Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, das einer konstruierten sozialen Ordnung folgt. Beide Denker beobachten eine Manifestation der konstruierten Männlichkeit in der sozialen Praxis. Das zeigt sich in der Sprache, Handlung, Körpersprache und Sexualität. Soziale Praxis ist körperliche und sozial strukturierte Praxis. So kann gesagt werden, dass Männlichkeit Ausdruck männlicher Praxis ist. Beide gehen von einer Variabilität dieser Praxis aus. Bourdieu verdeutlicht hierbei jedoch mehr die funktionale Bezogenheit von objektiven Strukturen und subjektiven Ungleichheiten; schließt aber dabei Veränderungen per se nicht aus. Die Männlichkeit (und ihre unterschiedlichen Ausprägungsformen und Muster) werden von Beiden kultur- und/bzw. milieubedingt betrachtet. Sie setzen voraus, dass das Geschlecht als sozialstrukturelle Kategorie zum einen auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau wirkt und zum anderen zur Differenzierung beiträgt. Der Hauptaspekt beider ist der, dass sie grundsätzlich von einer patriarchal strukturierten Gesellschaft im Sinne einer männlichen Hegemonie ausgehen.
Einige zentrale Fragen sollen mit dieser Hausarbeit geklärt werden:
• Wie ist männliche Hegemonie entstanden bzw. konstruiert worden?
• Wie konnten sich diese Strukturen über Jahrhunderte hinweg ihre Selbstverständlichkeit und Legitimität sichern?
• Warum sind patriarchale Strukturen noch heute ubiquitär?
• Wie können die Strukturen der männlichen Hegemonie bzw. Männerherrschaft verändert bzw. überhaupt beendet werden?
Um diese Fragen zu beantworten werden im Folgenden beide Konzepte einzeln in der Methode und Theorie betrachtet, um sie dann im Anschluss gemeinsam zu analysieren. Im letzten Teil der Arbeit werden die Konzepte kritisch betrachtet, diskutiert und in aktuelle Bezüge eingeschlossen.
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2. Konstruktion der Männlichkeit - Bourdieu und Connell
2.1.Pierre Bourdieu: Männliche Herrschaft
Der französische Soziologe Pierre Bourdieu stellte sich in seinem Aufsatz „Die männliche Herrschaft“ die Frage, warum sich Formen männlicher Herrschaft bis in die heutige Zeit behaupten konnten und warum in verschiedenen Kulturen analoge Herrschaftsformen anzufinden sind. Bourdieu versucht anhand seines methodologischen Kunstgriffs 2 zu analysieren und zu erklären, wie es überhaupt zu einer Einteilung der Welt in männlich und weiblich kam, wie es weiterhin zu einer Form männlicher Dominanz kommt und wie diese sich kontinuierlich behaupten kann. Er beobachtete über Jahre die kabylische Gesellschaft in Algerien, analysierte deren Verhalten und übertrug dieses auf die westliche Gesellschaft („Ein vergrößertes Bild“) bzw. versuchte Parallelen aufzuweisen. Sein Hauptaugenmerk galt den Praktiken, mit denen den Frauen die Selbstverständlichkeit der Herrschaft des Mannes suggeriert, wie sie ihnen einverleibt wurden und was dazu führte, dass Frauen die männliche Herrschaft sogar unterstützten. In diesem Gefüge spricht er die „symbolische Gewalt“ an, die zwar keinerlei physische Gewalt impliziert, aber durch die Herrschaftsmuster durchgesetzt werden, welche die Frauen wiederum unwillkürlich verinnerlichen. Sie werden als naturgemäß und legitim angesehen und weder von Frauen noch von Männern reflektierend hinterfragt. Bourdieus konstituierende Begriffe wie Habitus, sozialer Raum, Feld, Doxa, Einverleibung, Hexis sind Grundlagen, um ein Konzept von einer „systematischen und kohärenten Konstruktion“ (Dölling, 2009, S.173) von männlicher Herrschaft zu entwickeln. Bourdieu sagte, dass die Herrschaftsmuster in den Habitus übergehen und somit in die Bewertungs-, Handlungs- und Wahrnehmungsmuster eines jeden Individuums. Damit erklärt er, dass die männliche Herrschaft unhinterfragt in den Handlungen und im Verhalten von Männern und Frauen wiedergegeben wird. Bourdieu stellt nicht nur die Frau als Opfer dar. Er betrachtet auch den Mann als solches, der ein Unbehagen im Hinblick auf die Geschlechterordnung empfindet, weil der Mann das Herrschaftsmuster ebenso in seinem Habitus verinnerlicht hat und so dazu gezwungen ist, dieses Muster weiterhin auszuleben. Er ist sozusagen Herrschender, aber auch den herrschenden Vorstellungen Unterworfener. Im Folgenden wird dargestellt, dass Bourdieu mit seinem Konzept der männlichen Herrschaft in
2 Bourdieu greift auf seine eigene ethnologische Forschung zurück, um zu verhindern, dass bei der Erklärung der männlichen Herrschaft auf die Denkweisen zurückgegriffen wird, die eben selbst das Resultat dieser Herrschaft sind (vgl. Bourdieu, 2005, S.14).
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Verbindung mit dem Habituskonzept, den Geschlechterungleichheiten einen methodischen Überbau liefert.
2.1.1 Konstruktion von Körper, Inkorporation von Herrschaft und Männlichkeit „In Wirklichkeit ist alles ganz anderes“ (Proust)
Die kabylische Gesellschaft kennt die soziale Differenzierung und Herrschaft nur nach dem Geschlecht (vgl. Rademacher, 2002, S.146). Für sie ist die Sexualität nicht konstituiert und die Geschlechterordnung ist in Dichotomien gegliedert. Bourdieu beschreibt, dass diese Dichotomien naturgemäße und homologe Gegensätze sind: hoch/tief, oben/unten, heiß/kalt, drinnen(privat)/draußen(öffentlich), aktiv/passiv etc. (vgl. Bourdieu, 2005, S.18, Flashar, 2006, S.315, Gottschalch, 1997, S.32 ff.). Diese Dichotomien der Geschlechter können bis in Antike zurückgeführt werden. In ihnen liegt der Ursprung der geschlechtlichen Zuweisung von homologen Gegensätzen. Durch die körperlichen Unterschiede der Geschlechter wirken die Zuweisungen naturgemäß und normal. Männlich und weiblich stellen einen Gegensatz dar, sind ungleich und entsprechende Konnotationen können zugeschrieben werden. „Sie sind gleichermaßen [...] in der ganzen sozialen Welt - in inkorporierten Zustand- in den Körpern, in den Habitus der Akteure präsent, die als systematisches Schemata der Wahrnehmung, des Denkens und Handels fungieren.“ (Bourdieu, 2005, S.20). Folglich ist der Körper eine geschlechtlich differente Tatsache, der vergeschlechtlichende Einteilungsprinzipien erlaubt und damit eine „reale“ Beziehung zur Welt schafft und die Praxis der Geschlechter naturgemäß und natürlich erscheinen lässt. Unhinterfragt und legitim bleibt dabei auch die Macht der männlichen Ordnung. Dadurch erreicht die androzentrische Sicht eine Neutralität. Bourdieu spricht in gleicher Art die soziale Ordnung an, die mit der sozialen Praxis (praktischer Sinn 3 ) einhergeht und die androzentrische Strukturen hat. Aus der sozialen Ordnung 4 folgt die geschlechtliche Arbeitsteilung, eben die Verteilungen der Arbeiten nach Ort, Zeit, Raum und Mitteln. So obliegt den Männern das Außen (Versammlungen oder der Markt), den Frauen das Innen (das Haus). Der Körper mit seinen biologischen Unterschieden dient dabei als Legitimation des „[...] gesellschaftlich konstruierten Unterschieds zwischen den Geschlechtern [...]“ (Bourdieu, 2005, S.23). Des
3 „Die Klassifizierungen (selbst Ausdruck eines kollektiven Unbewussten) werden von den handelnden Individuen unbewusst eingesetzt, und sie sind - als die verkörperlichte Existenz des Geschlechtsklassifikationen - „dem Zugriff des Bewusstsein und der rationalen Argumentation entzogen“ (Dölling, 2009, S.174)
4 Die Funktion der sozialen Ordnung liegt in der Zuweisung der vorteiligen Arbeitsteilung für die Männer. Demnach muss sie aus androzentrischer Sicht erhalten bleiben. Zudem erbringt die soziale Ordnung nicht nur gesellschaftliche Vorteile, sondern auch und insbesondere ökonomische Vorteile. Aspekte wie Akkumulation von Privatvermögen, Vererbung, vaterrechtliche Vorteile etc. spielen hierbei eine Rolle. (vgl. Bourdieu, 2005, S.20 ff.)
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Arbeit zitieren:
BA Sozialwissenschaften Stefanie Neidhart, 2011, Konstruktion von Männlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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