„Spieglein, Spieglein an der Wand. “ 1
1 Henss, Ronald (1992): "Spieglein, Spieglein an der Wand " Univ, Weinheim, Saarbrücken.
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1. Einleitung
Im Märchen Schneewittchen fällt die Antwort unmissverständlich aus. Doch welcher Spiegel sagt uns in der Wirklichkeit, welcher Mensch schön ist? Wo setzen wir den Maßstab für die Schönheit des Menschen an? Dass diese Fragen aufkommen ist natürlich, da Schönheit allgegenwärtig in unserer Gesellschaft ist. Beschäftigt man sich mit dem Thema Schönheit darf man heutzutage nicht mehr nur die weibliche Komponente beachten, sondern auch Männer müssen betrachtet werden. Wir haben uns mit dem Thema Schönheit und Soziale Ordnung beschäftigt und beginnen wollen wir mit der historischen Entwicklung des Schönheitsverständnisses und dem damit verbundenen Mythos des schönen Geschlechts. Weiter geht es dann mit Schönheit und deren Auswirkungen, der Unterteilung der Attraktivität in verschiedene Dimensionen und einem Ausblick, der aufzeigen soll, was uns im Bezug auf Schönheitsideale und Schönheitsdruck noch zu erwarten hat.
2. Das schöne Geschlecht
Ungeachtet das Schönheit kein Phänomen mehr rein für Frauen ist, gehört die Zuschreibung der Frau zum schönen Geschlecht nicht der Vergangenheit an. 2
2.1 soziale Kategorie
Simone de Beauvoir ist der Meinung, dass man nicht als Frau zur Welt kommt, sondern das man zur Frau wird. Man geht demzufolge davon aus, dass kulturelle Bilder auf einen Menschen projiziert werden, wie auf eine leere Platte. Der Mensch wird somit zum Körper, in dem sich das soziale Geschlecht verwurzelt. Diese Vorstellung vernachlässigt aber den Prozess der Vergeschlechtlichung. Hieran kann man auch die Komplexität der Kategorie Geschlecht erkennen und man kann sagen, dass Geschlecht ein Konstrukt ist. Wenn man Geschlecht als soziale Kategorie sieht sind Frauen das schöne Geschlecht, somit kann man sagen, dass körperliche Attraktivität wichtiger ist als bei Männern. Auch die Zurückweisung bei nicht normgerechtem Aussehn ist heftiger. Frauen werden also nach ihrem Aussehen beurteilt und nicht nach ihrem Handeln. Daher kann man sagen, dass der Körper der Frau wichtiger Faktor für ein stabiles Selbstwertgefühl ist. Aber von Natur aus sind Frauen nicht das schöne Geschlecht, dies sieht man bei Tieren, denn hier sind die Männchen die Brachtvollen, die um ein unscheinbares Weibchen werben. Man muss aber auch beachten, dass das Geschlechterverhältnis nicht mehr geregelt ist, denn es existiert eine Vielfalt an Formen und Intensitätsgraden gesellschaftlicher Differenzierung und Ungleichheit. Dementsprechend vollzieht sich
2 Posch, Waltraud (2009): Projekt Körper. Wie der Kult um die Schönheit unser Leben prägt. Frankfurt am Main:
Campus.
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eine Neutralisierung von Geschlecht als Kategorie sozialer Ordnung. 3 , 4 , 5
2.2 historische Entwicklung
Das Schönheitsideal ändert sich je nach der jeweiligen Epoche. Dies kann man am abwechselnden Ideal des Körperumfanges sehen. So war in der Antike das Schönheitsideal das Makellose und Ebenmäßige und im Barock galten Frauen und Männer als besonders schön, wenn die groß und korpulent waren, den dies war ein Anzeichen für Wohlstand und Gesundheit. Die historische Entwicklung des Schönheitsverständnisses begann Mitte des 18 Jahrhunderts. Hier war das Avancieren des eigenen Körpers Männer- und Frauensache. Die Zuordnung der Frau zum schönen Geschlecht erfolgte mit der Französischen Revolution aufgrund der sozialen und politischen Veränderung und dem damit verbundenen veränderten Menschenbild. Ab diesem Zeitpunkt war der Platz des Mannes das Büro oder die Fabrik und seine Kleidung wurde funktional. Dies bewirkte auch eine Wendung zum Maskulinen. Der Reichtum wird nun über die Frau präsentiert indem sie Schmuck und Pelze trägt. Schönheit wird vom Vorrecht, zur Last.
Vor diesem Wandel versorgten Mann und Frau die Familie, jetzt aber herrscht eine strenge Trennung. Die Erwerbstätigkeit war Aufgabe des Mannes und die Frau war für den Mann zuständig. Nun steht der Schönheitsmythos im Zusammenhang mit der Auffassung der Ehe, denn diese ist nicht mehr ökonomisch, sonder eine Liebesheirat in der die Rollen klar verteilt sind. Sie ist nur zu seinem Liebesglück da, eigenes Begehren darf sie nicht zeigen. Da der Frau ohne einen Mann der soziale Abstieg droht, wirbt sie durch Anmut und körperliche Attraktivität einen Gatten. Heute brauchen Frauen eigentlich keinen Mann mehr zur Existenzsicherung, daher müssten sie eigentlich nicht mehr schön sein. Ihnen werden die Eigenschaften Schönheit, Sanftheit, Zurückhaltung, Schwäche, Konfliktvermeidung und Abhängigkeit zugeschrieben, aber Frauen entsprechen diesen Eigenschaften immer weniger und dadurch wird Schönheit so wichtig, weil die anderen Eigenschaften verblassen. Somit wird Hässlichkeit mit Gleichgültigkeit gegenüber Schönheit gleichgesetzt und Unattraktivität ist dann die totale Abwertung der gesamten Person.
Schönheit ist keine reine Privatsache sie spiegelt wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit wider. Früher war Schönheit ein Schichtphänomen und war somit der Oberschicht vorbehalten. Die Stellung wurde also durch Kleidung präsentiert. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es einen Durchbruch und die Schönheitssymbole durchdrangen alle sozialen Schichten und ab der Jah-rundertwende wurde es zu einem Massenphänomen. Daher lassen sich Rangunterschiede nur noch schwer feststellen, dennoch kann man das Einkommen oder wie viel Geld man für sein Äußeres
3 Heintz, Bettina (2001): Geschlechtersoziologie. Wiesbaden: Westdt. Verl (Sonderhefte, 41). S.9-11
4 Posch, Waltraud (1999): „Körper machen Leute“ - Der Kult um die Schönheit, Campus Verlag, S. 16-22, 194-202
5 Schaufler, Birgit (2001): "Schöne Frauen - starke Männer". Univ, Opladen, Augsburg. S. 93
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ausgibt erkennen. Trotzdem ist Schönheit individuell, denn wie ein Mensch aussieht sagt nichts darüber aus, wie er sich fühlt oder wie er sich selbst sieht. Im 20. und 21. Jahrhundert entsprachen Schlanke dem westlichen Schönheitsideal und Ende des 20. Jahrhunderts waren es sogar magere androgyne Körper. Dies ist auch dem zunehmenden Jugendkult in der Gesellschaft geschuldet. Aber aufgrund der demographischen Entwicklung der Bevölkerung wird die Intensität der Anwesenheit älterer Personen in Kunst und Medien steigen und man wird sich daran gewöhnen müssen, dass man immer mehr Ältere in der Werbung sieht, auch wenn man hier nach jugendlichen Kriterien bearbeitete Bilder vorfinden wird. 6 , 7
2.3 Entwicklung des Schönheitsverständnis in der Literatur
Die Charakteristiken der Symmetrie und Harmonie repräsentierten in allen Künsten, also auch in der Literatur die Grundlage zur Bestimmung des Schönen. Die jeweiligen Schönheitsideale der unterschiedlichen Epochen konnten mit Hilfe der Kunst und der Medien verbreitet und auch nachvollzogen werden. Aber die Schönheit wird nicht nur ausgedrückt durch die Literatur, sondern es besteht eine wechselseitige Beeinflussung von Realem- und Kunstkörper. Die Bezeichnung Schönheit wird mit Inhalten verknüpft, die man nicht in der Ästhetik lokalisiert, sondern die ethischer, machtpolitischer, philosophischer, religiöser und sozialer Herkunft sind. Die Entwicklung des Schönheitsverständnisses in der Literatur begann 1764 bei Kant, der die Frau als schön, zierlich, geschmückt, reinlich, naiv und freundlich und den Mann als edel, mit tiefem Verstand und bescheiden beschreibt. Des weiteren ist er der Meinung, fällt eine Frau aus dieser Rolle verliert sie ihre Weiblichkeit. Für ihn ist diese Zuordnung von Natur her gegeben. Auch bei Voltaire, Schiller und Nietzsche spielt diese Einteilung eine Rolle und somit entwickelt sich ein Mythos vom schönen Geschlecht in der Literatur. Aber die Literatur unterscheidet auch zwischen innerer und äußerer Schönheit. Die innere Schönheit wird durch die Darstellung des tadellosen Charakters und der edlen Taten hervorgebracht. 8 , 9
6 Bauer, Lydia (2010): Vom Schönsein. Ideal und Perversion im zeitgenössischen französischen Roman. Köln: Böhlau.
S.19-25
7 Posch, Waltraud (1999): „Körper machen Leute“ - Der Kult um die Schönheit, Campus Verlag, S. 16-22, 194-202
8 Bauer, Lydia (2010): Vom Schönsein. Ideal und Perversion im zeitgenössischen französischen Roman. Köln: Böhlau.
S. 19-25
9 Posch, Waltraud (1999): „Körper machen Leute“ - Der Kult um die Schönheit, Campus Verlag, S. 16-22, 194-202
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Arbeit zitieren:
Anne Andraschko, 2011, Schönheit und soziale Ordnung, München, GRIN Verlag GmbH
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