Inhalt
Vorwort 1
1. Antisemitische Verschwörungstheorien 2
1.1. Definition Verschwörungstheorien 2
1.2. Antijudäische und -semitische Verschwörungstheorien 3
1.2.1. Vorurteile in der Antike 3
1.2.2. Das Mittelalter 5
1.2.3. Verschwörungstheorien im Kontext der franz. Revolution 6
1.2.4. Die Protokolle der Weisen von Zion 6
1.2.5. weitere antisemitische Verschwörungstheorien 8
1.2.6. Aktuelle antisemitische Einstellungen 8
1.2.7. Zusammenfassung 9
2. Antisemitische Verschwörungstheorien nach 9/11 10
2.1. Das Mitwissen Mossads und die israelischen Spione 10
2.2. Die Medienverschwörung und der „große Lauschangriff“ 12
2.3. Die geringe Anzahl jüdischer Opfer 14
2.4. weitere Verschwörungstheorien 15
3. „Cui bono?“ - der angebliche Nutzen Israels und der Juden 16
3.1. Zeitpunkt der Anschläge 16
3.2. Israel und die Juden: Die Täter von 9/11 17
4. Die Funktionen der Verschwörungstheorien 18
4.1. Klärung der offenen Fragen zu 9/11 19
4.2. Vereinfachung des Nahost-Konflikts 20
4.3. Verdrängung der eigenen Schuld 21
5. Schlussbetrachtung 23
Literaturliste 25
Vorwort
Am 11. September 2001 flogen zwei entführte Flugzeuge des Typs Boing 767 in die dadurch später einstürzenden Türme des World Trade Centers. Ein weiteres Flugzeug schlug im Pentagon ein. Eine andere entführte Maschine konnte ihr Anschlagsziel nicht mehr erreichen und stürzte in der Nähe von Pittsburgh (Pennsylvania) zu Boden. Diese Tragödie forderte um die 3.500 Opfer.
Geplant und durchgeführt wurde dieser Anschlag von Osama bin Laden und seinem „Terrornetzwerk“ Al-Qaida. 19 Selbstmordattentäter steuerten die Flugzeuge dorthin, wo sie ihre verheerende Wirkung erzielten. Ziel war es, die „imperialistische, satanische Weltmacht USA an ihrer empfindlichsten Stelle zu treffen und Angst und Krieg auf den nordamerikanischen Kontinent zu bringen.
Soweit die offizielle, weit verbreitete Variante. Doch ist es wirklich möglich, dass 19 ungeschickte Flugschüler riesige Passagierflugzeuge so genau und vor allem so ungestört von den amerikanischen Abfangjägern in ihr Ziel fliegen konnten? Erscheinen die Opferzahlen glaubhaft, wenn man bedenkt, dass mehr als zehntausend Menschen zu dieser Zeit in den Türmen des WTC gearbeitet haben sollen?
War der Zeitpunkt der Anschläge nicht geradezu selten ungünstig für einen islamischen Angriff, der die USA in die Opferrolle bringt und internationale Solidarität heraufbeschwört? War er nicht umso passender für die US-Regierung, die sogleich mit dem „patriot-act“ die Freiheit zugunsten der inneren Sicherheit beschneiden konnte und noch einen Freibrief der US-Bevölkerung dafür bekam? Konnte Israel, der Kompagnon der Vereinigten Staaten, nicht seine Position unter Berufung auf Terrorbekämpfung in den Palästinensergebieten stärken und Angriffe legitimieren?
Es stellen sich viele Fragen, eine ganze Reihe davon lässt sich nicht so einfach beantworten. Genau dort setzen Theorien an, die fernab der offiziellen Verlautbarungen ihre eigenen Ansätze verfolgen. Sie treten in die Lücken, die anders nicht oder nur unzureichend gefüllt werden können und erklären so komplizierte Sachverhalte auf eine einfache Art: Es muss sich um eine Verschwörung handeln.
1
So wird Sicherheit in eine unübersichtliche Welt gebracht. Gut und Böse wird leichter greifbar. Einige Theorieansätze sowie deren Methoden und Funktionen sollen im Folgenden anhand antisemitischer
Verschörungstheorien nach dem 11. September untersucht werden.
1. Antisemitische Verschwörungstheorien
Vorurteile, Hass und Verbrechen gegenüber Juden haben eine lange Geschichte. Um historische und im Umfeld des 11. Septembers aufkommenden Ressentiments und Vorwürfe letztlich von
Verschwörungstheorien unterscheiden zu können, muss vorher definiert werden, was eine solche Theorie ausmacht. Dies soll zu Beginn dieser Arbeit geschehen.
Um die antisemitischen Vorwürfe nach dem 11. September richtig einordnen zu können, ist es vonnöten, zuerst auf die Geschichte einzugehen und historische antijudäische bzw. antisemitische Vorurteile (zum Unterschied später mehr) darzustellen, um eine eventuelle Entwicklung erkennen zu können.
1.1. Definition Verschwörungstheorien
Verschwörungstheorien sind weniger Theorien im wissenschaftlichen Sinne, als vielmehr politische Ideologien, Mythen, die eine bestimmte Weltanschauung darstellen. Sie sind dadurch zu erkennen, dass es sich bei ihnen nicht um vereinzelte, (gerechtfertigte) Kritik, Fragen oder Interpretationen handelt, sondern um eine geschlossene Weltsicht, die gegen äußere Kritik immun ist. Unverständliche Geschehnisse finden durch Verschwörungstheorien eine Erklärung, die meist die gleichen Gruppierungen zu Schuldigen macht und somit Feindbilder kreiert. Diese Gruppe operiere, den Theorien folgend, im Verborgenen, um eine Verschwörung zu ihren Gunsten durchzuführen. Die gesamte restliche Bevölkerung unterliegt einer Täuschung, mit Ausnahme einer kleinen Menge, welche hinter die Fassade blicken könne und sich gegen die Verschwörung zur Wehr zu setzen versucht.
Diese kleine Menge ist es, die sich v.a. der Feindgruppe gegenüber absetzt und dadurch ihr eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken versucht. Bemerkenswert ist, dass die Verschwörer, die durch die „cui bono“-Frage
2
(„wem ein Ereignis nützt, der muss es auch verursacht haben“ 1 ) „entlarvt“ werden, dabei einerseits äußerst mächtig sind und große Teile der Welt bereits kontrollieren oder kurz davor sind, diese Möglichkeit zu erlangen - andererseitsaber auch zu schwach sind, um diese Macht vollends auszunutzen.
Hauptfunktion einer Verschwörungstheorie ist es folglich, komplexe, schwer verständliche Strukturen oder Ereignisse vereinfacht darzustellen, indem man diese auf eine personelle Ebene überträgt und somit leichter zugänglich macht 2 .
1.2. Antijudäische und -semitische Verschwörungstheorien
Aufgrund der relativ hohen Anzahl antisemitischer sowie antijudäischer Verschwörungstheorien, die sich im Laufe der Geschichte um die Juden rankten, sollen hier nur die historisch wichtigsten behandelt werden. Zudem wird ein Hauptaugenmerk auf die Stereotypen geworfen, denen die verschiedenen Theorien zugrunde liegen.
Zur besseren Übersicht bietet es sich hierbei an, chronologisch vorzugehen, auch wenn die verschiedenen Theorien nicht zwangsläufig aufeinander basieren. Entwicklungen in der Antike, im Mittelalter, zur Zeit der französischen Revolution und im beginnenden 20. Jahrhundert werden folglich getrennt betrachtet, wobei eventuelle kausale Zusammenhänge beachtet werden.
1.2.1. Vorurteile in der Antike
Die ersten gegen Juden gerichteten Vorurteile und Vorbehalte lassen sich bereits in der Antike finden. Schon im dritten Jahrhundert vor Christus schrieb Hekataios von Abdera über die Juden, dass ihre Lebensweise „menschen- und fremdenfeindlich“ sei. Allerdings nicht ohne als Erklärung die jüdische Erfahrung in Ägypten zu erwähnen 3 . Der heidnische Poet Philostratos behauptete im zweiten Jahrhundert nach Christus, dass die „Juden […] sich nicht nur gegen die Römer, sondern die ganze Menschheit erhoben“ 4 hätten und in einer „undurchschnittlichen Absonderung“ 5 leben würden.
1 Vgl. Popper 1997: 112f - dort wird bereits auf den Fehler dieser Sichtweise hingewiesen.
2 Vgl. Jaecker 2004: 15-17
3 Schubert 1995: 27
4 Zit. nach Jaecker 2004: 42
5 Ebd.
3
Gründe für diese Sichtweise liegen v.a. in der unterschiedlichen Lebensweise von Römern/Griechen und Juden. Unterschiedliche religiöse Vorschriften (wie z.B. der Sabbat) sowie die Abgrenzung vom Kaiserkult und die Verehrung nur eines Gottes erschwerten eine Eingliederung in die übrige Gesellschaft und machten die Juden so schnell zu einer Gruppierung von Außenseitern, die Misstrauen erweckte 6 . Dass die Aussetzung von Neugeborenen im Judentum verboten war und eine bei den heidnischen Religionen auf diese Weise vorgenommene „Geburtenregelung“ wegfiel, veranlasste den römischen Historiker und Senator Tacitus zu der Befürchtung, die Juden hätten vor, die übrige Bevölkerung beherrschen zu wollen und dafür die Bevölkerungsmehrheit anzustreben 7 . Bereits hier taucht die Befürchtung einer jüdischen Verschwörung auf.
Zu heidnischen „Kritikern“ des Judentums kamen bald christliche, die ihre neue, aufstrebende Religion in einer Konkurrenzsituation zum Judentum sahen. Die Schuld am Tode Jesus Christus wurde den Juden gegeben, die durch ihre Ablehnung der Erlösung durch Jesus Tod mit Ketzern, Heiden und Häretikern gleichgesetzt wurden und somit als gottlose Verbrecher ohne Moral gesehen wurden 8 .
Bis zum fünften Jahrhundert entwickelte sich darauf basierend innerhalb des Christentums eine „antisemitische Dämonologie“. Juden wurden in Verbindung mit dem Anti-Christen gebracht, Synagogen als Orte „schwarzer Magie“ oder als „Sammelstätten der Christenmörder“ bezeichnet 9 . So wurde von christlicher Seite aus versucht, die jüdische Religion zu diskreditieren, die eigene Anhängerschaft hinter sich zu versammeln und geschlossen gegen das Judentum zu formieren. Die Motive dieser Vorurteile und - wenn man sie schon so nennen mag - Verschwörungstheorienberuhten daher auf rein religiösen Aspekten und entstanden aus dem Wettbewerb v.a. der christlichen mit der jüdischen Religion heraus.
Es zeigt sich also, dass die Juden schon in der Antike oft als eine abgesonderte, zu fürchtende Gruppierung dargestellt wurde, welcher
6 Schubert 1995: 26
7 Ebd: 28
8 Benz 2004: 65
9 Ebd: 66
4
konspirative Zusammenarbeit im Geheimen zugetraut wurde und welche weder Moral noch Anstand kenne. Allerdings war dies eine zwar weit verbreitete, jedoch nicht die einzige Meinung über die Juden 10 .
1.2.2. Das Mittelalter
Im Mittelalter, in dem die Religion das Leben der Menschen stark bestimmte, weitete sich die religiös geprägte Abneigung gegenüber den Juden nach und nach auf die weltliche Ebene aus.
Die Dämonisierung des Judentums wurde (immer noch auf die religiöse Ebene bezogen) weiter vorangetrieben: Die Juden wurden der Vergiftung von Brunnen beschuldigt und man sagte ihnen nach, aus rituellen Gründen Christenkinder zu Opfern 11 . Noch immer spielte hierbei gegenseitiger Wettbewerb eine wichtige Rolle, jedoch kam den Juden immer öfter die Schuld für andere Ereignisse zu, für die die Menschen keine andere Erklärung finden wollten oder konnten als die einer jüdischen Verschwörung: Naturkatastrophen, Unruhen, Revolutionen, Hungersnöte, Pest, Kriege usw. - den Juden eine (Mit-)Täterschaft zu unterstellen wurde im Mittelalter zu einem probaten Mittel, um schwer begreifliche, gemeinhin als unerklärlich eingestufte Ereignisse zu erklären 12 .
Hinzu kommt mit dem Beginn der Geldwirtschaft und dem Leihgeschäft durch vornehmlich Juden (für Christen bestand ein allgemeines Zinsverbot) ein finanziell lukrativer Grund, Propaganda gegen die Juden zu betreiben: An vertriebene oder ausgereiste Juden musste man keine Schulden zurückzahlen 13 .
Das negative Bild der Juden aus der Antike wurde im Mittelalter weiter verbreitet und gewann an Prägkraft. Nichts gab es, was man dem gemeinen, mit dem Teufel paktierenden Juden nicht zugetraut hätte. Die Macht des gefährlichen, zersetzenden, geldgierigen Juden, der zusammen mit seinen Glaubensbrüdern Pläne gegen die Christenheit ausheckt - viele solcher bekannter Vorurteile erhalten ihre weitere Ausformung in dieser Zeit.
10 Vgl. Schubert 1995: 38
11 Ebd: 52; Grözinger 1995: 63
12 Jaecker 2004: 43
13 Vgl. Priester 2003: 175f
5
Arbeit zitieren:
Sascha Wandhöfer, 2006, Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September 2011, München, GRIN Verlag GmbH
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