1.) Einleitung
„Das Faszinierendste für mich an Darwins jetzt 150 Jahre alter Evolutionstheorie ist, dass sie nach dieser langen Zeit immer noch nicht widerlegt ist. Das Beste, was einer Theorie passieren kann ist, dass sie sich so lange durch die Erkenntnisse der Forscher, die versuchen, sie zu widerlegen, behauptet und dass sie bestätigt wird durch alle Beobachtungen, die seitdem gemacht wurden. Das eigentlich Faszinierende daran ist, dass es bisher keine bessere Erklärung gibt - sofern man bereit ist, auf die Existenz Gottes in der Natur zu verzichten." 1 Dieses Zitat von den Evolutionsforscher Dr. Matthias Glaubrecht lässt die Bedeutung der Entdeckung Charles Darwins` erkennen.
Mit seiner Evolutionstheorie deckte er ein großes Geheimnis der Menschheitsgeschichte auf. Dadurch zog er vor allem die Kritik der Kirche auf sich. Denn wie schon Dr. Glaubrecht bemerkt, setzt die Richtigkeit dieser Theorie die Nichtexistenz eines Gottes als Schöpfer voraus. In der vorliegenden Arbeit wird der Naturwissenschaftler in Bezug seiner religiösen Ansichten und Überzeugungen betrachtet.
Zu diesem Zweck wird zunächst im 2. Kapitel ein kurzer biografischer Überblick gegeben. Dabei wird ebenfalls auf sein Werk „Über die Entstehung der Arten“ eingegangen.
Im 3. Kapitel werden durch seine Autobiografie religiöse Bezüge in der Lebensweise Darwins untersucht. So soll bewiesen werden, dass sich in der Religiosität Darwins eine Wandlung in Laufe seines Lebens vollzogen hat. Der folgende Abschnitt beinhaltet Überlegungen zu der Frage, ob Darwin als ein Atheist bezeichnet werden kann.
Im 5. Kapitel folgt dann die Schlussbetrachtung, sodass der Fokus des 6. Kapitels in den Literatur-, Internet- und Quellenangaben liegt. Als Quelle wird das Buch „The Autobiography of Charles Darwin 1809-1882. With the Original Omissions Restored. Edited and with Appendix and Notes by his Grand-daughter Nora Barlow” genutzt. In dieser Quelle gibt Darwin selbst Einblicke in seine Gedankenwelt über Familie, Religiosität und Wissenschaft.
1 http://terra-x.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,7492930,00.html (Stand: 03.07.2011; 21.39 Uhr)
1
2.) Charles Darwin und sein Werk „Über die Entstehung der Arten“
Charles Robert Darwin wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury (Mittelengland) geboren. Sein Vater war ein erfolgreicher Arzt und in der Gemeinde sehr beliebt. Seine Mutter starb als er 8 Jahre alt war. Neben einen älteren Bruder hatte er noch 3 weitere Schwestern. 1817 wurde Darwin in die unitarische Tagesschule in Shrewsbury eingeschult. „Charles` Kindheit ist in keiner Weise bemerkenswert. Er strebte nach Anerkennung, was für die Kleinen in einer großen Familie immer schwer und daher verständlich ist. Bei den meisten Menschen mit ausgeprägten Neigungen und Begabungen offenbaren diese sich schon im frühen Kindesalter. So auch bei Charles.“ 2
Bereits im Alter von 10 Jahren besaß er ein großes Interesse an der Natur. Im Juni 1818 wechselte er an die private Internatsschule in Shrewsbury. Zusammen mit seinen Bruder führte er zu dieser Zeit bereits erste wissenschaftliche Experimente durch.
Im Oktober 1825 begann er ein Medizinstudium in Edinburgh, wobei er sich allerdings nach eigenen Aussagen in den Vorlesungen langweilte. Nach dem Zuspruch seines Vaters entschied er sich für ein Theologiestudium in Cambridge mit dem beruflichen Ziel eines Landpfarrers. Aber auch für diese Studienrichtung
2 Schaumann, Wolfgang: Charles Darwin. Leben und Werk: Würdigung eines großen Natur-
forschers und kritische Betrachtung seiner Lehre, Weinheim 2002, S. 15.
2
konnte er nicht viel Begeisterung aufbringen. So besuchte er nebenbei verschiedene Vorlesungen in Biologie, Chemie und Geologie. 1831 schloss Charles dann als zehntbester seines Jahrganges das Theologiestudium ab. Im Dezember des gleichen Jahres begab er sich auf eine Forschungsreise mit dem Schiff Beagle an die Südspitze Südamerikas für kartografische Vermessungen. Insgesamt dauerte diese Reise 5 Jahre, bei der er wichtige Entdeckungen für seine spätere Abstammungslehre machte.
Wieder in der Heimat heiratete er am 29. Januar 1839 seine Cousine Emma Wedwood, mit der er 10 Kinder bekommen sollte. 1842 zog die Familie nach Down, südlich von London gelegen. Dort konnte er aufgrund seines beachtlichen Privatvermögens seine wissenschaftlichen Studien fortführen. Jedoch hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. In dieser Zeit vollendete er mehrere seiner berühmten Werke und veröffentlichte diese. Als Beispiele wären da „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ (1859), “The Variation of Animals and Plants under Domestication” (1868) und “The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex“ (1871) zu nennen. Am 19. April 1882 verstarb Charles Darwin in Down und wurde wenige Tage später in der Westminster Abbey beigesetzt. 3
Wie bereits erwähnt erschien 1859 sein Werk “On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or The Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life“ (Die Entstehung der Arten). „Den Kern des Buches bildet die Theorie der
Evolution durch natürliche Auslese, […].“ 4
Darwin stellte 5 Theorien auf, die bereits unter den Wissenschaftlern des 19. Jahrhunderts viele Anhänger fand.
Die Theorie über die Evolution der Arten beinhaltet die These, dass sich diese in Laufe der Jahrhunderte veränderten. Je nach Lebensraum und Lebensbedingungen entwickelten sie sich weiter und sicherten dadurch ihr Überleben. Als Zweites entdeckt Darwin, dass alle Lebewesen von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen. Bisher vertrat man die Ansicht, dass die vielen
3 Vgl.: Engels, Eve-Marie: Charles Darwin, München 2007, S. 16 - 42.
4 Wuketits, Franz M.: Darwin und der Darwinismus, München 2005, S. 57.
3
verschiedenen Arten unabhängig voneinander entstanden sind. Dabei wurde Gott als Schöpfer dieser verehrt.
„Die Theorie der allmählichen Divergenz der Arten beschreibt die Tatsache, dass sich im Lauf der Zeit die (phänotypischen) Änderungen kumulieren und sich die Arten daher mehr und mehr voneinander unterschieden.“ 5 Die vierte Theorie besagt, dass diese Veränderungen der Arten langsam geschahen, also Schrittweise über mehrere Jahrhunderte. Die wichtigste Erkenntnis ist aber die über die natürliche Selektion. Demnach wird die Evolution durch die natürliche Auslese definiert. 6 Mit diesen Entdeckungen löste Darwin große Diskussionen unter den Wissenschaftlern, aber auch in der Gesellschaft aus. Welche Folgen die Veröffentlichung beinhaltete, soll im Folgenden dargestellt werden. Trotz vielen Kritikern wurde das Buch schnell bekannt und erreichte hohe Verkaufszahlen. Als Hauptkritiker wäre hier vor allem die Kirche zu nennen. Diese sah in der Theorie Darwins eine Gefahr für den Gottesglauben. Denn mit Darwins Lehre wird die Rolle Gottes als Schöpfer schlichtweg beseitigt. In zahlreichen Aufsätzen wird daher das Buch über die Entstehung der Arten als falsch, wenn nicht sogar ketzerisch bezeichnet. Aus dieser Zeit stammen auch die Karikaturen von Darwin, auf denen er als Affe dargestellt ist.
Wenige Monate nach dem Erscheinen des Buches wurde von der „British Association for the Advancement of Science“ eine Sitzung einberufen, in der Vertreter der Wissenschaft mit Vertretern der Kirche über die neuen Theorien
5 Storch, David/ Zrzavý, Jan/ Mihulka, Stanislav: Evolution: Ein Lese-Lehrbuch, Heidelberg 2009,
S. 11.
6 Vgl.: Ebd., S. 11f.
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Arbeit zitieren:
Sindy Jantsch, 2011, Charles Darwin und Religiosität?, München, GRIN Verlag GmbH
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