Eidesstattliche Erklärung
Ich versichere an Eides statt durch meine Unterschrift, dass ich die vorstehende Arbeit selbständig und ohne fremde Hilfe angefertigt und alle Stellen, die ich wörtlich oder annähernd wörtlich aus Veröffentlichungen entnommen habe, als solche kenntlich gemacht habe, mich auch keiner als der angegebenen Literatur oder sonstiger Hilfsmittel bedient habe. Die Arbeit hat in dieser oder ähnlicher Form noch keiner anderen Prüfungsbehörde vorgelegen.
Darmstadt, den 04. Oktober 2011
Markus Burger
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Formelverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
2 Sustainability 2
2.1 Historische Entwicklung der Nachhaltigkeit 2
2.2 Weitere Modelle unternehmerischer Verantwortung 4
2.3 Modell der Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext 7
2.3.1 Grundgedanke der Nachhaltigkeit 7
2.3.2. Weiterentwicklung des Drei-Säulen-Modells 10
2.3.3 Bedeutung der Kernbereiche der Nachhaltigkeit. 11
2.4. Zwischenfazit zur Nachhaltigkeit 16
3 Branche der Energieversorgungsunternehmen 18
3.1. Energiewirtschaft und Energieversorgung 18
3.2. Energieversorgung in Zahlen 20
3.3. Verantwortung und Herausforderungen von Energieversorgern. 23
4 Sustainability Reporting 27
4.1. Grundlagen der Nachhaltigkeitsberichterstattung 27
4.2. Ursachen und Wirkungen des Sustainabiltiy Reportings 30
4.3. Gegenwärtige und zukünftige Anwendung von Sustainability Reporting 33
4.4. Richtlinien der GRI zum Sustainability Reporting 36
4.4.1. Praxisrelevanz der GRI 36
4.4.2. Berichtserstattungsgrundsätze der GRI 38
4.4.3. GRI- Standardangaben 40
4.4.4. Electric Utilities Sector Supplement 44
5. Analytische Vorgehensweise 46
III
5.1. Datengrundlage der Analyse 46
5.2. Auswahl der berichtenden Unternehmen 48
5.3. Analyse der Nachhaltigkeitsberichte 50
5.3.1 Indikatoren zur Unternehmensdarstellung und formalen Aspekten 51
5.3.2 Ökonomische Indikatoren 58
5.3.3 Ökologische Indikatoren. 61
5.3.4 Soziale Indikatoren 66
5.4 Bewertung und Gewichtung 72
6. Ergebnisse der Analyse 74
6.1 Häufigkeit der Berichte 74
6.2. Auswertung der Printberichte 76
6.2.1. Printberichte der großen Unternehmen. 77
6.2.2. Printberichte der mittelgroßen Unternehmen 79
6.2.3. Weitere Ergebnisse 81
6.3. Auswertung der Onlineberichte 84
7. Fazit 87
Anhang IX
Anhang 1: Stichprobe der Energieversorgungsunternehmen IX
Anhang 2: Indikatorkatalog Kennziffer I XIII
Anhang 3: Indikatorkatalog Kennziffer II XV
Anhang 4: Indikatorkatalog Kennziffer III XVI
Anhang 5: Indikatorkatalog Kennziffer IV XVII
Anhang 6: Erreichte Punkte Printberichte XVIII
Anhang 7: Erreichte Punkte Onlineberichte XIX
Anhang 8: Zuordnung der Kriterien von Quick XX
Literaturverzeichnis XXII
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Entwicklung der Nachhaltigkeitsmodelle
Abbildung 2: Stakeholdermatrix
Abbildung 3: Nachhaltigkeitsrad
Abbildung 4: Wertschöpfungskette der Energieversorgung
Abbildung 5: Energieverbrauch, Wirtschaftswachstum und Energieproduktivität
Abbildung 6: Entwicklung des Primärenergieverbrauchs
Abbildung 7: Verbreitung der GRI Richtlinien
Abbildung 8: Schematische Aufteilung des Untersuchungsinhaltes
Abbildung 9: Umsatz der berichtenden Unternehmen
Abbildung 10: Gesamtpunktzahlen der Printberichte
Abbildung 11: Punktzahl der Teilbereiche große Unternehmen
Abbildung 12: Punktzahl der Teilbereiche mittelgroßer Unternehmen
Abbildung 13: Einfluss der GRI-Richtlinien auf die Gesamtwertung
Abbildung 14: Erstberichtserstattung und der Integration im Geschäftsbericht
Abbildung 15: Vergleich der Gesamtwertung von Print- und Onlineberichten
Abbildung 16: Punktzahl der Teilbereiche der Online-Berichte
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: GRI- Indikatorprotokolle 43
Tabelle 2: Anzahl der Energieversorger nach Bundesland 48
Tabelle 3: Berichtsbezeichnungen der Printberichte 49
Tabelle 4: Anzahl der berichtende Unternehmen und Unternehmensgröße. 75
VI
Formelverzeichnis
Formel 1: Nachhaltigkeitskapital. 9
Formel 2: Randbedingung des Nachhaltigkeitskapitals 9
Formel 3: Anteil Recyclingmaterial 62
Formel 4: Gesamtenergieverbrauch. 62
Formel 5: Ozonemission 64
Formel 6: Berechnung der Punktzahl 72
Formel 7: Berechnung der Gesamtpunktzahl 72
Formel 8: Umrechnung der Punkte aus den Teilbereich 73
VII
Abkürzungsverzeichnis
BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
CC Corporate Citizenship
CR Corporate Responsibility
CSR Corporate Social Responsibility
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
ENSO Energie Sachsen Ost AG
EnWG Energiewirtschaftsgesetz
EW Energiewirtschaft
EUSS Electric Utility Sector Supplement
GASAG Berliner Gaswerke AG
GRI Global Reporting Initiative
GuV Gewinn und Verlust
HGB Handelsgesetzbuch
IÖW Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
ISO International Organization of Standardization
KKW Kernkraftwerk
MWh Megawattstunde
PEV Primärenergieverbrauch
SR Sustainability Reporting
SRG Sustainability Reporting Guidelines
SVO SVO Energie GmbH
SWE Stadtwerke Erfurt GmbH
WVV Würzburger Versorgungs- und Verkehrs- GmbH
VIII
1 Einleitung
Das Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren sowohl für die Öffentlichkeit als auch für den unternehmerischen Alltag deutlich an Bedeutung gewonnen. Aussagen über eine nachhaltige Entwicklung können heutzutage in fast allen Lebensbereichen gefunden werden. 1 Die Energieversorger schließen sich diesem Trend ebenfalls an. Sie sprechen von Ökostrom und nachhaltiger Energie. 2 Wollen die Unternehmen jedoch nicht des Greenwashings 3 beschuldigt werden, müssen sie die Nachhaltigkeit aktiv und in angemessenem Rahmen nach außen und nach innen kommunizieren. Ein geeignetes Mittel hierzu ist der Nachhaltigkeitsbericht.
Auch in der Forschung steigt das Interesse an der Nachhaltigkeit und damit verbundenen Themen. So wurden in den letzten Jahren zahlreiche Arbeiten und Studien veröffentlicht, die sich mit den unterschiedlichen Themengebieten der Nachhaltigkeit befassen. Einbeziehung der Stakeholder, Berichtsrahmen, Verbreitung und Nutzen der Berichterstattung sind Beispiel für deren Inhalte.
Vor allem mit dem aktuellen Wandel in der Energiepolitik durch die jüngsten Ereignisse in Fukushima (Japan) verstärkt sich die Orientierung hin zu erneuerbaren Energien und
nachhaltig erzeugtem Strom. 4 Dies zwingt die Energieversorger zu einem Umdenken, dass sowohl ökonomische und ökologische als auch soziale Konsequenzen mit sich bringt. Die Energieversorger sollten sich daher in der Pflicht sehen über den Wandel in diesen Bereichen offen und transparent zu berichten.
Die nachfolgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage inwieweit die Energieversorger auf dem deutschen Markt über ihre Nachhaltigkeit berichten und in welchem Umfang die Nachhaltigkeitsberichterstattung stattfindet.
Die Arbeit gibt zunächst eine kurze Einführung zur Nachhaltigkeit im Allgemein. Im dritten Kapitel erfolgt eine Beschreibung der Branche der Energieversorger. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem eigentlichen Sustainability Reporting. Darauf aufbauend werden die Vorgehensweise und die Inhalte der durchgeführten Untersuchung dargestellt. Abschließend werden die Ergebnisse aufgezeigt und ein Fazit zur durchgeführten Untersuchung gezogen.
1 Vgl. u.a. Hass 2011; Hartmann 2011; Wüst 2011.
2 Vgl. u.a. ENTEGA Vertrieb GmbH & Co. KG 2011; Greenpeace Energy 2011.
3 Unter Greenwashing versteht man Öffentlichkeitsarbeit, die darauf abzielt einem Unternehmen ein
umweltfreundliches und sozial verantwortungsbewusstes Handeln zu verleihen
4 Vgl. u.a. Schultz 2011;
1
2 Sustainability
Für das Sustainability Reporting ist es zunächst wichtig den Begriff Sustainability näher zu analysieren. Deshalb ist es Ziel dieses Kapitels einen umfassenden Überblick zum Begriff der Nachhaltigkeit (engl. sustainability) zu geben. Weiterhin soll diese Kapitel das zu Grunde liegende Verständnis dieser Arbeit wiederzugeben.
Um Nachhaltigkeit möglichst vollständig zu erfassen, wird zunächst die Entwicklung des Begriffes - im Laufe der Zeit - betrachtet. Hierbei werden wesentliche Meilensteine auf dem Weg zum heutigen Verständnis erörtert und deren zentralen Beiträge zu einem umfassenden Nachhaltigkeitsverständnis zusammengefasst.
Im nächsten Schritt wird das Konzept der Nachhaltigkeit von ähnlichen Konzepten, welche sich mit der unternehmerischen Verantwortung, gegenüber internen und externen Stakeholdern befassen, abgegrenzt. Dies ist für die eindeutige Definition des Begriffes Nachhaltigkeit bzw. Sustainability notwendig, da die Bandbreite synonym verwendeter, inhaltlich ähnlicher oder gleicher Begriffe erheblich ist. 5
Nach der Abgrenzung wird in diesem Abschnitt auf das eigentliche Modell der Nachhaltigkeit eingegangen. Es folgt eine Erläuterung der grundlegenden Ideen, inklusive der Kernbereiche der Nachhaltigkeit. Es wird auf die Interdependenzen zwischen diesen Bereichen und die aktuellen Entwicklung im Rahmen des Modellverständnisses eingegangen.
In einem letzten Schritt erfolgt abschließend die Definition von Sustainability, wie sie in dieser Arbeit Anwendung findet.
2.1 Historische Entwicklung der Nachhaltigkeit
In der modernen Literatur zum Thema Nachhaltigkeit 6 als Ausgangspunkt der nachhaltigen Entwicklung - somit als Ansatz zur Nachhaltigkeit - häufig das Ergebnis des sog. Bruntland-Reports aus dem Jahre 1987 gefunden. In dieser Ausarbeitung wird die Nachhaltigkeit als ein generationsübergreifendes Konzept verstanden, dessen Ziel es ist, die Bedürfnisse zukünftiger Generationen nicht zu gefährden, aber dennoch die Bedürfnisse heutiger Generationen zu befriedigen. 7 In diesem Zusammenhang von einer intragenerativen und intergenerativen Perspektive gesprochen. Die intragenerative Perspektive betrachtet dabei die Bedürfnisse innerhalb einer Generation im Querschnitt, im engeren Sinne zwischen verschiedenen
5 Paul 2008, Seite 68-70.
6 Vgl. u.a. Aras und Crowther 2009 Seite 280, Quick und Knocinski 2006 Seite 616; Jonker et al. 2010 Seite 7;
Zarnekow et al. 2010 Seite 7.
7 Vgl. United Nations 1987 Seite 24.
2
Ethnien, Kulturen und Regionen. Die intergenerative Perspektive betrachtet hingegen die Interessenskonflikte zwischen mehreren Generationen über einen zeitlichen Horizont, also im Längsschnitt.
Der Ursprung einer nachhaltigen Entwicklung geht auf VON CARLOWITZ zurück, der im 18. Jahrhundert erstmalig das Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft in seiner „Sylvicultura Oeconomica“ beschreibt. Ähnlich zu der zukunftsorientierten und intergenerativen Sichtweise des Bruntland-Reports zeigt er auf, dass nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie durch die Neupflanzung aufgeforstet werden kann, wenn der Holzbedarf zukünftiger Generationen
gesichert werden soll. 8 Der Ursprung der Nachhaltigkeit liegt somit primär im Ökologischen. 9
Ebenso sei, entlang der wesentlichen Meilensteine der Entwicklung der Nachhaltigkeit, der Club of Rome erwähnt, welcher in den 70er und 80er Jahren den Begriff der Ressourcenknappheit in die Debatte um eine nachhaltige Entwicklung brachte. 10 Dies hat dazu geführt, dass sich der Begriff Sustainability zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen über den ökologischen Teilaspekt definiert.
Angesichts dieser neuen und komplexen Herausforderungen führt der Bruntland-Report dazu, dass auch von einer politischen Seite eine notwendige Berücksichtigung von inter- und intragenerativen Interessen gefordert wird. Dieser Tendenz folgend kommt es zwangsläufig zur Einbeziehung einer sozialen Komponente in die Diskussion um die Nachhaltigkeit, da der
Mensch in die Betrachtung einfließt. 11 Nachhaltigkeit wird somit als ein Modell verstanden, welches die sozialen und ökologische Belange der Gesellschaft und die Wechselwirkungen
dieser Belange verknüpft. 12
Einen weiteren Meilenstein in der schnell wachsenden Nachhaltigkeitsgeschichte stellt die Konferenz der Vereinten Nation im Juni 1992 in Rio de Janeiro dar. Als besonders wesentlich ist die dabei entstandene Agenda 21 zu erachten, welche die Idee einer nachhaltigen Entwicklung in vier Teilen konkretisiert: soziale und wirtschaftliche Dimensionen, Erhaltung und Management von Ressourcen zur Entwicklung, Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen und Maßnahmen zur Implementierung. Dies prägen erstmalig auf global-politischer Bühne zwei weitere Aspekte der Nachhaltigkeit. 13 Diese sind der Ansatz zur Stakeholder-Theorie, durch die Einbeziehung mehrere relevanter Interessensgruppen, sowie daraus resultierend die
8 Vgl. von Carlowitz 2009 Seite 12.
9 Vgl. Deutsches CleanTech Institut 2009 Seite 12.
10 Vgl. Deutsches CleanTech Institut 2009 Seite 13.
11 Vgl. Herremans und Herschovis 2006 Seite 20.
12 Vgl. Bartelmus 1992Seite 246.
13 Vgl. United Nations 1993.
3
explizite Einbeziehung von Unternehmen. 14 Eng an die Agenda 21 und den Bruntland-Report sind weiterhin auch die Bellagio-Prinzipien gebunden. Die zehn Prinzipien sind das Resultat
der Bellagio-Konferenz im Jahre 1996. 15 Sie dienen der Einschätzung einer nachhaltigen Entwicklung, berücksichtigen Interdependenzen zwischen einzelnen Bereichen und zeichnen
sich durch ihre allgemeine Umsetzbarkeit und Anwendbarkeit besonders für die Praxis aus. 16 Im späteren Verlauf der Arbeit werden diese Prinzipien auch als Teil der Bewertung von
Nachhaltigkeitsberichten eingehen. 17
Mitte und Ende der 90er beginnen die ersten Unternehmen über Nachhaltigkeit zu berichten. Dies führt in der praktischen Umsetzung zur Komplettierung des
Nachhaltigkeitsverständnisses, da durch die Einbeziehung der Unternehmen die
wirtschaftliche Sichtweise in die Nachhaltigkeitsdebatte Einzug hält. 18 Das hierdurch entstandene Modell bezeichnet ELKINGTON als 3-Säulen-Modell (engl. tripple bottom line). Es beinhaltet die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales. Diese drei Bereiche stützen, gemäß dem Sinnbild, die Idee der Nachhaltigkeit. Es drückt im Besonderen aus, dass Nachhaltigkeit von allen drei Säulen gleichmäßig getragen werden soll und somit alle Bereiche gleich gewichtet werden. Das Modell der Tripple Bottom Line stellt den Grundstein
des heutigen, unternehmerischen Nachhaltigkeitsbewusstseins dar. 19
2.2 Weitere Modelle unternehmerischer Verantwortung
Der Begriff der Nachhaltigkeit ist vor allem auf Grund der Vielzahl an Modellen und Theorien, welche im engen Zusammenhang mit Sustainability stehen oder unter anderem Namen ähnliche Konzepte beschreiben, als kritisch anzusehen. Auch im Umfeld der Unternehmen etabliert sich diese begriffliche Vielfalt und macht es dem interessierten Leser zunächst schwer, zu durchschauen wie umfangreich das Selbstverständnis unternehmerischer Verantwortung nach Innen und nach Außen gestaltet wird. 20 Im Folgenden werden diese Konzepte in einem kurzen Überblick dargestellt und wesentliche Inhalte und Kritiken aufgezeigt.
JONKER, STARK und TEWES identifizieren, nebst der Nachhaltigkeit, vier wesentliche Konzepte, welche in Unternehmen überwiegend Anwendung finden, wenn diese über Soziales, Ökologisches und/oder Ökonomisches berichten. In ihren Augen sind dies primär
14 Vgl. United Nations 1993 Kapitel 3, Seiten 275-308.
15 Vgl. Hardi und Zdan 1997 Seite 1-4.
16 Vgl. Geßner 2008 Seiten 188-189.
17 Siehe Kapitel 5.3.
18 Vgl. Herremans und Herschovis 2006 Seite 21.
19 Vgl. Elkington 1997.
20 Vgl. Paul 2008 Seiten 64 & 68.
4
Corporate Social Responsibility (CSR), Corporate Citizenship (CC), die Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie Corporate Responsibility (CR). 21
Das Konzept der CSR ist unter diesen vier Konzepten das am weitesten verbreitete Konzept. 22 Es umfasst in erster Linie die Integration sozialer Belange und Verpflichtungen in die
Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit und ergänzt das klassische Profitstreben. 23 CSR ist sowohl ein theoretischer Ansatz als auch eine Führungsphilosophie 24 und stellt nach dem Verständnis dieser Arbeit einen wesentlichen Bestandteil der Nachhaltigkeit dar. Dieses Konzept sieht das Unternehmen als profitmaximal ausgerichtete Institution, deren politischer Einfluss durch die enge Verknüpfung von sozialen und wirtschaftlichen Prozessen erheblich ist. Darüber hinaus erfüllen Unternehmen in der Gesellschaft wesentliche soziale Aufgaben. Diese entstehen zum Einen durch die interne, zum Anderen durch die externe Kommunikation mit Stakeholdern. Sie werden, unabhängig von ihrem ökonomischen Einfluss auf das
Unternehmen, bei der Verfolgung der Unternehmensziele berücksichtigt. 25 Eine weitere Abgrenzung der CSR ist allerdings schwierig, da bei diesem Konzept keine einheitliche
Definition vorliegt. 26 Dieses Konzept ist durchaus kritisch zu betrachten, da es sich durch die begriffliche Einschränkung des Wortes social inhaltlich stark von anderen Themenkreisen,
welche im Rahmen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit relevant sind, differenziert. 27 Es wird ebenfalls kritisiert, dass CSR nicht durch die intrinsische Motivation eines Unternehmensden Informationsbedarf der Stakeholder zu befriedigen - getrieben wird, sondern in erster Linie eine Reaktion auf die Marktanforderungen darstellt. 28
Ein anderes Konzept, das versucht die Verantwortung von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft zu beschreiben, ist das Corporate Citizenship. Dass Ziel von VV ist es, ein gesellschaftsbewusstes Handeln zu implementieren. Es umfasst alle Maßnahmen, bei denen ein Unternehmen in sein gesellschaftliches Umfeld investiert. 29 CC stellt folglich ein Konzept des Gebens durch die Unternehmen dar, ohne das unmittelbar ein Mehrwert für das Unternehmen entstehen muss. 30 Im Optimalfall führt dies zu einem Imagegewinn oder einem finanziellen Vorteil für das Unternehmen. 31 Zum Gewährleisten einer nachhaltigen
21 Vgl. Jonker et al. 2010 Seiten 4-8.
22 Vgl. Viehöfer et al. 2006 Seiten 11-14.
23 Vgl. Jonker et al. 2010 Seite 4; Mildenberger et al. 2008 Seite 108; Wood 1991 Seite 696.
24 Vgl. Mildenberger et al. 2008 Seite 107.
25 Vgl. Mildenberger et al. 2008 Seiten 109-118; Caroll 1979 Seite 498.
26 Vgl. Mildenberger et al. 2008 Seite 121.
27 Vgl. Jonker et al. 2010 Seite 4.
28 Vgl. Mildenberger et al. 2008 Seite 119
29 Vgl. Jonker et al. 2010 Seite 5.
30 Vgl. Langer 2011Seite 29.
31 Vgl. Braun et al. 2010 Seite 10.
5
Entwicklung ist dieses Konzept allein nicht ausreichend. Eine Integration des Grundgedanken, in ein Nachhaltigkeitskonzept eines Unternehmens, ist dennoch wünschenswert.
Neben dem Modell der CSR und des CC ist das Modell der Wirtschafts- und Unternehmensethik das am wenigsten greifbare der genannten Konzepte. Auch wenn der Übergang zwischen beiden Ethiken nahezufließend ist, steht die Wirtschaftsethik, hierarchisch betrachtet, über der Unternehmensethik. Sie dient der gesamte Wirtschaft als Leitfaden und stellt ethische Normen. Es werden keine konkreten Handlungsempfehlungen ausgesprochen, sondern Möglichkeiten zur Reflexion und Analyse geboten. Die Unternehmensethik ist, im Vergleich dazu, praxisorientiert und unternehmensspezifisch. Sie
spiegelt individuell den externen und internen Blick auf ein Unternehmen wider. 32 Ihr Ziel ist es gesellschaftliche Werte und Normen im Bewusstsein und dem Führungsalltag des
Unternehmens zu verankern. 33 Auch dieses Konzept betrachtet nur einen Teilaspekt der Nachhaltigkeit.
Corporate Responsibility - als viertes Konzept - ist das Umfassendste der genannten Konzepte. Im Vergleich zu CSR ist CR nicht mehr nur auf die soziale Komponente beschränkt. Es erweitert die Betrachtung um den Grundgedanken der Verantwortung gegenüber der Umwelt, im ökologischen Sinne. 34 Analog zu CSR werden weiterhin das Kapital, die Gesellschaft und die Mitarbeiter in die Betrachtung integriert. 35 Dieses Konzept liegt inhaltlich sehr nahe an der Nachhaltigkeit. Daher wird der Begriff CR oftmals als
Synonym für Nachhaltigkeit betrachtet. 36 Gemäß einer Studie von PricewaterhouseCoopers im Jahre 2010 ist CR ein Brückenschlag hin zur ökologischen Betrachtung und stellt zusätzlich die sozialen Belange, wie z.B. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Compliance, Corporate Citizenship und Analgensicherheit in den Fokus der Betrachtung. CR
wird als wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie angesehen 37 , richtet sich dabei an den kurz- und mittelfristigen Zielen eines Unternehmens aus und wird in erster Linie Top-
Down, aus dem Unternehmen heraus umgesetzt. 38 Somit wird deutlich was CR im Vergleich zu Nachhaltigkeit angreifbar macht, denn durch das Fehlen einer langfristigen Orientierung, wird die intergenerative Perspektive weitestgehend ausgeblendet. Ebenso führt die Top- 32 Vgl.Jonker et al. 2010 Seiten 7-8.
33 Vgl. Hungenberg und Wulf 2007 Seiten 92-93.
34 Vgl. Wilson 2003 Seiten 1-5
35 Vgl. Jonker et al. 2010 Seite 4.
36 Vgl. Gastinger et al. 2011 Seite 6.
37 Vgl.- Horst und Albrecht 2009 Seite 296.
38 Vgl. Braun et al. 2010 Seiten 8-12.
6
Down-Umsetzung dazu, dass die Einflussnahme innerhalb der Unternehmung wächst und sich von den Stakeholdern entfernt. Somit wird das Konzept nach einem inside-out approach
umgesetzt. 39
Weitere Konzepte und Konstrukte zur Messung der Nachhaltigkeit, wie z.B. die Corporate
Social Performance 40 , der Index der menschlichen Entwicklung oder aber der Ecological Footprint, seien hier im Weiteren nicht aufgeführt. Diese Methoden besitzen entweder eine zweitrangige Relevanz in der Praxis besitzen oder sind zu eindimensional, weshalb sie eindeutig einem einzelnen Teilbereich der Nachhaltigkeit zugeordnet werden können. 41
Zusammenfassend kann festgestellt werde, dass der größte Teil der Unternehmen, welche sich mit der Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft befassen, das Modell ganzheitlicher Nachhaltigkeit heranziehen. Weiterhin bevorzugen sie als Schlagworte: Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung, Corporate Sustainability oder Sustainability, wenn
sie über nicht-finanzielle Kennzahlen berichten. 42
2.3 Modell der Nachhaltigkeit im Unternehmenskontext
Nachdem die Nachhaltigkeit zunächst in ihrer zeitlich zeitlichen Entwicklung aufgezeigt und den Begriff der Nachhaltigkeit abgegrenzt wurde, wird im folgenden Abschnitt das eigentliche Modell der Nachhaltigkeit erklärt werden. Dabei soll vor allem die Bedeutung der Nachhaltigkeit für Unternehmen in den Fokus der Betrachtung stellen.
2.3.1 Grundgedanke der Nachhaltigkeit
Die erste Frage, die sich im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit ergibt, ist aus welchem Grund ein Unternehmen eine nachhaltige Strategie verfolgen und ein nachhaltiges Management stärken sollte. Die Frage ist weiterhin welcher unternehmerische Antrieb hierbei zu Grunde gelegt wird.
Der Ausgangspunkt der nachfolgenden Erläuterung ist die Einordnung des Unternehmens in dessen direktes Umfeld. Als offenes sozio-technisches System steht es kontinuierlich unter den Einflüssen seiner Mikro- und Makroumwelt und beeinflusst diese im Umkehrschluss. 43 So ist es als natürlich anzusehen, dass dauerhaft gesellschaftliche und ökologische Anforderungen an das Unternehmen herangetragen werden, was zur Folge hat, dass ein
39 Siehe Kapitel 4.1
40 Vgl. Wood 1991 Seite 692.
41 Vgl. Kleine 2009 Seite 99.
42 Vgl. Viehöfer et al. 2006Seiten 11-14; Paul 2008 Seite 64.
43 Vgl. Hungenberg und Wulf 2007 Seiten 16-20.
7
Unternehmen in der Lage sein muss, sich auf neue und komplexe Anforderungen unterschiedlicher Natur einzustellen. 44 Zu diesen Anforderungen zählen beispielsweise Megatrends wie der Klimawandel, die Globalisierung, die Verknappung von Energieträgern oder der demographische Wandel der Gesellschaft. 45 Im Allgemeinen kann von dem Versuch gesprochen werden, die Chancen einer Unternehmung zu verbessern und deren Risiken zu minimieren. 46
Nachhaltigkeit wird dabei als ein Werkzeug verstanden, welches versucht, sich den dadurch entstehenden Problemfedern anzunehmen. Es versucht die Probleme im Ganzen zu erfassen, diese in Teilbereich zu betrachten und mögliche Wechselwirkungen zwischen den Problematiken aufzudecken. Die zwei wichtigsten Bestandteile, welche zum heutigen Verständnis der Nachhaltigkeit beigetragen haben, sind:
1.) Die inter- und intragenerative Perspektive
2.) Die Tripple Bottom Line
Die Mehrheit der im Unternehmen angewandten Managementansätze basieren auf einer Kombination dieser beiden Leitideen. So sieht ZARNEKOW ET AL. in nachhaltigem Management einen „langfristigen, simultanen Optimierungsprozess von ökonomischen,
ökologischen und sozialen Zielen zur Sicherstellung einer dauerhaften Geschäftsfähigkeit“. 47 Auch in Studien 48 und Veröffentlichungen 49 sowie in der Praxis der Unternehmen 50 findet diese Definition breiten Zuspruch. Es ist ein allgemeines Prinzip, das sich als wirtschafts- und umweltpolitische Gestaltungsmaßnahme oder als Management- und Gestaltungsansatz auf
Unternehmensebene umsetzen lässt. 51
LACKMANN erfasst ebenfalls alle drei Bereiche, kombiniert jedoch soziale und ökologische Aspekte unter dem Oberbegriff der ethischen Ausrichtung. Diese Darstellung ist eine Vereinfachung des Modells. Es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass diese Form der Vereinfach weniger zielführend ist, da ausschließlich Ökonomie mit der Ethischen Ausrichtung abgewogen wird. Dies führt zu unklaren Grenzen zwischen den Bereichen. Damit einhergehend kann es zum Verlust der Transparenz und der darzustellenden
44 Vgl. Braun et al. 2010 Seite 9.
45 Vgl. Döring et al. 2010b Seite 1.
46 Vgl. Peller 2007 Seite 319; Weber et al. 2010 Seite 398; Slater und Gilbert 2004 Seite 42.
47 Zarnekow et al. 2010 Seite 7.
48 Vgl. Quick und Knocinski 2006 Seite 616,Nitkin und Brooks 1998 Seiten 1499-1501; HIER NOCH MEHR
STUDIEN
49 Vgl. u.a. Aras und Crowther 2009 Seite 280; Ott 2009 Seite 25;Kleine 2009 Seite 74; Deutsches CleanTech
Institut 2009 Seite 14.
50 Vgl. Braun et al. 2010 Seite 7; Gastinger et al. 2011 Seiten 8-9; Lackmann 2010 Seite 9.
51 Vgl. Haasis 2008 Seite 29.
8
Interdependenzen kommen. Es widerspricht ebenfalls dem Grundgedanken der Tripple Bottom Line. 52
COENEN und GRUNWALD wenden sich mit ihrer Betrachtung vom Drei-Säulen-Modell ab und definiert Nachhaltigkeit über ihre Ziele als die „Sicherung menschlicher Existenz, Erhaltung des gesellschaftlichen Produktivitätspotentials und Bewahrung von Entwicklungs-und Handlungsmöglichkeiten“. 53 Dies wird, in ihren Augen, ebenfalls durch inter- und intragenerative Gerechtigkeit, sowie mittels globaler Orientierung und dem Menschen im Fokus der Betrachtung erreicht. 54
Eine Betrachtung der Nachhaltigkeit gem. LANGER als „nutzengenerierende Verwendung von Kapital ohne Substanzverzehr“ 55 zeigt, dass die Nachhaltigkeit in Form des Nachhaltigkeitskapitals K dargestellt werden kann. Der ökonomische Bereich wird dabei durch das wirtschaftliche Kapital abgedeckt. Dieses setzt sich aus dem Kapital produzierter Güter, dem Sachkapital (zusammengefasst als K M , man-made capital) und dem technologischen Wissenskapital (K W ) zusammen. Im Sozialen wird zwischen menschlichen Kapitalen (K H , auch Humankapital) und sozialen Kapitalen (K S )unterschieden. Der ökologische Bereich wird durch das Naturkapital (K N ) erfasst. 56 In Summe betrachtet ergibt sich für die formelle Darstellung des Nachhhaltigkeitskapital:
Formel 1: Nachhaltigkeitskapital
Basierend auf der Forderung, dass die Befriedung heutiger Generationen nicht die Bedürfnisse der kommenden Generationen beeinflussen dürfen und in Analogie zum verzehrfreien und nutzengenerierenden Umgang mit Nachhaltigkeitskapital folgt die Randbedingung, dass die Funktion im zeitlichen Verlauf eine Steigung von gleich bzw. größer Null aufzeigen muss.
Formel 2: Randbedingung des Nachhaltigkeitskapitals
52 Vgl. Lackmann 2010 Seite 24.
53 Coenen und Grunwald 2003 Seite 64.
54 Vgl. Coenen und Grunwald 2003 Seiten 58-63.
55 Langer 2011 Seite 11.
56 Vgl. Jonker et al. 2010 Seite 30,Langer 2011 Seite 11-12.
9
Diese Formel kann als mathematisches Gegenstück zum Drei-Säulen-Modell gesehen werden. Sie deckt weiterhin eine unmittelbare Schwachstelle des Modells auf. Unter der Annahme, dass bis auf maximal eine Variable beliebig viele Variablen gleich Null oder negativ wären, könnte dieses durch die beliebige Steigerung der verbleibenden Variablen kompensieren werden. Es ist mittels dieser Formel außerdem schwierig nicht-quantifizierbare Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Dies führt im Drei-Säulen-Modell zu ähnlichen Auswirkungen. Dieses wird daher im Folgenden näher betrachtet.
2.3.2. Weiterentwicklung des Drei-Säulen-Modells
Die Auswirkungen der Gleichung zeigen sich unmittelbar im Modell der Tripple Bottom Line. So könnten, statisch betrachtet, beispielsweise bis zu zwei der drei Säulen komplett wegbrechen, ohne das es der Konstrukt Nachhaltigkeit an Stabilität mangeln würde. Dies würde in einem Modell, das einen überwiegend qualitativen Charakter besitzt, dazu führen, dass die verbleibenden Säulen die Leistung kompensieren müssten. 57 Um das Drei-Säulen-Modell als haltbares Sinnbild zu gestalten, wäre es denkbar die Säulen im Sinne einer instabilen Statik - an den Eckpunkten eines liegenden Dreiecks - im Raum anzuordnen. 58 Alternativ hierzu existiert das Modell des Nachhaltigkeitsdreiecks. Dieses drückt die gleichrangige, gleichzeitige und integrierte Betrachtung aller drei Dimensionen der
Nachhaltigkeit aus. 59 Dass dieses Modell auch in der Praxis von Relevanz ist, zeigt sich u.a. in der Tatsache, dass dieses Bild als Sinnbild der Nachhaltigkeit vom Nachhaltigkeitsrat der
Deutschen Bundesregierung Anwendung findet. 60 Im Sinne des integrierten Nachhaltigkeitsmodelles könnte auf Basis des Modells der überlappenden Kreise ein weiteres
Modell als relevant ansehen werden. 61 Dieses Modell bietet eine stärkere Integration zwischen den betrachteten Elementen und erhöht dadurch die Detailtiefe. 62 Mit dem Hinblick auf diese Arbeit würde es den Begriff der Nachhaltigkeit allerdings unnötig komplex werden lassen und den gewünschten Grad der Aggregation verringern, ohne einen deutlichen informativen Mehrgewinn daraus erzielen zu können. 63
57 Vgl. u.a. Kleine 2009 Seiten 74-75;Deutsches CleanTech Institut 2009 Seite 15.
58 Vgl. Kleine 2009 Seite 75
59 Vgl. u.a. Deutsches CleanTech Institut 2009 Seite 17; Kleine 2009 Seiten 74 .
60 Vgl. Schomerus 2011 Seite 1.
61 Vgl. Deutsches CleanTech Institut 2009 Seite 18.
62 Vgl. Kleine 2009 Seiten 81-82.
63 Siehe Kapitel 4.4.2.
10
Abbildung 1: Entwicklung der Nachhaltigkeitsmodelle 64
Einen Kritikpunkt kann jedoch allen bildlichen Modellen anhaften aufgezeigt werden: Sie erfassen alle die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales sowie teilweise die Interdependenzen und Verknüpfungen zwischen diesen, jedoch stellt keines der Modelle den zeitlichen Horizont dar, der durch die inter- und intragenerative Perspektive des Bruntland-Reports unmittelbar gefordert ist. 65
2.3.3 Bedeutung der Kernbereiche der Nachhaltigkeit
Nachdem die Kernbereiche der Nachhaltigkeit nun mehrfach erwähnt wurden, sollte im Folgenden beschrieben werden, welche Verantwortungen diese mit sich bringen und welche Wirkungen diese auf das Unternehmen haben können. Hierfür wird nochmals das Drei-Säulen-Modell herangezogen, da dieses ursprünglich die Aufteilung in die Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales geliefert hat.
Aus ökonomischer Sicht steht primär das Finanzmanagement im Vordergrund. Nach WITTBERG umfasst es, wenn es nachhaltig betrieben werden soll, das „zukunftsfähige, zukunftsverträgliche, dauerhafte und umweltgerechte Steuern der finanziellen Mittel in einem Unternehmen“. 66 Langfristig resultiert dies im Versuch die Liquidität, deren Sicherung eines der Primärziele von Unternehmungen darstellt 67 , sicherzustellen und Einnahmen wie Ausgaben zu synchronisieren. 68
WITTBERG liefert hierzu vier wesentliche Grundsätze 69 :
64 Eigene Darstellung in Anlehnung an Deutsches CleanTech Institut 2009 Seiten 15-18.
65 Vgl. United Nations 1987 Seite 24
66 Wittberg 2010 Seite 80.
67 Vgl. Hungenberg und Wulf 2007 Seite 20.
68 Vgl. Wittberg 2010 Seite 79.
69 Vgl. Wittberg 2010 Seite 81.
11
1. Nachhaltiges Finanzmanagement sollte integraler Bestandteil einer
verantwortungsbewussten Unternehmensführung sein. 2. Nachhaltiges Finanzmanagement zeichnet sich im Wesentlichen durch eine langfristige Betrachtungsweise aus.
3. Es ist Aufgabe und Verantwortung soziale Fragen sowie Probleme des Umwelt- und Klimaschutzes zu etablieren.
4. Erfolgsfaktor ist die Strukturierung und der Anlagen nach Klassen, Laufzeit und Bonität der entsprechenden Einrichtung.
Nachhaltiges Wirtschaften im Rahmen der Investitions- und Finanzierungsentscheidung setzt voraus, das Verantwortung für zukünftige Generationen übernommen wird und die reine
Profitgier nicht das primäre Ziel darstellt. 70 Unabhängig davon ist zugleich die Kostenreduktion und die Reduktion des Reputationsrisikos ein wesentlicher Impuls für das
nachhaltige Finanzmanagement. 71
Infolgedessen können Unternehmen auf mehreren Ebenen profitieren. In erster Linie sollte sich auch hier ein gesteigerter Erfolg auf finanzieller Basis messen lassen. PELER zeigt auf, dass sich die Kurse nachhaltig ausgerichteter Unternehmen leicht besser entwickeln, als vergleichbare Kurse von nicht-nachhaltigen, vergleichbaren Unternehmen. Sie stellen sich im Vergleich nicht schlechter und können sogar Aktionärswert schaffen. 72
Wird der Blick nun auf die ökologischen Elementen der Nachhaltigkeit gerichtet, so ist darunter die Verwendung des Naturkapitals in ökonomischen Prozessen zu verstehen. Allgemein formuliert sind die Ziele, parallel zur Effiziens im ökonomischen Sinne, ein ökologisch effizientes Handeln sicherzustellen und Naturkapitale zu schonen. 73
In erster Linie sind diese Ansätze an den Umweltschutz adressiert. Dies ist schon insofern sinnvoll, als dass der Mensch durch die Natur ein lebensnotwendiges Umfeld geboten bekommt. Darüberhinaus stellt die Natur einen lebensnotwendigen Bestandteil für die Unternehmenstätigkeit dar. Sie liefert nicht nur Rohstoffe, sondern dient zusätzlich als
Regenerationsraum. 74 Natürliche, produzierte Kapitale wie auch natürliche, nicht-produzierte Kapitale sind ein grundlegendes Element in der Lieferkette von Unternehmen. 75 Im Rahmen des Umweltschutzes liegt es in der Verantwortung der Unternehmen Artenvielfalt zu
70 Vgl. Wittberg 2010 Seite 86.
71 Vgl. Horst und Albrecht 2009 Seiten 296-297.
72 Vgl. Peller 2007 Seiten 319-322.
73 Vgl. Langer 2011 Seite 23;Luks 2007 Seite 28; Voss 2004 Seite 10.
74 Vgl. Loske 2007 Seite 11.
75 Vgl. Bartelmus 1992 Seite 249.
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schützen, umweltschonende Innovationen zu fördern, bewusst mit den Ressourcen umzugehen und deren Einsatz umweltfreundlich zu gestalten. 76
Nebst dem aktiven Umweltschutz ist es für Unternehmen von Bedeutung, die Umweltverschmutzung, die durch die Unternehmenstätigkeit entsteht, zu reduzieren. Das Hauptziel ist dabei die Reduktion der Emission. Die Reduktion der Emission wird zusätzlich durch den 2005 eingeführten Emissionshandel gefördert. Sog. Zertifikate berechtigen den
Besitzer zum Ausstoß einer festgesetzten Menge an CO 2 . 77
Der Profit des ökologischen Handelns kann sich direkt in den drei Teilbereichen der Nachhaltigkeit widerspiegeln. Zum Einen erhält sich das Unternehmen auf ökologischer Ebene seine Existenzgrundlage, die Natur. Zum anderen kann ein Unternehmen seine gesellschaftliche Reputation durch die „grüne Ausrichtung“ bei einem Teil seiner Stakeholder verbessern. Aus diesem Grund kann ökologisches Handeln auch ökonomische Vorteile bieten. Umweltschutz bietet Potentiale zur Reduktion von Ressourceneinsatz, kann Märkte eröffnen, das Image positiv steigern und die Produktionsprozesse verbessern. Die Reduktion der Umweltverschmutzung bringt durch den Emissionshandel Einsparung und eröffnet sogar Gewinnpotentiale. 78
Schlussendlich beinhaltet Nachhaltigkeit noch das soziale Element. Es umfasst zu einem wesentlichen Teil die Ansätze der CSR und die Interaktion mit internen und externen
Anspruchsgruppen. 79 Unternehmen stehen hierbei in einem Zwiespalt zwischen der optimalen Nutzung der sozialen Ressourcen und der sozialen Verantwortung. 80 Diese Verantwortung, welche ein Unternehmen übernimmt, wird stark durch die Ansprüche der Stakeholder geprägt. 81 Durch die mögliche Vielzahl an Stakeholder, ist die soziale Verantwortung eines Unternehmens als dem entsprechend vielfältig zu betrachten und somit schwer zu analysieren oder gar vorherzusagen 82 .
Stakeholder können politisch, finanziell oder sozial motiviert sein. Sie können einen regulierenden Charakter haben oder ein Glied der Wertschöpfungskette eines Unternehmens
darstellen. 83 Ethisch gesehen, können all jene Stakeholder sein, welche „gegenüber dem
76 Vgl. Döring et al. 2010a Seiten 5-6; Slater und Gilbert 2004 Seite 42.
77 Vgl. Bundesministerium für Umwelt 2008 Seite 7-8.
78 Vgl. Slater und Gilbert 2004 Seite 42; Langer 2011 Seite 23-24; Bundesministerium für Umwelt 2008 Seite
4;Weber et al. 2010 Seite 399.
79 Vgl. Jonker et al. 2010 Seiten 4-5.
80 Vgl. Krüger 2010 Seiten 145-148.
81 Vgl. Weber et al. 2010 Seite 398.
82 Vgl. Göbel 2006 Seiten 140-142.
83 Vgl. Ballou et al. 2006 Seite 67.
13
Unternehmen legitime Ansprüche haben“. 84 GÖBEL identifiziert Stakeholder in drei Stufen. Im ersten Schritt werden die Investoren des Unternehmens erfasst. Dann folgen Personen, auf deren Unterstützung das Unternehmen angewiesen ist. Im dritten Schritt werden zusätzlich alle Personen erfasst, die sich direkt durch das Unternehmen betroffen fühlen oder einen
direkten Einfluss auf dieses ausüben. 85
Werden zuerst die internen Stakeholder betrachtet, ist das Unternehmen vor allem für seine Mitarbeiter und seine Eigenkapitalgeber verantwortlich. Die Verantwortung gegenüber den Shareholdern lässt sich unmittelbar aus der ökonomischen Verantwortung des Unternehmens, welche zuvor beschrieben wurde, ableiten. Aus der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern können zudem weitere Tätigkeitsfelder abgeleitet werden. Hierzu zählen v.a. Gesundheits- und Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Bekämpfung von Korruption, das Zusammenspiel zwischen Arbeit und Privatem, Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, Wahrung der Menschenrechte der zielgerichtete Umgang mit demographischem Wandel und natürlich die Sicherung der Arbeitsplätze, welche maßgeblich für die Sicherung des
gesellschaftlichen Wohlstands verantwortlich ist. 86
Die externen Stakeholder sind hingegen eine deutlich größere Gruppe mit erheblich komplexeren Strukturen. Generell kann jede externe Gruppe, deren Anliegen im Ansatz als legitim betrachtet werden kann, zu den externen Stakeholdern gezählt werden. Dies macht die
Identifikation der Stakeholder und die Analyse ihrer Belange komplex. 87 Typische Stakeholder mit einer hohen Wirkung auf ein Unternehmen sind v.a. die Kunden und der Staat, sowie Gewerkschaften. Auch potentielle, zukünftige Arbeitnehmer haben einen erheblichen Einfluss auf Unternehmen. Neben den potentiellen Arbeitnehmern stellen der Finanzmarkt und die Öffentlichkeit zwei zentrale Stakeholdergruppen für Unternehmen dar. Diese sind jedoch, verglichen mit anderen Gruppen, für Unternehmen sehr schwer zu
beeinflussen. 88
84 Göbel 2006 Seiten 126 & 139.
85 Vgl. Göbel 2006 Seiten126-127.
86 Vgl. u.a. Braun et al. 2010 Seiten 9-10; Döring et al. 2010a Seiten 12-22; Stock-Homburg 2010 Seiten 689-
715; Brunnhuber und Grahl 2006 Seite 96.
87 Vgl. Göbel 2006 Seite 127; Geßner 2008 Seite 129.
88 Vgl. Göbel 2006 Seite 130; Gastinger et al. 2011 Seiten 11-12.
14
Abbildung 2: Stakeholdermatrix 89
Um einen größtmöglichen Stakeholder-Value zu generieren, ist es daher für die Unternehmen von Bedeutung, dass aus dem Unternehmen heraus ein Gefühl für die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft entsteht. Das Unternehmen verhindert somit erst dann zu reagieren, wenn der gesellschaftliche Druck spürbar wird und stellt sicher, dass
gesellschaftsbewusstes Verhalten unternehmensintern verankert ist. 90 Unternehmen müssen sich dieser komplexen Aufgabe im Rahmen eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzeptes stellen, erhalten aber auch wesentliche Vorteile hierdurch. Der Ansatz der Nachhaltigkeit bietet dem Unternehmen die Möglichkeit sich nach außen zu differenzieren, eine gewisse Vorreiterrolle innerhalb der Gesellschaft einzunehmen, das Image zu wahren bzw. zu verbessern und sich möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Den Blick nach innen gerichtet, kann sich nicht nur die Zufriedenheit sondern auch die Produktivität der Unternehmung verbessern. Dies ermöglicht im Optimalfall eine Verbesserung der
ökonomischen Unternehmenslage. 91
Die Auswirkungen innerhalb der einzelnen Kernbereiche spiegeln ein weiteres Mal wieder, dass die Kernelemente der Nachhaltigkeit nicht isoliert, sondern themenübergreifend betrachtet werden. So hat sich zum Bespiel gezeigt, dass die ökologische und soziale Komponente eine Auswirkung auf das Ökonomische haben können oder der ökologische
89 Eigene Darstellung in Anlehnung an Gastinger et al. 2011 Seite 11.
90 Vgl. Weber et al. 2010 Seite 398.
91 Vgl. u.a. Weber et al. 2010 Seiten 395 & 399; Mildenberger et al. 2008 109-118;Salzmann 2008 8-14; Geßner
2008 Seite 129.
15
Bereich die soziale Säule der Nachhaltigkeit beeinflusst. Essentieller Bestandteil muss also die Verknüpfung der drei Bereiche sein, um die Zielkonflikte ausreichend begreifen zu
können, die Interdependenzen zu verstehen und mögliche Synergien zu generieren. 92
2.4. Zwischenfazit zur Nachhaltigkeit
In der heutigen Zeit ist Nachhaltigkeit zu einer Thematik herangereift, welche für eine langfristige Unternehmensphilosophie fast nicht mehr wegzudenken ist. Der Begriff des Sustainable Developments, somit auch der Sustainability, ist ein zentraler Ausdruck der politischen und unternehmerischen Belange des 21. Jahrhunderts geworden, der eine immer
stärkere Umsetzung in der nationalen und internationalen Praxis findet. 93 Er bietet sowohl der Gesellschaft als auch den Unternehmen einen Handlungsrahmen, um aktuelle Fragestellungen
ganzheitlich und zukunftsorientiert zu beleuchten. 94 So lässt dieses Konzept für Unternehmen die Hoffnung offen, dass trotz grüner und sozialverträglicher Ziele Gewinne erzielt werden
können. 95 Gerade aus unternehmerischer Sicht kann ein nachhaltiges Management für potentielle Investoren ein Signalgeber sein, dass sich ein Unternehmen langfristig effizient
und gut positioniert am Markt aufstellt. 96 Auch VIEHÖFER stellt in seiner Studie fest, dass die Bedeutung der Nachhaltigkeit im Unternehmen eine wesentliche Rolle spielt und das
Potential besitzt entscheidende, positive Signale zu geben. 97
Für die weitere Ausarbeitung seien an dieser Stelle der Begriff der Nachhaltigkeit und die dazugehörige Modellvorstellung definiert. In diesem Kontext wird das Modell des Nachhaltigkeitsdreiecks modifiziert und um den zeitlichen Horizont erweitert. Es soll im Folgenden als Nachhaltigkeitsrad bezeichnet werden. Die Form des Rades soll dabei ermöglichen, dass die Nachhaltigkeit entlang der Zeitleiste rollieren kann und sicherstellt, dass die sowohl künftige Entwicklungen als auch vergangene Ereignisse in die Betrachtung der Nachhaltigkeit einfließen können. Abbildung 3 verdeutlicht diese Idee graphisch.
92 Vgl. Quick und Knocinski 2006 Seite 616; Ott 2009 Seite 28; Seifert 2002 Seite 66; Slater und Gilbert 2004
Seiten 45-46.
93 Vgl. Kleine 2009 Seite 133; Zarnekow et al. 2010 Seite 399, Slater und Gilbert 2004 Seite 42.
94 Vgl. Quick und Knocinski 2006 Seite 616.
95 Vgl. Loske 2007Seite 11.
96 Vgl. Slater und Gilbert 2004 Seite 41.
97 Vgl. Viehöfer et al. 2006 Seiten 37-39.
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Arbeit zitieren:
Markus Burger, 2011, Kritische Analyse des Sustainability Reportings von Energieversorgungsunternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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