Gliederung
1. Einleitung
1.1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2. Abgrenzung zum Windsurfen
2. Historische Entwicklung
2.1. Ursprung und Entdeckung
2.2. Verbreitung
2.3. Entwicklung zum Massensport in den USA und Australien
2.4. Entwicklung in Europa
2.5. Situation heute
3. Analyse
- Ist Surfen noch ein Trendsport oder schon eine etablierte Sportart?-
3.1. Einführung
3.1.1. Das Entwicklungsmuster nach Lamprecht / Stamm
3.2. Genese und Entfaltung des Surfens
3.2.1. Phase der Invention
3.2.2. Phase der Innovation
3.2.3. Phase der Entfaltung und des Wachstums
3.2.4. Phase der Reife und Diffusion
3.2.5. Phase der Sättigung
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
„Surfen ist bei Weitem mehr als nur ein Sport. Surfen ist eine Mentalität, ein Lebensinhalt, eine Kunstform. Und vor allem ist Surfen eine große physische Herausforderung. Man setzt sich einer der größten Urgewalten aus und ist dabei lediglich mit einem Gummianzug bekleidet und mit einem kleinen Board aus Glasfaser bewaffnet. Mit dieser Minimalausstattung findet man sich im weiten Ozean wieder. Die Größe der Wellen, die einen umgeben, kann sehr einschüchternd sein. Eine Kombination aus Angst, Freude und hundertprozentiger Konzentration reitet immer mit“ 1 .
So definiert Pinkernell die Sportart Surfen. Ähnliche Definitionen finden sich zu Hauf in der Fachliteratur. Doch was macht diese Jahrtausende alte Sportart zu einer Trendsportart (laut Schwier)? 2 Dieser Frage möchte ich in den folgenden Kapiteln wissenschaftlich nachgehen.
Zunächst einmal erfolgt allerdings eine kurze Abgrenzung des Surfens zum Windsurfen, um möglichen Missverständnissen vorzubeugen. Im zweiten Kapitel wird die historische Entwicklung und Verbreitung des Surfsports bis in die Gegenwart ausführlich dargestellt. Danach erfolgt ein kurzer Überblick über verschiedene Definitionen des Begriffs Trendsport mit anschließender Analyse bezüglich der Einstufung der Sportart Wellenreiten als Trendsportart (Kapitel 3). Im Anschluss folgt das Fazit mit der Beantwortung der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Frage.
1.2 Abgrenzung zum Windsurfen
Person 1: „Und was hast Du so am Wochenende gemacht?„„ Person 2: „Ich war surfen.„„ Person 1: ‚‚Du auch? Mensch, ich auch! Wo warst‟n? Ich war am Gardasee.“ Person 2: ‚‚Im Eisbach.„„ (rein fiktiver Dialog zwischen zwei Münchenern)
So oder so ähnlich könnte ein Gespräch in München verlaufen. Dieser Dialog steht stellvertretend für die zahlreichen Missverständnisse, die auftreten, wenn man über
1 Pinkernell, Fiona. ‚‚Surfen - Das Spiel mit den Wellen„„. 2008, S.12
2 Schwier, Jürgen. ‚‚Do the right things„„ - Trends im Feld des Sports. 1998, S.9 Abb. 1
3
das Surfen spricht. Die Person 1 spricht vom Windsurfen mit Segel, während die zweite Person vom Surfen auf einer Welle ohne Segel spricht (auf den Unterschied beim Surfen auf einer Flusswelle anstatt im Meer wird hier nicht weiter eingegangen, das Beispiel München bot sich aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten einfach an).
Gegenstand dieser Arbeit ist das Wellenreiten, d.h. das Surfen (oder Reiten) auf einer Welle mit einem Surfbrett ohne Segel. Einzig und allein das Surfbrett dient als Hilfsmittel zur Ausübung dieser Sportart.
2. Historische Entwicklung
2.1. Ursprung und Entdeckung
Wann Surfen zum ersten Mal praktiziert wurde, weiß niemand genau. In der Literatur finden sich unterschiedlichste Zeitangaben. Nach Pinkernell „...(stiegen) die ersten Menschen um ca. 400 v.Chr. ( ... ) auf die Bretter (...)“ 3 . Tim Baker 4 listet das Jahr 1000 als Entstehungsjahr und Strauss/Götze 5 sprechen von Höhlenmalereien, die aus dem 12. Jahrhundert stammen.
So uneinig sich die Fachwelt über den Zeitpunkt der ersten Surfversuche ist, so einig ist sie sich über den Entstehungsort. Die Wurzeln des Surfens gehen auf die Polynesier zurück, ein Volk, das in Harmonie mit dem Meer lebte. Männer und Frauen aller Altersstufen und Klassen nutzten ihre freie Zeit, um die Wellen mit dem Körper, einer Planke oder einem Kanu „ abzureiten“. Außerdem unternahmen sie Expeditionen über Tausende von Seemeilen, was dazu führte, dass sich das Wellenreiten mit der Wanderungsbewegung der Polynesier über den Pazifik verbreitete, bis zur entlegensten Inselgruppe der Welt - dem hawaiianischen Archipel. Nirgends war dieser Sport so kulturprägend wie auf Hawaii. Nach ihrer Ankunft erblühte dort eine Zivilisation, die an ihren traditionellen polynesischen Werten festhielt, ihre Mythologie und ihren Lebensstil aber an die hawaiianischen Inseln anpasste. So ließ man auf Hawaii die tägliche Arbeit ruhen, so bald gute Wellen an der Küste brachen. Sogar das
3 Pinkernell,Fiona, Das Spiel mit den Wellen,2008 S.19
4 Baker Tim,, Surfen, 2008, S.22
5 Strauss, Stefan und Götze Ralf; Wave Culture - Faszination Surfen; 2005, S. 15
4
Königshaus erfreute sich am Surfen und reservierte sich die besten Küstenabschnitte für die alleinige Nutzung.
„ Die Hawaiianer verbanden eine tiefe Leidenschaft mit dem Surfen und der mächtigen Energie des gewaltigen Ozeans, der sie umgab. Sie hatten fast so viele verschiedene Namen für verschiedene Arten von Wellen und Brechern wie die Eskimos Bezeichnungen für Schnee. Während längerer, wellenloser Perioden zelebrierten sie Rituale, bei denen sie den Ozean symbolisch mit Tang peitschten und dazu sangen, um so ein Anschwellen der Wogen heraufzubeschwören.“ 6
Abbildung 1, Einsamer Surfer bei Waikiki in den 1890ern; Kampion/Brown S.29
Der erste schriftliche Bericht über das Surfen wurde von Kapitän James Cook, dem europäischen Entdecker der Hawaii - Inseln, im Jahre 1778 verfasst. Er äußerte sein Erstaunen über das Geschick der Eingeborenen, mit einem Holzbrett in der Brandung zu gleiten. Die Ankunft der Europäer hatte verheerende Auswirkungen auf die hawaiianische Bevölkerung und ihre Kultur. Sie brachten Krankheiten, Alkohol und eine neue Religion mit. (Strauss/Götze)
Bei Cooks Ankunft wurde die einheimische Bevölkerung auf ca. 400.000 Menschen geschätzt. Zwölf Jahre später waren nur noch 30.000 - 40.000 hawaiianische Ureinwohner am Leben. Die starke Dezimierung ist auf die eingeschleusten europäischen Viren und Bakterien zurück zu führen. (Pinkernell)
Anfang des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Missionare auf die Inseln und die Christianisierung begann. Die enge Verbindung des Surfens mit Nacktheit, Sexualität, Wettspielen, Ungezwungenheit, naiver Freude und Freiheit widersprach den
6 Kampion Drew/ Brown Bruce; Die Geschichte des Surfens, 2003, S. 30
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Arbeit zitieren:
Jannik Siggemann, 2011, Von der Erfindung zur Etablierung - Eine historische Abhandlung der Trendsportart Surfen, München, GRIN Verlag GmbH
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