Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Baktrien 5
3. Das Verhältnis zwischen Achämeniden und Nomaden
4. Der Krieg Alexanders des Großen gegen die Nomaden 8
5. Die Seleukiden und die indigene Bevölkerung Baktriens 10
6. Der Kampf der Seleukiden gegen die Nomaden in Baktrien 12
7. Die Erhebungen des Andragoras und Diodotos 13
8. Die Gräber von Tilla- Tepe 16
9. Zusammenfassung 19
10. Quellen- und Literaturangabe 21
10. 21
10. 21
1. Einleitung
Diese Hausarbeit soll versuchen, das östlichste je vom Hellenismus beeinflusste Gebiet, Baktrien, zu untersuchen. Hierbei soll weniger eine spezielle Stadt, als vielmehr das ganze Gebiet Βακτριανή - natürlich auch mit Verweisen auf die Städtebaupolitik der einzelnen Hegemonen in dieser Region - ins Zentrum der Recherche gerückt werden. Es soll versucht werden, die wechselhafte Geschichte, die Ursachen und Prozesse der Machtwechsel, sowie die Rolle der autochthonen Bevölkerungsschichten bei diesen Entwicklungen in dieser fernen Satrapie zu beleuchten.
Die Untersuchungen beginnen hierbei bei der Machtübernahme der Achämeniden, erstecken sich über das Wirken Alexanders des Großen und terminieren schließlich mit dem Zeitalter des Hellenismus, i.e. dem Seleukidenreich und dem graeco-baktrischen Reich. Die Bedeutung der Region für das Reich des Seleukos, die Widrigkeiten beim Versuch dieses Territorium zu stabilisieren und letztlich der Verlust Baktriens sowie die direkten Folgen desselbigen für den Diadochenstaat sollen dabei im Mittelpunkt stehen.
Bei allen Unterpunkten wird hierbei das Verhältnis der einzelnen Ethnien, die wirtschaftlichen Interdependenzen, mögliche Akkulturationsprozesse, aber auch Konflikte und deren Ursachen in den Vordergrund gerückt werden. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Umgang der einzelnen Fremdherrscher mit den Indigenen, aber auch - und vielleicht sogar interessanter - auf die Politik der Achämeniden und Griechen hinsichtlich der ursprünglich jenseits der Grenzen Baktriens situierten nomadischen Völkerschaften gelegt. Die Hausarbeit soll auch die Frage beantworten, inwieweit ein Prozess des Synkretismus, ein Verschmelzen der einzelnen Ethnien, stattgefunden haben könnte und wie nachhaltig der Einfluss des Hellenismus in dieser Region gewesen ist.
Die Arbeit basiert auf verschiedenen Monographien und anthologischen Aufsätzen unterschiedlicher Historiker und Archäologen. Desweiteren sollen natürlich auch Quellen zur Beantwortung der einzelnen Fragen herangeführt werden. Hier muss erwähnt werden, dass eine günstig zu nennende Situation der Dokumentation durch schriftliche Quellen, wie wir sie zum
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Beispiel für Babylonien oder den Westen des Reiches vorfinden, für Baktrien nicht existiert. 1 Die uns bekannten Überlieferungen müssen darüber hinaus als sekundär bezeichnet werdeneine Ausnahme sind hierbei lediglich einige Berichte des Herodot, vornehmlich bezüglich der nomadischen Skythen. So wurden die uns zur Verfügung stehenden Zeugnisse, die die Ereignisse jener Zeit beleuchten, allesamt Jahrhunderte später niedergeschrieben. Geschichtsschreiber wie Arrianos oder Curtius Rufus, die ihre Berichte ja auf für uns größtenteils verschollene Texte des Aristobulus, Ptolemaios und Kleitarchos basieren, sind hierbei zu erwähnen. Desweiteren gibt es einzelne Erwähnung über Baktrien in den Schriften des Strabon, Plinius der Ältere, des Polybios oder auch Justin. 2
Eine große Hilfe bei der Rekonstruktion der Ereignisse jener Jahrhunderte sind archäologische Ausgrabungen und die hierbei zu Tage geförderten epigraphischen und vor allem auch numismatischen Funde, welche eine genauere Kritik der Textquellen und in Kombination mit denselbigen ein besseres Verständnis historischer Prozesse zulassen. 3 Die schwierige Situation der Region, die ja seit Jahrzehnten von Konflikten und Kriegen heimgesucht wird, hat hierbei Ausgrabungen immer wieder behindert beziehungsweise zum Verlust bereits exkavierten Fundmaterials geführt. Es ist darüber hinaus zu befürchten, dass die zahlreichen Bombardements während der verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen bisher unentdeckte Rudimente antiker Architektur und kulturelle Prätentiösen für immer vernichtet haben.
1 Josef Wiesenhöfter: Discordia et Defectio - Dynamis kai Pithanourgia. Die frühen Seleukiden und Iran, in: Bernd Funck (Hrsg.): Hellenismus. Beiträge zur Erforschung von Akkulturation und politischer Ordnung in den Staaten des hellenistischen Zeitalters, Tübingen 1996, S. 32.
2 Vgl. B. Brentjes und H. Treidler, Baktria, DNP 2 (1996), Sp. 414.
3 Vgl. Igor Picikian: Neue Entdeckungen in Baktrien und die hellenistische Kultur, in: Bernd Funck (Hrsg.): Hellenismus. Beiträge zur Erforschung von Akkulturation und politischer Ordnung in den Staaten des hellenistischen Zeitalters, Tübingen 1996, S. 77. 4
2. Baktrien
Bevor die geschichtlichen Ereignisse in und um Baktrien ins Zentrum der Untersuchung gerückt werden sollen, gilt es zunächst einige Gedanken über die geographische Situation der Region selber anzustellen. Zu anfangs sollte Erwähnung finden, dass die angrenzenden Gebiete Sogdien und Margiana oftmals mit Baktrien eng in Verbindung gebracht, wenn nicht sogar von manchen Autoren synonym verwandt werden. Hierbei verwundert es auch nicht, dass die drei genannten Areale im Laufe der Jahrhunderte von den einzelnen Hegemonialmächten oftmals als eine Verwaltungseinheit zusammengefasst worden ist. Die ökonomische und kulturelle Signifikanz Baktriens ergibt sich aus der zentralen Lage in Mittelasien. Die Seidenstraße, welche die Region durchzog und als Hauptschlagader des antiken und mittelalterlichen Handels zwischen der westlichen und östlichen Hemisphäre bezeichnet werden kann, dürfte auch zur Entwicklung Baktriens als kulturellen Knotenpunkt beigetragen haben. 4 Weitere Faktoren, die zur Bedeutung Baktriens beigetragen haben dürften, sind neben den ackerbaulichen Nutzflächen die von Ailianos und Plinius berichteten Ressourcen an Gold und Bactrianorum smaragdi. 5
Curtius bezeichnet die ungewöhnliche Mannigfaltigkeit der Region mit den Worten: Bactrianae terrae multiplex at varia natura est. 6 Auch bei Ammianus Marcellinus finden wir Aussagen über Baktrien, jedoch verweist dieser lediglich auf die fruchtbaren Weideflächen und nicht auf die Prävalenz weitestgehend unwirtlicher Landschaften, wie dies Curtius tat. 7 In der Tat kann der Kontrast zwischen lebensfeindlichen Wüsten, weitgestreckten Gletschern, subtropischen Tälern und gemäßigten Ebenen der Steppen als außergewöhnlich beschrieben werden. Vergegenwärtigt man sich zudem die sommerliche Durchschnittstemperatur Baktriens von 39° Celsius und vergleicht selbige mit der Temperatur in Athen, welche um die 30° Celsius beträgt, kann man sich die Strapazen eines griechischen Fußsoldaten - auch eingedenk der ungewohnten Aridität - während einer der unzähligen Gewaltmärsche Alexanders vorstellen. 8
4 Vgl. Frank L. Holt: Alexander The Great and Bactria. The Formation of a Greek Frontier in Central Asia, New York 1993, S. 11 u. 21.
5 Vgl. B. Brentjes und H. Treidler, Baktria, DNP 2 (1996), Sp. 414-‐415.
6 Curt. 7.4.26.
7 Amm. 23.6.56-‐57.
8 Vgl. Frank Holt L.: Alexander The Great and Bactria. The Formation of a Greek Frontier in Central Asia, New York 1993, S. 25.
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3. Das Verhältnis zwischen Achämeniden und Nomaden
Bevor der Fokus nun auf Nomaden und Achämeniden gerichtet wird, sollte zunächst der generische Begriff Nomaden kurz untersucht werden. Das Wort leitet sich aus dem griechischen Begriff für „weiden“ ab, 9 was ein Hauptattribut dieser Völkerschaften, nämlich das der steten Migration aufgrund der fortwährenden Erkundung neuen Weidelandes, reflektiert.
Konnotationen gehen jedoch weit darüber hinaus. So verbindet man mit diesen Ethnien der mittel- und ostasiatischen Steppe meist Reiterscharen, die durch ihre Kriegskunst in zahlreichen Geschichtsbüchern ihren Niederschlag gefunden haben. So berichtet bereits Herodot: „Nun auch von ihren Bräuchen im Kriege. Wenn ein Skythe zum ersten Mal einen Feind erschlägt, so trinkt er von dessen Blut. Hat jemand in der Schlacht einen Gegner erschlagen, so bringt er dessen Kopf dem König. […] Die Kopfhaut zieht er auf folgende Weise ab: Nachdem er einen Schnitt rings um die Ohren gemacht hat, nimmt er den Kopf in die Hand und schüttelt ihn heraus; dann schabt er die Haut mit einer Ochsenrippe […] und wenn sie weich ist, dient sie ihm als Handtuch […].“ 10
Auch Machiavelli schließt sich dem Tenor Herodots an, wenn er in seinen Discorsi schreibt: „Eine andere Art ist es, wenn ein gesamtes Volk (mit Familie) einen Ort verlässt, angetrieben von Hungersnöten oder Krieg, und sich aufmachen ein neues zu Hause und ein neues Land zu suchen, in welchem sie leben können. In diesem Fall wird es nicht bloß dort regieren, es wird alles in Anspruch nehmen und die alten Einwohner vertreiben oder töten. Das ist Krieg der grausamsten und schrecklichsten Weise.“ 11
Auch wenn man den tendenziösen Charakter vieler Quellen bedenkt - und die beiden hier genannten Autoren nehmen sich dabei wahrlich nicht aus - so sind die Analogien derselbigen bezüglich ihrer Berichte über die Art und Weise der nomadischen Kriegsführung jedoch auffallend. Somit sind die Darstellungen der Nomaden als äußerst kriegerische und im Zuge dessen auch brutal vorgehende Völker wohl auch mehr eine bloße Schimäre unserer Geschichtsschreiber.
9 Günter Gurst, Nomade, MNL 10 (1974), S. 142.
10 Hdt. 4.64.
11 Machiavelli zitiert nach Gerard Chaliand: From Mongolia to the Danube. Nomadic Empires, New Brunswick and London 2004, Einführung. 6
Arbeit zitieren:
Toni Friedrich, 2010, Baktrien – Achämeniden, Griechen und Nomaden, München, GRIN Verlag GmbH
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