Inhalt
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit 3
2. Das Hörbuch
a. Eine Begriffsbestimmung 4
b. Die zunehmende Konkurrenz zum Buch 6
3. Didaktische Begründung für die Beschäftigung mit
Literatur im Deutschunterricht
a. Die literaturdidaktische Perspektive 8
b. Die hördidaktische Perspektive 9
c. Der Kernlehrplan 11
4. Der Roman „Boot Camp“ als Unterrichtsgegenstand
a. Die Methodik des Lesens 12
b. Die Erarbeitung des Romans Boot Camp 14
c. Die Methodik des Hörens 17
d. Die Erarbeitung des Hörbuchs 18
5. Fazit 20
Literaturverzeichnis S. 21
2
1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in der medialen Rezeption von Buch und Hörspiel aus fachdidaktischer Perspektive. Die Fachdidaktik des Deutschunterrichts für die Sekundarstufe I bildet somit den Hintergrund für die Untersuchung von Potential und Beschränkung der Medien Buch und Hörspiel im Deutschunterricht. Praktischer Untersuchungsgegenstand ist hierbei der Einsatz des Romans Bootcamp von Morton Rhue. 1
Einführend wird hierzu zunächst der Begriff des Hörbuchs bestimmt und ein kurzer Abriss der Entwicklung gegeben, die zur Notwendigkeit der didaktischen Diskussion eines Nebeneinanders von Buch- und Hörbuch im Deutschunterricht führt. In einem folgenden Teil sollen die Grundlagen, auf denen die Beschäftigung mit Literatur im Deutschunterricht stattfindet zunächst vorgestellt werden. Nach einer Darstellung einer grundsätzlichen Hördidaktik im Rahmen des Deutschunterrichts, werden die beiden verortet im Kernlehrplan für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe I. Abschließend soll exemplarisch erarbeitet werden, in welcher Form während und nach dem Lesen einer Lektüre, des Romans Bootcamp von Morton Rhue, dieser Roman im Unterricht behandelt werden kann. Dem gegenübergestellt wird die Erarbeitung der Romanvorlage als Hörbuch, gelesen von Tom Niebuhr. 2 Am konkreten Beispiel soll in diesem Teil der Arbeit untersucht werden, welches Potential die Rezeption eines Romans mit dem konkreten Medium Buch bzw. Hörmedium bietet: Was kann etwa ein Hörmedium durch seine mediale Beschaffenheit evozieren, das ein Buch nicht kann? Ausgewählt wurde als zu untersuchende Unterrichtslektüre der Roman von Morton Rhue, da dieser die für die Behandlung als Ganzschrift im Unterricht typischen Merkmale aufweist - etwa die gesellschaftspolitischen Fragen, die von den Schülerinnen über den Plot hinaus bearbeitet werden können. Aber auch die frühe Hörbuchfassung des noch jungen Romans in deutscher Sprache spricht exemplarisch dafür, dass der Markt für den Kauf einer klassischen Schullektüre dieses Hörbuchangebot sehr frühzeitig herausgibt.
1 RHUE, Morton: Boot Camp. Ravensburg 2006. (Im Folgenden zitiert als: RHUE, Bootcamp.)
2 RHUE, Morton: Boot Camp. Audiobuch. Gelesen von Tom Niebuhr, Hamburg 2006.
3
Auffällig ist bei Durchsicht der Sekundärliteratur, dass das Thema einer Hördidaktik mittlerweile fest verankert ist in Bezug auf
Fremdsprachendidaktik, das Lesenlernen im Grundschulalter und in der Form des Einsatzes von Handlungsorientierten Unterrichts, der die Erstellung eines Hörspiels zum Ziel hat. Für die Konkretisierung des Themas auf den Deutschunterricht in der Sekundarstufe I musste sich jedoch wesentlich gestützt werden auf die allgemeineren Darstellungen von Jutta Wermke in Bezug auf die Hörspieldidaktik. 3
Verschiedene Autoren berichten von einer steigenden Nachfrage und einem regelrechten „Boom“ des Hörbuches, der sowohl für den Erwachsenen- als auch den Kinder- und Jugendbereich festzustellen ist. 4 Doch was versteht man unter dem Begriff Hörbuch, von dem erst seit wenigen Jahren die Rede ist und wie wird er exakt definiert?
Der Begriff Hörbuch ist entstanden als eine Art Oberbegriff für alle Sprach-Hörmedien, unter dem Original-Hörbücher, Lesungen, Live-Vorträge, Hörspiele, Features, Collagen, Archivaufnahmen/Tondokumente, CD-ROMs/Multimediaprodukte, Ergänzungen zu Büchern und Soundtracks mit Dialogen zusammengefasst werden:
Unter Hörbüchern versteht man Medien, die ausschließlich auditiv sind und bei denen - im Unterschied zur Musik oder zu Liedern - das gesprochene Wort überwiegt. Dementsprechend zählt man zum Hörbuch Hörspiele (sowohl Originalhörspiele, die schon als solche geschrieben sind, als auch Hörspielfassungen epischer Texte), ferner
3 WERMKE, Jutta: Das Hörbuch im Rahmen einer Hördidaktik. In: Der Deutschunterricht 4 (2004), S. 50-62, (Im Folgenden zitiert als: WERMKE 2004.)
4 MÜLLER, Karla: Hörbücher im Deutschunterricht. In: Die Grundschulzeitschrift 193 (2006), S. 3-8, hier: S. 3. (Im Folgenden zitiert als: MÜLLER 2006.) Vgl. auch: MÜLLER, Karla: Literatur hören und hörbar machen. In: Praxis Deutsch 5 (2004), S. 6-13, hier: S. 6. (Im Folgenden zitiert als: MÜLLER 2004.) Vgl. auch: SEIBERT, Peter und HACHENBERG, Katja:
Editorial. Ein Themenheft des „ Deutschunterricht“ zum Hörbuch? In: Der Deutschunterricht 4 (2004), S. 2-6, hier: S. 2f. (Im Folgenden zitiert als: SEIBERT und HACHENBERG 2004). FEY, Antje.: Geschichte des Hörbuchs in Deutschland. Definition, Marktentwicklung und Marketingstrategien. In: Der Deutschunterricht 4 (2004), S. 7-16, hier: S. 9f. WERMKE 2004, S. 50.
4
werden als Hörbuch alle Arten der Lesung von Gedichten, Erzählungen, Romanen, usw. bezeichnet, teils mit, teils ohne Musik, von
Erwachsenen und/oder Kindern gesprochen. 5
Diese recht weitläufig anmutende Definition ist analog zum „Audiobook“ entstanden, und diesem ähnlich, signalisiert sie eine Buchorientierung des Genres. Damit greift die Definition die Vorherrschaft des Hörbuchs als Lesung eines Werkes auf. Dies meint, dass ein schriftlicher Text möglichst originalgetreu von einem Sprecher vorgelesen wird. Dies impliziert einige Besonderheiten im Vergleich zum traditionellen Hörspiel: Zum einen, dass Kürzungen der Hörbuchfassungen zu Beschädigungen der originalen Vorlage führen. Der Originaltext wird nämlich nicht zu einem eigenständigen neuen Werk transformiert, sondern er wird lediglich vorgetragen. 6 Zum anderen gewinnt jedoch die Person des Sprechers an Bedeutung, da sie in den häufigsten Fällen alleine den Text vorträgt. Dies bedeutet, dass die Interpretation des Sprechers die entscheidende Form der Bearbeitung des Textes darstellt.
Der Sprechende tritt somit in die Position des (hörenden) Lesenden und trifft dessen Interpretation - oder er trifft sie nicht und kann als Eindringling in den Dialog von Leser und Autor empfunden werden. Dies gilt selbstverständlich nur dann, wenn der Hörende den Originaltext kennt. Doch neben dem Hörbuch als Lesung des Originaltextes gibt es eine weitere literarische Form des Terminus` Hörbuch: Die gesprochene Umsetzung des geschriebenen Hörspiels. Wobei Hörspiel hier die literarische Form meint, die auf Inszenierung hin angelegt ist. Eine weitere Möglichkeit bildet die Bearbeitung eines Prosatextes als Hörspielfassung. Dies bedeutet für das Original jedoch zugleich eine Transformation in ein anderes literarisches Format als auch eine andere mediale Präsentation. Für beides sind Eingriffe in den Ausgangstext von Nöten. Diese werden lediglich nach ihrer Funktion im Hörspiel beurteilt.
Die dezidierte Unterscheidung von „Hörspiel“ und „Hörbuch“ wird in der vorliegenden Arbeit näher besprochen werden, wenn die sich hieraus
5 MÜLLER (2006), S. 5.
6 Die ungekürzte Version eines derartigen Hörbuchs ist durch die digitale Aufnahmemöglichkeit der letzten Jahre auch ein immer geringeres technisches Problem geworden.
5
ableitenden unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten im Unterricht bearbeitet werden. Konkret wird hierbei zwischen dem Hörbuch, das im Unterricht als Medium eingesetzt wird und dem Hörspiel, das als Handlungsprodukt einer Unterrichtsreihe entsteht zu unterscheiden sein.
b.) Die zunehmende Konkurrenz zum Buch
Ulf Abrahams Erkenntnis, dass „nicht mehr nur mit Büchern, sondern auch mit Kassetten und CDs, mit CD-ROMs und dem Internet“ 7 eine neue Generation heranwachse, ist mittlerweile bereits natürlicher Konsens und mutet beinahe historisch an. Die Medienvielfalt, auf die Kinder und Jugendliche zugreifen können und die sie selbstständig in ihrer Freizeit nutzen, hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Film und Fernsehen als visuelle Angebote, CDs und Mp3s als auditive Angebote, Spielkonsolen für das Eintauchen in digitale Welten, und das Internet als scheinbar allgegenwärtiges Medium mit Spiel- und Kommunikationsfunktionen und -formen. Letzteres bietet im Übrigen oftmals mediale Mischformen an. Das Nutzungsverhalten der diversen Medien von Jugendlichen wurde in den vergangenen Jahren vielfach kritisch beäugt und untersucht. 8 Dieser allgemeinen Entwicklung musste Schule begegnen und Stellung beziehen.
Der Deutschunterricht muss dieser Entwicklung dezidierter begegnen, da beispielsweise auch die schlechten Werte der Lesekompetenz von 15-jährigen in Deutschland auf diese Medialisierung zurückgeführt werden. 9 Nach Ulf Abraham und Volker Frederking haben insbesondere die AV-Medien klassische Formen literarischer Sozialisation verändert. Sichtbar wird dies in der Form, dass der Deutschunterricht nicht mehr von einer selbstverständlichen
7 ABRAHAM, Ulf et al.: Praxis des Deutschunterrichts. Arbeitsfelder, Tätigkeiten, Methoden. Donauwörth 1998, S. 140. (Im Folgenden zitiert als: ABRAHAM, 1998.)
8 Vgl. hierzu exemplarisch: BOFINGER, Jürgen: Schüler - Freizeit - Medien: Eine empirische Studie zum Freizeit- und Medienverhalten 10- bis 17-jähriger Schülerinnen und Schüler. München 2001. S. 1-6.
9 Vgl. für eine Auswertung der PISA Studie: ARTELT, Cordula und STANAT, Petra und SCHNEIDER, Wolfgang und SCHIEFELE, Ulrich: Lesekompetenz: Testkonzeption und Ergebnisse, in: Jürgen BAUMERT u.a. (Hrsg.): PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich, Opladen 2001, S. 69-137, hier: S. 109. Und auch: ARTELT, Cordula und Stanat, Petra: Leistungen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Die PISA Studie, in: Claudia SPIEL (Hrsg.): Bildungspsychologie. Göttingen 2010, S. 352-356.
6
Arbeit zitieren:
Philipp Erbslöh, 2010, Lesen vs. Hören. Der Einsatz von Hörbüchern im Deutschunterricht - dargestellt am Beispiel von „Boot Camp“, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft: Lesen vs. Hören. Der Einsatz von Hörbüchern im Deutschunterricht - dargestellt am Beispiel von „Boot Camp“ ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft: neuer Titel erschienen: Lesen vs. Hören. Der Einsatz von Hörbüchern im Deutschunterricht - dargestellt am Beispiel von „Boot Camp“
Philipp Erbslöh hat einen neuen Text hochgeladen
Smartups: Lessons from Rob Ryan's Entrepreneur America Boot Camp for S...
Rob Ryan, David J. BenDaniel
Baby Boot Camp: Basic Training for the First Six Weeks of Motherhood
Rebecca Ingram Powell, Rebecca Ingram Powell
Culinary Boot Camp: Five Days of Basic Training at the Culinary Instit...
Culinary Institute of America, Martha Rose Shulman
0 Kommentare