S e i t e I
I. Inhaltsverzeichnis
I. Inhaltsverzeichnis I
II. Abbildungsverzeichnis III
III. Tabellenverzeichnis V
IV. Abkürzungsverzeichnis. VI
1. Einleitung 1
2. Was ist ein Trend? 2
3. Systematisierung von Methoden 3
4. Methoden 5
4.1 Bibliometrie 7
4.1.1 Begriffliche Abgrenzung 8
4.1.2 Die bibliometrische Analyse 11
4.1.3 Die Zitationsrate und der Impact-Factor (IF) 11
4.1.4 Möglichkeiten der Bibliometrie. 14
4.1.4.1 Beispiel: Kohlenstoffröhren 15
4.1.4.2 Exkurs. 16
4.1.4.3 Beispiel: „Schneller Brüter“ und Bibliometrie. 17
4.1.5 Eignung der Bibliometrie 22
4.2 Patentanalyse 24
4.2.1 Patente 25
4.2.2 Einführung in die Patentanalyse 27
4.2.2.1 Die qualitative Patentanalyse 28
4.2.2.2 Die quantitative Patentanalyse 29
4.2.3 Patentdatenbanken 31
4.2.4 Eignung der Patentanalyse. 32
4.2.4.1 Eignung der qualitativen Patentanalyse 32
4.2.4.2 Eignung der quantitativen Patentanalyse 33
4.2.5 Beispiel: Patentanalyse in der Nanotechnologie 35
S e i t e II
4.3 Technologielebenszyklusanalyse 36
4.3.1 Überblick 37
4.3.1.1 Modell von Ford und Ryan 37
4.3.1.2 Hype Cycle Modell von Gartner 38
4.3.1.3 S-Kurven-Konzept von McKinsey 41
4.3.1.4 Weitere Technologielebenszyklusmodelle 45
4.3.2 Eignung der Technologielebenszyklusanalyse 47
4.4 Delphi-Methode 48
4.4.1 Von der Expertenbefragung zur Delphi-Methode 48
4.4.2 Einführung in die Delphi-Methode 49
4.4.3 Die klassische Delphi-Befragung 50
4.4.4 Eignung der Delphi-Befragung 52
4.5 Szenariotechnik 53
4.5.1 Begrifflichkeit und Historie 53
4.5.2 Systematische entwickeln von Szenarien 57
4.5.3 Eignung der Szenariotechnik 62
5. Kategorisierung der Methoden 63
5.1 Eignung der Methoden zur Identifikation und Bewertung von Trends 64
5.2 Höhe der Ressourcenintensität der Methoden 65
5.2.1 Personelle Ressourcen 66
5.2.2 Zeitliche Ressourcen. 67
5.2.3 Möglichkeiten der Durchführung 68
5.3 Perspektive der Methoden 70
5.4 Evaluationsmöglichkeit der Methoden 70
5.5 Breite des Anwendungsspektrums 71
5.6 Technologien 73
6. Aktuelle Entwicklungen. 74
7. Fazit 76
V. Literaturverzeichnis 78
S e i t e
II. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anzahl der Begriffsnennungen festgestellt im Jahr 2000
Abbildung 2: grafische Übersicht der Disziplinen der Informetrie
Abbildung 3: Unterschiedlicher Einfluss verschiedener Wissenschaften
Abbildung 4: weltweite Publikationen im Bereich der Kohlenstoffforschung
Abbildung 5: Artikel je Millionen Einwohner (2001 - 2005)
Abbildung 6: Anzahl der publizierte Artikel in den USA
Abbildung 7: Entwicklung der Publikationsaktivitäten und des gleichenden
Durchschnitts für das Thema "Schneller Brüter"
Abbildung 8: Zahl der nachgewiesenen Artikel zum Thema Bibliometrie
Abbildung 9: Zitationen nach Erscheinungsjahr
Abbildung 10: Zu- und Abnahme der Zitationen "schneller Brüter"
Abbildung 11: Zu- und Abnahme der Zitationen "Bibliometrie"
Abbildung 12: Patentanmeldungen in Deutschland (eigene Darstellung)
Abbildung 13: Beispiel für eine internationale Patentklassifizierung
Abbildung 14: Formen der Patentrecherche
Abbildung 15: Varianten der patentstatistischen Analyse (eigen Darstellung)
Abbildung 16: Branchenbezogene Effektivitätsbeurteilungen von Patenten und anderen
Schutzma ßnahmen
Abbildung 17: Zeitlicher Verlauf der Patentanmeldungen in der Nanotechnologie
Abbildung 18: Technologielebenszyklus nach Ford und Ryan
Abbildung 19: Gartner Hype Cycle Modell
Abbildung 20: S-Kurven-Konzept von McKinsey
Abbildung 21: Die drei Phasen des Technologieverlaufs nach McKinsey
Abbildung 22: Technologielebenszyklus-Modell nach Arthur D. Little
Abbildung 23: Markt-, Technologie-, Produktlebenszyklus nach Ansoff.
Abbildung 24: Szenariotrichter
Abbildung 25 (links): Die Schritte der Szenariotechnik nach von Reibnitz
Abbildung 26 (rechts): Sieben Phasen des Szenario- Managements
Abbildung 27: Drei Schritte der Szenarioentwicklung.
Abbildung 28: Modell der Systemebenen und Einflussbereiche.
Abbildung 29: Auswahl von Schlüsselfaktoren
Abbildung 30: Entwicklung der Publikationen, Patente und Umsätze bei
Laserlichtquellen ............................................................................................................ 64 Abbildung 31: Status quo in Unternehmen: Methoden der Zukunftsforschung die
Anwendung finden. ........................................................................................................ 75 Abbildung 32: Zunahme der Bedeutung verschiedener Methoden in Zukunft .............. 75 Abbildung 33: Überblick der ausgewählten Methoden (eigene Darstellung) ................ 77
S e i t e V
III. Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Kategorisierungsschema 63
Tabelle 2: Eignung der Methoden zur Identifikation und Bewertung von Trends 65
Tabelle 3: Ressourcenintensität der Methoden 66
Tabelle 4: Detailkategorisierung - personelle Ressourcen 67
Tabelle 5: Detailkategorisierung - zeitliche Ressourcen 68
Tabelle 6: Möglichkeiten der Durchführung 69
Tabelle 7: Perspektive der Methode 70
Tabelle 8: Evaluationsmöglichkeit der Methoden 71
Tabelle 9: Breite des Anwendungsspektrums 72
Tabelle 10: Technologiespektrum der Methoden 74
BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung CCP number of citations received per publication CCPf number of citations per publication normalized by traditional science areas CNT carbon nanotubes DPMA Deutsches Patent- und Markenamt EPA Europäischen Patentanmeldungen F&E Forschungs- und Entwicklungsaufwand IF Impact Factor
INPADOC Internationalen Patentdokumentationszentrum IPC Internationale Patentklassifikation ISI Institut for Scientific Information JCR Journal Citation Reports Mio. Millionen PatG Patentgesetzes PCT Patent Cooperation Treaty SCI Science Citation Index
Zusammenfassung
Die Zukunfts- und Trendforschung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Neben einigen Dienstleister betreiben Think-Tanks großer Unternehmen selbst Zukunfts- und Trendforschung. Hierfür gibt eine große Bandbreite an verschiedenen Werkzeugen. Diese Arbeit soll einen Überblick über einige ausgewählte Methoden zur Identifikation und Bewertung von Trends schaffen. Nach deren Beschreibung wird eine Kategorisierung der Methoden vorgenommen. Das Ziel dieser Kategorisierung ist, dass sie einem Unternehmen als praktischer Entscheidungshilfe dienen kann.
Abstract
The study and research of future trends is becoming increasingly more important. It has grown to a degree of importance, at which major corporations have created their own think-tanks to study and predict future trends. Various kinds of methods and tools to support this research are available. The goal of this thesis is to provide an overview and rating of select methods of trend identification. Ultimately, this categorization should serve corporations as a practical tool and decision guidance.
1. Einleitung
Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“
Die Welt und ihre Akteure sind fortwährenden Veränderungen ausgesetzt durch die sich ständig in Bewegung befindliche Welt. Jedoch sehen sich nicht nur Gesellschaft und Politik sondern auch die Wirtschaft mit einer veränderten Natur des Wandels konfrontiert. Ursache ist der Übergang vom industriellen Zeitalter zum postindustriellen wissensbasierenden Zeitalter 1 und der stetig wachsenden Dynamik 2 und Komplexität. 3 In solch einer Wissensgesellschaft wird der Erfolg des Unternehmens entscheidend vom „Wissen“ determiniert. Damit einher geht auch die Notwendigkeit des Wissens über zukünftige Entwicklungen. Ein Unternehmen muss im Sinne von Ansoff früh die „schwachen Signale“ 4 der „überraschenden“ Veränderungen erkennen, denn nur dann kann ein Unternehmen dauerhaft erfolgreich sein. Auf das chinesische Sprichwort umgemünzt kann man provokant sagen: Nur die Unternehmen, die den Wind des Wandels wahrnehmen und ihn nutzen - also Windmühlen bauen - werden erfolgreich sein. Die anderen Unternehmen werden weniger oder gar nicht erfolgreich sein. Um erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen diese „Winde“ frühzeitig erkennen und ihr Umfeld ähnlich einer Wetterkarte ständig scannen. Dabei geht es, nicht nur um Großwetterlagen sondern vielmehr darum kleine Veränderungen bzw. Wandlungen aufzuspüren.
Um „schwache Signale" für Veränderungen feststellen zu können, gibt es verschiedene Werkzeuge, die Unternehmen verwenden können. „So kann das Neue, dass in die Welt kommt, innerhalb von Unternehmen besser wahrgenommen werden“ 5 und das Unternehmen kann sich somit geänderten Bedingungen früher anpassen als die Konkurrenz, woraus ein Wettbewerbsvorteil entstehen kann. 6
Im Folgenden soll auf die unterschiedlichen Systematisierungen von Methoden eingegangen werden. Danach werden ausgewählte Methoden vorgestellt, mit Beispielen veranschaulicht und auf ihre Eignung zur Identifikation und Bewertung von Trends
1 Vgl. Horx (2003), S. 3.
2 Schon 1969 spricht Drucker von einem Zeitalter der Diskontinuität, dem „Age of Discontinuity“, siehe
dazu näheres in Kapitel 4.3.1.3.
3 Vgl. Schwarz (2009), S. 245.
4 Vgl. Ansoff (1984), S. 22 ff.
5 Horx (2003), S. 3.
6 Vgl. Geldmann (2007), S. 135.
analysiert. Ziel ist es nicht nur die Methoden zu skizzieren und anschaulich zu beschreiben. Die abschließende Kategorisierung der ausgewählten Methoden soll dem Leser vielmehr als Entscheidungshilfe für oder gegen den Einsatz einer Methode dienen können.
2. Was ist ein Trend?
Das Wort Trend wird so vielseitig benutzt, dass vor einer Beschreibung von Methoden, die dienlich sein könnten, um Trends zu identifizieren und zu bewerten, zunächst einmal definiert werden muss, was ein Trend ist.
Von Trends wird in Börsennachrichten ebenso häufig geredet, wie in Modemagazinen oder auch in Computerzeitschriften darüber zu lesen ist. Es kann konstatiert werden, dass niemand am „Trend“ vorbei kommen kann. Doch was ist ein Trend? Pero Mićić hat aus vielfältiger Literatur und seiner praktischen Arbeit vier Verständnisbilder für den Begriff identifiziert und strukturiert 7 :
x Mathematisches Trend-Verständnis: Ein Trend ist eine Zeitreihe von Zahlen, die sich in eine klare Richtung entwicklen.
x Sozioökonomisches Trend-Verständnis: Ein Trend ist ein gerichteter Wandel des sozio-ökonomischen Umfelds, d.h. ein Trend entsteht durch das Zusammenkommen vieler Entscheidungen und Bewegungen zu Ereignissen und Entwicklungen in eine Richtung.
x Phänomenales Trend-Verständnis: Ein Trend ist ein neues Muster oder eine neue Kombination von Knoten in der mentalen Matrix der Gesellschaft.
x Populäres Trend-Verständnis: Ein Trend ist etwas Neues, dessen zukünftige Verbreitung man annimmt.
7 Vgl. Mićić (2006), S. 71 ff.
Die Trenddefinition, die die weitere Grundlage dieser Arbeit sein soll, ergibt sich aus dem Anspruch, dass die abschließende Kategorisierung dem Leser Nutzen stiften soll. Somit steht das Trendverständnis hinsichtlich dessen Wirksamkeit und greifbaren Nutzens 8 im Mittelpunkt. Trends können dem sozioökonomischen Trendverständnis nach als beschreibbare „beobachtbare Entwicklungen [einer oder mehrerer Variablen] in eine vergleichsweise eindeutige Richtung“ 9 verstanden werden.
Die Identifizierung von Trends beschäftigt sich somit mit beobachtbaren Veränderungen eines Umfeldbereiches 10 . Die Bewertung von Trends beschäftigt sich hingegen mit der Frage, wie sich der Verlauf eines Trends in Zukunft entwickeln wird. Der prognostizierte zukünftige Verlauf des Trends ist folglich das Ergebnis einer Beurteilung von Trends.
3. Systematisierung von Methoden
Um ein besseres Verständnis für die verschiedenen Methoden zu bekommen, ist eine Einordnung der Methoden in ein System hilfreich. Eine solche Systematisierung der vielfältigen Methoden, schafft einen strukturierten Überblick und erleichtert damit die Methodenauswahl. Eine Vielzahl von Arbeiten haben versucht, die Methodenvielfalt der Zukunftsforschung zu systematisieren. Steinmüller 11 hat hier innerhalb seiner Arbeit einen guten Literaturüberblick über Systematisierungsansätze geschaffen. Im Folgenden soll jedoch von einer vollständigen Systematisierung der Methoden abgesehen werden und nur auf die Differenzierung in quantitative und qualitative Methoden eingegangen werden. Diese Differenzierung ist für den Umfang der ausgewählten Methoden ausreichend und ist hinreichend hilfreich in der Beurteilung der ausgewählten Methoden zur Identifikation und Bewertung von Trends.
8 Vgl. Mićić (2006), S. 71 ff.
9 Mićić (2006), S. 73.
10 Vgl. Mićić (2006), S. 73.
11 Vgl. Steinmüller (1997), S. 28 ff.
Quantitative vs. Qualitative Methoden
Grundsätzlich lassen sich Methoden zu Identifikation von Trends in zwei Klassen unterteilen und zwar nach dem Grad der analytischen Absicherung 12 :
x Quantitative Methoden
x Qualitative Methoden
Die Grundlage der quantitativen Methoden ist die Anwendung von mathematischen und statistischen Methoden. Die Zeitreihenanalyse ist beispielsweise solch ein quantitatives Instrumentarium, welches auf der Basis von Vergangenheitswerten versucht die Zukunft zu „errechnen“ und so die zukünftige Entwicklung zu prognostizieren. Neben diesen auch als univariate Methoden bezeichnete Verfahren, die nur eine Variable - die Zeit - berücksichtigen, gibt es auch multivariate Verfahren. Diese Klasse von Methoden beziehen außer der Zeit auch andere Variablen mit ein. Diese Verfahren versuchen den „Entwicklungsverlauf erklärender Kausalfaktoren zu berücksichtigen“ 13 , wie beispielsweise ökonomische Modelle.
Qualitative Verfahren prognostizieren die Zukunft mithilfe von qualitativen Methoden, wie Kreativität, Intuition, Vorstellungs- und Urteilskraft oder auch der Voraussicht von Experten. Diese Verfahren blenden die Entwicklung der Vergangenheit nicht aus und damit zwangsläufig auch nicht die quantitativen Methoden. Die Prognose von Trends kann gerade durch die subjektive Urteilskraft und den Eindruck eines Experten und sogar Laien völlig anderes aussehen.
Die Bedeutung qualitativer Methoden haben immer mehr zugenommen, da Märkte sich immer dynamischer entwickeln und dies Unternehmen dazu zwingt, sich ebenso schnell anzupassen. Gerade die voranschreitende technologische Entwicklung und die damit verbundenen Technologiesprünge erschweren eine Prognose allein auf Basis der quantitativen Methoden. Denn diese Methoden können die exogenen - manchmal nicht vorhersehbaren - Faktoren nicht berücksichtigen und „hinken“ zudem einer quantitative Analyse zeitlich quasi hinterher.
12 Vgl. Wolfrum (1991), S. 137.
13 Wolfrum (1991), S. 138.
Es sei dennoch darauf hingewiesen, dass bei qualitativen Verfahren nicht gänzlich auf Zahlen verzichtet wird, denn einige Methoden streben explizit quantitative Bewertungen an, wie beispielsweise die Cross-Impact-Analyse oder die Relevanzbaumanalyse. 14 Zudem können grundsätzlich auch mehrere Methoden, ob quantitative oder qualitative gemeinsam eingesetzt werden und so ein besseres Ergebnis erzielen. 15 Der technologische Fortschritt der letzten 5-10 Jahre hat weiterhin dazu geführt, dass die Verarbeitung von digitalen Daten leichter geworden ist. Dies hat auch zu Neuentdeckung alter Methoden geführt, wie beispielweise die Bibliometrie. 16
4. Methoden
In den folgenden Kapiteln sollen nun ausgewählte Methoden vorgestellt werden, die eingesetzt werden können, um Trends zu erkennen und zu bewerten. Zunächst soll jedoch dargestellt werden, wie sich die Auswahl der Methoden gestaltete.
Der erste Berührungspunkt mit Methoden der Trendidentifikation und -bewertung stellte das Studium dar, sodass es ein Anreiz war, eine genauere Analyse der im Studium vorgestellten Methoden in eine solche Arbeit mit aufzunehmen. Aus diesem Grund wurden die verschiedenen Konzepte im Bereich der Technologielebenszyklen und ihre Eignung Trends zu identifizieren und zu bewerten in diese Arbeit mit aufgenommen.
Eine generelle Orientierung hinsichtlich der Auswahl der Methoden boten jedoch die Ausführungen von Matthias Horx und Jan Oliver Schwarz. Matthias Horx unterteilt in seinem Vorwort im Handbuch zur Trend- und Zukunftsforschung die Teildisziplinen der Trend- und Zukunftsforschung in fünf Kategorien:“
x Szenario-Technik: Das Entwickeln und strategische „Spiegeln“ möglicher Zukunftsverläufe.
14 Diese können hier nicht näher erläutert werden, siehe dazu Corsten (2006), S. 305 ff.
15 Vgl. hierzu die Ausführungen im Kapitel 7.
16 Vgl. hierzu Kapital 4.1.
x Delphi-Verfahren: Das Befragen von Expertenzirkeln über wahrscheinliche Entwicklungen.
x Trenddiagnose: Das Diagnostizieren, Definieren und Dokumentieren von Veränderungsbewegungen in Gesellschaft, Märkten und Marketing. x Kontext-Analyse: Das analytische „Kontexting“ von Produkten, Strategien oder Firmenkonzepten im Rahmen von Trendanalysen. x Trend-Innovating: Erzeugen von innovativen Konzepten mithilfe von Trendwissen.“ 17
Die Kontext-Analyse und das Trend-Innovating sind neue Konzepte und stecken erst in den Kinderschuhen. 18 So wurden die Szenario-Technik und die Delphi-Methode als Methoden zur Trendidentifizierung und -bewertung ausgewählt, um diese auf ihre Eignung hin zu analysieren.
“The Future of Future Studies: A Delphi Study with a German Perspective” von Jan Oliver Schwarz (2006a) war eine weitere Orientierung. Schwarz unterteilte für seine Delphi-Studie die Werkzeuge zur Zukunftsforschung in sechs Kategorien 19 : x Quantitative Forecasting x Simulation and gaming x Delphi technique x Scenario technique
x Environmental scanning, trend monitoring, trend research, strategic early warning x Creativity
Die Bibliometrie und die Patentanalyse sind dem Bereich des environmental scanning zuzuordnen. Die Auswahl der Methoden sollte auch diesen Bereich abdecken, der nach Einschätzung der Befragten in den Unternehmen, zukünftig am meisten an Bedeutung hinzugewinnen wird. 20
17 Horx (2003), S. 4.
18 Vgl. Horx (2003), S. 4.
19 Schwarz (2008), S. 310.
20 Vgl. Schwarz (2008), S. 310.
Folgende Methoden sollen nun hinsichtlich ihrer Eignung zur Trendidentifizierung und -bewertung näher analysiert werden: x Bibliometrie x Patentanalyse x Technologielebenszyklen x Delphi-Methode x Szenario-Technik
4.1 Bibliometrie
Bibliometrische Analysemethoden entstanden Anfang der 70er Jahre. Mathematiker, Informationswissenschaftler und Soziologen entwickelten ihrer Zeit mathematische Modelle in der Bibliometrie 21 . Jedoch verhalfen erst neue Technologien und eine veränderte Wissenschaftslandschaft Ende der 90er Jahre der Bibliometrie zum Durchbruch. 22 Bibiometrische Daten waren nun digital verfügbar und die große Menge an Daten konnte nun mit Informationstechnologien adäquat verarbeitet und analysiert werden. Die Anforderungen an die Datenverarbeitung und -analyse sind sehr hoch, deren Ursache in der Menge der zu verarbeitenden Informationen begründet ist, denn zurzeit erscheinen jährlich ca. 10 Mio. Publikationen in 100.000 Zeitschriften. 23 „Das Angebot an verwertbaren Inhalten ist hoch, die Anwendung wird aber immer schwieriger: Das Problem ist die Erfassung aller Inhalte durch potenzielle Nutzer.“ 24
Im Kontext von Bibliometrie werden auch die Begriffe Scientometrie, Informetrie und neuerdings auch Webometrie verwendet. Diese verschiedenen Begriffe sind verwandte Disziplinen, die sich jedoch teilweise überlappen und deren Abgrenzung somit nicht immer eineindeutig möglich ist.
Zunächst soll ein kurzer Überblick über die Begrifflichkeiten geschaffen werden. Im Anschluss werden zwei verbreitete Indikatoren vorgestellt und dann die Möglichkeiten
21 Vgl. Ball/Tunger (2005), S. 11.
22 Vgl. Ball/Tunger (2005), S. 11.
23 Vgl. Umstätter (2004), S. 237.
24 Tunger (2007), S. 235.
der Bibliometrie zur Identifikation und Bewertung von Trends anhand zweier ausgewählter Beispiele veranschaulicht.
4.1.1 Begriffliche Abgrenzung
Die verschiedenen Bereiche und deren Begrifflichkeiten unterscheiden sich durch ihren Fokus bzw. durch deren Forschungsobjekt. Die mathematisch-statistischen Methoden und andere Techniken werden größtenteils in allen Bereichen angewendet. 25
Die Informetrie ist auf Otto Nacke (1979) zurückzuführen, der Informetrie als Teilgebiet der Informationswissenschaft angelegt hatte. Heute kann man festhalten, dass Informetrie als allgemeinster Begriff zu verstehen ist und die Begriffe Bibliometrie, Scientometrie und auch die Webometrie vereint.
Hood et. al konstatieren, dass die Anwender jenen Begriff verwenden werden, dem sie sich und ihre Arbeit am nächsten fühlen. 27 Dies verdeutlicht nochmals, dass eine genaue Abgrenzung der einzelnen Begriffe nicht immer möglich ist. Zudem gehen Hood et. al
25 Vgl. Jokic/Ball (2006), S. 15.
26 Vgl. Hood/ Wilson (2001), S. 296.
27 Vgl. Hood /Wilson (2001), S. 300.
davon aus, dass im besonderen Wissenschaftler anderer Disziplinen, das gebräuchlichste Wort, Bibliometrie verwenden werden 28 , ohne weiter zu differenzieren. Eine Untersuchung im Jahr 2000 hat gezeigt, dass der Begriff Bibliometrie bei Publikationen am meisten verwendet wird (vgl. Abbildung 1).
Die Scientometrie geht auf die russischen Wissenschaftler V. V. Nalimov und Z. M. Mulchenko zurück und deren russischer Begriff „naukometriya“. Das gleichnamige Buch wurde 1969 veröffentlicht und bedeutet übersetzt „Wissenswissenschaft“. Im Fokus der Scientometrie steht nicht nur die Analyse von Publikationen sondern „the quantitive study of science and technology“ 29 „[because] there is more to science and technology for scientomentircians to measure and analyze than its literature“ 30 . Die Scientometrie grenzt sich damit von der Bibliometrie insofern ab, dass die Entstehung, Verbreitung und Benutzung wissenschaftlicher Informationen quantitative analysiert wird, um ein besseres Verständnis über die Mechanismen wissenschaftlicher Forschung als soziale Aktivität zu erlangen 31 . Mit der Gründung der Zeitschrift "Scientometrics" durch den Ungarn Tibor Braun hat dieser Bereich der Wissenschaft eine institutionalisierte Plattform erhalten und hat dazu geführt, dass der Begriff heute weit verbreitet ist.
Der Begriff Bibliometrie ist Teil der Scientometrie und wurde durch A. Pritchard im Jahr 1969 geprägt, der Bibliometrie als „Anwendung mathematischer und statistischer Methoden auf Bücher und andere Medien der wissenschaftlichen Kommunikation“ 32 definierte. Der Fokus liegt auf der quantitativen Auswertung von Büchern, Zeitschriften und anderer Informationsquellen. Eine Teildisziplin der Bibliometrie ist die Zitatanalyse mit Hilfe von Zitatindizes. Solche Zitatindizes wurden im Bereich der Rechtswissenschaften schon im 18. Jahrhundert angelegt und deren Analyse schon Anfang des 19. Jahrhunderts. 33 Die Ursprünge der Bibliometrie sind also schon sehr alt. Erst Anfang der 90er wurde die Bibliometrie durch den informationstechnologischen Fortschritt wieder entdeckt. Ohne die heutigen technischen Möglichkeiten könnte eine
28 Vgl. Hood /Wilson (2001), S. 300.
29 Vgl. Hood /Wilson (2001), S. 299.
30 Vgl. Hood /Wilson (2001), S. 293.
31 Vgl. Jokic/Ball (2006), S. 16.
32 Vgl. Jokic/Ball (2006), S. 15.
33 Vgl. Jokic/Ball (2006), S. 12.
Analyse und Verarbeitung der zunehmenden Zahl wissenschaftlicher Publikation nicht erfolgen.
Die Webometrie 34 ist eine relativ neue Wissenschaft, deren Fokus in der Anwendung informetrischer Methoden auf das World Wide Web ist. Die Ersten, die diese Disziplin formulierten, waren Almind und Ingwersen (1997). Die Analyseobjekte dieser Disziplin wurden von Björneborn (2004) wie folgt aufgelistet 35 : x web page content analysis x web link structure analysis
x web usage analysis (e.g. log files of users’ searching and browsing behavior) x web technology analysis (including search engine performance)
In der Literatur werden die abgehandelten Begriffe und deren Disziplinen vielfältiger abgegrenzt, als es hier in Gänze beschrieben werden kann, und soll hier nicht weiter Gegenstand der Arbeit sein. Die Abbildung 2 schafft grafisch einen zusammenfassenden Überblick. Eine ausführliche Literaturanalyse der verschiedenen Begrifflichkeiten haben Hood et. al (2001) durchgeführt.
34 Zwischen den Begriff Webometrie, Cybermetrie und Internetometrie soll nicht weiter unterschieden
werden.
35 Björneborn (2004), S. 52.
36 Björneborn (2004), S. 54.
4.1.2 Die bibliometrische Analyse
Grundsätzlich kann die bibliometrische Analyse in die qualitative Analyse und die quantitative Analyse getrennt werden.
Die qualitative Analyse kann durch die im vorherigen Kapitel beschriebene Menge an Publikationen kaum im größeren Maßstab erfolgen. Sie kann aber durchaus zur Evaluierung der quantitativen Analyse herangezogen werden. Die qualitative Methode wird vorwiegend im Bereich, der wissenschaftliche Begutachtung (peer review) eingesetzt, die von Experten durchgeführt wird. Vor der Veröffentlichung einer Publikation wird diese durch Experten analysiert. Nur Artikel, die von den Experten zur Veröffentlichung freigegeben werden erscheinen in den „reviewten Zeitschriften“. Diese Methode soll aber hier nicht weiter behandelt werden.
Zunächst sollen nun die geläufigsten quantitativen Indikatoren, die Zitationsrate und der Impact Factor (IF) und beispielhafte Anwendungsbereiche vorgestellt werden. Dann soll gezeigt werden, welche weiteren Erkenntnisse durch eine bibliometrische Analyse erlangt werden können und inwieweit die bibliometrische Analyse zur Trendidentifikation und -bewertung eingesetzt werden kann.
4.1.3 Die Zitationsrate und der Impact-Factor (IF)
Die im folgenden beschriebenen Indikatoren, die je nach Fragestellung sehr individuell angepasst werden können, sollen die Vielzahl an Indikatoren repräsentieren. Meist müssen bei der bibliometrischen Analyse auch mehrere Indikatoren herangezogen werden, um gestellte Fragestellungen adäquat zu beantworten.
Die Zitationsrate, auch CCP (number of citations received per publication) genannt, ist ein Maß, welches darüber Auskunft gibt, wie häufig ein Artikel durchschnittliche zitiert wurde. Dies ist eine sehr einfache Darstellung der Resonanz von Veröffentlichungen. 37 Der Vergleich der Zitationsrate, von unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft ist sehr schwer, da das Publikationsverhalten mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. 38 Um
37 Vgl. Ball/Tunger (2005), S. 16.
38 Auf diese Problematik wird beim Imapct-Factor noch mal im speziellen eingegangen.
Arbeit zitieren:
Andreas Hell, 2009, Methoden zur Identifikation und Bewertung von Trends, München, GRIN Verlag GmbH
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