INHALTSVERZEICHNIS.............................................................................................. I
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS III
VORWORT. 1
1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK 2
1.1 METHODIK 3
1.2. BEGRIFFE 4
1.2.1 Umweltmanagement / -system. 4
1.2.2 Umweltaudits. 6
1.2.3 Nachhaltigkeit und „sustainable development“ 7
2. DER WEG ZUR VALIDIERUNG / ZERTIFIZIERUNG. 9
3. DIE EMAS VON GERSTERN BIS HEUTE 12
3.1 DER WEG DER EMAS. 12
3.2 ANREIZFUNKTION 17
3.3 DIE EMAS HEUTE. 19
3.3.1 Studien zur Entwicklung. 20
3.3.2 Befragung 2002/03 im Rahmen der Diplomarbeit. 22
3.3.3 Befragungsergebnisse 23
Teilnehmerentwicklung. 23
Revalidierungsverhalten. 26
Validierungskosten 27
Empfundener Nutzen 28
Anreize 29
Werbema ßnahmen und Öffentlichkeit. 31
3.3.4 Interviews 31
3.3.4.1 Behörden und Verbände 32
3.3.4.2 Wirtschaftsorganisationen. 33
4. AUSSEHEN DER EMAS HEUTE 36
5. FAZIT 47
6. KONZEPT ZUKUNFT 48
6.1 WERBUNG 49
6.2 FÖRDERUNG UND SONSTIGE HILFEN 56
6.3 SYSTEMÄNDERUNGEN. 58
6.4 ZUKUNFTSAUSRICHTUNG. 59
7. PERSÖNLICHE SCHLUSSBETRACHTUNG 61
INHALTSVERZEICHNIS
LITERATURVERZEICHNIS .......................................................................................IV
QUELLENVERZEICHNIS ..........................................................................................VI
ANLAGEN
ANHANG A ISO 14000 ER FAMILIE
ANHANG B ALLGEMEINE STATISTISCHE DATEN
ANHANG C STUDIE ARBEIT & UMWELT
ANHANG D DATEN DER BEFRAGUNG
ANHANG E FRAGEBÖGEN
II
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 EMAS Teilnehmerzahlen seit 1995 3
Abb. 2 Mögliche Synergien prozessbezogener Umweltmanagement 5
Abb. 3 EMAS 2 System 11
Abb. 4 EMAS Logo’s. 13
Abb. 5 Auszug Fragebogen 23
Abb. 6 EMAS-Teilnehmer in Deutschland 24
Abb. 7 Teilnehmervergleich EMAS / ISO 14001. 24
Abb. 8 EMAS Standorte pro 1. Mio. Einwohner. 25
Abb. 9 Revalidierungsverhalten 27
Abb. 10 Revalidierungsverhalten 2 27
Abb. 11 Verwaltungserleichterungen als Entscheidungskriterium für EMAS. 30
Abb. 12 Gewünschte Anreize zur Förderung der EMAS 30
Abb. 13 Konfliktäre Zielbeziehung in der EMAS-Konstruktion. 42
Abb. 14 Betriebsgröße nach Mitarbeiter 44
Abb. 15 Struktur für eine EMAS Vermarktung 55
Abb. 16 Praxismodel der ISO 14000er Serie. Anhang A
Tabelleverzeichnis
Tab. 1 Wesentliche Änderungen EMAS 1 zu EMAS 2 14
Tab. 2 Vergleich zwischen EMAS 2 und ISO 14001 16
Tab. 3 EMAS-Teilnehmer nach Bundesländern 25
Tab. 4 Verteilung der EMAS und ISo 14001 in Europa 26
Tab. 5 Kosten der EMAS Implementierung in ausgewählten Ländern 28
Tab. 6 Nutzenrangfolge EMAS vs. ISO 14001 29
Tab. 7 Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der EMAS 31
III
Vorwort
Die Bilder von Überflutungen, Winterchaos und Wirbelstürmen der letzten Jahre machen in erschreckendem Maße deutlich wie wichtig es ist nachhaltigen Umweltschutz in jeder Art und Weise zu betreiben. Für die Wirtschaft im Allgemeine bedeutet dieses eine verantwortungsvolle Rolle als Vorreiter auf diesem Gebiet einzunehmen. Sie muss sozusagen den richtigen Weg vorleben. Zu stark ist die Meinung innerhalb der Bevölkerung „Umweltverschmutzung entsteht zuerst in der Industrie“ verankert. So reicht in unser schnelllebigen und von Medien bestimmten Welt, schon eine aufgebauschte Meldung um die Wirtschaft als Umweltsünder und alleinverantwortlich zu brandmarken. Schnell sind dann auch Politik und Behörden mit neuen restriktiven Bestimmungen an der Hand. Bestimmungen welche den Industrie- und Handels-standort Deutschland nicht attraktiver erscheinen lassen. Besonders davon betroffen sind Branchen des Produzierenden Gewerbes und der Chemie. Im Endeffekt trifft es jedoch die ganze Wirtschaft in Deutschland. Aus diesem Grund ist die Wirtschaft gezwungen Managementsysteme aufzubauen, die neben der Gewährleistung der Einhaltung von rechtlichen Vorschriften auch einen transparenten nachhaltigen Umweltschutz einschließen.
Abhandlungen über derartige Umweltmanagementsysteme gab es in den letzten Jahren einige. Besonders über das europäische EMAS-System. Jedoch gerade die EMAS versucht einen neuen, vielleicht richtungsweisenden Weg im Umweltschutz einzuschlagen. Erstmalig kommt es zu einer Verbindung zwischen politischen und ökologischen Interessen sowie ökonomischen Management im europäischen Raum. Von daher ist die EMAS in ihrer Natur eine gesetzliche Verordnung, von ihrem Wesen her ein privatwirtschaftliches Managementsystem. Eine Verquickung von schwerfälliger Bürokratie mit flexibel operierenden Wirtschaftshandeln. Gerade dieser Punkt macht eine Betrachtung hinsichtlich ihres Jetzt und ihrer möglichen Zukunft so interessant.
Die EMAS hat innerhalb Deutschlands in den Jahren bis 2001, das Aussehen und die Form des betrieblichen Umweltschutzes, auch in der Öffentlichkeit, geprägt! In den letzten Jahren musste jedoch ein nicht zu übersehender Rückgang der Teilnehmerzahlen beobachtet werden, In Deutschland nahezu 20% 1 . Und dieses, obwohl der Markt immer noch sichtbar Umweltmanagementsysteme fordert. Sichtbar an der Zunahme von ISO 14001 Zertifikaten.
Der Aufbau der ISO 14001 ist wahrscheinlich ein Grund für die Abwanderung von der EMAS. Daneben gibt es jedoch auch eine Menge anderer Gründe. Gründe die un-
1 R.Peglau UBA 2002
1
tersucht werden sollten, da folgende Entwicklungen, wollen Sie nicht an den potenziellen Teilnehmern vorbei gehen, diese Gründe berücksichtigen müssen. So sollte darüber nachgedacht werden, woran es liegt, das von 60.000 potentiell in Frage kommenden Unternehmen in Deutschland „nur“ ca. 2500 an der EMAS teilnehmen.
1. Einführung in die Thematik
Seit der Einführung der EMAS 2 im April 2001 ist die Diskussion um die Zukunft der EMAS nicht verstummt. Mehr noch, sie wird intensiver als je zuvor geführt. Genährt wird diese Diskussion durch die Unzufriedenheit und die Enttäuschung vieler Teilnehmer über den tatsächlichen Nutzen und die nationale Umsetzung der EMAS. Ihre Gründe finden sie in den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Unterstützung durch Behörden und Verbände. Besonders die Diskussionen um Deregulierungen, erhöhte Aufwendungen, Verwaltungsvereinfachungen oder um die Kosten begleiten z.Zt. die Zukunftsdiskussionen.
In der DIN EN ISO 14001 finden die Unternehmen immer öfter eine mögliche Alternative. In den reinen Kosten-Nutzen-Betrachtungen der Unternehmen schneidet die ISO 14001 vorteilhafter ab. Sie erscheint leichter in Ihrer Handhabung und weniger Reibungspunkte mit nationalen Rahmenbedingungen aufzuweisen. Zudem ist sie im Gegensatz zur EMAS weltweit einsetzbar und bekannt.
Eine Gegenüberstellung von aktuellen Daten verdeutlich die vorhandene Problematik 2 . Im Juni 2002 stehen in Europa (Deutschland) 3874 (2523) EMAS-Eintragungen, 17288 (3450) ISO-Zertifizierungen gegenüber. Diese Zahlen suggerieren ein so starkes Missverhältnis zwischen den beiden Umweltmanagementsystemen, dass die Frage nach der Zukunft bzw. einer zukünftigen Gestaltung des EMAS-Systems gestellt werden muss.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Zukunft der EMAS. Sie stellt sich die Aufgabe, Empfehlungen für eine zukünftige Gestaltung der EMAS zu entwickeln. Hierbei sollen u.U. mögliche Einwirkungen von Eigenschaften der DIN EN ISO 14001 berücksichtigt werden. Bei der Entwicklung und Darlegung der Empfehlungen soll kein vollständiges Konzept aufgestellt werden. Letztendlich soll diese Arbeit eine Hilfestellung für weitere Entwicklungen und Betrachtungen sein. Obwohl die Frage der EMAS die gesamte EG betrifft, wird sich diese Arbeit zum überwiegenden Teil auf Deutschland beschränken. Dieses hat mehrere Gründe. In Deutschland existiert nach wie vor ein hohes Umweltbewusstsein 3 und eine starke restriktive Umweltgesetzgebung. Wodurch die Notwendigkeit zur Auseinanderset-
2 QuelleR. Peglau UBA Berlin
3 siehe Umweltstudie UBA 2002
2
zung und zum Einsatzes von Umweltmanagementsystemen in einem hohen Maße gefordert wird. Die deutschen EMAS-Teilnehmer stellen zudem ca. die Hälfte aller Teilnehmer ( siehe Abb. 1). Hierdurch könnten die deutschen Teilnehmer als Testfeld für die übrige EG ( unter sonst gleichen Bedingungen) angesehen werden.
Abbildung 1 EMAS Teilnahme seit 1995 (Quelle UGA Berlin)
1.1 Methodik
Diese Arbeit hat zum Ziel, Maßnahmenvorschläge für eine zukünftige Gestaltung der EMAS zu entwickeln. Diese Entwicklung wird in mehreren Stufen erfolgen. In der ersten Stufe wird der schematische Ablauf einer Validierung bzw. Zertifizierung anhand der EMAS bzw. der ISO 14001 dargestellt. Wobei auf die Stellung und Funktion des Audits im Umweltmanagementsystem näher eingegangen wird. Ihr folgt eine kurze Betrachtung der historischen Entwicklung der Umweltmanagementsysteme EMAS und ISO 14001. Diese wird abgeschlossen durch die Darstellung der aktuellen Leitlinien. Da Anreize in einem freiwilligen System immer eine zentrale Rolle einnehmen wird das Anreizsystem der EMAS 2 zum Ende der ersten Stufe gesondert dargestellt und erläutert.
In der zweiten Stufe geht es um die Auswertung und Erhebung von praxisnahen Daten zur Entwicklung und momentanen Situation der EMAS. Neben einer Reihen von themenbezogener Studien, wird eine eigene Befragung von Teilnehmern an der EMAS und DIN EN ISO 14001 in Aufbau und Inhalt dargestellt .Ein besonderes Au-
3
genmerk liegt dabei auf der Bewertung der Anreize der EMAS und auf dem Teilnehmerverhalten.
Abgerundet wird diese allgemein gehaltene theoretische Betrachtung der EMAS durch die Auswertung von Interviews mit Fachleuten aus der Wirtschaft sowie von Behörden und Kammern. Ziel der Interviews ist die Erstellung eines Bildes der aktuellen allgemeinen Stimmung um die Thematik EMAS.
In der dritte und letzte Stufe werden die zusammengestellten Daten bewertet und untersucht. Der Schwerpunkte der Analyse ist auf eine allgemeine Darstellung der EMAS 2 hinsichtlich ihrer Schwächen und Stärken ausgerichtet. Die dritte Stufe schließt dann mit einem Ausblick über eine mögliche Entwicklung ab.
Mit Hilfe der Schwächenanalyse und den Ausgewerteten Datenmaterial werden zum Schluss der Arbeit einzelne Maßnahmen hinsichtlich einer Verbesserung der Bedingungen um und in der EMAS 2 vorgeschlagen. Ziel der Vorschläge ist der Fortbe-stand und eine möglichen Weiterentwicklung der EMAS.
1.2. Begriffe
1.2.1 Umweltmanagement / -system
Unter einem Umweltmanagement wird im weitläufigen Sinne die Erkennung, Analyse und das Lösen von umweltrelevanten Fragen innerhalb einer Organisation verstanden. Am ehesten lässt sich die Entwicklung des Umweltmanagement bis hin zu den heutigen Umweltmanagementsystemen mit dem Satz von Prof. Dr. Ulrich Steger kurz umreißen :
„Als zunächst eher technisch orientierte Funktion entwickelte sich Umweltschutz in Unternehmen zu einer prozessorientierten Querschnittsaufgabe, die alle Schritte der Wertschöpfungskette umfasst.“ 4
Ein unternehmensintegriertes Umweltmanagement wurde und wird i.d.R. eingesetzt um gesetzliche Vorgaben in allen Bereichen der Organisation zu überwachen und einzuhalten. In den letzten Jahren wurde zunehmend auch die Schaffung von Rahmenbedingung für die Entwicklung und Durchsetzung von umweltbedingten Unternehmens- bzw. Einzelzielen in das Umweltmanagement einbezogen. Hierzu gehörte
4 Prof. Dr. Steiger Umweltmanagementsysteme Fortschritt oder heiße Luft ?Forschungsprojekt BMU 2000
4
auch die interne organisatorische Integration der Organisationsziele in die Aufgaben des Umweltmanagements.
Zur Erreichung der Umweltziele stehen dem Umweltmanagement dabei zwei Wege zur Verfügung. Zum Einem kann es sich gegen die Wirtschaftziele der Organisation stellen (konfliktäre Beziehung 5 ), „d.h., die Umweltauflagen werden als eine von außen vorgegebene Behinderung des Gewinnzieles gesehen.“ Der andere Weg besteht in der Ausnutzung von Synergieeffekten, wodurch gleichzeitig eine verbesserte Umweltleistung sowie eine Ertragsverbesserung möglich sind. Ein Weg der dem Wesen von Umweltmanagementsystemen entspricht.
Die Abbildung 2 zeigt die mögliche Bandbreite von Synergien eines prozessbezogenen Umweltmanagements. Wie zu erkennen ist, erstrecken sich die Synergien über das gesamte System „Unternehmen“. Das Umweltmanagement wirkt dabei nicht als Einbahnstrasse sondern nimmt auch Informationen aus den Prozessen auf. Diese In-formationen werden analysiert und zielgerichtet und effizient wieder in die Prozesse eingebracht.
Abb. 2 mögliche Synergien prozessbezogener Umweltmanagement (Eigenerstellung nach Steiger 2000)
5 siehe Peter Thimme 1998
5
Für das Herangehen an den Begriff Umweltmanagementsystem gibt es z.Zt. zwei Auffassungen. Die eine leitet ihre Beschreibung und das dazugehörige Handeln vom angelsächsischen Begriff „system“ ab. In dieser Form wird der Begriff „als Bezeichnung für die formale Gestaltung von Beziehungen zwischen unterschiedlichen betrieblichen Funktionen“ 6 angesehen. Die andere Sichtweise geht vom Begriff des „unternehmensumfassenden Managementsystem“ aus. Dieser in der Wirtschaft vertrautere und verbreitetere Begriff sieht ein Managementsystem als das Führen, Gestalten, Lenken und Entwickeln von Systemen an. Im Rahmen dieser Arbeit wird von folgender Beschreibung ausgegangen. Von Umweltmanagementsystemen wird gesprochen, wenn es im Rahmen des Umweltmanagements zu einer gesamtheitlichen Betrachtung aller betrieblichen Umweltproblematiken und deren ökonomischen und ökologischen Wechselwirkungen innerhalb, wie außerhalb, der Organisation kommt.
1.2.2 Umweltaudits
Im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff Öko-Audit oder Umweltaudit für das EMAS-System und ähnlich gelagerte Umweltmanagementsystemformen (z.B. Ökoprofit) durchgesetzt. Der Begriff Audit selber kommt aus dem englischen „Sprachgebrauch“ und bedeutet soviel wie Wirtschaftsprüfung oder Buchprüfung. Hierbei werden interne wie externe Aspekte und Daten einer Prüfung unterzogen. Im Bereich des Umweltmanagements wird das Audit zur Analyse und Überprüfung von betrieblichen Schwachstellen bzw. Stärken und den damit verbundenen Umweltdaten herangezogen. Es stellt zentrale Entscheidungsdaten für das Management zur Verfügung. Aus diesem Grund muss dem Audit innerhalb des Managements eine zentrale Rolle zugeschrieben werden.
Grob kann die Art eines Audits je nach Zielsetzung und/oder Art der bereitgestellten Information zwischen internen und externen Audits unterschieden werden. 7 Beim internen Audit geht es um die Bereitstellung von Daten und Informationen für das Umweltmanagement, um Arbeitsdaten. I.d.R. werden solche Daten intern ermittelt und nicht öffentlich gemacht. Anders dagegen Daten und Fakten von externen Audits. Hierfür werden unternehmensunabhängige externe Auditoren beschäftigt, ihre Tätigkeit gründet auf gesetzlichen Vorgaben. Die mit dieser Art des Audits verfolgten Ziele zielen auf die Öffentlichkeit ab, z.B. Veröffentlichung von Berichten für Zertifizierungen.
6 siehe Müller; Martin 2001 S.116
7 siehe Förschle, G. u. A. (1994)
6
Des weiteren sollte zwischen a. Produkt-Audit b. Verfahrens-Audit c. System-Audit und d. Compliance-Audit
unterschieden werden. Diese Unterscheidung geschieht in Anlehnung an die DIN EN ISO 9000 -9004 sowie die Öko-Audit-Verordnung.
Unter einem Produkt-Audit wird „die Überprüfung der Mittel und Maßnahmen zur Sicherstellung des Umweltschutzes bei der Herstellung von bestimmten Erzeugnissen 8 “ verstanden.
Das Verfahrens-Audit oder auch Produktions-Audit wird definiert als die Überprüfung und Sicherstellung der Technologien und Produktionsprozesse der Herstellung auf Vollständigkeit, Einsatzbedingungen, Effektivität und Umweltverträglichkeit. 14 Der System-Auditbegriff kann auch als das Umweltaudit angesehen werden. In beiden Fällen wird die Organisationsform (Ablauf- bzw. Aufbauorganisation) auf ihre im Umweltschutzsystem festgeschriebenen Maßnahmen hinsichtlich Struktur und Funktion überprüft. Im speziellen Fall der Öko-Audit-Verordnung dient es zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit und Wirksamkeit des gesamten aufgebauten Umweltmanagementsystems.
Das Compliance-Audit ist die älteste Form des Audits im Umweltbereich. Es beschäftigt sich mit der rechtlichen Seite der Unternehmensüberprüfung und beinhaltet einen Soll/Ist-Vergleich des Standes der Einhaltung aller rechtlicher Vorschriften am Stand-ort und in der Organisation (EMAS 2).
1.2.3 Nachhaltigkeit und „sustainable development“
Unter dem Begriff der Nachhaltigkeit verstehen wir längerfristige Ergebnisse oder Auswirkungen einer vorgenommenen Handlung. Insbesondere jene Ergebnisse und Auswirkungen die eine besondere Intensität bzw. einen besonderen Einfluss auf nachfolgende Handlungen und Ereignisse haben.
Entstanden ist der Begriff in der Forstwirtschaft. In diesem Bereich wird unter der „Nachhaltigen Forstwirtschaft“ die schonende Nutzung der Baumbestände verstanden. Es wird nur soviel Holz geschlagen wie nachwachsen kann. Im Bereich des Umweltmanagements hat sich leider, durch die Vielzahl an Beratern und Fachleuten, bis heute keine einheitliche inhaltliche Beschreibung durchsetzen können. Der Begriff
8 siehe Hol Große u.A. 8 (2000)
7
ist (Zitat) “... inzwischen zu einer ‚schillernden Modedroge’ avanciert und sorgt immer noch für ‚nachhaltige Sprachverwirrung’.“ 9
Am weitesten verbreitet und anerkannt ist die Beschreibung des „sustainable development“ des Brundtland-Berichts 10. Danach ist eine Entwicklung anzustreben, „die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ 11 . Unterstrichen wurde diese Erklärung durch die Agenda 21 der Konferenz von Rio 1992. Die EMAS und andere Umweltmanagementsysteme sind auf der Grundlage dieses Begriffes entwickelt worden. Ziel dabei war es eine Entwicklungsplattform mit einzubeziehen, welche bereits selber entwicklungsfähig ist.
9 Jüdes, U. 1997
10 Bericht der UN-Weltkommission für Umwelt und Entwicklung „our common future“ 1987
11 Hauff, 1987, S.46
8
2. Der Weg zur Validierung / Zertifizierung
Wenn ein Umweltmanagementsystem wie die EMAS bereits integrierter Element eines Unternehmensmanagement ist, bestehen ihr Ablauf aus sich wiederholenden Kontroll- und Anpassungstätigkeiten. Der interessanteste Teil der EMAS und auch der ISO 14001 ist ihre Implementierung. Der Weg vom Moment der Entscheidung für ein Umweltmanagementsystem bis hin zu seiner Eintragung. Der erste Schritt nach der Entscheidung für die EMAS ist die Durchführung einer Umweltprüfung. In Rahmen dieser Umweltprüfung werden alle Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen der Organisation sowie ihrer Stoffströme erhoben und hinsichtlich ihrer Umweltaspekte überprüft und bewertet. Nach der Ermittlung der Stoffkreisläufe und der relevanten Umweltaspekte, werden diese mit Hilfe von selbst festlegbaren Kriterien bewertet und in eine Rangfolge nach Wesentlichkeit gebracht. Dabei wird auch zwischen direkt und indirekt beeinflussbaren Umweltaspekten unterschieden.
Die Umweltaspekte, welche als die wesentlichen und direkten Aspekte erkannt wurden, dienen anschließend der Festlegung von Umweltzielen und Umwelteinzelzielen. Nach Abschluss dieser Schritte beginnt die Phase des Aufbaues und der Integration des Umweltmanagementsystems innerhalb der Organisation. Am Anfang des Aufbaues steht die Festlegung der Umweltpolitik unter Einbeziehung der vorher aufgestellten Ziele. Die Umweltpolitik beinhaltet alle wichtigen Eckpunkte des vorgesehenen Umweltverhaltens der Organisation. Diese Eckpunkte sind u.a. die vorher festgelegten Umweltziele, die Verpflichtung zur Einhaltung aller relevanten Gesetze und Vorschriften, ferner die Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistung und vor allem die auf die Umwelt ausgerichteten Handlungs-grundsätze der Organisation. Anhand dieser Umweltpolitik wird sich die Leitung der Organisation und das Umweltmanagement später messen lassen müssen. Als nächster Schritt steht für die Organisation die Planung von Managementabläufen und Aufgaben sowie verschiedener anderer Abläufe und Überprüfungen hinsichtlich des Umgangs mit umweltrelevanten Punkten an. Diese Punkte sind
1. die Überwachung der Umweltaspekte 2. die Einhaltung gesetzlicher und anderer Forderungen 3. die Dokumentation und Festlegung von Umweltzielen und Einzelzielen 4. die Umsetzung eines Programms zur Verwirklichung der Umweltziele
9
Nachdem alle wesentlichen Ziele und Aspekte geplant und vorbereitet sind, kommt es zur Umsetzung der Planung, d.h. zur Implementierung des Umweltmanagements. Hierfür werde alle notwendigen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnisse dokumentiert und delegiert. Zudem werden notwendige interne Kommunikations- und Dokumentationswege aufgebaut. Um einen reibungsloseren Ablauf und Know-how sicherzustellen sollten alle betroffenen Mitarbeiter hinsichtlich ihrer jeweiligen Aufgaben und Kompetenzen geschult werden.
Nachdem alle möglichen Aspekte, relevante Tätigkeiten und Stoffkreisläufe geplant und dokumentiert wurden, beginnt die Phase der Durchführung. Die in dieser Phase vorherrschende Tätigkeit besteht in der Kontrolle der geplanten Abläufe und Aspekte. Bei Abweichungen müssen dokumentierte Korrekturen und Vorsorgemaßnahmen zu deren Vermeidung durchgeführt werden.
Am Ende eines solchen Kreislaufes steht die Überprüfung des gesamten Umweltmanagements. Dieses geschieht mit Hilfe von Audits. Hierbei werden alle Aspekte des eingesetzten Umweltmanagements einer Überprüfung (Auditierung) unterzogen. Die Ergebnisse eines solchen Audits werden durch die oberste Leitung bewertet und können zu Korrekturen an den Umweltzielen oder der Umweltpolitik führen. Die Audit nehmen also im Rahmen des Umweltmanagements eine sehr zentrale Rolle ein. Sie dienen als Schnitt- und Kontrollstelle zwischen den einzelnen Aufgaben- und Kontrollbereichen. In ihnen kommt es im Idealfall zum Zusammentreffen aller für die Steuerung des Management wichtigen Daten und Datenflüsse.
Bis zu diesem Punkt stimmen das Vorgehen der EMAS 2 sowie der DIN EN ISO 14001 überein. An diesem Punkt angelangt könnte sich eine Organisation über eine Zertifizierungsstelle nach ISO 14001 zertifizieren 12 lassen, sofern ihr Umweltmanagement (system) einen vorgegebene Zeitraum ohne Beanstandungen durchläuft. Es ist aber festzuhalten, dass eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001 keine Voraussetzung für eine Validierung bzw. Eintragung nach EMAS ist. Die Ansprüche welche die EMAS bis zu diesem Punkt stellt, sind bereits schärfer bzw. enger ihn ihrer Auslegung gefasst, als die entsprechenden der DIN EN ISO 14001. Da die EMAS 2 auf eine Kontrolle der Verbesserungen durch eine transparente Umweltkommunikation setzt, reichen ihr die Audits als Kontrolle nicht aus. Zur Validierung und weiter zur Registrierung verlangt die EMAS 2 eine regelmäßige Umweltbetriebsprüfung des Umweltmanagements durch einen unabhängigen Gutachter. Ziel dieser Betriebsprüfung ist die Bewertung des bestehenden Umweltmanagementsystems sowie die Überprüfung in wie weit dieses Umweltmanagementsysteme noch mit
12 Duden (1996) : Das Ausstellen einer Bescheinigung
10
der Umweltpolitik und den Programmen übereinstimmt. Am Ende der Umweltbetriebsprüfung steht dann entweder die Umsetzung möglicher Korrekturen, weiterführende Maßnahmen oder im Idealfall die Verifizierung der Organisation Zur Eintragung in das EMAS-Register muss die Organisation die gesamten Umweltin-formationen aus ihrer Organisation beim Umweltgutachter vorlegen. Dieser überprüft die Angabe auf ihre Richtigkeit und erklärt sie nach erfolgreicher Prüfung für gültig. Nach der erfolgreichen Validierung der Organisation wird diese auf Antrag in das EMAS-Register(EU) eingetragen und erhält das Recht das EMAS-Logo einzusetzen.
Abbildung 3 EMAS 2 System ( Eigenerstellung nach Lutz, U; u.A. 2002)
11
Der Begriff Validierung wird in der DIN ISO 8402 definiert als, „Bestätigung aufgrund einer Untersuchung und durch Führung eines Nachweises, dass die besonderen Forderungen für einen speziellen vorgesehenen Gebrauch erfüllt worden sind“.
3. Die EMAS von gestern bis heute
3.1 Der Weg der EMAS
Die Entwicklung der EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) begann formell mit der Vorbereitung der 5. Umweltinitiative (1992-2000) der EG 1989. 1993 kam es daraufhin zur Veröffentlichung der „Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung von gewerblichen Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“ im Gesetzblatt der EG. Damit die Mitgliedsstaaten Zeit für die Einführung und Umsetzung erhielten, trat die EMAS jedoch erst 2 Jahre später 1995 in Kraft. Ihr Geltungsbereich beschränkt sich als Verordnung auf den Raum der EG. Inhaltlich stellt die EMAS ein umweltpolitisches Instrument zur Umsetzung einer einheitlichen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten europäischen Umweltpolitik dar. Ihr Ziel besteht in der kontinuierlichen Verbesserung der Umweltleistungen von Unternehmen durch den Aufbau eines fortgeschrittenen, betrieblichen Umweltschutzes. Zur Erreichung dieses Ziels setzt sie, mittels einer transparenten Umweltkommunikation, auf eine Kontrolle durch die Öffentlichkeit und die „Kräfte des Marktes“. Dabei greift die EMAS, erstmalig für kontinental europäische Verhältnisse, auf die Eigenverantwortung der Wirtschaft für den Schutz der Umwelt zurück. Sie dreht die Beweislast einfach um, die Unternehmen müssen zeigen, dass sie „sauber“ sind. Mit der EMAS erhielt die bis dahin angewandte Umweltauditierung von Unternehmen und Produktionsstätten erstmalig eine gesetzliche Grundlage. Sie machte das Audit zum zentralen Instrument des internen Umweltmanagements. Die EMAS kann damit als das erste weltweite Zulassungssystem im Umweltmanagementbereich angesehen werden. Die, durch sie veranlassten, regelmäßigen und systematischen Dokumentationen der Umweltleistungen und ihre Überprüfung durch unabhängige Gutachter geben den teilnehmenden Organisationen u.a. Sicherheit. Sicherheit für Planungen und bei umweltrechtlichen Haftungsansprüchen. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit der effizienteren Gestaltung von Organisationsprozessen, um nur einige mögliche Potentiale zu nennen 13 .
Vereinbarungsgemäß wurde die Verordnung nach fünf (5) Jahren durch den Rat auf ihre Wirksamkeit hin überprüft und überarbeite. Am 27. April 2001 trat die Nachfolge-
13 sieheAbschnitt 1.2.1 Umweltmanagement
12
verordnung EMAS 2 in Kraft. Dabei wurde erstmalig auch das europäische Parlament in die Entwicklung mit einbezogen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Entwürfe und Ver-ordnungen der EMAS nur vom RAT getroffen und verabschiedet worden. Bei der Überarbeitung zur EMAS 2 wurde versucht, unter Beibehaltung der politischen Ziele, das System stärker an die Bedürfnisse des Marktes und ihrer Teilnehmer anzupassen. Als Hilfsmittel dienten hierzu verschiedene nationale Studien 14 über die Erfahrung mit der EMAS.
Neben der geforderten Vereinfachung und übersichtlicheren Gestaltung der Inhalte, waren die herausragendsten Veränderungen die Erweiterung des Teilnehmerkreises, die Schaffung eines EMAS-Logos und die Einbeziehung der ISO 14001 als Umweltmanagement in die EMAS.
Die Erweiterung des Teilnehmerkreises der EMAS auf alle Organisationen stellte eine Angleichung an bestehende Tatsachen dar. In der EMAS 1 war bereits eine Erweiterung angedacht und zu Erprobungszwecken erlaubt worden. In Deutschland wurde daher bereits im Februar 1998 eine Erweiterung des Teilnehmerkreises im Rahmen eines Pilotprojektes per Gesetz festgelegt. Die Pilotprojekte verbuchten überwiegend ein positives Bild von dem erweiterten Anwenderkreis.
Eine echte Neuerung wurde mit dem EMAS-Logo geschaffen. Mit ihm haben die teilnehmenden Organisationen erstmalig die Möglichkeit dieses offen marketingtechnisch nach außen zu repräsentieren. Es soll einen Anreiz zur Teilnahme darstellen und zu einem erhöhten Bekanntheitsgrad beitragen. Wie in Abbildung 3 zu erkennen ist sind es eigentlich zwei LOGOs mit unterschiedlichen Funktionen.
Abb. 4 EMAS-Logo
14 siehe Kapitel 3.3.1 Studien
13
Tabb. 1 Wesentliche Änderungen EMAS 1 zu EMAS 2
Eine besondere Bedeutung bei der Novellierung der EMAS kam den Anreizen zu. Viele der Organisationen die seit Anfang an die EMAS getragen haben kritisierten die schleppende Umsetzung der bereits in der EMAS 1 zugedachten Anreize durch Privilegien. Mit der Einführung des LOGO’s und der Privilegierungsverordnung 15 in Deutschland wird versucht die geforderten Anreize (Nutzen) den Teilnehmern zur Verfügung zu stellen.
Die ISO 14001 (in Deutschland DIN EN ISO 14001) ist eine privatwirtschaftliche parallele Entwicklung zur EMAS. Veröffentlich wurde dieser ISO-Standard 16 im Septem-
15 Verordnungüber immissionsschutz- und abfallrechtliche Überwachungserleichterungen für nach der Verordnung (EG) Nr. 761/ 2001 registrierte Standorte und Organisationen (EMASPrivilegierungsVe-rordnung - EMASPrivilegV)
14
ber 1996. Durch ihre unveränderte Anerkennung als europäische und deutsche Norm, trägt sie die etwas umständliche Bezeichnung DIN EN ISO 14001. Sie ist eine Weltnorm. Ihr Titel :
„Umweltmanagementsystem. Spezifikation mit Anleitung zur Anwendung“
Aufgebaut ist diese Norm in Form einer Normenreihe der sog. 14000-Familie 17 . Durch die Aufspaltung der Norm in Einzelnormungen ist es ihr möglich gezielter auf einzelne Aspekte des Umweltmanagements einzugehen. So dient die mit der ISO 14001 gleichzeitig veröffentlichte ISO 14004 und ISO 14010 als Leitfaden für die ISO 14001 und den durchzuführenden Audits. Zertifizierbar ist jedoch nur die ISO 14001!
Die Ziele der DIN EN ISO 14001 sind mit denen der EMAS nahezu identisch. Im Gegensatz zur EMAS 2 liegt jedoch der dauerhafte Schwerpunkt der ISO 14001 nicht in der permanenten Umweltkontrolle und langfristigen Gewährleistung eines Umweltmanagementsystems. Vielmehr richtet die ISO 14001 ihre Handlungen auf eine effiziente und wirtschaftlich angemessene Implementierung eines Umweltmanagementsystems im Unternehmen aus. Hierzu ist sie einfach und klar gestaltet und offen für die Integration in bestehende Systeme. Sie zeigt damit, im Gegensatz zur EMAS, eine reine organisationsinterne Ausrichtung. Ihre Einbeziehung in die EMAS 2 war eine Reaktion auf die wirtschaftlichen Vorgaben und auf das Teilnehmerverhalten. Es dürfte auch die nicht übersehbare Entwicklung der Teilnehmerzahlen eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt haben.
Als momentanen Schlusspunkt in der europäischen Entwicklung kann die Einführung von Leitlinien zum Umgang mit der EMAS 2 angesehen werden. In Deutschland wurde zudem die neue EMAS-Privilegierungsverordnung (EMASPrivilegV) vorgelegt Mit der „EMASPrivilegV“ soll die Vorgabe der EMAS nach Erleichterungen für EMAS-Teilnehmern nachgekommen werden.
Die Leitlinien entstanden als Reaktion auf Kritiken der Teilnehmer hinsichtlich der Verständlichkeit und der Übersichtlichkeit der EMAS. Sie wurden so konzipiert, dass dem Anwender die aus der EMAS hervorgehenden Anforderungen dargestellt und mit Anwendungsbeispielen bzw. Leitbildern näher erläutert werden. Die Leitlinien stellen einen nicht validierbaren Zusatz der EMAS 2 dar. Erlassen wurden Leitlinien für die problematischen Felder Umwelterklärung, Arbeitnehmerbeteiligung, Ermittlung
16 ISO = International Organization for Standardization
17 siehe Anlage A
15
von Umweltaspekten und Hilfen für die Überprüfung von KMU’s.(Klein und Mittelständische Unternehmen). Vergleich von EMAS 2 zu DIN EN ISO 14001
Tabelle 2 Vergleich zwischen EMAS 2 und ISO 14001
16
Die EMAS-Privilegierungsverordnung (EMASPrivilegV) ist der erste wirkliche Ansatz die von der EMAS 2 in Artikel 10 geforderten Erleichterungen für die Teilnehmer im Umweltrecht umzusetzen. Aufgrund der Besonderheit des deutschen Umweltrechts als Recht zur Gefahrenabwehr können nur Erleichterungen im sog. Überwachungsbereich gewahrt werden. Erleichterungen im Genehmigungsbereich können mit dieser rechtlichen Grundlage auf keinen Fall zugestanden werden, da sie staatliche Schutzrechte betreffen. Hauptsächlich betreffen die Erleichterungen daher den immissionsschutzrechtlichen und abfallrechtlichen Bereich.
3.2 Anreizfunktion
Den Anreizen kommt durch die Freiwilligkeit des Systems eine besondere Bedeutung zu. Nur wenn ausreichende Anreize vorhanden sind, entwickelt ein System eine Anziehung für potentielle Teilnehmer. Dieses gilt für die EMAS wie für die ISO 14001. Für die verstärkte Teilnahme von Wirtschaftsunternehmen müssen dementsprechende Vorteile bzw. Nutzen als Anreiz geboten werden. Die EMAS 2 bietet eine ganze Reihe von interessanten wirtschaftlichen Anreizen. Im Gegensatz zur DIN EN ISO 14001. Diese Anreize (im folgenden Nutzen genannt) sollten zur besseren Bewertbarkeit in drei Kategorien unterteilt werden.
Zum Einen sind es durch eigene Unternehmensmittel zu verwirklichende Einsparungen und Aufwandsminimierungen (Kategorie 1 ). Wie sie auch ohne EMAS erbringbar wären. Zum Anderen sind es Nutzen bzw. Privilegien, die erst durch die Teilnahme an der EMAS ermöglicht werden (Kategorie 2). Als dritte mögliche Kategorie wären noch Nutzen für nicht wirtschaftliche Organisationen zu nennen. Darunter werden u.a. Behörden, Kammern, Vereine, u.s.w. geführt .
Eine weitere nötige Unterteilung besteht in der Teilung des Begriffes Nutzen in sog. „harte Nutzen“ und „weiche Nutzen“. Unter „harte Nutzen“ versteht man Nutzen die sich quantifizieren lassen, „ weiche Nutzen“ lassen sich dagegen nicht in Einheiten ausdrücken.
Für alle Anreize gilt jedoch, dass sie nur dann eine Anziehungsfunktion besitzen, wenn die in ihnen integrierten Versprechen eingelöst werden können. Es ist also zu überprüfen ob und in wie weit diese Versprechen der EMAS einlösbar sind. Als Hilfsmittel dienen hierbei u.a. die von den Teilnehmern empfundene Nutzen. Betrachtet man die Befragungen von 1998 und 2003 hinsichtlich der von den Teilnehmern im Allgemeinen empfundenen Nutzen und der gewünschten Nutzen / Anreize kann eine Entwicklungstendenz festgestellt werden. In beiden Befragungen gaben die Teilnehmer an, „weiche Nutzen“ am häufigsten realisiert zu haben 18 . Im Gegen-
18 Vgl.Tabelle 6
17
satz zur 1998iger Studie wünschten sich jedoch alle Befragten in 2003 mehr „harte Nutzen“. In der `98 Studie waren das Verhältnis von direkten monetären Nutzensteigerungen zu redaktionellen Änderungswünschen noch ausgeglichen. Diese Entwicklung kann mit der zunehmenden Vereinnahmung des Systems bei längerer Anwendung erklärt werden. Umso fester die EMAS ein Bestandteil des Unternehmensmanagement ist, umso mehr unterliegen sie auch der Gewinnerzielungsabsicht und muss sich an wirtschaftlichen Ergebnissen messen lassen. Diese Entwicklung kann als normal angesehen werden, muss jedoch bei einer Weiterentwicklung berücksichtigt werden
Wie sieht es aber mit der Möglichkeit aus, die erwarteten Anreize / Nutzen auch einlösen zu können? Bei den Nutzen der Kategorie drei, wie Erreichung eines hohen Umweltstandards, Imageaufbau oder Sensibilisierung der Mitarbeiter für Umweltthemen, hängt es vom Teilnehmer selber ab, wie weit er diese Anreize verwirklichen möchte. Andere Nutzen wie z.B. Rechtssicherheit oder verbesserte Dokumentation treten allein durch die Teilnahme und Registrierung ein. Problematisch wird es bei Kategorie 2 Nutzen, wenn der Nutzen auf zu erbringende Leistungen oder dessen Verzicht des Staates aufgebaut ist oder auf dessen Förderung. Das in dieser Richtung ein akuter Handlungsbedarf besteht, belegt die aktuelle Deregulierungsdiskussion. Organisationen die zwischen 1995 und 1999 validiert wurden, haben die ihnen aus eigener Kraft möglichen wirtschaftlichen Nutzen aus Optimierung und Kosteneinsparung bereits erbracht. Durch die Erhöhung der Aufwendungen im Rahmen der EMAS 2 verschlechtert sich ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis merklich. Um eine erneute Validierung begründen zu können, bedarf es daher neuer oder der Umsetzung bereits vorgesehener wirtschaftlicher Anreize. Deregulierungen
An letzterer Stelle setzt die momentane Diskussion an. Die Organisationen fordern von den staatlichen und europäischen Behörden die Umsetzung der schon in der EMAS 1 vorgesehenen und in EMAS 2 Artikel 11 bekräftigten Verwaltungsvereinfachungen, Reduzierung von Doppelprüfungen, gesetzlichen Deregulierungen und der Privilegierung der EMAS Teilnehmer im öffentlichen Leben.
Auf den ersten Blick erscheinen die Forderungen leicht erfüllbar. Wenn eine Organisation den hohen Standard der EMAS einhält, sollte ihr das Erleichterungen im Rahmen der Umweltgesetzgebung einbringen. In einer auf Regulation und Schutz ausgerichteten Umweltgesetzgebung gestaltet sich die Umsetzung dieser Erleichterungen relativ schwierig. Zum Einen geht es um Akzeptanz und Vertrauen in das EMAS-System von behördlicher Seite, sowie um die Abgabe von Kompetenzen und Macht. Zum Anderen ist eine umfassende Deregulierung aus juristischen Gründen in diesem
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Arbeit zitieren:
Jan-Philipp Heinisch, 2003, Die Entwicklung des Umweltmanagements von der EMAS 1 über die DIN ISO 14001 zur EMAS 2 - Eine theoretische Betrachtung zur Weiterentwicklung der EMAS, München, GRIN Verlag GmbH
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