Inhaltsverzeichnis
Einleitung 03
1. Außerschulische Lernorte 04
a. Der Begriff der historischen Exkursion 04
b. Gedenkstätten und Museen als
außerschulische Lernorte 06
c. Gelenktes entdeckendes Lernen in Gedenkstätten 08
2. Das Jüdische Deportations- und Widerstandsmuseum (JMDV) 09
a. Inhalt der Dauerausstellung 11
b. Das Gedenken in der Ausstellung 12
c. Das Archiv 12
3. Das JMDV als Lernort für SchülerInnen 13
Fazit 16
Literaturverzeichnis 17
Einleitung
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit den Möglichkeiten außerschulischen Lernens im Rahmen des Geschichtsunterrichts auseinander. Verschiedene Aspekte außerschulischer Lernorte und Lernens werden hierbei exemplarisch an den Möglichkeiten eines Besuches des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums in Mechelen, Belgien, vorgestellt. Zunächst werden in gegebener Kürze Aspekte außerschulischen Lernens dargelegt. Anhand der Begriffsdefinition der historischen Exkursion soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten das Aufsuchen unterschiedlicher Lernorte im Geschichtsunterricht bietet. Die Lernorte Gedenkstätte und Museum werden hierbei im Weiteren fokussiert. Unter Einbeziehung des Kernlehrplans für die Sekundarstufe I wird im Folgenden das Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens untersucht.
Daran anschließend wird die Gedenkstätte Jüdisches Deportations- und Widerstandsmuseum bezüglich ihrer institutionellen Geschichte, der Dauerausstellung, des Gedenkens in der Ausstellung und ihres Archivs vorgestellt. Abschließend wird exemplarisch ein museumspädagogisches Angebot für SchülerInnengruppen beim Besuch des Museums untersucht. Dieses bezieht das Konzept des gelenkten entdeckenden Lernens mit ein und arbeitet mit einem biografischen Ansatz, indem es den Besuch und die Arbeit in der Ausstellung anhand von persönlichen Biografien strukturiert. Die Darstellung der Aspekte außerschulischer Pädagogik wird im weitesten aus gedenkstättenpädagogischer Perspektive beleuchtet. 1 Jedoch ist darauf zu verweisen, dass trotz didaktisch-methodischer Ausführungen, Hinweise, Tipps und Annahmen die Entwicklung einer breiten in sich konsistenten Theorie nach wie vor aussteht. Für die Ausführungen zur Arbeit des Jüdischen Deportations-und Widerstandsmuseums wurde vornehmlich die Eigenpublikation „Didaktischer Leitfaden für den Besuch des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum“ benutzt. 2
1 Insbesondere wurde Gebrauch gemacht von: Barbara Thimm u. Gottfried Kößler und Susanne Ulrich (Hrsg.): Verunsichernde Orte. Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik, Frankfurt a. M. 2010.
2 Jüdisches Deportations- und Widerstandsmuseum (Hrsg.): Didaktischer Leitfaden für einen Besuch des Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseums, Mechelen o.J. (Im Folgenden: Didaktische r Leitfaden).
3
1. Außerschulische Lernorte
Als außerschulische Lernorte werden Institutionen und Orte bezeichnet, die nicht der Schulverwaltung untergeordnet sind. Museen und Gedenkstätten stellen eine besondere Form außerschulischer Lernorte dar, die in besonderen Fällen miteinander verbunden sein können. Außerschulische Lernorte können im Rahmen einer „Historischen Exkursion“ des Geschichtsunterrichts aufgesucht werden.
a. Der Begriff der historischen Exkursion
Die Begriffsbestimmung der historischen Exkursion wird in der Fachdidaktik seit Ende der 70er Jahre vorgenommen. Auf der einen Seite stehen dabei engere Begriffsbestimmungen, vertreten etwa von Ziegler, auf der anderen Seite etwa Hey, der sich für eine weiter gefasste Definition ausspricht. 3 Ziegler sieht die Exkursion als die persönliche Konfrontation mit einem historischen Objekt, das unmittelbar gegeben ist und somit nicht durch ein Medium vermittelt wird. Zugleich befindet sich das Objekt in Originalgröße am ursprünglichen Ort. Der grenzt die Exkursion gegenüber dem Museumsbesuch oder Unterrichtsgang dadurch ab, dass er die Exkursion als ,,jede Art von Besichtigung geschichtlich aussagekräftiger Überreste an ihrem ursprünglichen Ort, [...] vorausgesetzt, dass diese Besichtigung der historischen Erkenntnis dient [...] und in das Unterrichtsgeschehen planvoll, durch Vorbereitung und Vertiefung, eingebaut wird" bestimmt. 4
Hey argumentiert gegen diese enge Begriffsbestimmung unter Einbeziehung des Begriffs der „Historischen Stätte“ damit, dass sich historische Stätten zwar meist noch an ihrem originalen Ort befinden, sich aber ihre Umgebung im Laufe der Zeit verändert hat und sich auch ständig weiter verändert. So können auch Gebäude oder Denkmäler, ähnlich wie Ausstellungsstücke im Museum,
3 Ziegler, Wolfgang: Die historische Exkursion, in Reinhard Hasch (Hrsg.): Landesgeschichte und Exkursion im Geschichtsunterricht, Donauwörth 1977, S. 109-126 (Im Folgenden: Ziegler, Exkursion); Hey, Bernd: Die historische Exkursion. Zur Didaktik und Methodik des Besuchs historischer Stätten, Museen und Archive, Stuttgart 1978.
4 Ziegler, Exkursion, S. 109.
4
oftmals nicht mehr in dem gleichen Zusammenhang gesehen und analysiert werden, wie zur Zeit ihrer Entstehung. 5 Diesem Ansatz folgend, plädiert er für eine offenere Definition der historischen Exkursion, die nicht nur Unterrichtsbesuche von geschichtlichen Stätten, sondern auch Archiv- und Museumsbesuche mit einschließt. Nach Hey handelt es sich bei der historischen Exkursion um eine Organisationsform des historisch-politischen Unterrichts, die ein bestimmtes Thema an und mit (möglichst) originalen historischen Zeugnissen außerhalb der Schule erschließt." 6
Hauptkriterium ist für ihn also das Verlassen der Schule, um sich vor Ort mit Quellen zu beschäftigen, die im Geschichtsunterricht in der Schule oft vernachlässigt werden. Im Unterricht wird zumeist mit schriftlichen Quellen gearbeitet, während Exkursionen die Möglichkeit bieten, sich mit gegenständlichen Quellen auseinander zu setzen. Hey hebt zudem hervor, dass es sich bei der Exkursion nicht um eine Unterrichtsmethode handelt, sondern um eine Organisationsform des Unterrichts. 7
Unterschieden werden zudem Typologien historischer Exkursionen. Aufgegriffen werden soll hier die Unterscheidung nach Schreiber, die drei Typen vorstellt: In der ,,Erkundung" steht die historische Stätte selbst als Quelle im Mittelpunkt. In einem zweiten Fall können historische Ereignisse an ihrer historischen Stätte rekonstruiert werden. Das bedeutet, dass an der historischen Stätte auch weiter Quellen oder Informationen, beispielsweise durch Führungen, in die Analyse mit einbezogen werden. Als dritte Möglichkeit sieht Schreiber das ,,Hinterfragen von gedeuteter Geschichte" an. Dies meint, dass die Besucher das an der historischen Stätte dargebotene Material und seine Aufbereitung kritisch betrachten sollen. 8 In diesem Zusammenhang soll auch der Begriff der historischen Stätten näher betrachtet werden. Hey sieht historische Orte als gegenständliche Quellen und
5 Hey, Bernd, Museen, Archive und historische Stätten als außerschulische Lernorte zum Begriff der historischen Exkursion, in: GWU 31 (1980), S.30-40 (Im Folgenden: Hey, Museen), Hier: S. 37.
6 Hey, Museen, S. 37.
7 Hey, Museen, S. 37.
8 Schreiber, Waltraud: Geschichte lernen an historischen Stätten: die historische Exkursion, in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens. Bd. 1 Neuried 1999, S. 636 - 641.
5
als ,,alle Orte, Ortschaften sowie Örtlichkeiten, in denen sich geschichtliche Entwicklung niedergeschlagen hat, wo Geschichte zum Ereignis wurde". 9 Baumgärtner unterscheidet dagegen vier mögliche Typisierungen historischer Orte. Neben den bereits erwähnten möglichen Aussagen über Strukturen und Ereignisse, sieht er historischen Stätten auch als Quellen für geschichtliche Veränderungen und Prozesse. Zugleich geben originale Orte aber auch Aufschluss über die zeitgenössische Deutung von Geschichte, etwa durch Denkmäler oder die Aufbereitung einzelner Gebäude als Museum. 10
b. Gedenkstätten und Museen als außerschulische
Lernorte
Die größte Gewichtung aus fachdidaktische Sicht der klassischen Aufgaben des Museums - Sammeln, Bewahren, Forschen sowie Ausstellen und Vermitteln - erhalten zunehmend das Ausstellen und Vermitteln von Objekten und Sachzusammenhängen. Als Ort der Realbegegnung mit Exponaten stellen Gedenkstätten hierbei eine besondere Form des außerschulischen Lernorts dar. Denn die Gedenkstätte an einem historischen Ort, verfügt mehrheitlich auch über gestaltete Gelände und historische Ausstellungen, oft auch über Bibliotheken und Archive. 11 Die Ordnung historischen Wissens über den Nationalsozialismus in einem moralischen Werterahmen sowie die Weitergabe des Wissens an jüngere Generationen als Aufgabe von Gedenkstätten, macht deutlich, dass diese als Lernorte aktiver Erinnerung begriffen werden. Verena Haug betont hierbei, dass „die inhaltliche Ausrichtung der Angebote […] - ähnlichdem schulischen Auftrag - drei Aspekte [umfasst]: historische Wissensvermittlung, Gedenken und Gegenwartsbezug.“ Die historische Wissensvermittlung bedeutet für das Lernen in der Gedenkstätte, dass die Geschichte des Ortes in den zeitlichen Kontext und in einen umfassenden geschichtlichen sowie gesellschafts-politischen Kontext eingeordnet wird.
9 Hey, Museen, S. 35.
10 Baumgärtner, Ulrich: Historische Orte, in: Geschichte lernen 6 (2005), S. 12-18. Hier: S. 13f.
11 Haug, Verena: Staatstragende Lernorte. Zur gesellschaftlichen Rolle der NS-Gedenkstätten heute, in: Barbara Thimm u. Gottfried Kößler und Susanne Ulrich (Hrsg.): Verunsichernde Orte. Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik, Frankfurt a. M. 2010, S. 33-38. Hier: S. 33.
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Arbeit zitieren:
Philipp Erbslöh, 2010, Außerschulisches Lernen im Jüdischen Deportations- und Widerstandsmuseum in Mechelen, München, GRIN Verlag GmbH
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