Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
2 Topik. 2
2.1 Topikalische Phrasen. 3
2.2 Topikalisierung. 5
3 Fokus. 7
3.1 Pragmatik. 9
3.2 Semantik. 10
3.3 Akzent und Wortstellung. 13
4 Topik vs. Fokus. 15
Literaturverzeichnis 18
1 Einleitung
Schon in der Antike hat sich Aristoteles (Gabriel 2007: 19) mit der Aufteilung des Satzes beschäftigt. Dennoch ist die Informationsstruktur ein relativ neuer Bereich der modernen Linguistik (Gabriel 2007: 19). Die Wissenschaft akzeptiert, dass Sätze einen weniger informativen Teil - das Topik - und einen informativeren Teil - der Fokusbesitzen (Casielles 2004: 15). Was allerdings ein Problem darstellt, ist die irreführende Terminologie, mit der man in Bezug auf die Informationsstruktur konfrontiert wird. Manchmal werden unterschiedliche Begriffe verwendet, die dasselbe bedeuten. Topik konkurriert unter anderem mit Thema, offene Proposition oder Hintergrund. Neben Fokus gibt es noch Kommentar, Rhema, etc. (Casielles 2004: 3). Zudem ist unklar, an welcher Stelle man den Satz trennen soll und um welche Art der Trennung (Kontinuum/Dichotomie) es sich handelt. Einige dieser Dichotomien - topic-comment und Thema-Rhema - trennen das Topik vom Rest des Satzes. Andere spalten den Fokus vom Rest des Satzes ab, der den Hintergrund kodiert (Casielles 2004: 15). In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit den Grundbegriffen Topik und Fokus. Hierzu gehe ich den Fragen nach, wie Topik und Fokus im Spanischen realisiert werden. Ziel dieser Arbeit ist es, syntaktische, phonologische, pragmatische und semantische Implikationen dieser Grundkonzepte zu spezifizieren. Im Mittelpunkt des 2. Kapitel stehen die syntaktische Analyse des Topik und seine diskursbezogenen Merkmale. Darüber hinaus werde ich auf die Definition des Topik eingehen, da zahlreiche Definitionen zu diesem Begriff existieren. Im 3. Kapitel werde ich zuerst die Definition des Fokus von Krifka vorstellen, die sich von den Ansichten der Prager Schule unterscheidet. Die Definition von Krifka ist erforderlich, weil die Erklärungen der Beispiele auf ihr basieren. Danach werde ich die Auswirkungen des Fokus auf die pragmatische und semantische Interpretation analysieren. Zu guter Letzt werde ich im Einzelnen darlegen, welche Einflüsse syntaktische und phonologische Merkmale auf die Wortstellung haben. Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen.
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2 Topik
Um die Definition des Topik besser verstehen zu können, werde ich zuerst das zugrunde legende Kommunikationsmodell Common Ground (CG) erläutern, auf das sich Krifka (2006a: 1) bezieht. Mit CG (= Kontext) ist „das gemeinsame Wissen zwischen Sprecher und Adressat“ gemeint, das „durch eine Menge von Propositionen dargestellt“ wird (Krifka 2006b: 9). Der CG lässt sich in CG content und CG management weiter unterteilen. CG content besteht aus der Information, die im CG präsent ist (Krifka 2006a: 4-5). „Eine Assertion des Sprechers, die vom Adressaten akzeptiert wird, führt zu einer Anreicherung der Information des CG“ (Krifka 2006b: 9). CG management hingegen bezieht sich auf die Strategien, die genutzt werden, um den CG zu entwickeln. Es beinhaltet Informationen über die offensichtlichen Kommunikationsinteressen und -ziele der Gesprächsteilnehmer (Krifka 2006a: 4).
Zunächst einmal gibt die Topik-Konstituente an, worum es im Satz geht. Über diese Topik-Konstituente, die der Sprecher als Entität identifiziert, wird dann etwas ausgesagt. Demzufolge wird neue Information nicht einfach zum CG content in Form von unstrukturierten Propositionen hinzugefügt (Krifka 2006a: 30), „sondern die Propositionen sind gegliedert als Informationen über bestimmte Dinge“. Man kann das anhand von Karteikarten veranschaulichen. „Eine Karteikarte hat eine Überschrift [= Topik], auf der steht, worüber die Karteikarte Information liefert. Auf der Karteikarte steht dann die Information zu dem Gegenstand, der auf der Überschrift identifiziert wurde“ (Krifka 2006b: 9). Daraus ergibt sich folgende Definition (Krifka 2006a: 30-1): „The topic constituent identifies the entity or set of entities under which the information expressed in the comment constituent should be stored in the CG content“. Diese Definition umfasst die Option, einen Kommentar über ein „set of entities“ zu äußern. Zum Beispiel betrifft das Topik-Konstituenten, die mit Quantoren verknüpft sind. Quantoren drücken aus, bis zu welchem Grad der Kommentar für die Elemente der Menge (siehe Beispiel 21b) gilt (Krifka 2006a: 32).
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Auch wenn die hier vorgestellte Definition des Topik nichts mit dem „Konzept der alten Information“ zu tun hat, ist es dennoch wichtig zwischen alter und neuer Information zu unterscheiden (Krifka 2006b: 19). In der Regel kommen nur gegebene Konstituenten als Topik in Frage. Als gegeben wird eine Konstituente bezeichnet, deren Bedeutung im CG content vorhanden ist. Hierbei sollte man beachten, bis zu welchem Grad eine Konstituente gegeben ist, zum Beispiel ob sie im Kontext maximal salient oder dort einfach nur gegeben ist oder ob sie überhaupt nicht vorkommt. Anhand von anaphorischen Ausdrücken kann man den Status einer Konstituente erkennen. Bestimmte Artikel können verwendet werden, um anzuzeigen, dass eine Bedeutung im Kontext gegeben ist, wohingegen Klitika und Pronomen normalerweise anzeigen, dass ihre Bedeutung im Kontext maximal salient ist. Unbestimmte Artikel markieren neue Konstituenten (Krifka 2006a: 26-27). Daraus kann man entnehmen, dass gegebene Konstituenten sich auf eine Diskursentität beziehen müssen 1 (Casielles 2004: 27).
2.1 Topikalische Phrasen
In diesem Kapitel werde ich topikalische Elemente analysieren, die nicht syntaktisch versetzt werden. Dazu gehört unter anderem das Satztopik, das laut Casielles (2004: 54) folgende Merkmale hat: (a) es ist auf ein eindeutiges Element beschränkt; (b) es steht am Satzanfang (oft ein präverbales Subjekt); (c) es scheint sich auf Diskursreferenten zu beziehen; (d) es ist nicht unbedingt diskursalt (Kontext muss nicht vorhanden sein); und (e) es muss nicht unbetont sein. Das folgende Beispiel zeigt ein Satztopik (Casielles 2004: 65): (1) Los niños fueron al cine.
In diesem Beispiel kann man erkennen, dass das Subjekt präverbal ist. Daraus lässt sich schließen, dass Subjekte, die sich in Argumentposition befinden, topikalisch sind. Das Satztopik zeichnet sich zudem dadurch aus, dass es mit einem weiten Fokus ge- 1 ImSpanischen hingegen kann fast jede Kategorie am Satzanfang stehen, wenn sie als topikalisch betrachtet wird. Jedoch beziehen sich nicht alle Phrasen in satzinitialer Position auf eine Diskursentität: „Estudiando nunca está“ (Casielles 2004: 26-7).
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meinsam auftritt. In diesem Beispiel ermittelt man den weiten Fokus mit der Frage: Was haben die Kinder gemacht? (Casielles 2004: 65). Topikalische Elemente können nicht nur durch overte Phrasen ausgedrückt werden, sondern auch durch eine Nullkategorie. Laut Taboada et al (2010: 1823) werden neue Elemente, nach dem sie in den Diskurs eingeführt wurden, bevorzugt als Pronomen weitergeführt. Das am häufigsten benutzte Pronomen im Spanischen, wenn es einem Subjekt entspricht, ist das Nullpronomen 2 , gefolgt von Pronomen und Nominalphrasen. Die Ergebnisse, zu denen Taboada et al (2010: 1826) in ihrer empirischen Studie gekommen sind, decken sich auch mit früherer Forschung. Und zwar wird die salienteste Entität durch den am wenigsten markierten, referenzierenden Ausdruck realisiert. Die folgende Skala zeigt mögliche Entitäten, die im Spanischen als Topik in Frage kommen. Man kann erkennen, dass der Experiencer in psychologischen Prädikaten die salienteste Entität ist, auch wenn er nicht unbedingt ein Subjekt ist; und dass belebte, indirekte Objekte höher bewertet sind als direkte Objekte (Taboada et al 2010: 1818). (2) Experiencer > Sub > Animate IOb > DOb > Other > Impersonal / Arbitrary Pronouns Zwar wird das Topik im Spanischen die meiste Zeit über als Subjekt realisiert, jedoch gibt es auch Beispiele, in denen das Topik nicht mit dem Subjekt übereinstimmt. Im folgenden Beispiel beeinflusst Empathie die Rangliste der Entitäten im Spanischen. Hierzu erhält die Empathie Vorrang gegenüber der grammatikalischen Funktion. In (3b) ist „nada“ das Subjekt, aber die Sprecherin (me) topikalisch. Das Topik ist immer die Sprecherin im Segment, die sich darüber beschwert, dass seitdem sie umgezogen ist, die Post nicht ankommt. (3) a. lo que pasa es que como me he cambiado de casa b. no no me llega nada c. y no se nada
Zusätzlich zu den anaphorischen Ausdrücken gibt es die Deakzentuierung, mit der man anzeigen kann, ob eine Konstituente gegeben ist. Sie steht für die Reduzierung der prosodischen Realisierung von Konstituenten, die im unmittelbaren Kontext gegeben sind (Krifka 2006a: 28). Dies wird im folgenden Beispiel verdeutlicht:
2 Es sollte darauf hingewiesen werden, dass nur topikalische Subjekte weggelassen werden können und nicht fokussierte Subjekte (vgl. pro Llamé a Pedro vs. Lo llamé YO; Casielles 2004: 56).
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Arbeit zitieren:
Angela Minosi, 2011, Topikalisierung und Fokusmarkierung im Spanischen, München, GRIN Verlag GmbH
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