INHALTSANGABE
Seitenzahl
1. Einleitung. 3
2. Darstellung zum lernzielorientierten Unterricht’ 5
2.1 Definitionen zum lernzielorientierten Unterricht 5
2.2 Kennzeichnung 5
3. Darstellung zum Offenen Unterricht’ 8
3.1 Definitionen 8
3.2 Kennzeichnung 8
4. Hypothesen 10
4.1 Der Unterricht ist zu komplex und nicht durch exakt formulierte Lernziele realisierbar 10
4.2 Es sind nicht alle Lernziele operationalisierbar und somit der Lernerfolg anhand der
Ziele nicht überprüfbar 11
4.3 Lernzielorientierter Unterricht grenzt die kreative Entfaltung des Lernenden ein 12
4.4 Die Schülermitplanung des Unterrichtsverlaufs ist nicht realisierbar 12
4.5 Es profitieren nicht alle Schüler von den Formen des Offenen Unterrichts 14
4.6 Selbstkontrolle im Offenen Unterricht ist nicht prinzipiell gegeben 14
4.7 Offener Unterricht als eine alternative Ergänzung 16
4.8 Lernzielorientierter Unterricht ist nicht Schnee von Gestern 16
5. Diskussion 17
5.1 Lernzieloperationalisierung vs. offene Lernformen und Schülermitplanung 17
5.2 Eingrenzung der Schüler und Lehrkräfte vs. nicht alle Schüler profitieren davon 18
5.3 Lernleistungskontrolle nur für prüfbares Verhalten vs. Schülerselbstkontrolle 19
6. Schlussfolgerung 20
7. Literaturverzeichnis 22
2
1. Einleitung
Infolge der heutigen Didaktikvielfalt ist es völlig berechtigt zu fragen, welches Unterrichtskonzept den Anliegen und Anforderungen einer Gesellschaftsstruktur im 21. Jahrhundert nachkommt. Welche Eltern wollen nicht ihre Kinder einem Unterrichtsprinzip überantworten, das ihnen Freude und Motivation zum Lernen ermöglicht? Und wer will sich nicht auf Lehrkräfte stützen, denen man seine Kinder anvertrauen kann, damit sie sich wohlbehalten und akzeptiert fühlen und sich frei entfalten können? Es gibt zahlreiche Unterrichtskonzepte und Didaktiken, die von ihrer Methode überzeugt sind, Schülerinnen und Schülern 1 die beste Bildung bieten zu können. Die Frage ist nur, welche davon auch zusichert was sie verspricht.
Auch schon in den 60er Jahren wurde angesichts veränderter gesellschaftlicher Umbrüche eine Diskussion um eine Schulreform hervorgerufen. 2 Mit der Entwicklung geschlossener Curricula verlangte man zukünftig eine Tendenz zur Struktur- und Wissenschaftsorientierung. 3 Infolgedessen ging der `Lernzielorientierte Unterricht’ hervor, der für seine zweckrationale Unterrichtsplanung bekannt war und eine Effektivitätssteigerung der Lehr- und Lernprozesse versprach. 4 Aber als diese starren Lehrpläne als eine Einschränkung der individuellen Lernfähigkeit und Entfaltung der Schüler erkannt wurden, entsprang in dieser brisanten Auseinandersetzung Anfang der 70 er Jahre folglich die Forderung nach einem handlungsorientierten bzw. Offenen Unterricht, der allerdings bis heute noch Konflikte nach sich zieht. 5
Die Diskussion um den offenen Unterricht ging in den letzten Jahren immer mehr zu einer Grundsatzfrage über die Funktion von Unterricht und Schule innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsform hervor. 6 Die Relevanz wurde erhoben, dass eine demokratische Gesellschaft gleichermaßen ein demokratisches Schulsystem voraussetze. Bei solchem Anliegen wurde die Forderung nach Offenem Unterricht verstärkt. 7
Die gesellschaftlichen Wandlungen stellen die Bildungseinrichtung auch heute noch vor zahlreiche Aufgaben und Schwierigkeiten, aufgrund der mit umwandelnden Schüler. Diese Ausgangssituation ist elementar für die bildungspolitische Fragestellung welches Erziehungs- und Bildungsansatz heute qualitativ angebracht wäre. In diesem Zusammenhang scheint der Offene Unterricht als eine originell bietende Perspektive gesehen zu werden. 8
1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird in der vorliegenden Arbeit nahezu durchgehend die maskuline Sprachform verwendet. Damit sind beide Geschlechter gemeint. Sollte dennoch die weibliche Sprachform verwendet werden, ist dies auf ausdrückliche Hervorhebung des weiblichen Geschlechts oder auf wörtlich übernommene Zitate zurückzuführen.
2 Vgl. Jürgens, E.: Die ´neue´ Reformpädagogik und die Bewegung Offener Unterricht. Sankt Augustin 2000, S.12, 27
3 Vgl. Schröder, H.: Lernen und Lehren im Unterricht. Grundlage und Aspekte der Allgemeinen Didaktik. München 1989, S.94
4 Vgl. Peterßen, W.: Handbuch Unterrichtsplanung. Grundfragen, Modelle, Stufen, Dimensionen. München 1996, S.137f
5 Vgl. Jürgens 2000, S.26
6 Vgl. Ebd.
7 Vgl. Peterßen 1996, S.163
8 Vgl. Jürgens 2000, S.40
3
Mit der Ausgangsfrage: „Ist Offener Unterricht das wichtigste Unterrichtsprinzip für das heutige Lernen in der Schule und lernzielorientierter Unterricht Schnee von Gestern?“ wird eine unterschwellige Provokation hervorgerufen, die zu gut ihre Berechtigung verfügt. Vermag denn der moderne und scheinbar der lernzielorientierten Didaktik gegensätzliche Offene Unterricht mit seinen Anliegen den gewandelten Schülern gerecht werden?
Und soll die lernzielorientierte Didaktik hinsichtlich ihrer bestätigten Schattenseite, vollständig abgeschafft werden? Oder besitzt es für den heutigen Unterricht immer noch ein positives Attribut? Auf diese Fragestellungen und der darauf basierenden Diskussion möchte ich in dieser Hausarbeit eingehen.
Die scheinbar modern gewordene Begeisterung für den Offen Unterricht hat auch mich stutzig gemacht, sodass ich für mich als angehende Lehrerin bei der Ausarbeitung dieser Arbeit ebenfalls Antworten finden möchte, die für mein zukünftiges Unterrichten möglicherweise hilfreich sein können.
Zur Beantwortung der Ausgangsfrage der vorliegenden Hausarbeit werde ich zunächst einen Überblick über die beiden Unterrichtsprinzipien geben, sowie ihre Kennzeichen und Methoden darstellen und anhand von Beispielen veranschaulichen.
Anschließend werde ich erarbeitete Hypothesen, die sich automatisch aus der ausgehenden Fragestellung ergeben, kritisch hinterfragen und analysieren.
Abschließend folgt eine Diskussion, die mit Hilfe der herausgearbeiteten Ergebnisse die beiden Ansätze in einen größeren Rahmen einordnen und zur Beantwortung der Frage führen soll.
Es ist anzumerken, dass ich nicht im engen Sinne empirisch-analytischer Forschung das Wort ‚Hypothese’ gebrauche, sondern die als Resultat meiner persönlichen Vermutungen und entwickelten Behauptungen zu verstehen sind.
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2. Darstellung zum `lernzielorientierten Unterricht’
“Im lernzielorientierten Unterricht sollen Lernplanung, Lernorganisation und Lernkontrolle an eindeutig definierten Lernzielen orientiert werden. Durch die genaue Festlegung der Lernziele einer Stunde und ihrer Abfolge im Unterricht soll das Lernergebnis beobachtbar, vorhersagbar und im Blick auf Zeitbedarf, Hilfsmittel und den Grad der Zielerreichung kalkulierbar werden.“ 9
2.2 Definitionen zum lernzielorientiertem Unterricht:
Für ein leichteres Verständnis dieses Konzeptes sollten ein paar Begrifflichkeiten näher definiert werden, auf die ich kurz eingehen werde. Vordergründig wäre es von Bedeutung das Curriculum nachzuvollziehen, da dieses Konzept auf ihm beruht: „Ein Curriculum - als Endprodukt eines Entwicklungsprozesses - ist ein Plan für Aufbau und Ablauf von Unterrichtseinheiten.“ 10 Demnach wird ein Curriculum als ein umfassender Lehrplan zur Vorbereitung von Unterricht bezeichnet, der auch Aussagen über Lernziele, Lernorganisation und Lernkontrolle enthält, die nützlich zur Vermittlung und Überprüfung des Gelernten sind.
Des Weiteren sind die Lernziele zu bestimmen, wobei der Term `lernzielorientiert’ schon von sich aus erahnen lässt, das sich der Unterricht an Lernzielen orientieren muss. Unter einem Lernziel verstehen die lernzielorientierten Didaktiker eine Festlegung zu erreichender Verhaltensänderung, das zum Fixpunkt der gesamten Unterrichtsplanung wird. 11
Es lässt sich fortführen, dass je genauer das Lernziel bzw. das Endverhalten beschrieben wird, desto einfacher ist letztlich die Zielerreichung zu ermitteln. 12
Auch Lernzieloperationalisierung ist ein zentraler Begriff in der Lernzielorientierten Didaktik und bedarf einer Definition. Eine `Operationalisierung’ der Lernziele ist eine „Formulierung von exakten Verhaltensänderungen auf der entscheidenden Feinzielebene“ 13
Daraus ist zu verstehen, dass es ein ungenaues Lernziel so präzise wie möglich auszudrücken gilt, das demnach ein Endverhalten darstellen soll und seine Erfüllung am Ende des Lernprozesses am Verhalten des Schülers zu beobachten und zu überprüfen ist. 14 Beispiel eines operationalisierten Lernziels, liefert uns Robert Mager:
„Der Schüler muß zeigen können, daß er eine auf französisch gestellte Frage verstanden hat, indem er auf Französisch mit einem sinnvollen Satz antwortet.“ 15
2.3 Kennzeichnung:
In einem zielorientierten Unterricht stellen Zielformulierung, -setzung und -erreichung den Schwerpunkt dar. 16 Diese werden generell von der Lehrkraft festgelegt, deshalb wird er auch als ein
9 Meyer H.: Leitfaden zur Unterrichtsvorbereitung. Hrsg. v. D. Albrecht et al. Frankfurt/Main 1991, S. 151
10 Möller, C.: Die curriculare Didaktik oder: der lernzielorientierte Ansatz. In: Didaktische Theorien. Hrsg. v. H. Gudjons/R. Winkel. Hamburg 1999, S.75
11 Vgl. Peterßen 1996, S.115
12 Vgl. Schröder 1989, S. 94
13 Jürgens, 2000, S.14
14 Vgl. Schröder 1989, S.45
15 Zitiert nach Meyer 1991, S.141
5
lehrerzentrierter Unterricht bezeichnet. 17 Wie bereits thematisiert, wird das Lernziel zum Fixpunkt der gesamten Unterrichtsplanung, dessen Formulierung ein präskriptives (d.h. vorschreibendes) Verfahren ist und die Analyse der Lernziele ein deskriptives (d.h. beschreibendes) Verfahren ausführt. 18 Das folgende Schema verdeutlicht so einen lernzielorientierten Unterrichtsablauf mit den drei Teilprozessen Lernplanung, Lernorganisation und Lernkontrolle:
Abb.1: lernzielorientierter Unterrichtsprozess 19
Das bedeutet die Planung des Unterrichts verläuft zunächst in vier Handlungsschritten: der Sammlung von Lernzielen, die man aus Lehrplänen, fachdidaktischer und fachwissenschaftlicher Literatur usw. entnimmt, der Lernzielbeschreibung, die mithilfe der Operationalisierung erfolgt, die Ordnung von Lernzielen, die anhand von bestimmten Techniken (z.B. Taxonomien und Hierarchien) abläuft und letztlich die begründete Entscheidung für ausgewählte Lernziele, die bei der Suche und Entscheidung von adäquaten Lehrmethoden weiterhelfen soll.
Nachdem ausreichend Lernziele gesammelt wurden, folgt die Beschreibung der Lernziele über die Operationalisierung. Da es verschiedene Arten von Lernzielen gibt, die sehr abstrakt oder sehr ausführlich verbalisiert sein können, werden in diesem Fall die von Christine Möller eingeführten Begriffe Richt-, Grob- und Feinziele zufolge dem Maß ihrer Abstraktion einander zugewiesen: 20 1. Richtziele geben überfachliche Ziele an, wie Urteilsfähigkeit, Logisches Schließen, z.B. Befähigt werden, an Kultur- und Wirtschaftsleben des Staates teilzunehmen. 2. Grobziele sind fachlich, beschreiben also Ziele deutlich aber nicht ins Detail gehend, z.B. Kenntnis der Auswirkungen vulkanischer Tätigkeit 3. Feinziele sind konkret formulierte Ziele, z.B. Beurteilung von Sicherungsmaßnahmen
16 Vgl. Schröder 1989, S.94
17 Vgl. Jürgens 2000, S.43
18 Vgl. Schröder 1989, S.212f
19 Ebd., S. 213
20 Vgl. ebd., S. 97; Möller 1999, S.80 , Meyer 1980, S. 140
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Arbeit zitieren:
Rita Hardlove, 2011, Offener Unterricht vs. Lernzielorientierte Didaktik, München, GRIN Verlag GmbH
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