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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Noltens Bilder als Vorausdeutung seines Schicksals 2
2.1 Die Deutung der Bilder 3
2.1.1 Das Nymphengemälde. 3
2.1.2 Das Bild der Orgelspielerin oder
Die nächtliche Versammlung musikliebender Gespenster. 5
2.2 Die Vorausdeutung des Schicksals 7
3 Kunst als Ideal 9
3.1 Das Bild der Loskine als Wunschbild des Ideals 9
3.2 Die Suche nach einem Ideal - Hin- und Abwendung 10
4 Fazit 14
5 Literaturangaben 15
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1 Einleitung
Die künstlerische Bewegung begann in Europa vor allem in der Zeit der Romantik. In der Literatur wurde der Gegenstand der Kunst von vielen Autoren als Motiv aufgegriffen und behandelt: Schriftsteller wie Joseph von Eichendorff oder Johann Wolfgang von Goethe setzten sich in ihren Werken mit der Künstlerthematik auseinander.
Der Schriftsteller und Dichter Eduard Mörike benutzt in seinem Roman „Maler Nolten“ 1 die Kunst als Vorausdeutung für das Schicksal des Protagonisten und gibt somit dem Charakter der Kunst und der mit ihr verbundenen Imagination eine ganz andere Perspektive.
Diese Arbeit soll zeigen, dass Eduard Mörike die Thematik der Kunst mit der des Schicksals verbunden hat. So sind die Gemälde des Protagonisten Theobald Nolten eng mit seinem Schicksal verknüpft, wie im Folgenden gezeigt werden soll. Weiterführend soll auch die Frage nach einem Ideal des Künstlers beantwortet werden, indem Noltens Suche nach einem Ideal erörtert und das Bild der Loskine als Wunschbild des Ideals vorgestellt wird.
2 Noltens Bilder als Vorausdeutung seines Schicksals
Das Schicksal und die Kunst sind wohl die Hauptmotive des Romans. Die Verbindung beider wird besonders bei dem Protagonisten Theobald Nolten sichtbar, dessen Schicksal durch das Bild der Loskine mehr oder weniger gelenkt wird. Vorwiegend kommt diesem Gemälde die Funktion eines Wunschbildes eines Ideals zu, welches Theobald in seiner eigenen Kunst zu erreichen versucht.
Um herauszufinden, welches Schicksal dem Maler bestimmt ist, bedarf es als erstes der Deutung seiner Bilder, die am Anfang des Romans beschrieben werden. Aus ihnen erschließen sich Verbindungen zum weiteren Handlungsgeschehen beziehungsweise nehmen sie dieses teilweise vorweg und deuten auf das Kommende hin.
1 Zitiert wird aus: Baumann, Gerhart und Grosse, Siegfried (Hrsg.): Sämtliche Werke. Briefe.
Ausgabe in drei Bänden. Stuttgart: J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. 1961; im Folgenden
Abgekürzt durch MN für Malter Nolten.
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2.1 Die Deutung der Bilder
2.1.1 Das Nymphengemälde
Das Gemälde zeigt eine Wassernymphe, der ein Junge in einem Kahn entgegenschwimmt. Der Knabe erschreckt sich bei dem Anblick der Nymphe und scheint sich gleichzeitig von ihr angezogen zu fühlen. Ein Satyr steuert den Kahn und ist Zuschauer des Treibens: Er steht seitwärts im Boot auf das Ruder gelehnt.
In diesem Kunstwerk Noltens spiegelt sich seine seelische Verfassung wider. Der Knabe symbolisiert Nolten, der sich hin- und hergerissen fühlt: „Der schlanke Knabe beugt sich angstvoll zurück und streckt, doch
unwillkürlich, [der Nymphe] e i n e n Arm entgegen“. [MN, S. 9]
Die Nymphe deutet aufgrund ihres Aussehens auf das Exotische und Fremdartige hin, denn „das leichte, nur noch über die Schulter geschlungene Tuch“ lässt „der Wind als schmalen Streif in die Höhe flattern“ [MN, S. 9] und der nicht-menschliche Körper des Wassergeistes verstärkt das Empfinden des Fremden und Unbekannten.
Die Nymphe verkörpert in dem Bild die Gegensätze von Abstoßung und Anziehung, von Faszination und Schrecken und verweist damit auf die Zigeunerin Elisabeth 2 , die im Roman weitgehend unbekannt bleibt und immer wieder wie ein Geist aus dem Nichts in Noltens Leben erscheint. Die erste Begegnung mit ihr löst bei ihm eine gewaltige Verzauberung aus, die sich später nur noch in Abscheu äußert. Elisabeth ist die „schlimme Zauberblume“, die „auf dem Grund und Boden“ [MN, S. 287] von Noltens Schicksal aufgeschossen ist. Die „Wahnsinnige“ [MN, S. 175] ist „Todesbotin und Schicksalskünderin“ 3 sowie „düstere[r] Bote unbegreiflicher Mächte“ 4 und ein „verhaßtes, freches Gespenst“. [MN, S. 347]
Der Satyr, als halbtierischer und -menschlicher Naturdämon mit Hörnern und Ziegenfüßen, wird in Volkssagen auch als Wildmensch bezeichnet. Deshalb stellt auch er eine der Nymphe symbolisch ähnliche Gestalt dar und
2 „Sie [Nolten und seine Schwester] fanden eine Jungfrau, deren fremdartiges, aber keineswegs
unangenehmes Aussehen auf den ersten Blick eine Zigeunerin zu verraten schien. [...]
Schönheit und Kraft, alles war geeignet, Ehrfurcht, ja selbst Vertrauen einzuflößen.“ [MN, S.
173]
3 Storz, Gerhard (1967): Eduard Mörike. Stuttgart, S. 160.
4 Wiese, Benno von (1950): Eduard Mörike. Tübingen, Stuttgart, S. 179.
4
dementsprechend auch die der heimatlosen Elisabeth. Beide weisen aber in ihrer Darstellung unterschiedliche Merkmale auf. Die lockende Nymphe konkretisiert die anziehende Seite Elisabeths, während der Satyr die abschreckende Seite veranschaulicht:
„Eine stumme Leidenschaft spricht aus seinen [Satyr] Zügen“ und „seine
heftige Liebe“ zur Nymphe wird durch „unverhoffte[r] Eifersucht“ bestraft. [MN, S. 10]
Satyr und Nymphe, die den Knaben zwischen sich eingrenzen, stellen die Zerrissenheit Noltens hinsichtlich der Zigeunerin sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart dar.
Die „vollkommene Meeraussicht“ [MN, S. 10] beziehungsweise das Meer ist ein Symbol der Entgrenzung. Der Knabe hätte die Möglichkeit, sich den Gestalten zu entziehen und in die Freiheit zu gelangen. Doch er schafft es nicht, sich zu lösen. Auf Nolten bezogen bedeutet dies, dass auch er die Möglichkeit hätte, sich seinem Schicksal, das vorwiegend mit Elisabeth verbunden ist, zu entziehen. Er kann sich aber nicht von ihr lösen 5 und verstrickt sich zunehmend in seinen eigenen Empfindungen, wodurch es mehr und mehr zu Missverständnissen mit all den Personen kommt, die um Nolten sind 6 . Das Herabziehen des Kahns mit dem Knaben durch die Nymphe macht das Meer auch zum Motiv des Sturzes. Damit wird dem Leser eine Vorausschau auf den Untergang und das Scheitern Noltens gegeben.
2.1.2 Das Bild der Orgelspielerin oder Die nächtliche Versammlung musikliebender Gespenster
Dieses Gemälde hinterlässt beim Betrachter einen tiefen und schauerlichen Eindruck. Auf einem eingeschlossenen Waldplatz, der an einer Seite frei ist und Blick auf eine glänzende Ebene ermöglicht, befindet sich eine Gruppe von tanzenden, „wunderlichen Wesen“ [MN, S10]. Sie führen einen Totentanz auf und werden von einer Orgelspielerin begleitet. An der Orgel lehnt ein „schlummertrunkener Jüngling mit [...] leidenden Zügen“ [MN, S. 11], dem ein
5 Elisabeth ist in Noltens Unterbewusstsein verankert und daher eine stetige Begleiterin, auch
unabhängig von ihren realen, regelmäßigen Auftritten.
6 Zum Beispiel intrigiert Elisabeth gegen Agnes, dass Nolten sie (Elisabeth) heiraten wird,
woraufhin sich Agnes enttäuscht von Nolten abwendet, der in dieser Abwendung ein
Fremdgehen Agnes’ vermutet.
Arbeit zitieren:
M.A. Liane Hein, 2004, Die Künstlerthematik in Eduard Mörikes Roman „Maler Nolten“ , München, GRIN Verlag GmbH
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